Ausgabe 
24.9.1928
 
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Nr. 225 Zweier Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)Montag, 24. September 1928

Graf Zeppelin."

Gottlob, es geht w eder einmal ein Zug ein- heirlicher Degettlerung durch unter Volk, man fühl- dah doch noch etwas Ratwnalgefübl. H<rtiz>nalfloU) in unser cm Volke verborgen ruht, dah es noch etwas gibt, was über den Sorgen de« Vages, über den Kämpfen in Politik und Wirtschaft steht. Dir haben wieder «inen Zeppelin, den wir unser eigen nennen dürfen, gröher und schöner und leiftungssähigcr als alle bisherigen Luftschiff«. Dir fühlen, oab wieder einmal di« ganz« Well auf un« sieht, und bah die Völker der Srde teils mit ehrlicher Freud«, teils in Veid und Hast und Mihgunst. teils in ängstlicher Spannung aufhorchen. Wa­di« Tageszeit un gen aus Friedrichshafen berichten, toeü wir wieder «inen Z«vp«lin haben, der alles bisherig« übertrifft und den wtr diesmal nicht als Tribut an die Feinde abzuliefern haben.

Seitdem am 4 August 1906 in Echterdingen dos Zeppelinlultschiff nach glänzend verlaufener ,^ahrt in einem Gewittersturm verunglückte, hat daS deutsche Volk mit allen Fasern seines Denken» und Fühlens teilgenommen an den Erfolgen und Vlihersolgen des unbeugsamen Grafen, der durch keinen Schicksalslchlag nied«rgerungen werden konnte, es hat ihm und feinem Derk die Treue bewahrt bis aus den heutigen Tag, ja es hat ihm seinerzeit durch bi« 6-Millionen-Spend« erst di« Möglichkeit d«s Weiterschassens gegeben. So ge­hören da» deutsche HoJ und da» Werk des Grafen Zeppelin für all« Zeiten zusammen.

Als 'm Jahre 1925 Z.R. III (jetzt ..Los An- gelt») nach Amerika flog, da empfanden wir auch Stolz und Freude über da» herrliche Werk, fie waren aber getrübt durch die Trauer, dah wir da» herrliche Luftschiff den Siegern aus- ltesern muhten. Heute aber bei Z. 127 können wir mit reiner Freude und tiefem Dankbarkeit»- Ä teilnehmen an den Erfolgen, die sein«

ruft eure und Führer zu verzeichnen haben.

3m 3ahre 1925 zog Z. R. III hinüber über da» Meer als Sendbote deutschen Friedenswillen», und da» Werk Zeppelin» wird, dessen sind wir sicher, für alle Zeiten ein FriedenSwerk bleiben, es wird die Völler und Cänber verbinden, es wird mit Helsen, besser al» Gens und Locarno und Thoiry. als Völkerbund und Kellogg-Der- trag, nicht durch Worte, sondern durch die Tat, dah Deutschland wieder al» gleich­berechtigtes Mitglied in der schaffenden und ringenden Äulturtoelt anerkannt und zu gelassen wird.

Da» ist da» stolze Gefühl, da» jeden Deutschen m diesen Tagen wieder einmal beseelt, einerlei, welcher Stellung und welchen "Ranges, welcher Büdung und Anschauung er auch sein mag, da» ist e», wa» die Räder stillstehen, den Ver­kehr stocken und di« Glocken auf unseren Kir- türmen und in unseren Herzen ertönen Iaht.

