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Franz Schubert M Symphomler
Zur bevorstehenden Schubert-Feier
des Konzertvereins.
GS ruht wie ein Verhängnis über dem symphonischen Schaffen Franz Schuberts, daß cr bie Aufführungen seiner Meisterwerke nrcht erlebt hat, sondern erst spätere Generationen sich dafür einsetzen mußten. Und als das geschah stand man ihnen voreingenommen gegenüber, und erst das Sichdurchsehen einer Schubert ähnlich gearteten Ratur, Anton Bruckners, hat seinem Werk den Weg geebnet.
Der Beurteilung des Schub ertsch en 3n]tru- mentalstiles stellte sich die Tatsache hemmend in den Weg, daß man in DeechoveESym- phonien die Höhepunkte symphonischen Schaffens erkannt und erlebt hatte, und von dieser Basis aus konnte man einer Veranlagung toie der seinen nicht gerecht werden: denn die Schaffensart becher Meister mutzte zu wesentlich verschiedenen Ergebnissen führen. . , - , . .
Beethoven legte jedes Werk so an, daß seine Grundtendenz mit ihrer unentwegten Zielstredtg- keit klar pointiert und in prägnantester Fassung zum Ausdruck kam. Das Doethovensche Thema erscheint darum streng geineihelt und innerlich auf die klarste Form gebracht. Das Etnzelmotw ist für ihn die Keimzelle des Themas, aus dem der gewaltige architektonische Dogen heraus gespannt wird. Uebetall Straffung, Knappheit und Zusammenfassung. , ,
Eine wesentlich andere Art bringt Schubert zur Gntsaltung. Bei Beethoven ein Ringen um bie höchsten Ziele und Probleme der Menschheit von hoher geistiger Warte der Reslektion aus, bei Schubert ein Erwachsen des Werkes aus bet Raturhaftigkeit, aus dem freien, ungehemmten Ausströmenlassen einer gesunden, naiven Raturkrast. Mit Schubert betritt zum erften Male der Raturmusiker das Gebiet der Symphonie, und er muh sich erst die gönnen erringen, die seinem 2nnern unverfälschten Ausdruck zu geben vermögen. Es wäre durchaus verfehlt, in dem gesamten Schaffen Schuberts eine a absteigende Entwicklungslinie leugnen zu wovon, wie man es gern in Hinsicht auf die frühen Meisterwerke seines Liedschaffens tuen möchte. 2m Gegenteil, gerade seine Symphonien erweisen eine sich steigernde Beherrschung der Ausdrucksmittel, und ein fortschreitendes Sich»
Nr. 20 Zweiter Blatt
Dienstag, 24. Januar 1928
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Landwirischastliche Lebensfragen.
Don £>r. Ewald Rosenbrock.
Es ist ein Zeugnis von dem unerschütterlichen Willen und der Kraft der deutschen Landwirtschaft wenn sie auch in diesem Fahre wiederum im Begriff steht. „Landwirtschaftliche Wochen" in Berlin und den Mittelpunkten der Länder und Provinzen zu veranstalten. Reben der „Grünen Woche" in Berlin, die von jeher der Sammelpunkt wissensdurstiger und erfahrungsreicher Landwirte gewesen ist und in der bie Ergebnisse der Arbeiten des ganzen Reiches zusammengefaht werden, haben auch die „Landwirtschaftlichen Wochen" in Schwerin, München. Stettin. D a r m st a d t, um nur wenige zu nennen, eine Bedeutung, die weit über den Rahmen örtlicher Veranstaltungen hinauSgeht. Wenn sich in diesem Jahre die Landwirte versammeln, um neue Anregungen aus Wissenschaft und Praxis entgegenzunehmen, so werden sie, wie selten zuvor, unter dem Druck einer Wirtschaftsbilanz stehen, die ernsteste Schlüsse für die Zukunft zulätzt.
