nachdem auch ihre letzten Hoffnungen auf aus- reichende ErntewetterentschLidlgungen wieder o e t ä u s ch t f eien, nicht mehr in der Lage sind ihre Landes steuern zu zahlen'. Sie erklären sich bereit, alle hieraus ent- stehenden Folgen auf sich zu nehmen.
Deutscher Reichstag.
Haushaltsdebatte.-Ruhrentichädigungen
B e r l i n, 24. Ian. (D. D. Z.) Präsident Loeb« eröffnet die Sitzung. Die erste Beratung des Haushaltsplanes für 1928 wird fortgesetzt. Slbg. Koch. Weser (D.) erklärt, die Verfassung habe alle Wege zum Einheitsstaat freigemacht. Man müsse nur die verfassungsmäßigen Rechte gebrauchen. Seine Partei gehe von der Rottoenoig- keit aus, die Selbstverwaltung der einzelnen Landesteile zu stärken und dem Vureaukratlsmus zu Leibe zu gehen. Zum Einheitsstaat lvmme man aus jeden Fall, wenn man a^r zögere, komme man zum bureaukratischen un- heitsstaat. Alle Konflikte mit Bayern seien nicht über Zuständigkeitsfragen, sondern wegen des Souveränitätsdünkels in Vayern entstanden. Daß der bayrische Ministewrasident eine Einladung beim Reichspräsidenten aus irgendeiner Verstimmung heraus tm letzten Augenblick abzusagen wage, sei mit seiner Stellung nicht vereinbar. Der REner betont, daß eine Personalunion mit dem Reich und Preußen gleichzeitig eine Entrechtung Preu- tzens bedeuten würde. Mit Genugtuung stellt der Redner fest, daß sich auch die Deutsche Volkspartei für den dezentralisierten Einheitsstaat erklärt habe. Man kann gewiß einmal ohne die Sozialdemokraten regieren, aber nicht gegen die Sozialdemotratie. Rur wenn sich in allen Schichten der Bevölkerung die äleber- zeugung hält, daß ein Aufstieg der unteren Schichten im Interesse des Gesamtvolkes ist, laßt sich revolutionäre Gesinnung in diesen Schichten Niederhalten. Das Jahr deutschnationaler Ministerherrlichkeit hat dazu geführt, die Sozialdemokraten zu stärken und zu radikalisieren. Stillstand und Reaktion sind genau so gefährlich wie Revolution.
Abg. Tor gier (K.) wendet sich gegen die Ausführungen der linkskommunistischen Abg. Frau Gohlke. Hinter Frau Gohlke ständen nur ein paar Dutzend Arbeiter. Auch sie würden bald wieder zur KPD. zurückkehren, wenn sie von der Linie der Frau Gohlke genug haben. (Heiterkeit.) , .. _ ,
Hierauf wird, die Aussprache über die Ruhr- entschädigung der Industriellen fortgesetzt. Ministerialdirektor Dr. Dorn erklärt, die Regierung habe im Anschluß an die Ausschußberatungen zur Ruhrentschädigung eine Summe von 30 Millionen zur Unterstützung der geschädigten Mittelstandsarbeitskreise und Arbeitnehmer im Ruhrgebiet zur Verfügung gestellt. Damit sei die Forderung des Ausschusses erfüllt worden. , „
Abg. Dietrich- Baden (Dem.) begründet folgenden Antrag seiner Freunde: „DerReichs- tag mißbilligt aus das schärfste die von dem älntersuchungsausschuh festgestellten Vorgänge."
Abg. Esser (Zentr.) erklärt, die Debatte habe keinen Anlaß gegeben, das Votum des Ausschusses irgendwie zu ändern. Das Zentrum beantrage deshalb mit Rnterstiihung der übrigen Regierungsparteien: «Der Reichstag nimmt den Bericht des Ausschusses entgegen und schließt sich dem Votum des Ausschusses an."
Der sozialdemokratische Antrag, der die Einziehung der Lleberzahlungen und ihre Verteilung an die geschädigten Gewerbetreibenden und Arbeitnehmer verlangt, wird in namentlicher Abstimmung mit 193 gegen 173 Stimmen abgclehnt. Dafür stimmten mit den Sozialdemokraten auch die Kommunisten, Völkischen, die Wirtschaftspartei und der Bayerische Bauernbund. Rach Ablehnung aller weiteren Anträge wird der Antrag der Regierungsparteien auf Anerkennung des Ausschußvotums angenommen.
