Ausgabe 
23.10.1928
 
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Ur. 250 Drittes Natt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffe»)

Dienstag. 25. Oktober (928

Hafsia-Vezirkstag in Gießen.

Unter Beteiligung sämtlicher Kriegervereine, mit Ausnahme von Beuern, fand derHassia-De- zirkstag imPostkeller" statt. Die Sitzung wurde durch den L Dezirksvorsteher, Pro­fessor Dr. Kraemer (Gießen) eröffnet und geleitet. Nachdem etwa 1200 Mk. Rückvergütungen von Versicherungen und Hassiakalendern ausbe­zahlt waren, hielt Verfich-erungsdir.ktorK r e t s ch- mar einen kurzen Vortrag über das Versiche­rungswesen.

Der Bezirksvorsteher berichtete ergänzen!) zum Hessisschen Kamerad" über den Hasfia-Ver- bandstag in Wimpfen. Um die Kosten der Kriegsopfer-Organisation durch den Hassiaver- band fernerhin tragen zu können, beschloß der DerbandStag die Erhebung von jährlich 5 Pfennig pro Mitglied. Die Frage der Errichtung eines Kriegerheims innerhalb der Hassia wurde vom DerbandStag sympathisch ausgenom­men: die Stiftung eines Hassia-Großkreuzes fand keinen Anklang: hinsichtlich der Bezahlung der Vorträge in den Vereinen bleibt es beim seit­herigen Modus. Den Hassiatag 1 9 2 9 erhielt Worms, er findet am 9. 3uni statt. Für 1930 bewerben sich um den Hassiatag dir Vereine Als­feld, Nidda und Büdingen. Der Reichs-Krie­gertag 1929 soll am 20. und 21. 3üli in Mün­chen abgehalten werden. Dem Kriegerverein Gro- ßen-Lmden dan t? der Vorsitzende für die überaus freundliche Ausnahme gelegentlich des diesjähri­gen Dezirksfestes, das einen glänzenden Verlauf nahm Anschließend referierte der Vorsitzende über den Hessischen Landeskriegertag in Offenbach.

Heber einen Antrag des Kriegerver­eins Gießen, betreffend Dezirkssest und Ver­sicherung gegen Regenwetter, entspann sich eure längere Aussprache, an der sich zahlreiche Ver- einsvorsihende beteiligten. Schließlich zog der Kriegerverein Gießen seinen Antrag zurück, und auf Antrag der Vereinsvertreter von Annerod und Leihgestern wurde beschlossen, daß der Bezirk fortan eine Umlage von 5 Pfennig erhebt und davon die Regenwetter-Versicherung bei Bezirks- sesten bezahlt.

Heber die Organisation der Kriegs­beschädigten und Kriegerhinterblie­benen berichtete Lehrer D ö h n (Gießen). Er betonte, daß die Fürsorge für die Kriegsopfer eine der wichtigsten Aufgaben der Hafsia und der Kriegervereine fei, ihre Organisation dürfe nicht von der Hassia getrennt werden. Gr lud zur Teu- nahme an der L andest agung derKriegs- beschadigten - und Hinrerbliebenen-Organisa- tion der Hassia ein, die am 10. und 11. No­vember in Gießen ftattfinöet. Aus Starkenburg und Rheinhessen seien bereits zahlreiche An­meldungen eingelaufen, grei quartiere stünden zur Verfügung. Die Hauptversammlung leitet der 1. Vorsitzende der Landesgruppe, Lehrer 31) r i g (Darmstadt).

Jugendbewegung und Wahl eines 3ugendleiters" war das Thema, über wel­ches K. Drück (Lollar) referierte. Die Betätigung in der 3ugendorganifation so führte der Redner aus liege im Interesse des Nachwuchses der Kriegerrereine und des Kyffhäuser-Bundes. Die Jugendbewegung sei neben der Fürsorge eine wichtige Zukunftsaufgabe des Verbandes. Später solle man die Jugend in Kyffhäuservereinen zu- sammenschliehen, welche die Bestrebungen der Kriegervereine übernehmen würden. Auch in Hessen habe man mit der Gründung von 3ugenb- gnippen begonnen, die älteste besitze der Krieger­verein Lollar feit 1925 Die 3ugendgruppen sollten sich betätigen in Wanderungen, sportlichen Hebungen, Schießsport: jede militärische Betäti­gung sei abzulehnen. Der Vorsitzende bat die Vereinsvorsitzenden, die Angelegenheit in den Vereinen bis zum Frühjahrsbezirkstag zu be­sprechen, im Laufe des Winters solle eine3ugend- Ieitert>erfammlung in Gießcn abgehalten werden. Zu dem am 18. November in Darmstadt beabsich­tigten Hassia-3ugendführertag wurde Brück (Lollar) als Vertreter des Bezirks Gießen bestimmt.