Trotz allgemein etwas verbesserter G e t r e i d e- preise ist das Saldo des Getreidegeschäftes für den Landwirt trübe. Das ungünstige Erntewetter verbunden mit Witterungskarastrophen in vielen Teilen des Reiches hat die Güte und den Wert der Ernte außerordentlich herabgesetzt, so daß fast zwei Drittel der gesamten Getreideernte zu Preisen verkauft werden mußte, die unter den Bedingungen des handelsrechtlichen Lieferungsgeschäftes liegen. Der gütemähig etwas günstigere Ausfall der Ernte in einzelnen Landesteilen vermag — ganz allgemein gesagt — die besonders schwierige Lage der Haupterzeugnisgebiete Mecklenburgs und des nordöstlichen Preußens nicht aufzuwiegen. Auf dem Gebiete der Viehzucht sind die Verhältnisse vielleicht noch ungünstiger zu beurteilen. Während die Rindviehpreise keineswegs ausreichen, haben die Echweinepreise seit dem Frühjahr 1927 eine stets fallende Tendenz gezeigt, die zwar durch den üblichen Konjunkturaufschwung im Herbst Wohl etwas gemildert ist, aber keineswegs den Verhältnissen der Rormaljahre entspricht. Den gesunkenen Schweinepreisen gegenüber haben sich fast das ganze 2ahr hindurch die Preise für Kraftfuttermittel fest gezeigt, so datz man an dem Beispiel der Schweinepreise und Schweineerzeugungskosten wieder einmal die klaffende „Schere" erkennt. Gedenkt man, daß die hohen Kraftfuttermittelpreise zur Eigenverwendung eines großen Teiles der in ihrer Güte mäßigen Getreideernte geführt haben, so wird damit das kurz gezeichnete Bild der Erntebilanz weiter verschlechtert.
Besonders bedenklich ist, daß dieses betriebswirtschaftlich und kaufmännisch betrübende Ergebnis nicht eine normale Wirtschaft nach einer Reihe von guten oder mittleren Ernten, sondern einen von flüssigem Kapital ent- blötztenBetriebnachmehrerenKata- strophenjahren trifft. Wie außerordentlich dankbar man in der Landwirtschaft schon kleine Erfolge beurteilt, zeigen die Pressestimmen, die über die Abwicklung der dritten Rate der Rentenbankschulden am 30. November berichteten, obgleich jeder weih, daß es nur möglich war, einen ganz geringen Teil der Summe aus der Landwirtschaft herauSzuholen. Diesem Scheinerfolg gegenüber steht aber die erschütternde Tatsache der steten ungeheuren Zunahme der landwirtschaftlichen Real- und Personalkredite, die, an sich schon bedenklich durch die mit wenigen Ausnahmen ho^n Zinssätze, die verantwortlichen Stellen möglichst schnell zu Hilfsmaßnahmen veranlassen müßten. Rach den Angaben des Instituts für Konjunkturforschung betrugen die erfaßbaren Kredite der Landwirtschaft am 31. Oktober 1927 über 5,1 Milliarden, und zwar die Realkredite etwa 2.7, die Kredite mit mittlerer Laufzeit 146 Millionen, bie kurzfristigen Kredite 2,3 Milliarden. Bekannte
Loslösen von Vorbildern. So bekennt er sich nach Vollendung des Oktetts an Kuppel- wieser: „Ueberhaupt will ich mir auf diese Art den Wog zur großen Symphonie bahnen." Und wie stark ein auf Beethoven scher Einstellung fußendes Urteil fehlgehen konnte, mag eine Aeußerung von Joseph Joachim über daS der ODur^Symphonie zeitlich nahestehende Streichquintett zeugen: „Vieles ist ganz wunderschön, von überquellender Empfindung, und so eigenartig im Klang: und leider macht das Ganze wieder keinen befriedigenden Eindruck! Maßlos und ohne Gefühl für Schönheit in den Gegensätzen."