Oie Chescheidungsreform.
Tie Zerrüttung der Eße.
Berlin, 24. Ian. (VDZ.) Der vom Rechtsausschuh zur Beratung der Ehescheidungsresorm eingesetzte älnterausschuß kam in seiner dritten Sitzung zu einer Verständigung über die Grundlagen der künftigen Chescheidungsbestimmungen. Den Beratungen lagen drei Anträge von Abg. Dr. Kahl (D. Vp.), Hampel (W. Vgg.) und Dr. Rosenfeld (Soz.) zugrunde, die über- einstimmend die tiefe Zerrüttung der Ehe als Voraussetzung zur Ehescheidung festsehen wollten. Rach längerer Aussprache wurde mit kleinen Abänderungen der Antrag des Abg. Hampel (W Vgg.) angenommen, der lautet:
„Lin Ehegatte kann auf Scheidung klagen, wenn aus einem anderen Grunde (als den bisherigen Ehescheidungsgründen) eine so tiefe Zerrüttung des ehelichen Verhältnisses eingetreten ist, daß eine dem wesen der Ehe en ts p re chen de F o r ts e tz u u g de r Lebensgemeinschaft nicht mehr erwartet werden kann und wenn infolge der Zerrüttung die Lebensgemeinschaft der Ehegatten seit mindestens einem Jahre uor Erhebung der Klage nicht mehr b e st e h t.
Ein Antrag des Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.), die Jahresfrist zu streichen, war abgelehnt worden. Ferner erhielt die Bestimmung des Antrages Hampel die Mehrheit, wonach her Ehegatte auch auf Scheidung klagen kann, wenn die Ehegatten, ohne daß ein Fall des § 1567 vorliegt (böswillige Ver'.ajsung) mindestens fünf Jahre völlig getrennt von einander gelebt haben. Ein Antrag des Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.), statt der sünfjährigen eine dreijährige Frist vorzusehen, wurde abgelehnt. Ebenso wurde ein Antrag des Abg. v. r e y - tag-Lorlnghoven (Dn.) abgelehnt, wonach eine Ehescheidung bei Zerrüttung der Ehe erst dann möglich sein soll, wenn die Ehegatten seit mindestens drei Jahren verheiratet waren.
Fiankreich und cie Aheinlandröunung
Mainz. -5. Jun. (Prii. Tel > uules Sauerwein, der politische Leiter des „Watin", Der- öffentlich! im „Mainzer Anzeiger' einen Aufsatz über die politiloe Stabilisierung Frankreichs. in dem er schreibt: Ich kann versichern, daß innerhalb des sranzösischen Ministerrates neun Stimmen gegen vier Stimmen f ü r eine Abkürzung
dcrRäumungsfristen sind. Das Hmziehen der vom rein militärischen Standpunkt aus übrigens nutzlosen Besetzung deutschen Gebietes läßt sich auf die Dauer nicht in Einklang bringen mit einer Politik, die darin besteht. Deutschland bei der Lösung aller großen europäischen Fragen hinzuzuziehen und es bei den Genfer Verhandlungen viermal im Jahre auf dem süße der Gleichberechtigung zu behandeln.
Zur Wahlreform.
Maßnahmen gegen die Splitterparteien.
Berlin. 25. Jan. (Priv.-Tel.) Zu dem Meinungsaustausch der größeren Parteien des Reichstages über die Frage, tote man das Ueber- handnehmen der Splitterparteien eindämmen könnte, erfährt man aus parlamentarischen Kreien, daß die Absicht besteht, noch vor den Reu- toahlen durch einen gemeinsamen Initiativent- tourf eine Gesetzesänderung herbeizuführen. Auch die Sozialdemokraten haben sich an diesem Meinungsaustausch, der sich aber noch nicht zu Verhandlungen verdichtet hat. beteiligt und ihre grundsätzliche Bereitwilligkeit zu einem gemeinsamen Vorgehen mit den übrigen Parteien erklärt. Zur Diskussion stehen verschiedene Vorschläge. So wird neben der Hinterlegung eines Geldbetrages oder einer Unterschrift der Hälfte der für ein Mandat erforderlichen Wahlberechtigten die Beseitigung des gegenwärtig von Amts wegen gelieferten Einheitsstimmzettels empfohlen. Die letzte, einfachste Aenderung würde zur Folge haben, daß die Parteien selbst ihre Stimmzettel bis ins kleinste Dorf würden verteilen müssen, wozu den Splitterparteien im allgemeinen die erforderliche Organisation fehlen dürfte. Bisher haben sich die beteiligten Parteien noch nicht für einen bestimmten Vorschlag entscheiden können.
