Einzelbild herunterladen

Lehrplanforderungen bis -um letzten In die Tat unuusetzen. Auch wer hierbei nicht in allem mit-ugeyen vermag, wer gewisse hergebrachte Bindung^ in Llnle.richt und Erziehung für un­ersetzbar hitlt, wird mit Interesse der weiteren Entwicklung dieser Art von Schulen folgen. Schließlich geht auch hier der Weg durch Au­torität zur sittlichen Freiheit, wenn auch beide Begriffe anders gegeneinander abgegrenzt sind, als mancher erwarten mag. Auch die Grundlage der Autorität ist einigermaßen verschieden von hergebrachter Form, und damit ändert sich der Wesensgehaki dieser Schulen in bemerkenswerter Weise.

Eine Riesenstadt von vier Millionen Einwvh- dern mit 903 Volksschulen und 300 000 Schul­kindern bietet natürlich zahllose Möglichkeiten. Einrichtungen des Schullebens zu studieren, die anderswo immer ein frommer Wunsch bleiben müssen. Aber auch mit dem Maßstab einer Mil­lionenstadt gemessen, macht eS doch einen starken Eindruck, wenn man erfährt, daß Berlin in den letzten Jahren 50 Millionen Mark für Schul- hausbauten aufgewendet hat. (Angesichts ge­wisser Erfahrungen von anderswo kann man diese Zahl nur mit einer gewissen Wehmut lesen.) Auch sonst überrascht die Großzügigkeit, mit der die Stadtverwaltung neuen Forderungen Rech­nung trägt, mit der sie unter Aufwendung sehr erheblicher Mittel zeitgemäße, mustergültige Ein­richtungen schafft. Wenn man siebt, daß zu der achtzehnklassigen Schule zu Schlachtensee 9000 Quadratmeter (demnächst 15 030 Quadratmeters) Fläche, mit Schulgarten, Wasserbecken, Wald­stück, Schulküche usw. gehören, daß es für das sortbildungLschulpflichtige Alter Beru'Sklassen für 120 verschiedene Berufe gibt (darunter Klassen, in denen nur Kinooverateure, andere, in denen nur autogene Schweißer sitzen), so setzt neben der Vielseitigkeit der Aufgaben der Schulverwaltung doch auch die Opserwilligkeit in Erstaunen, mit der eine moderne Stadtverwaltung auch in einer Feit wirtschaftlicher Bedrängnis für die Bedürf­nisse ihrer Jugend Sorge trägt.

In einer Zeit ungewöhnlicher Reformfreudig­keit hat der Kongreß 1928 einen Heberblick, zu­gleich aber auch einen neuen Antrieb geben wollen. Der Wandel, den er aufzeigt, ist einmal treffend fo umschrieben worden:Von der Unterrtchtsanstolt zur Lebensstätte unserer Iugend". Wenn dieser Weg rich­tig und zukunftsvoll ist (und man darf das be­jahen), dann stellt er nicht nur ein bedeutsames neues Ziel, er legt auch sehr ernste Verpflich­tungen auf: über den einseitigen Verstandes­menschen hinaus zur Persönlichkeit, die Körper, Geist und Seele in Harmonie entwickelt über den Individualismus unserer Zeit hinaus zu dem Menschen, der erfüllt ist von dem Bewußtsein, daß er sein geistiges Leben der Gemeinschaft verdankt, und der sich dieser Gemeinschaft ver­bunden fühlt, über die Auffassung hinaus, die in der Schule nur eine Dorbereitungsanstalt für das Leben des Erwachsenen sieht, hin zu dem Ziel, das daneben noch Raum läßt für Degenwartswert und Gegenwartsfreude der Schulzeit selbst über eine Stätte von einseitig lehrmäßigem Gepräge zu einer Stätte gemeinsamer Arbeit über eine ^Interrichtsform, die be­herrscht ist von Frage und Antwort, bin zu einer Arbeitsweise, die das Kind erfüllt mit dem Bewußtsein, daß es sein Eigenleben zur Geltung bringen darf, und daß alle notwendige Einorkmung ins Ganze es in seinem selbstwilligen Suchen und Betätigen nicht hindert.

Diese neue Zielsetzung bedarf gewiß zunächst einer vertrauensvollen Zusammenarbeit von Leh­rer und Kind, sie bedarf ebenso sehr des Ver­trauens und der freudigen Unterstützung eines jeden Vaters und jeder Mutter.

f Rationale Dummheit

des Messeamts Frankfurt.

