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Erklärung htngewiesen. Dazu ist folgende- zu sagen: Wo In der Gemeinschaft von Familie und Schule der rechte Gemeinschaftsgeist herrscht, wo Liebe, Vertrauen und Wahrheit vorhanden sind, spielt die sogenannte Aufklä­rung schon deswegen eine nur geringfügige Rolle, weil sie selbstverständlich ist. Es ist selbstverständlich, daß man die der Er­ziehung Anbefohlenen nicht in das Leben schickt, ohne sie für das Leben, seine Aufgaben und seine Gefahren zu wappnen. Wo das rechte Verhältnis zwischen Alter und Jugend besteht, wird das Kind, seiner Auffassungsgabe ent­sprechend, die Antwort, auf die es wartet, er­halten. Ein Beispiel dieser Art habe ich in meinem genannten Roman gegeben. Dem wahren Gemeinschaftsgeist ist nichtspeinlich" oder heikel". Die Wahrheit, als solche gegeben und empfunden, läßt das Reine rein sein. Aber wie alle Erziehung und olles Wissen, so muh auch das Wissen auf diesem Lebensgeb'.et stufen­weise und organisch vermittelt werden. Zu Sechsjährigen spricht man anders als zu Zehnjährigen, zu Vierzehnjährigen anders als zu den Menschen um achtzehn. Menschen um achtzehn sind es. die im Mittelpunkt der Steg­litzer Tragödie stehen:Menschen um achtzehn" habe ich jenes Busch genannt, das von all den Röten dieses Alters spricht und sie zu heilen versucht.

Die heutigen Menschen um achtzehn sind in einigen Jahren Väter und Mütter eines neuen Geschlechts und werden dann vor denselben Pro­blemen und Fragen stehen, wie die jetzige ältere Generation. Die Menschheit ist eben eine Kette: wer sie zerreißt, wer die Gegensätze:Hie Jugend, hie Alter" verschärft, wer die Rote steigert, statt sie zu lindern und zu heilen, untergräbt oder ertötet das Leben. Die Kette aber darf nicht zerreißen und sie braucht auch nicht zu zerreißen, wenn ihre Glieder durch jene drei­fache Bindung verkettet sind: durch Liebe, Ver- trauen und Wahrheit.

Ober-Hessen.

Landkreis Gießen.

v Londorf. 23. Febr. Seit dieser Woche ist eine schöne LI h r am hiesigen Stations­gebäude angebracht. Diese Reuerung der Dahnhofsverwaltung wird von dem Publikum dankbar begrüßt. Vielleicht entschließt sich die Kirchen- und politische Gemeinde jetzt auch dazu, die Kirchturmsuhr etwas zei.gemäßer Her­richten zu lassen. Die Kosten hierfür können doch nicht so sehr hoch sein.

* Reiskirchen, 24. Febr. Zu dem am 13. Februar in Rr. 37 desGieß. Anz." ver­öffentlichten Bericht über die hiesigen Wasser- leitungsverhältnisfe wir-) uns berich­tigend mitgeteilt, daß es sich bei den früher verlegten und seither schlecht bewährten Rohren nicht um Mannesmannrohre handelt, sondern um das Fabrikat der nicht mehr exi­stierenden Düsseldorfer Rohren-Industrie.

$ Harbach, 23. Febr. Heute fand hier eine S.tzung des Gemeinderates statt, zu der als Vertreter des Kreisamtes Reg.erungsrat Dr. Krüger (Gießen) und als Vertreter der Kirche Wirberg deren Pfarrer und das ausführende weltliche Mitglied Bürgermeister Weber (Göbeln­rod) erschienen waren. Es wurde verhandelt über den Anteil der Gemeinde Harbach zum Defizit der Kirche Wirberg fi'ir das R j. 1 9 2 7. Der Gemeinderat hatte bei Aufstellung des Voranschlags von Harbach für 1927 diesen Anteil abgelehnt, wogegen fristgerecht durch den Vorsitzenden des Kirchenvorstandes Einspruch er­hoben worden war. In der Sitzung wurde von dem Vertreter des Krcisamtes Gießen, das die Auf- sichtsinstanz für Kirche und Gemeinde ist, der Sachverhalt klar gelegt und die Verpflichtung der Beitragsleistung von Harbach aus der Geschichte der kirchlichen Verhältnisse von Harbach dargestellt. Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes erläuterte die bemängelte Höhe des Beitrages aus den Verhält­nissen der Kirche Wirberg, die sich durch den Weg­fall, der Zinsen des Bau- und Untcrhaltungskapi- tals, das der Inflation zum Opfer fiel und dessen Aufwertung noch nicht geregelt ist, wesentlich ver­schlechtert haben. So mußten trotz vorsichtiger und sparsamster Ansätze im Voranschlag die Beiträge der Gemeinde gegen 1913 erhöht werden. Der Ge- meindeoorstand konnte sich den vorgetragenen Gründen nicht verschließen und bewilligte den

Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....

