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mehr gestellt werden. In wichtigen Defchäfti- gungszweigen sei die DeschästigungSmöglichkeit schon jetzt empfindlich zurückgegan- gen. Auch in der Metallindustrie steige die Zahl der Arbeitslosen an. Schon feil 3uni d. 3. seien die Zahlen der Arbeitsuchenden höher als im Vorjahre. Ende September seien bei den Arbeit-« nachweißen rund 1 157 000 Arbeitsuchende gegen rund 867 000 im gleichen Zeitpunkt des Jahres 1927 verfügbar gewesen. Das Gesetz soll am 2. Dezember 1928 in Kraft treten, damit sich die neue Regelung schon für den bevorstehenden Winter auswirken kann.

War die Erhöhung der Posttarife notwendig?

Das Gutachten des Reichssparkommissars über die Finauzgebarung der Reichspost.

Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers-,

Derlen, 23. Rov. Die Behauptung verschie­dener eingeweihter politischer Kreise, daß die Finanzgebarung der Reichs Post einer scharfen Kritik bedürfe und daß sich heute die Tarif­erhöhung vom Herbst 1927 zumindest als eine allzu große Steigerung der Gebüh­ren erwiesen habe, schÄnt jetzt von zuständiger Stelle ihre Bestätigung zu erhalten. Wie wir hören, steht das Gutachten des Reichs- sparkommissars über alle Fragen der Ge­schäftsführung und des Geschäftserfvlges der Reichs post es handelt sich tatsächlich um mehrere Einzelgutachten vor seiner Voll­endung. Aber schon jetzt soll sich aus dem vor­liegenden Material ergeben, daß die Reichspost bei einer vorsichtigen Finanzwirt- schaft auch ohne die große Tarif­erhöhung vom 3ahr 1927 heute ihren Etat balancieren konnte. Allerdin^ hatte dann die Reichspost, wie schon mehrfach verlangt wor­den ist, sowohl eine etwas zurückhaltendere Dau- und Erneuerungspvlitik treiben muffen, die von sachkundiger Seite auch als praktisch durchführ­bar bezeichnet wird. Weiterhin dürfte sich das Gutachten, das der Reichssvarkommissar unter eigener Verantwortung fertigstellt, mit den Fra­gen der Beamtenpolitik und der sehr hohen Abschreibungen der Reichspost kri­tisch beschäftigen. Auf die Bekanntgabe des Gut­achtens darf man unter diesen Umständen mit Recht gespannt sein. Zurzeit finden noch Ver­handlungen zwischen dem Sparkommissariat und der Reichspost über die endgültige Festlegung des Textes statt. Es ist dringend zu wünschen, daß hier nicht im letzten Augenblick noch ein politischer Druck ausgeübt wird, der die sach­lichen Feststellungen des Gutachtens ihrer Klar­heit besonders in Hinsicht auf ihre Kritik an der Tariferhöhung, die bekanntlich seinerzeit schon heftig bekämpft wurde, beraubt. Die endgültige Fertigstellung soll dann noch in der ersten Hälfte des Dezember erfolgen.

Das hessische Kirchensteuergeseh.

Darmstadr, 21. Rov. Der Gesetzgebunzs- ausschuh des Hessischen Landtage- begann mit der Beratung de- neuen Kirchensteuergesetzes. Ein allgemeiner Antrag des kommunistischen Ab­geordneten Hammann, der di« Trennung von Kirche und Staat und di« Zurück­ziehung de- vorliegenden Gesetzentwurfes for­dert, wurde abgelehnt. Angenommen wurde da­gegen ein Antrag Kaul (Soz.), in dem die Re­gierung aufgefordert wird, dem Landtag un­verzüglich eine Vorlage zu unterbreiten, in der di« finanzielle Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirchen be^lndell wird. Die Regierung erklärte, daß zwar einige Gutachten in dieser Frage vorlägen, daß aber das Obergutachten der juristischen Fakultät der Umt>etfüät Gießen noch nicht zur Hand sei. Die Regierung werde jedoch den Gesetzentwurf möglichst umgehend fertigstellen.

3n der Elnzelberatung wurden die Artikel 1 bis 5 der Regierungsvorlage angenommen.