Man schreibt uns: Außerordentlich merkwürdig ist die Tatsache, daß das Me , , eamt Frank­furt einen Prospekt versendet, der eine Karte Europas enthäll, in der die Rainen der deutschen Städte in der Tschecho­slowakei tote Eger, Reichen berg, aber auch Städtenamen Prag, Brünn usw. nur intfchechi- scher Sprache angeführt sind. So etwas ist nicht allein Unfug, sondern rächt sich auch zweifelsohne geschäftlich. Kein Wunder, daß eine Anzahl Zei-

Xhe gowenen Berge,

Roman von Clara Diebig.

Sopyright by Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart.

47. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Von Fürsorge für das besetzte Gebiet, von Treue um Treue war so oft die Rede gewesen, aber was war geschehen? Maßnahmen sollten vorgeschlagen, geprüft und wohlwollend erwogen werden Worte. 21n die glaubte kein Mensch mehr. Und bis diese Worte zu Taten wurden, waren Tausende von den vielen Tausenden Hungernder verhungert. Hilfe, zu Hilfe! Und diese Hilfe mußte bald kommen, denn wenn sie nicht bald kam?! Wer Ohren hatte, die hörten, der vernahm ausziehendes Grollen. Ein Ge­witter stand hinter den Bergen, die witternde Nase sog schon etwas ein, was nach zündenden Blitzen und Brand rod); eine schwarze Wolke schwüler Er­bitterung hing m der Luft

Der alte friedfertige Pastor rang die Hände: feine Porlener würden sich doch zu nichts hinreißen lassen?! Und wenn viele Tausende von Winzern auch noch so fest zueinander hielten, und wenn auch ihre Forderungen wohl zu verstehen waren Püten war cs jetzt n.cht mehr, es waren Forderun­gen sie setzten sich doch ins Unrecht. Der Schwä­chere, der hat niemals recht, und sie waren die -schwächeren.

Ach, daß er sich doch statt der Loesenich zur ewi­gen Ruhe hätte legen können! Die wäre ihren Äin- dern noch so nötig gewesen und er, was konnte er denn noch tun? Er konnte sich nur noch mehr ein- schränken, um noch ein paar Bissen mehr weggcbcn zu können. An seiner Küchentur truppte es jeden Tag von kleinen Füßen, Fräulein Laurenzia kochte Mehlsuppen, die wurden an die Kinder verteilt; die Suppen waren nicht gerade sehr schmackhaft wovon? aber sie machten den Magen doch voll.

Wenn es nur mehr vermögende Leute in Porten gegeben hätte! Die Dremms waren vor Jahren wohlhabend gewesen, das heißt für hiesige Begriffe sie waren es längst nicht mehr. Aber sie hielten noch immer auf sich Sie litten es nicht, daß ihre Kinder unter denen waren, die nn des Pastors Küchentür gespeist rourbcn: sie gaben es auch nicht zu, daß der Hanni und das Ehristinchen m.t den andern auszogen, die, einem Flug hungriger

hingen und keineswegs kleine Blätter der Sudetendeutschen darüber Klage führen, daß durch solche Prospekte kein Sudetendeutscher anaelockt wird, die Frankfurter Messe zu be­suchen.

Oberheffen.

Lanv^ris Gießen.

z Rödgen, 24. April. Die Firma Rinn & Cloos, Heuchelheim, baut hier eine neue Ziaarrenfabrik, in der etwa 100 Leute beschäftigt werden sollen. Die seitherige Fabrik soll zu einer Wohnung umgebaut werden. Zum Rechner unserer Gemeinde wurde der Landwirt Heinrich Inderthal, der im Kriege eine schwere Verwundung erlitten hatte, ernannt. Er wird in nächster Zeit die Rechnergeschäfte übernehmen.

$ Alten-Buseck, 24. April. Nachdem unser Ortsgeistlicher Pfarrer Hartmann von einer mehrwöchigen Erkrankung wieder genesen ist, konnte am Sonntag die sonst in der Rege! am 2. Ofterfeiertage stattsindende Konfirmation Dorgenommen werden. Zur Einsegnung gelangten 19 Knaben und 10 Mädchen, von denen 5 Knaben und 2 Mädchen auf die Rachbargemeinde Trohe entfielen. An Stelle des zwecks Beendigung seines Studiums beurlaubten Lehrers Dr. Meuer wurde Schulverwalter Erb aus Wei- tershain mit der Verwaltung der betreffenden Stelle betraut. Zur Aufnahme in die Schule gelangten 29 Kinder, und zwar 16 Knaben und 13 Mädchen.

