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mark. Passiva: Geschäftsanteilkonto 57 703,85 Goldmark, Anleihekonto 1 035 320,31, Spare.nlagen- konto 1019,35, Reseroefondskonto 2705, Spezial- Rcservefondskonto 43 764,80, Aufwertungskonto 32 719,67, Straßenkostenbeitragskonto 11 148,68, Bürgersteiabeitragskonto 6400, chäuserunterhaltungs- konto 15 387,23, Gewinnsaldo 2981,86, zusammen 1 209 150,75 Goldmark. Die Gewinn- und Verlust- rcchnun^ schließt in Einnahme und Ausgabe mit 81 193,40 Goldmark. Von besonderem Interesse sind u. a.: Miete von Wohnungen 79 690 Goldmark! ferner Zinsen für aufgenommene Kapitalien 18 863,28, Steuern und Abgaben 22190,88, Unter­haltungskosten für Wohnhäuser 9651,47, Abschrei­bung am Kapitalienkonto 11 502 Goldmark usw. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1926: 703, Zu­gang in 1927: 66, Abgang in 1927: 3; Mitglieder­stand Ende 1927: 766. Die Haftsumme betragt Ende 1927: 176 800 Goldmark, das Geschäftsguthaben aller Mitglieder beträgt 1927: 57 703,85 Goldmark. Alle diese Ziffern wurden vom Rechner noch ein« gehend erläutert.

In der über den Geschäfts- und Kassenbericht ein­setzenden lebhaften Aussprache wies zunächst Stadtv. Mann darauf hin, daß die Kommunen und Kom­munalverbände nicht in der Lage seien, auf dem Geldmarkt Mittel zu erträglichen Zinssätzen herein« zubekommen. Es bestehe aber Hoffnung, daß in Zu­kunft der Kleinwohnungsbau mehr als bisher ge­fördert werde. Der Redner gab dem Wunsche Aus­druck, daß die Stadtverwaltung den gemeinnützigen Baugenossenschaften auch für die Folge in weitest­gehendem Maße entgegenkommen möge. Von einigen Rednern wurden die für die neuerrichteten Wohnungen festgesetzten Mieten als zu hoch und für die Minderbemittelten als unerschwinglich be­zeichnet. Aus diesem Grunde sei es wünschenswert, die Bautätigkeit von feiten der Genossenscbaft ein. zustellen, da die in der Satzung festgelegte Aufgabe, Beschaffung von billigen Wohnungen für Minder­bemittelte, erfüllt sei, und die Fortsetzung der Bau­tätigkeit in diesem Sinne durch die herrschenden Verhältnisse unmöglich gemacht würde. Statt dessen wurde gefordert, daß die Behörden, die verpflichtet wären, ihrerseits für gute Wohnstätten ihrer Bürger zu sorgen, dieser Verpflichtung für die Zukunft auch nachkommen. Dieses Verlangen wurde von den folgenden Rednern sowie vom Vorsitzenden Fourier abgelehnt unter Hinweis auf die Tat­sache, daß auch die Kommunen und Kommunal­verbände nicht in der Lage seien, Wohnungen billiger zu erbauen. Der Vorsitzende erläuterte den Grund­satz, nach welchem die Berechnung der Mieten er­folgt, und hob hervor, daß bei der Mietfestsetzung auch der Rücklage für Wohnungsinstandsetzung Rechnung getragen werden muffe, um vor allem die Wohnhäuser, deren Renovierung infolge des Man­gels an Mitteln in der Nachkriegszeit unterbleiben mußte, wieder in einen guten und angemessenen Zustand zu versetzen. Die von der Baugenossenschaft errichteten Wohnungen seien immer noch beträchtlich billiger, als die von privater Seite erstellten. Es wurden Vergleiche mit den Bauten anderer gemein­nütziger Genossenschaften gezogen, so u. a. mit Darmstadt, wo für Dier-Zimmer-Wohnungen 1600 Mark verlangt würden, obwohl der Preis für Bau­gelände usw. ähnlich sei wie in Gießen. Die Häuser der Baugenossenschaft könnten sich sehen lassen: dem Grundsatz, den Mitgliedern Wohnräume zu schaffen, in denen sie sich bewegen können und vor allem auch wohlfühlen, sei zur Genüge Rechnung getragen. Nach diesen Ausführungen, die lebhaften Beifall fanden, wurden die zur Debatte stehenden Jahres­berichte einstimmig genehmigt und die von den Re­visoren unter Worten der Anerkennung für die geleistete Arbeit beantragte Entlastung des Rechners bzw. Vorstandes erteilt. Die Versammlung gab durch diesen einmütigen Beschluß kund, daß sie mit der von Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagenen Fort­setzung der Bautätigkeit einverstanden ist.