Die deutsch-russische Wirtschaft.
Neue Verhandlungen.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 25. Jan. Die Meldung eines großen englischen Blattes, das aus Berlin zu berichten weih, die deutsche Regierung sei dabei, eine Liste von Beschwerden mit Unterstützung des Handels, der Santen und der Industrie zusammenzustellen, auf Grund deren dann über d i e bisherigen Ergeb. Nisse des deutsch-russischen Handelsvertrages mit Rußland verhandelt werden soll, versolgt verschiedene Absichten. Einmal möchte das Blatt wahrscheinlich den englischen Wirtschaftskreisen, die auf verbesserte Handelsbeziehungen mit Rußland aus sind, an Hand der deutschen Schwierigkeiten und Mißerfolge im Verkehr mit Rußland eine Warnung geben und zweitens könnte man immerhin auf den Gedanken kommen, daß es gewissen Kreisen der englischen Politik zumindest angenehmer ist, wenn die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen nicht allzu ungetrübt ihre Entwicklung nehmen. Tatsächlich ist ja schon seit langem bekannt, daß mannigfache Klagen aus deutschen Wiri- schaftskreisen über unerfreuliche Hindernisse im Handelsverkehr mit Rußland immer wieder auf- tauchen. Wie man hört, hat die Regierung, die an sich schon über genug Material in dieser Hinsicht verfügt, jetzt auch eine Art Umfrage bei den am meisten Beteiligten veranstaltet, um für die wahrscheinlich im Lause des Februar zu erwartenden Verhandlungen mit der russischen Regierung über die Auswirkung des Handelsvertrages präzise und genügende Unterlagen zu haben.
Deutsch-französische Verhandlungen über das Oaarabkommen
Berlin, 25.Jan. Ein Berliner Mittagsblatt glaubt melden zu können, daß die Verhandlungen über ein Zusatzabkommen zu dem deutsch- französischen Wirtschaftsabkommen betreffend das Saargebiet vor ernsthaften Schwierigkeiten stünden. Rach unseren Informationen trifft es aber nicht zu, daß neue Schwierigkeiten in den Saaroerhandlungen aufgetreten sind. Ziel Der Besprechungen ist eine Art kleines Handelsabkommen, bei dem gewisse Tarifpositionen den besonderen Bedürfnissen des Saargebietes angep.ißt werden müssen. Die Wirtschaft des Saargebietes ist vor allem an besonderen Ausfuhrwün- schen für ihreSchlüsselindustrien interessiert, soweit nicht der Eisenpakt eine besondere Regelung darstellt. Deutschland wünscht insbesondere Vergünstigung für die Einfuhr von Holz und Baustoffen, fjausartiteln. Maschinen, Chemikalien. Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich um die besonderen Interessen des Saargebietes sind natürlich außerordentlich kompliziert.
Oie Deutschen in China.
Tie angeblichen deutschen Waffenlieferungen
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin. 25. Jan. Die immer wieder vvn interessierter Seite in die Welt gesetzten Gerüchte über deutsche Waffenlieferungen an China haben, wie nicht anders zu erwarten war, für die CH.aa-Deutschen unliebsame Erscheinungen hervorgeru en. Von der Süd- regierung ist angeordnet worden, daß nicht nur die Filialen einiger deutscher Firmen zu schließen, sondern auch deren Vertreter wegen Rebellion i n Anllagezustand zu versehen seien. Cs braucht nicht immer wieder betont zu werden, daß von Deutschland niemals Waffen an die eine oder andere der sich be- kämpfenden chinesischen Par.eien gegangen sind. Wohl aber, und das scheint die Südregierung nicht einsehen zu wollen, sind wir durch den Versailler Vertrag gezwungen worden, fremden Rationen große Teile unserer Hä- f e n einzuräumen, wie diese auch gleichzeitig das Recht haben, ihren Warenverkehr durch Deutschland nach diesen Häfen zu lenken, ohne daß deutsche Behörden eine Handhabe besitzen, sich von dem Charakter dieses Vertehrs überzeugen zu dürfen. So ist es wiederholt vorgekommen, daß tschechische Wa' fen aetilen Kriegsmaterial nach Hamburg schickten, das von hier aus nach China ging. Daraus wurde bann der Vorwurf konstruiert. Deutschland versorge die chinesischen Generale mit Gewehren. Geschützen und Munition.
