Kreis Ariedöerg-
• Ariedb« ra 20. Qlug 3n den Kreisen Friedberg und Bedingen hat sich in den letzten beiden Wochen baS 'Büß der A r 5 e i t s m a r k 1 - läge nicht verändert. Die Zahl der Unter» stutzungsempfänger ift nur um ein ge» ringes auf 687 gefallen- Bei dielen sind 170Hot» (tanDäarbeiLer mit gezählt, die in der Haupt» ’ad)£ an der RBDareaulierung auf der Strecke BtlLrl—Bonames bewältigt sind. Die Krisen- sursorgeempsänger konnten zum groben Le i vorübergehend in der CanZtoirtl^Kifl unter» gebracht werden Es werden zur Zeit nur noch 19 Personen m der Ärifenfürfor^e unterstützt.
Z Steinfurth. 20. Aug. Am oonnlog wurde hier dos Dekanatsmissionesest gefeiert, das von auswärtigen Aissionsfreunden sehr gut besucht war Missionar Lonk erzählte am Vormittag im Äinbergottefibienft den Kindern in anschaulicher Weise von seinen Erlebnissen in China. 3m Rachmittagsaottesdienst hielt Missionar Lank die Festpredigt. Der Üirchenchor von Ober-Rosboch sang unter Leitung von Lehrer Reichwein „Die guldne Sonne" und „Tröstet mein Volk" In der Rachoersammlung sprachen Prof. Werner (Fried- berg) al» Vorsitzender der Hess. Missionskonserenz und Pfarrer Schäfer (Oder-Ro»bach) al» Per- trouensmnnn für das Heiden Missionswerk im Dekanat Friedberg Missionar Schäfer (Hausen) er zahlte von der schweren Missionsarbeit unter den Batalanegem aus Sumatra Dekan Bogel sprach allen Milwirkenden den Donk aus. In den Hau- lern wurden die Fremden gastlich bewirtet und kehrten mit Rosenstrauben wieder heim.
Krei» Büdingen.
Älddo, 20. Aug Der Gpätzug nach Schotten am SamStag sammelt eben während der Dreschfaifon eine zahlreiche Arbeiterschaft au» dem Vogelsberg, die den Sonntag zu Haus« verbringen will. Die Leute sind meistens auS den Ortschaften des hochgelegenen GcbirgsteilS und bilden einen zuverlässigen Stamm eingearbeiteten Dreschmaschinenpersonals, mit dessen pünktlichem Eintreffen die Besitzer von Dreschgarnituven rechnen können. 3n der Regel arbeiten die Rotten in derselben Zusammensetzung wie in den Borjahren, kehren auch zu ihrer Maschine zurück. Die Zuverlässigkeit des Personals und gute Arbeitsleistung erweitern den Kundenkrete. Zur Zeit arbeiten fast alle Dreschmaschinen m der Qöetterau, die zeitiger die Ernte einbringt als die höher gelegenen Landstriche. Infolge der starken Kon- kurrenz, dir auf cm beträchtliches zahlenmäßiges Anwachsen der Dreschgarnituren zurüctzusühren ist, verkürzt sich von Jahr zu Jahr die Dreschsaison. S>eule ist sie ziemlich nach zehn Wochen beendet, während in der BorkriegSzeit bis in den Winter hinein gedroschen wurde. Die Arbeitstage sind naturgemäß recht lange, 14- und mehrstundlge Arbeitstage zählen nicht zu den Seltenheiten. Da auch der flemfte landwirtschaftliche Besitz dazu übergegangen, sich der Dreschmaschine zu bedienen, sind die Dreschflegel gänzlich außer Kurs. Sie hängen zwar noch verstaubt in den Scheunen, ober der idyllische Drei takt ist nirgends mehr zu hören, nd. R i d d a, 20. Aug In dem sehr gut besuchten Gottesdienst fand gestern hier die feierliche Einführung der Konfirmanden des Kirchspiels durch Dekan Scriba statt. Der Seelsorger richtete über Zweck, Wichtigkeit und Ernst der