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Nr. 276 Erstes Blaff

178. Jahrgang

Zrelfag, 25. November 1928

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Die Scholle

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vnttk «nd Verlag: vrühl'sche Univerfilüls-Vuch' «nd Ztetndnttkeret R. Lange in Sietzen. Schriftleitnng und SefchSstrstelle: Zchulstratze 7.

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Dr Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein: für den An­zeigenteil Kurt hillmann. fämtlich in (Biegen

Chauvinismus.

Zwischenfälle bei der Ausschmückung deutscher Kriegergräber in Fontainebleau.

Parts, 23. Noo. (WTB. Funtspruch.) Wie Deuorc" berichtet, sind in Fontainebleau in der gestrigen Stadtratssitzung Zwischenfälle gelegent­lich der Ausschmückung der Gefallenen­gräber am Jahrestage des Waffen ft ill st an- de» zur Sprache gekommen. Am 10. November waren von der Stadt an den Kriegergräbern und zwar an 379 Gräbern französischer, 6 Gräbern deutscher und 4 Gräber interalliierter Soldaten gemäß einer feit Jahren geübten Tradition Fähnchen angebracht worden. Der Vor- sitzende desSouvenir Francais", General A r - r a u 11 war über dieGleichheit der Totenehrung entrüstet, legte bei der Bürgermeisterei Protest ein und begab sich auf den Friedhof, wo er die an den deutschen Kriegergräbern aufgestellten französischen Fahnen herausriß, auf den Weg warf und dabei Drohungen gegen den Bürgermeister von Fontainebleau, Dr. Matry, ausstieß.

Der Bürgermeister verlas nun in der gestrigen Stadtratssitzung ein Schreiben, das er an General Arrault gerichtet hat. In diesem Schrei­ben heißt es:

während der Feindseligkeiten habe ich bei den Verwundeten au» beiden Lagern feststellen können, daß sie Opfer eine» schrecklichen Kriege», gleichviel, ob es sich um Deutsche oder Fran- zosen handelte, lm Lazarett darin einig waren, den Krieg zu verdammen. Ich kann beiden Toten einen Nnler- schied nicht machen. Ich bin der Ansicht, daß die Stadt Fontainebleau e» sich als Ver­dienst anrechnen kann, daß sie den auf ihrem Friedhof beigesehken ehemaligen Feinden die­selbe Ehrung zuteil werden läßt, wie den eigenen Token."

Der Bürgermeister bemerkte dann noch, daß er gegen General Arrault wegen Entweihung von Gräbern innerhalb des Friedhofes nach dem Gesetz hätte vorgehen können, daß er es aber oorziehe, die Bevölkerung von Fontainebleau zum Richter zu machen.

Ein Tedeum am 10. Jahrestag der Besetzung Straßburgs.

Paris, 22. Noo. (WTB.) Anläßlich des zehnten Jahrestages des Einzuges französischer Truppen in Straßburg ließ der Bischof von Straßburg, Ruch, ein Tedeum im M ü n st e r abhalten. Er ließ außerdem von den Schulkindern ein von ihm für diesen Zweck verfaßtes Gebet vorsagen, in dem u. a. unter Anrufung desGottes des Elsaß und Frankreichs" heißt: Bor zehn Jahren kehrte siegreich die Armee zurück, der die Bevölkerung des Elsaß im Jahre 1870 nurauf Wiedersehen" gesagt hat, die Fahnen bedeckt mit Ruhm und durch­löchert von Kugeln, die die Bevölkerung Straß­burgs vor 50 Jahren so gern auf der Spitze des Münsters hätte wehen sehen, und die im Elsaß so heiß geliebt worden waren.

Rumäniens neuer Kurs.

Maniu erläutert das Programm der Bauernpartei.

