Hr.200 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Samstag, 25. August (928
Die Interparlamentarische Union in Berlin.
Don G v. ünflertbCfernberg.
TBan spracht oft und otel von rmrr Änle des Hdrfamenlari»mu6. 3n der Xat tw’ der blinde Köhlerglaube an die DortreMichteri des Paria- mentarV<fcen SysterT-s bei bei 3öl!ern und bet den Leibern der Politik einer kühleren Heber!egen» beit Platz gerned)t Man ciubeA dvn Schonen- fetter, tno man trüber mir Licht -u leben vermeinte und ee gibt Staaten, bte oas Kind mit brnn Bade auel<6ütteten. bir tm Parlamentarismus die Quelle aller politischen Leiden vermuteten und das Parlament n*te z B in Spanien, gant abschafften, ober eS in seinen Rechten beschnitten. Die alle* Menschenwerk. uni erliegt gewtß auch der Parlamentarismus einer Krittt. die mehr ober weniger herbe aussallen und mehr ober weniger berechtigt lein mag. Man ist Aut Erkenntnis erlangt, da- das Parlament auS sich Mbft heraus einen klaren RegicrungswUlen nicht au cnitotdeln vermag, daß es lernet in seiner heutigen, allzu starr gewordenen PaNeigebunden- bed seiner Ausgabe insofern nicht gerecht wird, als es ben Ringen der Geister zu wenig Raum bietet Aber alle diele Betrachtungen können an der Tatleche nichts ändern, bah bisher noch fern politisches So Item geformt worden ist. das den Parlamentarismus erleben, geschweige denn ihm den Terrang ablausen könnte
Ss tft deshalb em Ereignis von weittragender Bedeutung, bofi lich jetzt das Parlament der Parlamente, die interparlamentarische Union, im Reichstagsgebaude zu Berlin zu (einer 25. Konferenz versammelt hat Bon 37 Staaten sind 517 Teilnehmer angemekdet worden. Mitglieder der verschiedensten Parteien, mit Ans- nabme der S r tremrechten und Skt rem linken. CTn her Wandeshalle des Reichstagsgebäudes grüben bte Kähnen der 37 Länder, vermischt mit dem deutschen Banner, die Abgeordneten. Abordnungen Haden entsandt die Parlamente Großbritanniens. der Vereinigten Staaten von firnerifa, Australiens, der Südafrikanischen Union, Aegyptens. Oesterreichs, Belgiens. Boliviens. Bulgariens. Kanadas, Chiles. <5oUarica4. Dänemarks, Danzigs. Santo Domingo-. Estlands. Finnlandü. Frankreichs. Ungarns. Indiens. Riederländisch Indiens. Irlands. Italiens. Japans. Lettlands. Rorwegen». der Riederlande. Perus. Polens. Rumäniens. Jugoslawiens. San Salvadors. Schwedens, der Schwer, der Tschechoslowakei, Uruguays und die Informationsabteilung de» Bötterbundes. Man ersieht, daß trotz der regen Beteiligung mehrere Länder auf dem Interparia- inentarilchen Kongreß nicht vertreten sind. Dazu kommt, daß einige Delegierte, wie z. D. die Italiens. unter t*m faszistischen Regime kaum als Parlamentarier bezeichnet werden können. Die Iugoflawische Abordnung vertritt nur das augenblicklich in Belgrad tagende Rumpfparlament. Die Kroaten haben ihre eigene Abordnung entsandt, die nichts mit der Skuptschina gemein hoben will. Der jugoslawische Ministerpräsident. Korofetfch. Hal die Kroaten denn auch prompt wissen lassen, daß ihre Abgeordneten fosort nach ihrer Heimkehr auS Berlin vor Gericht gestellt werden würden. Schließlich verlangen auch die Senatoren und Abgeordneten des Aegyptischen Parlaments, das vom König Fuad aufgelöst und seiner Rechte beraubt wurde, Anerkennung auf dem Kongreß. DaS sind bcille Fragen, die der Mvudats-PrulungS-Kom- misfivn viel Sorgen bereiten. Auch die «Stellung der pclnischen Parlamentarier, die her Regierungschef Marschall Pil f udf ky ungeftraft als eine . Ban de von Dirnen" bezeichnen durste, die er am liebsten auspeitschen mochte, ist keine autoritative. Für keine der Regierungen sind eventuelle Beschlüsse der Interparlamentarischen Konferenz bindend.