Borbereitungszeit der jungen Christen warme, tiefgefühlte Worte an die Konfirmanden, ihre Angehörigen und die ganze Kirchengemeinde und wies eindringlich auf die Pflichten hin, die sie als Christen zu erfüllen hätten. Der Gottesdienst sand im Kasino statt, weil die Wieder» herstcllmig des Kircheninnern noch im Gange ist. Bei Bersehung der Orgel hat sich ergeben, daß diese saft kaum noch zu reparieren ist. Dec Holzwurm hat seinen zerstörenden Einfluß an dem sehr alten Werke in viel stärkerem Maße aus- geübt, als zuerst angenommen wurde, und die Wmdlade würde einer gründlichen Reparatur bedürfen und doch nur noch kurze Zelt gebrauchsfähig bleiben, Io daß bald wieder ein Ersatz für sie für etwa 3000 Mk beschafft werden mühte. Es ist deshalb der Vorschlag gemacht worden, gleich ein neues, zeitgemäßes Orgelwerk anzuschaffen, das unter Benutzung der noch brauchbaren Telle der alten Orgel etwa 10 000 Mk. kosten soll Ein endgültiger Beschluß de Kirchengemeinde ist hierüber noch nicht gefaßt worden.
LInler-DidderSheim 20. Aug. 3m Gegensatz zu den umliegenden Dörfern ist hier der Baumarkt ziemlich belebt. 3m vergangenen Jahre wurde hier ein größeres Wohnhaus errichtet, in diesem Jahre sind bereits zwei im Entstehen begriffen. Daneben werden an landwirtschaftlichen Gebäuden mehrere Um- und Er- wciwrungsbaulen oorgenommen und Reparaturarbeiten ausgeführt Reues Baugelände ist an der Straße nach Ober-Wlddersheim erschlossen worden, wo der Gemeinde eine mehrere Morgen große Fläche Ackerlandes bei dem Feldbereinigungsverfahren zugeteilt wurde. Di« OrtSverwal- tung gibt jetzt an Baulustige Bauplätze von 400 bis 600 Quadratmeter Größe zum billigen Prelle von 1.50 Mk ab Dau ^ntgegentommen der Gemeindeverwaltung ist besonders zu würdigen, da di« Bauhe ren meistens zu den geringbemrttelten Ortsöürgern gehören. Altem Herkommen entsprechend werden sämtliche Zuhrlerstungen zur Herberschoffung der Baumaterialien von den PferdebesiHern noch tm „3rron“, wie man landläufig sich ausdrückt d. h. ohne Bezahlung, aber gegen Verabfolgung von Spellen und Getränken, ausgeßihet Die Schafzucht, Die in der Kriegs- und Rachkriegszeit sehr aufgebläht war, um die Dorfbewohner mit Wolle zu versorgen, ist in den letzten Jahren sehr zurückgeaangen. Die Schafherde, bw bei Errichtung der Semeii.de* schäferei über 200 Tiere betrug, rft jetzt auf weniger als die Hälfte zurückgegangen, und bereite trägt man sich mit der Absicht, die Herde ganz aufzulösen. Infolge der durch die Feldbereinigung eingeführten engen Gewannwege entsteht bei dem Trieb zum Pferch mancherfei Schoden.
Mrci» Schotten.
ch S d) o t i e n , 20. Aug Heute begeht Lehrer i. R. Sind in Rudingshain ein Jubiläum seltener Art. Es sind nämlich 3 0 Jahre verflossen, seit der Jubilar zum Obmann des Bezirkslehrer. Vereins Schotten gewählt wurde, der feinem verehrten Führer sehr viel verdankt. Am 2. Sep tember hält der Vorstand des Landeslehrervereins zu Ehren seines langjährigen Mitgliedes Linck eine Vorstandssitzung in Schotten ab, um dem verdienten Mitkämpfer, der 45 Jahre in einem abgelegenen Vogelsbergdorfe aushielt, wenigstens einmal im Leben die Teilnahme an einer Vorstandsfitzung bequem zu gestalten.