Bukarest, 22. Noo. (WTB. Funkspruch.) Mi­nisterpräsident Maniu empfing heute abend die Vertreter der auswärtigen Presse und führte in einer Ansprache aus, der Regentschaftsrat habe die Bauernpartei an die Regierung berufen, um dadurch den Wunsch des Landes nach einem R e - gime der Gesetzlichkeit und Gerechtig­keit zu erfüllen. Die Regierung wird sich bemühen, ein konstitutionelles Regime im Sinne eines wahr­haften Parlamentarismus herzustellen. Infolgedessen hat sie bereits d i e Pressezensur und den Belagerunaszustand aufgehoben. Sie wird völlig freie gesetzmäßige Wahlen veranstalten in der Hoffnung, daß Rumänien auf diese Weise in die Reihen der großen westlichen De­mokratien eintreten wird. Wir haben den Wunsch, daß unser Land ein Staat sei, der jedem auf seinem Gebiet Lebenden seine Rechte gewährleistet. Auch wünschen wir jeder produktiven Arbeit Sicherheit zu verschaffen. Unser Agrar Programm schließt keineswegs den Schutz aller übrigen Pro­duktionszweige aus, aber natürlich werden wir un­sere Hauptsorge der Landwirtschaft zuwen­den, handelt es sich doch um ein Land, in dem 85 Prozent der Bevölkerung Landwirte sind.

Unser Wunsch ist es, den Warenaustausch mit dem Auslande zu entwickeln. Die Erfah­rung und das Kapital des Auslandes sollen im größtmöglichen Umfange herangezogen werden zum Nutzen der rumänischen Volkswirtschaft und Der allgemeinen Zivilisation. Diese Ziele sind nicht etwa das Ergebnis opportunistischer Taktik, sondern stehen bereits seit langen Jahren auf unserem Programm, wir sind immer für sie im Parlament eingetreten. Das Auslandkapital kann also an unsere Aufrichtigkeit glauben. Die von der vorigen Regierung begonnenen Verhandlungen über eine Anleihe haben wir wieder aufgenommen und setzen sie fort, mit dem aufrichtigen Wunsche, zum Abschluß der Anleihe und zur Stabilisierung zu gelangen. Der Ministerpräsident betonte, daß die Regierung mit einer Verwaltungsreform und der endgültigen Lösung der Minder­heitenfrage beschäftigt sei und wiederholte zum Schluß, daß die auswärtige Politik, die keine Par­teipolitik, sondern die unwandelbare Politik des rumänischen Staates sei, unverändert fort« geführt werden solle.

Deutschlands Vorleistungen für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete.

Nach neutraler Berechnung erhielt Frankreich bereits mit 16 Milliarden Mark mehr als den Gesamtbetrag seiner Wiederaufbaukosten.

Köln, 23. Nov. (OB.) In der «Kölnischen ] Zeitung- wird ,u einer vom französischen Minister für öffentliche Arbeiten, Forgeot, in der Kam­mer am 20. November aufgestelllen Behauptung, daß Frankreich den Wiederaufbau der zer - st orten Gebiete aus eigenen Kräften h^ibe durchführen müssen, weil Deutschland zu lange seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei, ausgeführt: Diese Behaup­tung, die wiederholt von führenden Staatsmännern vorgebracht worden ist, steht mit den Tat­sachen in Widerspruch. Deutschland hat, was von keiner Seite bestritten wird, bis auf den heutigen Tag fehr erhebliche Lntfchädi- gungszahlungen geleistet. Legt man die niedrigste mögliche Berechnung, nämlich die Gut­schriften des wiederherstellungsausschusses zugrunde, so betragen die deutschen Leistungen einschließlich der Daweszahlungen rund fünfzehn Mil­liarden Mark. Dieser Betrag umfaßt jedoch keinesfalls die gesamten deutschen Leistungen, da in der Gutschrift-Rechnung des Wiederherstellung»- ausschusfes ganze Gruppen von Leistungen feh­len. Nach den von deutscher Seite angeftellten Berechnungen sind bisher rund fünfzig Mil­liarden Mark geleistet worden. Da» Institute of Economics hat die deutschen Leistungen lm Iahre 1922 mit 25,8 Milliarden Mark bewertet, hierzu kommen die in den Iahren 1923 bis 1928 bewirkten weiteren Leistungen im Betrage von rund sieben Milliarden Mark, so daß die Gesamt­leistungen Deutschlands nach den Berechnungen dieses neutralen wissenschaftlichen Institut» 32,8 Milliarden Mark betragen.

