Hilgenberg zum deutschnationalen parteivorsihenden gewählt.
Berlin. 20. Oktober. (VDZ.) An der Vertreter- tagnng der Deutschnationalen volksparlei. die heute nachmittag im Reichstag zusammentrat, nahmen 400 Vertreter aus allen Gebieten des Reiches teil, darunter 285 Stimmführer. Die Fraktionen des Reichstages und des preußischen Landtages waren beinahe vollzählig vertreten, Ueber die Sitzung wurde folgendes Kommunique ausgegeben:
„Die Parteivertrelung der Deutschnationalen Volkspartei hielt am Samstag im Reichstag die zur Reuwahl des Parteivorsihenden anberaumte Sitzung ab. Der Wahl ging eine programmatische Aussprache vorauf, die von Graf Westarp eröffnet wurde. Rach deren Beendigung wurde die Wahl desvorsitzenden vorgenommen. Herr Geheimrat h u g e n b e r g. der als einziger zur Wahl stand, wurde gewählt und nahm die Dahl an. Seme Dahl wurde durch lebhaften Beifall der gesamten Versammlung begrüßt. Herr Geheimrat hugenberg übernahm den Vorsitz mit einer kurzen Erklärung. Lr sagte zu. datz er das ihm übertragene Amt im Sinne der Forderung der Größe, Kraft und Einigkeit der Partei ausüben werde. Daran knüpfte er herzliche Worte des Dankes an den bisherigen Vorsitzenden Grafen Westarp, den die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. Hieraus wurde die Versammlung auf Sonntag 11.30 Uhr vertagt.
Ueber die Sonntagsihung wird von der deutsch- nationalen Pressestelle eine Mitteilung ausgegeben, in der es heißt:
„Die deutschnationale Parteiverkretung setzte am Sonntag, dem Tage der Zerstückelung Oberschlesiens durch das Genfer Abkommen, ihre Aussprache fort. Sie wurde durch eine kurze, von Exzellenz W a l l - r a f geleitete Gedächtnisfeier für Karl h e l f f e r i ch eingeleitet Dabei wurde der Karl-Hetfferich-Preis an den diesjährigen Preisträger, den Studenten der Rechte. Hans Georg v. R i b b e ck. übergeben. Die daran anschließende Aussprache wurde durch eine Rede des Parteivorfihenden. Geheimrat hugen- b e r g s. eröffnet, an die sich ein Referat des Frak- tionsführers Graf Westarp schloß. Unter dem tiefen Eindruck beider Reden beschloß dieVersamm- lung einstimmig, die Tagung ohne Aussprache zu schließen.
Hugenbergs Programm.
Berlin, 22. Oft. (Priv.-Tel.) Unter dieser Niederschrift bringt der „Montag" Auszüge aus den Reden deS neuen Parteiführers und des bisherigen Führers vor der Parteivertretung der Deutschnationalen Vollspartei. Geheimrat H u - genberg ging davon aus, daß er den Grundsatz mancher Porter: „Rach uns die Sintflut" niemals mitmachen tverde. Deutschland stehe vor dem Ergebnis eines falschen politischen Rechenexempels. Die deutsche Politik habe es nicht erreichen tonnen, daß sich die Hoffnungen der im wesentlichen von Helfferich durchgeführten Stabilisierung der deutschen Währung erfüllten. Die Politik Dr. Stresemanns habe nicht alle Möglichkeiten ausgenuht. 3m Gegensatz zum Ziel dieser Politik hätten sich England und Frankreich wieder gefunden, und zwar ohne Deutschland. Die entscheidende Frage der deutschen Außenpolitik sei heute nur. ob Deutschland Gefahr laufe, das Schlachtfeld der Welt zu werden. Dies mit allen Mitteln zu verhindern, sei die Aufgabe der deutschen Außenpolitik.
Das ernsteste Problem der inneren Lage sei die ungeheure Verschuldung. Denn diese Form der Wirtschaft noch zehn Jahre fortgesetzt werde, sei Deutschland ausverkaufk. und das Ende der deutschen Wirtschaft sei erreicht. Ls gebe dagegen nur ein Ziel: die Verbreiterung der Decke der deutschen
Wirtschaft.