Bei Artikel 6, der vorffeht, daß mehrere Kir­chengemeinden mit Genehmigung des Kultus­ministeriums eine besondere Umlage er­heben können, wurden ein Bauernbund-Antrag auf Streichung des gesamten Artikels und ein sozialdemokratischer Antrag auf teilweise Strei­chung abgelehnt, doch fand sich auch keine Mehrheit für die Fassung der Regierung.

Oer Stellenplan vor -em Finanzausschuß.

Am Mittwoch wurde die Beratung des Stel­lenplanes und der dazugehörigen Anträge und Eingaben fortgesetzt. Zu Kap. 7 (Landes- t he ater) lagen acht Eingaben d?S Vorstandes des Landestheaiervrchesters und einzelner Be­amten der Theaterverwaltung vor, die arte zurückgestellt wurden, bis die Aovelle zur De- soldungsordnung vorliegt. Das Kapitel selbst wird genehmigt. Bei Genehmigung des Ka­pitels 15 (Soziale Fürsorge. Ruhe­gehälter) werden zwei Eingaben Eickemeyer-- Mainz und Heil-Darmstadt abge.'ehnt. Unter Zu­rückstellung einer Eingabe werden Kap. 18 (Landtag), 19 (Staatspräsident) und 21 (auswärtige und Deichsange­legenheiten) genehmigt. Bei Kap. 22 wird eine Eingabe der Revisionsbeamten abgelehnt, ebenso ein Antrag Keller (DDP.), zwei Rech- nungsratSstellen in OberrechnungSratsstellen aus­zutauschen. Kap. 23 (Derwaltungsge- richtshof) wird genehmigt. Bei Kap. 24 (Staatsarchiv) wird ein Antrag Keller (DDP.) abgelehnt, tote seither zwei Sekretäre und einen Assistenten mit zwei Stellen in Klasse 4e und einer Stelle in Klasse 5 einzutauschen. Kap.27 (Ministerium des Innern) wird genehmigt, ebenso Kap. 31 (Provinzial- direkti onen und Kreisämter) unter Ablehnung einer Eingabe der Hausverwalter und Amtsgehilfen.

Kapitel 33 (Polizei undGendarmerie) bringt die Annahme eines Antrages Heinstadt- Blank-Weckler, vier Oberwachtmeisterstellen in Inspektor- und Kommissarstellen auszutauschen. Eine lebhafte Aussprache enifpinnt sich über den Antrag der Koalitionsparteien, einen Polizei- Oberleutnant zu streichen und dafür die Haupt­leute bei der Verwaltung von zwei auf drei zu erhöhen, werter die Zahl der Polizeimajore in Gruppe A 2 c von acht auf neun zu erhöhen, ferner die Zahl der Polizemauptleute um vier zu erhöhen und dafür fünf Polizeioberleutnants zu streichen. Die Mehrbeit des Ausschusses schl eßt sich der Ansicht der Regierung an, daß es sich

Preußens Etatforgen.

Hoepker-Aschoff als Erzieher.

Von unserer Berliner Redaktion.

Der Reichsfinanzminister Dr. ch i l f e r d i n g brütet immer noch Darüber, wie er seinen Reichs- haushalt im Gleichgewicht halten soll. Er ist ein ^inanzcheoretiker und ein Mann starker Entschluß- losigkett, zudem auch durch das politische Bedenken gebunden, was er seiner Partei an neuen Steuern unter Umständen bieten darf. Infolgedessen kommt er nicht vom Fleck und wird Mühe und Not haben, den Etat so rechtzeitig vor den Reichstag zu brin­gen, daß feine Verabschiedung vor dem 1. April noch möglich ist. Sein preußischer Kollege Hoep­ker-Aschoff ist ihm darin überlegen. Er hat schon im November seinen Etat ins Reine gefchrie» den und dem Parlament zugeleitet, obwohl das auch in Preußen keine leichte Aufgabe ist.