Roman von Erica Grupe-Lörcher.

52 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Gleich darauf empfahl sich Alceste. Alle möglichen Bräutigamspflichten warteten noch auf ihn. Bou- vier hielt es für einen geschickten Schachzug, sofort den ungeduldigen, den brennenden Liebhaber zu markieren, der sich nur in Gegenwart des Vetters als Mann von Welt eine Reserve auferlegt und nun nach ihren Küssen dürstet.

O, wenn ich dir erst die Corbeille de mariage gusenden darf, Geliebte! Das Schönste, roas hier aufzutreiben ist, soll dich umhüllen! Du mein Ent- gückenl Wann wird das alles sein?"

Er hielt sie in seinen Armen. Sie schloß die Au­gen. Sie dachte an die heiße Sonne der Provence, an seine Heimat, wenn er sie mit so glühenden Zärtlichkeiten überhäufte. Er war unter ihren sen­genden Strahlen aufgewachsen. Er hatte seit Kind­heitstagen diese goldene Glut in sich aufgesogen.

»Rach der Hochzeit wirst du mir deine Heimat zeigen, Jean Paul? Nicht wahr? Ich sehne mich da­nach, die herrliche Provence kennenzulernen. Du wirst mich deinen Eltern oorstellen ..."

Sonderbar, war cs eine Folge von Raymonds Warnungen? Ganz deutlich fühlte sie jetzt eine Er­nüchterung in ihm aufsteigen. Die Erinnerung an seine (Eltern war ihm nicht genehm! Die ganzen hochtrabenden Erzählungen von einer angesehenen Stellung seines Vaters als Universitätsprofessor feien Scl)windel, hatte Raymond gewarnt, desglei- chen seine Erzählungen von einer großen Villa mit Park am Fuße der Berghöhen. Nach den Erkundi­gungen des Detekttos wohnte Monsieur Bouoier in der betreffenden Stadt in einem höchst bescheidenen einstöckigen Häuschen und hatte selbst nicht den Ehrgeiz, als etwas anderes zu gelten, denn ein schlichter Schulmeister einer kleinen Stadt.

Bouvicr löste seinen Ann von Melusine.Meine Eltern besuchen? Ich glaube, wir würden sie nach der Hochzeit kaum zu Hause treffen. Denn mein Vater schrieb mir: er stünde jetzt, nach dem Fallen der Schranken des Weltkrieges im Begriffe, eine große wissenschaftliche Studienreise zu imterneh-

Beitrag. Zu dem wetteren Punkt der Tages-I schienen. (Es wurde über die Aufwertung orbnung war als Vertreter der Dezirksspar - I einiger Darlehen der Gemeinde bei der Bezirksspar­kasse Grünberg deren Rechner Diehl er- > lasse Grünberg verhandelt, die in der Inflations-

Ist Tuberkulose erblich?

Von Or. £. Dünner, Charlottenburg.

Dis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Tuberkulose eine Krankheit, zu deren Be­handlung die Medizin keine Mittel kannte. Man sah, daß die Krankheit in bestimmten Familien besonders häufig austrat. So konnte sich die Ansicht bilden, daß die Tuberkulose eine erbliche Krankheit sei. Aus jener Zeit hat sich bis zum heutigen Tage in Laienkreisen noch vielfach die Ansicht Von der Erblichkeit der Tuberkulose er­halten. Diese Ansicht ist wenigstens in dieser Fassung nicht richtig.