Der häßlichste Vorwurf gegen einen Politiker laute, daß er fein Herz für die breiten Massen des eigenen Volles habe. Politik könne nur in dem Ziel bestehen, die Lebensmöglichfeiten für die große Masse des Volles zu verbessern. Jeder müsse sich dafür einsetzen, daß für die breiten Schichten des Volles jede nur mögliche Fürsorge organisiert werde. Aber er sei überzeugt, daß im Interesse der Arbeiterschaft selbst an unserer sozialen Gesetzgebung manches geändert werden müsse. Es müsse verhütet werden, daß die sozialen Einrichtungen ein Machtinstrument einer einzelnen Partei oder einer einzigen Richtung würden. Für die deutsche Landwirtschaft bestehe die Gefahr, daß sie in die Hörigkeit des internationalen Kapitals oder einzelner parteipolitischer Richtungen gerate. Alles materielle Geschehen sei aber nicht ohne die richtige geistige Einstellung zu lenken. Es bleibe die Aufgabe der Deutschnationalen Volksf-artei, sich für die Aufrechterhaltung des deutschen Geistes einzusehen.
Dazu gehöre auch, daß man mit den Fehlern des parlamentarischen Sy- st e m s, mit den zahllosen und nutzlosen Korn- missionsberalungeu ein Ende mache und die auch im Parlament vorhandenen guten Kräfte wieder für gesunde Arbeit einsehe.
Die Fraktion s-ei die Vorhut, die den politischen Gegner im täglichen Kampfe bis an die Wurzeln feiner Kraft fassen müsse, die Partei sei die Streitmacht für die große Bewegung. Es bleibe Aufgabe der Deutschnationalen Dollspartei, die überzähligen Kräfte der Wirtschaft und der Wehroerbände anzuregen. Eine Hoffnung habe die Deutschnationale Vollspartei, das sei p-ie Angst vor der Verantwortung, die ihre Gegner beherrsche. Die Verantwortung bestehe nicht darin, daß man Kompromisse mache, sondern daß man die Probleme wirklich meistere. Wenn diese Verantwortung an die Deutschnationale Vollspartei herantreten werde, dürfe sie sich ihr nicht entziehen. Vorher müsse man aber das notwendige Fundament dafür bereitet haben. Der deutsche Staat müsse ausgebaut und umgebaut werden, nicht im westlichen Sinne, sondern auf der Basis der Geschichte und der Eigenart des deutschen Volles. Der Leitstern der deutschnationalen Politll bleibe die Freiheit nach innen und nach außen.
Graf Westarp
erflärte: Das Ende der Locarno-Politik sei selbstverständlich. In den Reparationsver- handlungen sehe er die große Gefahr einer Vergrößerung der Daweslasten. Er sei nicht grundsätzlich gegen eine Kommerzialisierung der Reparationsverpslichtungen. Dazu komme, daß Poincare wahrscheinlich nicht die Endlösung der Reparation, sondern nur die Deckung der nächstenVerpflichtungenFrankreichs beabsichtige. Im Rahmen der innerpvlitischen Fragen besprach Graf Westarp vor allem das Problem d.r Verfassungsresorm. Er glaube nicht, daß es zu Reformvorschlägen kommen werde: wenn derartige Verhandlungen geführt werden sollten, müsse man dazu einen Ver fassun g s au s s chu h des Reichstages bilden. Der Zweck der Opposition sei die Gewinnung der Macht, aber es 'fei fehlerhaft, die Jnteressenpolitik zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Man müsse die Opposition jederzeit so fuhren, daß man die Macht jederzeit übernehmen forme.
Nie Aufnahme in der Presse.
Berliner Zeitungsstimmen zur Wahl Hugenbergs.
