evangelisch: Partei halte daher an ihrer bor- jährigen Entschließung fest, wonach sie die in den südwestdeutschen Ländern vorhandene christliche Simultanschule (mit Out» h?ihung der evangelischen Kircheirregierungen dieser Länder) durch Landesgesetz festgelegt Haden möchte, wobei sie in der gegenwärtigen Zeit ober auch Verständnis habe für die Forderung des Reichselternbundes: die evangelische Schule den evangelischen Kindern!
Das grundlegendste Referat der ganzen Tagung bot Lic. Dr. Römer (Leipzig), der über „Evangelische Partei und Jahrhundert der Kirche" sprach. Er bezeichnete die Evangelische Partei als eine Bereitschaftspartei, die ein Gegengewicht bilden solle gegenüber dem Zentrum. Er kam int Zusammenhang damit auf die österreichische Anschlußfrage zu sprechen, deren Lösung er wünscht. Die durch den Anschluß Oesterreichs an das Reich vielfach befürchtete weitere Stärkung des Zentrums würde parallelisiert durch eine evangelische Partei.
Rach Besuch des Dormittagsgottesdienstes in der Dankeskirche nahmen am Sonntag die Ver- handlrmgen und Vorträge ihren Fortgang.
Die üonkordakrfrage
behandelte Pfarrer Hamburger (Staden).Der Redner gab zunächst einen geschichtlichen lieber- blick über die Entwicklung der Konkordatsfrage vom Rapoleonskonkordat 1801 bis zu dem neuen bayrischen Konkordat 1925 und dem Entwurf des Preußenkonkordats. Die Konkordatsfrage sei eine deutsche Frage, weil sie in verschiedener Be- ziehung (Schulwesen. Schaffung neuer Bischofssitze, Bischofsernennung) ht das Reichs- bzw. Landesrecht eingreife. Das Konkordat bringe eine Bekämpfung des evangelischen Volks teils in Deutschland. Der Redner forderte zu politischer Sammlung der Evangelischen gegen die Konkor- datsbestreöungen auf.
Das Referat des Pfarrers Deutsch (Leutershausen), des Präsidenten des evangelischen Volksbundes in Baden, über „Das Gebot der Stunde" forderte ebenfalls den Zusammeir- schluß aller Evangelischen zur Evangelischen Dvlksgeme inschaft.
„Die Evangelische Volksgemeinschaft in der Kritik" besprach Pfarrer Weidner im Schlußreferat, das in großen Zügen das Ergebnis der Tagung zusammenfaßte. Der Redner verbreitete sich eingehend über Recht und Ziel der evangelischen Partei.
Pfarrer Weidner schloß die arbeitsreiche Tagung mit einem Hoch auf den verehrten Reichspräsidenten von Hindenburg und auf das deutsche Vaterland. Stehend sang die gut besuchte Versammlung das Deutschlandlied. Einstimmig angenommen wurden folgende
Entschließungen:
1. »Die Evangelische Vollspartei ist auf chrer 4. Reichstagung nach einem Referat des Schriftführers der »Evangelischen Warte" sich darüber klar geworden, welche politischen und konfessionellen Schädigungen ein Konkordat mit Preußen für dos ganze Reich zur Folge haben kann. Rus der ganzen Lage, die das in aller Heimlichkeit zwischen dem preußischen Kultusministerium und dem päpstlichen Auntius in Berlin vorbereitete Konkordat geschaffen hat, geht mit Deutlichkeit hervor, wie notwendig der geeinte politische Zusammenschluß des gesamten deutschen Protestantismus ist."
2. „Die 4. Reichstagung der evangelischen Volksgemeinschaft richtet an die Reichs reg ierung die dringende Bitte, kein Mittel unversucht zu lassen, daß der Konflikt in der Eisenindustrie möglichst rasch beigelegt werde."