Gewih glna da» Streben de» Grafen Zeppelin ursprünglich dahin, nicht nur dem deutschen Dolle, sondern in erster Linie dem deutschen Heere ein brauchbares Luftschiff zu schossen. Der mllllärische Gedanke überwog also den Gedanken, ein Ver­kehrsmittel zu konstruieren. Unb do ist es inter­essant festzustellen, dah er von keiner Stelle mehr Widerstand empfinden muhte, alS gerade von den militärischen Stellen. Dur schwer gelang es lhin. das preuhische KriegSministerium von dem Wert seiner Luftschiff« für die KriegSsührung, namentlich für die Aufklärung zu überzeugen. Erst als am 9. und 10. Oktober 1906 nach ver­schiedenen Misserfolgen zwei gröhere Ausstiege glücklich vonstotten gingen, war der Widerstand gebrochen. DaS Kriegsministerium sagte ihm nun seine Unterstützung zu und da» Reich kaufte zwei Luftschiffe an. stellte aber die Bedingung einer 24stündigen ununterbrochenen Probefahrt Dies« Fahrt vom 4. August 1908 verlief glanzend, erst nach der Landung, di« wegen eines Motor­schaden» bei Echterdingen stattfinden muhte, ver­unglückte da» Luftschiff in einem plötzlich aus­tretenden Gewittersturm. Diese Fahrt bi» Echler- dingen war ein Triumphzug ohnegleichen. Sin Schrei des Entsetzen- ging durch gcnz Deutschland, als der Draht die Trauerbotschaft verbreitete. Und in vier Tagen standen dem Grasen als Spende des deutschen Volle» sechs Millionen Work zur Verfügung. Da» Werk war gerettet, und wie

Russische Anekdoten.

Don Siegisnmnd von TtaMi

i.

Die russischen Landst ahen und Drücken haben einen zweisechasten Ruf. Am Fluhufer angelnd, erlebte ich einmal folgende Szene: Zwei Bouern- wagen trotten gemütlich der Brücke zu. Kurz vor der Brücke lenkt der erste Bauer sein Pferd­chen behutsam von der Strohe weg, daS steil« Fluhufer hinunter, und fährt planschend ins Wasser in die Furt hinein.

Der ADCite Dauer fchaul mürrisch vor sich hin, biegt nicht ab, sondern fährt geradewegs auf di« Brücke los.

Gespannt beobachtet Bauer Rr. 1 von der Furt aus feinen Kollegen auf der Brücke. Da ein plötzliches Krachen ein Geschrei: die Drücke ist unter dem Gesährl zusammengestürzt!

Da zeigt der erste Dauer mihbilligend mit dem Peitschenstock auf da» Debakel, und ruft mir zu: ..So ein Esel--1 Er sicht: eine

Drück«! nein, er muh doch fahren!"

IL

D« Bauern des Dorfes Wriiöoje werden jedesmal schrecklich wütend, wenn man sie mit den Worten: ..Guten Tag. Makar!" begrübt. Sie werden daher sehr oft so gegrüht. AmGuten Tag" ist ja nicht» Schlimmes und an ..Makor" eigentlich auch nicht», da es nur die Abkürzung des guten Taufnamen» Vkakarlus vorstellt.

8» liegt aber eine feine Anspielung darin. Dor langer Zert betuchte nämlich Zar Peter der Drohe auf der Durchreise das Dors Wellloie. Die zweihundert Bauern hotten sich barhaupt mit Salz und Brot aufgritcllt. Der Kaiser steigt au» dem Wagen, sieht sich die Leutchen an und fragt den ersten, wie er hell'e? Der antwortet, schlicht und der Wahrheit ge» mäh: ..Makar".

Zweihundert Dauern starren auf Peter» Ge­sicht und sehen, dah ihm diese Antwort und dieser Rome aus irgendeinem Grunde gut ge­fallt. Der Kaiser ist lustig. Er ist ..höchlich befriedigt".

manch« herrlich« Fahrt wurde in den kommenden Jahren von den Schiffen ..Deutschland". .Hon'o". ..Schwaben", Diktvrio Lui'«" untemom. icn! Wer von uns ® ebenem erinnert sich nicht noch de» 27. Oktober 1912. als di« .Viktoria Luis«" hier auf dem Trieb landet«? Auch die Mannever- waltung gewann allmählich Vertrauen zu den Zeppei-i'.-Luftschiffen. L. 1 und L. 2 wurden in Auftrag gegeben Beide Lusttrcuzer sind ver­unglückt, das eine m einem Gewit reisturm über der Rord!« am 9 September 1913. do» andere infolge einer Explosion auf dem Johannistal« Flugplatz am 17. Oktober 1913. Erst da» dritte Manne-Luftschiff konnte den Grafen Zeppelin und seine Mitarbeiter wieder mit Freude und Stolz erfüllen

Da kant der Krieg. Sechs Zeppeline standen un­terer Heeres- und Marineverwaltuno zur Ver­fügung. vier Luftschiff« anderer Konstruktion. Fünf waren im Westen, drei im Osten und zwei bei der Morine stationiert.