Daß in erster Linie die ausländische Konkurrenz deutscher China-Unter ehmu gen für die Verbreitung tendenziöser 21 ad) ichten über deutsche Wa senfendungen sorgt. liegt auf der Hand. Sie will den deutsch-chinesischen Handel zerstören, nachdem sie durch eigene Schuld,
vor allem durch die von ihren Regierungen vielfach vorgenommenen Bewaffnungen der rivali- fierenden Generale, ungeheure Verluste erlitten hat. Inzwischen hat sich bereits herausgestellt, daß es sich nicht einmal um deutsche, sondern um belgische Lieferungen handelt, die von der Südregierung zum Anlaß für ihr Vorgehen gemacht worden sind. Man darf wohl erwarten, daß sie schleunigst ihre Gewaltmahnahmen ein- ftellt und Im übrigen die Mitteilungen über deutsche Waffenlieferungen als das bewertet, was sie sind: der Ausfluß einer neuen Deutschenhehe im Ausland.
Für die Freiheit -es Handels.
Ein Antrag Argentiniens auf der Panamerikanischen Konferenz. Havanna, 24. Ian. (WTD.) Im Ausschuß der Panamerikanischen Konferenz schlug der argentinische Bot.chafter in Washington, Puehr- r c 6 o n , vor, die Regierungen der Mitgliedstaaten der Panamerikanischen Union sollten einen sofortigen Schritt zur Beseitigung oder Herabsetzung der über trieben hohen Zollschranken, die jetzt die Freiheit des interamerikanischen Handelsverkehrs einschränkten, unternehmen. Ferner befürwortete er die Aufhebung der Einschränkungen des Handels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen unter dem Vorbehalt, daß dies den Wohlstand der Länder und deren Arbeiter nicht gefährde. Pueyrredon erklärte ferner: Wenn wir eines Sinnes in der Panamerikanischen Union sind, verbunden durch die vornehme Gesinnung, die Coolidge und Hughes zum Ausdruck brachten, dann sollte jede Ration bereit sein. Ungelegenheiten zu ertragen zum besten der Gesamtfamilie der amerikanischen Länder. Falls die Panamerikanische Union die von Coolidge erwähnten Ideale wirklich verkörpert, ist es Pflicht der Union, dafür zu sorgen, daß kein Land für die rein örtlichen Angelegenheiten des anderen zu leiden hat.
Aus dem Finanzausschuß -es Hessischen Landtags.
Von unserer Darmstädter Redaktion.
