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Nr. 224 Erster Blaff

178. Jahrgang

Samstag, 22. September 1928

ioqlich, Soentaqs eeb a*ttrteg*.

Belieft*.

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»eeou-Bejeesprets: 2 Nnchsmarti und 30 5tet$»pf einig für Träge» lohn, auch btt Nichter­scheinen ein; ein er Nu mn-ern infolge höherer Gewalt Fernlprtchanfchiaife:

61. M und 112 Lisch rift für Droh kn ach' richten Hnjtlger Gieße».

Polfdfeiffonio; gteefluricm ölain 116M.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

tmd wnb üerlai: Vrihl'fche llLtverfilLtt-vich. und Stetitriderd H. taugt in Sieben. S^riftleftmig urö Sefchästzstelle: Zchvlsttaze 7.

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Chesredal«e»r

Dr. jnebr Will) Lange. Berontwonlich für TolttiM Dr Fr Wilh Lana, für Feuilleton Dr h Thhrwt, für den übrigen Iru Ernst Blumfchein: für den An» |eigent#il Äurt S-llmann, sämtlich ii Giehen.

Jn der Schwebe.

Reichskanzler Hermann TRüIkr ist von seiner ®cnf.r Reise zurück geehrt Er bat Dem Rrichs- fabineti Bericht erstattet, uni) für fdne Haltung dir Billigung seiner Ministerkollegen gesunden. Der Kanzler hat daraufhin nicht gezögert in ersten Verhandlungen mit dem Pariser Bot­schafter von Hoclch und dem Reich-bonkpräsiden­ten Schacht die Grundlagen für eine neue diplo­matische ÖUtion vvrzubereiten, die das Ergebnis der Genfer Zusammenkunft cm-werien soll. Denn diese- eine positive Ergebnis haben ja die Gen­fer Unterhandlungen zweifellos gehabt man ist aus der Gegenseite überhaupt einmal bereit, über bie deutsche R ä u m u n g S f o r fr e r u n g mit sich sprechen zu lassen, man ist ferner bereit, in Ber- Handlungen über eine Revision freSDawes- plane- mit dem Ziel einer Festlegung der end­gültigen Reparation-surnrne einzutreten. Wir sind weit davon entfernt, da- In Genf Erreichte zu überschätzen. aber wer nur mit grober Skepsis und ohne jede besondere Erwartungen die deutsche Delegation nach Gens ziehm sah wie wir, hat heute keinen-Anlah, In ole allgemeine Ieremiafre einzustirnmcn, die ob der getrogenen Hoffnungen nun ailerort- angestimmt wird. Diel mehr als eine Ri-cklchr nut leeren 5)anten. fürchteten wir von dieser Genfer Zusannnenkunst die Heber- nähme neuer Din du n gen. die Zusage neuer Vorau-leistungen im Austausch gegen vage Bersprechungen der Gegenseite, und wir ftefrm nicht an, dem Retch-kaitzler Müller unseren Dank dafür zu sagen, hast er trotz der Lockungen und Drohungen hincr sozialistischen Freunde in bei­den Lagern lieber da- Odium auf sich nahm, ohne sichtbaren Erfolg nach Hause zu kommen, al- um de- blosten Parteiprestige- willen sich auf Verctnbarungcn ctnzulasfcn, die die Erfül­lung eines unzweifelhaften und al- solche- auch ausdrücklich anerlannten Recht- au- dem Ber- foi'ler Vertrage non neuen deutschen Opfern und .Ueffeln abhäimig gemacht frü'.tcn Gerade für einen sozialistcsthen Ron,der. dessen Partei noch int letzten Wahlkampf nicht aushörte, ihren Gläu­bigen zu erzählen, fraß eine von ihr beeinflußte Regierung in den Räumung-Verhandlungen ganz ankere Srsolge hinter sich bringen tourte al- frühere bürgerliche Kab-n.lte, gerade für einen Führer dieser Partei g Hörle eine doppelte Por­tion Mut zur Unpopularität dazu, die hoäoge- spannten Erwartungen s.iner Fr.unbr so bitter enttäuschen zu muffen, weil et mit erfreulicher Gntschied. nhZt an seiner Harm Marschroute fest­hielt und daraus verzichtete, um billiger Lor­beeren tti len, Scheinerfolge nach Hause zu brin­gen. TF-tr möchten wünschen, dost der RoichSlmtz- ler auch bei den nun eins tzenden Verhandlungen über die Räumung einmal, über M: Reparationen zum andern, ti? beide ein erbitterter Kamps um deutsche Lebensfragen fein werden, stet- diesen Mut vor seiner eigen.n Pur ei auf bringen wird. Er wird vielleicht feinem Volke damit viel un­nütze Opfer trivaren tonnm. und da- deutsche Volk in allen seinen Schichten to.rfr eS ihm Dank Wissen.

