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Ul. I2( Erstes Blatt

178. Jahrgang

Donnerstag 24. Mai (928

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3m Zweihun-eriMomeier-Tempo über die Avus.

Versuche mit dem Raketenwagen Krih von Opels aus der Berliner Rennbahn.

Berlin, 23 Mai (WTB) Ein denkwürdiger lag auf der Berliner Aousbahn 1500 geladene und viele laufende ungeladene Gäste sollten heute Zeugen sein der ersten offiziellen Fahrt des Opel- sichen Raketenautos

Zunächst Ansprache von Geheimrat Schütte. Er spricht über die Ziele der Raketenoersuche. Die jetzige Borführung des Raketenfahrzeuges ist lediglich eine Etappe aus einem reichen Arbeitsprogramm, das noch zu bewältigen ist, bevor da» Ziel, in die höchsten Luftschichten der Erde mit größer Geschwindigkeit zu fliegen, erreicht ist. Dann spricht der Held des Tages,

der Führer de» RaTelenauto», Jritj 0. Opd.

i3r zählt sieben Stoppen auf, die auf dem Wege zum gesteckten Ziel zurückzulegen sind. Die ersten beiden Stoppen gelten der Herstel­lung von Autos und Rädern, mit denen 200 bi» 220 Alm. ohne Gefahr für den Fahrer erreicht werden können. Von der dritten Stoppe an steht das Problem des Fluges im Vorher» grund. Ss sollen Flugzeuge mit 300 bis 400 Alm. Geschwindigkeit erbaut werden. Die vierte Etappe wendet sich der Höhenforschung zu. S« soll versucht werden, gröbere Höhen au8 30 Alm. zu erreichen. 3n der fünften Stoppe will man zu den bemannte n Raketen übergehen, während die sechste Stoppe Fluazeugc vor- sieht. die in 20 bis 30 Alm. Höhe t n weniger a l S einem Tag um die Erde fliegen. Die stebente Stoppe endlich gilt dem Weltraum­schiff. das der Hörer hält den Atem an die Möglichkeit bieten soll, benachbarte Himmelskörper zu erreichen, wenn auch nicht einzusehen ist, waS wir ausgerechnet auf dem Mond verloren haben. Zu welcher Zeit werden nun die einzelnen Stoppen Wirklichkeit? Fritz v. Opel ist überzeugt, daß die Stoppen 1 bis 5 nicht erst In Jahrzehnten, sondern In toe - Niger als einem Jahr erreicht werden. Das die 6. und 7. Stoppe, den Flug in die Stratosphäre, anbelangt, so kann ein genauer Termin noch nicht genannt werden. Hrsprünglich rechnete man mit einer Frist von 15 biS 20 Jah­ren Sin überraschender Fortschritt in der Arbeit soll aber die Frist bereit- auf höchstens sechs Jahre zurückgeschraubt haben. Späte­stens im August will man in der Lage fein, einen genauen Termin anzugeben. Hinter Den Ku­lissen. so meint v. Opel, wird gearbeitet. Der viel­leicht etwa- zu groß erscheinende Optimismus recht- fertige sich immer mehr. ..Dir sind überzeugt." mit bickn Worten schließt Fritz v. Opel,daß wir nicht die einzigen sein werden, daß vielmehr in kürzester Zeit das Raketcnproblem ein Problem aller Rationen werden wird. Hof­fen Sie mit uns auf den Tag. an dem das erste Raumschiff mit dem Ramen ..Deutschland" schnel­ler als die Sonne die Erde umfliegen wird."

Die Vorführung.