Einen Antrag auf Abhaltung e i n e sBe - zirkspreisschießens in Gießen hatte Kamerad A. Klein (Gießen) eingereicht. Das Schießen soll im Laufe des nächsten Sommers

tob W vom Simmel.

Vornan von Paul Enderling.

Copyright by Carl Sünder, Verlag, Berlin.

24. Sortierung. Nachdruck verboten.

Das wirst du nicht tun, Inge." Seine Stimme hatte alles Schroffe verloren. E^ klang wie eine demütige Bitte:Tu es nicht. Ich bitte dich darum."

Als sie schwieg, stand er auf, nach der Ecke gehend, aus der er ihre Stimme zuletzt gehört.Ich bitte dick selten, so selten. Aber nun bitte ich dich."

Als sie ihn auf fick zutasten sah, hilflos und schwach geworden, wuroe sie weich.Wie du willst, Vater."

Du entaleiteft mir, Inge. Ich fühle es, wie du mir entgleitest. Was bleibt mir, wenn du nicht mehr bei mir sein willst?"

Da ging sie zu ihm und schloß ihn mit einer Art mütterlicher Gebärde in die Arme.Ich bleibe ja bei dir." Aber ihre Augen sahen über ihn hinweg über den blinden Mann hinweg, in die Ferne.

Uebrigens, wir verreisen morgen."

Ihre Arme sanken.Wohin?"

Du wirst es noch rechtzeitig hören. Laß Si für alles sorgen."

Weswegen reifen wir, Vater?"

Es find wichtige Dinge im Werk", begann er leise.Aber nichts für dich. Nichts für dich."

Du weichst mir aus. Aber diesmal darfst du mir nicht ausweichen. Meinst du, ich verspüre nicht, daß hier etwas vorgeht? Warum vertraust du es mir nicht an? Du warst früher anders."

Er stand, an den Schreibtisch gestützt, wieder ruhig und beherrscht.Vertrauen gegen Vertrauen, Inge. Hast du mir nichts zu sagen?"

Ich bin in Angst Vater, merkst du es denn nicht? Ich glaube, Blinsky ist ein schlechter Berater. Er wird dich ..."

Er ist mein Privatsekretär, der seine Pflicht tut. Nichts gegen ihn! Er opfert sich in meinem Dienst auf."

Sie sagte nichts mehr. Sie fühlte ein dunkles Schicksal Heraufziehen, gegen das sie wehrlos war.

Du bist in geschäftlichen Dingen nicht gewandt genug, als daß ich dir die gewaltigen finanziellen

auf den Schießständen des Schühenvereins Gie­ßen vorgenommen werden. Der Puntt wurde bis zum Frühjahrs-Bezirkstag zurückgestellt.

Hinsichtlich des Reichskriegertages in München regten P o st (Großen-Linden) und C h r i st (Lol­lar) die Einlegung von Sonderzügen und Hnter- stützung durch die Hassia an. Der echt kamerad­schaftlich verlaufene Bezirkstag konnte nach drei­stündigen Beratungen vom Bezirksvorsteher ge­schlossen werden.

Die Sauptversammlung des Landes­verbands Hess. Obst- und Kartenbauvereine fand am Sonntag im Hotel Stern in Bü­dingen in Anwesenheit des Gesamtvor­standes, sämtlicher hessischer Kreisdirektoren und überaus zahlreicher Besucher aus allen Teilen Hessens statt.

Geh. Rat v. Hahn von der Landwirtschafts­kammer Darmstadt betonte einleitend, seit Be­stehen des Verbandes sei eine so erfreuliche Be­teiligung an der Hauptversammlung nicht zu bemerken gewesen wie hier, zu der alle hessischen Vereine ihre Vertreter entsandt hätten.