Wesentliche Aenderungen erfolgten durch zwei wichtige Feststellungen. Brehmer konnte den Beweis erbringen, daß die Tuberkulose durch Lust, Ruhe, gute Ernährung heilbar sei. Heute ist die Behandlung und Heilungsmög.ichkeit der Tuberkulose durch eine Heilstättenkur fast etwas Selbstverständliches. Das zweite Ereignis, das wie eine Revolution in der Frage der sogenann­ten Erblichkeit der Tuberkulose wirken mußte, war die Entdeckung des Erregers der Tuber­kulose durch Robert Koch. Vorher wußte man nicht, woher die Tuberkulose komme. Man stellte sich vor, daß sie vererbt würde. Da zeigte Koch mit absoluter Sicherheit, daß niemals im Körper eine Tuberkulose zur Entwicklung kommen kann, wenn nicht ihr Erreger, nämlich der Tuberkel­bazillus, in den Körper gelangt ist. Es gibt keine Tuberkulose ohne den Tuberkelbazillus, mit anderen Worten: Wenn ein Mensch an Tuber­kulose erkrankt, so muß er Tuberkelbazillen in sich ausgenommen haben, er muh sich mit Tu­berkelbazillen angesteckt haben.

Eingehende Untersuchungen, die sich über Jahre und Jahrzehnte erstrecken, haben dann weiter gezeigt, daß der Tuberkel b a z i l l u s nicht direkt vom Vater oder von der Mutter auf das Kind durch Vererbung über Lagen wird. Mag dec Vater oder die Mutter tuberkulös sein, das Kind wird gesund geboren.

Wie ist es aber zu verstehen, daß in be­stimmten Familien immer wieder Tuberkulose austritt? Hier spielt nun die sogenannte Dis­position eine Rolle. Wir wissen alle, daß es Me > schen gibt, die zu dieser oder jener Krankheit besonders leicht neigen. So kenn man Menschen, die eine gewisse Schwäche der Därme haben und leicht an Darmkatarrhen erkranken, andere wieder, die sich leicht erkälten usw. Diese Eigenschaft einer gewissen Reigung zu einer Krankheit ist manchmal in bestimmten Familien heimisch: wir sagen dann: Dieser Mensch ist zu dieser oder jener Erkrankung veranlagt. Eine derartige Ver­anlagung, und nur sie, kann tatsächlich von den Eltern auf die Rachkommenschast übertragen wer­den. Die Veranlagung allein macht aber keine Erkrankung. Um bei dem Beispiel des Darm- katarrhs zu bleiben: Die Veranlagung (Die Disposition) allein macht keinen Katarrh, es muß irgendeine GelegenheitZursache. z. B. der Genuß bestimmter Lebensmittel, hinzukommen. Ein anderer Mensch, dessen Darm nicht dis­poniert ist, bleibt beim Genuß derselben Lebens­rnittel gesund. Aehnlich ist es auch bei der Tuber­kulose. Die Veranlagung zur Tuberkulose kann tatsächlich vererbt werden. Aber niemals kann ein Mensch, mag er noch so sehr disponiert fein, an Tuberkulose erkranken, wenn nicht Tuberkel­bazillen in seinen Körper gelangen. Lind nun versteht man auch, daß Menschen, die die Dis­position haben, leicht tuberkulös werden, wenn sie häufig Gelegenheit haben, mit Tuberkel­bazillen in Berührung zu kommen. Die Gefahr, sich mit Tuberkelbazillen anzustecken, ist natürlich besonders groß, wenn der Betreffende dauernd mit einem Menschen zusammenlebt, der tuberkel­bazillenhaltigen Auswurf aushustet. Man darf sich andererseits nicht vvrstellen, daß nur der­jenige an Tuberkulose erkrankt, der eine ver­erbte Disposition hat. Wir kennen viele große, kräftige Menschen aus ganz gesunder Familie, die tuberkulös sind und aus der anderen Seite bleiben Rachkommen aus Familien mit vielen Tuberkulosekranken ganz gesund.