Der Raketenvaqen hat. abweichend von der Opelschen Rennfarbe keinen roten, sondern schwar­zen Anstrich und nur daS Steuerrad hat die Optische HauSfarbe. Der Wagen, der in feinem Aufbau an das Tropfenauto erinnert, besitzt vom in der Höhe der Steuerräder rechts und link- zwei Tragflächen, die verhindern sollen, daß das vom unbeschwerte Fahrzeug sich wegen deS rasenden TempoS vom Boden emnorhcbt. Hinter dem Führer sind die Raketen 27 an der Zahl über der Hinterachse eingebaut. Die Dorrichtung hat eine gewisse Aehnlichkeit einem noch heute im Zeughaus zu sehenden Mitrailleusen-Defchütz: 27 kurze Sisen» rohre von 1.5 Zentimeter Wandstärke ragen frei in die Lust. Die Anordnung ist so getroffen, bah abwechselnd je drei und dann je fünf Raketen übereinander ungeordnet sind. Kurz vor 10.15 Hhr war alles zum Start fertig. Herr v Opel tauschte mit seinen Mitarbeitern einen kurzen Händedruck. Alles sprang beiseite und der Fahrer brannte die ersten Raketen loS. Tosend und heu­lend entwichen die Gase, und wie von einer Sehne geschnellt flog der Wagen mit einer An­fangsgeschwindigkeit von 50 bis 60 Kilometer über die Dahn. Sine zweite stärkere Raketen­ladung, und mit etwa 120 Kilometer Geschwindig­keit ging die sausende Fahrt der Rordkurve ent­gegen. Dann einige Sekunden Ruhe. Herr von öpel lieh den Wagen auslaufen, wendete auf der Dahn und

wieder cln Raketenstoh. ein zweiter und ein dritter und in ungeheurer Fahrt, die schätzungsweise 180 bis 200 Kilometer betrug, raste da» Fahrzeug heran.

Kurz vor ben Tribünen feuerte der Lenker die letz­ten Raketen ab, so dah die Erde zu beben schien, und die Zuschauer, die auf der Zielrichtertribüne und auf den Zeitnehrnerhäuschcn Kopf an Kopf standen, bedenklich ins Schwanken gerieten. Bei der sausenden Fahrt sah man von dem Wagen kaum etwas. Rur das rote Feuer der Raketen und der dichte graue Qualm zeigte, in welch u n - aeheurern Tempo der Raketenwagen vorüber- brauste. Rach ein paar hundert Meter Auslauf stand der Wagen still. Die begeisterten Zuschauer, die immer wieder in Hochrufe für Fritz von Opel ausbrachen, stürmten über die Bahn hinweg, um den kühnen Lenker zu feiern. Inzwischen hatte je- doch schon ein Lastauto den Raketenwagen erreicht

und schleppte die Maschine zurück bi» an die Tri­büne. Die begeisterten Zuschauer drangen über die Barrieren. Opel wurde aus dem Wagen heraus­gezogen und auf den Schultern feiner Freunde im Triumph davongetragen. Frig von Opel bat bei dieser Demonstration auf der Avus die Schnelligkeit des Raketcnwagens gegenüber den Rüsselsheimer Versuchsfahrten lehr wesentlich zu fteiaern vermocht. Kurz vor den Tribünen er­reichte er ein tempo von 195 Kilometer, um nach Abschuß der letzten Raketen auf etwa 215 bis 220 Kilometer Stundengeschwindigkeit zu kommen.

Die Auswertung.

Don unserem M. ^.-Sonderkorrespondenten. Nachdruck verboten.

De rlin, 23. Mai 1928.

Heute ist also der Raketenwagen auf der Avus gefahren und hat sich einer geladenen Gesellschaft gezeigt. Vorher hinten Geheimrat Schütte und Fritz v. O p e I Dorträge, in denen sie zwar zukunftSsreudtg sprachen, aber doch vor übertriebenen Hoffnungen warnten. Hnb ich muh Jagen, triefe Warnung scheint mir sehr angebracht, denn was ist nicht alles über den Raketenwagen, den Raketenflug und den Schuh nach dem Monde oder dem MarS ge­schrieben worden, nachdem von den Dersuchen mit dem Wagen etwa« in die Oefsentlichkeit ge­drungen war! Manchmal konnte man wirklich meinen, man werde in allernächster Zeit nur auf das Tempelhofer Feld zu gehen brauchen, um vom Dortigen Flugplatz in wenigen Minuten nach irgendeinem andern Himmelskörper, oder doch wenigsten- nach Reuyork gelangen zu kön­nen. Dabei sah man Dilder, wie Flugzeuge m i t Flügeln durch den Weltenraum flogen, und da- ist natürlich gänzlicher Hnfinn, denn waS sollten die Flügel im luftleeren Westenraum nützen? Sie haben doch nur in der Luft einen Zweck, wo sie sich auf diese abstützen und so da- Flugzeug tragen können.