Fj Laubach, 20. Aug. Unsere Stadt steht vor zwei großen Festlichkeiten. Am nächsten Sonntag findet hier das Frauen-Wetturnen des T u r n g a u e s H e s s e n D. T. statt. Es sind über vierhundert Frauen an gemeldet, die hier ein- quartiert werden. Man darf auf interessante turnerische Borführungen aespannt fein. D« hiesige Damenriege bat sich schon wiederholt bei auswärtigen Wettbewerbungen sehr ausgezeichnet. - Weiter werden umfassende Borbereitungen getroffen von Seiten des bieiigen 3 to e i g d erberem» des Vogelsberger Höben- k lu b S, da acht Tage später <2. September) der große Herbstausflug diese- Wanderbundcs hier stattfindet Der hiesige Zweigverein hat unter der umsichtigen Leitung seines Bvrsitzenden, des Obersekretärs C l b e. eine eifrige Tätigkeit entwickelt. Auch die Wanderlätigkeit war sehr belebt. Allmonatlich werden Ausflüge gemacht. 6inen lehr schönen AuSflug von zwei Tagen machte man letzte Woche. Am ersten Tage nahm man die Bahn bis Gedern. Bon hier wanderte man über Dolkhardshain, Lichenrod und Obermoos nach RiedermooS. Besonders schön war der Blick von der Höhe zwischen Lichenrod und Obermoos auf die glitzernden Mooser Weiher in der Abend- beleuchtung. 3n Riedernwos nahm man Rächt» quartier im Gasthof zur .Post' und in verschiedenen Privatquartieren. Am folgenden Morgen wanderte der Zweigverern von Riedermoos über Crainfeld nach Grebenhain. Hier teilte man sich. Der eine Teil wanderte über die Herchen- hainerhöhe zur Station Hartmannshain, wo der Abendzug genommen wurde; die andere Wan der- schar zog über den HoherodSkvps zur Station Schotten. Die ganze Wanderung war vom schönsten Wetter begünstigt. Die Beteiligung der Mitglieder war gut.
V Gedern. 20. Aug. Eine bedeutende Bevölkerungszunahme hat unser Städtchen gegen das Borjahr aufzuweisen. Während die Einwohnerzahl um dieselbe Zeit des vorigen Jahres 2058 betrug, ist sie jetzt auf 2130 gestiegen. Das bedeutet eine Zunahme von 72 Einwohnern binnen Jahresfrist. Seit 1. Januar d. 3. sind hier 19 Ehen geschlossen worden. 3n der-
Verhängnisse.
Roman von Lieübet Dill.
Copyright by Martin Feuchlwanger, Halle (Saale).
5. Fortsetzung Nachdruck verboten.
„3a, das ist alles so sonderbar", jagte das Mädchen und sah Frau Odette vvn der Seite an, indem es das Geschirr aus da» Teebrett stellte, „da» wird eine schöne Geschichte werden."
In diesem Augenblick betrat ein Gendarm das Zimmer und fragte: „Kann ich Sie sprechen, Madame Gontard? Der Untersuchungsrichter ist da."
Odette erhob sich. Man sah, daß ihre Hände zitterten. Sie verabschiedet« sich ruhig und anmutig von dem Capitaine. „Also bi» heute abend. (Tapi- taine, bitte, seien Si^ um sieben Uhr zu Tisch da. — Marie, schließen Sie den Salon auf."
•
3m Hausflur standen zwei Herren mit Mappen unter den Armen. Sie ging, gefolgt von den Herren, in den Salon, der al» Lese- und Rauchzimmer diente. Er war leer und halbdunkel. Die Jalousien waren geschlossen. Auf dem Tische lagen abgegriffene illustrierte Blatter, auf dem Klavier stand ein trockener Jeldblumenstrauß. eonnenftreifen standen in dem Zimmer.
