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btlbung und Jugendpflege an der Sitzung teil- nahm, konnte aus seiner Erfahrung mitterlen, dah vielerorts ein Stillstand oder gar Rück- aang in den Verbänden der Jugendbewegung zu beobachten sei. Als positives Ergebnis der Aussprache darf man den Entschluß ansehen, mit wenigen zuverlässigen Iugendgruppen, deren Deist die idealen Ziele des Jung-V. H. C. Wirklich lebendig werden lasse, den Aufbau wieder herbeizuführen. Diel verspricht man sich von tätiger Mitarbeit an gemeinsamen Auf- gaben. So will man die sämtlichen 18 Zu­gendgruppen und durch sie auch die einzelnen Zweigvereine dahin bringen, dah sie den Aus­bau desVater-Dender-Heims" auf der Herchenhainer Hohe als ihre Auf­gabe ansehen, wie es z. V. Frankfurt a. M. getan habe, dessen Zweigverein beim letzten Strs- tungssest 370 Mark für den guten Zweck ge­sammelt und dessen Zugendgruppe für Aus­stattung zweier Zimmer des Heims 150 Mark aufgebracht habe. Zn dem Zusammenhang konnte mitgeteilt werden, dah das Dender-Heim der wandernden deutschen Zugend schon gute Drenste getan habe. Deschlossen wurde, für den Z u n g - D. H. C.- Ta g 1928 Düdingen für den Zung-V. H. C.-Führer tag 1928 Offenbach a. M. zu gewinnen. Der Zweigverein Fried- berg-Dad-Aauheim des D. H. C. bot den Gästen am Samstag einen schon verlaufenen Degrühungsabend im Kasino zu Fried.erg, mit dem gleichzeitig das Dekorierung-fest vrrounden war.

Privatkliniken sind gewerbesteuersrei.

Der hessische Derwaltungsgerichts- h o s hatte am Samstag die Frage zu entscheiden, ob Aerzte zur Gewerbesteuer herange­zogen werden können, wenn sie eine Privat- klrnik unterhalten. Die beiden Darmstabcer Frauenärzte Dr. Hoffmann und Dr. Wolf betreiben eine Privatklinik und wurden deshalb zur Gewerbesteuer für die Zahre 1925 und 1926 herangezogen. Sine Beschwerde dagegen wurde vom Finanzgericht zu ihren Angunsten ent­schieden. Vor dem Verwaltungsgerichi machten sie geltend, dah ihr Unternehmen nicht darauf angelegt sei, Gewinne zu erzielen, sondern dah es mehr den Charakter eines Krankenhauses als den eines Sanatoriums habe, da es sich rein auf die Krankenbehandlung beschränke, die steuerfrei sei. Der Verwaltungsgerichtshof ent­schied, dah das Urteil des Fmaingerichls auf­zuheben und die Beschwerdeführer von der Steuer zu befreien sind. Die Kosten des Versahrens wurden der Staatskasse auferlegt.

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* Der Verein für Sterbeunter­stützung Giehen hielt am Sonntag die 38. Hauptversammlung im Postkeller ab. Aus dem ZahreSbericht ist zu entnehmen, dah dem Verein zur Zeit 1822 Mitglieder angehören. Aus der Zeit der Gründung (1889) leben noch 100 Mit­glieder. Gestorben sind in dieser Zeit 777 Mit­glieder: seit 1906, in welchem Zahre auf Grund reichsgesehlicher Bestimmungen der Verein sich umstellen muhte, starben 583 Mitglieder, die sich mit 6,70 Mk. Jahresbeitrag eine Anterstützung bis zu 350 Mk. sicherten. Zn den letzten vier Zähren wurden an Sterbegeld 35 750 Mk. ge­zahlt. Zm Berichtsjahre 1927 wurden 66 Mit­glieder ausgenommen, gestorben sind 25 Mit­glieder, an deren Hinterbliebenen je 350 Mk. Sterbegeld bezahlt wurden. Der Verein trat mit 621221 Mk. Kaffenbestand in das Zahr 1927. Die Einnahmen an Mitgliederbeiträgen beliefen sich auf 12 316,45 Mk.. die Ausgaben auf 10 86?,46 Mark, so dah ein Kas'enbestand von 7661 Mk. auf 1928 übertragen werden konnte. Infolge dieses günstigen Kassenbestandes konnte die Versamm­lung dem Antrag des Vorstandes, das Sterbe­geld um 20 Mk. auf 370 Mk. zu erhöhen, zu- ftimmcn, Vorstand, Aufsichtsrat und Beisitzer Chr. Reih (1. Dors.), Vonarius (2. Dors.), Diehl (Kassierer», Zödt (Schriftführer), Weber, Ries, Baum (Beisitzer), B e i m - b o r n, Rabenau, Laichinger. C i se, Amend (Aufsichtsrat) wurden einstimmig wie­dergewählt. (RähereS über Anmeldung neuer Mitglieder ist aus der Anzeige in der heutigen Nummer zu ersehen.)