. 3. „Die Vertreterversammlung der E. V. protestiert dagegen, daß von feiten evangelischer Verbände, hinter denen nur ein Teil des Volkes an Mitgliedern steht, gegen eine politische Partei weiterhin angekämpft wird. Nachdem im letzten Wahlkampf über 50 000 Stimmen für die E. P. abgegeben und nachdem in Landtag und Stadtparlament die ev. Parteien eingezvgen sind, muß ein weiteres Einmischen der Verbände in die Politik als ein Verstoß gegen ihren Grundsatz der Parität angesehen werden, abgeseheit davon, daß die erneute Verknüpfung des Evangeliums mit den Bürgerlichen, wie es fälschlich geschieht, nämlich durch das Streuungsverfahren, der Idee der Vollssache selbst den größten Schaden bringt. Trotz der Einmischung der Verbände in die Polittk gegen unsere Partei ersuchen wir unsere Wähler, zurzeit von einem Austritt aus den Betreffenden Organisationen noch Abstand zu nehmen."
Lache !
Roman von 3* Echneider-Foerstl.
Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.
3. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„In gewissem Sinne doch!"
„Papa, ich werde dir in jeder Weise Ehre zu machen suchen!"
„Ehre zu machen suchen!" Die Schultern des Bankiers hoben sich geringschätzig. „Hast du dich schon um irgendeine Stellung beworben? Oder wurde dir bereits eine angeboten?"
„Das nicht! Ich dachte, es habe keine Eile!"
„Gut! Run hat es aber Eile, das heißt, ich will es eilig machen, um dir großem Dickkopf zu beweisen, daß es zur Zeit fast unmöglich ist. irgendwo unterzükommeu, auch mit bestbestan- benem E-amen und deinem Doktor nicht. Das Ausland kommt nicht in Betracht. Die Mama und ich haben dich lange genug entbehrt, das wirst du ernsehen. Sonst steht dir alles offen, unter einer Bedingung: Du laßt alle deine und unsere Freunde aus dem Spiel, ich will nicht, daß es womöglich heißt, du wärest irgendwo genommen worden — nun ja — eben well du Der Sohn des Bankiers Hettingen bist. Du berufst dich lediglich auf deine Kenntnisse allein. Den Freiherrn kannst du weglassen und dich ganz einfach Doktor Hettingen unterzeichnen. Hast du dann innerhalb sechs Wochen einen Posten, der dir zusagt, steht es dir frei, zu gehen — wenn nicht, trittst du hier ins Geschäft."
„Ja. Papa." Joachims Hände drückten die des Vaters.
„Von heute ab über sechs Wochen."
„Ja! — In der Zwischenzeit kannst du dich ja von Direktor Warner etwas in die Geschäfte einweihen lassen — ohne jegliche Verpflichtung deinerseits."
„Ich baute dir, Papa!"
Ein kaum merkliches Lächeln umspielte den Mund des Bankiers, als er seinem Sohne die
4. „Die zur Reichstagung in Dad-Rauheim versammelten evangelischen Männer und Frauen aller ©tänbe sind überzeugt, bah nur durch die Grundsätze und Lebenskräfte des Evangeliums unserem Volk innerlich und äußerlich geholfen werden kann, nur dadurch die großen innen- und außenpolitischen Aufgaben in unserem Vaterland gelöst werden können. In dieser Lieberzeugung erblickt die Versammlung für den evangelischen Christen die sittliche Pflicht, sich weit mehr als bisher um das öffentliche Leben zu kümmern, sich einer großen Verantwortung im Staatsleben bewußt zu werden. Rach den Erfahrungen, die das deutsche evangelische Volk in den letzten zehn Jahren im neuen Deutschland wiederholt gemacht hat, kann nicht mehr erwartet werden, daß die alten Parteien für die gefährdeten Interessen des deutschen Protestantismus entschieden eintreten: auch eine Lösung der sozialen Probleme unserer Zeit ist von diesen nicht zu erhoffen. Rur durch eine große geschlossene Front der evangelischen Ehristen, durch den politischen Zusammenschluß aller evangelischen Volksgenossen zur Evangelischen Volksgemeinschaft kann die Fackel des Evangeliums in das öffentliche Leben hineingeworfen werden. Darum rufen wir unsere evangelischen Brüder und Schwestern in Stadt und Land auf, sich der E. D. anzuschließen, damit die E. V. ein wirksamer Faktor im öffentlichen Leben wird und dadurch ein gut Teil zur Gesundung unseres Volkes beitragen wird."