Die verheerende Wirkung unserer Finanzpolitik zeigt sich ia im Reich, in den Ländern und Ge­meinden überall im gleichen Maße. Sie leben alle von der Hand in den Mund, well jede Sicherheit der Einnahmen fehlt und die Ansprüche sehr viel stärker gewachsen sind als der Fonds aus dem sie nachher bezahlt werden sollen. Herr Hoep- ker-Aschoff läßt denn auch gar keinen Zweifel dar­über, daß sein Etat frisiert ist. Er hat zwar die Balance hergestellt, aber ebenso wie im Vorjahr nur mit finanztechnischen Kunststücken, indem er die letzten Reste des Betriebsfonds ohne den ein ordentlicher Staat eigentlich nicht recht bestehen kann aus den verschiedenen Res­sorts zusammenkratzte - und sogar soweit ging, Entschädigungszahlungen des Reichs, die eigenttich zur Vermögenssuostanz gehören, als Einnahmen zu verbuchen.

Ob es unter diesen Umständen aus erzieherischen Gründen nicht zweckmäßiger gewesen wäre, den Etat einfach mit einem Defizit schließen zu lassen, darüber kann man verschiedener Meinung sein. Jedenfalls hat aber der Minister den Mut, der Volksvertretung offen zu sagen, wie die Dinge liegen. Die Denkschrift, die er dem Etat beigefügt hat, fuhrt eine Sprache von eigentlich nicht mehr zu über­bietender Deullichkeit. Sie zeichnet ziemlich klar den Weg zum Bankrott, den Preußen geht; wobei noch die zu erwartenden Einnahmen aus den Ein­kommensteuern bis zum letzten Pfennig eingesetzt sind, obwohl in Preußen bekannt ist, daß das Reich wahrscheinlich den Versuch machen wird, die Spitzen aus diesen Ueberschüssen den Ländern wegzuneh­men. Das Loch im preußischen Etat ist vermutlich also noch um etliche Millionen größer, als der Mi­nister erwartet.

Wir sind einigermaßen gespannt darauf, wie nun der Landtag sich dazu stellt. Der Finanzminister erhofft eine Erleichterung durch eine gemilderte Form der Finanzdiktatur der Regierung gegenüber dem Parlament. Wir fürchten, daß damit nicht viel zu erreichen ist, well die Ausgaben, zumal im Per­sonaletat, gebunden sind. Der preußische Etat als Ganzes ist eben ein Beweis für die Ueberorganifation, an der wir ersticken. Die Derwaltungsrüstung ist viel zu schwer, als daß ein arm gewordenes Volk sie noch tragen könnte. Deshalb ist die eigentliche Lehre aus diesem (Etat die, daß eine gründliche Umgestaltung der ganzen Reichsorganisation der einzige Weg ist, der zu einer Entlastung und Gesundung der Finanzen führen kann.

Kampf um die Enklaven Ein schwieriges Kapitel der Deichsreform.

Von unserer Berliner Redaktion.

Berlin, 22. Rov. Als man sich nach man­chem Hin und Her und mancherlei grundsätzlichen Auseinandersetzungen über die zwecknähige Form einer künftigen Reichsverfassung zu dem beschei­denen Ansang entschloß, zunächst wenigstens ein­mal die heute vollkommen sinnwidrigen, kost­spieligen und betriebstörenden Enllaven und Ex- ilaven innerhalb der deutschen Reichsgrenzen zu beseitigen, die in den Zeiten eines dynastischen Eigentumsbegriffs an Land und Leuten ent­standen waren, hat sicher kein Mensch darauf gerechnet, daß dieser Vorgang bei den Beteiligten Widerstände auslösen könnte. Man hätte dabei freilich gewarnt sein können, durch mancher­lei Vorgänge aus der jüngsten Vergangenheit, durch den hamburgisch-preußischen Streit um die Arrondierung Groß-Hamburgs, durch die Schwieiigkeiten bei den Verhandlungen über di« Angliederung Schaumburg-LippeS an Preußen, durch die zähen Verhandlungen zwi­schen Waldeck und Preußen, die schließlich allerdings zum Ziele geführt hatten und durch anderes mehr.