** Die Evang.Kirchengesangvereine des Dekanats Giehen hielten dieser Tage hier im GasthausHindenburg" eine Vertreter­versammlung ab, um über das diesjährige Deka-

Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....

'Roman von Erica G r u p e - L ö r ch e r.

25 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Er schätzte die Baronin sehr. Sie hatte neben ihrer Vornehmheit etwas Mütterlich-Herzliches. Vielleicht glich sie nicht nur äußerlich durch die klaren, blauen Äugen, die kräftige, nicht eben große Statur mehr ihrem Vater und mit ihm dem alteingesessenen elsässischen Typus.

Während Dietwart noch nach den rechten Wor­ten suchte, um bei der Mutter seiner Braut um «in 14£nes Wort des Vertrauens zu bitten, meldete das Mädchen den Besuch des jungen Herrn Barons Atteste. Da der Angemeldete bereits draußen auf dem Gange wartete, war es für die Dame des Hauses unmöglich, sich verleugnen zu lassen oder um eine spätere Zeit des Besuches zu bitten. So blieb ihr, als sie Dietwart mit einem Blick ansah, diese unvor­hergesehene Störuna entschuldigen zu wollen, nichts übrig, als den Bescheid zu geben: den Herrn Baron hereinzuführen.

Alceste hatte draußen schon den Eindruck emp­fangen, im Salon seiner Tante fei Besuch anwe­send. 9n feinem Gesicht, das nervös und zerstreut schien von einer Menge liebe rlegungen und Ein­drücken in dieser ereignisreichen, unruhigen Zeit, trat plötzlich der Eindruck einer impulsiven Ableh­nung hervor, als er Dietwart erkannte und er­blickte.

Wie, der stille Verlobte feiner Kusine war hier? Hielt er etwa innner noch an der Verlobung fest und besaß möglicherweise gar die Absicht, jetzt bei der Baronin Helene die Veröffentlichung zu veran­lassen, wo der Krieg aus war? War es diesem Herrn von Schölzer immer noch nicht ganz zum Bewußtsein gekommen, daß die Zeit, in der hier die Deutschen eine Rolle spielten, vorbei war? Völ­lig und für immer vorbei! Daß man in einer so reichen und vornehmen, alteingesessenen Zamitie, wie die Hammerschlag es war, gar nicht daran den­ken konnte, die einzige Tochter jetzt einem Deutschen zur Frau zu geben?

nats-Kirchengesangvereinsfest M beraten. MS Festtag gilt der schon in früheren Zähren fest- gelegte Sonntag Craudi. 20. Ma,, der Sonntag vor Pfingsten. Als Ort für die kirchliche Fmer wurde Kirchberg bei Lollar ausersehen. Sie Nachfeier soll in der alten Burgruine von Staufenberg abgehalten werden. Zn der kirch­lichen Feier werden einige Massenchöre von rund 400 Sängern und Sängerinnen vorgetragen. Auch der evang. Frauenchor Alten-Buseck unter seinem Dirigenten Konrad Nicolai- Grohen-Buseck wirkt in der kirchlichen Feier mit. Zn der Nach­feier singt jeder der Dekanatsvereine zwei selbst- gewählte Chöre. Die Vorbereitungen zu dem Fest liegen in den Händen des Vertrauensmannes der Kirchengesangvereine, Pfarrer S t a u b a ch von Watzenborn-Steinberg.