Aus dem Jahresbericht des Vorsitzenden i'st hervorzuheben, daß nunmehr auch der Kreis Alsfeld angegliedert ist. Es fehlt nur noch Mainz. 3m abgelaufenen Berichtsjahr ist der Landesverband Mitglied der süddeutschen Ar­beitsgemeinschaft zur Förderung des Obstbaues geworden, der Bayern, Württemberg, Baden und Hessen umfaßt. Eine Anzahl Kurse für gärungslose Obstvertrertung sei in mehreren Orien ins Leben gerufen, um auch auf diese Weise den Mißbrauch geistiger Getränke zu bekämpfen. Es sei der Beschluß gefaßt, auch nach Hebergang der Kreisstrahen an die Provinz die Kreisobst­baubeamten beizubehalten. Das Bestreben, die Absatzverhältnisse des Obstes zu vereinfachen, habe noch nicht zu Ergebnissen geführt, und Hessen habe es abgelehnt, in dieser Frage eine führende Rolle zu übernehmen. Die Verminde­rung der Obstsorien und die Schädlingsbekämpfung in einheitlichen Methoden fei eine Aufgabe des Verbandes, während andere Fragen der ört­lichen Organisation überlassen bleiben sollen.

Die Einnahme betrug einschließlich Kassenvor­rat 6556 Mk., die Ausgabe 1792 Mk., so daß ein Bestand von 4754 Mk. verbleibt. Der Vertreter Darmstadts regte an, es solle ein höherer Betrag als der vorgesehene für obstbaufördernde Maß­nahmen eingestellt werden.

3m Mittelpunkt der Tagesordnung stand ein Vortrag von Gartenbauinspektor Rentfch- Friedberg über die Ergebnisse des planmäßigen Hmpfropfens in Oberhes en, für welches ein staat­licher Zuschuß gewährt worden ist. Die Notwen­digkeit dieser Maßregel, mit welcher ein erfreu­licher Anfang gemacht ward, ergab sich aus den Marktverhältnissen mit ausländischem Obst, die nur durch Erzeugung guter Ware in wenigen Sorten gebessert werden können. Hmgepfropft wurden in Oberhessen, mit Ausnahme des Kreises Alsfeld, 7213 Obstbäume mit 161 211 Köpfen. 3m Kreise Friedberg, der 70 Gemeinden umfaßt, wurden in 4 Gemeinden 1197 Bäume mit 33 251 Pfropfköpfen umveredelt. 3m Kreise Büdingen, der 76 Gemeinden zählt, wurde in 40 Ortschaf­ten das Hmpfropfen durchgeführt. Die Zahl der um gepfropft en Bäume betrug hier 4326 (93 030). Der Kreis Gießen mit 80 Gemeinden beteiligte sich mit 12 Ortschaften, wo 925 Obst- bäume mit 23 359 Köpfen umgepfropft wurden. 3m Kreise Lauterbach, der 67 Gemeinden hat, waren 14 Ortschaften beteiligt. Hmgepfropft wur­den 644 Bäume mit 8671 Köpfen. Am schwächsten war die Beteiligung im Kreise Schotten, wo nur die Ortschaften Ruppertsburg, Wetterfeld und Wohnfeld 110 Bäume mit 3782 Köpfen um­pfropften. Für den Kreis Alsfeld, wo auch umgepfropft wurde, fehlen die Zahlenangaben. Die Hauptsorten waren an Aepfeln Doskoop, Lebe! und Goldrenette von Blenheim. Bei den Birnen wurden Gellerts Butterbirne, Köstliche von Chgrneu, Gräfin von Paris bevorzugt.

Die Aussprache war überaus lebhaft. All­gemein kam der Wunsch nach Erhöhung des staatlichen Zuschuss es zum Aus­druck, da nur dann, wenn das begonnene Werk fortgesetzt würde, ein voller Erfolg zu erhoffen

Aktionen erklären könnte. Du mußt mir glauben, daß ich das alles nur von dir fernhalte, um deinen jungen Sinn nicht zu verwirren. Es geht um so etwas wie Weltherrschaft oder vielleicht auch um Erschütterung dieser Weltherrschaft. Aber jedes Po­sitive hat ja auch sein Negatives, nicht wahr?"

3a", sagte sie mutlos.

