Ur.|96 Zweiter Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 2(. August (928
Gestoppte
Handelsvertragspolitik.
Du Lethargie, bie 114) au* die gamr im«* curopü'ktK Qlußenpolitif in ben letten HUmaten gelegt Halle und bie durch bw Zutaoüung der jt offen euro pä lchen ^rapen im dulcmmenbang m't dem Ke^loga-Pakt allmählich einer '2UtiDitdl wieher weich: ho: natürlich auch eine getoifk 'DernHuflung au! die Handelsvertrag«- Politik gehabt Denn gant abgesehen davon, daß L 'S bet bea deutfch-polnischen Handelsvertrags - Verhandlungen politifche 34tt erigtetter der Hemmschuh waren, stand der Ausbau de« Hanheevertrags-Snstems e»aenttich t>6<Hg tat Zeichen der Verhaltenheit. Wohl hat man bei den deutsch-litauischen Verhandlungen immer vied« V«atungen gepflogen, aber auch frier konnte es noch »u feinem Abschluß kommen, obwohl eigentlich der vertrag schon so und so oh fertiggeücflt war. Zur Zett liefri e* habet so au«, al« wurde Woldemaras jetzt überhaupt nutzt unterzeichnen. um erst einmal die Beilegung de« pol- n:sch*litauischen Aonflifte« abzuwarten Vlon kann jebenfad« fr.er noch nicht überblicken, wie sich die Verhandlungen endgültig entwickeln werden, ofrne habet aber irgendwelchen pessimistischen (Bedanken nachzugehen. ®te einzigen Verhandlungen die zur Zeit in Europa wenigsten« im ®migc sind, sind die deutsch-rumänischen, die in diesen lagen in Berlin geführt werden, wobei aber jeher Pessimismus eigentlich am Platze ist. Die Gegenangebote der Rumänen fdfreinen nach keiner Richtung hin den deutschen Forderungen zu entsprechen, und sollte Bukarest sich nicht doch noch entlchltehen. auf die deutschen Forderungen ein- zugehen. so werden wohl auch diese Verhandlungen vesultatio« verlausen.
Die einzige positive Nachricht ist nun au« d fr t n a gekommen, wo es dem beutfefren De- tanbtep gelungen ist. einen Wirtschaft-Vertrag mit dem chinesifchen Außen- m t n i ft e r ®r. Wang abzuschließen, der zudem noch die baldige Aufnahme der deuisch-chine- sifchen H a n d e l « v e r t r a g « v e r Handlungen in Aussicht stellt. Damit hat sich Deutschland ohne Frage einen wichtigen Aktivposten im Fernen Osten geschaffen, der ganz gewiß auch die günstigsten Rückwirkungen zeitigen muh. Hoffentlich werden auch die Verhandlungen. die zur Zeit mit Südafrika geführt werden, in Bälde zu einem positiven Abschluß gelangen. Denn auf diese Weise schafft sich Deutschland in fremden Grdteilen immerhin einen gewissen Erfatz für die fehlenden Kolonien. Die Absatzgebiete dürfen nach keiner Richtung bin unterschätzt werden, und zudem wird die Wirt- ichastsb^ziehung mit diesen Staaten auch von Vortest für die gesamte politif4x Beziehung zu Deutschland fein.
Alle« übrioe in den HandelsvertragSverhand- langen ist mehr oder weniger unterbunden. Ruh- land fvheint Anstrengungen zu machen, die seinerzeit abgebrochenen Verhandlungen wieder in Dang zu bringen. Die Verhandlungen mit der Tschechoslowakei geben noch keinerlei Aussicht auf Wiederaufnahme, zumal die Frage der Markprtarttäten auch jetzt noch al« Hinderungs- arund besteht. Der 10. September wird entscheiden. ob bte Verhandlunaen mit Polen zu einem günstigen (Inde geführt werden ftarnen, lind was schließlich die schon seit langem in Aussicht gestellten Hande Isvertragsverfranhlim gen mit Ungarn betrifft, so läßt sich zur Zeil noch nicht uberbliden. wann diese Verhandlungen in Dang kommen werden. 3n weiter Ferne künden sich endlich die deutsch-englischen Handel«ver- trag«-Derhandkungen an. die ja vor allem da« nächste und übernächste Jahr au«füllen werden.