Gewaltig war bei den Feinden der moralische Eindruck, den die Zeppelinangrisfe auslösten, es sei hier nur an die Mitwirkung beim Sturm auf Lüttich, an die verheerenden Angriffe uf Eng­land. Pari». Drest-LitowSk ufw etin 3m ganzen wurden während des Kriege famt- l'.che-.c Luftschiffen de» Heeres und r lEarint 111 Angriffe durchgeführt und bei diesen insge­samt 164 203 Kilogramm Munition angcworsen. Eine ganz gewaltige Leistung 15 Offiziere. 50 Jngenteiire. Steuerleute. Maschinisten und Ma- schinengewehrschüyen starben den Heldentod.

So bemorragenb auch diese Leistungen v oren. so zeigte e» sich doch im Verlaufe de» Krieg«», dah trotz aller technischen Verbesserung^ trotz der vermehrten Steigfähigkeit der Luftschiffe die feindliche Abwehr immer mehr ausgestaltet wurde und doh der Kampf zwischen Luftschiff und Ab­wehr sich immer mehr zuungunsten der ersteren entwickelte. Al» man schließlich einsah, das; die aufgctpcnbcten Mittel nicht mehr im Verhältnis W* m zu erwartenden Erfolgen standen, ent- man sich Mitte 1917, di« Luftschiffe au» der Kampffront zurückzuziehen und nur noch Marinelustschifse zu verwenden, die bei der Auf­klärung. beim Minensuchen und Angrissen aus di« englische Küste noch ganz Hervorragende» leiste­ten. Sines Luftschiffes soll ober hier noch beson­ders gedacht werden, des L 59. dos von 3am-

boli in Bulgarien den l e rühmten Flug nach Oft- afrifa und zurück unternommen hat. eine Lei­stung. die der Ozeanüberguerung in keinem Punkte nachsteht Es war im übrigen da» gröht« bis dahin gebaute Zcppelinluftfchifs 1226.5 Meter lang. 23 9 Meter breit), also nur etwa 10 Meter kleiner als Z 127.

3n srredlicher Berkehrslufttahrt haben die Zep- pelin-Lustschisfe bis zum Ausbruch des Krieges ohne Unfall 38 000 Personen befördert Allein die uns Giehenern bekannte .Viktoria Lulle" beförderte als Fahrgastschiff in den 3ahren 1912 14 auf 489 Fahrten mit 981 Fahrt stunden 9738 Personen einschl. Besatzung über eine Gc- fomtf lugst recke von 54 300 Kilometer Die 66 Luft­schiffe der Morine und die 35 des Heeres, die bi» Ende des Krieges gebaut worden waren, hoben auf rund 4720 Fahnen eine Gesamtfahrstrecke von rund 1 657 OCX) Kilometer zurückgeiegt.

Da» sind ganz gewaltige Ziffern, und trotz­dem wird do» Zeppelin-Lus llchifs in Zukunft ein friedliche» Verkehrsmittel bleiben Der ver­storben« Reichspvstminifter von Stephan, der in so vielem bera Grafen Zeppelin geistesverwandt war. Hot schon im 3ahre 1874. allo zu einem Zeitpunkt, wo noch kein Meillch daran dachte, dast sich der Menschheitstraum des .Fliegens" einmal so schnell verwirklichen würde, die prv- pheti'chen Worte niedergeschrieben: .Aller Ver­kehr, der Luftverkehr erst recht, soll die Völker einander immer näherbringen . .An ein Ver­bieten de» Luftverkehr» ist auf die Dauer gar nicht zu denken, vielmehr wird er unaufhaltsam ein weitere« Bindeglied zwischen den Völkern werden". .Wie die Weltpost schon jetzt ihren geistigen Flug über den Erdball genommen Hot, so wird sie sicher alS die erste auf dem Platze sein, wetin e» her Menschheit einmal ver­gönnt ist. dem Zugvogel gleich durch da» un­ermeßliche Luftmeer frei dahinzuschweben von Zone zu Zone".