Daß derselbe in späterer Zeit, nachdem er bas Wesentliche in Schuberts Schaffensart immer mehr erfaßt und erkannt hatte, sich voll Begeisterung über dieses Wert äußerte, bestätigt bie Annahme eines Sonderstiles bei Schubert. Statt der motivischen Weiterentwicklung und planmäßigen Durcharbeitung im Hinblick auf bie Gesamtgestaltung des Werkes gibt sich Schubert in quellender Fülle seiner Erfindungskraft. Seine Themen sind in sich geschlossen und inhaltsreich, aber nicht für eine Weiterentwicklung im klassischen Sinne geeignet, da sie sich im Augenblick ihrer Formulierung als fertiges Ganzes erweisen und durch motivische Zergliederung in der Durchführung an ihrem Inhalt verlieren würden. So findet sich in seinen Werken an Stelle der Weiterentwicklung die Abfolge, die Aneinanderreihung von musikalischen Bildern, die an sich als Einheit bestehen bleiben und sich nur innerlich variieren und figurieren. Einem auf llassischer Grundsätze eingestelltem Urteil, das in der Gesamtsormung aus der Logik des Motivischen heraus das Wesentliche erkannte, muhte wohl oder übel der Blick für dieses Hinströmen, Aneinanderreihen und lyrische Verheilen zunächst entgehen.
Zu dem bildet sein Oesterreichertum für Hubert einen grundlegenden Faktor seiner Formung. Die Welt Wiens gibt seiner Tonsprache ein eigenes Gesicht: eine gewisse Unbekümmert - heit, sorglose Heiterkeit zeigt sich in der Abfolge der einzelnen Bilder, es ist wie ein ge- sprächhaftes Plaudern und Sich-geben, das den einmal formulierten Gedanken gern wiederholt, weil es an ihm selbst Freude gewonnen hat. And so kann man seine Werke als eine Art Heimatskunst ansprechen, die in überquellender Frische des Genies sich auswirkt: das Formen
Führer der Landwirtschaft haben in verschiedenen Entwürfen Vorschläge zur Behebung der Kreditnotlage gemacht. Die Rundfunkrede des Reichsernährungsministers zeigt, daß man auch an den verantwortlichen Stellen den Ernst der Lage erkannt hat. Man wird deshalb erwarten können, daß die für die gesamte deut che Landwirtschaft dringend notwendigen Maßnahmen baldigst getroffen werden. Und zwar müßten diese infolge des allgemeinen Charakters der Kreditnot das gesamte Reichsgebiet und alle Betriebsgrößen umfaßen, und so großzügig angelegt sein, daß sie nicht nur einen Tropfen auf den heißen Stein bedeuten. Sie sind auch unter dem Gesichtspunkt zu betrachten, daß sie über die Eigenschaft einer Augenblicksmahnahme hinaus d i e Grundlage der zukünftigen Kreditpolitik legen müssen.
Auf dem Gebiet der Handelspolitik ist in schwerem Cinzelkamps anläßlich der abgeschlossenen oder im Stadium der Verhandlung befindlichen Handelsvertragsverhandlungen im vergangenen Jahr zäh um landwirtschaftliche Positionen gerungen worden. Rur mit großer Mühe war es möglich, wenigstens den dringenden Bedürfnissen der Landwirtschaft Rechnung zu tragen. Insbesondere haben die Vorverhandlungen zu dem Handelsvertrag mit Polen der Landwirtschaft immer mehr Veranlassung gegeben, stets von neuem auf die schwere Gefahr hinzuweisen, die eine Preisgabe vor allem der Schweine- und Kartoffelforderung der deutschen Landwirtschaft bringen könnte.