Odette nahm auf dem Sofa Platz und legte die Hände gefaltet auf die Knie. In ihrem kurzen einfachen Leinenkleid, den zierlichen, hellgrauen Wild- lederfchuhen. dem weißen Hals und der weißen Haut, sah sie wie ein Pensionsmädchen aus. Man sah ihr die neunjährigen Zwillinge nicht an.
Die durchbohrenden Blicke der beiden Juristen, die sie zu verhören gekommen waren, schienen sie kalt zu lassen.
„Ich muß um Entschuldigung bitten. Madame, daß wir Sie verhören müssen" begann der Weitere, der Untersuchungsrichter, während sein ‘Begleiter sich anschickte, auf einem Spieltisch da» Protokoll aufzunehmen und der Gendarm am Zensier heben- blieb, al» ob er einen Fluchtversuch durch das Fenster vereiteln wollte. Aber Sie waren die letzte, die Ihre laute gesehen hat eie waren gestern abend noch mit ihr zusammen. Können ? uns sagen, ob Ihnen irgend etwas mpqemUcn jif Erzählen Sie uns bitte genau, wie sich die Sache
verhielt: Wann Sie hinkamen, wie Sie das Haus fanden, ob Sic jemand unterwegs gesehen haben, in der Nähe des Hauses, besonders vor allem, ob Sie den Schirmflicker kennen, der sich an dem Abend vor dem Hanse herumgetrieben haben soll. Wollen Sie mir, bitte, das alles ganz genau erzählen, Madame."
Der große hagere Mann heftete feine schwarzen Augen auf die junge Frau, die sich bemühte, ihre Gedanken zu sammeln. Sie schien ruhig und kaltblütig. Sie entschuldigte sich, verhört zu werden, nie war ihr das passten.
„Verzeihen Sie, wenn ich etwas wenig chronologisch erzähle, ich werde versuchen. Ihnen alles genau ^u sagen. Ich bin noch sehr erschüttert ... meine Schwiegermutter liegt im Sterben, der Arzt hat uns wenig Hoffnung gemacht ... und meine Tante, die ich lieb hatte ... meine einzige Ver- wandte, ermordet ... es ist alles so rasch auf mich cingef türmt ..."
Sie strich sich über die Augen, als ob sie etwas verwischen wollte, roa» ihren Gedankengaiig störte. „Ich muß mich erst besinnen. Schreiben Äe bitte noch nicht mein Herr, lassen Sie mich erst ganz genau nachdenken, damit nichts falsch aufgenommen wird in die Akten."
„Aber bitte, Madame, fassen Sie sich nur, wir haben Zeit."
Der Richter lfl)nte sich mit übergeschlagenen Beinen in seinen Stuhl zurück. Seine dunklen Augen schauten fest in das Gesicht der Frau, die erblaßt war unter diesem Blick.
„Ich will Ihnen alles lagen, so gut ich es noch weih", begann sie mit leiser, ruhiger Stimme. „Die Stunde kann ich natürlich Io genau nicht mehr wissen, wann ich zu meiner Tante gekommen bm."
„Aber bitte, versuchen Sie nur, sich dessen zu erinnern. Madame, denn das ist es, worauf es ankommt
Odettes blaue Augen flammten auf. Sie reckte sich auf. „Sie denken doch nicht, daß ich — baß. well ich zufällig gestern — — abend —> — zu meiner Tante ging — —. daß ich — — mit diesem Mord in Verbindung gebracht werden könnte?"