Berlin, 21.Oft. (Tll.) Die Mehrzahl der Berliner Blätter nimmt zu der Wahl von Geheimrat Hugenberg zum Vorsitzenden der Deutschnationalen Vollspartei eingehend Stellung. Der „T a g", ein Blatt des Hugenberg- Konzerns, weist darauf hm. daß die Wahl für
niemanden eine Lleberraschung sein könne, der über die wirkliche Entwicklung in der Deutschnationalen Dolkspartei auch nur einigermaßen unterrichtet gewesen sei. Die Partei habe vor der Entscheidung gestanden, in der im heutigen innerpolitischen Leben Deutschlands üblich gewordenen Kompromißwirtschaft des Parlaments völlig aufzugehen oder sich auf den Boden ihrer weltanschaulichen Politik zurückzufinden. Die Partei kehre jetzt auf den alten Weg zu -- rück. Ihre Weltanschauung und ihre Grundsätze würden das oberste Gesetz ihrer Politik bleiben. Das sei der einzige Weg, der die Partei und Deutschland aufwärtsführe. — Der „Lokal- Anzeiger", der ebenfalls dem Hugenberg- Konzern gehört, sagt, es sei von keinerlei Belang, sich mit den internen Vorgängen der jüngsten Tage bei den Deutschnationalen zu befassen. Ihr Ergebnis fei aus innerer Rotwendigkeit heraus die Wahl Hugenbergs gewesen, der immer mit unbeirrbarer, vielen manchmal etwas starr erscheinender Zähigkeit das Grundsätzliche deutsch-nationaler Weltaasfassung sestgeßalten und nie um parlamentarisch-taktischer Erwägungen willen etwas davon preisgegeben habe. Er sei immer wie ein unerbittliches Gewissen seiner Partei gewesen. Er werde, wie man seine Persönlichkeit kenne, als Parteiführer seine wichtigste Aufgabe darin sehen, es zu bleiben. — Die „Deuts che Zeitung" hebt hervor, daß die Wahl von allen, die auf dem Boden entschlossen nationaler Politik ständen, nur auf das lebhafteste begrüßt werden könne. Der Rame des Geheimrats Hugenberg bedeute ein Programm, das im Grunde genau das Programm der Deutschnationalen Dolkspartei sei, dem die Deutschnationale Dolkspartei ihren Aufstieg verdankte, bis man in weiten Kreisen zu fürchten begonnen habe, daß es aufgegeben sei.
Die „Deutsche Tagesztg.", das Organ des Reichslandbundes, die dem Verzicht auf den Gedanken eines Direktoriums für die Leitung der Partei besonders zustimmt, behält sich nähere Ausführungen über die Bedeutung des Führerwechsels vor und spricht dem bisherigen Vorsitzenden, Grafen Westarp, für seine Hingebung und Sachlichkeit bei der Leitung der Par- teigcschöfte die höchste Anerkennung aus. — Ebenso nennt es die der Dolkspartei nahestehende „Deutsche Allgem. Ztg." llärend, daß man auf die Kompromißlösung des Direktoriums verzichtet habe. Hugenberg, der bisher hauptsächlich als Wirtschaftsorganisator fjeroorgetre' en sei, werde zu zeigen haben, ob er auf dem Felde der Politik die gleichen Erfolge ernten könne. Seine Wahl habe eine Bedeutung, die weit über den Rahmen einer internen Parteiangelegenheit hin- ausgreife.
„Hugenbergs Wahl ist mehr als ein Personenwechsel", so schreibt die „Germania", das Berliner Organ des Zentrums; sein Rame bedeute einen neuen Kurs. Er verkörpere die radikalste Richtmrg seiner Partei und gehöre zu den unversöhnlichsten Gegnern des neuen Staates. Das Blatt nennt seine Wahl eine Gewaltlösung. Der Gegendruck werde kaum aus- bleiben. — Der demokratische „Börsenkou- rier“, der darauf hinweist, daß es vielleicht der erste Fall sei, daß der Leiter eines einflußreichen Zeitungskonzerns an die Spitze einer Partei trete, schreibt, es bleibe abzuwarten, wie sich die deutschnationalen Angestellten und Arbeiter zu dem Wechsel in der Parteiführung stellen werden. — Das „Berl. Tageblatt" nennt die Wahl einen Sieg der Extremisten über die anderen Parteigruppen. Die Deutschnationalen verlieren damit für die nächste Zeit die Bündnissähigkeit mit anderen Parteien und scheiden aus Koalitionskombinationen borläufig aus. — Rach Ansicht des „D o r w ä r t s" bedeutet die Führung Hugenbergs die Radikalisierung der Deutschnationalen Dolkspartei. Die intransigente Opposition gegen den Staat, die Mobilisierung gegen die Republik, gegen die Außenpolitik des Reiches und zum schwersten Kampf gegen die Sozialdemokratie, das ist der Sinn dieser Wahl.