Aber bis dahin ist noch ein langer Weg, das haben die letzten Vorgänge im Rheinland gezeigt, das haben die Genfer Besprechungen erneut bewiesen. ?idc klare Erkenntnis, die uns Genf brachte, wollen wir uns nicht trüben lassen durch die optimistischen Reden, die der freru fische Außenminister jetzt post festum für angebracht hält, nachdem während der Tagung selbst gerade er durch feine scharfen Aus­sige auf Deutschland und dessen Unterhändler über« s.üssig viel Porzellan zerschlagen hat. Briand mcchte Del auf die Wogen gießen, die die Enttäuschung über das dürftige Ergebnis der Genfer Zusammen­kunft in der deutschen öffentlichen Meinung auf­gewühlt hat, aber feine fdpnen Worte werden uns nicht einlullen können. Das deutsche Volk wird von seiner Regierung auch fernerhin verlangen, daß sie mit nüchternster Sachlichkeit und klarem Blick für die gegebene politische Lage ohne irgendwelche inter­nationale Gefühlsduseleien und innere Hemmungen ähnlicher Art deren große Gefahr bei den uns augenblicklich Regierenden keineswegs verkannt wer- den soll die Verhandlungen führt mit dem End­ziel der endlichen Befreiung des gesamten Rhein- landes und des Laargcbietrs ohne neue Opfer für Deutschland, seien diese materieller, seien sie ideeller Art Es wird namentlich erwartet werden müßen, daß einmal die jetzt eben in Genf vermiedene Verknüpfung von Räumung und Re­paration auch für die Zukunft unter allen Um­ständen vermieden wird und daß zum andern die ebenfalls jetzt in Genf fo kategorisch abgelehnte Dauerkontrolle in westdeutschen Grcnzlan- dem auf keinen Fall zustandekommt. Beide Punkte sind weithin sichtbare Warnungstafeln auf dem Dege der deutschen Unterhändler bei den kommenden Ver­keil zu Kompromissen und auf ein Kompromiß muß ja b-r Natur der Sache nach jede Verhandlung über politische Dinge hinauslaufen ganz erheblich einschränken werden. Aber das laute Echo, das die feste Haltung des Reich, kanzlers gerade im heietzien Rheinland gefunden hat, die vielen Resolutionen, fiunbgebunaen und Pressestimmen, in denen der ent­schlossene Dille der Bevölkerung des besetzten Ge­biets sich kundtat. lieber bis zum Ablauf der regu­lären Fristen die Besatzunasnot zu erdulden, als dem deutschen Volke neue Lasten auf womöglich unbe­stimmte Zeit aufzubürden, das alles wird der Reichs­regierung und ihren Beauftragten den Rücken stärken, keine neuen Dorausleistungen zu versprechen oder Kontrollmaßnabmen über den Wortlaut des Versailler Vertrags hinaus luüilaffen, um dafür die Zutage einer früheren Räumung einzutauschcn. deren Sraknfche Durchführung bann noch in wesentlichem «laße von ben bislang nicht gerade als loyal erfann-

Amerika gegen den französisch-britischen Floiienpaki.

Reue Einzelheiten des Marineabkommens. Die Spitze gegen Amerika.