. Madame", tagte der altere Richter. ,wir denken > i’Mtäufiq gar nichts Wir sind hier, um Tatsachen J lestzustellcn. und bitten um Ihre Unterstützung Be I sinnen Sie sich genau, lasten Sie sich Zett.
selben Zeit sind bereits 37 Geburten zu verzeichnen
•!• Groß-Lichen, 20. Aug. Sefurn veranstaltete der hiesige Turnveretn fein dies- jähriges Fest. Die mannigfachen Darbietungen standen unter der bewahrten Leitung unseres Lehrers B o p f Die Bevölkerung der umliegenden Orte nahm wie immer regen Anteil an dem Feste Die Eröffnung erfolgte durch Freiübungen der Turner und Schuler Alsdann trat der hiesige Turnveretn zum Turnen am Barren an. Die Vereine Grünberg und Freienseen zeigten ebenfalls ihr Können. Besonders muß das Turnen der Schülerinnen hervorgehoben werden, da auf dem Lande noch vielfach Abneigung gegen das Möbchenttirnen befiehl. Die Leistungen der weiblichen Jugend dürfen als gut anaefprochen werden. Im Mittelpunkte des Jnterelfes standen die Vorführungen der in Köln bewährten Gießener Riege. Sie turnte am Barren und Reck und wußte ihren Ruhm zu festigen Bei dem herrlichen Wetter waren sehr zahl reiche Besucher erschienen, so daß der Festoerlauf in jeder Weise befriedigte
tzBobenhausenIs, 20. Aug. Ganz plötzlich ausdem Leben gerufen wurde hier am ten Donnerstag der Auszügler Johannes Merz. Er weidete mit feinem Vieh zwischen hier und Wohn- seid, wobei ihm eine Ziege durchging Bei ihrer Verfolgung muh sich der alte Mann überanstrengt haben, plötzlich brach er to t zusammen. ein Herzschlag hatte feinem Leben ein Ende gemacht. Der so jäh Verstorbene, der Mitglied des Gemeinderats war, stand im 74- Lebensjahre.
Id. Aus dem Vogelsberg, 20. Aug. Die B 1 a11zeit geht nunmehr in allen Revieren ihrem Ende entgegen und hat dem weidgerechten Jager, nachdem der gute Bock sich vererben konnte, noch manchen Jagderfolg gebracht. Wenn auch in fast allen Jagden ein schöner Rehbestand zu finden ist, hat die Gehörnbildung doch noch nicht die Formen der Vorkriegs,zeit erreicht. Es wird noch jahrelanger Hegearbeit mit der Buchse bedürfen, bis nach Abschuß aller vom züchterischen Standpunkt minder wertigen Stücke alle Bedingungen für eine Hochzucht des Rehwildes gegeben sind.
Id. Aus dem vorderen Bogelsberg. 20. Aug. Die Knappheit an Grünfuttermitteln veranlaßt viele Landwirte, mehr als in den Borjahren zum Säen von sog. Futter» zeug, einem Gemische von Erbsen, Wicken und Hafer, das, falls genügend Riederscbläge kommen, ein gern genommenes nahrhaftes Grünfutter abgibt und die in der Sommerglut hartgebrannten Stoppeläcker auslockert. — Eben fällt täglich mehr der große Schaden in die Augen, den die Trockenheit unseren Ob st bäumen zugefügt hat. Auf der Sonnenbestrahlung stark ausgesetzten Hangen und leichteren Böden sind viele im vorigen Herbste gesetzte Bäumchen zugrunde gegangen. Bon Spihendürre befallene Bäume haben eine starke Berschlimmerung dieses äüebels erfahren, und das seit Winter 1923 24 bemerkte Absterben alter Zwctschenbäume macht reißende Fortschritte.
§ Dom oberen Vogelsberg, 20. Aug. Die Himbeerernte ist immer noch nicht beendet. Dank der noch in den letzten Tagen einfetzenden Nachreife kann sie im ganzen auch recht befriedigend genannt werden Die große Trockenheit hat den Früchten doch nicht in dem anfangs befürchteten Maße geschadet. Das Pflücken kostet wohl etwa» mehr Mühe als in früheren Jahren, aber die Suchen den kehren doch fast durchweg mit gefüllten Gefäßen und zufriedenen Gesichtern heim
Mreie Alsfeld.