Aber wenn es auch gelingt, diese drohenden Gefahren abzuwenden, so dürfte das im Sinne einer großzügigen aktiven Agrarpolitik noch nicht genügen. Die Grundlage einer solchen wäre die allgemeine Erkenntnis von der Bedeutung des landwirtschaftlichen Berufsstandes in unserer nationalen Wirtschaft überhaupt. Denn nur eine solche Grundmeinung könnte im parlamentarischen Staat der Gegenwart die auf dem Volkswillen fußende Regierung veranlassen, eine Agrarpolitik zu treiben, die nicht im Kampf mit den übrigen Wirtschaftsgruppen Einzelerfolge und Kompromißlösungen erzielt, sondern die im Zusammenwirken und im wohlverstandenen Interesse aller deutschen Wirtschaftskreise einschließlich der Ver- braucherschast das Ziel erstrebt, die deutsche Landwirtschaft sowohl zum Ernährer des gesamten Volkes aus deutschem Boden als auch zum besten Kunden von Industrie, Handel und Verkehr zu machen und damit die gesamte deutsche Wirtschaft zu kräftigen. Schon in kurzer Zeit wird sich bei den neuen Verhandlungen über das Zollgesetz zeigen müssen, ob der parlamentarische Staat in der Lage ist, derartige Rotwendigkeiten zu erkennen, odeb ob nacheinander hier und da unter Verzettelung der zur Verfügung stehenden Mittel nur die dringendsten Rotstände behoben werden sollen. Das gilt gleichermaßen für die Gebiete der Handels-, Kredit- und Steuerpolitik. Wenn die „Landwirtschaftlichen Rotwochen" in diesem Jahr über die in letzter Zeit aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Hannover und Pommern kommenden Rotschreie hinaus zu dieser agrarpolitischen Grund- stimmung in Volk und Staat durch sachliche Arbeit und ruhige oder ernste Aufklärung beitragen würden, so würden sie eine große Tat an Ihre bisherigen würdigen Arbeiten reihen.
Sicherheit gegen Abrüstung.
Der Vorsitzende des Sicherheitsausschusses des Völkerbundes B e n e s ch hat die drei Referenten auf Ende Januar zu einer gemeinsamen Besprechung nach Prag zusammengebeten, deren Zweck offiziell der ist, die drei verschiedenen Berichte zu einem gemeinsamen Hauptreferat zusammenzufassen, das dann Ende Februar dem Sicherheitsausschuß selbst vorgelegt werden soll, der dann wieder Anfang März schon vor der Ratstagung beraten könnte. Die Abrüstungskommission ist erst für die Zeit nach dem Rat auf Mitte MätH einberufen. Wir haben gegen die Verkoppelung dieser beiden Ausschüsse von
Anfang an Einspruch erhoben und bedauern auch heute noch, daß die deutsche Regierung sich bereit gefunden hat, in formeller Beziehung fo weit nachzugeben, daß zwischen der Sicher- heitssrage und der Abrüstungsfrage tatsächlich ein unlösbarer Zusammenhang besteht. der auch darin noch zum Ausdruck kommt, daß in beiden Ausschüssen fo ziemlich dieselben Leute fitzen: mit dem einen Unterschiede, daß Herr B e n e s ch im Sicherheitsausschuß präsidiert, während Herr Loudon die Leitung der Verhandlungen im Abrüstungsausschuß hat.
In beiden Kommissionen aber drängen dieselben Kräfte in der gleichen Richtung, die nun einmal für Deutschland nicht günstig ist. Denn die Abrüstung ist eine zwangsläufige Folge des Versailler Vertrages: da ist ausdrücklich ausgesprochen, daß Deutschlands Abrüstung nur eine Vorleistung fein soll, die automatisch dann von den übrigen europäischen Staaten nachgemacht werden mutz, während die ganze Sicherheit eigentlich nur eine französische Erfindung ist, dazu erdacht, der Abrüstung entgegenzuarbeiten und für Frankreich den Zwang, dein deutschen Beispiel zu folgen, in unbegrenzte Fernen hinauszuschieben.
Es bleibt abzuwarten, welche Suppe in Prag gekocht wird. Allzuviel Vertrauen, daß bei den Künsten des Herrn Benesch etwas für uns Schmackhaftes herauskommen könnte, haben wir nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht mebr. Um fo notwendiger ist es, daß die deutsche Politik rechtzeitig ihren Widerspruch anmeldet und nachdrücklichst darauf aufmerksam macht, daß sie in der Form zwar entgegenkommen konnte, in der Sache Dagegen niemals.