Es ist nicht zum ersten Male, daß Deutschland den Vorzug hat, die Interparlamentarische Union in feinen Grenzen zu begrüßen. Im Jahre 1008 liewillkommnete Reichskanzler Fürst Bülow die versammelten Mitglieder der Parlamente und
weiße
lucht, etwas
der Mensch sie dem ode zu Tentreißen oftmals weil er, der Mensch, in ihnen von ihm selber sterben fühlt...
Sines Morgens lag es da. das schöne.
Ein Tier ist gestorben.
Don Will Scheller.
Sie wissen es gleich und wehren sich nicht, das. auch das unterscheidet sie von den Menschen. die es nicht wissen, die eS nicht wahr haben wollen wenn der Tod neben ibAcn steht, und sich wehren, obwohl da kein Sichwehren Hilst. Die Tiere aber wissen es. und eS ist ihnen wie eine lästige Störung, wenn der Mensch versucht, den Tod von ihrer Seite zu vertreiben. Mas sie nicht zu willen scheinen, ist nur. daß
Geschöpf. In sich gekauert, da» lichte, weiche, tiefe Fett gesträubt, mit allen Zeichen der Erkrankung - dem kurzen Atem, der stoßweise durch die gestern noch rosigen, nun wachsbleichen Rüstem ging, den geschlossenen Augen, deren wundersames Blau hinter zusammen- gebrüdten Lidern weggesunken schien, der vollkommenen Gleichgültigkeit allen sinnlichen Reizen und Eindrücken gegenüber, den sonst mit größter Wachsamkeit toabrgenommenen. Do er hingclegl wurde, au» behutsam ihn wiegenden Armen, da blieb er liegen, der grofic Angvra- kater. und ließ den Kopf hängen, als wollte er lagen: laßt, es hat ja doch feinen Sinn lveh7. irgendetwas zu eilen, zu trinken, irgenb- etwas zu tun oder nicht zu tun.
il» der Arzt kam. da lieh er wohl, fanft- mutia mit immer, die Untersuchung über sich ergeben, aber sein Gesicht war schon >o Per- vandelt, war so spiy geworden, daß die Hoff- "angen. die der fremde Mann auf seine Heil- mlttcl gninbete, nur den Menschen glaubhaft .■engen, die daneben standen, ängstlich und mit einem Gefühl der Schuld, als hätten sie etwas ixrfaumt. Ach, als ob der Mensch nicht immer ettoa« versäumte, seinesgleichen gegenüber täg- Jlflan* öu schweigen!
u h f‘u c.r- War er. der kleine Kranke. SL ^ongeschlkchen und hatte sich auf dem 5S S*™} «ine weiche Ruhestatt ge- _ ktoren? Rein Da durfte er liegen cr «uh ganz still, als zarte, lorgcnbe Frauen Hande an ibm vollzogen waS
verilcherte sie der Sympathie, die ihre edle Sache -vrbiene Darüber find 26 Jahre vergangen. Der Einsturz einer QDclt. verursacht durch den surch:- oaren Krieg, liegt dazwischen Die zwischenstaatlich, Körperschaft der Union ist unbeschadet und geftärft iu» der Katastrophe berporgegaiuen. Man darf es ihr m Deutschland nicht vergelt en. daß he es war. die 1919 trotz allgemeinen Haß. Verblendung sich nicht davon abhallen ließ, Ber- tretet Deutschlands zur Teilnahme an ihrer Tagung einzuladen. Da», was heute selbst
verständlich erscheint, war es damals nicht Die Interpa rla77-.enranlche Union blieb sich &rcr Heber!ielerung treu, da sie von Anfang an ipre Hauptaufgabe bann fah eine Tribüne für he Berständigung unter den Völkern zu bilden. Vielleicht gerade in diesem ehrlichen Bestreben. das durch feine Gehennabmachungen qe- hennnt wird wurzelt die unbestrittene hohe Ach- tung. die die Interparlamentarilche Union In der Welt genießt.
