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nr. 96 Drittes Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 24. April 1928

Turnen, Sport und Spiel.

HrühjahrSwaldlauf des 2. Bezirks im Gau Hessen der O. T.

Trotz be< winterlich anmuienben Wetter» traten 34 Läufer in drei Älaflen auf dem Xrteb -um Lauf an. Bezirkssportwart Weitz, Groben, Linden, lieh um 9.30 Uhr nacheinander die ein­zelnen Klaffen ab. Die Jugendunterftuse hatte 1,5 Kilometer, die Jugendvberstuie 3 Kilometer und die Aktiven Turner 5 Kilometer Läufst rede zu bewältigen. Ueber den Trieb, durch den Philofvphenwald zum Flughafen, von da zur Anneröder Strafte und zurück zur DolkShalle führte die 5 Kilometer lange Strecke, In die ab­gekürzt die beiden anderen eingelegt waren. Bei schönen Wetter wirllich ein schöner Weg für den Waldlauf. So aber kamen die Läufer auf den aulgeweichten Wegen schlecht vorwärts und erreichten über und über beschmutzt da» Ziel. Da nach Dorschrifl der D. T. keine Zeit mehr ge­nommen wird, ist nachstehend nur die Reihenfolge der Sieger genannt

T u r n e t (10 Läufer. 4 Sieget): 1. Han» Koch. Mlv Dietzens 2. Heinrich Stein. Mtv. ®ieftcn. 3. K O Brat fisch. Tv. 1846 Tieften: 4. Karl Ludewig. Tv Wetzlar.

2ugend-0berstuse(14 Läufer, 5 Lieger): 1. Theo Baubel, Tv. 1846 Gieften: 2. Gustav Koch. Mtv. Gieften. 3. Ludwig ©etnanö, Tv. Wetzlar. 4. Erich Reeg. Tv. Wetzlar: 5. Kurt Decker, Tv 1846 Gieften.

Mannschaftssieg: Tv. Wetzlar.

Jugend-Unterstufe (10 Läufer. 4 Sie- ger): 1. Wilhelm L i n d e n st r u t h, Tv. Wetzlar- RiedergirmeS: 2. Walter H ä l l m e i e r, Tv. 1846 Tieften: 3. HanS Schütz. Mw. Gieften: 4. Paul Schmidt. Tv. Weylar-RiedergirmeS.

Wanschaf tSfieg: Tv. Wetzlar-Rieder- girmeS.

Waldlaus des Gaues Wetterau.

Zum Wettlauf am Sonntag waren gemeldet und angetreten 17 Turner und 4 Mannschaften in der A-Älafle. und 18 Turner und 3 Mann­schaften in der 8-Klasse.

Durch den vom Regen aufgeweichten Doden war der Lauf feftr behindert und stellte hohe Anforderungen an die Läufer. Trotzdem wur­den gute Zeiten erzielt. Siegerliste.

A-Klasfe. Einzelkamps. 1. Sieger Ad. Ladner. Gettenau. 2. Sieger Otto Schweizer. Gettenau. 3. S eger Karl Mattem. DisseS.

Mannschaftskampf: 1. Sieger Turn­verein Gettenau. 8 Punkte. 2. Sieger Turnverein DisseS. 22 Punkte.

L-Klasse,Sin»elkampf. 1. Sieger Wil­helm Wagner. Florstadt. 2. Sieger Johannes Gebhardt. Rendel. 3. Sieger Theo DiDhSuser. Utphe.

WannschastSkamps. 1. Sieger Turngem. Florstadt, 21 Punkte. 2. Turnverein Ossenheim, 24 Punkte.

Handball der Sp.'Vg. 1900.

ft. In ihren Spielnbschlüssen gegen den Polizei- fportverrin Duybach sind di« 1900er von wahrem Dech verfolgt. Rachdem man gehofft hatte, daft baS für Sonntag angefetjte Spiel nun bestimmt steigen werde, traf am SumStag die Abfage der Polizeileute ein. auS der hervorging, daft der Derband kurzerhand ihr letzte- Aufstiegspiel gegen Ktckers Offenbach In Offenbach vom 29. auf 22. April verlegt hatte.