Der Sicherheitsausschuß hat sich über drei Fragen zu unterhalten: die Ausgestaltung der wichtigsten Paktartikel. Da können natürlich Fußangeln genug gelegt werden, die dank der liebenswürdigen Unterstützung des Herrn Paul-Boncour auf die Wiederbelebung des Genfer Protokolls hinauslaufen. England hat zwar dem Ausschuß eine Denkschrift eingereicht, die nach wie vor den Einspruch gegen die Wiederkehr des Genfer Protokolls aufrecht erhalt, aber das Entscheidende ist doch, datz nun einmal Deuts chland seine Karten aufdeckt. Soweit wir wissen, wird das auch beabsichtigt. Sobald der Houptbericht der Referenten vorliegt, wird Deutschland in einer aus» führlichen Denkschrift seine Auffassung verfechten und ein Minimalprogramm aufstellen, das dann im Februar dem Sicherheitsausschuß selbst Dcrliegt. Wobei hoffentlich ein für allemal den Versuchen ein Ende gemacht wird, die darauf hinauslaufen, den ganzen Sicher- heitsausschuß zu einer Sicherheit gegen die Abrüstung auszubauen.
Die endgültigen AufbringungSschlüffel zur Zndustriebelastung.
Rachdem nunmehr die Ergebnisse der Veranlagung zur Vermögenssteuer 1927 vorliegen, sind von dem Reichswirtschaftsminister und dem Reichsfinanzminister die Verteilungsschlüssel zur Aufbringung der Indust r i e b e l a st u n g für die Kalenderjahre 1926 bis 1928 endgültig festgesetzt worden. In den Jahren 1926 und 1927 waren bisher nur Vorauszahlungen zu leisten. Mit Rücksicht auf die veränderte Bemessungsgrundlage ist es möglich gewesen, die endgültigen Verteilungsschlüssel niedriger zu bemessen, als die vorläufigen, und zwar für 1926 auf 3,5 v. T. anstatt 3,75 v. T. und für 1927 auf 7,1 v. T. anstatt 7,5 v. T. deS aufbringungspflichtigen Betriebsvermögens. Zuviel gezahlte Beträge werden auf die Leistungen für 1928 angerechnet. Für das Jahr 1928, in dem erstmalig auch ein Tilgungsbetrag für die auf Grund des Industriebelastungsgesetzes ausgestellten Industrieobligaiionen aufzubringen ist, haben die aufbringungspflichtigen Betriebe 8,5 v. T. des Betriebsvermögens zu leisten. Der erste Teilbetrag ist am 5. März 1928 an die Finanzämter zu zahlen. ______________________
Aus Der provinzialhauptstadi.
Gießen, den 24. Januar 1928.
Die Arbeitsmarktlage im nördlichen Oberhessen.
In der Zeit vom 15. Dezember 1927 bis 15. Januar 1928 hat sich die Lage auf dem Arbcits- markte im nördlichen O b e r h e s j e n (Stadt und Kreis Gießen, sowie die Kreise 'Alsfeld, Lauterbach und Schotten) außerordentlLch stark oerschlechtert. Es handelt sich dabei allerdings um eine rein saifonmäßige Erscheinung. Infolge des starken Frostes mußten die Bauarbeitcn im ganzen Ärbeitsamtsoezirk eingestellt merben. daneben sind auch die Steinbruch, und Erdarbeiten völlig zum Erliegen gekommen. Die Holzhauer- arbeiten in den Wäldern tonnten jedoch ihren Fortgang nehmen. Die Landwirtschaft hat zur Zeit keinen, oder nur geringen Bedarf an Arbeitskräften. Die übrigen Wirtschaftszweige blieben mit ihren Betrieben stabil. Notstandsarbeiten wurden bisher in Lauterbach aufgenommen, es ist jedoch damit zu rechnen, daß weitere, schon beantragte Notstands, arbeiten vom Landesarbeitsamt genehmigt und bald in Gang kommen werden. Im einzelnen ist ziffernmäßig zu berichten:
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Gießen-Stadt: am 15. Januar: 292 Haupt- unterstützungsempfänger, 470 Zuschlagsempfänger (am 15. Dezember: 191 bzw. 311).
Kreis Gießen: am 15. Januar: 1009 Haupt- unterftüjsungsempfänger, 1185 Zuschlagsempfänger, (am 15. Dezember 266 bzw. 354).
Kreis Alsfeld: am 15. Januar: 191 Hauptunterstützungsempfänger, 318 Zuschlagsempfänger, (am 15. Dezember: 86 bzw. 144).