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
X Wieseck, 21. Hob. Am Sonntag fand hier durch den Superiittendenten von Oberhessen, Ober* kirchenrat Wagner, die diesjährige Kirchen- visilation statt. Cs waren an diesem Tage gerade zehn Jahre her, daß der beseitige Orts- Pfarrer durch Dekan Guhmann in sein Amt eingeführt worden war. Rach der Predigt von Pfarrer Sattler über Psälm 37, 5: „ilnfer Wunsch am Visitationstag: Wachstum im lutherischen Gottvrrirauen" zeigte der Visitator mit einem Rückblick auf die Bedeutung dieser zehn Jahre für unser Voll, die Gemeinde und ihren Pfarrer, wie notwendig auch heute noch die Ditte der Jünger an ihren Meister fei: SM. 17,5: „Stärke uns den Glauben". Eine Christenlehre fügte sich in den Gottesdienst ein, an den sich eine Besprechung mit der Kirchengemeindevertretung anschloß. Der Superintendent gab dabei seiner Freude Ausdruck über die trefflich gelungene Wiederherstellung der Kirche im Jahre 1925; die schönste Zierde einer Kirche sei und bleibe aber eine zahlreiche Gemeinde. Zn dem wiederholt geäußerten Willen der kirchlichen örtlichen Körperschaften, bei der Auseinandersetzung mit der politischen Gemeinde einen neuen Rechtsstreit nach Möglichkeit zu vermeiden, sagte er die Unterstützung der obersten Kirchenbehörde zu; einig war man sich darüber, daß die Klärung bald erfolgen müsse, solle nicht das ganze Gemeindeleben weiter Schaden leiden. Zur Sprache kam noch die Frage der Benutzung der K irchen glvcken. Rach einer Bekanntmachung des LandeLkirchen- amts vom 15. September 1925 ist das Deerdi- gungsgeläute grundsätzlich solchen Personen versagt, die bei ihrem Tode aus der Evangelischen , Kirche ausgetreten waren, also auch Angehörigen von Sekten. Ein erfreuliches Bild bot beim Iugendgvttesdienst am Rachmfttag die Schar von 300 Kindern, die in einer vom Orts- geistlichen begonnenen und vom Visitator fortgesetzten Katechese über das Evangelium vom guten Hirten antiDortete und eine Anzahl von Liedern anstimmte. In der anschließenden Sitzung mit dem Kirchenvorstand brachte der Superintendent für die Gegenwart unserer Gemeinde sehr interessante und zur Erklärung heutiger Verhältnisse wichtige Aeußerungen von älteren Pfarrberichten anläßlich von Visitationen; u. a. wurde dabei die hier wieder allzu stark in den Hintergrund gedrängte Frage der Krieger- ehrung für die Opfer des Weltkrieges besprochen. Am Montag besuchte der Superintendent acht von unseren zehn Schulklassen; in zweien wird wegen des erst kürzlich stattgehabten Lehrerwechsels der Besuch erst im Februar ftattfinden.
* Collar, 22. Rov. Der Arbeiter- Gesangverein „Vorwärts", der durch seine vorzüglichen Leistungen im Gesang weit über die örtlichen Grenzen hinaus einen guten Ruf genießt, bot unter Leitung seines Chormeisters Hch. Meyer (Wieseck) am Sonntag
breite Glastüre öffnete, welche zum Arbeitszimmer des ersten Direktors führte.
Für eine Sekunde suchten die Augen des Beamten in denen des Chefs. Dann wußte er Bescheid.
Als Joachim sich umsah, hatte der Vater das Zimmer bereits wieder verlassen.
*
„Degeubacher Straße 6. gnä Herr! - - Jawohl I Drei Schilling fünfzig! Der Herr Baron kriegn zwanzig retour!' Der grauhaarige Kutscher riß seinen verwaschenen Zylinder herab, als Hettingen, ohne auf ihn zu hören, durch das Tor der großen Mietskaserne trat, welche die Rümmer 178 auf schwarzem, halbzerschlagenem Schilde trug.
Dann hing er die Zügel eckig an einen Pfosten des wackeligen Gartenzaunes und lief ihm nach. „Soll ich wartn auf den Herrn Baron? — Soll ich wiederiommen? — Wie Euer Gnadn befehln! In einer Stund vielleicht? — Ich werd da fein! Euer Gnadn können sich verlassen!"