Diese Worte sind schneller zur Wahrheit ge­worden, al» der Verfasser damals ahnen konnte, und wenn wir dieser Tage den .Gras Zeppelin" unter Glockengeläute über unsere Stadt dahin- fltegcn sehen sollten, dann wollen wir in Dank­barkeit geloben, unser Teil dazu beizutragen, dah der Geist Zeppelin», der die vorgenannten Weissagungen erfüllt Hot. und fein Werk nie­mals untergeben dürfen, wo» auch kommen möge.

Die Wissenschaft von der Rekordernte.

OaS 32. Institut der Kaiser - Wilhelm - Gesellschaft. - Oie klügsten Bauern werden die größten Kartoffeln ernten. Deutschland soll unabhängig vom Auslandsgetreide werden.

Don Dr. (Siegfried Rurtfr.

Ende September wird da» neue Insti­tut für Züchtung»!orschung in Müncheberg

feierlich eröffnet.

Wenn wir heute einen Hektar besten Bodens mit einer der wilden Stammformen unseres Wei- zenS bestellen würden, könnten wir von ihm bei der besten Pflege und Düngung höchsten» zwei bi» drei Doppelzentner Körner ernten. Das ist ein FünfunkHwanzigstel von dem, was wir mit den heute bekannten Sorten auf dersel. en Fläche und bei dem grohen Aufwand an Arbeit und Geld erreichen. So sehr ist im Lauf der achttausendiährigen Kultur der Weizen züchte­risch verbessert worden. Schon die alten Arme­nier, die besonder» in der Obstzüchtung sehr viel leisteten, waren vor 2000 bi» 3000 Jahren be­wusst züchterisch tätig. Aber eine wirklich zielbe­wusste Züchtung setzte erst In der Mitte des 19. Jahrhundert» ein, und streng exaktes Arbeiten gibt e» aus diesem Gebiet erst seit einer ganz kurzen Reihe von Jahren. Wan kennt heute die Deseymäs.ig.'eiten, nach denen die einzelnen Rassenunterschiede sich vererben. Genau so exakt wie der Chemiker au» den chemischen Elementen bestimmte Stosse gewinnt und auf baut, genau so exakt kann der Vererbungswissenschaitler will­kürlich Kulturpflanzen mit ganz bestimmten Ei­genschaften Herstellen.

Bei unS ist leider die züchterische Praxis hinter den Fortschritten der Wissenschaft zurückgeblie­ben: ander» ist es im praktischen Amerika, wo «s mehr als hundert Spezialinstitute für Verer­bung-Wissenschaft gibt und die Farmer sich die dort erzielten Ergebnisse zunutze machen. Dor etwa 20 Jahren begann man in Schweden be­stimmte Rutzpslanzen durch wiill-nschaftliche Züchtung in grohem Maßstab zu verbessern. Der englische Dquareheadwrizen lieferte In Schweden in Jahren mit mildem Winter einen sehr hohen, bei strengem Winter aber einen sehr geringen Ertrag, und oft gab e» eine völlige Mißernte. Die schwedischen Landweizen sind dagegen völlig wintersest und frieren nie au», haben aber nur einen sehr geringen Ertrag. Die Anzahl der Körner ist oft genug nur halb so groß wie beim englischen Weizen. Man versuchte nun. die Eigen­schaften dieser beiden Sorten zu vereinigen. Der schwedische Dotanller RilSson-Shle legte sich dies« Frage vor. und in zäher, zehnjähriger Arbeit hat er durch planmäyige Versuche die Ausgabe gelöst. Tatsächlich hat Schweden jetzt aus diesen Kreuzungen nahezu ideale Kombina­tionen bekommen. Der Ertrag de« schwedischen Weizen» ist in zwanzig Jahren durch die Arbeit diese« einen Mannes um etwa 48 Prozent ge­steigert worden. Wenn wir unsere Getreideer-

Jetzt fragt der Kaiser den zweiten Dauer, wie er bei he? Der denkt ein wenig nach und sagt endlich langsamMakar". Er spekuliert: wenn bereit» «in Makar den Kaier sroh macht, wie ftvh müssen ihn erst zwei Makare machen!)