Aber auf Vorgänge, toie totr fte jetzt erleben, war man doch nicht gefaßt. Zu Braun­schweig gehört eine im Preußischen liegende Exklave Calvörde. Dort hat ein Vertreter der Braunschweigischen Staatsregiermrg mit Rach­druck erklärt, daß diese an der Zugehörigkeit des Amtes Ealvörde fefthalte. Die Begründung ist eigenartig: gegenüber dem Hauptproblem einer Reugliederung Deutschlands, der Ausgabe einer Beseitigung des Dualismus zwischen Reich und Preußen sei die Frage der Enklaven und Ex­klaven eine Kleinigkeit. Braunschweig werde seine Selbständigkeit opfern, wenn es als Ganzes über­gehen könne, etwa an ein neu zu bildeiches Rie­dersachsen, nicht an Preußen, aber es werde

feine Gebietsteile nicht einzeln hergeben. Das ist keineswegs etwa ein vereinzelter Fall von mißverstandener und überspannter Auf- faffung staatlicher Hoheitsrechte innerhalb des Reiches. Denn auch ein7 Fall, der sich zwischen Baden und Württemberg abspielt, zeugt für die gleiche Auffassung. Dort ist der Versuch eines gegenseitigen Gntlavenaustauschs gemacht worden und bei den Bewohnern eines im Badischen gelegenen Oertchens von 196 Ein­wohnern auf energische ,Verwahrung" gestoßen. Dabei hat es sich um den Austausch von je zwei kleinen Exklaven, einerseits Hohentwiel und Druderhof, arrdeverseits Beuron und Bärental gehandelt, und das zuständige württembergische Oberamt bezeichnet die badischen Angebote als ungenügenb und verlangt noch zwei weitere Ort­schaften als Kompensation für die vermeintlich wertvolleren württembergischm Abtretungen.

Das ist natürlich kein Standpunkt, unter dem das Gnklavenproblem gelöst werden kann. Denn nicht um einen Handel soll es sich dabei drehen, bei dem irgendwelche Eigentumsrechte gegeneinander abgewogen werden, sondern um eine von reinenDerwaltungSgefichts- Punkten, vom Interesse nach einer möglichst einfachen und übersichtlichen Reichsgliederung dik­tierte Flurbereinigung innerhalb des Reichsgebiets. Ortschaften und Kreise sind heut« keine Cigentumsstücke der einzelnen Länder mehr, mit denen sie Handel treiben könnten, sondern Bestandteile des Reiches, über die die Länder eine Derwaltungshoheit ausüben. Eine solche Regelung, gleichviel, ob sieGewinn" oderVer­lust" für das einzelne Land erbringt, liegt ebenso­sehr in deren Interesse und erfordert keine Kom­pensationen.

hier um eine Aenderung der Desolduirgsordnung handele: daher wird der Antrag bis zur Budget - beratung zurückgeftellt. Das Kapitel selbst wird angenommen.

Ebenso Kapitel 94 (Arbeitshaus), wo auf An­trag Reiber (Dem.) und Heinstadt (Zentr.) drei Oberwachtmeisterstellen von Gruppe 8 nach Gruppe 6 unter Streichung einer Inhaberanmer­kung verseht werden. Del Kapitel 37 (Zentral­amt für L a nde s sta t r st i k) wird ein Antrag Sturmfels (Soz.) abgelehnt, emen Derwaltungs- obersekretär als Stellvertreter ernes Oberinspek­tors in Gruppe 4 a und den dienstjüngeren in Gruppe 4 b einzureihen. Ebenso werden dann die Kapitel 39 (ä rz t l i ch e D i en st e), 40 (tier­ärztliche Dienste), 41 (Hebammenlehr- a n ft a 11 Mainz) und 43 (Anstalt für Geistes- schwache-Al.censtift) angenommen. Der Ausschuß setzt seine Beratungen am Dienstag kommender Woche beim Kapitel 42 (Heil- und Pflege­anstalten) fort, da die vollsparteilichen Aus- schußmltglicder durch die Sitzung ihres Zentral­vorstandes in Berlin am Donnerstag und Frei­tag verhindert sind.

Neutsch-russische Wirischafisverhandlungen.