„Cs könnte aber auch sein, daß Sie umsonst warten, mein Lieber." Hettingen sah nachdenklich die häßlich graue Mauer des Hauses entlang.
„Dann is mir auch net leid, Herr Baron! — Ich wart also!"
Joachim nickte mit einem abwesenden Zug im Gesichte, ©ein Blick hing an den verstaubten Fenstern im Erdgeschoß, hinter deren halboffenen Flügeln sich nicht ganz einwandfreie Vorhänge im Abendwinde schauketten. „Wein, Bier, Kaffee, Seel“ las er. Ein Geruch von Zigarren und Zigaretten mittelster Sorten drang ins Freie!
Herrgott, wie ihn eiette! Aber es muhte sein! „Einen Kognak! bitte." Er trat an den schmutzigen Schanktisch und ließ sich ein Glas reichen. „Roch einen!" dltit Todesverachtung stürzte er die schwefelgelbe Flüssigkeit hinunter
Wie das brannte! Wie Feuer! — Run noch zwei Schoppen Heurigen darauf! „Hub ehre Virginia, bitte!“
Als er aus der Türe trat, die in den Flur führte, wankte er. Auf jedem Absatz verrastend. tastete er sich zum dritten Stock hinauf. Die Wände sowie das Treppengeländer waren abgenützt und fcojx Kinderhänden verkritzelt. Die
nachmittag einem zahlreich erschienenen Publikum ein außer lesenes Konzertprogramm. Zeugte schon die Aufstellung der Vortragsfolge von sehr gutem Geschmack, so wurde man durch die Aufführung selbst ebenfalls nicht enttäuscht. Vorweg sei lobend anerkannt, daß die Organisation dieses Konzertes in besten Händen lag. Der Verein hatte zum vollkommenen Gelingen seines Konzerts sich ein erstklassiges Orchester verpflichtet und die Mitwirkung von Frl. Gisela Wanner aus Gießen sich gesichert. Im ersten Teil der Vortragsfolge wurden Chöre von Ath- mann, Schubert, Weber, Silcher usw. vorgetragen, während der zweite Teil ausschließlich dem Gedächtnis Franz Schuberts gewidmet war. Die gesanglichen Leistungen standen auf hoher Stufe. Besonders sind die gemischten Chore lobend hervorzuheben. „Rosamunde" und „Empor zum Licht", mit Orchesterbegleitung von rund 170 Mitwirkenden zu Gehör gebracht, waren ein besonderer Kunstgenuß, der auch durch den starken Beifall die verdiente volle Würdigung sand. Frl. Gisela Wanner gefiel besonders im Solo in „Rosamunde", ebenso kam ihre stimmliche Begabung im Parla-Walzer hervorragend zur Geltung. Das Publikum kam vollkommen auf seine Rechnung. Es wäre zu wünschen, daß der Verein den bis jetzt beschrittenen Weg wettergeht.
T Treis a. d. Lda., 22. Rov. Dieser Tage hielt der Kriegerverein „Germania" seine gut besuchte Vierteljahrsversammlung bet Kamerad Gastwirt Decker ab. Rach Begrüßung durch den Vorsitzenden, Kam. Förster Bing, erstattete der Schriftführer, Kam. Lehrer Walter. die Abrechnung über das Preisschießen, das mtt einem kleinen äleberschuß zugunsten der VereinSkasse abschlotz. Sodann wurden zwei neue Mitglieder auf genommen. Der Besuch des diesjährigen Bezirksfestes wurde für alle Mitglieder obligatorisch gemacht unb soll als gemeinsamer Ausflug gelten. Außerdem soll im Februar näch- sten Jahres ein Familienabend stattfinden, an dem em Lichtbildervortrag durch einen Redner der „Hasfta" gehallen werden soll.