Elternabend in der Oberreal­schule. Am Sonntag fand in der Oberreal­schule der zweite Elternabend statt, der dem ersten an Gediegenheit der Darbietungen in keiner Weise nachstand. Nebst verschiedenen Musikstücken, vor» wiegend klassischen Charakters, kam ein Einakter Der Halsabschneider" von Lope da Vega zum Vortrag. Die sichere Bewegung der jungen Leute auf den Brettern, ihre deutliche Aussprache und ihr verständnisvolles Zusammenspiel machen dem Spielleiter, Studienreferendar Dr. Blaut, alle Ehre. Von programmatischer Bedeutung war der Vortrag des Orchesterleiters. Studienrat Dr. H i l l e n b r a n d. Da er selbst wohl bewandert in der klassischen Musik ist und durch seinen unermüdlichen Fleiß das Schülervrchester zu er­staunlichen Leistungen befähigt hat. dürste es von -Interesse fein, die leitenden Gedanken seines VortragsDie Pflege der Znstrumentalmusik in der Schule" an dieser Stelle hervorzuheben. Dr. Hillenbrand führte u. a. aus. daß das Schülerorchester, entsprechend der Befähigung feiner Mitglieder, von der Darbietung für großes Orchester geschriebener Werke absehen und sich füglich beschränken solle auf eine möglichst getreue Wiedergabe einfacher Orchester- und Kammer­musikwerke des 17. und 18. Jahrhunderts, die ja auch entsprechend der Eigenart der damals be­stehenden collcgia musica von Nichtberufsmusikern ausgesuhrt wurden. Also zurück zu Haydn, Mozart und deren Vorläufer! Damit dies aber möglich ist, veranlasse man einzelne Schüler, mehr als seither Blasinstrumente zu pflczen: denn bekanntlich haben die alten Meister die Blas-, zumal Holzblasinstrumente, reichlich bedacht. Die Ausführungen Dr. Hillenbrands wurden mit un­geteiltem 'Bei'al entgegengrnommen und dürften für jeden, der sich mit Schülerorchester zu be­fassen hat, beherzigenswert fein. Eine die'en lei­tenden Gedanken gemäß außerordentlich erfreu- liche Wiedergabe erfuhr die K.ndersymphonie Haydns.

' Canada-Filmvortrag. Zn den Palast-Lichtspielen"anh am Samstagabend ein gut besuchter Filmvortrag statt, in dem Ober­ingenieur Blecker- Hannover an Hand eines wohlgelungenen Dildftrei ens über(Sana" a. das Land der eigenen Scholle" sprach. Der Vor­tragende gab zunächst einen kurzen äleberblick über die wirtschaftliche Bedeutung Canadas, die besvnders im letzten Jahrzehnt ganz erheblich zugenommen häbe. Er bezeichnete Canada als ein Land der Zukunft, im letzten Zcchve seien bereits 40 Prozent der Weltausfuhr in Getreide auf Canada entfallen. So verspreche das Land die Kornkammer der Welt zu werden. An Hand des Films erlebten die Besucher im Geiste eine abwechslungsreiche Reise, zunächst mit einem Dampfer des Norddeutschen Lloyd nach Halifax und von hier quer durch Canada bis nach Van­couver am Pazific. Zn bunter Folge zeigte der Film prächtige Ausnahmen der canadischen Na­turschönheiten. der Bewirtschaftung des Landes, und vermittelte ebenso Einblicke in das Kultur­leben. Zm Zusammenhang damit ging der Red­ner auch kurz auf die geschichtliche Entwickelung ein, an der besonders die Provinzen Quebec und Ontario reichen Anteil haben. An Hand einer schematischen Darstellung wurde im Film u. a. auch gezeigt, nach welchem Derteilungs- schlülsel von feiten der Regierung in den kom­menden Zähren das Land aufgeteilt werden soll, Maßnahmen, die zur tmrtschafttichen Erschließung und Besiedelung der riesigen Landflächen no-t- wendig geworden sind. Zm Hinblick darauf dürste der Film besonders für Auswanderungs- lustige Znteresse haben. - Zusammensassenb ist zu sagen, dah dieser lehrreiche Kulturfilm, der von den Döring-Filmwerken (Hannover) in Derbin-

düng mit dem Norddeutschen Lloyd hergestellt wurde, dazu beiträgt, die manchmal recht un­klaren Vorstellungen über Canada (das übrigens zum Teil fast unter den gleichen Breitengraden wie Deutschland liegt und daher auch ähnliche Degetationsmöglichkeiten bietet) zu beseitigen. Der Redner fand lebhaften Beifall.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

h. Heuchelheim, 23. 3an. Der hiesige Turnverein hielt am Samstagabend in der gut besetzten Turnhalle sein Winterfest ab. Die reichhaltige Vortrags ol-e bot vielerlei Abwechs­lung, so daß den M g eder genu reich St md n bereitet wuroen. Be, anders erwähnt seien die Volkstänze der Turnerinnen und sämtliche turne­rischen Vorführungen der Turner. Ein gut ge­spielter Turnerschwank bildete den Schluß des offiziellen Teils. Die Kapelle Otter be­stritt den musikalischen Teil, und es ist ihr besonderes Verdienst, daß fast nur deutsche Tänze gespielt wurden.