Mit der Erklärung von der Entstehung der Tuberluloseerkrankung ist gleichzeitig der Weg

gewiesen, wie man ihr Vorbeugen kann. Der Kampf mutz sich einmal gegen die Aus­streuung der Tuberkelbazillen richten und ferner müssen die Menschen körperlich so beschaffen sein, daß ihnen der Bazillus wenig anhaben kann. Wenn sich ein Mensch mit Tu­berkelbazillen ansteckt, so beginnt gleichsam ein Kampf zwischen dem Körper und dem Bazillus. Der Stärkere siegt. Treffen die Bazillen einen geschwächten Körper, so können sie sich leichter sestsetzen, als wenn sie einen Körper befallen, der kräftig ist und sich wehren kann. Das gilt für alle Menschen, besonders natürlich für die­jenigen, welche die Veranlagung zur Tuberkulose- erlrankung ererbt haben. Die ererbte Veranlagung ist für uns nicht mehr das Schreckgespenst, weil wir durch die Erfahrung wissen, daß die Dis­position gebessert werden kann, so daß der be­treffende Mensch den Kampf mit dem Bazillus erfolgreich bestehen kann. Alle modernen hygieni­schen Bestrebungen für die Jugend und die Er­wachsenen, wie sie durch die Schule, Tuberkulose­fürsorgestellen, Versicherungsanstalten usw. ge­trieben werden, dienen der Kräftigung der Ein­zelperson. Lind man hat natürlich namentlich Menschen aus sogenannten tuberkulosebelasteten Familien im Auge. So werden z. B. Kinder tuberkulöser Eltern möglichst ost zur Erholung verschickt. Der einzelne muß sich dabei bewußt fein, daß er selbst durch vernünftige Lebensweise, Sauberkeit usw. ein gut Teil zur Kräftigung seines Körpers selbst beitragen kann. Abgesehen von der Disposition, gehört zum Entstehen der Tuberkulose der Tuberkulosebazillus. Wir müssen uns nach Möglichkeit vor ihm schützen. Allerdings sind wir nicht imstande, den Tuberkelbazillus ganz auszuschalten. Er ist selbstverständlich in der Umgebung eines Lungen­kranken in größerer Menge vorhanden, weil der Lungenkranke beim Husten und, was noch wich­tiger ist, beim Ausspucken, Tuberkelbazillen über­all hinstreut. Der Lungenkranke, der in enger Wohnung mit seiner Familie zusammenlebt, setzt diese der steten Gefahr der Ansteckung aus, sofern er nicht den Auswurf unschädlich macht. Die Gefahr der Ansteckung ist selbstverständlich um so größer, je unvorsichtiger und leichtsinniger er mit dem Auswurf umgeht, wenn er etwa seinem Kind unmittelbar ins Gesicht hustet, oder wenn er, was noch schlimmer ist, seinen Auswurf auf den Fußboden spuckt, und wenn nun das Kind auf dem Boden herumspielt, den Auswurf, selbst wenn er schon eingetrocknet ist, an seine Finger bekommt und dann nachher womöglich die Finger in den Mund steckt.

ES gibt natürlich noch viele andere Möglich­keiten, durch die der Kranke seine .Umgebung anstecken kann. Da namentlich junge Menschen, also die Kinder, besonders leicht an Tuberkulose erkranken, wenn sie mit viel Tuberkelbazillen in Berührung kommen, so sind die Kinder, wenn sie mit Tuberkulosen zusammenleben, der Gefahr einer Erkrankung besonders stark ausgesetzt. Wir haben also dann den Zustand, daß Kinder, die etwa von den Eltern her die Disposition zur Lungenerkrankung geerbt haben, tatsächlich lungen­krank werden, weil sie dauernd den Tuberkel­bazillen, die von dem kranken Vater oder der kranken Mutter stammen, ausgesetzt sind. Diese Kinder würden nicht an Tuberkulose erkranken, ihre Veranlagung wäre für sie belanglos, wenn man imstande wäre, die Tuberkelbazillen von ihnen vollkommen sernzuhalten. Die Tuberkel­bazillen, die nicht vererbt werden können, sind für sie weitaus gefährlicher als die Veranlagung, die vererbt werden farm. So wird es ohne weiteres verständlich, warum gerade die Kinder von Tuberkelösen, die mit den kranken Eltern, Geschwistern usw. zusammenleben, selbst an Tuberkulose erkranken, und so ist es begreif­lich, wenn man ganz allgemein von einer Ver­erbung der Tuberkulose spricht. Allein ver­erbt wird die Disposition, der Tu­berkelbazillus aber niemals.

men. Und meine Mutter? Sie plagt sich mit einem rheumatischen Leiden, und wird deswegen, selbst jetzt im Winter eine Kur m Aix-les-Bains ge­brauchen!" ...