Der Kaiser fragt den dritten der lagt ebenfalls, dem Gesetz der Serie folgend. .Ma­kar"! Der Kaiser fragt den vierten, den fünften, die ganze Reihe entlang, alle, alle heiben plötzlich .Makar"! Wo man hinsieht nicht» tote Makare!

So dah der Kaiser endlich hoffnungslos mit der Hand abwinkt. mit dröhnendem Gelächter in den Wagen steigt, und auch schon davon ist.

Die Bauern aber sehen sich verdutzt an: wie war das nur gekommen, das mit dem Makar? Doch es war nicht nur gekommen, eS ist auch geblieben! Denn jetzt sind es schon zweihundert Sabre, dast dir Dauern von Welikoj« sich alle er­denklichen Hamer geben, D. sogarParfllmoni' und ..Pawfsllachij" und doch diesenMakar" nicht mehr loswerden können, der ihnen auf jeder Landstraße lustig en'gegenschallt ..Guten Tag, Makar!"

III.

Der berühmte Fürst P o t e m k i n bekam öfter» melancholische An Wandlungen. Er konnte tagelang einfam vor ftch binftarren. wobei niemand zu ihm ins Kabinett durfte. Al» es mit ihm wieder einmal so weit war. hatte sich in seiner Kanzlei eine Menge von Papieren angehäuft, di« un­bedingt sofort erledigt werden muhten aber nremand besah den Mut. sich in da» Zimmer Seiner Durchlaucht hineinzuwagen. Sin junger Beamter namens Petuschkow hatte da» sorgenvolle Deliberieren der alten Dureaukraten mit angehört und erbot sich nun keck, die Papiere dem Fürsten zur Unterschrift vorzulegen. Mit erleichtertem Aufatmen wurde ihm der ganze S^ost eingehändigt: alles erwartete mit Un- fiibulö da» Schicksal der Unternehmung. Potemkin fah. barfüßig und ungekämmt, in einen Schlaf­rock gehüllt, da und kaute nachdenlllrch an feinen Hägcji. Petuschkow erklärte ihm schneidig, worum es sich handele, und unterbreitete ihm die Pa­piere. Worauf Potemkin wortlos nach der Feder griff und automatisch ein Blatt nach dem an­

deren unterschrieb. Rach einer schnellen Ver­beugung kehrt Petuschkow triumphierend in das Vorzimmer zurück: ..Gr hat unterschrieben!

Alle» stürzt auf ihn zu, man sieht nach: die Papiere sind tatsächlich alle unterzeichnet. Petusch- low wird allgemein beglückwünscht:Schneidiger Kerl! Da» muh man sagen!" Aber da sieht fvch einer von den Beamten die Unterschritt genauer an was ist denn daS? Da steht ja auf allen Papieren statt: ..Fürst Potemkin", die Unter­schrift:Petuschkow",Petuschkow", .Petusch- sow" ...

IV.

Der junge Sch. hatte einen so verwegenen, dummen Streich gemacht, dah sich der Fürst Besborodko über ihn bei der Kallerin selbst beklagen woll e. Die ganze Verwandtschaft kam in Aufregung, man stürzte zu Fürst Potemkin und bat ihn. sich für den jungen Mann rinzu» fetzen. Potemkin befahl, dah Sch. sich am nächsten Tage bei ihm «infinden solle, und setzte hinzu: ..... und dann soll man ihm noch sagen, dah er mir gegenüber nur recht dreist fein soll." Am nächsten Tage findet sich Sch. zur an be­rat en Zeit ein. Potemkin tritt in seinem ge- wöy... chen Kostüm au» dem Kabinett, spricht zu niemand ein Dort, und fetzt sich ans Karten­spiel. Run trifft auch Fürst Besborodko ein. Potemkin begrübt ihn fc eisig wie nur möglich und fetzt fern Spiel fort Plötzlich ruft er den jungen Sch. zu sich heran: ..Sag' mal, Bruder." fragt Potemkin, indem er ihm die Karlen zeigt .wie foll ich da eigentlichpielen? -- ..Da» geht das mich an. Durchlaucht."agl Sch. spielen 6k doch wie Sie wollen!"Ach. du mein Vater." verietzt Potemkin mit gedrückter Stimm«,man kann dir ja nicht einmal ein Dort lagen gleich bist du schon böse!"