K Reinhardshain, 22. Rov. Bei der Reuwahl des Kirchen Vorstandes wurden die Mitglieder des seitherigen Kirchenvorstandes wiedergewähtt. Ein Mitglied, Herr Kornmann, hatte gebeten, wegen seines Alters und leidenden Zustandes von seiner Wiederwahl abzusehen. An seine Stelle wurde Heinrich Sehrt I. neugewählt. Herr Kornmann gehörte dem Kirchenvorstand seit einem Menschenalter an und hat in schwierigen Verhältnissen immer treu zur Kirche gestanden, so daß wir ihn ungern ausscheiden sehen. Der neue Kirchenvorstand besteht aus: Bürgermeister Gieß, Karl Hartmann, Heinrich Albohn, Friedrich Grün, Wilhelm Seip und dem neugewählten Beigeordneten Sehrt.
:—: Beuern, 22. Rov. Untere seitherige Krankenschwester Marie Friedberg verließ gestern unser Dors, um in Gießen ihren Wohnsitz zu nehmen Schwester Marie steht nun 42 Jahre tm Dien st e der Barmherzigkeit. Seit 28 Jahren war sie als Ge- memdekrankenschwester in unserer Gemeinde tätig. Durch ihre stille, segensreiche Tätigkeit bei der Pflege unserer Kranken, durch ihre großen Kenntnisse auf diesem Gebiete, sowie durch ihre sichere Hand in der Behandlung der Kranken hat sie sich viel Liebe und Sympathie erworben. Vor drei Jahren konnte sie hier ihr 25jähriges Dienstjubiläum feiern, wobei sie von der dankbaren Gemeinde durch Heberreichung eines schönen Ruhesessels geehrt wurde. Infolge einer Verschlimmerung ihres Leidens, das sie sich bei ihrer aufreibenden Tätigkeit, Rachtwachen usw., zuge- zogen hatte, trat sie am 1. Januar 1927 in Den wohlverdienten Ruhestand, was die treue Pflegerin aber nicht hinderte, ihre Kranken, soweit es ihr Gesundheitszustand erlaubte, weiter zu besuchen und zu pflogen. Ungern sieht die Gemeinde diese treue Schwester scheiden. Möge sie in ihrem neuen Heim Ruhe und Erholung, sowie völlige Gesundung für ihren Lebensabend finden!
* " Harbach, 22. Rov. Der hiesige Gesangverein „Germania" begeht am 8., 9. und 10. Juni 1929 die Feier seines 35jährigen Bestehens. In Verbindung damit wird das Bundesfest des Volkssängerbundes ,C h a 11 i a“ gefeiert Da schon seit langer Zeit in unserem Dorfe keine größere Veranstaltung begangen wurde, wird man bestrebt sein, das Sängerfest in bester Weise zu gestalten.
* A Ibach, 22. Rov. Der Gesangverein „Eintracht" beging am Samstagabend im vollbesetzten Saale des Gastwirts Dauer die Feier der 25jährigen Di r i gen ten tä t i g fe it des Vereinschor meisters Heinrich
Stufen mochten früher einmal gestrichen gewesen fein, jetzt sah das nackte Holz heraus, und man mußte Vorsicht walten lassen, nicht zu stürzen, so sehr waren sie ausgetreten.
Ein großes weißes Emailleschild leuchtete Hettingen entgegen.
Dr. med. Hans Feßmann.
Er holte einen Moment tief Atem und drückte bann auf den Knops der Klingel, welche in die Mauer eingefügt war.
Ein leichter, rascher Schritt kam von brinnen gegen die Türe. Im Halbdänuner des Flures, der sich auftat, stand eine schlankgliedrige Dame und bat ihn, einzutreten. Sie öffnete mit einer gewinnenden Geste die gegenüberliegende Allodentüre und verschwand wieder.
Hettingen hatte Zett, sich umzusehen. — Wie armselig einfach war hier alles: die kahlen weihen Wände, die gestopften Vorhänge, die braun- gestrichenen Stühle, deren Rohrgeflecht teilweise schon defekt war.
_ Er trat an das offene Fenster, das nach dem Hof führte, und neigte sich etwas heraus. Verbrauchte Luft ftieg empor, Wäsche zweifelhafter Art blähte sich unten über dem holprigen Pflaster. Hier wohnen müssens — Schrecklich!
Hinter chm hatte sich eine Türe geöffnet Verblüfft blieb der Doktor um Rahmen derselben stehen. „Guten Wend, Joachim! — Verzech, weirn ich dich warten lieh! Aber es wurde mir ein Pattent gemeldet. Das ist nun wohl ein Irrtum. — Sei so gut und komm mtt mir herüber in meine Wohnstube."