Der Silberne Löwe erwacht.
Oeutscher Bahnbau in Persien. - $ür 400 Millionen Mark Eisenbahnen. — Oer Kamps um Persiens Oelselder. — Sin Kosak, der König wird.
Don Richard Aieburg.
(Eine deutsche und eine amerikanische Gruppe haben den Auftrag erhalten, für die persische Regierung eine 1700 Kilometer lange Bahn vom Kaspischen Meer ,uim Persischen (Sols zu bauen. D. Red.
Das einzige asiatische Land, dos in der Geschichte des europäischen 'Altertum» eine Rolle spielte und dem r» gekng, seit dieser Zeit ununterbrochen seine Unabhängigkeit zu bewahren, ist Persien, der mohammedanische Staat, der im Norden von der Sowjetunion — und zwar zum größten Teil non der Kirgisenrepublik — und im Süden von halbenglischen Territorien begrenzt wird. Der Persische Golf gilt feit langer Jett all britisches Interessengebiet, Belutschistan ,st eine englische Kolonie, Mesopotamien steht unter britischem Einfluß, und Persien ist daher an vielen Stellen von England bedroht, da» mit großem Appetit auf die persischen Oelselder schont. Aber Persien hat auch zwei andere Nachbarn, die I u r • f e i und Afahanistan , und diese beiden Staaten beweisen den Persern, daß man sich von fremden Einflüssen frei holten kann, fein eigenes tut- tureUe» und politisches lieben zu sichren vermag. Dieses Beispiel ist nicht ohne Einsluh geblieben. Bor zwanzig Jahren schloß Rußland mit England einen Vertrag, der Nordpersien den Russen, Siid- persien den Engländern auslieferte. Inzwischen haben die Russen ihre Vorrechte aufgeben müssen, und auch die Engländer, die in mancher Beziehun.z an Boden gewonnen hoben, wagen e» zur Zeit nicht, die Souveränität dieses Landes anzutaften. es etwa zu einer brilifdfen Kolonie zu matten.
Der Orient ift erwacht. Die die übrigen asiatischen Völker, die sich Schritt für Schritt von europäischer Dormundschast frei machen wollen, haben auch die Perser erkannt, daß sie sich mit Erfolg gegen das vordringende Europöerkum nur wehren können, wenn sie den wirtschaftlichen Ausbau ihres Landes selb ft in die Hand nehmen ober, so ivelf sie dazu nicht in der Lage sind, diese Arbeiten solchen Europäern übertragen, von denen eine politische Au», uutzung ihrer Situationen nicht zu erwarten ist. Die hohen Beamtenstellen und besonders die wichtigsten Aemter in der Zollverwaltung haben die Perser deshalb in den letzten Jahren den (Europäern fortgenommen; sie wurden Landsleuten an- vertraut, die auf europäischen Hochschulen studiert haben. Aber Eisenbahnen können die persischen Ingenieure noch nicht bauen, und da man sie dringend braucht, muß man fremde Hilfe ins Land rufen. Die persilche Regierung hat großes Vertrauen zur Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie, und sie ist ferner, was noch wichtiger ist, davon überzeugt, daß Deutschland keine versteckten politischen Absichten in Persien verwirklichen will. Es lag also nahe, deutschen Firmen den gewaltigen Austrag au erteilen, die wichtige persische Nord- Süd d a h n zu bauen.
Die neue Bahn soll in Benderges am Kaspischen Meer beginnen, bann an ber Grenze ber Provinz Ehorassan, bie soeben von einem schweren Erbt»eben heimgesucht worben ist. entlanglaufen und zur Hauplstabt Teheran fuhren. Sie wirb bann über Hamadan und Schuschter bis zum tet Artt verordnet hatte. (3r Iah kaum auf, cr wehrte fich nicht, und es war dem Menschenauge. dem hoffenden, al- ob er der Genesung entgegenschlummere. Zwar ging der Atem heftig wie zuvor, als ob daS kleine Herz arg in Bedrängnis wäre, aber es hieß ja. in drei Tagen könne die Krankheit behoben sein, für welche freilich ein Harne nicht genannt worden war. Bei einem Pferd hätte sich daS wohl genauer sagen lassen, zur Rot auch noch bei einem Hund, aber bei einer Katze...?