Rach dem Fürst Bri borodko da» besagte Ge­spräch angehört hatte, beschloh et plötzlich, von einer Klage Abstand zu nehmen.

V.

Der junge P otemkin hatte eine sehr eilige Depesche von der Krim nach Petersburg zu bringen und legte diese Riesen ent ernung in einer tatsächlich überau» kurzen Zeit zurück, so dast selbst bre Kaiserin Katharina ihm bar­

träge nur um 10 oder 20 Prozent steigern könnten, würde Deut'chland aus einem Einfuhr» ein Ausfuhrland für betreibe werden. Man lieht eine scheinbar rein wisscn'chasUiche Frag« erlangt eine hohe Volkswirtschaft liche Bebeu- tung.

Aus der Hauptversammlung der Kaller-WU- Helm-Gksellschaft zur Forderung der Wissenschaf­ten, die am 2d 3uni 1427 m Dresden stattge­funden hat. hat die» der damalige Leiter des Instituts für Dererbungsforschung an der Ber­liner Landwirt*chaftli§<n Hochschule. Pros. Gnom Daur. packend ausgesührt <Sr klagt« darüber, arbeüung von Kulturpflanzen und Haustieren völlig fehlen. 3n Ruhla ich wird für diese Zwecke mindesten» zehnmal soviel aufgetrenbel, wce bei uns O» besteht in der Sowjet.Republik z. D. ein <ehr grolle» Institut für züchierisch« und ge­netische Arbeiten mit Äuhurplanten, dellen Zabrec>haushalt rund 1.2 Millionen Goldrubel betragt. Das ist eine zehnfach gröhere Summe, als in Deutschland für lämtlidx genetischen Ar­beiten überhaupt oufgetiH*ntk,t wirb Aber Baurs berwbtiflte Klage erklang nicht vergeben» Dis Kaller-Wilhelm-Gesellschast dcschlost. ein brion- beres Institut für Z ic ch t u n a« for­sch u n g in dem märkischen Städtchen Münche­berg bei Berlin zu errichten. Dori sollen di« Erfahrungen der thevrrlllchen Dercrbrnigswis- senschaft für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden. Dor etwa Jahresfrist wurde in aller Stille der Grundstein gelegt.

Bezeichnend für den in dem diese neue Forschungsstätte geleitet rverben soll, i t die Zu­sammensetzung ihres Kuratorium» Reben Ver­tretern der Finanz und der Wissenschaft findet man bervorragenbe Landwirte. Rittergutsbesitzer und S2anbarbcilcr. Wir nennen aufs iperaieuwhl den früheren 0iaut»miniftcr v. Arnim-Erie» wen, den sozlaldemolr^ii'chen Reichstag»a>'e-

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v i d. den Direktor der Darmstädter Baick 'Dr. Zakob Goldschmidt, den bcfaimten Pflanzen­züchter v. Lochow-Petku». den Rrichst.igs- abgeorbneten Hepp als Der tret er de» Reictzs- landbunde». den R<ich»tagsaogeordneten Georg Schmidt al» Vertreter des Deutschen Land- arbeiter-Derbandes. sowie den Recchstagsabge- ordneten Behren» al» Vertreter des ventral- verbände» her Landarbeiter Sclbstverständlich sind auch da» Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft. daS Preuhische Ministerium für Domänen und Forsten, der Deutsche Land­wirtschaft-rat. btc Deutsche Landwirlschaflsgesell- schast. die Vereinigung der Deutschen Bauern­vereine und verschiedene wlssenschalliiche Gesell­schaften. die sich mit Vererbungswissenlchall oder Pflanzenzucht Ivschäsngen. in biefan Kurcuorium vertreten Dies 32. Kind der Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft. in bem sich zum erstenmal ein inniges Zusammengehen mit der praktischen Landwirt­schaft zeigt, will vor allem untere deutschen Kul­turpflanzen durch experimentelle Erzeugung ent­sprechender Rassen leistungsfähiger machen. An der Spitz« dieser Forschung»st^tte steht Pro­fessor Erwin Daur. Unhr seiner sachkundigen Leitung ist auch her Plan für die Errichtung de» Gebäude» amlgelübrt worden.