Die Verteilung des Reingewinns von 2981,86 Mark erfolgte nach dem Vorschläge des Vorstandes.

Die Wahlen für den Vorstand hatten folgendes Ergebnis: Die satzungsgemäß ausschei- oenden Vorstandsmitglieder H. Fourier, Ha­mann und E. Müller wurden einstimmig wie- dergewählt. An die Stelle des durch Ableben aus- geschiedenen verdienstvollen zweiten Vorsitzenden Pairan, dessen Andenken von der Versammlung unter anerkennenden Worten des ersten Vorsitzen­den durch Erheben von den Sitzen geehrt wurde, tritt der Stadtverordnete Mann. In den Auf- llchtsrat wurden die Mitglieder Stadtv. Schmie­der, Kuhl und Meier einstimmig wieder« gewählt.

Anekdote im Oktober.

Von Hans Thyriot.

Die folgende unwahrscheinliche Geschichte entstammt einer kleinen Zeitungsnotiz.

3m Oktober hat die Filmschauspielerin Mary Darennes ihren Namenstag. Mary ist nun 26 3ahre alt also jung, sie ist sehr hübsch, sie hat Erfolg und eine gute, liebenswürdige Presse, sie steht im Hellen Sonnenschein ihres Ruhms ... s ie wohnt in der großen, funkelnden, abenteuerlichen Stadt Paris. Und wenn man so jung und so hübsch und so wie ein neu­entdeckter blitzender Stern am Himmel aus Erden steht, dann ist ein Namenstag ein wichtiger Tag, ein bedeutender Anlaß, ein Ereignis, das man festlich begehen muh. Später, wenn man nicht mehr so jung und nicht mehr so hübsch ist, und wenn die blühenden Kränze des Nuhms und der Verehrung welk und staubig geworden sind, dann vergißt man Wohl, daß man Namenstag hat (zumal wenn er nicht in den Mai oder 3uli fällt, sondern auf einen grauen und nebelvev- hangten Oktobertag) dann denkt man am Ende nicht mehr daran, oder nur mit Mißvergnügen und Sorge vor dem nächsten, man macht rein Aufhebens davon und feiert ihn nicht mehr.

Martz Darennes aber jung, hübsch und im Sternglanz ihres aussteigenden Nuhms feiert ihren Namenstag. Sie gibt ein Fest für sich und ihre Freunde. Oh, ein kleines, vornehmes, glitzerndes Fest in ihrer wunderschönen Park­villa, draußen in der stillen Straße von St. Ger­main.

Gegen Abend, wenn über der Seine zarte graue Nebelschleier schweben und die bunten Drückenlampen und Schiffslaternen wie farbige Mondscheiben in einem Dunstkreis stehen, dann füllen sich die hohen schmalen Fenster der Empire­fassade im Gartengrunde hinter den vergilbten Däumen mit warmgoldener Lichterflut. Unö dann rollen die blanken Limousinen säst ohne Laut durch die leichtgeschwungene, schmale Garten­straße von St. Germain und halten, eine nach der anderen, vor dem Hause der Diva Martz

Schon! die Heiken, errichte! Vogelschutzgehölze!

Von Karl Rudolf Fischer, Laubach.

Mit großem Bedauern mußte man bemerken, daß in diesem 3ahre allerwärts eine große An­zahl von Hecken trotz ihrer anerkannten Wich­tigkeit für den Vogelschutz im Dienste der Schäd­lingsbekämpfung abgebrannt und ver­nichtet worden sind. Und dies zu einer Zeit, da allerorts intensiver Vogelschutz verlangt wird, um den Rückgang unserer nützlichen Vogelarten aufzuhalten, da man behördlicherseits daran ist, die Anlegung von Vogelschuhgehölzen anzu­ordnen. Mit der Beschränkung der Dogelschuh- bestrebungen auf die Darbietung von Nistkästen allein ist es längst nicht getan. Das mögen die folgenden Ausführungen beweisen.