Die zweite Mannschaft der Spielvercinigung trat fett langer Zeit auch wieder einmal In Aktion. Al» Gegner war der Tv. Garbenteich erschienen. Die Garbenteicher. die vor kurzem der ersten Mannschaft de» D. f. D. Gieften nur 3:2 untcragen, mutzten eine 9: 2-Riederlage eln- stecken. Die 1903er waren sehr gut ^aufgelegt und lagen bei Halbzeit schon 6:1 in Führung. Al- beste Manns chast-teile waren der Jnnensturrn, in dem sich der neue Halblinke sehr gut einführte, der Mittelläufer und Torwart anzusprechen. Dei den Gasten sah man manche schön eingeleiteten Angrifse. die erfolgreich zum Abschluft zu bringen sie jedoch bei den aufmerksamen 1903er Deckungs- teuten nicht imstande waren.

V. f. B.-Handball.

D. f. D. Tb. Alsfeld 9:3.

Die Handballer deS D. f. D. schlugen die erste Handballelf de» Al»felder Turnvereins mit einem Ergebnis, da» Klassenunterschied zeigt. Der Sieg ist um so beachtenswerter, al» er auf dortigem Platz errungen wurde, ein Gelände, mit dessen besonderen Berhältnissen und sch ech.er D.schafsen- fteit sich die Gictzener Els nicht ohne Mühe abfinden muhte. Trotzdem zeigte diese ein in jeder Weise glänzendes Sptel und war ihrem Gegner dauernd überlegen.

Spielvereinigung 1900 Gießen.

1900 (Blcften (Clga) (Dermania-Bicber (Clga) 4:1. lhalbzeit 4:1).

ft. Eine Ueberrafchung angenehmer Art bot die Ligamannschaft der Spielverrinigung 1900- Gieften in der Begegnung mit dem Futzball- verein .Germania 1901-Dieber bei Offen­bach 2. M am Sonntag auf dem Sportplatz an der LiebigShöhe. Die Leitung deS Spiele» lag In den Händen de» Herrn Schäfer vom D. f. 2.- Gieften. Die Gäste hielten voll und ganz daft. was man sich von ihnen versprochen hatte. Es war ein Spiel von seltener Schönheit. 1900 war Immer etwas schneller am Ball und bei seinen Aktionen vor dem Tor mehr vom Glück be­günstigt. Der Sieg der Einheimischen war ver­dient. insbesondere wenn man berücksichtigt, datz sie kurz nach der Pause den Mittel­läufer verloren und trotzdem den auffommen- den Gegner zu keinem Erfolg kommen Heften. Schon in der ersten Viertelstunde nach Spiel­beginn sielen nach schönen Flanken des LinIS- auften zwei Tore für Gieften. beide durch Kopf­bälle der Halbstürmer. Halblinks und Rechtsautzen schossen Dann kurz hintereinander zwei weitere Tore an der gegnerischen Hintermannschaft vorbei ein. Das Sptel stand 4:0 für die Dlauweitzen. als bei einem Gedränge vor dem Gieftener Tor der Schiedsrichter abpfifs und Tor für Bieber entschied Mil 4:1 für 1900 wurden' die Seiten gewechselt. Bieber kam jetzt besser auf, aber auch Die Bereinigten machten noch recht viele schöne Angnf c. von denenzto i bald zu to.it ren Trestern geführt hätten. Einmal rettete Die Querlatte und einmal Biebers Torhüter mit gewagter Fuft- abwehr.

Das Spiel Der 1. Jugend 1900» gegen Gla­denbachs 1. Jugend fiel aus. Da GlaDenbach wegen Der Austragung eine» Diplomspiele» ab­sagen mußte.