* Wieseck, 24. Zan. Am morgigen Mittwoch kann der Bahnarbeiter i. R. Wilhelm Lepper in geistiger und körperlicher Frische seinen 8 0. Geburtstag begehen. Der alte Herr macht noch täglich seine Spaziergänge. Er ist Veteran von 1870/71.

el. Staufenberg, 23. 3an. Die Gemeinde ist zur Zeit dabei, den Mißstand, der bei jedem stärkeren Regen dadurch eintritt, daß die aus dem Burghof kommenden Wassermassen verschiedene Höfe zwischen Burg- und Ober­gasse überfluten, zu beseitigen. Durch die Ausführung einer neuzeitlichen Kanali­sation in diesen Straßen sollen die Abwässer ausgenommen und abgesühri werden. Außerdem sind die an Straßen mit Kanälen wohnenden Hauseigentümer verpflichtet, alle Abwässer aus den Hofreiten in die Strahenkanäle unterirdisch abzuführen. Wenn auch dieser Zwang vielleicht von einzelnen Hausbesitzern als Härte ernannten wird, so ist diese Maßnahme doch nicht zu um­gehen. wenn die geschaffene Anlage ihren Zweck voll erfüllen soll. Nicht uninteressant dürfte es sein, daß bei den Ausführungsarbeiten 'nahe des Gipfels des Staufenbergs bis in drei Meter Tiefe zäher, mit Sand durchsetzter hellgrauer Ton gefunden wird, der mit dünnen Lagen von weißem Sandstein durchzogen ist.

Z Rödgen, 23. Zan. Am Samstagabend konnte der Präsident des hiesigen Männer- gesangvereinsHarmonie", Herr Becker, überaus zahlreiche Gäste im Saalbau des Gastwirts Balser zu einem älnterhal - tungsabend seines Vereins willkommen heißen. Zm Mittelpunkt des ersten Teils der Vortragssolge stand ein Theaterstückchen, das von den Darstellern recht gut gespielt wurde. Aus dem zweiten Teil des Programms sei zunächst der MännerchorHeber Nacht" von Niemeier genannt, der außerordentliche Anforderungen an die Sänger stellte, und bei dem man sich wun­derte, dah ein so schwerer Chor von dem Verein so gut dargeboten werden konnte. Hier muß die Hand des Chormeisters C u r t h s - Giehen immer und immer wieder geformt haben, um das Werk so erstehen zu lassen. Ganz besondere Aufmerksamkeit erwarb sich eine Operette, die gesanglich und darstellerisch auf beachtenswerter Höhe stand. Einen glücklichen Abschluß fanden die Darbietungen mit den beiden ChörenSehn­sucht nach dem Rhein" von Sonnet undZn der Pfalz" von Gomps, die durch ihre Frische die Zuhörer mitriffen. Dirigent und Sänger ernteten danach besonders freudigen Beifall. Die Ka­pelle Weller -Gießen stellte die ausgezeich­nete Musik.

w. A l l e n ö o r f a. d. Lahn. 23. Zan. Am Samstagabend veranstaltete der hiesige Män­nergesangvereinEinheit" unter der bewährten Leitung seines Chormeisters H. K ö h- l e r von Großen-Linden eine wohlgelungene Abendunterhaltung. Damit verbunden war gleich­zeitig das 46. Stiftungsfest des Vereins. Eine sorgfältige Auswahl von Chören legte Zeugnis ab von dem guten Können der Sanger. Dec GesangvereinEinheit" kann jeden­falls mit seinem Chormeister voller Befriedigung auf das Dargebotene zurückblicken. Einen sehr guten Griff hatte der Verein auch in der Wahl der Gießener Humoristen getroffen. Besseres in dieser Beziehung hätte wohl kaum geboten werden können. Gute Streich- und Klaviermusik vervoll­

ständigte noch den hohen Genuß des Abends. Zwei Mitglieder des Vereins wurden für 46- jährige treue Mitgliedschaft mit Ehrenurkunden ausgezeichnet und zu Ehrenmitgliedern ernannt.