Die Desamtlage in der deutschen Handelsver- lrag«.Politik ist jedenfall« die. daß zahllose ungelöste Probleme noch vorhanden smb, und daß oder Wahrscheinlichkeit nach schon der Herbst eine Wendung insofern bringen wird, al« ha« Svstem der deutschen Handelsvertrags-Poli- trf dann wieder zu einem weiteren Ausbau kommen muß.
Internationale und Heinlandräunmng.
Hinter denKuliffen des LtMeler Kongreffes - Oas Doppelspiel der ftanzöfffchen Sozialisten. - Kontrolle auf jeden Kall.
Bon unterem a-Oonßetbcndtterftalter.
Vachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten f . Brüssel. Witte August.
Unter den Alängen der Internationale und dem Ve.faltagelchrei aller Anwesenden ging am 0am«tag. 11 August, der Kongreß der zweiten Internationale zu Ende. Der unbefangene Beschauer mochte vielleicht reim Anblick der Festakte und der ölfenllrche.i Sitzungen de« Kongresses im DollshauS zu Brüssel wähnen, uni« den Parteien, die die zweite Internationale frühen, herrschten eitel Friede und Eintracht Ader ach. die Aefrrleite her Medaille fiefrt etwa« ander« au«, und btt besagte Sm» brud ist allein durch hie Tatsache zu «klären, daß die Sozialisten eben besser ai« die Angehörigen he« Bürgertum« ihren Zwist und Hader nach außen hin zu verdecken verstehen Die öffentlichen Sitzungen waren nur Zir1u«spie!e für die Galerie, Gelegenheiten um Debatten zu führen, in denen man sorgfältig alle« vermied, wa« hem Außenstehenden möglicherweise den Zwist innerhalb der Internationale vor Augen hätte führen können. Man hat sogar, soweit hie« überhaupt möglich war. sorgfältig alle« da« unterstrichen, was bei diesem oder jenem Problem da« „allgemeine Smtxrftäntmi«“ zu offenbaren imstande war Wirklich gearbeitet wurde allein in den Aommifsio - nen, zu deren Sitzungen nur sozialistische Zeitungsmänner zugelassen waren. Die Sozialisten, hie sich sonst stet« als große Parteigänger der Freiheit der Presse aufsptelen. betätigen sich eben in diesem Sinne praktisch nur dann, wenn e« gilt, bie FreiheU ihr« eigenen Blätter zu verteidigen. he machen sich jedoch keinerlei Gewisfens- biffe daraus, die Türen zu den Aommilhon«* sitzungen in Brüssel vor den Aalen der bürgerlichen Journalisten zuzuschlagen, denen sogar die Abzüge der Kommunique« verweigert wurden. ...