1900 2. JugenD gegen Watzenborn- Steinberg 1. JugenD tourDe 10 Minuten nach Beginn Des schlechten Wetter» wegen abgebrochen

V. f. B.

LigaD. f. R. Offenbach 1:4

2. 3. komb.Groften-Buseck 5:4

1. Jugend1. Jugend Raunheim 0:0

2. Jugend1. Jugend Leun 1:1

3. Jugend1. Jugend Heuchelheim 1<

1. Schuler1. Schüler Heuchelheim 3.-0

Die Ligamannschaft muhte ohne Ihren Sturmsührer Böttiger nach Offenbach fahren. Ohne Daft sie der Platzmannschaft Im Feldspiel unterlegen war. muftte sie sich ihr mit 4:1 beugen. WährenD der Gegner da» Resultat bi» zur Halbzeit schon auf 3:0 zu seinen Gunsten ge­stellt hatte, ohne technisch oder taktisch überlegen gewesen zu sein, gelang e» Der D. s. D.-Els nach der Pause ihm wenigstens auch in Der Ausnützung Der Torgelegenheiten die Wage zu hallen. Auch hier verhinderte wieder zweimal Die Torlatte einen grciibaren Erfolg Gieften-, fo daft das Schlutzresultat mit ein klein wenig mehr Glück auch mindestens ebensogut 3:4 hätte lauten können Das Endresultat entsprach also nicht dem Spielverlauf, sondern wäre Dem Kräfte­verhältnis beider Mannschaften gerechter ge­worden, wenn e» mit einem Unterschied von einem Tor zu Gunsten der Gastgeber gelautet hätte.

Eine aus der Ligareserve und der Dritten kombinierte Mannschaft hatte sich G r o-

H«n-Buf eck» Erste nach hier verpflichtet. Die D. f. D-Mannschaft vermochte nach einem abwechselungSreichen Kampf, In dem jedoch beide Mannschaften keine besonderen Leistungen zeigten, die Gäste mit 5:4 zu schlagen.

Die erste Jugend sand in Der gleichen DeS Sportvereins Raunheim einen unerwartet starken Gegner Raunheim, dessen Spieler meist Die Grenze de» OuynDalter» weit überschritten haben, war dadurch Der D. s. D -Elf körperlich DcDeutenD überlegen. Dah Tie trotzdem Dem al» auhervrdentlich spielstark bekannten Gegner auf dessen Platz ein 0:0 abringen konnte, stellt ihrem Können sowohl wie ihrem Kampfgeist da» beste Zeugnis aus.

Die zweite Jugend errang durch ihr 1:1 gegen die Erste Leun» einen Achtungserfolg. Infolge RichtantretenS dreier Spieler stand sie dem vollzähligen Gegner toäbrenb do» ganzen Spiels nur mit acht Mann gegenüber und konnte dank ihre» aufopfernden Spiel» dieses für sie recht schmeichelhafte Resultat erzielen.

Fußball in Heuchelheim.

Sp. B. 1920 I Union Jranffurt a. 2N.-Rlederrad higareseroe 2:4.

Trotz Dem schlechten Wetter hatte sich zu Dem Spiel obengenannter Mannschaften auf dem Geier» berg eine grotze Menge Zuschauer elngc- fünften. DaS schöne Spiel konnte aber auch voll befriedigen. Wa» die Gäste in bezug auf Ball­behandlung, Stellungsspiel und Lausvermögen vorsührten, bekommt man hier leider sehr selten zu sehen. Datz die Einheimischen unter diesen Umständen nicht gewinnen konnten, war im vor­aus klar. Trotzdem führten auch Die Einheimischen ein Spiel vor. Das DaS Resultat nicht nur ge­recht erscheinen lätzt, sondern mit etwa» mehr Glück noch hätte günstiger ausgehen können.

Sofort nach Spielbeginn legt Riederraft ein mächtiges Tempo vor, Doch Die Einheimischen lassen sich nicht überrumpeln. Riefterrad kommt auf Der rechten Seite wiederholt schön Durch, unD fällt auch von Da Da» erste Tor. Dem bald das »weite folgt. Doch auch Heuchelheim kommt öfter schön durch und kann nach 20 Minuten ein Tor ausholen. Bis Halbzeit ändert sich an diesem Ergebnis nichts. 3n der zweiten Hälfte ist das Spiel ausgeglichen. Riefterrad muft vorerst stark verteidigen. Derschiedentlich liegt ein Tor für Heuchelheim In der Lust, jedoch Der Sturm ist zu nervös. Riefterrad kommt wieder mehr auf und kann In kurzen Abständen da» Resultat auf 4: 1 erhöhen. Heuchelheim lätzt aber nicht nach und sieht auch seine Bemühungen von Ersolg gekrönt. Rach schönem Durchspiel kann der Mittelstürmer ein weitere» Tor ausholen. Bi» zum Schluft ändert sich an diesem Ergebnis nicht» mehr. Riederrad hatte feine besten Leute halb- recht» und rechtSauften. Auch die Berteidlgung war sehr gut Bei Heuchelheim verdient die ganze Mannschaft ein Desamtlob.