Schon die oberflächliche Prüfung der Frage nach dem Wert und Nutzen des praktischen Vogelschutzes durch Anormgen von Nist­kästen läßt die Wahrnehmung machen, daß trotz ihrer unverkennbaren Bedeutung die Wieder­bevölkerung unserer stark in ihrem Bestände ge­lichteten Vogelfauna nur durch Erfüllung dieser Forderungen allein eine höchst einseitig gerichtete ist, und wir uns der strikt wissenschaftlichen Ein­sicht nicht verschließen können, daß es einem Wahne gleichkäme, von ihr die Regeneration des früheren, naturgegebenen Gleichmaßes der in unserem Lande privilegierten Vogelfauna er­warten zu wollen. Ein trauriger Beweis, wie weit die Verödung schon fortgeschritten ist! Daher ergibt sich von selbst, daß wir allein schon im Interesse der Schädlingsbekämpfung zur erforder­lichen Wiederherstellung des einstmaligen Gleich­gewichtes harmonisch komponierter Tierbesiede- lung die Beschränkung der Vogelschuhbestrebun­gen auf die Darbietung von Nistkästen allein als völlig unzureichend erachten müssen. Wir kämen mit der Beobachtung der von ihr ausgestellten Forderurigen schließlich nur einer kleinen Schar infolge ihrer Arteigentümlich­keiten in mehr oder minder großer Individuen­zahl anzutreffenden Vogelarten zu Hilfe. Auf der anderen Seite vermöchten wir einem mindestens noch wichtigeren Faktor nicht wirksam genug ent- gegengutretcn, nämlich, daß einem mindestens gleichwertig anerkannten Kontingent von insekten­fressenden Vögeln dadurch ein wahrer Ver­nichtungskrieg erklärt wird, daß man schonungs­los Hecken, Gebüsche, Gestrüppe und Unterhölzer aller Art abholzt, verbrennt oder gar zur Brutzeit beschneidet. Eine oft beob­achtete Tatsache, die zwar strafbar ist, aber nie geanhndet wird.

Durch die in der Einseitigkeit der Unterstützung begründete Unvollkommenheit unserer seitherigen Vogelschutzbestrebungen fördern wir zwar nach Züchterart die Zunahme und Erhaltung eines be­sonders bevorzugten Teiles unserer Vogelwelt (Meisenzucht). Wir wollen es aber, im Bewußt­sein unserer angewandten Hilfsmittel, nicht glau­ben, daß die allgemeine Verarmung auf Kosten

Die Versammlung gab ferner dem Vorstand und Aufsichtsrat ihre Zustimmung zum evtl. Verkauf eines Grundstücks.

Aus der DersammlungwurdenWünsche laut zwecks Errichtung von Wohnungen im nörd­lichen Stadtteil. Ferner kam die mangelhafte Beleuchtung der Licher Straße oberhalb derStadt Llch" zur Sprache, und es wurde dringend ge­wünscht, daß hier von selten der Stadtverwaltung baldigst Abhilfe geschaffen wird.

Darauf wurde die anregend verlaufene Versamm­lung geschlossen.

Line neue Zugendherberge in Oberheffen

Von der Ortsgruppe Gießen des Verbands für deutsche Jugendherbergen wird uns geschrieben: Der feit über Jahresfrist geplante Neubau einer 3 ugendherbe rge in Gedern wird nun zur Ausführung kommen. Die Pläne liegen vor, und mit den ^Bauarbeitern wird in diesen Tagen begonnen. Der Rohbau soll noch vor Eintritt des Winters erstellt werden, wäh­rend die Arbeiten für den Innenausbau im Laufe des Frühjahrs durchgeführt werden sollen. Wenn die Wanderzeit wieder beginnt, werden unsere jungen Wanderer in Gedern eine aus­reichende und gut ausgestattete Bleibe auf dem Anmarschweg zum hohen Vogelsberg finden. Auch der Gederner See, der wegen Ausbesse­

einer speziellen Zunahme dennoch weitergeht. In diesem Sinne, das sei nebenbei gesagt, ist auch auf dem Gebiete des Vogelschutzes eine grund­legende Reform notwendig, und letzten Endes dürfte erfolgreiche Erhaltungsarbeit nut von der Abkehr vom seitherigen Standpunkt im Vogelschutz zu erwarten sein, der nur nach dem höchst anzweiselbaren Gesichtspunkt des relativen Nutzens und der absoluten Nützlichkeit geurteilt hat, während fortan der Gedanke von der Er­haltung aller Arten und ihrer Wohngebiete allein für die Dogelfchutztendenz maßgeblich sein dürfte.