Ab« trotz aller dieser Vorsicht ist dennoch hier und da einige« durch gesickert. S« dürste wohl erlaubt sein, hierüber etwa« zu erzählen, in«- besondere über die Art unb Weise, wie hinter den Türen der Aommisswnszimmer die Frage der Ah einfanbtäumung diskutiert worden ist. Die« ist schon darum interessant, well die deutschen Les« hieraus ersehen werden, wie irrig, e« war. zu meinen, her sozialistische Wahlsieg vom 20. Mai in Deutschland würde die Aheinlandräumung erleichtern. Und weiter erkennt man au« den Vorgängen innerhalb der Aommissionen des Brüsseler Sozialistenkongrefse-, wie unberechtigt die Darstellung ber deutschen s ozial ist ischen Presse war, die tfrren Lesern Immer wieder einzupauken bestrebt ist, die französischen Denossen wären Partei- gänger der sofortigen und unbedingten Aäumung her Rheinlande
In Frankreich selbst ist e« ja kein De- freimni«, daß ein großer Teil der sozialistischen Sartei mit den bürgerlichen Parteien der Aepu- ik darin einig ist, daß eine Qi äu m u n g nur al« Degenleistung für wirtschaft- liche und politische Zugeständnisse Deutschland« erfolgen könne, von denen eine« bekanntlich die Garantie der gegenwärtigen deutschen Ostgrenze ist. Sine Entschließung bc« Aa tionalkongresseS her Sozialistischen Partei Frankreich«, d« am 14. und 15. Juki d. I. in Toulouse stattfand, betonte ja die sofortige und unbedingte Aäumung de« Aheinlande«. aber diese Sntschließung wurde unter 2200 Stimmberechtigten nur mit einer Mehrheit von 300 Stimmen gefaßt. Unb unter der Minderheit befanden sich auß«ft einflußreiche französische Sozialisten vom Schlage Paul-Boncour«, Re- naudel«. ober Marquets. de« Deputierten und Bürg«meist«« von Dordeauf. Aun hat man allerdings am Vorabend deS Brüsseler Aon» greife« beschlossen, dies« solle, um Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten möglichst au« dem Wege zu gehen, eine Resolution annehmen, die
sich unzweideutig für bte Qlfreinlanbräumur.g au*- spräche, unb die ergänzenden" mehr kautfchuk- arfigen OrLärurjci gletchlam al« Aommentare auf den n ich töffen tuchen Bankerten abgeben Herr Leon Blum har bidc Ausgabe übernommen unb fie. fotoeit ci in feinen Aräften stand, auf dem Bankett erfüllt, da« b c belgische Arbeiterparte. den Arwigrcßmugdcbem gab. Die. die nicht allein die entsprechenden Auszüge des Berlin« Vorwärts" au« der Blumfchen Aede gelesen haben, werden ohne weitere« erkannt haben, baß selbst Blum verschiedene Vorbehalte im Hinblick auf finanzielle Gegenleistung en |
und zwar versprach, für die sofortige Aäumung brr Aheinlande einzutreten gleichzeitig icdoch den deutschen Genölten den R a t" erteilte, nicht allzu stark auf den örfolg dieser Propaganda zu bauAr Herr Leon Blum sagte hie* alle« zwar äußerst vorsichtig, aber « f a g t e c« doch.
Aur der französische Sozialist Zyrowf ki hat bie Fragt der Rhclnlandr iumung nf en in der Abrüstungskommislion angeschrit en. indem er sich darauf berief, baß ja sogar her Ola- tionalfongrcf-- von Toulouse a;.. Entschließung zugunsten der fofortigen unb unbedingten Räumung angenommen hatte. Durch sein Gebaren zog sich ledoch Zprowski die offene Feindschaft seiner engeren Genossen ju. und die gesamte Aommiffion beugte sich dieser Feindschaft. indem sie nur einen kleinen Absatz in die Brüssel« Aongreßentschließung einfügte, der besagte. *baß die Qläumung der Aheinlande im Inicrcsfe d« Abrüstung läge.