Der Mensch ist gewohnt, auf ber Heilkraft des Schlafes die Schlösser seiner Lebenshollnung aufjubauen. Da liegt das kranke Tier und schlummert; kaum daß eS sich regt. alS eS am Abend umgebettet wird, in einen geräumigen Korb, auf ein weite», weiches Kissen. S» läßt sich streicheln, ja, al» jene schlanke Hand, bte ihm immer nur Gutes, immer nur Liebes getan bat. den Hals ein wenig kraut, ist e». als finge in der Tiefe des atmenden KörperS ein Schnurren an. Unb wie Ichön, wie laut und ausdauernd war dieses Schnurren in gesunden Tagen!
Sv kommt die Rächt. Unruhig ist heute der Menschenschlag Das Ohr lauscht den Regungen des kleinen Leben» da. dem zu helfen bas Herz willens. daS Millen aber zu schwach ist, und die Einbildung, in den Traum gesunken, erleidet die Qual dunkler, unverständlicher Gesichte.
Da. schon graut der Morgen, ist in wenigen Minuten alles vorbei Roch einmal hat da» gutgeartete Tier sich erhoben SS röchelt. Gs keucht. Au» seinem kranken Leibe stoßt es durch den Mund eine Flüssigkeit heraus da» Gift vielleicht, das ihm Io zugeieyt hat? Schien es nicht, al» wäre Gift bte Ursache seine» Leiden»? ilnb sollte nun die Arznei geholfen und den kleinen Körper von störendem Stoff befreit haben?... Aber die Gestalt, deren stolze Haltung sonst so oft Gegenstand der Bewunderung war. schwankt, sinkt zusammen Warme, gütige Frauenarme heben sie auf. wagen kaum, da» schwer hemiederhängende Wesen noch einmal an» Herz zu drücken, betten es fürsorglich in den Korb zurück. Seltsame Zuckungen, fast nur ein Aftern, geben durch die Glieder. Licht! !! — Zu spät. Ls ist fchon zu Lide...
Da liegt es da» weihe Geschöpf, ausgestreckt, reglos, und die Wärme, die eben noch in
Persischen Golf gebaut, wo sie im Thin- bungsb.lta de» Tigris ihr Ende tinbrn wirb. Jur Fett ist man bamit beschäftigt, ,e 150 Kilometer bitfer Bahn im Narben unb Süden al» Probe- strecken zu bauen, bie Bollenbuug bieser Arbeit wirb zwei Jahre in Anspruch nehmen. Man schätzt, baß der ganze, etwa 17OJ Kilometer lange Bohn- bau 400 Millionen Mark kosten wirb, Gleichzeitig werben oder noch viele onberc Arbeiten ausgesuhrt werben muffen, die mit biefem Pro,ckt Zusammenhängen; |inb bod) von ber amerikanischen Mission einige Seitenstrecken ber geplanten Bahn schon in Angriss genommen worben, bie nun au«-gebaut wer- den sollen. Man plant ferner bie Herstellung eine» Staubamme# bei Awas, ber sowohl al» Eisen Bahnüberführung, wie zur Anlage einer straft- zentrale bienen soll. Vorläufig gibt es nämlich in Persien nur menige Elektrizitätswerke, unter benen wahrschenlich bat wichtigste bas kleine Werk ist, bas ein Deutscher, in Ispahon haut unb mit dem er bei, Kamps gegen die Petroleumlampe aufnehmen will. Der Bahnbau zwingt ober auch dazu, an ben beiben Enbpiinkten ber Eisenbahn große Häfen anzulegen, unb e» steht jetzt schon fest, baß bie deutsche Gruppe, bie einen großen Teil bes Bahnbaus burchfiihren soll, oych ben Hasen am Kaspischen Meer bauen wirb, wahrend eine amerikanische (Hnippe, bie ebenfalls am Eisenbahnbau beteiligt ist, unter englisch-französischer Mitwirkung ben Hasen am Persischen (Rolf errichten soll. Wie wichtig olle diese Arbeiten für die wirtschaftliche Zukunft de» Landes fein werben, kann man schon daraus ersehen, baß e» borläufig keine nennenswerten Eisenbahnen gibt, ba bie drei bestehen- ben kleinen Linien, unter ben bie 120 Kilometer lange Strecke von Djulsa noch Täbris bie wichtigste ift, zusammen noch nicht 210 Kilometer lang sind. Das Laub, ba» bisher nur Karawanen unb einige hunbert Automobile als Transportmittel kannte, wirb sich nun also in einigen Jahren einer Eisenbahnstrecke von internationaler Beben- tung erfreuen, bie ber wirtschaftlichen Erschließung des Gebiete» sehr förderlich (ein muß.