Washington. 22. Sept (1DB.) Vas Staats­departement hat ts bisher abgelchnt. zu rlnem vom Unioersalnachrichtendienst veröffentlichten und al» authentisch bezeichneten Schreiben Stellung zu nehmen, daß der Quai d'Orsay am 3.August an die französischen Botschafter im Ao »Ian de über da» geheime britlf d)- französische Flottenabkommen gerich­tet haben soll. 3m Staatsdepartement wurde er­klärt, daß Präs Ideal Loolidge sich die Be­arbeitung der Angelegenheit bc» britisch-französi­schen JloUenabfommrne ausdrücklich vorbehal - t e n habe und daher feine für morgen erwartete Rückkehr von ber kurzen Reife, die er nach feinem Helmatsstaat Vermont unternommen Hal, abgeroar- tet werden müsse.

Der vom llnlverfal-Rachrichlendlcnst veröffent­lichte Erlaß de» Quai d'Orsay cnthäli die THItiet- lung, daß Frankreich auf bie Festsetzung einer (Defamtloanage verzichte, dafür aber die Berechtigung erhalten habe, eine unbe­schränkte Anzahl kleiner Tauchboote zu bauen. Dieser Modus entspreche auch den Wün­schen der japanischen Marine. Aus England» Wunsch hin fei ferner die Beschränkung de» Baue» kleiner Kreuzer und der Verwendung fedjs- zölliger Geschütze aufgehoben worden. Dadurch werde Englands Stärke in dieser Waffe erheblich vermehrt, da e» viel mehr in Hilfekreuzer umwandelbarc und für die Bestückung mit fedjs- jöUigen Geschützen geeignete schnelle Handelsdamp- ser besitze al» die Bereinigten Staaten. 3n Zukunft soll nur ber Bau ber großen Kreuzer und der großen Tauchboote beschränkt fein und man hoffe, daß auch Stallen bte Vorteile die­ser Regelung rinsehen werde, lieber die angeblichen britischen Zugesiändnisie In betreff bet franzö­sischen tanbreferoen, von benen In ber Dresse oft dir Rede war, jagt der französische Er­laß. sowell er vom llnlversal-Rachrlchtendienst ver­öffentlicht wirb, nichts. Ls ist allerdings nicht sicher, baß man In Parts dem Universal Nachrichtendienst den vollen Text des Rundschreiben» zur Ver­fügung gestellt hat

England beruhigt.

Tao Abkommen setzt Amerikas Einvetständnis voraus.

London. 21. Sept. (WTB.) Unter Bezug­nahme auf daS in ber amerikanischen Prclle veröffentlichte Rundschreiben de- sran^si'chen Außenministeriums. welche dm französischen Botfchasicr über tert Anhalt deS brt i ch-fran- zesi cten Ma.incab-lvmmenö informiert, te lt der amtliche englische Funkdienst mit:

ES Ui notwendig, daraus hinzuweisen, daß die 3k reffen: ff 4>ung des Kompcomis es hi n- auSgeschoben Worten ist. biZ di? anderen führent^n Seemächte denen es u iterbrcl et wurde, sich darüber geäußert haben werden, ob daS Kompromiß alS Ba iS für die Beratung des Vorbereitenden ,Abrüstung?ausfchutteS in Be­tracht kommt. Gegenüber den Gerüchten, die von verfchietencn Seiten immer weder vorgebracht teerten, ist fefUuflcI.cn. daß der volle Tert deS

ten lokalen Militärbehörden im Rheinlande ab- hangen würde. Wir fehen in dieser zwar für die Zu­kunft wenig versprechenden aber eindeutig klaren Sachlage al» künftige Berhandlungsdafi» einen be- merkenswerten Fortschritt.