Y Mainzlar, 24. April. Am Sonntag feierte unser zweiter Lehrer, Weisel, sein 25- jähriges Jubiläum als Lehrer in unserer Gemeinde. Herr Weisel übernahm am 22. April 1903 unsere erste Schulllasse. Von einer besonderen Feier wurde auf Wunsch des Jubi­lars abgesehen. Dem Jubilar ist die freudige Anteilnahme der Gemeinde an feinem beruf­lichen Ehrentage gewiß. Während zu Ostern dieses Jahres neun Knaben und sieben Mädchen die hiesige Volksschule verliehen, ergab die Auf­nahme der diesjährigen Schulrekruten elf Kna­ben und nur zwei Mädchen.

v. Londorf, 24. April. Dieser Tage fand in der Wirtschaft Rahrgang eine Versammlung statt, in welcher über den Ankauf des Sied­lungsgeländes beraten wurde. Es wurde beschlossen, den Besitzern, Freiherren v. R o r d e ck zur Rabenau, ein Preisanaeoot zu machen. Am nächsten Abend fand ebenfalls in der Wirtschaft Rahrgang eine Versammlung wegen der Er­bauung einer Dolkshalle statt. Es wurde eine Kommission bestimmt, der die nötigen Vorarbeiten, Ausarbeitung eines Zeichnungs- Prospektes, Besichtigung ähnlicher Bauten usw. übertragen wurde. Damit sich jeder an der Zeich­nung beteiligen kann, sollen Anteile von je 100 Mk., zahlbar in 5 Raten, ausgegeben wer­den. Man hofft, im Spätherbst oder Frühjahr mit dem Bau beginnen zu können. Seit Be­ginn dieser Woche hat die Firma Rinn & Cloos in dem neu hergerichteten Boegerschen Saale ihren Betrieb eröffnet. Der Saal ist modern hergerichtet und entspricht allen hy­gienischen Anforderungen. Auch die Zigarren» fabril Henkel, die längere Zeit außer Betrieb war, hat diesen wieder eröffnet. Heute sind 20 Abcschühen in die Schule ausgenommen worden.

r. Rüddingshausen, 24. April. In der Gastwirtschaft Lang tagte am Sonntag die Ge­neralversammlung der hiesigen Drefchgenos- s e n s ch a f t. Tagesordnung war: Rechnungs­ablage für 1927 und Wohl des Vorstandes. Rach der Eröffnung der Versammlung durch den Vor­sitzenden R a ch t i g a 11 erstattete der Rechner, Gastwirt Theiß, Bericht über das verflossene Geschäftsjahr. Der Genossenschaft verbleibt trotz Anschaffung eines Selbstbinders und nach Ver­teilung einer Dividende von 5 Prozent noch ein Dorüberschuh von 2200 Mk. Rachdem dem Rech­ner Entlastung erteilt war, wurde der feitfyerige Vorstand einstimmig wiedergewählt.

Y Watzenborn, 4. April. Am Sonntag feierten in voller geistiger und körperlicher Frische die Eheleute Kaspar Häuser das Fest der goldenen Hochzeit. Der Ortsgeistliche überbrachte dem Jubelpaare die Glückwünsche des Kirchenvorstandes und der Kirchengemeinde-

Spatzen gleich, der auf ein paar Körnlein nieder­schwirrt, die Nachbarschaft absuchen gingen. Die Größeren führten an, Kleinere folgten; Hand in Hand wanderten sie, ohne Lochen auf ihren Gesich­tern. Und sie waren so bald müde, denn sie hatten keine Kraft mehr, aber fie wanderten doch immer weiter. Sie suchten jo Futter. Laut bettelten sie nicht Winzerkinder sind nicht gewohnt zu betteln, nur die Kecksten wagten sich an die Häuser sie standen an den Straßen, frühwelke Blumen am Chausseerand; wenn ein Auto entlang fuhr, oder ein Dauer seinen Karren oorbeitrieb, dann schauten sie großaug.g, mit stummer und doch so beweglicher Miene drein, daß jeder wußte: die hungern. Es wurde ihnen oftmals etwas gegeben, aber es war ja jetzt überall nicht viel.