„Es ist kein Irrtum, Hans!" Jettingen legte feine Virginia in den Tonaschenbecher, der auf dem Tische stand, und tupfte sich über die Stirne. „Ich hab'S seit einigen Tagen mit dem Herzen zu tun. — Kaum, daß ich die drei Stiegen zu dir herauf noch machen konnte. — Schwindel, weißt du — und — ein bißchen Ekel dabei — und — und. . . ülan, du taraift dir das ja selber denken, Hans!" Er errötete dunkel, als der Doktor ihm dabei so zwingend in die Augen sah. „Ra — und dachte ich, es ist doch besser, ich vertraue mich dir an, als dem nächstbesten Fremden."
Rikvlai von Grotzen-Duseck an bet Spitze des Vereins. Der Dereinspräsidrnt Karl Schäfer III. würdigte in einer Ansprache dieses Dereinsjubiläum des Chormeisters und überreichte ihm als äußeres Zeichen der Dankbarkeit seiner Albacher Sänger ein Ehrengeschenk. Chor- meister Rikvlai verknüpfte mit seinem Dank an den Verein die ©rmalnuing an die Sänger, stets mit regem Eifer das deuffchr Lied zu pflegen und den Verein allezeit zu unterstützen. Bei Desang und froher Geselligkeit verlebte man einige schöne Stunden. Der zu Gast weilende Gesangverein „Germania", Burthardsfelden, trug jur Verschönerung des Abends bei.
)( Großen-Linden, 22. Nov. Die Pächter der hiesigen Gemeindejagd, Frankfurter Herren, veranstalteten gestern hier mit 35 Schützen eine Treibjagd. Die Strecke betrug ein Reh und 45 Hasen.
0 ©rüningen, 22. Rov. Bei der hiesigLN Gemeinde-Treibjagd wurden von 24 Jägern und 14 Treibern 82 Hasen zur Strecke gebracht.
Lich, 22. Rov. Am Dienstagnachmittag wurde einer der ältesten Männer unserer Stadt zu Grabe getragen. Es war der Landwirt Heinrich Zimmer VIII., drr im hohen Aller von 87 Jahren verstorben war.' Der Turnverein 1860 Lich ließ durch seinen Sprecher dem Verstorbenen, als dem älteften Mitglied und einstigen Mitbegründer des Vereins, unter ehrenden Worten einen Kranz niederlegen.
U Ronnenroth, 22. Rov. Dieser Tage wurden die Gemeindegrundstücke erneut auf sechs Jahre verpachtet. Es wurden ganz außergewöhnlich hohe Preise erzielt, so daß man sich fragt, wie ein Landwirt bei 70 Wk. Pacht bro Morgen noch etwas erübrigen will. Bei einer anderen Verpachtung einige Wochen vorher wurden noch höhere Preise, zum Teil über 100 Mark für den Morgen (2500 Quadratmeter), gelöst.
Kreis Friedberg.
WSR. Friedberg, 22. Rop. Der hiesige Musikverein (Oratorier.Derem), gegründet von Dr. Karl Koehler (später Oberkonsistorialrat in Darmstadt und Franz Schmidt (später Musikdirektor), feiert Ende Rovember fein 60jähri- ges Bestehen. 37 Jahre lang besah Der Verein in Kommerzienrat Trapp einen idealen Führer. Heber die Vereinsgeschichte von 1868 bis 1928 orientiert die Festschrift von Professor Dr. Karl Schmidt. Von den ersten aktiven Mitgliedern des Vereins leben in Friedberg nur noch zwei Damen, Frau Elise Bindernagel und Frau Lina Schmidt (Witwe des Musik- direktors). Beide sind seit langen Jahren Ehren- mi'-'Iieber des Vereins.