Zu gleich« Zeit wurde diese Frage auch in der politischen Aommiffion angeschnitten, und zwar von feiten der deutfchen Delegation. Hierauf entstand jedoch ein ziemlicher Lärm, unb die Franzosen legten bie Ma «ke ab. Ihre Delegierten verlangten kategorisch daß bie von den Deutschen vorgefchlagene Entschließung zurückgezogen w«de. ba sie.... ben Felbzug der französischen Sozialisten im Interesse her Rhein- lanbräumung zu stören g:eignet sei. Die« würde, so sagten sie. fresond«- Dann der Fall fein, wenn e« sich um einen deutschen Vorschlag handelte Um deS lieben Friedens willen einigte man sich dann schließlich daraus, baß ber Sekretär der
parlamentarischen Fraktton b« Sozialistischen Partei. Paul Faure. in einer öffentlichen Sitzung de« Aongrefle« eine Erklärung über die Aheinlandräumung abgeben solle, unter der Bedingung. daß die Deutschen ihren Vorschlag zu- rüdäögcn. In ber Erklärung Faure« hieß c« bann, die französischen Sozialisten wären ausgesprochene (Begncr davon, daß Deutschland die Aäumung der Aheinlande mit ber Mobilisierung eine« Teile« seiner Oie parattonsschulden erlaufen solle. Aber Faure hat sich zugleich beeilt, zu erklären, daß « ein große« Interesse für Frankreich, für Deutschland unb für ben Frieden besäße — unb daß ein« QHobtlif ierung und Aommerzialisieruna der deutschen Reparationsschulden diesem Frieden nur dienlich sein könnte. Außerdem hat Faure gesagt, die Sozialisten hätten stet« erkannt, daß bie Aäumung der Aheinlande praktisch mit ein« befriedigenden Lösung ber Frage ber Abrüstung und b« Sicherheit auf« engste verbunben wäre. Unb « fügte hinzu, es wäre zu wünschen, baß bie französische öffentlich« Meinung, von ber ein großer Teil weiterhin in der militärischen Besetzung eine Garantie für die Sicherheit sähe, ben Gedanken der Aäumung vorbehaltlos annähme. An Stelle dies« illusorischen Garantie böte bi« Inkrast- treten ein« internationalen AontroII« Frankreich eine viel bessere Sicherheit. Man sieht, von einer bedingungslosen Räumung kann im Augenblick überhaupt noch keine Acde sein, beim selbst Faure kennt noch ben Vorbehalt einer internationalen Kontrolle über da« Rheinland.
Oer Taschendieb.
(tin Reiseerlebnis aus Korn.
Von Dwlei Vlacker.
«Rachdruck verboten.)
Zwei moderne junge Mädchen, meine Freunden und ich. fuhren nach Rom Das macht selbstbewußt. Man • tut. als kennte man diese Stabt von Ainbctbeinen an. und verbirgt bie Angst vor ben ratenben Mauttierkarven unb den erbarmungslos in enge unb dunkle Dassen ein- t echenben Auto Omnibussen mit Geschick Geld 'liegt schnell davon in einer fremden Stadt: bie Auchen sind so überaus billig unb gut Im Restaurant hat man sich ein paarmal mit stoischem Gesicht übers Ohr hauen lallen. Eigentlich hat man nur einige Postkarten und dazugehörig« Briefmarken gelaust — und schon ist ba« Gelb verflogen.
Ab«. Gott (ei Dank, hat man noch ungewechselte Banknoten'
Ich begebe mich gefallen in eine große Bank. Dor lauter Gelassenheit stelle ich mich vor den verkehrten Schalter. Unb stehe da eine geraume Zeit zwischen unaufhörlich in ba« Sägemehl de« Fußboden« auSspuckenden 'Männern. Endlich macht man mir meinen Irrtum mit vielen Gestikulationen klar.
Am richttgeii Schalter erflärt man mir mit weiteren Gestikulationen, baß die von mir in ber .Leitung gelesene unb daher geforderte Dechfel- ' imune nur für Scheck« aus bezahlt werden kann.
Al« moderne« junge« Mädchen erkenne ich <ofort meinen Vorteil. Verblüffen!allen gilt nicht: auch ich besitze ein Scheckbuch! Welches geholt und nach einer knappen halben Stunde triumphierend vorgezeigt wird.
^Pardon!" sagt der Beamte, entreißt es mir. Blättert darin. Wendet es ungebührlich frrn und fr« Spuckt au«.
.Pardon — geht nicht — Paß!"
-Gut." sage ich - unb hole den Paß im Hotel. Ich bin schon wenig« gelallen.
Beinahe überfährt mich eine heimtückisch um die Ecke schleichende Trambahn.
Da« Rad eine« Bäckerjungen fängt mich auf.
Beim Rückweg jur Bank begegnet mir ein tote toll auf sein blutiggeschundenes, überladene« Maultter einhauender Fuhrknecht
Zornröte steigt in mein Aindergesicht!