Kreis Lauterbach: am 15. Januar: 231 Hauptunterstützungsempfänger, 414 Zuschlagsempfänger, (am 15. Dezember: 89 bzw. 157).
Kreis Schotten: am 15. Januar: 130 Hauptunterstützungsempfänger, 225 Zuschlagsempfänger (am 15. Dezemher: 71 bzw. 123).
Insgesamt: am 15. Januar 1853 Haupt- unterstützungsempfänger, 2612 Zuschlagsempfänger; (am 15. Dezember: 703 bzw. 1089).
Krisenfürforge-Empfänger.
Gießen-Stadt: am 15. Januar: 131 Haupt- unterstützungsempsänger, 250 Zuschlagsempjänger (am 15. Dezember: 103 bzw. 185).
Kreis Gießen: am 15.Januar: 41 Haupt- unterstützungsempfänger, 69 Zuschlagsempfänger (am 15. Dezember: 20 bzw. 25).
Kreis Alsfeld: am 15. Januar: 17 Hauptunterstützungsempfänger, 21 Zuschlagsempfänger, (am 15. Dezember: 11 bzw. 17).
KreisLauterbach: am 15. Januar: 2 Haupt- Unterstützungsempfänger, 4 Zuschlagsempfänger (am 15. Dezember: 1 bzw. 0).
Kreis Schotten: am 15. Januar: 13 Haupt- Unterstützungsempfänger, 11 Zuschlagsempfänger, (am 15. Dezember: 5 bzw. 5).
Insgesamt: am 15. Januar: 204 Hauptunter- stützungsempfänger, 355 Zuschlagsempfänger, (am 15. Dezember: 140 bzw. 232).
Dom Zung-B. H. 6.
— Der 2 ung - V. H. C. hielt am Samstag und Sonntag in Friedberg seine Führer- t a g u n g 1927 ab, die recht gut besucht war und in offener Aussprache nutzbringende Arbeit leistete. Der Tagung ging eine Sitzung des Iirgend a u s s ch u s f e s voraus, in der hauptsächlich Fragen des „Vater-Bender- Heim s" auf der Herchenhainer Hohe besprochen wurden. Die eigentliche Tagung leitete der Obmann des Jung-V. H. C., Prof. Bender (Frankfurt a. M.) mit einem Rückblick auf das abgelaufene Jahr ein, der zeigte, daß wir zur Zeit auf keinem Höhepunkt der 2ung- D. H. C.-Dewegung stehen. Die Aussprache erörterte die Hemmungen, die sich vor allem infolge von Geld- und Zeitnot den Bestrebungen entgegenstellen, die ideale Opfer erfordern. Schulrat H a s s i n g e r (Darmstadt), der als Vertreter der Zentralstelle zur Förderung der Volks-
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der Klassik durch den Willen erhält hier sein Gegenstück durch die natürliche Aneinanderreihung in schlichter reslektionsloser Art, denn diese Werke sind aus starker innerer Stimmung durch eine angeborene Musizierfreudigkeit erstanden. Und darum wollen sie auch durch Hörfreudigkeit ersaßt sein. Man würde Schuberts Symphonren am stärksten Abbruch tun. wollte man ihnen ein reflektierendes Programm unterlegen oder sie in ihrer Organik zu zergliedern versuchen. Sie wollen hörend ausgenommen und genossen und erlebt sein, und verlangen darum vom Hörer bedingungslose Hingabe; dann werden sie sich ihm erschließen mit all ihrem romantischen Zauber und all ihren Reizen, so wie sich die Ratur uns draußen mit ihrem Zauber offenbart. Da werden scheinbare.Längen zur Quelle des Geniehens, da wird sich die Form in ihrer naturtjaften Gewachsenheit erschließen und ein Stück des alten Wien wird erstehen. Ein Wort Grillparzers mag das bekrästigen:
„Hast du das Land vvm Kahlenberge rings gesehen, „ so wirst du mich und meine Kunst verstehen." Als frühestes symphonisches Meisterwerk Schuberts ist die Symphonie in b-Moll an^u- sprechen, die er 1822 als 25jähriger schuf. Das Werk besteht nur aus zwei Sätzen, einem Allegro moderato und einem Andante con moto; einen dritten Sah, ein Scherzo, hatte Schubert be- goanen. Daher hat man ihm die Bezeichnung die „Unvollendete" gegeben. Die Ansichten darüber, ob diese Fertigstellung absichtlich unterblieben ist und Schubert sich an dem in sich geschlossenen Inhalt der beiden ersten Satze hat genügen lassen, gehen auseinander. Er hatte das Werk seinem Freunde Anselm Hüttenbrenner zu- gesandt, und der hütete das Manuskript, bis es im Jahre 1865 durch den Wiener Hoskapell- meister 2oh. H e r b e ck in der Bibliothek Hütten- brenners entdeckt wurde und bald darauf feine Ausführung erlebte. Allerdings oerftanb die damalige Zeit noch nicht den Wert dieses einzigartigen Werkes zu ermessen mit seiner Abgeklärtheit und Weltentrücktheit. Wir Heutigen dagegen sehen in ihm einen ständig wiederkehrenden festen Bestandteil unserer Shmphon.eMnzrrte, eine der herrlichsten Oifenbatungen musikalischen Geiste-.