*

Die Hochzeit von Baron Alceste Hammerschlag und der reichen Mülhausener Fabrikantentochter Poette Amberger war das erste gesellschaftliche Er­eignis in Straßburg seit dem Einzug der Fran­zosen. Die Boches hatten ihre gesellschaftliche Rolle hier vollkommen ausgespielt und zählten nicht mehr mit. Wer von ihnen noch nicht in diesen glor­reichen Ausweisungstagen unter den Hohngesängen des elsässischen Janhagels über den Rhein abgescho­ben worden war, verhielt sich sehr ruhig, und Durfte sich stichtmausig machen", um nicht den Zorn der französischen Behörden auf sich zu laden oder von den eingesessenen Elementen denunziert zu werden.

Die Trauung fand in einer der alten, aber nicht sehr geräumigen Kirck-en Straßburgs statt, in denen ein einheimischer Geistlicher fungierte, der seiner Gemeinde nach dem Franzoseneinzuge von der Kanzel herab das Selbstbekenntnis verkündete:Ich habe während des Krieges nach jeder deutschen Schlappe in meinem Kämmerlein Gott gebeten: Frankreich den Sieg zu verleihen!"

So feierte auch diese Traurede mit Genugtuung diesen Herzensbund, der sich in der gemeinsamen Liebe zum glorreick-en Datettande Frankreich ge­schlossen habe und ein neues Bollwerk dieser neuen Gesinnung und neuen Zeit zu sein berufen wäre.

'Zum Kummer des ganzen beiderseitigen Be­kanntenkreises dritten und vierten Grades wurde aber der Eintritt zur Kirche nur gegen Eintritts- karten gestattet, da der Raum beschränkt war. Auch die Teilnehmerzahl der Höchst selbst war nicht so zahlreich, wie Yvette nebst ihren Eltern im stillen unter möglichst knalliger Prachtentfaltung in einem großen Hotel gewünscht hätten. Aber schließlich rankte sich doch Zufriedenheit um den Ruhm, daß die greise Baronin Hammerschlag das Hochzeitsdiner draußen in ihrem Schlosse gab, und man nicht nur mit Rücksicht auf die Privaträume, sondern auch auf die gesellschaftliche exklusive Stellung der Gast­geberin auf eine gesiebte" und gewählte Festgesell- schaft Wert zu legen hatte.

Unter der staunenden Neugierde der Zuschauer, die weit bis auf den Fahrdamm das Trottoir besetzt

hielten, rollten die Wagen vor die Kirchentür. Diele sahen mit besonderer Neugierde auf das vornehme Privatauto, dem jetzt die alte Baronin, auf den Arm ihrer Tochter gestützt, entstieg. Die meisten in Straß­burg kannten die Greisin nur vom Hörensagen, da sie im Trotz gegen die Preußen jahrzehntelang nur zu gelegentlichen Ausfahrten ihren Park imb ihren Besitz verlassen hatte.

Die Trauung sand bereits mittags ein Uhr statt. Die gesellschaftliche Gepflogenheit erforderte es, daß die Damen zur Trauuna im eleganten Straßen­kostüm erschienen. Nach der Zeremonie fuhr man wieder nach Hause und legte erst jetzt eine hoch­elegante Geselstchafts-toilette an, in der man auch gum Tanz bleiben konnte. In einer dünnen, de­kolletierten Gesellschaftstoilette eine Kirche zu be­suchen, wäre gegen den Kodex des guten Tones gc- roefen. Auf diese Weise konnte jede Dame bei einer einzigen Festlichkeit gleich in zwei Kleidern erschei­nen, und auch der Hut, das unerläßliche Toiletten­requisit der seinen Elsässerin, kam in dem ersten Teil des Festprogrammes zur Geltung.

Es war heute ein Wetteifern der Damen an Schick und Eleganz der Toiletten, um der lieben Nächsten zu beweisen, daß man sich direkt mit Pari­ser Schneiderkünstlern in Verbindung gesetzt habe und den dernier cri auch hier in Straßburg gleich zu lancieren verstand.

Nach der Trauung hielt das junge Paar Cercle in der Sakristei ab, nachdem es hier seine Unter­schriften ins Trauregister gegeben. Yoette, heute als Braut die einzige Dame ohne Hut, da sie Braut­schleier und Kranz trug, bemühte sich mit sichtlichem Stolz, sich als frischgebackene Baronin Alceste de Hammerschlag zu repräsentieren. Auf jedem ihrer Wäschestücke, auf der Ecke ihrer Disitenkartent.ische ja, hämische Zungen behaupteten: selbst in ihren MatinSes waren die fünfzackigen Kronen eingestickt worden.