Rach den Dorträgen sauste der Wagen über die AvuS die AvuS ist eine von Horben nach Süden verlaufende Krccktwagenstraße von 19 Kilometer Länge, deren beide Fahrbahnen am Rord- und Südende durch Schleifen verbunden find. Etwa 1 Kilometer füd.ich der Rordfchleife fuhr er ab. durchfuhr die Rordfchleife und kam dann nochmals an den Zuschauern mit schneller Fahrt vorbei dann wurde er von einem Last­kraftwagen wieder vor die Tribünen geschleppt und von zahllosen drehenden und nicht drehenden Lichtbildnern eingefangen. Wer einmal gesehen hat, welche Feuergarbe und welche Rauchschwaden er hinter sich läßt, der gewinnt die Heberzeu- gung, dah ein solches Fahrzeug a l S Straßen- fahrzeug natürlich unmöglich ist: es ist ja auch nicht als solche- gedacht, sondern dient nur zur Erforschung der Raketenwirkung, die man später zum Antrieb von Flugzeugen und von Raketen ohne Flügel zur Erforschung der höheren Luftschichten benutzen will. Dorn Schuh, oder richtiger, vorn Raketenflug auherhalb der Luft­hülle sind wir noch recht weit entfernt davon w sprechen gehört in das Arbeitsgebiet von IuleS Derne oder in das Gebiet der Faselei.

Richtig ist der Gedanke, in höheren Lust­schichten zu fliegen, als es uns jetzt möglich ist. weil man dort wegen des geringeren Luft­widerstandes schneller fliegen kann al- in den unteren Luftschichten, wo ja die Luft der Dor» wärtsbewegung einen gewaltigen Widerstand entgegensetzt. Dieser Widerstand wird gewöhnlich unterschätzt, weil man die Luft nicht sieht: bei Sturm kommt es uns schon eher zum Bewuht- fein. dah die Luft ungeheure Druckwirkungen ausüben kann. Dah der Luftwiderstand in Sen oberen Luftschichten gering ist. ist uns zum ersten- mal so recht fiar geworden, als unsere Fern­geschütze im Kriege Paris beschossen. Dabei stiegen die Geschosse in Höhen von über 40 Kilometer, erhoben sich also in größere Höhen über der Erdoberfläche, als sie auch heute noch irgendein irdischer, nicht rein staubförmiger Körper erreicht hat. Ein Raum­meter Luft wiegt dort etwa ein Gramm, allo etwa den zwölfhundertsten Teil wie auf der Erdoberfläche. Die Erzielung der Schuh- weite von 120 Kilometer war eben nur dadurch möglich, dah das Geschah in diesen Höhen f a st fciqen Luftwiderstand mehr fand und daher große Strecken mit fast unverminderter Geschwindigkeit zurücklegen konnte. Ss brauchte übrigens zu seinem Wege drei Minuten und zehn Sekunden Ich erwähne diese Zahlen absicht­lich. da im Zusammenhang mit den Erörterungen über den Raketenflug in letzter Zeit zahlreiche falsche Angaben über die Dahn dieser Gcckchosse Verbreiter worden sind.