Es rührte den Pastor tief, als er heute nach dem Begräbnis der Loesenich bemerkte, wie die Bremm zwei von den Locsenichs Kindern an die Hand nahm und mit ihnen fortging:Ihr kommt mit bei uns." Und als hätte es nur ihrer Anregung be­durft, so war es, im Nu waren die dreizehn Kin­der verteilt, die Frauen ttssen sich förmlich um sie.

Za, jo, feine Moselaner, die waren gutherzige Leute! Der Pastor nickte wehmütia: wenn die Welt es ihnen denn nicht lohnte, mochte der Herr des Himmels es ihnen lohnen! Ein Fortschritt war es jo schon und ihm eine Beruhigung, daß auf der Zentrumstagung beschlossen worden war, heute zum Sonntag eine Versammlung der Moselwinzer einzuberufen.

Auf einer großen Wiese am Moselufer, eine Weg- stunde oberhalb Porten, sollte die Versammlung stattfinden. Man hatte gehörig dazu getrommelt; Sonderzüge sollten abgelassen werden, um auch den entfernter wohnenden Winzern die Teilnahme mög. lich zu machen, und von Trier herunter fuhr ein Dampfer, der leate an jedem Ort an, an dem klein- ften Dörfchen, dos feine paar Hauser unter die Weinberge duckt.

Die Männer von Porten würden nicht fehlen, sie waren am frühen Mittag schon fort. Selbst der Loesenich ging, gleich vom Begräbnis feiner Frau und des Kindes weg, hin. Er war jetzt gerade in der rechten Stimmung für diese Versammlung Oh, wenn er seine Worte jo zutag bringen könnte wie jene Herren, die sicher ^heute bei der Versammlung nicht fehlen würden. Führende Herren vom Zen­trum, von der Regierung, Vorsitzende der Winzer- verbände, Abgeordnete von Köln, Koblenz und

Vertretung, der brr Jubilar lange Jahre ange- hört, und überreichte das Gedenkblatt des hes- sifchen Landeskirchenamtes.

-r Lang-Göns. 24. April. Dieser Tage fand die neunte ordentliche Generalver­sammlung der Bezugs- und Absatz- genossenfchaft unter Leitung des Vor­sitzenden des Aufsichisrates, Bürgermeister R o m p f statt. Die Genossenschaft hot sich auch im vergangenen Jahr gut toeiterenttoidelt. So­wohl der Warenbezug, als der Absatz hat sich gegenüber dem Vorjahre erhöht, ebenso die Mit- gliederzohl. die jetzt 190 beträgt. Rachdem dem Rechner Albert Schmidt Entlastung erteilt war, erstattete der Direktor Alfred R o m p f den Jahresbericht. Es wies dabei u. a. auf die all­gemeine Rotlage der Landwirtschaft hin und ermahnte die Landwirte, weiterhin treu zur Genossenschaft zu stehen.

ri. L i ch, 24. April. In der noch von der Konfirmation her mit Tannengewinden festlich geschmückten Morienftiftslirche sand am Sonntag in aut besuchtem Gottesdienst die feierliche E i n- f ü 5 r u n g des neuernannten Stifts- dechanten Kahn durch den Dekan des Dekanates Hungen Engel von Obbornhofen statt. Rach der Einführung hielt Stiftsdechant Kahn seine Antrittspredigt. Der Posaunenchor unter der Leitung des Lehrers H i l d und der Gesangverein Täctlia unter Leitung Lehrers Stein wirkten bei b:r Feier mit. Dechant Her­mann Kahn ist im Jahre 1883 zu Holzhausen (Kreis Biedenkopf) geboren, stand nach dem Studium der Theologie und dem Besuche des Predigerseminors zuerst als Pfarrverwalter, bann als Pfarrer in Undenheim in Rheinhessen, von wo er nach siebenjähriger Tätigkeit als Pfarrer nach Ortenberg (OverHessen) berufen wurde.

ri. Riederbessingen, 24. April. Beider am Sonntag hier durch den Ortsgeistlichen Pfar­rer Schorlemmer von Lich gehaltenen Kon­firmation traten vier ÄinDer, zwei Jungen und zwei Mädchen, vor den Altar. Reu in die Schule auf genommen wurden elf Kinder, ein für unsere kleine, bloß 300 Seelen zählende Gemeinde, sehr starker Jahrgang.