T Lich, 23. Zan. Der Bezirk Lich der KriegerkameradschaftHassia" hatte gestern einen großen Tag. Aus der ganzen Um* gegend waren die Kriegervereine mit ihren Fah­nen nach Lich gekommen, um in der geräumigen Turnhalle mit ihrer vorzüglichen Akustik dem großen Militärkonzert zu lauschen, da­von dem gesamten Musikkvrps d e s 1. (hes­sischen) Grenadier-Bataillons, 15. Zns.-Regts., Gießen, gegeben wurde. Pünktlich um 3 älhr wurden unter Führung von Wilhelm Lotz, dem Vorsitzenden des Krieger­vereins Rieder-Bessingen, und unter den Klän­gen der Kapelle die Fahnen eingebracht. Sodann ergriff der Vorsitzende des Bezirks Lich, Tierarzt Dr. Walter- Lich, das Wort zu einer begeisterten Ansprache. Er begrüßte zunächst die Erschienenen, gedachte des Reichsgründungstages 1871 und forderte zur Mitarbeit am Wieder­aufbau unseres Vaterlandes auf. Auch eine Ehrung der Gefallenen aus dem Weltkrieg und der Gestorbenen des letzten Iahres wurde vor­genommen. Der Vorsitzende konnte im Auftrage der Hauptleitung derHassia" dem Krieger- herein Ronnenroth aus Anlaß seines 50- jährigen Bestehens eine Ehrenurkunde überreichen. Der Vorsitzende dieses Vereins dankte für die Ehrung und gelobte weitere Treue zurHassia". Die sehr lettene Auszeich­nung des Ehrenkreuzes derHassia" wurde dem Straßenwart i. R. Konrad Mih- ler von Nonnenroth zuteil. Er kann in diesen Tagen auf eine 50jährige Tätigkeit als Vorstandsmitglied im Nonnenröther Kriegerverein zurückblicken. Der Geehrte, einer der letzten Veteranen aus dem Krieg 1870/71, dankte gerührt für die Auszeichnung, und ver­sprach, auch in Zukunft ein treues Mitglied der Hassia" zu bleiben. Dem Konzert lauschen etwa 800 Personen aus den Orten Lich, Rie­der- und Ober-Bessingen, Nonnenroth, Ettings­hausen, Harbach, Hattenrod, Birklar, Langsdorf und Muschenheim. Die von Obermusikmeister L ö b e r dirigierten Konzertstücke sanden allge­meinen Beifall, so daß die Kapelle noch des öfteren zu Beigaben auf gefordert wurde. Die Kapelle, die übrigens als Hauptfestkapelle bei dem im kommenden Sommer stattfindenden großen Gesangswctt7"- it des GesangvereinsCa­cilia" bereits engagiert ist, hat bei ihrem gestrigen Konzert wiederum glänzende Proben ihres Kön­nens gegeben. Hoffentlich bleibt auch der finan­zielle Erfolg des Tages nicht aus, denn das Konzert war als Wohltätigkeitsver- a n ft a 11 u n g gedacht, dessen Tleberschuh den notleidenden Kameraden aus dem Bezirk Lich zugute kommen soll. Am Abend schloß sich ein kameradschaftlich geselliges CBeu fammenfein an. Durch die Mitwirkung des Sängers Heinz Bechstein -Gießen wurde dem Abend eine besondere Note gegeben. Mit seinen Arien aus der MozartschenZauberflöte" eroberte sich der Sänger die Sympathie aller Besucher, die mit ihrem Beifall nicht zurückhielten. Der 1. Vorsitzende deS Kriegervereins Lich, Stadt­rechner Häuser, sprach u. a. ernste Worte der Ermahnung an die Zugend des Vereins, der guten Sache allezeit die Treue zu bewahren. Sodann erfolgte die Verteilung der Diplome vom letzten Bezirksschießen. Es konnten nachstehende Kameraden ausgezeichnet werden: Heinrich Müller, Christian Rau, Wilhelm Kraus, Karl Müller und Willi Hahn. Das Ergebnis war für den Kriegerverein Lich sehr befriedigend. Mit Tanz bei erstklassiger Musik fand die Feier ihr Ende. Die Bemühun­gen des 1. Vorsitzenden des Bezirks Lich, Tier­arzt Dr. Walter- Lich, in dessen Hand die Hauptvorbereitungen gelegen hatten, sind vollauf gelungen: die erhebende Feier hat alle Teil­nehmer höchst befriedigt.