Aus diesem Grunde ist auch die Schonung von Hecken und Gebüschen unbedingt erforderlich. Für die durch Kulturumwäl­zungen in Wegfall gekommenen Hecken usw. ist weitestgehender Ersatz zu schaffen. Besonders denke ich da an die immer mehr verschwindenden, so eigenartig schönen und vogelreichen Hecken- gürtel des Dogelsberggebietes, die in ihrem landschaftlichen Eindruck an den Cha­rakter der holsteinischen Knicks erinnern und deren Erhaltung eine der ersten Forderungen unserer Tage ist. Ich setze mich daher schon seit Jahr und Tag dafür ein, daß der Landtag eine Ge­setzesvorlage schaffen möge, wonach in allen Ge­meinden, in deren Gemarkung die Feldbereinigung durchgeführt wurde, als Ersah für die in Wegfall gekommenen Hecken sogenannte Vogelschutz­gehölze angelegt werden müssen. Denn auch unsere Buschbrüter sind es vor allen Dingen, die seither neben den Höhlenbrütern am meisten unter den neuen Verhältnissen zu leiden hatten, und zu ihnen gehören unsere besten Insekten­fresser (Rotkehlchen, Drosseln, Nachtigall). Will man sie vermehren helfen, so ist es ein Haupt­erfordernis, einen merklichen Ausgleich f ü r die verschwundenen Hecken zu schaffen und fortan statt der üblichen Draht­zäune wieder die H e ck e n z ä u n e einzuführen.

Will man regelrechte Vogelschuhgehölze an­legen, so sollen diese aus Pflanzen bestehen, die möglichst viel Schatten vertragen können, wozu sich Weißdorn am besten eignet, den man mit einzelnen Rot- und Weißbuchen untermischt an­siedelt. Auch ist zum Unterbau die wilde Stachel­beere, die Heckenkirsche und die Vogelbeere (Eber­esche) zu empfehlen. Die beste Zeit zum Anbau ist der Vorfrühling, wobei sich späteres Hacken und Gießen sehr empfiehlt. Nach dem dritten Jahre wer­den die Weißdorne an der Wurzelsprieße dicht über der Erde abgeschnitten, um eine gute Quirl­bildung zu er. eichen. Nach abermals drei Jahren werden die S.auden geköpft. Am besten geschieht dies in verschiedener Höhe, z. D. 0,5 bis 1 bis 2 Meier. Die Quirlen werden alsdann jährlich, und zwar im Herbste (keinesfalls im Frühjahr) beschnitten, um gute doldenähnliche Unterlagen zu dem Nestbau zu erhalten.

rungSarbeiten trodengelegt worden war. wird bis dahin wieder gefüllt sein und eine herrliche Bade­gelegenheit bieten. Die Stadt Gedern hat einen hübschen Bauplatz am Rande der Stadt zur Verfügung gestellt und einen Teil der Baustoffe gestiftet. Ihrem tatkräftigen Bürgermeister Müller verdanken wir es, wenn hier ein geradezu ideales Gelände für den Iugendher- bergsbau bereitgestellt worden ist. Vor der Her­berge wird eine große Spielwiese und eine mun­tere Quelle den Wanderern zur Verfügung stehen. Von hier hat man durch Bäume und Büsche einen reizenden Blick auf die Stadt selbst. Der Bau, der in einem Ausmaß von 14x7 Meter als einfacher einstöckiger Holzfachwerkbau ge­dacht ist, wird in der Mitte einen großen Tagesraum (enthalten. Rechts und links davon liegen zwei große Schlafräume. Der für Mädchen vorgesehene ist etwas kleiner als der andere, so daß Raum für ein kleines Führerzimmerchen geschaffen werden konnte, eine Annehmlichkeit, die Iugendführern willkommen sein wird. An der Rückseite des Gebäudes sind getrennte Wasch- und Aborträume vorgesehen, die sowohl vom Tagesraum, als auch von den Schlafräumen aus zugänglich sein werden. Gin Herd im Tages­raum als Kochgelegenheit ist vorgesehen. Die Schlaf räume werden mit Oefen versehen, so daß die Herberge auch für den Wintersport dienen kann. Wenn dieses neue Eigenheim des Gaues