D« Mangel an passenden Fremdworten zwingt muh zum Schweigen und vermehrt den Zorn. — .Pardon!" sagt der dunkle Aff« in bet Bank, unb stöbert in meinem guten Paß herum:
.Bescheinigung vom Hotel - bitte."
.Rein." läge ich. — unb bin gar nicht mehr gelassen. .Das ist eine Schweinerei -- una por- chcna' — Lallen Sie den Scheck unb wechseln Sie mir dies« zweihundert Mark!"
Diese zweihundert Mark sind ab« mcht mehr in her Tasche So wenig, tote die dazugehörige Brieftasche nebst zwei Fahrkarten nach Reapel. ungezählten Briefmarken einigen Zehn-Lire- Scheinen und Puderpapier —
Ich verfalle die Dank lluchtarttg — der Beamte verliert hierdurch den letzten Zweifel an meinem Hochstap.crtum! — und eile empört auf bie Quäftura. (5 nen jungen Herme« mit faltenreichem Döttermankel unb Flügelhelm steckt meine Empörung an. Er eilt vor mir her durch unzählige, früchgeiunchie. hallende Gänge E« ist ab« — ba Mittagszeit — niemand sonst von Belang zugegen, der stch an meuter Empörung entzünden könnte.
Endlich wird der Herme« — soviel ich glaube: ein ganz gewöhnlicher Schutzmann! — zornig, und ichreit ein paar Schreitter^celcn aus entlegenen Wackeln herbei. Sie schauen üb« trübe BrSlengäfer. schlagen sich eine Zeitlang mti nicht mehr funktionierenden Stahlfedern herum, verspritzen reichlich Tinte, und fragen mir mit thd llmftänN'ufcfeit, wie mar. zu sagen pflegt: ein Loch in den Bauch Rach dem Aussehen meiner Brieftasche fragen sie freilich nicht — obwohl mir ba« in diesem Falle wichttger scheint, al« der Mädchenname meiner Großmutter —
Endlich bin ich entfallen. —
Meine Freundin und ich verfassen das Hotel. • mieten ein Privatzimmer. vermeiden das Wagenfähren. unb offen nur noch Lpahhettt zu Mittag. ' Stündlich berechnen wir selbstquälerisch, was wir alle« für die 200 gestohlenen Mark (tzxr
sagen: 1200 Live, weil ba« mehr scheint!) hätten kaufen können.
Der schäbige Rest des Geldes wird in bie Manteltasche mein« Freundin versenkt und nnt ein« großen Sicherheitsnadel festgesteckt Dor lauter Achthaben auf diesen Schatz, vergessen totr bie Börse mein« Freundin in der anderen Tasche
Die Hauptsache, eine neue Brieftasche für mich Sie muß billig fein!
Die Prunkläden un Lorso kommen gar nicht in Betracht.
Aach langem Suchen finden wir zwei Straßen- Farren. mit Lederwaren darauf und pendeln zwischen den beiden solange feilschend hin und per. bi« totr den Preis für eine rote Saffiantafche auf ein Minimum herabgedrückt haben, und bet Händl« sie uns — zum Feind geworden — mit einigen Schmerzensschreien nachwirft —
Am Abend fehlt bie Geldbörse mein« Freundin.
Wir find einigermaßen verblüfft!
Weitere 600 Lire find beim Teufel.
Dir lachen üb« unsere eigene Dummheit
Ein traurige« Lachen! --
Rom kommt un« auf einmal recht häßlich vor!
Um der Lächerlichkeit nicht anheimzufallen, ver- meiden wir bie zweite Anzeige. Ab« wir geheuten den D.eb auf eigene Faust zu überführen, stecken ein hübsches, leere« Schmuckkästchen m meine klaffende Manteltasche unb begeben un« auf den Fang.
Ab« unter« Schlauheit wird kein verdient« Lohn entweder der Dieb ist verreist ob« inzwischen gestorben
Meine Freundin hält ihre beiden Iackentaschen krampfhaft zu, was ihr ein einigermaßen merkwürdige« Aussehen verleiht unb zudem ermüdet
In ben Trümmerstätten be« Forum Romanum — dem menschenleersten Teile Rom« — rußen totr zeitweise von unter« entnervenden Tätigkeit des Au Ipallen« au«.