Betrachten wir den Höhenflug in diesen Gegen- den unter Derücksichtiguna des Gesagten, so ergibt sich, daß der geringe Luftwiderstand natürlich für die Fortbewegung des Flugzeugs außerordentlich günstig ist. andererseits ist aber gerade dieser geringe Luftwiderstand für Flugzeuge bisheriger Art sehr nachteilig, weit die ^ustchrauben in dieser dünnen Lust zu wenig Widerstand finden, um das Flugzeug vorwärts treiben au können. Auch Flügel von der üblichen Gröhe können das Flugzeug in solchen Höhen nur dann

tragen, wenn mit ganz ungeheuren Ge­schwindigkeiten geflogen wird.

ES ist nun durchaus denkbar, dah man Flug­zeuge durch den Rückdruck aus strömen­der Verbrennungsgase vorwärts treibt und ihnen so in den großen Höhen eine Ge­schwindigkeit verleiht, bei der die Flügel das Flugzeug tragen können: eS fragt sich nut. wie lange dies möglich ist. Es ist nämlich dabei zu bedenken, dah Treibmittel wie die Pulversätze von Raketen sehr viel weniger Energie enthalten, als die jetzt zum Antrieb von Fabr- und Flugzeugen benutzten Brennstoffe, wie Kohle, Denzin und dergleichen, so sonderbar dies auch dem Laien Vorkommen mag. dem Schießpulver ober gar Dynamit als der Inbegriff eines Energiespeichers erscheinen. Jede Verbrennung besteht ja bekanntlich darin, daß sich ber 'Brenn­fl off mit dem Sauerstoff der Luft unter Wärme­entwicklung verbindet. Dei den jetzigen Brenn- stoffen nimmt man ben Sauerstoff währenb der Fahrt oder des FlugeS aus der allgegen­wärtigen Luft, braucht ihn also nicht mit» fusühren, während er in den Raketenpulver- ätzen von Anfang an mitgeführt wer­den muß. Das bedeutet eine ungeheure Gewichts­vermehrung des Treibmittels und damit eine Beschränkung der von ihm mit einer Füllung zurücklegbaren Entfernung. Es kommt aber noch etwas anderes hinzu, das jeden bedenllich stim­men wird, der viel mit Sprengmitteln umge­gangen ist: ES gibt sehr viele Sprengmittel, Die man gleich Raketenpulversätzen gewissermaßen mit einem Streichholz anzünden kann, und die dann abbrennen. Aber diese- Vergnügen dauert immer nur eine gewisse Zeit, denn in­folge der Verbrennung steigert frch die Hitze so gewaltig, daß der Rest des Treibmittels dann

doch zerknallt. Vielleicht ist dies auch neben dem Umstand dah eine Fahrt mit dem Ra­ketenwagen jedeSmal ein kleines Vermögen kostet. Der Grund, warum die Fahrten nut auf s 0 kurze Entfernungen ausged.hnt werden ich würde mich jedenfalls nicht auf ein solches ^liegendes Pulver'ah setzen, da- an einem Ende schon brennt, ba ich die Tücken bet Sptengstos e zu genau kenne, ilebrigen« hat auch Fritz von Opel in seinem Vorträge auf ber AvuS die Möglichkeit des Zerknalls der Ladung des Rakc:enwagens als vorliegend angegeben unb ben Ausschluß bet Oefsentlichkeit bei den heutigen Vorführungen damit begründet.

Ich kann die in den Vorträgen ausgesprochene Hoffnung, man werde in wenigen Iahten mor­gens von Berlin abfliegen, mittag- in Reu­york feine Geschäfte erledigen und abends in Berlin die Oper besuchen, aus ben angeführten Grünben nicht teilen, ich bin vielmehr bet An­sicht, daß es sich bei dem Raketenwagen um einen zwar nicht neuen, aber vom Standpunkt deS Physiker- gewiß ganz interessanten Versuch handelt, der uns vielleicht ein Mittel zur Erforschung ber Luftschichten in und mit ben jetzigen Mitteln unzugäng­lichen Höhen bescheren wirb. An einen Luft­verkehr mit Raketenflugzeugen kann ich vorläufig unmöglich glauben, noch weniger aber auch an einen auch ganz zwecklosen Schuh nach dem Monde ober noch einem anderen Weltkörper, oder gar an eine Rückkehr lebender Menschen von einer solchen Reise. Es genügt ja aber auch, wenn vorläufig die Wissenschaft durch solche Forschungen bereichert wird. Welche Oiutzanwen- bungen dann die Technik au- ben so gewonnenen Kenntnissen ziehen wird, da- können wir vor­läufig getrost ber Zukunft überlassen. M. F.