<55 Lich, 23.Jan. Ein schönes Zeugnis von Zusammengehörigkeit zeigte die am Samstagabend im Saale desHolländischen Hofes" stattgehabte Wiedersehensfeier des Jahrgangs 18 9 1. Selbst aus Darm­stadt und aus dem besetzten Gebiet waren die alten Schulkameraden dem Rufe gefolgt, um an der Wiedersehensfeicr teilzunehmen. Rach Worten herzlicher Begrüßung durch den Vor­sitzenden, Ludwig Qi6 mann, ergriff Kamerad

Oder war dieser Herr von Schölzer jetzt viel­leicht gerade hier, um mit Delikatesse wegen der völlig veränderten Verhältnisse die Verlobung wie­der zu lösen? Nun. Alceste würde ja nachher Gelegenheit haben, die Tante auf der Fahrt nach dem Schloß hinaus genau auszusragen.

Deswegen nahm er gar nicht erst den von der Daronin durch eine Handbewegung angebotenen Sitz an, sondern begann, nachdem die beiden Herren sich mit frostiger Höflichkeit begrübt hatten, sogleich mit dem Grund seines Herkommens. Ob es der Tante passe, wenn man in einer Stunde hie Fahrt zur Grandmama hinaus anträte? Die Tante würde ja heute ohnehin draußen erwartet, und er wolle sich gern anschließen, weil er der Grandmama - jetzt alle Einzelheiten über den Einzug der französischen Truppen in einigen Tagen geben könne, die die alte Dame gern erfahren wollte.

Mit einem kurzen Blick auf Dietwart, her eine Selbstmahnung mar, hier in Gegenwart hes Deut­schen feine Einzelheiten über die prunkvolle Auf. machuna her bevorstehenden französischen Parade zu geben, setzte er bann noch schnell hinzu: er denke nun unter hem Wechsel und der Klärung her Ver­hältnisse daran, seine Hochzeit mit Adrienne schon in wenigen Wochen hier abhalten zu können.

Baronin Helene lächelte. Um Dietwart nicht völ­lig als stummen Zuhörer auszuschalten, äußertze sie jetzt:Da Sie soeben erst aus dem Lazarett von auswärts zurückkehren, Herr von Schölzer, wer­den Sie kaum erfahren haben, daß mein Neffe sich vor einiaer Zeit mit Fräulein Adrienne Amberger aus Mülhausen verlobt hat."

Die beiden Herren wechselten einen kurzen Blick. Der von Alceste war ein Gemisch von Zorn unb Spott. 9a, er hatte sich eine Zeittang in seine Ku­sine Melusine verliebt! Hatte geglaubt, sie mit ihren achtzehn Jahren in seine französische Auffassung hinüberziehen zu können. Dann aber war ihm eines Tages während des Krieges als nahem Verwandten die vertrauliche Mitteilung gemacht worden: Melu­sine habe sich heimlich mH Herrn von Schölzer veriobt, dem Freunde von Raymond. Er nahm damals diese Nachricht mit äußerer Gleichgültigkeit auf. Nun ja, es war so gekommen wie er damals schon an jenem Winter tage im Schlosse her Grand- mama oorausgesehen hatte, als hie beiden Freunde um ein Haar beim Schlittschuhlaufen auf den

Nebenarmen des Rheins ertrunken wären! Wie abtzeschnitten war mit der Keulttnisnahme von Me- lusinens Verlobung seine eigene Zuneigung zur Kusine gewesen. Verflogen, verpufft. Kein Gefühl resignierter Liebe hinderte ihn, gegen Ende des Krieges sich mit her Tochter des reichen Fabrikanten Amberger aus Mülhausen zu verloben. Einige gute ; elsässische Freunde, teils in Straßburg, teils in Mül- ! Hausen, hatten ihre Hände beim Arrangement dieses ; Verlöbnisses im Spiel gehabt, bei dem nach echt j elsässischer Aufsassuna die grundlegende gegen- \ fettige Frage war: ob man reich heirate.

Und da es der jungen Adrienne sehr schmeichelte, eine junge Baronin Hammerschlag zu werden, und sie nur elegant, aufgeputzt, nach französischem Genre zugestutzt, aber nicht im mindesten hübsch ! war, entschloß sich her Herr Fabrikant, ihm gleich als Morgengabe eine Million in Aussicht zu stellen. Eine Million in Mark. Wenn es günstig war, rech­nete man in Mark.