Dennoch: die .etotae Stabt" ist uns verleidet. — Die ewigen Sprghettt kommen uns zum Halte heraus'
Außer her Eapitvlinifchen Venus haben wir fo ziemlich jeden harmloten Menschen der mti begegnet. in Verdacht, unter müßt am zuf a mmenge- fParte« Geld in ber Tasche zu haben. Unb nichts deprimiert boch mehr <*Ä Htßtcanevf —
2I.chtsdcstowcnlger hat diese Erklärung, die von her getarnten in Brüffel anwesenden franzöllfchen Delegation angenommen worden ist. die Ünju* Frankreich verbliebenen Sozialisten b?n'crgtrufen. Da« bereit# erwähnt.- führende Mitglied be# rechten Sozralif'.enllüg.ls her Abgeordnet.- unb Bürgermeister von Bordeau, Marquer kam Hals über Aopf am 11. August in Brüssel an und forderte, indem er mit dein Austritt au« ber Partei drohte man möge bie deutfchen Soiia- ?.ften veranlallen. ißrede t# eine Erklärung über bte Sicherheit Frankreich# abiugcbcn ^# gab neue, endlofe Debatten zw 'chen bei deutschen und den französischen Sozialisten Auseinanberfetziln- gen die noch dadurch verschärft wurden, daß Löbe an demselben 11. August in d.-r öffentlichen Sitzung nach der Aullaf'ung bc« Herrn Marquet unb des en Freunde bie .Rotwendig- teit". die Sicherheit Frankreich« zu garantieren, nicht genügenb hervorgehob n unb kein bafrin- aebenbe« Versprechen agegeben batte 0# gelang schließlich ben französische, Sozialisten ihre beut- schen Genossen unb vor allem Herrn Löbe zu zwingen, ein solche# Versprechen schrift- lich zu präzisieren. So v«te>lte b.*nn auch später Herr Grumbach unter ber. französischen Journalisten ben französischen Tert dieser um- geformten Löbcschen SrNärung Per Aongreß selbst faßte jedoch praktisch keinerlei S n t s ch l i e ß u n g z u g u .. b c r lanbräumung. sondern b schrankte sich auf einen Austausch von Gebanken bie üb rbie«. vom deutschen Standpunkt betrachtet, teiltocile selbst durchaus nicht einwandfrei waren
Schluß Wir verzichten auf Neapel unb treten nach einigen Tagen — sehr weise geworden bie Heimreise an. Wer lacht ba?
Oberfreffen.
t'nitbtvcio Gtchc«.
3 Allendorf a. d. Lda, 20. 8tug. Au» ? -r jüngsten Gemeinderaffitzung ist u. a. folgendes zu berichten: die vom flrci»nmt (fliehen vorgefchlagenen Ausschlagsfätze zur (fle- meinde-, Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer wurden unverändert angenommen. (£» werden im ganzen für Rj. 192Ä 8000 Mark Umlagen erhoben. Bon ber Erhebung der Sondergebäudefteuer wird abgesehen. Dem Antrag des praktischen Arztes Dr. A u g st auf käufliche Ueberlaffung eine» tausend Quadratmeter großen Bauplatze» in der Bahnhoi- ft raße wird ftattgegeben. Dr. Augst, der da» Grundstück seither schon pachtweise im Besitz hatte, zahlt pro Quadratmeter 1,75 Mark, der Kaufpreis ist bei Auslastung fällig. Falls Dr. Augst da» Grundsiuck später nicht bebauen sollte, fällt diese» zu den gleichen Bedingungen wieder an die Stadt zurück. — Daß man immer mehr den Wert einer rationellen Obstbaumzucht einsieht, beweisen die vielen nach Beendigung der Feldbereinigung und ganz besonders in den letzten Jahren in hiesiger Gemarkung angelegten Obstbaumstucke und Cmzelpslaii- zungen. Hierbei aeht die Stadt mit gutemBei - spiel voran, oie hat neuerding, von der hiesigen Feldbereinttzunaagesellschast ein etwa zwei Morgen große» «tuck Land am sog. Hainzenberg käuflich erworben und vor kurzem mit Kirsch- bäumchen bepflanzt. Durch diese Anlage hat die Stadt ihren ohnehin schon reichen Dbftbaumbeftanb um ein bedeutende» vermehrt, auch dürsten ihr hierdurch in absehbarer Zett nicht unbedeutend» Einnahmen zufallen.