Der restliche Punkt des von der Sechsmächtc- konierenz mit sichtlicher Mühe zustandcgebrachten Kommuniques fpncht von der Notwendigkeit, das Reparationsprodlem vollständig und end- gültig zu regeln, eine alte Weisheit, die aber hier zum erstenmal in einer amtlichen Verlautbarung der intcrclfii'rten Regierungen mcbcrgelegt ist. Und diese Verlautbarung unternimmt auch schon den ersten Schritt zur lat mit der Verheißung, eine Komm.ssion von Finanzfachoerständigen mit dem Reparationsproblem zu befassen. Zweifellos auch dieses Ergebnis ein Schritt vor- rvarts von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Deutschland und namenllich feine Wirtschaft haben seit Jahren immer und immer wieder unter Hin­weis auf die von Jahr zu Jahr drückender und bald untragbar werdenden Lasten, die uns der Dawes- plan auferlegt hat, die Forderung nach einer R e - Vision de» bestehenden Zahlungsmodus und nach einer Festlegung der endgültigen Re­parationssumme erhoben, daß es wunder- nehmen würde, wenn gerate wir nun die Dieder- aufnahme der Debatte über das Reparationspro- blcm nicht freudig begrüßen wollten. Wir müßen nur auch in diesem Punkt ängstlich vermeiden, in unserer bangenden und immer wieder leise hoffen­den Brust irgendwelchem Optimismus Raum zu geben. Die Sorte, die Herr Briand kurz vor seiner Heimreise nach Genf noch schnell auch über das Re­parationsprodlem verloren hat, Hingen fast frivol, wenn man sich die Tatsache rar Augen hält, daß wir saft ein Jahrzehnt erfolglos darum ringen, den vollen Umfang des uns auf erlegten flriegstributs zu erfahren. Briands rofenroter Optimismus, der nun plötzlich die Lösung des Reparationsproblems zu einer Bagatelle von wenigen Dochen machen

Komprvrnis'eS unb nicht lediglich ein Teil den R e- aierungen der Bereinigten Staaten, Japans und Italien- mitgeteilt wor­den ist. Die japanische und die italienische Re­gierung haben Paris und London davon tn .Kenntnis gefetzt, daß fte geneigt find, die Vor­schläge al- geeignete Grundla ge für Besprechungen zu betrachten.

Die Antwort von Washington ist hn Verlauf te- üblichen frirstomalstchen Verfahrens verzögert Worten. llnglücklcchertoei'e hat diese Verzögerung In diesem Falle eine beispiel­lose Menge von Gerüchten veranlaßt, die Zweck, ilmfana und Ziel des Kompromisse- hollftänöig falsch dar stellen. Tatsache ist. daß ter Fort­schritt bei ten Verhandlungen teS Vorbereitenden Abrüstungsausschusses lange Zeit dadurch auf- gehalten wurde, daß keine Einigung über > a S System erzielt werten konnte, mit frei­en Hilfe bie Tonnage berechnet werben ollte. Die britischen unb französischen Dele­gierten waren Wortführer einer sich gegenüber- stehenden Llnschauung. Großbritannien bcfürtoorlete, in groben Umrissen auSgcdrückt. bie Verechnun g nach Flotteneinhel­ten. während Frankreich für die Silie­rung einer Gesamttonnage eintrat, die je nach frem Erm-cs'-.m ber einzelnen Mächte auf die Flotteneinheiten verteilt werten sollte. Aus Grund von privaten Besprechungen zwischen Großbritannien unb Frankreich wurde da- .Komprom ß erzielt, te'fcn Zweck eS war. eine Erfolg versprechente Dieb.raufnahme ter Verhandlungen tm Vorbereitenden Qibrüfhmg*- ausschuh zu ermöglichen unter ter Voraussetzung, fraß die übrigen Seemächte da- Kom­promiß al- annehmbar betrachteten Wie von Lord Dushenfrun und anderen Ministern aus­drücklich festgettellt Worten ist, würben die eng- lisch-sranzösischan Vorschläge automatisch be­deutungslos werden, falls tee übrigen Mächte ihnen nicht zustimmen sollten. In diesem Falle müßte Der Vorbereitende Abrü­stungsausschuß die ' Suche nach einer anderen Formet Bieter ausnehmen. Offizielle Kreise kön­

nen sich natürlich nicht über die Authentität einet Dokument- äußern, das einer anderen Mach gehört, jedoch lind die in ter amerikanischer Presse veröffentlichten Bestimmungen fre- Tenet zu treffen fr. ausgenommen ter Hnweis auf Die Tonnage. Hochseetauchboot« unb Unterfce- boote werten als Hochseefahrzeuge betrachtet, wenn fie eine Größe von mehr al- 6fr? Tonnen unb nicht, wie es m tem amerikanischen Be­richt heißt, von mehr al- 6000 Tonnen haben

Washingtons Gegenzug.