Legt man aber selbst die niedrigste mögliche Zahl von 15 Milliarden Mark zugrunde, so hätte Frank- reich hiervon rund die Hälfte, alfo 7,5 Mil­liarden Mark, erhalten. Die Wiederaufbaukosten find in der Sitzung der Kammer vom 20. November 1928 mit 83,6 Milliarden Franken, gleich 13,5 Mil­liarden Mark, beziffert worden. Frankreich hat also nach diesen Berechnungen des Wiederherstellungs­ausschusses von Deutschland erheblich mehr als die Hälfte seiner Wiederaus- bautoften erhalten. Geht man von den durch­aus zuverlässigen Berechnungen des Institute of Economics aus, so hat Frankreich über 16 Mil­liarden Mark, also mehr al» den Gesamtbe- trag seiner Wiederaufbaukosten erhalten, wenn die Lntschädigungsleistungen nicht zum Wiederaufbau der zerstörten Gebiete, sondern zu anderen Zwecken verwendet worden sind, so trifft die Verantwortung hierfür lediglich die französische Re­gierung. Es ist bekannt, daß Deutschland vor dem Inkrafttreten des Dawesplanes wiederholt Ange­bote für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete gemacht hat. Frankreich hat diese Angebote jedoch zurückgewiesen. Die Frage der deutschen vorleistungen gewinnt besondere Bedeutung angesichts der Tatsache, daß die französische Regie­rung bei bet Lndlösung von Deutschland einen Betrag zu erhalten wünscht, der außer den Zahlungen für die interalliierten Schulden noch eine angemessene Entschädigung für die Wiederaufbaukosten enthält. Die Be­hauptung, daß Deutschland allzu lange seinen Ver­pflichtungen nicht nachgekommen sei, kann unter die­sen Umständen nicht unwidersprochen bleiben.

Iranko-bnttsche Einheitsfront.

Tyrrell informiert London.

London, 22. Rov. (WTD.) Der Pariser Korrespondent der Morning Post meldet, zwischen Briand und dem britischen Botschafter Sir William Tyrrell sei die Frage der Rhein­landräumung erörtert worden. 3in Hinblick auf die Rede Dr. Stresemanns habe der britische Botschafter dem französischen Außenminister ver­sichert, daß das Foreign Office nach wie vor den Wunsch habe, bei den kommenden Verhand­lungen mit Deutschland in voller lieber» ein Kimmung und Harmonie mit der französischenRegierung zu handeln. Der Korrespondent erfahrt von französischer Seite, daß Sir William Tyrrell für das Wochenende nach London komme, um der britischen Re­gierung die französischen Ansichten über die Repa- rations- und Rheinlandfragen darzulegen, was im persönlichen Gespräch leichter sei, als durch telegraphischen Verkehr. Der Korrespondent schreibt:Och erfahre, daß der Botschafter haupt­sächlich zu dem Zweck nach London kommt, um Sir Austen Chamberlain zu sprechen, der am Sonntag aus Kanada zurückerwartet wird. Tyrrell wird das Wochenende in Chequers mit dem Premierminister verbringen, der, wie

man glaubt, ihn wegen $er Reparations- und Rheinlandfrage zu sprechen wünscht. 3n den ersten Tagen der nächsten Woche wird Chamber­lain ebenfalls Gelegenheit haben, sich über diese Frage mit Tyrrell auszusprechen.

Woran Amerika interessiert ist.

Bestris"» Untersuchung. Hoover-Reise.

Flottenprogramm.

Washington, 22. Nov. (WB.) Das Interesse der meisten hiesigen Zeitungen ist gegenwärtig durch die Untersuchung des Untergangs des Dampfers V e ft r i s", die Reise Hoovers nach Latein­amerika und die Debatte über das Flotten« Programm in Anspruch genommen. Infolge der sich täglich mehrenden Meldungen aus London über die dort herrschende Verstimmung wegen der angeblichen antibritischen Tendenz bei den Verhören von Zeugen des Untergangs derVestris" werden dieser Angelegenheit viele Spalten gewid­met. Der Wunsch zur Befestigung und Ausdeh­nung des Exporthandels in Südame­rika, sowie die jetzt akut werdende Frage der Ab­lösung oder Zurückziehung von amerikanischen Truppen in Nicaragua im Zusammenhang mit dem gestern veröffentlichten Bericht des amerikani­schen Finanzsachverständigen Cumberland, der eine An leihe von dreißig Millionen Dollars von Wallstreet an Nicaragua unter amerikanischer Fi­nanzkontrolle befürwortet, haben der Reise Hoo­vers eine besondere Bedeutung verliehen und man beschäftigt sich eifrig mit dem Echo, daß dieser erste Versuch einer persönlichen Fühlungnahme in La­