Darennes. Die Gäste kommen zum Namenstag. Freunde und Freundinnen, ihrer zwanzig viel­leicht, lauter junge Leute mit fröhlichen rosi­gen Gesichtern, mit Blumensträußen und Ge­schenken in kleinen Körben und in Seidenpapier.

Im Roten Salon steht Mary Värennes, an­getan mit einem weißen Kleid aus feiner Seide, eine einzige große Rose an der Hüfte,und emp­fängt ihre Gäste. Hm sie her ist eine Fülle von Licht, eine pastellfarbene Welle zarter Ro­ben, ein Wirbel von blanken Schultern und schwarzem Fracktuch, . .. Puderduft, Frucht­körbe, Sektschalen, Blumen, Warme und Fröhlich­keit. Und über allem Geplauder, Gelächter, Glückwünschen, Handküssen und Zuwinken der zärtliche Geigenstrich einer kleinen Musik ...

Bei Tisch werden viele lustige und witzige Reden gehalten. Und alle diese Reden sind an die junge Schauspielerin gerichtet, die lächelnd inmitten sitzt ... und alle flingen sie aus in einen Glückwunsch für das Namens tags lind. Und dann heben die zwanzig Gäste die Sektkelche und trinken auf das Wohl der Darennes. Und während man trinkt, nur in diesen kurzen Se­kunden, schweigt alles Gespräch und manchmal auch die Musik. In so eine winzige schwebende Stille hinein aber schreit, plötzlich innehaltend mit Trinken und das Glas schnell absetzend, eine kleine schwarzhaarige Malerin mit spitz­bübischen Augen zur blonden Gastgeberin hinüber: Mary Marion Mariette! Wo hast du eigentlich deinen Rekruten?" Und dieser wunder­liche, ausgelassene Schrei findet ein vielstimmig jubelndes Echo in der Tafelrunde.

Man muß wissen: in Frankreich bedeutet es Glück, wenn ein Mädchen an seinem Namens­tag einen Rekruten küßt. Und deshalb hat die Heine Schwarze recht, wenn sie nach einem jungen Soldaten verlangt, und auch die übrigen erklären, aber besonders die Damen, alle Trink- sprüche und alle guten Wünsche heute abend hätten nicht halb so viel zu bedeuten wie ein Rekrutenkuß, und Mary muß lachen, daß sie ganz rosig ausschaut, und sie gesteht, daß sie versäumt habe, daran zu denken. Aber wäh­

rend Gespräch und Gelächter weiterrauschen und mit der sanften heiteren Musik sich mischen (von der man nicht recht weiß, woher sie kommt), ist die Värennes für ein paar Minuten von ihren Gästen fortgegangen und hat mit dem Concierge gesprochen. Die anderen haben es kaum bemerkt. Schon sitzt sie wieder am Tisch, hebt ihr Glas, plaudert und lacht ..., und nur wer sehr genau hinschaute, würde in ihren großen Augen einen unruhigen Glanz heimlicher Erwartung bemerken.

Alle Schauspielerinnen sind ein wenig aber­gläubisch. Mary ist eine Schauspielerin. Sie hat Glück gehabt. Aber wer kann dem Glück trauen? Und der Concierge ist nicht, wie Pförtner mei­stens sind, bärtig, brummig und bös, sondern ein jüngerer Mann, ernsthaft, geschickt und seiner Herrin ergeben, ilnb auch der Concierge hat Glück. Er hat sich im Auto zu einem der breiten, lichtsprühenden Boulevards fahren lassen. Hnb als er nach einer halben Stunde zurückkehrt, da ist er nicht mehr allein. Die Zofe tritt herein ins Rote Zimmer, bleibt an der Türe stehen, blickt stumm zur Värennes hinüber: die nickt un- merklich und bittet, ans Glas klingelnd, indes die Zofe verschwindet, um Ruhe.