Zur Durchführung eine» so gewaltigen Wirt- schaftsprogramms gchött natürlich viel Gelb, über bas orientalische Staaten im allgemeinen nicht verfügen. Aber Riza Khan, ber Schah von Persien, ift ein energischer Mann, ber etwa» aus seinen Canbsleutcn hcrauszuholen versteht. Er stammt aus ben untersten Dvlkskreisen seines Lon- bes, ist vor vielen Jahren als Kosak in eine russische Kavallerietruppe eingetreten, bie ben Russen half, einen festen Stützpunkt in Norbpersien zu gewinnen, unb hat nach dem Borbilb Kemal Paschas Paschas bie Macht im Lande an sich gerissen. Als er sich zum Schah von Persien krönte, konsizierte er dos Vermögen bes abgefetzten Herrschers, her ZU feinem Glück in Frankreich weilte, unb er hat es feitbem oerftanben, feine Gegner, bie sich besonders unter ben feubalen, halb unabhängigen dürften finben, durch Energie, bie auch vor Grausamkeiten nichts zurückschreckte, „in Schach zu halten". Um bie Finanzen bes Landes zu orbnen, de- biente er sich des Amerikaners M i 11 s p a u g h , ber von 1922 bis 1927 eine Art Finanzkontrolle ausübte, bis bie Perser auch bieses Amt übemah- seinem .'törper war. wird lau; der Atcm ist erloschen. Die großen blauen Augen, au» den IS?infein scheinen sie noch ins Licht zu blicken, scheinen noch etwas von ihrem beobachtenden Ausdruck sich bewahrt zu haben, sind verglast — so rasch geht da». So schnell versiegt ein Born täglicher Freude, daran der Mensch zu gern fich gewöhnt, als daß c» ihm nicht immer wieder Leid bringen müßte in» Leben. Denn er hat nicht die Macht, er. die Krone der Schöpfung, der Weltverwandler, der Herr über allen Geschöpfen, da» Verstechen dieser kleinen Quelle aufzuhalten, da» Erlöschen de» fteinen Lichtes, das in dem Dasein eines Tieres brennt. Ganz arm. ganz httslo» steht er da. wenn fein Genoß, das Tier, von ihm geht, wiffend, ohne fich zu wehren, weise, still, gefaßt, ins iln- abwendliche ergeben.
Unb der Mensch geht hin und gräbt ein Grab. Ein Kasten, hinreichend geräumig, nimmt das Tote auf. Liebende, vor Gram ein wenig zitternde Hände betten c» behutsam auf ein letztes Kissen. Und es ist. da» verstummte Wesen, im Tod so sanft, wie es im Leben war. Leine Glieder folgen dem leisesten Druck, anmutig fügt der schöne Kopf sich einer Lage, die er ja. seltsam, auch im Leben bevorzugt bat. das Verkrieche i unb Sich-Einrollen in ein Kistchen, in einen Karton Und wie es einst gekommen ift. vor wenig Jahren, so geht e» nun auch fort.