tein-Amerika findet. Schließlich ist die Frage des Kreuzerbaues durch die sehr gereizte Aus­nahme, die nach amerikanischen Meldungen aus London der Rede C o o l i d g e s am Waffenstill­standstag im britischen Parlament zuteil wurde, hier zu einer Prinzipienfrage geworden, die in allen Zeitungen lebhaft erörtert und fast durchweg im Sinne der vom Präsidenten Coolidge aufgestellten Doktrin beantwortet wird.

Unter diesen Umständen ist es erklärlich, daß die Rheinland- und die Repara- tionsfrage einstweilen hier in den Hin­tergrund getreten sind. Man hat S trese­manns Reichstagsrede ausführlich ge­bracht, aber nicht in Leitartikeln kom­mentiert, umsomehr, als auch hier der den früheren Alliierten gegenüber merklich kühler ge­wordene Standpunkt Amerikas bereits am 11. Rovember von Coolidge präzisiert worden ist. RurJournal of Commerce" nimmt zur Strese- mannrede Stellung und bezeichnet fte als ein Zeichen dafür, daß Deutschland sich der Stärke seiner Stellung bewußt und an der Revision des Dawesplanes nicht so sehr interessiert sei, wie Frankreich, das die Aus­führungen des Reichsministers des Aeuhern denn auch nur mit saurer Miene aufgenommen habe. Ratürlich liege auch Deutschland viel an einer Festsetzuna seiner Gesanrtschuld und an einer Herabsetzung feiner gegenwärtigen Maximallasten, aber Paris, das Verpflichtungen an Amerika habe, brauche eine Lösung dieser Frage noch dringender und werde, wenn Deutschland sich reserviert verhalte, günstigere Bedin­gungen anbieten.

MeAoilage des SiegerländerLrzbergbaus

Notstandsmaßnahmen der preußischen Regierung.

Essen, 22. Noo. (TU.) Wie jetzt bekanntgegeben wird, hat das preußische Ministerium für Handel und Gewerbe durch einen Treuhän­der eine Untersuchung über die Rentabilität im Siegerländer Erzbergbau vornehmen lassen. Diese Untersuchung, die sich auf 28 Eisen­erzgruben erstreckt hat, hat das Ergebnis gehabt, daß zehn dieser Gruben mit einem Gewinn arbeiten, der sich aber unter Berücksichtigung angemessener Abschreibungen in einen SB c r l u ft verwan­deln würde, während die übrigen 18 Eisenerz­gruben bereits ohne Berücksichtigung der Abschrei­bungen mit einem SB e r l u ft abschließen, der sich auf mindestens 0,18 Mark und auf höchstens 14,58 Mark pro Tonne stellt. Nach den wöchentlichen Feststellungen des Treuhänders verringert sich die Ziffer des durchschnittlichen Gesamtverlustes, je nach­dem von den besonders verlustreichen Gruden mehr oder weniger aus der Berechnung ausgeschieden wer­den, indem man ihre Stillegung voraussetzt, aus 1,54 Mark pro Tonne.

Das preußische Handelsministerium hat sich die Errechnungen dieses Treuhänders allerdings noch nicht zu eigen gemacht, da es der Mei­nung ist, daß für eine Berechnung der Ren­tabilität im Siegerländer Eisenerzbau die Er­gebnisse sämtlicher Gruben errechnet werden mühten. Die Gerüchte, die von einer bevor­stehenden Subventionierung des Sieger­länder Eisensteinbergbaues durch staatliche Be­zuschussungen sprechen, werden bereits in Abrede gestellt. Cs sollen aber Rot st ands Maß­nahmen anderer Art durchgeführt werden. Angeblich hat das preußische Handelsministerium bereits positive Vorschläge ausgearbeitet und den zuständigen Stellen, u. a. dem Reichsarbeits­ministerium, dem Reichsfinanzministerium, dem Reichswirtschaftsministerium sowie schließlich der Reichsbahngesellschaft unterbreitet. Es handelt sich darum, daß man zunächst eine Erleichterung durch weitere Vergünstigungen in be­zug auf öie Eis enbahntarife schaffen will. Weiter ist ein Entgegenkommen in bezug auf die Soziallasten in Aussicht genommen. Anscheinend hat man vor, aus den Mitteln der Arbeitslosenversicherung bzw. der produktiven Er­werbslosenfürsorge Zuwen dungen auf dem Wege des Kredits zu machen. Ferner sollen auf dem Gebiete der steuerlichen Belastung gewisse Erleichterungen geschaffen werden, schließ­lich auch in bezug auf die Knappschafts­versicherung. Es soll ferner von den Be­hörden darauf hingewirkt werden, daß die Stromversorgung der in Frage kommen­den Betriebe zu möglichst niedrigen Sähen er­folgt. Da die einzelnen zuständigen Stellen sich bereits zu einem Entgegenkommen bereit erklärt haben sollen, darf man erwarten, daß ein für den Siegerländer Bergbau günstiges Ergebnis alsbald erzielt wird.