Da» Institut wird am 29. September mit einer kleinen Feierlichkeit eröffnet, zu dm dio beteiligten Kreise Vertreter der Regierung, der Wissenschaft, her Landwirtschaft - h?r- ang zogen werden. Da» Gesarnftnstitut. da» ein Gelände von 680 Morgen umfaßt, besteht aus einem Versuchsgut und der eigeirllichen For- schurrg-stätte. Der freundliche dtoerfbau mit seinen ansprechenden Formen enthält im Keller cm Speziallaboratorium für Arbeiten mit Zücker- und Futterrüben, 2ag?n4umc sür die Dersachs- forten von Kartoffeln, ferner eine große Külte- anl'ge, mit deren Hilfe e» möglich ist, in einem bestimmten Raum jebe Temperatur zwischen 0 und minus 33 Grad konstant zu erhalten. Da sehen wir auch ein Röntg.mluboratorium. die Römgenbestrah.ung soll ebenfalls dazu bknen, neue erbliche Rassen zu gewinnen. Selbstver­ständlich fehlt es nicht an Dunkelkammern für rbottgrui'bilaK Zwecke, einem mikroskopischen, einem p^)siolcgischen, einem chemischen Labora­torium : andere ätntersuchu g Matten befinden sich im Erdgeschoß, aber auch im Obergeschoh rechen

über Elogen macht« Später spaziert« «r in der Stadt herum und erzählte auf vieles Befragen: bei der Eile habe lern Degen zufällig seitwärts au» dem Schlitten betau»getagt und da habe die Degenspitze an den Werkt Pfosten wie an einem Staketenzaun entlanggerattert.

16. Deutsches Bachfest in Kassel.

Da» von der Reuen Dachgesellschaft, Sitz Leip­zig. in der Zeit vom 20 bi» 23. September in Kassel unter der musikalischen Leitung von Dr. Il c. Robert Laug», erstem Kapellmeist« de» eiaat»tb?ater» Kassel und unter Mitwir­kung einer Reihe erster Solisten, weit« des Münchener Gamben-QuartettS, des Lehrwgesang- verein4. des A-cappella-iibor», des Oratorien» verein», der Kirchenchöre unb der Kapelle des Staatstheaterv. veranstaltete 16. Deutsche Dachtest nahm am Donnerstag, nachdem am Abend zuvor btc Reuinszenierung von Glucks .Orpheus und Eurvdice" im staattichen Theater mit Wilhelm Franz Reust al» Dtri- gent, ten Auftakt gebracht hatte, mit ein« Mitgliederpersammlung tm Rotm Palais seinen Anfang. Abend» fand in der Martins'irche ein Heinrich-Schütz-Abend statt. 3m 2ln- schlust daran folgte ein von d« Stadt Kastel in der Stadthille v«anstalte1« EmpsanaS- abend. zu dem sich die Spitzen der Dehöeden, ine Mitglied« der Dachgesellschaft und promi­nente Gäste, im ganzen etwa 400 Personen, ring et unter. hatten. Oberbürgermeister Dr. Stadler-Kafsel bot ben Gästen rin herzliches Willkommen in dem kunstliebenden Kassel, bet Stadt, wo Louis Spohr gelebt hat, und in der jetzt das Wesen unb Wirken eines der gröhten Tondicht« und Tonkunst [er all« Zeiten in fest­lich« Veranstaltung lebendig werden soll. Es bleibt da» hohe D«dienst d« Dachgesellschaft und ihr« Rach'olg«in. d« Reuen Dachgesell­schaft. uns«« Zeit, die «füllt ist von dem Dröh­nen d« Maschinen, der rastlosen Hast des D«- kehr» und die erschütt«t wird durch polttifche und soziale Kämpfe, rin Kulturgut von un­schätzbarem seelischen Gehalt nahe zu bringen und »u «schließen.