Pb. Butzbach, 22. Rov. Jetzt sand hier die Wahl des evangelischen Kirchenvor- standes statt, Der zugleich auch Vorstand dcS Kug el ha u s f on ds ist. Es wurden gewählt: Fabrikant Tröster, Obersterrerinsvektor Metzger. Ole t tgr.<e r tlr K a s Cb?rba5nm i er Kass- bom, Oberwachtmeister Daupert, Schuh,na cher- meister Schütz, Bürgermeister Dr. Jansen, Kaufmann Wilh. Habermann, Beigeordneter Rudolf Ploch und Kaufmann Georg Becker. Die vier ßefctgenannten wurden an Stelle von verstorbenen bzw. ausgeschiedenen Mitgliedern gewählt. Seit langen Jahren sind nunmehr auch wieder drei Mitglieder der Stadtverwaltung tm Kircheu- bzw. Kugelhausvorstand vertreten, wovon ein ersprießliches Zusammenarbeiten zwischen Stadt und Kugelhausfonds fftt beide Teile erhofft Wird.
* G riedel, 22. Rov. Der Krieger verein Griedel beabsichtigt, am 7. Juli 1929 ein Bezirks fest abzuhallen.
Kreis Büdingen.
A Ridda, 22. Rov. Bei dem nun beendeten Geflügel- und Ehrenpreisfchießen, das die hiesige Schützengesellschaft an den zwei jüngsten Sonntagen auf ihrem Schützenstand abhielt, errangen die Drei ersten Preise auf Gans: Kaufmann Pfeiffer (155 Ringe), Bahmneister Struck (150 Ringe) und Iustizinspektor Baer (144 Ringe). Die folgenden Drei Preise auf Ente erhielten: Gastwirt Stahlhofen (143 Ringe), Apotheker Schuster (142 Ringe) und Vernressungs- oberinspektor Spamer (132 Ringe). Die (Sieger sind sämtlich von RidDa. Von auswärttgen Schützen schoß Stembruchbe itzer Ricke! aus Ober* Widdersheim eine Ehrenscheibe.
r RidDa, 22. Rov. In Der „Treppe" sand hier eine Dirigentenversammlung des Sängerbundes „Mittleres Rid data l" statt, zu der sämtliche Ge angsleiter der
So, nun war's gesagt! — Jetzt kam es nur noch darauf an, daß Hans ihm nicht hinter den Schwindel kam. Vielleicht Ware es besser gewesen, wenn er noch einige Glaser Kognak mehr getrunken hätte. Liber es war nicht mehr gegangen. Wirklich nicht mehr. Der Ekel würgte ihn noch immer.
Wie mißtrauisch Fehmanns Blick an feinem Gesichte hing. Er würde doch dieses Zeug nicht alles umsonst geschluckt haben! Zu toll wäre das!
„Dann komm also, bitte, mit mir herüber," sagte der Doktor und ließ ihm Den Vortritt zu seinem Ordinattonszimmer. „Setz dich mal zuerst hier in den Stuhl. Es scheint wirklich nicht alles in Ordnung -u sein. Du bist ganz gelblich im Gesichte."
„Richt wahr?" entfuhr es Hettingen.
„Diel getnnrfen in der letzten Zeit?"
„Richt übermäßig!“
Einen Augenblick zögerte Feßmann, dann sagte er ernst und eindringlich. „Du mußt jetzt denken, es wäre ein völlig fremder Arz^ zu Dem du kamst. Sin völlig fremdet! — llrth als solcher muh ich Dir gestehen: Du riechst nach Schnaps!"
Hetttngen biß die Lippen aufeinander. „Das weiß ich selber!"
„Ich bitte dich mein Aller, sei nur um Gottes willen nicht gekrankt. Es ist meine Pflicht als Freund, dir das zu sagen." Fehmmm legte ihm begütigend die Hand auf die Schuller. „Auf diese Weise untergräbst Du Deine Gesundheit und das mit deinem Herzen kann ich mir rum ganz gut zusammenreimen. — Wenn du vielleicht so gut sein mochtest, dich etwas auszukleiden?"
„Muß das sein?"
„3ar
Der Doktor half ihm Rock und Weste oblegen und das Hemd bis an die Mitte herabstreifen. Auf merksam horchte er nach dem Schlage, der durch Die muskulöse Brust des Freundes an sein Ohr drang. Wre herrlich dieser Mensch gebaut war! Unb wie die Lunge funktionierte. Gleich dem Geblase einer mächttgen Orgel.
(Fortsetzung folgt) " ’