Dietwart sprach seinen verspäteten Glückwunsch Alceste zur Verlobung aus. Atteste dankte mit kal­ter Höflichkeit.. Man hielt als Leute von guter Kinderstube auf Wahrung der äußeren Formen, selbst mit hem Unterton her geheimen Abneigung 1 und des gegenseitigen Zornes. Dann verabschiedete j sich 2Ucejte von beiden, indem er nochmals Darauf i hinwies, er werde den Chauffeur veranlassen, in einer Stunde bereit zu sein.

Draußen knackte ein Schlüssel in her großen Wohnungstür, die Baronin unterbrach sich aufhor- chenh, einige Schritte kamen den Gang heraus.Da sind die beiden!" und sie eilte zur Tür, um hmaus- zurufen:Äonrmt gleich herein. Es ist lieber Be­such hier. Sehr lieber Besuch!"

Draußen wechselten die Geschwister einen sekundenlangen Blick einer stummen gegenseitigen Frage.Wer wird es sein?" Und beide dachten im gleichen Herzschlag.Es ist Dietwart!"

Da blieb Melusine doch stehen. Ihre Hände wa­ren herabgesunken. Sie preßten sich unwillkürlich zusammen. Ja, sie stand und zögerte, als müsse sie sich innnerlich fassen.

Der Bruder bemerkte es. Auch ihm war, obgleich auch er erst feit Tagen wieder zurück war, eine Aenderung bei Melusine ausgefallen, wenn man von Dietwart in ihrem engsten Kreise zu dritt gesprochen hatte.Melusine? Was ist dir? Warum

gehst du nicht hinein? Warum fliegst du ihm nicht an den Hals und du sagst ihm, wie glücklich du bist, daß er überhaupt aus diesem schrecklichen Krieg hat zurückkommen dürfen? Gerade wie du mich empfangen hast? Was ist dir, Melusine?"

Da erhob sie den Kopf. Sie sah ihn mit einem Mick an, den er nicht zu enträtseln vermochte. Dann schritt sie, während ihre Brust sich erregt hob, an ihm vorüber und ins Zimmer.

Melusine? Liebe! Und auch du, Grüß Gott, Raymond!" Dietwart war auch in heißbewegter Freude der Kavalier, der Mann mit vornehmer Haltuna. Er zog die Hand Melusines an seine Lip­pen und sie fühlte die Inbrunst, die Wärme seines Kusses im Glücksempfinden, sie wieder zu sehen. Die beiden Freunde drückten sich die Hand. Aus- atmend standen sie sich Auge in Auge gegenüber. Die Worte versagten im Moment einer solchen Begegnung voll Enttäuschung.

Daß wir uns so wieder sehen!" war ihr gemein­samer Gedanke,das ist das Resultat unseres vierjährigen Mitkämpfens draußen?"

Die Baronin glitt mit ihrer weichen, mütter­lichen Art näher:Vielleicht mag Dietwart noch nachher zum Nachtessen bei dir bleiben, Raymond? Dann können Sie ungestört mit Raymond plaudern! Ich werde draußen mit Alceste bei der Grandmama erwartet, und ich weiß, sie rechnet auch auf Me­lusines Mitkommen. Deswegen werden wir beide uns jetzt zurückziehen und dem Brautpaar fein Wiedersehen unter vier Augen lassen!"

Zum ersten Matt in ihrem Leben vermochte Me­lusine von Welzin die Situation nicht zu meistern. Sie, die meltgcroanhte Junge Dame! Sie wußte durchaus nicht, welche Haltung, welche Worte sie jetzt wählen sollte, in^ihrem Gemisch von Ableh­nung und dem Mitkeiden zugleich, das sie für Diet­wart empfand. Er aber folgte einzig dem Zuge seines Herxens. Er umschloß sie jetzt mit seinem Arm und sagte: ,Liebste, nun bin ich wieder hier. In all dem Kunrmer über die äußeren Vorgänge ist es mir ein doppelter Lichtblick, daß ich nun wie­der bei dir sein kann!"

Aber sie löste sich mit leichter Absichtlichkeit von ihm, ihr Blick tastete an seinem (inten Arm herab: Du hast du hast bereits eine künstliche Hand?"

(Fortsetzung folgt.)