Sechs 2ahre später, also im letzten Lebensjahre des Meisters hören wir von der großen L - Dur- Sy m p h o n i e, die Schubert der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien eingereicht hatte, die aber
als zu schwer und schwulstig abgelehnt worden war. So verblieb dieses Werk in den Händen» von Schuberts Bruder Ferdinand. Als zehn 2ahre später Robert Schumann Wien besuchte, wanderte er hinaus zum Währinger Kirchhof und fand Franz Schuberts Ruhestätte unaefchmückt. Aus dem Rückwege faßte er den Entschluß, Schuberts Bruder Ferdinand aufzusuchen. Bei ihm sieht er bann unter den nachgelassenen Partituren die der L-Dur-Symphonie und veranlaßt die Direktion der Gewandhauskonzerte in Leipzig, sich dieses Werkes anzunehmen, und am 22. März 1839 brachte es Felix Mendelssohn zum erstenmal zum Erllingen. Begeistert spricht sich Schumann in der „Reuen-Zeitschrift für Musik' für die Symphonie aus und erkennt sogleich als ihre Wesenseigentümlichkeit die Ber- wachsenheit mit der Wiener Umgebung. „Bei der Symphonie von Schubert, im Hellen blühenden romantischen Leben darin, taucht mir heute die Stadt deutlicher als je auf, wird es mir wieder recht klar, wie gerade in dieser Umgebung solche Werke geboren werden können. Hier ist außer meisterlicher musikalischer Technik der Komposition luxt) Leben in allen Fasern, Kolorit bis in die feinste Abstufung, Bedeutung überall, schärfster Ausdruck des Einzelnen, und über das Ganze endlich eine Romantik ausgegossen, wie man sie schon anderswoher an Franz Schubert kennt. Und diese himmlische Länge der Symphonie, wie ein dicker Roman in vier Bänden etwa von 2ean Paul, der auch niemals enden kann, und aus den besten Gründen zwar, um auch den Leser hinterher nachschaffen zu lassen. Wie erlabt dies, dies Gefühl von Reichtum überall, während man bei andern immer das Ende fürchten muß und so oft betrübt wird, getäuscht zu werden. 2m Anfänge wird wohl das Glänzende, Reue der 2nstrumentation, die Weite und Breite der Form, der reizende Wechel des Gefühlslebens, die ganze neue Welt, in die wir versetzt werden, den und jenen verwirren, wie ja jeder erste Anblick von Ungewohntem; aber auch dann bleibt noch immer das holde Gefühl, etwa wie nach einem öorübergegangenen Märchen- und Zauberspiel. Man fühlt überall, der Komponist wan seiner Geschickte Meister." Und nicht tre s en der kann der Eindruck dieser großen Symphonie wiedergegeben werden, als mit den Worten Hans v. B ü l o w s nach der Au sührung die'eS Wertes: „Man hatte in ewigen Räumen einer zeitlosen Welt geweilt." Dr. H.