Dor diesem Spiel gewann die 1. Jugend gegen D. s. B. 2. Iugend 6 1.

Da» Schülerfi.el Heuchelheim I gegen D. s. B 1- Schüler gewannen die D. s. Der 3.0. Ob Die Mannschaft aber auS lauter Schülern bestand, muft sehr bezweifelt werden. Denn drei Mann davon würden ihrer Gröhe und ihrem Gewicht nach in einer aktiven Mannschaft nicht aussallen.

MrbäterSurn; und (^porfbund.

Gieften I Wetzlar I 8:3.

Zum Pflichtlpl».l trat Ipeylar I. gegen Gie­ften I. (Kreisklasse) auf den Trieb ai Dietzen hatte Ersah etngeft'llt. Die Gäste bemühen sich. Dem Gegner ein ebenbürtige» Spiel zu liefern, konnten jedoch nicht verh.nftem, datz Gietzen mehr und mehr überlegen wurde. Dietzen konnte achtmal erfolgreich sein, dem die Gäste nur Drei Tore entgegenfeh n konnten.

Gieften H Raunheim II 1:5.

Dorhcr sp.e.ten Gie II. g ge.i Raunheim II. Beide Mannschaften zeigten ein systemloses Spiel, in Dem bei Halbzeit das Resultat 2:1 für Raunheim ftar.D. Rach Seitenwechiei wurden Die

Gäste überlegener. Mit Dem Stande 5:1 für Raunheim fand da» Spiel fehl Ende.

IDlektf I Gieften kb 10:1.

Auf dem Wiesecker Lpvrtt'latz standen sich diese Mannschaften im Sericnfpiei gegenüber. In Der achten Minute konnte JBiefcd bereit» den ersten Treffer buchen. Gietzen wehrte sich tapfer, konnte jedoch nidn verhindern, haft da» Leder bi» Halbzeit noch viermal da» Retz fand. Rach dem Seitenwechsel fiel befonfterS da» laue Spiel der Wiesecker Hinternmnnsch^ift auf. wa» dazu führte, das, Dietzen Drei Ecken erzwingen konnte. Die jedoch inS Feld befördert wurden. Zwanzig Minuten vor Schluß konnte Der Halbrechte Der Gäste durch einen Fehler de» linken Berteidiger» Da» Ehrentor für feine Mannschaft buchen. Der Schluftpfiff de» Unpar­teiischen machte dem Spiel mit dem Resultat 10:1, Ecken 7:3 für Wiefeck ein Ende.

Lollar I Heuchelheim 1 2:2.

Richt in Heuchelheim, «andern in Lollar fand Diese» Treffen statt. Bereit» in Der 6. Minute erzwang Heuchelheim eine Öde. Die gut getreten, abgewehrt, doch im Rachfchutz verwandelt tour'c. Lollar konnte kurze Zeit später Den Ausgleich Durch Elfmeter erringen. So ging eS in Die Halbzeit. Kurz nach Wiederanstotz brachten Die Gäste durch Selbsttor Lollar in Führung Heuchel­heim fiel jetzt mehr und mehr ab. kam jedoch durch ein Selbsttor Lollar» müheloS zum Aus­gleich. Dann kam keine Partei zu weiteren Er­folgen.

Oppenrod l Grotzen-Linben I 2:4.

Bei Halbzeit stand das Resultat 0:2 für Grotzen-Linden. Rach Seitenwechsel erhöh en Die Gäste Die Tvrzahl auf Drei. Kurz daraus brachte OppenroD seinen ersten Treffer an und errang weiter Durch Elfmeter ein zweites Tor. Kurz vor Schluft konnte Grotzen-Linden sein vierte- To» erzielen.