M eis Friedberg.

o Friedberg, 24. April. Unsere Stadt der Schulen hat als weitere Anstalt jetzt eine ö f - fentliche Hondelslehronstalt erhalten, die von der Industrie- und Handelskammer Friedberg begründet und gestern durch eine ein­fache Eröffnungsfeier ihrer Bestimmung über­geben worden ist. Der Aufnahmeprüfung, der sich 35 Schüler mit Erfolg unterzogen, ging in Gegenwart von Kreisbirektor Gebhardt. Di­rektor Prof. Dr. Schäfer vom Polytechnikum. Bürgermeister Dr. S e y d . Oberstudiendirektor Philipps und den Mitgliedern des Schul­vorstandes ein kurzer Festakt voraus. Rechts­anwalt und R-otar Stahl (Bad-Rauheim). der Vorsitzende des Kuratoriums der Handelsschule, begrüßte die Gäste und Schüler und fand an­schließend treffliche Worte über die Bedeutung der neuen Anstalt, deren Entstehungsgeschichte kurz geschildert wurde. Der Redner dankte den Behörden für ihre Mitarbeit und der Stadt Friedberg für die materielle Unterstützung. Ober­studienbirektor Philipps richtete herzliche Mahntoorte an die Schüler unb forderte fie zu pflichtbewußter Arbeit auf.

WER. Friedberg, 24. April. Der Wet- terauer Reiterverein beschloß in seiner außerordentlichen Generalversammlung, in diesem Jahr von der Abhaltung eines Reiterfestes in Friedberg Abstand zu nehmen. Offenbar dürste die kritische Lage der Landwirtschaft be­stimmend für diesen Entschluß gewesen sein.

WSR. Friedberg, 24. April. Anläßlich einer Besichtigung des Reubaues der All­gemeinen Ortskrankenkasse Fried­berg im Beisein von Kreisdirektor Geb­hardt. Regierungsrat Dr. Meyer vom Der- sicherungsamt. Vertreter deS Kreiswohlfahrts­amts usw. wurden interessante Mitteilungen über die Entwicklung der Krankenkasse gemacht. Die Mitgliederzahl, die bei Gründung er Kasse 400 betrug, ist bereits 1913 auf 3000 gestiegen und beträgt heute 14 000. Die Kreis- krankenkassen von Butzbach, Afsenheim. Reichels­heim, Rieder-Wöllstadt und Vilbel sind mit Friedberg zur Allgemeinen Ortskrankenkasse für ben Kreis Friedberg vereinigt worden, während

die Ortskrankenkasse Bad-Rauheim leIbR6nbtg toeüerbcfte&L Die Einnahmen der Kasse be­tragen 1 114000 Mart; die Leistungen der Kasse hak^n eine beachtliche Höhe erreicht. Die Er­richtung des Reubaues wurde als unbebingte Rotwendigkeit bezeichnet.

Lpd. Bad-Rauheim, 24. April. Wie zu­verlässig verlautet, haben die beiden Ozeanflieger Köhl und v. Hünefeld die Einladung der Stadt Bad-Rauheim zu einem vier­wöchigen Erholungsurlaub in Bad-Rauheim a n- genommen.

Atrciö Büdingen.

nd. Ridda, 24. April. Der hiesige Turn­verein veranstaltete am Sonntag in dankens­werter Weise in der hiesigen Turnhalle zwei Theateraufführungen zum Besten der Renovierung unserer Stadtkirche. Rachmittags fand eine Vorstellung für die Kin­der und abendS eine solche für Erwachsene statt, die beide über Erwarten gut besucht waren und großen Beifall ernteten. Besonderer Dani für daS Gelingen der edlen Sache gebührt neben den Witwirkenden bei den Aufführungen auch den beiden Leitern derselben, Kaufmann August L a m p a S unb Glasermeister Gustcktr Rings- hausen, die sich um die Einübung der Stücke großes Verdienst erworben und ein vorzügliches Spiel der Turner und Turnerinnen tx>rbereitd hatten. Dekan 6 c r i b a gab diesen Defühsen des DankeS an alle Mitwirken den und die beiden Leiter im Ra men des Kirchenvorstandes und aller Zuschauer in herzlichen Worten gebühren­den Ausdruck. Dem KirchenerneuerunaSfondS können als Reinertrag der beiden Ausführungen etwa 300 Mk. zugeführt werden. Die in gleich« Absicht vom hiesigen evgl. Frauenverein angeregte unb für einen der nächsten Sonntage vorgesehene Verlosung von Kunst - und Gebrauchsgegenständen. die bt reich­lichem Maße von hiesigen Eintoohnem unb auch zu einem geringen Teil aus den 4 Filialgemeinben gestiftet worden sind unb vielfach einen beträcht­lichen Wert besitzen, muhte auf den 10. Juni verschoben werden, weil die behördliche Geneh­migung zu dieser Lotterie noch nicht eingetroffen ist Auch von dieser Veranstaltung erwartet man für den guten Zweck eine größere Einnahme.