Von irgendeiner seelischen Ergriffenheit oder Rührung über den inhaltreichen Schritt ihres Lebens war nichts zu spüren. Alceste stand neben ihr und empfing gleichfalls die Glückwünsche. Man konnte nicht in seiner Seele lesen. Er war der immer Glatte, der immer Liebenswürdig-Elegante. Er war stets derselbe.

Melusine empfand heute die Anwesenheit so vie­ler Menschen, die obendrein lauter Bekannte wa­ren, und die man deswegen begrüßen und sich mit

zelt zurückgezahll wurden, aber nach der Recht­sprechung aufgewertet werden müssen. Eine Eini- gung zwischen Gemeinde und Bezirkssparkaffe wurde angebahnt. Zu dem, wie kürzlich berichtet, angeschafften Epidiaskop unserer Schule wurden neuerdings von Gemeindegliedern 30 Mk. gegeben so daß jetzt ca. 190 Mk. bezahlt sind.

l Hungen, 23. Febr. Eine bedeutungsvolle Bezirksverfammlung des Hessischen evangelischen Pfarrvereins fand am Dienstag hier unter der Leitung von Pfarrer O. Fritsch (Ruppertsburg) statt. Pfarre.- K ö ti­bi n g (Eberstadt) hielt einen Vortrag über das a.tuefe Thema:Welche gemeinsamen Auf­gaben stellt der organische Zusammen, ang von Leib, Seele und G eist den Aerzten und den Pfarrern?" Im ersten Teil des sowohl nach der philosophischen wie nach der theologischen Seite auf der Höhe stehenden Vortrags stellte der Redner den organischen Zusamir.e-.hang von Leib, Seele und Geist dar und sprach im zweiten Teil über die vier Ausgabenselder der gemein­samen Arbeit, auf denen sich Pfarrer und Arzt begegnen und miteinander wir.'en sollen: Er­ziehung des Kindes im schul« und ''borschul- pflichtigen Alter, Arbeit an den Jugendlichen im kritischen Alter, Ehe- und Familienleben und Krankenpflege. Wertvolle Ergänzungen vom ärzt­lichen Standpunkt aus, wobei sich eine ausfallende Liebereinstimmung der beiden Redner ergab, er­folgten durch Dr. mcd. Aubel (Gießen). Dir folgende Diskussion war sehr lebhaft und hatte als Ergebnis den Beschluß, daß eine Arbeits­gemeinschaft zwischen Pfarrern und Aerzten gegründet wurde, welcher bis jetzt angehören die Pfarrer Ködding (Eberstadt) und Weber (Trais-Horloff) und die Aerztr Dr. mcd. Aubel (Gießen) und Dr. med. Kath (Gambach). Es steht zu hof'en. daß der dadurch bekundete Wille zur' Verständigung und zum Handinhandarbeiten dieser beiden Berufsstände sich segensreich auswirlt.

# Hungen, 23. Febr. Gestern fand im hie­sigen Gemeindewald eine Rutzholzverstei- gerung statt, zu der sich eine verhältnismäßig geringe Zahl von Kaufliebhabern cingefunben hatte: besonders fehlte der Großhandel. Die Preise hielten sich in den üblichen Grenzen. Bei Cichenschnittholz Güteklasse A kam ein Stamm von 1.23 Festmeter auf 93 Mark, ein solcher von 1.43 Festmeter auf 120 Mark, Cichenderbstangen, zu Langwieden und Deichseln geeignet, tarnen das Stück auf 2 bis 3 Mark, bei Fichtenderb­stangen wurde das Stück je nach Stärke mit 0,60 bis 2,50 Mark bezahlt, Fichtenreisstangen kamen 6 Raummeter auf 17 bis 18 Mark. Ein erstklassiger Fichtenstammabschnitt als Schnittholz geeignet, von 3 Festmeter Inhalt wurde mit 120 Mark bezahlt.

Kreis Friedberg.