** Alsfeld, 20. Aug Der Turnverein Alsfeld veranstaltete am Samstagabend im großen Saale des „Deutschen Hauses" eine Jahn feier zur Erinnerung an den 150. Geburtstag des Altmeisters der deutschen Turnsache, Friedrich Ludwig Jahn, in Form eines erstklassigen BÜh - nenschauturnens. Es war dem Turnverein Alsfeld gelungen, für diesen Abend die besten Kräfte des Turngaues Hessen der Deutschen Turner schäft zu verpflichten. Es trat die Gauturn- r i e g e unter Führung des Gauoberturnwarts Will in einer Besetzung von acht Mann auf, barunter der erste Sieger vom Deutschen Turnfest in Köln, Karl Reuter (Gießen), sowie ein Teilnehmer der Amerikariege, Willy S i n n w e l l (Bad-Ranheim), der im vergangenen Jahre die deutschen Farben auf dem nordamerikanischen Bundesfest so erfolgreich vertreten hatte. Schon vor Beginn der Veranstaltung war der große Saal dicht gefüllt, auch von Teilnehmern aus der Um
gebung Alsfelds. Rach einer einleitenden Begrüßungsansprache des iM'rfi&enben des Alsfelder Turnvereins, Geschäftsführer Bender, die in ein sehr stimmungsvolles lebendes Bild, Huldigung an Jahn, überleitete, hielt Rektor Rudolph (Als- fcld) die Festtede, in welcher er den Zuhörern den Lebenslang des großen Meisters Jahn und dessen fchöpfenschc Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Turnerei in lebendigen Farben eindrucksvoll schllderte und sich dabei besonder» an die Jugenb wandte mü der Aufforderung, im Geiste 3ahn-3 meiter zu arbeiten zur Ertüchtigung unsere» deutschen Volkes. Run folgten die turnerischen Vorführungen der Qaunimnege am Barren am Pferd und am hohen Reck, die al» ein Kunstturnen un wahren Sinne des Lortes. in höchster Boll- enbung, bezeichnet werden muffen Karl Reuter (Gießen) erwies sich Dabei insbesondere als ein glänzender Meister am Pferd, und Wrlly Sinn- well (Bad-Nauheim) bot prächtige Leistungen am hohen Reck, die bei Dem Publikum stürmischen Bei fall auslösten. Am Schlüße Dankte Rektor R u • Dolph allen Mitwirkenden für Die großartigen Darbietungen des Abends. An die Feier schloß sich ein flotter Tanz für Die Jugend an. Ihn Sonntag, abend trat Der Turnverein zu einem Lampionzug mit Musik an Der Turnhalle an und gab sich auf Den hochgelegenen log Greisch, wosetest ein FreuDenfeuer abgebrannt wurde
Preußen.
Ärn* Wetzlar.
0 Bischoffen, 20 Au-. Bei schönem Wetter und unter reger Beteiligung auch aus den Rach, bat Dörfern senrte die hiesige Gemeinde gestern ihr Heiden in isfionsf e st. Mission« Diehl (Reu-Guinea, sprach im Bmnnittawsgottrsdienst über Ap Deich. 16.8 bis 10 und führte dabei lo recht die innere Rot Der Hei den west Dor Augen. Um 2.30 11 br begann die Rachmi ttags-Bersamm- lung, m d.r Pfarrer Bömel (Rodheim) über, 3ef 6. 1 dis 8 sprach und Btifftonar Diehl aus feiner Arbeit in Reu-Guinea berichtete, indem er zwei Worte der Hl Schrift zugrimde legte: „Wo bist Du?" und .B)o ist Dein Bruder?" Wesentlich verschönt wurde die Seiet durch di« Mitwirkung des Pvsaunenchoree und des Gemischten Ehores.