Z Rödgen. 20. Au« Endlich hat Rodgen mm auch tetnen Sportplatz. Im Frühjahr hatte ber Demeinderat etn Stück Wüstland an ber Grünberg« Straße zu sportlich« Betättgung zur D«fügung gestellt. DS erwies sich ab« al« ungeeignet Run wird eine schöne große Wiese am Stolzen Morgen zwischen dem Bahnwärierl>au« und der Lichtung nach dem Flugplatz zu Sport und Spiel benutzt. Zwei Fußballmannschaften find auf ae ft eilt, die tüchtig üben und die schon einigemal mit Mannschaften ander« Dörfer angetreten find. — Dies« Tage wurde in unser« Gemarkung im Alten Feld etn kleiner Luftballon, an dem eine Aartc hing, gefunden Er hat seine Luftreise von LiSge in Belgien bi« frierber gemacht. E« ist etn Reklameballon eine« belgischen Schuhhaule« Mit dem angefrängten Zettel wäre möglicherweise em Gewinn zu erzielen. beim die Firma nimmt eine Preisverteilung vor. tote au« dem Ausdruck de« Zettel« hervorgeht.
Frankfurter Theater.
Da« Frankfurter Reue Theater lDire«.or Arthur Hellmer) eröffnete die neue Spielzeit mit dem .Prozeß Mary Dugan von Batzard Veiller Arimmalfälle. geschickt auf» gezogen unb gut dargestellt. wirken Immer, mögen sie al« Roman, al« Film ob« auf hem Theater erscheinen. Und diele« Stück ist geschickt ausgemacht, schon deswegen weil wir erst tn ben letzten fünf Minuten erfaßten, wer denn eigentlich nun her Mörder ist. dessen Tat beinahe der Mary Dugan den Kops kostet. Dct Aamps zwischen hem Ltaat«anwalt und dem Brud« d« Angeklagten. d« plötzlich in die D«handl»ngen herein- schneit. um seine Sch west« zu verteidigen, ist so spannend, daß wir oft geneigt sind, selbst durch einen Zuruf an her Verhandlung teilzunehmen, auch wenn uns bet Regisseur nicht al« Geschworene mittpielen ließe, an die sich die Reden ber Parteien richten. Demi das Stück spielt toäfrrcnb ferner ganzen Dauer frei offener Szene. 2ln der Prozeßhandlung mag un« manche« Unangenehme auffallen, weil eS unseren Gewohnheiten und uns«« Strafprozeßordnung nicht entspricht. Mag lein, daß das amerikanische Prozeßrecht das alle« vorfieht. wir denken darüb« ui- wächst nicht nach fondern geben uns ganz der Sensation hin. die d« Gang d« Handlung in uns erzeugt und ständig wach hält.
Die Darstellung war packend wenn auch Rürnberger die Figur de« Staatsanwalt« nicht so fr«au«gearbeitet hatte tote man da« nach den sonstigen Leistungen dieses Schaulpiel«« «warten konnte. Ab« die übrigen, auch die Nebenfiguren, waren fesselnd. Insbesondere sind zu nennen: Franz Wassereck al« Brud«. Theo Gingen al« ßiftjunge in ein« kleinen. ober charatteristifchen Rolle, Marianne Zoff al« Tänzerin. Der Beifall war stark. Man wird ba« Stück wohl bis auf weiteres auf bem Spiel- plan erwarten können. Quidam. ,