Tie Vcreinrgren Staaten fetzen ihr ,rlottenvauprokramm fort. Reuyork, 21 Sept, (haoae.) Der washlng loncr ftorrrfponbent te» Rcuyork American ro U aus moßgebenter Quelle erfahren hoben, daß f o fort nach Rückkehr Loolidge» eine Rote, die energisch unb kategorisch da» ..geheime englisch- französische Flattenabkominen' mißbilligt, ter englischen und französischen Regierung übersandt werten würde. Diese Rote würde besagen, daß

1. die vereinigten Staaten die Ausführung de» Bauprogramm» von 23 10 OtX^Ionnen-krruzern fortfehen wurden:

2. die vortereilente Abrüstungskonfe­renz, deren Zufarnrnenlritt In Genf für ten Herbst vorgesehen fei, a b g c | a g t werten mußte:

3. daß keine Aeuderung In ter Schiff»- lonnagt eintreten wurde, bl» zum Zufammen- tritt ter Mächte In Washington im 3ahre 1931:

4. die franzosifche und die cngsifche Regierung Ihre Zustimmung zu der amerikani­sch c n Forderung geben mußten, daß d I e K reu zertonnage nicht 300 OOOIonnrn übersteige, wodurch ten Machten ermöglicht würde, Schiffe sämtlicher Tonnagen bl» zur Grenze von 10 000 Tonnen, wie sie ter Washingtoner Ver­trag sestsche, zu bauen.

Der neueVölkerbundskommiffm sürDanzig

Auf Beschluß des Dölkcrbundsrats tritt der Italiener Graf Grovina an die Stelle des Holländers van Hamel.

Gens, 21. Sept (111.) Der Völkerbund»rot hat am Freltagnachmittag befchlossen, an Stelle te» bl»- hcrtgen Danziger vötkerbundskommiiiar» van Hamel ten Italicnifchen Fregattenkapitän Graf (Br a o i n a zum Völkerbund»tommisfar in Danzig zu ernennen. Da» Mandat van Hamel» läuft am 22. Februar 1929 ob. Lr wird fcdoch nach der Ent­scheidung de» volkerbund»rale» fein Amt noch bi » zum 2 2. 3 u n I 1 9 2 9 formell behalten. Hiermit beabsichtigt ter Rat anscheinend, ihm die Mäzllchkelt zu geben, sich einen neuen Po st en zu verschaffen.

Graf Manfrede Gravina. ber nunmehr endgültig zum VöUerbunfrLlornm sfar in Danzis ernannt wurde, war Marineoffizier unb fft fSt längerer Z U im i.alier.L4> n dip o a i chen Ll.nst

tätig. Gr war Marineatiachce in Stockholm u ib Mitglieb verschieden r ln.erall>icrter Kommt io- nen un Baltilum. Seit längerem ist Graf Grac- .a Mitglied ber italientfchen Völker- bundSfrelegation al- Spezia i't für Oft* fragen. Ferner ist er Sekretär brr ltallen s ,en Gruppe bcr Föderation internationale des Umoa« intellectucUes. Er ist F.ügekvfr ulant bc-...gS unb Enkel von Franz Liszt. Seine Mutter unb ein Brüter wohnen in Tcuffchllmb W 'm feiner polittschen Tätiakeit ist Grnvma als Mi » Herausgeber ein r füyrenb:n itali?n.k'/en Ze - schrift unb al- Mitarbeiter teS .Eorrtere frekla Sera" llkerari'ch unb journalistisch hervorgctre'.en. Er ist ein außerortenlllch geb kfr ter unb gefcl- ld>nfrlld) gewandter Mann unb spricht Deutsch und Schlve^ich.