Darmstadt, 24. 3an. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags beriet zunächst die Regierungsvorlage über die Beteiligung des hessischen Staates an der Kraftverkehrsgesellschaft Hessen. Die Erörterungen wurden bann wegen einiger nottoenbiger Rückfragen zurückgestellt. Eine Eingabe der Verbandsleitung der Gewerkschaft deutscher Kommunalbeamten in Berlin über Grundsätze zur Reuregelung der Beamtenbesoldung wurde der Regierung als Material für die demnächstige Ver- waltungsreform überwiesen. Eine Eingabe von Rau und Müller in Darmstadt zur Aufstellung von Bajazzo-Spielapparaten wurde, da diese gegen ein Reichsgeseh verstoßt, abgelehnt. Ein Antrag Blank wegen Z i n s v e r- pflichtungen aus W i n z e r k r e d i t e n wurde angenommen. Ein Antrag Weckler, Blank und Gen. aus Erlaß von Landes steuern wegen Hagel- und ttntoetterfchädigungen wurde angenommen, dagegen ein Antrag Angermüer zu demselben Gegenstände abgelehnt. Ein Antrag Wesp, zur Gewerbeaufficht auch Betriebsvertretungen zuzuziehen, fand Annahme. Eine Eingabe der Erwerbslosenkommision in Darmstadt wegen Gewährung einer Winterbeihilfe (Zuschuß von 50 Mark für Verheiratete und von 25 Mark für Ledige) wurde mit allen gegen eine Stimme für erledigt erklärt. Eine Eingabe des Gartenarchitekten Wei- gold wegen Besetzung der Stelle des technischen Leiters des Botanischen Gartens in Darmstadt wurde abgelehnt. Ein Antrag Blank, Weckler und Ruh, der Versuchs- und Lehrwirtschaft für Schweinezucht in Gernsheim ein Darlehen von 10 000 Mark zu gewähren, wurde angenommen, außerdem wurden noch mehrere Anträge ohne allgemeines Interesse beraten. Zu der Regte - rungsvorlage über die Beteiligung des Staates an der Rotstandsaktion für die im Sommer 1927 durch Unwetter Geschädigten hat der Abg. Glaser den Antrag gestellt, den gleichen Betrag, den die Regierungsvorlage als nicht rückzahlbar bezeichnet (66000 Mark) gleichfalls den jlntoetter» geschädigten zu gewähren. Die Beratung der Angelegenheit wurde zurückgestellt, um nochmals den Fraktionen Gelegenheit zur Aussprache zu geben.
Vor dem Gtaatögerichtshof.
Darmstadt, 24. Ian. Der Hessische Staatsgerichtshof wird nun am Dienstag, dem 31. Januar, vormittags 9,30 Uhr, im Sihungs- faale des Schwurgerichts zusammentreten, um über die Gültigkeit der hessischen Landtagswahl zu entscheiden. Für die Beschwerdeführer werden vertr.ten fein. Rechtsanwalt Rohde- Frankfurt a. M. für die Wirtschaftspartei, Dr. Frank- München für die Rationalsozialistische Arbeiterpartei und Pfarrer Weidner- Ober-Lais (Oberyessen) für die Evangelische Volksgemeinschaft.
Aus aller Wett.
Die provozierende Rationalhymne in Aachen.
Der Wirt des Hotels „Vier Jahreszeiten", das von der belgischen Besatzung bis 3. Februar geschlossen wurde, weil in dem Lokal in Gegenwart belgischer Offiziere das Deutschlandlied gesungen wurde, ist jetzt von der belgischen Besatzung zu 130 Mark Geldstrafe oder acht Tagen Gefängnis, der Kapellmeister zu 200 Mark Geldstrafe ober 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden.
Zum Gedächtnis Fran; Schuberts.
Zum Gedächtnis Franz Schuberts veranstalteten der Reichskanzler und Frau Marx in den Räumen des Reichskanzlerhauses ein geselliges Beisammensein, bei dem der Kammersänger S ch l u s n u s und das Dehmann- Quartett Werke von Schubert zum Vortrag brachten. Der Einladung waren die Reichs- und die Staatsminister, das diplomatische Korps, die Reichsratsbeoo Imächtigten, die Staatssekretäre der Reichsministerien, sowie Vertreter von Wirtschaft. Kunst und Wissenschaft mit ihren Damen gefolgt
Störung einer Opernaufführung.
Die Essener Aufführung der Oper „Antigone" des Deutsch Schweizers Arthur Honegger
wurde von deutsch-völkischer Seite durch lärmende Störungen unterbrochen. Generalmusikdirektor Schulz-Dornbusch ergriff das Wort und erklärte, man habe zwar das Recht zur freien Meinungsäußerung, aber der Anstand erfordere es. daß man solche am Schluß äußere. Im übrigen bekannte er sich bei dieser Gelegenheit nochmals zu dem Gedanken, daß man die Pflicht habe, auch neuere Musik aufzuführen, zum mindesten zur Diskussion zu stellen. Die Aufführung konnte danach bis zum Ende ungestört durchgeführt werden. Der Beifall ■ am Schluß war sehr stark.
Entdeckung eines Matthias Grünewald.