Einstweilen sind, wie bereits gemeldet, fast sämtliche Ciegerländer Eisensteingruben infolge des Konflikts in der westdeutschen Eisenindustrie stillgelegt worden. Die restlichen haben auch bereits Stillegungsanträge gestellt. Man nimmt in Siegerländer Kreisen an, daß eine ganze

Reihe von Eisensteingruben, die jetzt zur Still­legung gelangt sind, auch nach Wiederaufnahme der Arbeit in der westdeutschen Eisenindustrie für die Dauer stillgelegt bleiben, wenn sich nicht die Rentabilitätsverhältnisse entscheidend bessern. Das könne aber nur durch eine Erleichterung der erheblichen Lasten frachtlicher, steuerlicher und sozialer Art, die auf dem Siegerländer Erzbergbau ruhen, geschehen.

Tariflimdigung in der mitteldeutschen Metallindustrie.

Magdeburg, 22. Rov. (WTB.) Der Ar- beitgeberverbano mitteldeutscher Metallindu­strieller hat den am 31. Dezember ablaufenden Tarifvertrag mit dem Metallarbeiterverband ge­kündigt. Zur Begründung weisen die Arbeit­geber darauf hin, daß die Rentabilität der hier in Frage kommenden mitteldeutschen Be­triebe schon im Vorjahr sehr schlecht gewesen sei. Sie sind bereit, den soeben gekün­digten Tarifvertrag zu erneuern und auch über den 31. Dezember hinaus in Geltung zu lassen, sofern der Vertrag für eine längere Zeit abgeschlossen werden sollte. Sollten die Metallarbeiter auch im übrigen mitteldeutschen Gebiet Forderungen auf Lohnerhöhung er­heben, so würden die Metallindustriellen ihrer­seits die Forderung auf Lohnherab- s e h u n g stellen. Das Gebiet des mitteldeutschen Arbeitgeberverbandes der Metallindustrie er­streckt sich über die Provinz Sachsen und Sachsen-Anhalt.

KeineAussperrung durch den Märkischen Arbeitgeberverband.

Berlin, 23. Nov. (WTB. Funkspruch.) Zu der Meldung, wonach der Märkische Arbeitgeberverband die Aussperrung von 11 607 Arbei­tern zum 30. November beschlossen habe, wird den Blättern aus Dortmund berichtet, daß diese Nach­richt unzutreffend sei. Der Märkische Arbeit­geberverband hat lediglich vorsorglich zum 30. No­vember den Belegschaften (insgesamt 35 000 bis 40 000 Mann) gekündigt, um keinen tariflosen Zustand eintreten zu lassen.

Sonderfürsorge für berufsübliche Arbeitslosigkeit.

Berlin, 22. Rov. (TU.) Der Reichsarbeits­minister hat dem Reichstag den Entwurf eines Gesetzes über eine Sondevfürsorge bei berufs­üblicher Arbeitslosigkeit zugeleitet. 3n der Be­gründung wird darauf hingewiesen, daß auf dem deutschen Arbeitsmarkt feit jeher eine starke Saisonbewegung bestehl, die sich vor allem im Winter ausprägt. Für den kom­menden Winter müßten die Aussichten sehr un­günstig beurteilt werden. Habe der Winter 1927/28 unzweifelhaft im Zeichen einer günstigen Konjunktur gestanden, so könne diese Voraus­sage für den bevorstehenden Winter leider nicht