2$. Bad-Rauhei m, 23. Febr. Einer der bekanntesten Turner des Gaues Hessen, Hein­rich Franke, über dessen unerwartetes Ab­leben wir schon berichteten, wurde unter allen turnerischen Ehren zur letzten Ruhe geleitet. Für die Turnerschaft sprachen am Grabe tier Vorsitzende des Turnvereins 1860, Kaufmann Ph. Weiß, und Retia.teur Schneider (Butz­bach), welch letzterer mit Gauoberturnwart Will (Gießen) den Gau Hessen vertrat. Für die Stadt Bad-Rauheim sand Bürgermeister Dr. Ahl herzliche Worte der Anerkennung für das öffent­liche Wirken Frankes. Im Auftrage der Be­amtenschaft, der der Verstorbene als städtischer Beamter angehörte, widmeten Verwaltungsober- inspeltor Stamm und Lehrer P o r t h warm empfundene Rachrufe. Die Sängirschaft des Turnvereins unter Leitung von Lehrer Diehl entbot dem Entschlafenen den letzten Gruß.

Kreis Büdingen.

* Ridda, 23. Febr. Seit einiger Zeit wurden mehrfach Wünsche (aut, eine Autover bin- düng zwischen R i d d a H i rz e n h a i n ein» zurichten. Um diesen Wünschen entgegenzukom­men, hatte Bürgermeister Ringshausen hier, den Stadtvorstand und die Gemeindevertreter der in Betracht kommenden Orte Michelnau. Wallernhaufen, Schwickartshaufen, Fauerbach, Ober-Lais, Glashütten und Hirzenhain zu einer Besprechung des Planes in das Gasthaus zur Krone" eingeladen. Die Aussprache ergab, daß in den betreffenden Gemeinden ein großes In­teresse für die regelmäßige Verkehrseinrichtung entgegengebracht wird. Lim eine Liebersicht über die Benutzung der Fahrgelegenheit durch die

ihnen unterhalten mußte, als ungemein lästig. Fast als drückend. Der Abschied von Raymond zitterte noch immer in Schwingungen in ihr nach und zehrte gerade wegen des gewaltsam äußerlich niedergerun- genen Schmerzes an ihren Nerven. Die zättli'che Umwerbung von Jean Paul Bouoier, mit der er sich heute noch außerhalb seiner Verpflichtung al» ihr Brautführer um sie bemühte, war ihr falt '.astig. Gar nicht lieb war es ihr: wenn all die Anwesen« den ihn heute bereits als ihren erwählten Zukünf­tigen zu betrachten genötigt sein würden! Und doch hatte Bouoier noch während der kurzen Wagenfahrt die sie zu zweit allein in die Kirche unternommen hatten, da Baronin Helene ihre greise Mutter drau­ßen im Schlosse abhotte, Melusine mit der erneuten Bitte bedrängt:

Nicht roabr, ma chfcre, heute wirst du dich ent­schließen, unsere Verlobung in diesem Kreise publik zu machen? Gerade, wo die Feier draußen im Schlosse deiner Grandmama stattfindet!"

Und Melusine hatte abermals in einer ihm un­begreiflichen, mühsam oerhattenen Erregung geant­wortet:Vielleicht ja! Warte ab. Es muß sich in den Rahmen des Tages einfügen. Wenn ich es für richtig halte, werde ich dich noch darüber verstän­digen!"

Während auch sie nun zum Brautpaar am Arme Bouoiers herantrat, um beiden zu gratulieren, und sie Poette tiie üblichen zwei Küsse auf beide Wan­gen hauchte, schüttelte Alceste dem jungen Fran­zosen die Hand und warf ihm schnell einige lächelnde halblaute Worte zu, die daraus hindeuteten, daß Bouoier bald an dieser Stelle stehen würde. Da packte ein eigenes Gefühl der Abwehr Melusine an. Sie ließ einen Blick über Bouoier streifen. Er war nickst mehr von solch lächelndem Entzücken, wie in den Wochen bisher. Sie fand ihn fade, wie er mit einem nichtssagenden Lächeln vor Alceste stand. Sie sand Bouoier plötzlich alltäglich. Flach. Seine ganze Eleganz voll gemachter, unwirklicher Ritterlichkeit. Wenn der Zauber seiner wundervollen Stimme verklang, wenn er nicht im Musizieren diesen ge« wolligen Bann auf sie ausübte, was blieb dann noch kkbrig an ihm, als eine verliebte Gier, die sie in den letzten Tagen geradezu erschreckte. Niemals war während ihres Verlöbnisses mit Dietwart eine solche innere Abneigung in ihr aufgekrochen...

(Fonsetzung folgt.)