3m Besitze des ehemaligen Bürgermeisters von Ueberruhr bei Essen, von Auer, ist eine Kreuzigungsdarstellung von Mathias Grünewald entdeckt worden, die der bisherige Besitzer für eine Kopie gehalten hat. Bei dem Städelschen 3nstitut in Frankfurt a. OK., dem das Bild vorgelegt wurde, wurde es gereinigt und Geheimrat Friedländer-Berlin stellte das wiederhergestellte Bild als ein Werk Mathias Grünewalds fest. Eine alte Kopie der Tafel besitzt das Kaiser-Friedrich-Musertm in Berlin. Leider ist das unschätzbare Bild ins Ausland verkauft worden. Es geht nach Haarlem (Holland) für 750 000 Mark.
Folgenschwerer Anfall auf einer Grubenbahn.
Mückenberg, 25. Ian. (WTB. Funkspruch.) 2m Abraumbetrieb der Grube Friedländer der Braunkohlen- und Brikett-2ndustrie-A. G. ereignete sich heute ein folgenschwerer Unfall. Zwei Kohlenzüge stießen mit großer Gewalt zusammen. Die Führerstände der Lokomotiven wurden vollständig zertrümmert. Aus der einen Maschine waren Führer und Heizer sofort tot, auf der zweiten wurden die Bedienungsleute mit schweren Verletzungen geborgen.
Lin deutscher Schleppdampfer mit Besatzung gesunken.
Der Dampfer „Maurita", der im Tau des deutschen Schleppdampfers „Albatros" von Gibraltar nach Bergen unterwegs war, meldet, daß der „Albatros" am Samstag im Orkan gesunken ist. Die ganze 10 bis 12 Personen starke Besatzung ist u m g e k,o m m e n. Die „Maurita" befand sich in außerordentlich schwerer Lage, da sie kein Feuer unter den Kesseln hatte und sich nur sechs Persvnen an Bord befanden.
Opfer des Starkstroms.
In der Nähe von Mailand sind sechsArbeiter bei der Erneuerung der Hochspannungsleitung der elektrischen Bahn verunglückt. Zwei Arbeiter wurden durch den Strom getötet, die übrigen vier erlitten lebensgefährliche Brandwunden.
Grobfeuer.
In Oberwiesenthal im Erzgebirge brannte das Anwesen eines Wirtschaftsoesihers bis auf die Grundmauern nieder. Sämtliches Erntevorräte und das gesamte Mobiliar verbrannten. Der 71jährige Besitzer des Grundstückes, der in das brennende Gebäude zurückkehrte, um irgendwelche Habseligkeiten zu retten, sand in den Flammen den Tod.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Durch die südöstliche Verlagerung des nördlichen Tiefdruckgebietes nach Skandinavien hin sind im östlichen Deutschland die Temperaturen kräftig angestiegen. Während gestern dort noch überall Frost- weiter herrschte, erreichten die Temperaturen heute Werte bis plus 5 Grad Celsius. Westdeutschland dagegen ist von kühleren Luftmassen bereits überflutet und die Temperaturen zeigen schon -eine fallende Tendenz. Gleichzeitig ist die Bewölkung stark zurückgegangen. Wenn auch zunächst noch weiterer Temperaturrückgang und vielfach Aufheiterung sowie überwiegend trockenes Wetter in Aussicht steht, so wird es" doch nur vorübergehend sein, denn an der Westküste von Irland haben bereits die Winde nach Süden zurückgedreht und lassen das Herannahen einer neuen Störung erkennen. Wahrscheinlich dürfte im Laufe des Freitags wieder regnerisches und mildes Wetter zu erwarten fein.
Wettervoraussage für Donnerstag: Neblig-wolkig mit Aufheiterung Temperaturen vielfach um Null, in höheren Lagen leichter Frost, meist trocken.
W i t t e r u n g s a u s s i ch t e n für Frei- tag: Bewölkungszunahme und mildes Wetter mit Uebergang zu Niederschlägen wahrscheinlich.
Lufttemperaturen am 24. Januar: mittags 4,3 Grad Celsius, abends 4,4 Grad Celsius; am 25. Januar: morgens 2,9 Grad Celsius. Maximum 4,9 Grad Celsius, Minimum 1,6 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 24. Januar: abends 2,4 Grad Celsius; am 25. Januar: morgens 2,2 Grad Celsius