Etapetlaus des neuen KreuzersKöln".

Wilhelmshaven, 23. Mai. (WTB.) Heute vormittag lief hier bei schönstem Wetter der neue KreuzerD " vom Stapel. Der Feier wohnten Rcichswehrminister Dr. G r 0 e n e r, Reichsiustiz- Minister H e r g t, Reichsfinanzminister Dr. Koh" l e r, der Ministerpräsident von Oldenburg, zahl­reiche hohe Beamte u. a. auch die Chefs der Ma­rine- und Heeresleitung bei. Der Kreuzer ist nach der StadtKöln" benannt worden, womit gleich- Seine Ehrung des gesamten Rheinlandes zum ruck gebracht werden soll. Den Taufakt voll­zog die Witwe b e 5 Kapitän» des ehemaligen Kreuzers .Köln". Rach ber laufe fand ein Imbiß im Offiziersheim der Werft statt 3m Verlaufe des Mahles traf vom Reichspräsidenten folgen­des Telegramm ein:

,,3d) danke für die Meldung von dem glücklich erfolgten Stapellauf des Kreuzer»Köln". Möge ber Dille ; u treuer Pflichterfül­lung und opfermutiger Vaterlands­liebe, der die alleKöln" befreite, auch auf diesem neuen Schiffe fortleben. Dem Kreuzer und ber Befatjung wünsche ich allzeit glückliche (fahrt."

gez. 0. Hindenburg, Reichspräsident.

Reichswehrminister G r 0 e n e r weihte bei Tisch das erste GlaS den Toten deS Krieges und brachte namens der Versammelten das Ge­löbnis dar, ihnen nachzueifern in Pflicht­treue, Vaterlan dsliebe und Opfer­mut. Dann begrüßte der Reichswehrminister die als Gäste erschienenen Vertreter des Reiches, des Reichstages, des Re:chsrats. den oldenburgischen Ministerpräsidenten unb den Oberpräsidenten von Hannover, dellen Tätigkeit als Reichswehr- Minister er gedachte. Er gedachte schließlich in Sonderheit der Vertreter des Rheinlandes und der Stadt Köln und der Gattin des mit derKöln" untergegangenen Kom­mandanten unb deS einzigen Hebet» lebenden der allenKöln", des Oberheizers Reumann. Das neue Schiff möge den Rhein­ländern ein Anlaß sein, den Gedanken an die deutsche Wehrmacht, besonders an die Rcichs- marinc, fördern zu helfen. Die Marine selbst habe mit dem neuen Kreuzer die Verpflichtung übernommen, überall wo das Schiff später hin­komme, für den deutschen Ramen. für die deutsche Ehre und für ben beutschen Rhein Zeugnis ab- julegen nicht im Sinne stolzer Heberhebung, sondern in der stillen Wecke eines Menschen, dessen Seele erfüllt ist von der hohen Ausgabe, zu nutzen dem Heil des Vaterlandes. Groener schloß mit einem Hurra auf das Rheinland unb die Patenstadt Köln.

Die Tradition derKöln".