g. Ober-Mock stabt, 24. April. Bei b« gestrigen Schulaufnahme wurden vierzehn Schüler neu aufgenommen, so daß bamit ölt Schülerzahl sich auf 67 «höht. Well vor zwei Jahren unf«e Schülerzahl unter 60 gesunken war, wurde damals die zweite Schulstellc auf- gehoben. Trotzdem nun unsere Schülerzahl eine stetig steigende ist und im Jahre 1933 voraus­sichtlich 113 betragen wird, ist der Antrag deS Schulvorstandes, die zweite Stelle doch jetzt schon wieder zu besetzen, vorerst abgelehnt worden. Gestern feierte das Ehepaar Ludwig Kull- mann m körperlicher unb geistig« Frische im Kreise seiner zahlreichen Kinder unb Enkel das Fest b« goldenen Hochzeit.

Kreis Schotten.

a Schotten, 24. April. Die von d« Stadt errichtete neue Jugendherberge hat sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens alS eine sehr notwendige, segensreiche Einrichtung erwiesen. Während bet Osterferienzeit war sie bauernb von ein« großen Schar jugendlich« Wand«er aus dem Odenwald, von Mainz usw. belegt, die alle sich lobend üb« die behagliche Herberge aus- sprachen. Die Arbeiten an dem neuen städtischen Krankenhaus nehmen gute Fortschritte; mit dem Innenausbau ist begon­nen, bis zum Spätherbst hofft man das Kranken­haus dem Betrieb übergeben zu können. AlS leitender Arzt wurde, wie schon kurz erwähnt, Dr. K o e n i g e r , Offenbach. Facharzt für Ehi- rurgie, von bet Stadt angenommen. Dank den Bemühungen des Alice-FrauenvereinS (Leitung Frau Direktor H e r t s ch) ist ein Kin­dergarten hi« gegründet worden, dem üper 60 Kinder angehören. Die Schüyenhalle mit an­grenzendem Garten Ist als Heim für die Kind« vorgesehen, die dort von ein« Schwest« geleitet und unterrichtet werden. D« neu gegründete Reiterverein von Schotten und ilmgegenb hat sich in der kurzen Zelt seines Bestehens sehr gut entwickelt. Er hält seine regelmäßigen Reit- übungen ab. Am Pfingstmarkt wird « mit seinen Leistungen in die Oesfentlichkeit treten.

Trier. Besser als die gelehrtesten Herren würde er schildern können, wie es hier unter den Winzern stand:Kaputt gemacht sind wir durch die Zoll­politik, kaputt gemacht durch die Weinfteuer fort mit der Weinfteuer, der verfluchten Weinsteuer! Die is schlimmer für uns als die .Beerenosbeera^ Fort mit den Steuern überhaupt! Die, die am ersten April fällig werden, unb die, die wir noch schuldig sind, die müssen niedergeschlagen werden. Vergan­genes Jahr haben wir kleine Kredite gekriegt, wir sollen sie jetzt zurückzahlen, das können wir nicht man pfändet uns, man versteigert uns unsere paar Sachen, wir werden kaputt gemacht, wir werden Bettler! Wir sind am Verhungern! Wir haben kein Geld, um für unsere Farn,fie den Arzt zu holen meine Frau ist tot, mein Kind ist tot ich hab' fie eben begraben!"