mochte, ist völlig unbegründet, denn die Revision des Dawcsplanes wird sich ohne die Mitwir­kung ber amerikanischen Finanz weit an die Reg.erung ter Bereinigten Staaten hat in diesem Zusammenhang wohl kaum jemand gedacht keineswegs Durchfuhren laßen und da» deutsche Volk wäre dümmer, als die Polizei erlaubt, wenn e: sich in die sich langsam abze.chnendeeuropä- ff die" thront gegen Amerika einreihen ließe. Dir sind Amerika nichts schuldig und haben in der Reihe der Schuldnerstaatcn nichts zu suchen, die durch gemein- same Pression von dem großen amerikanischen Glaub ger eine Herabsetzung oder gar Etreichurg ihrer Kriegsschulden herausjchlagcn möchten. Wir glauben vorerst auch nicht daran, daß Briands Wille ober gar sein Einfluß groß genug wären, die dcutjchen Reparationszahlungen fo merklich herab- zudrücken und einen Modus zu finden, der einen Verzicht auf die M twirkuna der amerikanischen Finanzwelt zulößt. Dir werden abzuwarten haben, was die nächsten Wochen bringen.

Und wir werden lernen müßen, Geduld zu üben. Der immer wiederholle Ruf nach Räumung der Rheinlante, so begreiflich er aus deutschem Munde erscheinen mag, die stete Forderung nach Revision des Dawesplanes, so notwendig und dringend sie für unsere deutsche Wirtschaft in allen ihren Ver­ästelungen auch ist. sie haben nur, nachdem beide Fragen wieder crnsthast angeschnitten werden, doch ten einen Rächtest im Gefolge, den Preis yx ver- feuern, ten die Gegenseite uns für Zugeständnisse in beiden Fragen obprefien möchte Also rüsten wir uns mit Geduld, die wir in zehn Jahren üben ge­lernt haben und machen wir uns aber das eine immer wieder eindringlich klar: Richt Briand, der geschickte Jongleur und schlaue Taktiker, aber auch ber Richtsalspolltiker, dem wirtschaftliche Dinge stets ein Buch mit sieben Siegeln waren (siehe Thoiry) ist unser eigentlicher Gegner in ten kom­menden Verhandlungen, sondern Poincart, der kühle, sachkundige und bis jur Starrheit grab-

llnige Jurist. Zst es in Wahrheit schon, feil vor zwei Jahren die Kammer ihn zur Rettung des Franken berief. Vielleicht wird die Gesch chte einst der deutschen ausmärtigen Politik keine gute Rote dafür geben daß sie an dem ßoearnogebanfen auch dann noch festhielt und sich aus bieffm Briandschrn Zauberhut' Wunderdinge noch zu einer Zeit ver­sprach, als Locarno Ichon längst zu einer Fiktion mworden war Dir haben niemals d e Bedeutung Locarnos verkannt und sind weit davon entfernt, die Verdienste der Väter des Locarnoadtommens schmälern zu wollen. 2Iber bie Feststellung mag er­laubt sein, daß ber gelegentl ch über Gebühr stra­pazierte Geilt von Locarno iurr Schul

hatte, al» zw.schen Deutlchlanb unb feinen Gegnern ton gestern ro.eter eine Atmosphäre herg?stellt war, bic für fachliche Verhanblungen Roum lieh Deutsch- lonb hatte m t bem Rheinpakt über den Verfailler Vertrag hinausgehende Verpflichtungen übernom­men, es burite mit Fug unb Recht erwarten, baß ihm die dafür von ben Dertrogskontrahenfen ge- mochten Zugeständnisse loyal erfüllt wurden. 6» sah sich bitter enttäuscht, weil auf der anderen Seite bereit» Gegenkräfte am Werke waren, die in dem Augenblick offen zur Macht kamen, al» etrefe- mann in Thoiry den vergeblichen Versuch machte, dem sich totgelaufenen Geist von Locarno neues Leben einzudlalen. Damals schon lag t» nabe, sich entichlosien und konsequent auf ten neuen Gegen- fpieler einzuftellen, heute wird es für uns zur zwingenden Notwendigkeit. Poincars, der kühle Rechner und nüchterne Jurist, hat ten großen tauberer* Briand abgelcst, mag bie ijafiabe aus durchsichtigen Gründen auch noch die gleiche geblieben sein. Die Methoden haben sich geändert, der Krieg der Paragraphen und Zahlen beginnt wieder und wir täten gut daran, aus dieser sich notwendigerweise aufbran» gtnben Erkenntnis die einzig mögliche Konsequenz zu ziehen. Nur bann können wir bei den kommen­den Verhandlungen auf Erfolg rechnen.