Bremen, 23. Mai. (XU.) Der vierte neue Kreuzer ber brutschen ReichSmarine hat den Ramen .Köln" bekommen. Wat der zweite Kreu- -erneubau .Königsberg" geeignet, die Ost­mark fester an die Marine unb damit an das Reich zu binden, so ist es jetzt die ebenso be­drohte W e ft m a r I, bie durch den neuen Kreuzer .Köln" geehrt werden soll. Die alte .Köln" war

ein kleiner Kreuzer ber Hochseeflotte, wäh­rend die .Emden". .Königsberg" unb .Karls­ruhe" im Ausland mit wehender Kriegsflagge untergegangen sind. Vor 20 Jahren etwa wu be die erste . 1 n" gebaut. Auf der Germania- Werft von Krupp in Kiel wurde sie im Jahre 1909 vom Stapel gelassen, war 4300 Tonnen grob, 130 Meter lang unb bewaffnet mit zwölf 10,5-Zentimcter-Geschühen. Roch heute sind die Schiffe auS der gleichen Zeit in der Reichs­marine, wenn auch durch Umbauten modernisiert,

B. bie Kreuzer .Berlin" und .Hamburg". Im Sommer 1911 wurde die 27 Seemetten laufende .Köln" in Dienst gestellt: bet jetzige Admiral unb Ehes ber Marineleitung, Zenker, übernnahm damals als Kommandant das neue Schiff. Bis zum Kriege ist der Kreuzer im Ver­bände der Auf klärungsstreitkräs te g? ähren, dann wurde er unter dem Kommando des Fregatten­kapitäns Mei dinget Flaggschiff des Admi- rals WaaS. des Führers der II. AufllärungS- gtuppe. Am 28. August 1914 schlug dem Schiff bie Tobe-stunde. Der Engländer halte bie deutschen Vorpostenstteitkräste in ber Bucht von Helgoland a'gegriffen. Die Kreuzer .Ariadne". .Stettin" unb ..Frauenlob" waren ben bedräng­ten Fahrzeugen zu Hilfe geeilt. .Köln" und .Straßburg" hatten Befehl erhalte», von Wil­helmshaven au- ebenfalls vorzustohen. Hebet das Ende deS Schisses weiß mar. niept viel. Die feindlichen Strritkräfte wurden zwar von ben bedrängten VotpostenstreiUrästen zurückge- brängt, die nachftoßenden Kreuzer kamen jedoch ins Gefecht mit starken englischen Kräften, be­stehend aus einer Division von Schlachtkreuzern unb mehreren H-Booten. die plötzlich au3 einer Rebelbank heraustraten. Von dieser artilleristi­schen Hebermacht wurden bie deutschen Kreuzer zusammengeschossen: zuerst .Ariadne", dann Mainz* und um etwa 1.30 Hhr mittags .Köln". Rur ein einziger Mann brr .Köln", der Hetzer Reumann, würbe gerettet. Die gesamte übrige Besatzung mit alle» Offi­zieren fand den Seemannstod. als .Köln' 35 Seemeilen westlich von Helgoland unterging.

Die zweite .Köln" ist erst Im letzten Kriegsjahre in die Flotte eingereiht worden, sie war moderner als bie erste, 5600 Tonnen groß unb mit acht 15-Zentimeter-Schnell euer^chutzen bestückt, allo stärker als ihre Vorgängerin. 3m März 1918 wurde das Schiss in Dienst gestellt unb im Sicherheitsdienst zum Schutze der Minen­suchverbände verwandt. Zusammenstöße mit dem 5reinb hat sie nicht gehabt. Am 19. Rovembet ging auch sie mit nach Scapa Flow und wurde dort am 21. Juni 1919 versenkt.

Eine dritte Köln", benannt auf Wunsch der Patenstadt Kiln, soll die Tradition bie'er beiden Schiffe in der neuen Reichsmarine hoch­halten. Ihre Abmessungen sind noch größer als die der zweiten .Köln". Die Was erverdrängung beträgt 6000 Tonnen, das Schiff ist 170 Meter lang und mit neun 15-Zentimeter-Geschützen in drei DrillingStürmen bestückt Es gleicht also den schon genannten unb bereits in Dienst be- kindlichen Kreuzern »Königsberg" und »Karls­ruhe".