Berlin. 23. Rov. (Priv.-Tel.) Die Ver­handlungen zwischen Deutschland und Rußland über den Abschluß eines neuen Wirt­schaftsabkommens sollen in Moskau auf­genommen werden. Sie wurden unterbrochen, als die Russen deuffche Ingenieure verhafteten und vor Gericht stellten. Sie lörmen daher auch jetzt nur erfolgreich sein, wenn von russischer Seite Zusicherungen gegeben werden, daß künftig­hin den deutschen Kulturpronieren ähnliche Er­fahrungen erspart bleiben. Die Russen gehen gern mit dem Rapallo-Vertrag hausie­ren, aber es besteht doch in Deuffchland der Ein» druck, daß sie diese politische Errungenschaft nur so stark heraus st reichen, um uns damit wirt­schaftlich und finanziell! zu starken Zu- geständniffen zu bewegen. Darin werden sie sich irren. Der Rapallo-Vertrag hat gerade wirt­schaftlich .die Hoffnungen, die auf ihn gesetzt wurden, nicht erfüllt Cs ist d^halb nur selbstverständlich, wenn Deutschland die wirtschaft­lichen Beziehungen mit Rußland künftighin nicht mehr polrtisch, sondern rein kaufmännisch einschätzt.

Prohibition und Polizei.

Der Bürgermeister von Philadelphia gegen die weitere Durchführung der Prohibitionsgesetze.

London, 22.Rov. ($11.) Rach Meldungen aus Heul)ort hat der Bürgermeister von Phila­delphia die Polizei von der Verpflich- tüng enthoben, auf die Durchführung der Prohibitionsgesetze zu achten, da sich die Prohibition seiner Ansicht nach als ein Feh­ler erwiesen habe. Die lleberwachung der Durch­führung der Prohibitionsge'etze erschwere der Polizei ihre eigentliche Aufgabe, näm­lich den Schutzvon Leben und Eigentum, und führe dazu, daß die Korruption ihren Weg auch in die Polizei finde. Der Bürger- meffter hatte kürzlich die Versetzung von 5000 Mann der Stadtpolizei von Philadelphia im An­schluß an eine Untersuchung angeordnet, die zu der Entlassung von drei Inspektoren, 18 Polizei- Hauptleuten und 21 Polizisten wegen Kor­ruption Bestechlichkeit und Erpres­sung geführt hatte.

Aus aller Wett.

Alte Meister".

Ein Mailänder Antiquar hat seit Iahren an deutsche, englische und amerikanische Galerien und Privatpersonen für große Summen Statuen verkauft, die alten Meistern zugeschrieben wurden, in Wirklichkeit aber von einem l e - benden römischen Bildhauer stamm­ten. Für die angeblichen Werke von Donatello, Mino da Fiesole und Decchietta sowie anderen Meistern erhielten die Betrüger Millionen, wäh­rend der offenbar ahnungslose,Künstler um den Erlös feinet Arbeit betrogen wurde. Zuerst wurde die Reuyorker Galerie Frick miß­trauisch und beauftragte Detektive mit Nachfor­schungen. die zunächst ergebnislos verliefen, aber auch das Mißtrauen nicht behoben, da die Ver­käufer die Herkunft der Kunstwerke nicht nach­weisen wollten und konnten. Die Fälschung wurde erst aufgedeckt, als sich der Billchauer wegen ungedeckter Forderungen an dasGe- richt wandte. Als ihm bald darauf Photo­graphien von den in Frage stehenden Werken zu Gesicht kamen, erkannte er in ihnen seine Arbeiten und erfuhr, wie er von seinen Auf­traggebern betrogen worden toar. Gin« Madonna

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Denn

Donnerstag, d. 2$NoVb.1928 7h at)d$.

von ihm war an einen deutschen Kunftff^hader für eine Million Lire verkauft wor­den, em Sarkophag, der Mino dal Fiesole zu- geschrieben wurde, wanderte in das Museum von Boston, eine griechische Gruppe erwarb ein Münchener Museum und eine weitere Sta­tue ein BerlinerMuseum. Besonderes Auf­sehen erregte eine mit S. M. bezeichnete Skulptur, die dem Maler Simone Martini (XIV. Jahr­hundert) zugeschrieben wurde und einen Kunst­kritiker zu den Vorarbeiten für eine Schrift ver­anlaßte. die das bildhauerische Talent dieses Malers verhn:rlichen sollte.

Vievestris"- Katastrophe.