Ich habe die Fäden eines großen Netzes in der Hand. Verzeih' mir darum, wenn ich bisweilen un­geduldig bin. Gegen dich sollte ich es nicht sein."

3ch habe dir nichts zu verzeihen." Einen Augen­blick fühlte sie die alte Bewunderung für diesen Mann mit seinem unbeugsamen Willen, der alle Widerstände des Körpers beiseiteschob um einer Aufgaoe willen, die hundert Augen forderte.

Aber dann dachte sie an Grotteck und daß sie ihm nun wieder ferner gerückt war. Reiste Vater deswegen? Sie war an plötzliche Fahrten gewöhnt wo war sie nicht überall gewesen, seit er sein Augenlicht eingebüßt hatte und sie ihm unentbehr­lich geworden war? Aoer seit sie hier in dieser deut­schen Stadt wohnten, war er feßyaft geworden, bis vor einigen Monaten die ewigen Geheimfitzungen mit all den dunklen Menschen begannen, bis dies Werk sich anbahnte, das sie fürchtete, ohne es zu kennen. Oft hatte er ihren Instinkt anerkannt warum wollte er jetzt nichts davon wissen, wo sie den Zusammenbruch dieses dunklen Werks fühlte, das sie alle und ihr Glück mit sich reißen würde?

Das Schlimmste war: sie träute ihrem Vater nicht mehr. Sie hatte wohl bemerkt, daß er hatte sagen wollen, Grotteck sei in die Falle gegangen. Nur irgendeine alte Gewohnheit hatte ihn im letz­ten Augenblick umgestimmt und ihn zur Wahrheit genötigt,, die so zögernd herausgekommen war. Sie fühlte etwas wie Haß aufsteigen. Aber da sah sie eine kindlich ungeschickte Bewegung des blinden Mannes, und alles Feindliche ertrank in einer Welle von Mitleid.

Du weißt doch," begann er endlich,daß ich dir sonst jeden Wunsch erfülle."

,Jga," brach sie heftig aus,du kaufst mir alles, Auto, Kleider, Perlen, die ich gar nicht will ..."

Ueberrascht wandte er sich nach ihr hin.Ich will, daß du glücklich bist. Du wärest das erste junge Mädchen, das an diesen Dingen keinen Gefallen fände."

beugte er sich. Es gelang ihm fast, die Beleidigung des Geldangebots darüber zu vergessen.

Das mußte er Inge sagen. Und bis dahin muß­ten auch Grotchausen und die Mutter warten. Beide würden es verzeihen

Als er seine Wohnung verließ, kam Fährmann an.Wohin des Wegs, Barönchen? Schon auf die Bahn?"

Ich muß zur Probe", log Grotteck.Ich soll doch in der Eroika mitspielen?

Ein paar Schritte komme ich mit. Also die Eroika im Sender. Das hat sich der olle Beethoven auch nicht träumen lassen. Großartig ist es übrigens schon, wie er mit den beiden kurzen Schlägen zu AnfangPaßt auf!" sagt! Und dann der Trauer­marsch im zweiten Satz, wo die acht Takte des Hauptthemas von den Hoboen gejammert werden! Das ist schon direkt talentvoll erfunden. Und nun machst du ihn also berühmt?"

Ja, aber unfreiwillig. Weil ich Geld verdienen muß. Das Zusammenspiel macht mir durchaus keine Freude."

,Lch glaube, du spielst darauf an, daß du mir gestern Geld gepumpt hast. Du wirst wohl ein Pyilister?"

Bewahre. Es war nur ein Stoßseufzer."

Nun, wenn man das Geld zu solcher Reise hat ..."

Falls dich das beunruhigt ich habe es von Zuhause."

Der liebe Mammon!" seufzte Fährmann.Wie sagt doch der Dichter: Das Niederträchtige ist das Allmächtige nicht wahr?"

Grotteck muhte lachen.Zitate und Fremdwörter find Glückssache."

Nun, jedenfalls sind wir uns in diesem Punkt einig, daß Armut allein nicht glücklich macht. Wol­len wir unsere Erkenntnis nicht im Alcazar begie­ßen? Du mußt mich allerdings einladen."

Geh nur voraus. Wenn ich nicht nachkommen kann, darfst du die Zeche auf meine Rechnung schreiben lassen."