Kaum ist das plätschernde Gespräch verebbt, da steht, während erstaunte, überraschte und er­hitzte Gesichter sich zur lautlos geöffneten und wieder geschlossenen Tür wenden, ein wild­fremder, blutjunger Mensch schweigend im Raum, stumm und zuerst geblendet vom vielen Licht, aber nicht ungeschickt und nicht einmal verlegen: ein Soldat, ein Rekrut, in der schmucklosen taubengrauen Poilumontur mit der Doppelnum­mer am Kragen, die zweispitzige Mühe in der Hand, das bräunliche Gesicht mit dem winzigen schwarzen Bärtchen fast ein wenig belustigt auf die fröhliche und erwartungsvolle Gesellschaft ge­richtet. So steht er in gesammelter Haltung an der Tür, aufmerksam und bescheiden: durch ein leichtes Kopfneigen grüßt er ohne Wort die Mädchen und Männer, die er vor sich sieht.

Und nun erhebt sich Mary Värennes, geht auf ihn zu, leicht und lächelnd, macht einen zierlichen Rokokoknicks vor dem jungen Menschen, reicht ihm die Hand und sagt:Outen Abend!" Und bann:Verzeihen Sie..., daß ich Sie so... Ich

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viele S chnecken gesehen wurden, scheinen sie durch den Frost Ende voriger Woche doch stark

gelitten zu haben. Was in Iägerkreisen sehr bedauert werden dürfte, ist das langsame Ver-

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Tal. Durch die Regulierung des Seenbachs zwi- I ^Mcsen. Di scheu Flensungen, Stockhausen und Weickartshain I lA

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sumpfige Stellen vollkommen verschwunden. Die 1 r$n''St,1Jn» Wildente findet hier nicht mehr den Ort ihrer i ot>vn ®

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füllung zu gehen. Nachdem in den verflossenen Wochen bei der Aussaat des Getreides

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Lebens bedin gun gen. Gegenwärtig ist man damit beschäftigt, die dicken Drahtseile der Drahtseilbahn von Stockhausen nach Ilsdorf herunterzunehmen. Das Hm fegen der Gerüste dürfte wohl bald erfolgen. Diese Draht­seilbahn war schon jahrelang außer Gebrauch. Auch in diesem Jahr war die Bautätigkeit im Gegensatz zu anderen Plätzen in Mücka ziemlich rege. Außer den hergestellten Neubauten wurden die an dem Straßen kreuz MerlauFlen-

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Oberheffen.

Larrokreis Gießen.

Bg. Grohen-Duseck, 21. Ott. Heute wurde auf dem hiesigen israelitischen Friedhöfe unter großer Beteiligung ein Denkmal für d i e im Weltkrieg gefallenen 3 s - r aeliten der Gemeinde Beuern, Großen- Buseck und Reiskirchen eingetoeiljt. Das Ehren­mal stellt eine weithin sichtbare, von einem Stern gekrönte, schlichte Säule dar. Die Weihe­rede hielt Rabbiner Dr. Sander aus Gießen. 3n packenden Worten sprach er von der Liebe der Eltern zu ihren Kindern, der großen Liebe zum Vaterland, die die Krieger alle Not und Gefahr ertragen lieh, und der stacken Liebe, die nun alle Volksgenossen verbinden müsse zu gegenseitiger Hilfe, um sich der Gefallenen wür- fr dig zu zeigen. Hieraus erfolgten Kranznieder­legungen seitens des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, der drei Gemeinden und der Kriegervereine zu Reiskirchen und Gr.-Buseck. Letzterer schoß unter Führung seines Vorsitzen­den, Christoph Pfeiffer, drei Ehrensalven. Stimmungsvolle Chöre der GesangvereineGer­mania".Heiterkeit" undSängerkranz" erhöh­ten die Feierlichkeit. Das Denkmal ist eine Stiftung. Dem Vernehmen nach wird die Er­richtung des Gefallenendenkmals-.. öer_ Ge­meinde Großen-Buseck im kommenden Frühjahr endlich in Angriff genommen.