Das wesentlichste Ergebnis der Untersuchung über die Ursachen der »Vestris"-Katastroph: wa­ren die Aussagen des ersten Offiziers John­son, der zugab, daß keine Disziplin ge­herrscht habe. Der Mechanismus zum Aus­sehen der Rettungsboote habe nicht tn jedem Falle funktioniert. Frauen und Kinder seien in Boote gesetzt worden, die nur sehr geringe Aussicht hatten, in Sicherheit m See zu gehen. Die unteren Offiziere ließen die Be­fehle ihrer Do.gesetzten unbeachtet und die Mann­schaften begaben sich nicht an die ihnen An­gewiesenen Plätze bei den Rettungsbooten, um bei der Rettung der Passagier« zu Helsen. John­son gab auch zu. daß verschiedene Boöte das Schiff verließen, ohne daß ein Offizier darin den Befehl übernommen hätte. Ein Reger sagte ans, das Rettungsboot Rr. 4, das hauptsächlich mit Frauen und Kindern besetzt war, fei 3 Fuß über der Wasseroberfläche hängen geblieben. Gr habe gesehen wie das Schiff bei seinem Untergang das Rettungsboot samt seinen Insassen mit in die Tiefe zog.

Domela aus der haft enfiaffen.

Harrv Domela ist. nachdem die S.aatsantocllt- schaft III. Berlin, den Haftbefehl gegen ihn auf­gehoben hat. aus dem Gerichtsgesängnis in Ober­moschel entlassen worden. Rachdem die Hauptgeschädigte, eine Zimmervermieterin in Lichterfelde, der Domela 500 Mark schuldete, schon vor einiger Zeit ihre Anzeige zurückge- nommen hatte, blieb noch eine Rcstsumme von 96 Mark, um die sich drei Berliner Dermieterin- nen betrogen fühlten. Freunde DornelaS haben die restlichen Schulden bezahlt. Daraufhin haben die Anzeigenden ihre Anzeige zurückge- nommen

Von Stockholm nach Rom zu Pferde.

Die schwedische Reiterin Baronin Klink- kowstroem ist am Mittwoch auf ihrem Schim­mel ,.C astor" in Rom eingetroffen und hat damit ihren am 5. September in Stockholm be­gonnenen Ritt beendet. Sie wurde vom schwe­dischen Militärattache und einigen Kavallerie- Offizieren eingeholt. In den Straßen Roms wurde sie von der Bevölkerung freudig be­grüßt.

Gräberschändungen.

Auf dem jüdischen Friedhof in Köpenick wurden etwa fünf Gräber, die z. T. mit großen Denkmälern geschmückt waren, von mehreren jun­gen Burschen geschändet. Man hat die Grab­steine mit schweren Feldsteinen bombardiert, die Postamente umgestürzt und die Hügel ver­wüstet. Bon den Tätern fehlt jede Spur.

von einem Bären zerfleischt.

Während ein Wärter im Agramer Zoo­logischen Garten den Bärenkäfig reinigte, wurde er von dem Bären Überfällen, der ihm mit den Zähnen ein großes Stück seiner Wade herausriß. Aus die Hilfeschreie eilte Publikum und andere Wärter herbei, die den Bären mit Gisenstäben von dem Wärter zu verjagen suchten. Dadurch wurde der Bär aber noch mehr gereizt, und er biß dem Wärter noch zwei Stücke aus dem Körper heraus. Schließlich ließ er von ihm ab. An dem Aufkommen des schwerverletzten Wärters wird gezweifelt.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Da der Druckstörungseinfluß noch nicht fein Ende erreicht hat, so l)ält das unbeständige Wetter weiter an. 9n Begleitung der ozeanischen Luftmassen tre­ten ferner Niederschläge auf, wobei die Lustwärme zunächst wenig Aenderung erfährt.

Wettervoraussage für Samstag: Un­beständiges, wechselnd wolkiges Wetter, mlld, zeit­weise Niederschläge, südwestliche bis westliche Winde.

Witterungsaussichten für Sonntag: Unter wechselnder Bewölkung verbunden mit vor­übergehender Aufheiterung noch vielfach Regen­schauer.

Lufttemperaturen am 22. Rovember: mittags 10.7 Grad Eelsius, abends 10.1 Grad Celsius: am 23. Rovember: mögens 9.5 Grad Eelsius. Maximum 10.8 Grad Ee'siul, Minimum 2.8 Grad Celsius. Crdtempera u.en am 22. Rovember: abends 6.3 Grad Eelsius; am 23. Rovember: morgens 7.1 Grad EelsiuS. Riederschlag 4.6 Millimeter.