Zu dieser Zeit saß Herr Kiewening im Alcazar, neben ihm hockte Dekepper, geknickt und zerstreut.

Kiewening war schlechter Laune, obwohl die Ge­schäfte lange nicht so gut gegangen waren wie in letzter Zeit. Dieser neue Kunde, der sichBrod" nannte, machte zuviel zu schassen. (Forts, folgt.)

fei. Die Besitzer sollten die zum Hmpfropfen bestimmten Bäume kräftig düngen, die im Rasen stehenden bearbeiten, und den Besitzern soll nicht gestattet werden, zur Nachbehandlung in ihren Bäumen zu arbeiten, da hierdurch mehr verdor­ben als gut gemacht würde. Diese Arbeit sei ge­schulten Leuten zu überlassen. Es habe sich ge­zeigt, daß die überall noch reichlich vorhan­dene Kas eler Renette d'.e Veredlungen schlecht an­nimmt und die ebenfalls viel umgepfropfte Gold­parmäne häufig durch Frost gelitten hat, was nach dem Hmpfropfen dadurch hervortritt, daß der geschwächte Baum versagt. Die Frage, ob man Pfropfreiser von tragbaren oder jungen Reisern nehmen soll, wurde dahin beantwortet, daß es gänzlich gleichgültig sei, ob sie von einem tragbaren oder jungen Baum stammten, auch Wasferreifer wurden fruchtbar, aber fräftig und gesund müßten sie sein. Nur kräftige Reiser erzeugten kräftigen Trieb bei dem ungepfropflen CBaum. Fyst in allen Bezirken sind zu viel Köpfe aufgesetzt worden. 3m Durchschnitt erhielt der Deredler einen Stücklohn von 15 Pf. pro Kopf. Dies hat vielfach zur Anferttgung von Derdienstköpsen" verleitet. Aus dem Odenwald wurde der Wunsch nach besserer Ausbildung von Daumwärtern rege. Man solle befähigten jungen Leuten den Besuch von Kursen in Fried­berg erleichtern, indem die Hnkosten auf die Ge­meinde übernommen würden, auch solle man nicht versäumen, den ausgebildeten Leuten eine Exi­stenzmöglichkeit zu gewähren, damit sie dem Obst­bau erhalten blieben. Wohl seien die Kreisbeam­ten durchaus notwendig, aber ebenso wichtig sei eine befriedigende Lösung der Baumwärterfrage. Der Vertreter Wiesecks, Herr Hammel, äußerte Klagen aus feiner Gemeinde und zeigte an Beispielen, wie ungenügend vor­gebildete und ungeeignete Leute dem Obstbau schweren Schaden zufügen können. Auch von anderen Seiten wurde über das Heberhand- nehmen sog.wilder" Daumwarte geklagt, die ohne 3nteref;e, nur durch Eigennutz getrieben, Arbeiten an Bäumen ausführen, ohne irgend­eine Verantwortung dafür zu übernehmen. Man solle darum überall den bodenständigen Mann bevorzugen. Als vorbildlich wurde die Einrich­tung int Kreise Lauterbach bezeichnet, wo der Kreis in vier Baumwartei en eingeteilt sei und die benötigten Bäume in den vom Kreise unter­haltenen Baumschulen herangezogen würden.

Nach Verlesung einer Entschließung, in der das Ministerium für Arbeit und Wirtichaft um Gewährung einer höheren Summe zur Förde­rung des planmäßigen Hmpftop'enS er acht wird, und die einstimmige Billigung fand, trat eine kurze Mittagspause ein.

Alsdann begab man sich unter Führung von Kreisobstbauinspektor Metternich nach den Büdinger Ob st werken. Diese waren be­reits am Tage vorher in Betrieb gezeigt wor­den, doch den meisten Besuchern, die erst am Morgen der Tagung von außerhalb erschienen waren, "och unbekannt. Diese Führung befrie­digte a gemein und überraschte durch die Groß­zügigkeit des Handelns auf dem Gebiete der Obstverwertung in Büdingen. R.

Wirtschaft.

Weitere Besserung des Außenhandels.