3m Garten, dicht neben dem Platz, der manche heitere Sommerstunde schw'nden fah. nimmt die Erde das Gestorbene auf. Hier und da wachen Vögel au» ihrem Schlaf auf unb wiIpern (eile. Dumpf, unverftänblich hatten Menschenstimmen irgendwo durch die Stunde. S-s dämmert schon und diese letzte Arbeit braucht kein Licht. Dann ift auch da» geschehen. Sin paar Blumen fallen in die kleine Grube, ein Paar Blumen unb ein paar Tränen. Dars brr Mensch sich ihretwegen schämen. ber Tränen wegen um ein Tier? Weiche, warme Sommer- erbe rieselt darüber hin. Das Grab im Gebüsch ist schon nicht mehr zu 'ehen. Ss wirb hell. Ueberall nimmt ba» Zwitschern unb Flöten der Vögel xu. Unb doch bie Stadt fängt an. zu leben. 6in neuer Tag beginnt.
War es ein Traum — einer ber dunklen, quälenden Träume dieser Rächt? — Aber in |
men. Während Persien früher ein ,ahrliche» Defizit non wern^sien- fünfzehn Millionen Mark hatte, kann e» ttch letzt eine» ungefähr ebenso großen Uederschustes ertreuen. Da» rombe erreicht, trotz- brm do» Militär viel Geld kostete, da» Telegraohen- netz au»grbai!t worden ,1t. d,e persische Pos« Auto- mobile erhalten Hai und e» in gewissem Umsange lognr einen ständigen Luftoerkedr mbl. Aber da» alle - waren werdende Anlagen, b-f i,ch ,etzl de zahlt machen, der Staatshaushalt erhalt ferner betracht- l'che Mittel durch e,n Mucker- unb leemonopol. non dem lahihd) ungefähr 2-'» Millionen Mark einkom- men. Wenn d,e Sleuerfchraube noch em wenig 'thorier zufoßt, muß e» in der Io, möglich sein, die großen, für den Babnbau ettorderlichen Mittel lausend herettzustellkn.
Die wirischoliüche Erschließung Persien» roiib der deutschen Wirtschaft wahrscheinlich noch manchen chiten Auftrag einbringen. Do» Land, do» deeiin.1 io groß wie Deutschland ist, aber nur ungefähr zehn Millionen Einwohner besitzt. - - da e» vor- läufig keine persische Statistik gibt, können genaue Ziffern nicht angegeben werden — bietet ungeheure wirtschaftliche Aussichten. Da» ludpersifche Oel gebiet steht an vierter Stelle in der Welt- Produktion und liefert jährlich nnndeften» fünf Millionen Tonnen Petroleum aber auch tu NordPersien, in der Nachbarschaft der rnfsi- schen Petroleumstadt Baku, gibt »o wichtige, vorläufig noch nicht genügend auegenutzte Oe Helder. Ihn diese Prlroleiimquellen geht der stampf der englischen und amerikanischen Oelmagnaten. die in letzter Zeit in scharsern Wettbciveib mit dem russischen Petroleumtrust freien müsten Wenn d,e Eisenbahn da» Land durchqueren rilrb. muß .-» ferner möglich sein, die großen Bodenschätze hr% Lande», Kohlen, Küpser Eisen, Mangan :mb Wrfd nutzbar zu machen; aus diese Weise wird sich bn» persische Volk do» Geld verdienen, da» zum An- kauf wichtiger europäischer Guter nötig ist, und öd den freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutsch- land und Persien, lomie bei der Wer1s<t,ttz,ina. deren sich alle deutschen Waren m Persien erfreuen, kann man damit rechnen, daß s,ch der deutsche Erport nach diesem Land bald heben wird.
Das englisch-französische Marineabkommen.
Seit Wochen geht nun fchon ba» Rätselraten über d>e wahre Bedeutung des englisch- französischen Marine» Abkommen". Unb trotz aller beruhigenden Versicherungen, mit denen übrigen# Paris im Vergleich zu London stark zuruckyalt, verdichtet sich Immer mehr ba» Bild dahin, baß e» fich um einen Schlag gegen bie Abrüstungsaufgabe des Völkerbundes handelt.