Arcioturntafl.

Am Sonntag tagte in Frankfurtder ordent­liche Kreisturn tag. Rach Entgegennahme Der Berichte, die gedruckt Vorlagen und durch Die Funktionäre mündlich ergänzt wurden, sand c.ie lebhafte Aussprache statt. Die Mitglieder­bewegung zeigt eine zufrieftenstel.ende Ent­wickelung. Der Kassenbericht kann al» gut bezeichnet werden. Der technische Bericht zeigt klar die neuzeitliche Entwickelung in Der Sparte. Danz besonDers Die Turnspiele finden mehr unD mehr Beachtung.

Die Satzungsvorlaye fanD nach lebhafter Aussprache Annahme. Hier ist besonders d:e zentrale Einziehung Der Beiträge zu ermäß en.

Die ManDatsprüfung zeigte, Daft nur 50 Pro­zent Der vertretungsberechtigten Bereine an* toesenD waren.

Der KreiSvertreter stvelfte in seinem Referat alle Fragen, die Den allgemeinen Kre-.Stag am 6. Mai beschäftigen werden. Die Krei» djule fenft wefentllche Beachtung. Hier soll eine Umorganii* fierung ftattfinDcn und ihr Tätigkeitsgebiet mehr in Die Bezirke gelegt werden.

Rach der Wahl Der Delegierten zum Kreistag hielt KreiSvertreter Bauer einen Borirag über Die Aufgaben de - Bundestage» Hier­bei ft reifte er alle Fragen Der Umorganisierung Der Bewegung

Die Wahlen ergaben insofern eme Oien De­nin g Innerhalb De» Spartenvorstandes, a.S Spartenlei'.er Dreh!. Fechenheim, f.e ühlt wurde. Rach einem kurzen Sch.utzwort des Kre -i» Vertreter» fand Die arbeitsreiche Tagung ihr EnDe.

Oie deutschen Fechimeisterschasren wurden am Sonntag > in Bad Eilsen beendet. 6 a f i m i r - Frankfurt war auch in den Sonn- tagskonkurren^en erfolgreich und gewann Damit zum 6. Mal hintereinander die bcutfd)e Meister­schaft in allen drei Waffen. Auch Frl. Helene Mayer- Offenbach war ihren sämtlichen Geg­nerinnen weit überlegen unD tourDe zum vierten Male in ununterbrochener Reihenfolge deutsche Meisterin.

D.e goioenen Berge.

Boman von Clara Viebig.

Topyright by Deut'che Derlags-Anstalt Stuttgart

46 Fortsetzung Nachdruck verboten

Das war es nicht. Die Bremrn sagte ganz kurz ; nur.Merci." Aber Dann faate sie mit einem Aus- seufzen, das ihr aus der tiefsten Seele kam:3a, bat is wohl schlimm mit dem Fuder. Aber wenig­stens kann er des nu nit mehr saufen!"

Arme Leute! Der Kommissionär war froh, als er zum Hause heraus war. Das Wesen der Frau war ihm säst mehr noch zu Herzen gegangen als die Verzweiflung des Mannes. Er bestieg sein Motorrad: schnell fort aus Dem Unglücksnest! Er hatte keinen Mut mehr, sich Drin noch weiter um­zusehen. So dünn stieg Der Rauch aus den Schlöten, so weniges Leben regte sich, und wo er einen Menschen gehen sah, ko war es ihm, als ob der gebückt daherschliche. Was nutzte es diesem Porten, daft es so wunderschön lag, schön wie nur |e ein Dörfchen im Erdenwinkel? Was nutzte es Simon Dremm, daft Der Feigenbaum an seiner Hauswand das Hochwasier überdauert, nicht einmal all seine Blätter verloren hatte, daft der neu trieb wie seine Brüder im Süden?

D ihr, ihr! Der Mann schaute zu den Wein­bergen auf mit bekümmertem Blick, er konnte seine Hände nicht von der Lenkstange lasten, sonst hätte er Denen Da eine Faust gemacht: ,Hhr, ihr!"