Der deutsche Außenhandel weist im Monat September im reinen Waren­verkehr (ohne ReparationSsach'.ieferringen) eine Einfuhr von 1087 Mill. Mk. auf und eine Aus­fuhr von 1059 Mill. Mk., womit sich ein Ein­fuhrüberschuß von 28 Mill. Mk. gegen 58 Mill. Mk. im Vormonat ergibt. Die Kenn­zeichen der September-Außenhandelsbilanz fbib fast unveränderte Einfuhr, erhöhte Fertigwaren- und Lebensmittelausfuhr, sowie Rekordeinfuhr an Gold. Der weitere Rückgang des Ein­fuhrüberschusses ist ausschließlich auf das Konto der Ausfuhrbelebung zu bringen. Die Wareneinfuhr stieg lediglich von 1083 Mill. Mark im August auf 1087 Mill. Mk., während die Ausfuhr eine Erhöhung von 1026 Mill. Mk. auf 1059 Mill. Mk. erfuhr. Ein wesentlicher Teil der Ausfuhrsteigerung ist saisonbedingt, und zwar ist infolge des günstigen Ausfalls der Ernte

Sie schwieg. Es hatte keinen Zweck, dagegen zu reden. Ihre brennenden Augen waren erfüllt von einer abgrundtiefen Traurigkeit.

... Draußen kam Blinsky über den Korridor. Er hielt an der Tür an und lauschte. Da legte sich eine Hand auf feinen Arm.

Das malaiische Mädchen stand vor ihm und wies ihn mit einer Handbewegung fort.

Wut verzerrte sein Gesicht. Er hob die Faust, als ob er Zuschlägen wollte.Fort mit dir, gerne Bestie!"

Si stand aufrecht und sah ihn mit ihren schwar­zen Tieraugen ruhig an, ohne von der Stelle zu weichen. Ihre Lippen bewegten sich, aber sie sprach kein Wort.

Langsam wich Blinsky Schritt für Schritt zurück, die umwölkten Augen auf die Wächterin gerichtet.

*

Grotteck nahm sich vor, feine Reise zu verschie­ben, bis er ein Lebenszeichen von Inge erhalten hätte.

Seit er in Brodersens erloschene Augen geblickt hatte, war ihm das Rätsel dieses Hauses gelöst. Brodersen hatte ihn niemals übersehen oder doch nicht mehr als alle andern, und Inges schwer­mütige Stille war ja nun begründet. Was für ein Schicksal lag auf ihr all die Zeit! Was mußte es sie kosten, dies Geheimnis ihres Vaters zu teilen, zu hüten und in immer neuer Anstrengung vor der Neugierde der Besucher zu wahren!

Jener letzte König von Hannover hatte sich auf fein Pferd setzen lassen, um Truppenrevuen abzu­halten, er hatte einzelne Offiziere begrüßt und Kri­tik an dem Vorbeimarsch geübt, den nur seine Um­gebung sah. Diese Tragikomödie war an seinem Hof unhaltbar gewesen. Jeoer durchschaute sie, und nur der König selber wußte nicht, daß alle darum wuß­ten. Aber ein Privatmann wie Brodersen, dem man ohnehin allerlei Sonderlichkeiten zugestand, konnte sie schon durchführen, wenn er willige Helfer wie 3nge und die treue Malaiin hatte.

Aber warum gab er sich diese Mühe? War es wirklich nur dies königliche Gefühl, nicht seine Schwäche und Ohnmacht auf den Markt zu tragen und billigem Mitleid preiszugeben? Gleichviel, es war ein stark strömender Quell männlichster Seelen­kraft, der das ermöglichte. Und vor dieser Kraft

die Lebensmittelausfuhr um rund 20 Millionen gegenüber dem Vormonat gestiegen. Dabei stieg die Weizenausfuhr gegenüber dem Vormonat um 4,2 die Haferausfuhr um 4,6 und die Roggen­ausfuhr um 9,4 Mill. Mk. Die erhöhte Feriig- tvarenausfuhr ist in der Hauptsache auf die be­trächtliche Steigerung der Maschinenausfuhr um rund 30 Mill. Mk. zurückzuführen. Zugenommen hat ferner der Export an Pelzen, Cifenwaren und Musikinstrumenten, während der Export von Er­zeugnissen der Konsumgüterindustrien, anscheinend im Zusammenhang mit der Besserung d:s 3n- landabsatzes für diese Industrien, eine Abnahme erfahren hat. Mas die Einfuhr anbeirisst, fov ging die Lebensmitteleinfuhr von 340 Mill. Mk. im August aus 337 Mill. Mk. zurück. Beachtens­wert rst, daß, trotzdem die Rohstoffe'.nfuhr von 550 auf 551 Mill. Mk. zugenommen hat, die Ein­fuhr der wichtigsten 3ndustrierohstoffe, wie Baum­wolle, Wolle, Eisenerz. Kupfer, Hol; usw. zurück- Singen ist. 3n der Einfuhr von Fert gwaren ist