-$r Hörnsheim, 20. August. Der hiesige Kleinkaliber-Schützenoercln, Der sich vor zwei Jahren aus der hiesigen Gefolgschaft bt* Jungdeutschen Ordens heraus gebildet hat, beendigte am Sonntag jein diesiährige» Preis schießen, an dcm sich zahlreiche Freunde des Schießsport» beteiligten. Es wurden beim Schießen von fünfzig Meter Entfernung folgende Schützen Preisträger: aufgelegt: 1. Lehrer Heinrich Berk (Hörnsheims, 36 Ringe: 2. Anton Zörb (Hörnsheim,, 36 Ringe; 3. Heinrich Altenheimcr (Lutzellinden,. 34 Ringe: 4. Th. Müllec (Hörnsheim», .34 Ringe, Arthur Schmidt (Hörnsheim), 33 Ringe: 6. Anton Schmidt (Hörnsheim), 33 Ringe; 7. Alfred Gümbel (Hörnsheim), 33 Ringe: H. Heinr. Schäfer (Hörnsheim), 33 Ringe: 9. Joh. Weber (Hochelheim), 31 Hinge; 10. Walther Schwarz (Hörnsheim), 31 Ringe; 11. Heinrich Engel (Hörnsheim), 31 Ringe: 12. Hermann Hempel (Hörnsheim), 31 Ringe; 13. Ludwig Zörb (Lützellinden), 31 Ringe; 14. Heinrich Zörb (Hörnsheim) 30 Ringe; 15. Dr. (Erter (Hörnsheim) 30 Ringe. Der Kleinkalibcr schutzenverein. welcher dem Hessischen Kleinkaliber-Schützenverband ingc- schlossen ist, hat sich im Lause der beiden letzten Jahre an Der Straße nach Graß-Rechtenbach einen modernen Schießstand eingerichtet und ihn mit allen Neuerungen auf diesem Gebiet ausaebaut. Die steigende Mitgliederzahl des Verein» beweist, in wel- cher Weise in unserem Orte Jntereste am Schießsport besteht.
Dillkrei».
Lpd. Dillenburg, 20. August. Ein schwerer Betriebsunfall hat sich in der Nacht zum Sonntag auf Der zum Konzern der Bereinigten Stahlwerke A.-Ä., gehörigen Eharlottenhütte bei Niederschelden ereignet. Bei einem der Hochöfen erfolgte ein Durchbruch De» Roheisen» unterhalb des Bodens. Die glühende Maste ergoß sich in einem Gewicht von etwa 10U Tonnen auf das Werkgelände. Durch die riesige Flarnmenent- Wicklung fingen einige kleine Werksgedäudc Feuer, dessen Löschung Die ganze Nacht in Anspruch nahm. Verletzt wurde niemand. Dagegen ist der Mate- rial- und Sachschaden bedeutend. Die Wie- derinstandsetzungsarbeittn Des Hochofens werden etwa Drei Wochen in Anspruch nehmen.
„Dann ist es mir wirklich lieber, Sie stellen Fragen", sagte DDettc. „Die werde ich beantworten, so gut ich kann. Also bitte, was wollen Sie von mir wissen?"
Ihre Gestalt straffte sich, eine Falte stand zwi schen Den yellen Augen, Die so eigentümlich unter dunklem Haar leuchteten. Es waren Kinderaugen und meist verschleiert unter Den langen gebogenen Wimpern, grünblau schillernd, aber jetzt groß und klar und hell.
„Wieviel Uhr war cs, als Sie gestern abend zu Ihrer Tante kamen?" begann der Richter.
„Das weiß ich nicht mehr genau", faate Odette. „Das wird Artemis wissen, die das Esten abgetragen hat, und mein Mann, der zur Jagd fuhr. Denn kurz nachdem mein Mann das Haus verlieh, bin ich auch fortgegangen. Ich wollte eigentlich nur spazieren gehen, denn es war furchtbar schwül. Ich hatte Kopfschmerzen. Es wird neun Uhr gewesen sein, als ich aus Dem Haufe durch Die Felder her aufging. Als ich von uxiiem das Haus meiner Tante sah. Dachte Ich, ich sehe einmal nach ihr, und gina hin."
„Sie hatten vorher nicht die Absicht, Ihre Tante zu besuchen? Es fiel Ihnen unterwegs nur so ein?"