Die liberalen Blätter Englands geben bas schon ziemlich unumwunden zu. Der „Manchester Guardian" ste>llt fest, daß England seine bisherige Auffassung, wonach bei der Berechnung ber Landstreitkräfte nicht nur bie tatsächlich unter Waffen befindlichen Mannschaften, sondern auch die ausgebildeten Reserven zu ben al« Grundlage für die Abrüstung in Betracht fom- menben Bestanbsziffern gerechnet werken müssen. Frankreich zuliebe preisgegeben habe. Man motiviert diesen Umfall ba* mit, daß man sich bisher nut der gegenteiligen Auffassung in ber Minderheit befunden habe und auf dem Wege über eine scsche Konzession an den französischen Standpunkt, ber natürlich auch von den Verbündeten Frankreich» aus dem Äontinent geteilt werde, die Möglichkeit schalle, um wenigstens eine geringe Rüstungseinschräi'- hmg zu sichern, während andernfalls die ganze Arbeit an biefer Klippe gescheitert wäre. Aber da» ist natürlich ein unhaltbarer und auch innerlich nicht aufrichtiger S'anbpunkt. Denn erstens steht e» keineswegs fest, daß in ber entscheidenden Abrüstungskonferenz nicht die zahlreichen neutralen Mächte neben Deutschland und England die Forderung nach Anrechnung auSgebilde'er Reserven, die ja in den Kominimonsberalungen oftunter ganz anderen Gesichtspunkten als benm
ber Wohnung droben ist etwas leer geworden. Keine Spur blieb von dem, wa»h ginn, für immer ging, unb doch, daß es nicht da.' daß es nicht mehr da ift. bleibt zu spüren Sin Tier ist gestorben, ja - nur ein Tier Aber des Menschen Herz ist davon schwer geworden.
Hochschulnachrichten.
Prof. Dr. v. Roorden von der Universität Frankfurt, ber in letzter Zett durch d e En'- deckung eines neuen Mittels gegen fre Zuckerkrankheit Aufsehen erregte, wird am 13. September 70 Jahre alt -- Der Rektor unb ordentliche Professor der Theologischen Fakultät an der Universität Heidelberg. Martin Dtbe- lius. hat einen Ruf al» Ordinarius für neu- testamrntliche Wissenschaften an bie Universität 'Bonn erhalten. - Die orbentlchen Profes'oren an der Universität Hei bei berg Dr mcd. Hermann Wielanb. Tire tor bes pharma'olo- gischen Instituts, und Dr. phil. Ma, Traun. Direktor des Phy'ikalifch-chemifchen Institut», llnb zu orbenllichen Mitgl'edern ber Heidelber''er Akabemie ber Wistenscha'ten gewählt worden Der außerordentliche Prosellor in ber Mün - chcner juristischen Fakultät Dr. jur. Han» Ravi a » kh hat einen Ruf al» ordentlicher Professor sür öffentliches Recht an die Unipctfifat 3t o ft od erhalten, iinzwischen hat Pros. Raw-n-stz vom Bayerrschen Kultusministerium Titel unb Rang eines ordentlichen Professors erhalten. Prof. Dr. jur. Walter Schönfeld m Greifswald hat ben Ruf auf ba» Ordinariat für deutsche» unb bürgerliche» Recht an ber Univcttttät Tübingen al» Rachfolger von Prof. PH. von Heck angenommen. — Zum Rachfolger von Pro^. Schultz^pora auf bem Lehrstuhl ber roman schcn Philologie an ber Universität Jena ist der a. o. Professor Dr. Heinrich Gelzer ebenda »a.u8erfeben. Dr. Gelzer, geboren 1883 zu Jena, erbtek feine Ausbildung unter Adolf Tobler 'Berlin) unb Gustav Grober (Straßburg). Seit 1912 doziert er in Jena. - Der mit dem Titel eines a. o. Professors bekleid«te Privatbozent für Phthisiologie in ber medizinischen Fakultät ber KarlS-Universität in Prag Dr. med. Ottokar Horak ist an den Versuchen bie er an llch selbst durch Einimpfung von Tuberkulose vor- genommen hat. gestorben.