erkenswert die Zunahme der Textilsertig- wareneinfuhr um 8,2 Mill. Mk. Die Goldein - fuhr hat sich mit 1594 Mill. Mk. gegenüber dem Vormonat mit 61,9 Mill. Mk. f a ft verdop­pelt. Auch bei den Reparationssachlieferungen, die sich von 53,7 Mill. Mk. im August auf 61,5 Mill. Mk. erhöhten, entfällt die Zunahme aus­schließlich aus die Gruppe der Fertigwaren.

Wenn auch die Entwicklung in der Richtung eines langsamen Ausgleichs der deut­schen Außenhandelsbilanz, die sich bereits in den Augustzahlen des Außenhandels ankündigte, im September weitere Fortschritte gemacht Hal. so kann von einer grundlegenden Besse­rung der deutschen Außenhandelsbilanz s v - lange nicht die Rede sein, als sich die Ge­samtpassivität des deutschen Außenhandels für die Zeit vom 1.3anuar bis 30. September dieses Jahres auf fast 2,02 Milliarden Mark stellt. Die weitere Entwicklung wird davon ab­hängen, ob es Deutfchland gelingt, bei der lang­sam abflauenden 3nlandkonjunktur und trotz der in der Eisen- und Textilindustrie gegenwärtig herrschenden Lohnbewegungen die Ausfuhr so zu forcieren, daß ein Ausgleich der Handelsbilanz stattsinden kann. Die Aussichten dafür find jedoch in Anbetracht dessen, daß Deutschland jetzt in das erste 3ahr der vollen Reparationsannuitäten eingetreten ist, und daß die schwierigen Lohn­verhandlungen in der Eisen- und Textilindustrie, die eventuell eine Erhöhung der Löhne und damit eine Verminderung der Konkurrenzfähig­keit Deutschlands auf dem Weltmärkte bringen werden, nicht allzu günstig.

Ein neuerWeg zurAgrar-Iinanzierung?

Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, liegt den Gerüchten, die von einer Heranziehung der sozialen Versicherungsträger für Agrarkredite wissen wollen, tatsächlich ein schon an verschie­denen Stellen erwogener realer Plan zugrunde. Hrsprünglich hatte man aber Aeußerungen über solche Absichten bis Anfang kommenden 3ahres verschieben wollen, da man erst zu diesem Termin mit voller Klarheit über bie Durchführungsmög- lichkeiten der jetzt noch ganz in ihren Anfangs­stadien befindlichen Pläne rechnen kann.

3m November wird sich der Verwaltungsrat der Rentenbank-Kreditanstalt mit der Kreditaktion für die Landwirtschaft beschäftigen, die anläßlich der Zurückzahlung des ersten Drittels von 100 Mill. Mk. der Golddiskontbank-Anleihe zum 1. 3uli kommenden 3ahres notwendig wind. Es erscheint schon jetzt als fast ganz ausgeschlossen, daß dieser Kredtt prolongiert wird, und ebenso unwahrscheinlich dürste eine Derpfandbriesung der Golddiskontschulden angesichts der verschiedensten Schwierigkeiten sein, vor allem da man bei einer solchen Aktion mit einem nicht unerhGlichen Disagio rechnen muß. 3m Hinblick auf die Not­lage der Landwirtschaft wäre-es auch psychologisch und sachlich kaum zu rechtfertigen, wenn man die Landwirtschaft mit den hohen Kosten einer solchen Hmschuldungsaktion belasten würde.

Aus allen diesen Gründen bemüht man sich jetzt, aus dem inländischen Geldreservoir im Zu­sammenhang mit einer Anregung des Reichsbank­präsidenten, Dr. Schacht, für diesen Termin Mittel bereitzustellen, und denkt dabei an die Gelder der Reichsversicherungsanstcllt für An­gestellte und an die Landesversicherungs anstalten.