Die Frau war allein in der Stube zurückgeblie­ben. Sie war für den Augenblick froh, Daft sie allein war, allein mit sich und mit ihrem Glauben. Sie ging zur Stubenecke, wo unterm Bild Der schmerzhaften Mutter Gottes, Deren Herz sieben Schwerter durchbohren, ein kleines rotes Lämpchen brannte. Hier hatte sie schon oftmals ein Stoßgebet gesprochen in banger Stunde, sie tat es auch heute. Und dann ging sie, um nach ihrem Mann zu sehen.

Der war noch im Keller. Aber er sollte doch jetzt heraufkommen: es war ihm viel bester, er kam an die frische Luft, an Gottes Sonne, die heute schon so warm schien, als daß er da unten im Düstern saß, mit seinem Leid sich vergrub wie in eine

Gruft. Auf ihren Filzschuhen glitt sie die schlüpfri­gen Stufen hinab da hörte sie etwas laut pol­tern. Was war das?!

Schwach war es nur unten beleuchtet, aus der Helle kommend, sah sie erst nichts. Sie rief: Dremm, bist du noch hier? Bremrn! Dremm, wo bist du?!"

Da sah sie ihn hängen.

Den Tritt hatte er umgeftoften, der war es, der eben polternd umgcstürzt war. Und Simon Bremrn hing im Strick an Der Wand.

21. Kapitel.

Des Loesenich Frau war gestorben. Es war sehr rasch gegangen mit ihr: und das jüngste Kind war einen halben Tag vor ihr gestorben. Das war ein Glück, Denn was hätte aus dem Kleinen werden sollen ohne die Mutter?

.Laß doch die Kindlein kommen zu mir. Spricht Gottes Sohn,

Ich hab' sie übernommen. Will sein ihr großer Lohn.

Daß ich sie bei mir find'. Und keines geh verloren. Bin ich als Mensch geboren, Gewesen selbst ein 5ttnb."

sangen die Schulkinder von Porten. Sie sangen noch unbekümmert um den Tod, den sie nicht verstan­den, mit ihren hellen Stimmen wie tirilierende Lerchen in die helle Sonne des Tages hinein.

..Requiem aeternam dona ei Domine Et lux perpetua luceat ei.

Requiescat in pace.

Amen."

sprach der Geistliche an dem Grabe, darinnen die Frau des Loesenich nun lag, ihren kleinen Knaben im Arm. Aber das rührte viel weniger an die Herzen als Der helle Gesang Der Schulkinder. Die Frauen schluchzten laut auf. Die Bremrn zog ihren Hanni näher an sich und faßte Die kleine Hand ihres Ehristinchens fester: ach, wie schwer war es doch, ein Kind herzugeben! Selbst wenn es noch so klein war wie das vom Loesenich, und wenn der nun auch ein schönes Engelchen im Himmel hatte, das für ihn bat

Die Bremrn hatte sich nicht ausschließen können, mit zum Kirchhof zu gehen: alle gingen, es wäre ausgefallen, wenn sie n.cht auch gefolgt wäre, es war schon schlimm genug, Daft Bremrn mcht mit zur Leid)' ging. Aber er wollte durchaus nicht das Haus verlassen. Er schämte sich so. Immer glaubte er, sie sähen ihn alle Darauf an. Und es wußte es doch keiner. N.cht einmal Der großen Tochter hatte Die Frau eine Wort Davon gesagt. Was ge­schehen war unten im Keller, was ihre Augen er- \ blickt hatten so voller Entsetzen, daß sie fast aus Den Höhlen Drängten, das behielt sie für sich.

Es war der Bremrn vergönnt gewesen, gerade zur rechten Zeit noch zu kommen, sie hatte Den Mann eilends abschneiden können, ehe sein Lebens­licht ausgebrannt mar; aber der Schmerz, den sie empfand. Der war ebenso groft fast, als wenn sie ihn schon tot gefunden hätte. Wie hatte er Das nur tun können? Seinem Leben ein EnDe machen wol­len, ein unchr.stlicher Selbstmörder werden?! Dar­über kam sie nicht weg.