: Reiskirchen, 21. Oft. In einem Stein» 6 r u d) dahier verunglückte der Arbeiter H. Men - g e l dadurch, daß sich ein Rollwagen loslöste und ihm gegen das Bein stieß. Der sofort herbei» gerufene Arzt stellte einen Unterschenkel» oruch fest. I

ss O ieckvorn, 20 Oktober Um Mitternacht r wurden die Einwohner durch Feuerlärm aus dem Schlafe aufgeschreckt. Es brannte vor dem Dorf . I neben dem Wasserwerk in der Maschinenhalle der Müllerschen Holzschneiderei. Als die ersten Helfer auf dem Brandplatz erschienen, hat» ten bereits die Leute des Wasserwerks einen Schlauch an den hinter dem Pumpengebäude be­findlichen Hydranten angebracht und das Feuer ge­löscht. Es ist infolgedessen nur ein kleiner Teil dec mit Brettern verschalten Maschinenhalle abgebrannt, und die Maschine scheint keinen Schaden gelitten zu haben.

# Hungen, 21. Oki. Der bekannte Aller- heiligenmarkt wird in diesem Jahre eine j Erweiterung erfahren. Es wird nämlich i neben dem Krämer- und Schweinemarkt erstmals ein Schaf markt abgehalten werden, auf dem die Landwirtschaftskammer für Hessen 40 Ham­mel- und Mutterlämmer zur Versteigerung f bringt.

ft Aus dem Seental, 21. Oft. Die Um- bauarbeiten auf der Bahn Mücke Laubach Hungen zwischen den «Stationen Weicker tshain und Stockhausen sind soweit beendet. Soeben werden die Räu­mungsarbeiten vorgenommen. Die Eisenbahn­brücke über den Seenbach bei Stockhausen wurde

heiße Mary Värennes... Wie heißen Sie?" Camille..."Oh, ein hübscher Ramel" Ca­mille lächelt. Mary wird ein wenig rot und fährt schnell fort:Ich hab heut Namenstag... und Sie sollen mir Glück bringen... und gibt dem Jungen in der blaugrauen Uniform, ehe der noch seinen Glückwunsch Vorbringen kann, einen Kuß.

Da klatschen die zwanzig Gäste lachend in, die Hände, da setzt der weiche Geigenstrich der kleinen Musik wieder ein mit einer sanften Aufforderung zum Tanz, die jedermann ins Blut und allen in die Deine fährt, da öffnet sich die Tür zum Gelben Zimmer nebenan, da stehen alle zwanzig auf und teilen sich geschwind in zehn Paare, und als elftes, aber an ihrer Spitze, schreitet dis Värennes mit ihrem blaugrauen Rekrutentänzer über die «Schwelle des blankspiegelnden, ovalen Raumes in Gelb und eröffnet den Namenstags­reigen.

So tanzen sie, so plaudern sie, essen Frücht« und trinken Wein, lachen und treiben «Scherz immerfort... alle jungen Mädchen wollen ein­mal mit dem Soldaten zur Musik geschritten fein im Gelben Zimmer, und der ist gar nicht, wie man sich einen Rekruten wohl vorstelleN» mag, ungeschickt, verlegen und verbiestert, sondern sehr ruhig und höflich und von unbefangene» Fröhlichkeit, voller Verständnis für das wun­derliche, bunte Abenteuer um ihn herum, das er doch nicht hat ahnen formen..., er beweist mehr als Drill und Kasernenhvfschliff, er gibt knappe und verständige Antworten, erzählt abet nicht viel von sich und seinem Leben, jetzt... hier in der Garnison, ... man muh das halt auf sich nehmen und abmachen, nest-ce pas?

Als etwa eine halbe Stunde in aller Fröhlich­keit vorübergerauscht ist, da wird auf einmal der zarte Geigenstckch von einem ganz fernen, Hellen Hornruf der Clairons durchschnitten und für einen Augenblick überstimmt, ... die meisten haben es gar nicht beachtet, nur der Dlaugrau« mit feinen scharfen und aufmerksamen Ohren hat die Mahnung gefjört: er tanzt seinen Tanz zu Ende, führt seine Partneckn artig an den Tisch zurück und tritt dann an die Schauspielerin .

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Main-Rhein-Lahn- Fulda fertiggestellt ist, wird es Zeugnis davon ablegen, daß das so mächtig aufftrebmiLe Iugendherbcrgsmcrk auch in unserer * ' rüstig voranschreitet.

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