Sie zögerte einen Augenblick. „Ich gehe oft abends noch etwas spazieren, und wenn ich am Hause meiner Tante oorbeifomme, sehe ich nach ihr."
„Äst Ihnen unterwegs jemand begegnet, auf dem Wege oder am Walde, ober haben Sie irgend jemanden in Der Nahe des Hauses gesehen^"
„Keinen Menschen. Es ist mir niemand begegnet, weder vor dcm Haufe, noch im Walde."
„Der Garten ist sehr verwildert und das Gebüsch groß. Kann sich nicht jemand zu der Zett Drin aufgehalten haben, als Sie hinkamen?"
„Das weiß ich nicht. Es war ja schon Dunk«!. Ich glaube c» aber nicht. Meine Tante arbeitete Diel tm (starten und paßte scharf auf."
„Hat Sie nie Daran gedacht, einen Hund zu halten
„Doch, früher hat sie immer Hund« gehabt, aber sie wurden ihr vergiftet."
„Hatte Ihr«- Tante jemand m Verdacht, der diese Hunde vergistel haben tonnte
Da? we>ß ich ntcht. Es märet' Racheakte. Sie ist nicht beliebt bur wegen chre- Geizes. Sie gab keinem Bettler etwas und ließ keinen Menschen
in ihr Haus. Sie kam immer an Den Zaun und sah erst nach. Auch mich hat sie an dem Abend so hcreingelassen."
„Sagte sie etwas davon, daß vorher schon jemand Dagetuefen fei?"
„3a, sie sagte etwas von einem Schirmflicker, Der nachmittags geklingelt hätte, sie habe ihn aber fort- geschickt."
„Hatte Ihre Tante Den Einbruch daß der Mann etwas tm Schilde habe?"
„Wie meinen Sie das?"
Der Richter spielte mit dem Bleistift. Der Schreiber schaute von seinen Akten auf.
„Run, ich meine, hat sie etwas Besondere» daran gefunden, daß Der Mann zu ihr kam* Hak er ihr einen unheimlichen Eindruck gemacht* 1 Man hat doch oft — wie sage ich? — Den Gedanken, daß der andere nicht Da» will, wo» er vorgibt, zu wollen, daß Dem Mann vielleicht darum zu tun war, unter irgendeinem Vorwand in ihr Haus zu gelangen?"
Odette spielte mit ihren Ringen, die sie hin und her schob. Ein nervöser Zug umlagerte den weichen, roten Mund. ,Hch weiß es wirklich nicht mehr", sagt» sie endlich.
„Also, Ihrer Tante ist an dem Manne nicht» Besonderes ausgefallen?"
.„Sicher nicht, meine Tante war von Natur miß
trauisch. Ader ängstlich war sie nicht. Sie fürchtete sich nicht in Dem einsam gelegenen Haufe. Sie sagte: Gott, was soll mir Denn hier passierend Sie hatte ihre Papiare auf Der Bank im Safe und Dort lag auch das Silber. Im Hause hotte sie nur Imitation. Deshalb hat der Mörder e» vielleicht auch nicht rnttflenominen."
„Das kann fein", sagte der Richter, Der in Die Akten blickte. „Es bleibt aber immerhin seltsam, baß er nicht einmal den Versuch gemacht hat. etwa» andere» mttzunehmen. Keine Sd>ublaDe war geöffnet. kein Schrank erbrochen, außer Dem Schreibtisch. Der durchwühlt ist. Soviel man feftfteUen kann, ist überhaupt nicht« ^rschwunben und qestohien worden. Nicht einmal das Portemonnaie, das auf Dem Nachttisch lag, hat Der MörDer mitgenommen. Er hat sic einfach erwürgt und sich davongemacht Daß er überrascht wurde, ist auch unwahrscheinllch. denn das Haus liegt so ciniam. Dort kommt abend» kaum jemand vorbei."
(Fortsetzung folgt.)
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