Sie soft an seinem Bett und weinte: als er aus tiefster Niedergeschlagenheit heraus, die ihn umfing, noch in halber Betäubung, scheu, wie ein geschun­dener Hund, Der sich noch immer nicht recht traut, verstohlen seine Hand nach chr hinschob, nahm sie Die nicht. Sie konnte ihn auch noch mcht ansehen. Oh, ihr Bremrn, oh, ihr Bremrn, sonst so ein recht­licher Mann und frommgläubiger Christ, wie hatte Der nur fo werDen können?!

Simon Bremrn begriff es jetzt selber nicht. Oh, daft er so wett heruntergekommen war. Daß er sich so hatte verwirren lasten von jenem unglückseligen Augenblick! Und wenn er auch nicht, wie manche wohl, mit einer gewissen Verachtung auf jene her- absah, die man im Winkel Des Kirchhofs abseits begräbt, fo empfand er Doch tief fein großes Un­recht. Er hatte Frau unD Kinder im otid) lasten wollen, und nicht nur seine Familie, auch Die hier, die mit ihm verbunden waren durch gleiches Los, jetzt in der Zeit der Not noch viel fester verbun­den. Von allem und allen hatte er sich weastehlen wollen, ein feiger Lump! Er versteckte fein Gesicht ins Kiffen und meinte vor Scham.

Die Frau hörte ihn meinen: Gott sei Dank, er bereute! Das war ihr viel mert Sie fühlte sich mil­der werden: ach, es war ja Doch ihr Bremrn, ihr armer, chr guter Manal lieber Den mar zu viel

gekommen an Unglück, Da hatte sich sein Geist ver­wirrt. Aber setzt, Gott 'sei geDanlt, jetzt war er wieDer bei sicy!

Anna," murmelte er nach langer Wette aus Den ocrbergenDen Kissen,Anna, bist Du noch Da?"

Ja, Bremrn, ich bin bei Dir." Sie legte ihm Die HanD auf Den Kopf, unD als er hastig Danach gr.ff, griff auch sie zu. Sie hielten s.ch so aneinander fest. . .

Der Vater is krank," sagte die Mutter zu den Kindern,seid sch in brav und gehorcht Der Maria "

Die Kinder blickten scheu, es kam ihnen alles so mertroürDig vor, unD Daft Die Mutter Den gan­zen Tag Drinnen beim Vater blieb. UnD D e Tla-ia, Die lachte auch nicht mehr Da ronrDen auch sie still unD traurig Stumm und gedrückt saften sie auf Den Stufen Der Haustür und schielten hin zum Feigenbaum- war Denn kein einziges grünes Knuppchen mehr Dran, ein Früchtchen, nicht größer als eine Bohne, aus Dem einmal eine Feige ward? Und wäre die Feige noch so Nein, noch so grün gewesen, sie hätten sie abgerissen, sie hatten ja sol­chen Hunger.

Alle Moselkinder hunaerten; es mar überall knapp. Aber In den Dörfern, die nur Weinberge hatten, war es am hungrigsten Kartoffeln, Kar­toffeln! Wenn man nur Kartoffeln hatte, trockene Kartoffeln mit einer Zwiebel und Salz, bann war man schon froh. Aber wenn man die nicht hatte?!

Der Pastor von Porten, der bis dahin ein be­scheiden Bittender gewesen war, wurde jetzt ein Dringend Fordernder. Nun war er schon im Schrei­ben geübt, und die Not seiner Pfarrkinder und die Angst um sie, und ein heiliger Zorn noch dazu, ließen ihn den vorgeschriebenen amtlichen Stil ganz außer acht lasten. Und wie er unumwunden nach Hilfe schrie, so schrie es auch aus allen anderen Pfarreien, aus allen Winkeln und Ecken des Mosel­landes. War cs denn nicht Pflicht der katholischen Kirche, wenn das Reich auch versagte, sich ihrer ge­treuesten, gehorsamsten Kinder warm anzunehmen? Das Zentrum mußte die Interesten Der Winzer wahrnehmen, nachdrücklich im Reichstag für sie auf­treten, Hilfe verlangen, Hilfe erzwingen. Eine Bar- Zuwendung vorerst, aber Dann noch mehr, viel mehr noch als Geld.

(Fortzevung folgt)