Programms gestellt wird. Ein weiterer Beschluß besagt, daß die Partei an der. Entschließung des Hamburger Parteitages zum Kontor- d a t festhält. Der Parteiausschuß beschloß weiterhin, die Reichstagsfraktion in der Frage des Panzerkreuzerbaues nicht zu binden. Zur Wahlreform wurde eine Entschließung angenommen, einen Initiativantrag einzubrin- gen, der grundsätzlich den Einerkandidatenwahl- kreis unter Festhaltung des Proporzes festlegt. Schließlich gelangte noch eine Resolution zur Reichsreform zur Annahme, in der es heißt: Sofern es nicht gelingt, die Angelegenheit durch die Reichsregierung in nächster Zeit voranzubringen, ersucht der Parteiausschuß den Verfassungsausschuß der Partei, gemeinsam mit der Reichstagsfraktion einen einheitlichen Entwurf einer Reichsreform auszuarbeiten, der die Grundlage von Verhandlungen mit allen reichsreformfreundlichen Organisationen (Wirtschaftsverbänden, mit politischen Ausschüssen und Bünden) bildet, um durch eine große Volksbewegung den Gedanken der Reichsreform zu verwirklichen.
Eckeners Pläne.
Einrichtung einer Luftpost mit vier Luftschiffen.
Washington, 21.Oft. (WTB.) Bei einem Begrußungsfrühstück im National Preß Club, dem die bedeutendsten Politiker, Tagesschriftsteller, Redakteure und Verleger Amerikas angehören, führte Dr. Eckener in längerer Rede aus, fein nächstes Ziel fei die Erreichung einer größeren Ge- s ch w i n d i g k e i t, um die Fahrtdauer gegenüber den See chiffen auf die Hälfte herabzudrucken und aus bösen Wetterwinkeln schnell entfliehen zu können. Dieses Ziel sei durch stärkere Ma- schinen leicht zu erreichen. Der „Graf Zeppelin" habe mangels einer geeigneten Bauhalle nicht stärker ausgerüstet werden können. Dr. Eckener erklärte ferner, er erstrebe zunächst die Einrichtung eines ßuftpoftbienftes mit vier Luftschiffen und zweleinhalbtägiger Fabrtdauer, fo daß alle vierTageeinLuftschiffinjederRich- t u n g fahre und die Post schneller als jeder Dampfer befördern könne. Die Post fei rentabler, und wie er scherzend hinzufügte, nicht so nervös wie manche Passagiere. Die neuen Luftschiffe würden etwa je zwei Millionen Dollar kosten; dazu kämen
aroei Luftschiffhäfen für je drei Millionen. Insgesamt seien also 14 bis 15 Millionen Dollar erforderlich, und um dieses Kapital zu erhalten, müsse bei den Finanzleuten Vertrauen auf die Sicherheit und die Rentabilität der Zeppelin- schiffe geschaffen werden.
Keine Lleberschätzung der pariser Ministerkonferenz.
Nur ein Meinungsaustausch aber keine Vereinbarungen, sagt Havas.
Paris, 21. Oft. (Havas.) lieber die Besprechungen, die Winston Churchill, Parker Gilbert und PoincarL in Paris hatten, will die Agentur Havas erfahren haben, daß sämtliche, besonders in der ausländischen Presse, verbreiteten Kombinationen über bereits erzielte Ergebnisse hinfällig seien; die Verhandlungen seien keineswegs bereits fo weit fortgeschritten. Die erste Konferenz der Finanzsachverständigen könne fein anderes Ziel haben, als die Anzahl und Höhe der von Deutschland zu zahlenden Annuitäten festzu- setzen. Ueber die Festsetzung des Betrages der deutschen Schuld könnten sich die alliierten Regierungen erst äußern, wenn sie im Besitz fester Vorschläge der deutschen Regierung sein würden; bisher aber habe Deutschland noch nicht seine Absichten bekannt- gegeben. Sämtliche Präzisionen ' über die eventuell Deutschland zu bewilligende Herabsetzung des Gesamtbetrages seiner Schuld müßten also anscheinend als unrichtig angesehen werden. Die Regierung der Vereinigten Staaten scheine nicht geneigt zu fein, eine bedeutende Herabsetzung ihres Gläubiger- anspruchs an die alliierten Länder vorzunehmen. Sie halte die Frage für endgültig durch die von ihr eingegangenen Sonderabkommen geregelt.