Oh, wenn er das doch fo hintereinander hersagen könnte, wie er es jetzt dachte nein, nicht bloß sagen, schreien, so laut, daß die Ohren gellen! e h nen Schmerz, feine Verzweiflung fo herausbrüllen, daß die stummen Berge auch Stimmen erheben und nachbrüllen. Dann würden alle es wissen, die ganze Welt wissen, was Winzernot heißt. Aber er konnte das alles ja nicht fo herausbringen, er war nur ein einfacher Winzer, kein studierter Mann; wenn nur der Herr Landrat, oder irgendein Herr sich den Zwicker aufsetzte, ihn musternd scharf an- sah, die Hand abwehrend erhob, wenn der gar an- Hub, ihm zu entgegnen, daß die Winzer von fal­schen Voraussetzungen ausgingen, nicht von der Po- littk des Reiches kam die Dinzernot, fie kam von der allgemeinen, sehr traurigen Wirtschaftslage, dann verwirrte er sich gleich. Ueberati gleiches Elend im ganzen Reich, in ben Großstädten noch viel mehr Pfändungen und Zwangsversteigerungen, noch viel mehr Leute, die kein Brot hatten, an allen Straßenecken saßen Invaliden und Weiber mit elenden Kindern; alte Rentner, die einstmals von ihrem Ersparten gelebt, aber jetzt nichts mehr hatten, fand man tot in eiskalten Stuben Unb daran, an allem war der verlorene Krieg nur schuld, wir sind ein geschlagenes Volk! Wenn der Herr von der Regierung bas sagte, was sollte ber Moselwinzer bann barauf erundem?

Der Loesenich machte sich unterwegs mit einem Tresterschnaps Mut, unb um sich noch mehr Mut zu machen, tranf er noch einen zweiten. Geld, um zu bezahlen, hatte er nicht, er besaß nicht mehr fünfzig Pfennige. Er wollte bem Wirt ein Zettel-

chen dafür geben, aber der wollte nicht mehr daran, er hatte statt Geld schon so viele solcher Zettelchen in seiner Kasse, Akzepte über geringe unb geringste Beträge, daß ihm Angst warb: wann würbe er je zu seinem Gelb kommen? Es war gut, baß ber Dreis aus Munben auf seinem Rab hinter bem Loesenich her kam; der Kaspar löste ihn aus.

Kaspar Dreis war erst in Porten herangefahren, er wollte Simon Bremm abholen: der ging doch mit? Aber die Frau sagte:Bremm schlaft."

Was, der schlief am hellichten Mittag unb an solch einem Tag?!Wir Winzer müssen zusammen- halten, der Bremm, der muh mit! Dat wär unrecht von ihm, sch auszuschliehen."

Et is manches unrecht," sagte die Frau; fie sah sehr bleich und sorgenvoll aus.

Is wat paffiert? fragte der junge Mann; er merkte, hier war etwas geschehen. Sein erster Ge­danke war: die Maria? Er fragte nach ihr

Nein, mit der war es noch nicht so weit. Die Bremm schüttelte verneinend, aber bann fing fie auf einmal an:Ser Bremm, ach, der Bremm!" Unb fie weinte.

Kaspar fühlte, fie hätte ihm gern etwas gesagt, sich das Herz erleichtett, aber sie sagte boch nichts. Er ging fort mit dem Empfinden: hier war etwas unklar. Auf ber Frau lastete etwas fo schwer, daß sie es kaum traaen konnte. Hatte Bremm etwa reic­her getrunken? Aber das hätte sie ihm wohl gesagt: es mußte noch Schwereres fein. Den Bremm hatte er nicht zu sehen bekommen warum nicht? Daß b<r schl.ef, um zwölf Uhr mittags, dos glaubte Kaspar nicht. Unb er nahm sich vor, nach ber Der- fammhing hier nochmals heranzugehen.

Simon Bremm schlief nicht, darin hatte Kaspar Dreis recht vermutet, aber er hatte, als er des Dreis' Stimme draußen hörte, sich schnell in sein Bett verkrochen, mit Kleidern unb allem, wie er da mar, unb sich rasch bas Deckbett über ben Kops gezogen. So hörte er nichts, unb man sah ihn auch nicht. Erst als die Frau hereinkam unb meldete: Der Dreis is fort, er wollt' dich abholen zu ber Versammlung," wagte er sich wieder hervor. Noch wollte er niemanden sehen Er trug auch immer ein Tuch fest um ben Hals.Et i» so nij mehr zu sehen, tu et boch ab," sagte bic Frau. Aber er traute sich nicht: könnte man es nicht boch noch sehen * Waren da n cht noch immer bie Spuren vom einschnüren- ben Strick?!

(Fortsetzung folgt.)