Es sei also höchstwahrscheinlich, daß die amerikanische Regierung sich damit begnügen würde, in die Sachverständigenkommission einen einfachen Beobachter zu entsenden, wenn sie sich überhaupt entschließe, sich vertreten zu lassen. Die Unterredung am vergangenen Freitag habe es gewiß dem englischen und dem französischen Finanzminister ermöglicht, ihre Ansichten a u s zu t a u s che n und sich Klarheit darüber zu verschaffen, daß diese Ansichten miteinander in Einklang gebracht werden könnten. Aber diese Prinzipielle Verständigung zwischen den am unmittelbarsten an der Lösung des Problems inter
essierten Regierungen könne keineswegs Modalitäten für ein allgemeines Abkommen präjuknzieren, dessen Verwirklichung sehr wahrscheinlich lange und schwierige Ver- handlupgen notwendig machen werde. Hinzuzufügen sei, daß trotz sämtlicher bisher veröffentlichten Informationen noch keineswegs eine Bestimmung über den Zeitpunkt und Ort des Zusammentritts des Finanzausschusses getroffen sei; man scheine bisher Berlin. Brüssel ober Paris in Betracht gezogen zu haben. Hinsichtlich des Zeitpunktes sei man allgemein der Ansicht, daß, falls nichts Unvorhergesehenes eintrete, die Konferenz i m Verlaufe des Monats Dezember stattfinden könnte. Ein Meinungsaustausch über die Ernennung der Persönlichkeiten, die an den Verhandlungen teilnehmen würden, sei n o ch nicht e rfvlgt.
Nie Generalratswahlen im Elsaß.
Wahlsieg der autonomistischen Gruppen.
Straßburg, 22. Oft. (TU.) Der am 14. Oktober in Elsaß-Lothringen bei den Wahlen zum Generalrat errungene Erfolg der Autono in i- st e n und der ihnen nahestehenden Gruppen ist bei den Wahlen am gestrigen Sonntag zu einem vollen Sieg erweitert worden. Wie der erste Wahlgang, so wurde auch die Stichwahl unter der Parole „Für oder gegen die Erhaltung Elsaß- Lothringen, für Muttersprache und Heimatrecht, für Autonomie" ausgefochten.
Im Kanton Straßbura-Süd schlug der Kommunist Huebler, bekannt durch seine Reden in deutscher Sprache in der französischen Kammer, den sozialistischen Straßburger Bürgermeister Peyrotes mit 1884 gegen 1440 Stimmen. Im Kanton Straßburg-Nord erhielt der vom Kolmarer Prozeß her bekannte Redakteur Paul Schall 3090 Stimmen. Sein Gegner, der in Kaufmannschaft und Industrie bekannte Herr Daln konnte ihn mit seinen 3750 Stimmen nur knapp schlagen, während der bisherige Mandatinhaber, der Sozialist Meyer, nur 971 Stimmen erhielt. Im Kanton B r u m a t h siegte der Autonomist Dr. Koeßler über den Borfitzenden der Straßburger Handelskammer Herren- schmidt. Im Kanton Barr mußte das Zentrum sein Mandat an den Heimatrechtler Reisacher abgeben. Im Kanton Druliengen siegte der Fort
schrittler Bauer (verbündet mit der autonomistischen Partei) gegen den Radikalsozialisten Mehrung; im Kanton Luetzelstein wurde den Sozialisten" ein weiteres Mandat durch den heimatrechtlichen Fortschrittler Deiß abgenommen; in Sulz unterm Wald wurde der aus dem Kolmarer Prozeß bekannte Journalist Heil gewählt. Der Abg. Dahlet, Fortschrittler und Heimatrechtler, unterlag mit 1360 Stimmen gegen 1470 Stimmen des bisherigen Mandatsinhabers Dr. Hoeffel (Dem.)
Im Oberelsaß konnte die französische patrio- tische Gruppe in drei Vogesenkantonen mit knapper Mehrheit ihre Vertreter durchbringen, während in Gebweiler der heitmatrechtlich gerichtete Zentrumskandidat S e n e n tz das Mandat den Sozialisten abnahm. Damit haben die Autonomisten zusammen mit den auch von französischer Seite als autonomistisch anerkannten Fortschrittlern und autonomistisch anerkannten Fortschrittlern und autonomistisch gerichteten Zentrumsoertretern und Kommunisten von 18 im Unterelsaß zur Wahl stehenden Generalratssitzen 15 erobert. Die Sozialisten unter Führung Grumbachs behielten von ihren bisherigen fünf Sitzen nur noch einen.
Aus aller Well.
Einstellung der Bergungsarbeiten in Vincennes. — 19 Todesopfer.
Paris, 22. Oft. (WTB. Fu-nkspruch.) Der den Aufräumungsarbeiten in Vincennes sind noch 6 weitere Leichen geborgen worden. Die Zahl der geborgenen Leicht, beträgt somit 19. Da man annimmt, daß nunmehr kein Toter sich mehr unter den Trümmern befindet, sind gestern abend die Arbeiten an der Unfall* stelle eingestellt worden. Der größte Teil der im Erdgeschoß besindlichen Wohnung des Eigentümers und Bauunternehmers konnte freigelegt werden. Hierbei machte man allerdings einen unerwarte te n Fund. Reben Möbeln, Kleidungsstücken, Küchengeräten usw. entdeckte man drei Mausergewehre, einen Karabiner, eine große Menge Pistolen- munition und einen Maschinengewehrstreifen. Mit dem Fortgang der Aufräumungsarbeiten und nach Prüfung des Baumaterials ergibt sich der Eindruck, daß die Güte des Zements und die Mischung des Mörtels viel $u wünschen übrig lasse. Die Mauersteine sind völlig zerbröckelt und der Mörtel bleibt nicht an ihnen hängen. Die für die Hauptteile des Gebäudes verwandten T-Eisen waren außerordentlich schwach. Ein Ingenieur des Ministeriums für öffentliche Arbeiten, der die iln- fallstelle besichtigt hat, erklärte, daß derSand. mit dem der Mörtel gemischt war, minderwertig gewesen sei, und daß die eisernen Träger unmöglich die ihnen zugemutete Last hätten tragen können.
Dr. Sfrefemann feiert seine silberne Hochzeit.
Reichsaußenminister Dr. Stresemann, der gegenwärtig zur Rachkur in Wiesbaden weilt, feierte Samstag silberne Hochzeit. Die Feier fand im engsten Familienkreise und im Beisein einiger Freunde statt. Glückwünsche Und Dlumenspenden waren in großer Zahl eingetroffen. Der Aufenthalt in Wiesbaden ist der Gesundheit des Reichs- auhemninisters außerordentlich zuträglich gewesen. Dr. Stresemann hctt sich hier gut erholt, fo daß mit seiner vollständigen Wiederherstellung tn kurzer Zeit zu rechnen ist.
Line Kirche niedergebrannt.
In Eckartsberga bei Apolda ist die aus dem Jahre 1423 stammende Kirche, die eben einer R e • Novation unterzogen worden war und am Sonntag neu eingeweiht werden sollte, bis auf die Grundmauern niebergebrannt. Der wertvolle Altar fiel ebenfalls den Flammen zum Opfer. Bei den Löscharbeiten erlitt ein Feuerwehrmann durch niederstürzende Balken Kopfverletzungen.
Die Wetterlage.
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Obwohl sich das nordwestliche Tiefdruckgebiet weiter abflacht, so lassen sich doch immer noch Störungsbildungen erkennen, die gelegentlich, wenn auch nur vereinzelt, zu Niederschlägen führen. Die Luftzufuhr, die vorwiegend aus Südwesten stammt, dürfte die Temperaturen wenig ändern.
Wettervoraussage für Dienstag: Wolkiges Wetter ohne stärkere Temperaturänderung, vereinzelt Niederschläge.
WitterungsaussichtenfürMittwoch: Noch keine wesentliche Aenderung.
Lufttemperaturen am 21. Oktober: mittags 12,8 Grad Celsius, abends 10,8 Grad Celsius; am 22. Ott.: morgens 9,6 Grad Celsius. Maximum 13,8 Grad Celsius, Minimum 8,7 Grad Celsius. — Erdtempera- turen am 21. Oktober: abends 10,6 Grad Celsius; am 22. Oktober: morgens 9,2 Grad Celsius. — Niederschlag 0,8 Millimeter.


