punkt- als dos annehmbarste erscheint. ..bflcsehen von nmiciiiqreidjen X.feifi ungen oder Lpe,,alorbeiten sollen bei handwerksmäßigen Leistungen unter ion,t annähernd aleichwcrlien Angeboten im allgemeinen einheimische Bieter vor auswärtigen bevorzugt rverden, sowie unter einheimischen jene, Die am Ort der Leistung oder in dessen Nähe den Auftrag im eigenen Betriebe ausführen und hauptsächlich ortsansässige Arbeiter beschMgen. Unter Handwerkern ist zu bevorzugen, wer berechtigt i|t, den Meistertitel zu führen, oder Lehrlinge auszubilden und wer Lehrlinge im eigenen Betriebe ausbildet. Bei kleinen Arbeiten können selbständig kleinere Gewerbetreibende bevorzugt werden, wenn sie selbst die Aussicht ausüben oder Mitarbeiten. Vereinigungen von Unternehmern, Gesellschaften oder Genossenschaften sind als gleichwertig mit Einzelbewerbern anzusehen, wenn sie die Arbeiten im eigenen Betriebe oder in denen ihrer Mitglieder ausflihren. Wird auf ein Angebot rechtzeitig und ohne Abänderung der Zuschlag erteilt, so kommt nach allgemeinen Rechtsgrundsätzen damit das Der- tragsverhällnis zustande. Der Vertrag selbst soll durch eine besondere Urkunde festgelegt werden, wenn nicht schon durch die Ausschreibungsunterlagen, das Angebot, den Zuschlag oder andere Schriftstücke der wesentliche Inhalt des Vertrages eindeutig feststeht.
Was sodann dem zweiten Hauptteil ber 91.93.2.0., die allgemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung von Bauleistungen betrifft, so werden hier Art und Umfang der Leistung, die Ausführung selbst, Verteilung der Gefahr, Kündigung durch den Auftraggeber oder den Unternehme-r, Vertragsstrafe, Abnahme, Gewährleistung, Zahlung, Sicherheitsleistung ufw. geregelt. Von allgemeinem Interesse ist dabei die Bestimmung, daß Stundenlohn- arbeiten nur vergütet werden sollen, wenn sic entweder im Vertrage als solche vorgesehen oder vor ihrem Beginn als solche in Auftrag gegeben worden sind. Der Auftragnehmer hat die uertraglidje Leistung unter eigener Verantwortung auszuführen und ist für die Erfüllung der gesetzlichen, polizeilichen und berufsgenossenschaftlichen Verpflichtungen gegenüber seinen Arbeitnehmern allein verantwortlich. Der Auftraggeber hat die Leistung abzu- nehmcn, sobald der Auftragnehmer dies nach Fertigstellung verlangt, unter Umständen auch vor Ablauf der festgesetzten Ausführungsfrist. Die Abnahmefrist kann wegen wesentlicher Mängel bis zu deren Beseitigung verweigert werden. Wird keine Abnahme verlangt, so gilt die Leistung als abgenommen mit Ablauf von zehn Tagen nach schriftlicher Mitteilung über die Beendigung der Arbeit. Mit der Abnahme geht die Gefahr aus den Auftraggeber über. Der Auftragnehmer übernimmt die Gewähr, daß seine Leistung zur Zeit der Abnahme die vertraglich zugesicherten Eigenschaften besitzt, sowie den anerkannten Regeln der Technik entspricht. Abschlagszahlungen sind ohne Einfluß au die Haftung und Gewährleistung des Auftragnehmers, sie gelten nicht als Abnahme von Teil- lei tungen. Die vorbehaltlose Annahme einer Schlußzahlung schließt Nachforderungen aus.
Der dritte Hauptteil der R. V. D. 0. enthält die technischen Vorschriften für Bauleistungen mit allen Einzelheiten für jede Arbeit, z. B. Erdarbeiten, Maurerarbeiten, Ztrnmererarbeiten, Dachdecker-
arbeiten, Glaserarbeiten usw. und stellt hierfür ganz bestimmte Normen auf.
Durch die Gemeinschaftsarbeit anerkannter Sachverständiger aus allen Interessentenkreisen ist mit der R. V. D. 0. eine Norm geschaffen worden, die im ganzen Deutschen Reiche eine Vereinheitlichung und Vereinfachung ohne gesetzlichenZwang herbelführen soll und sich auswirken soll zum Setzen der deutschen Wirtschaft. Aufgabe der maßgebenden Behörden und der privaten Wirtschaftskrise muh es fein, für die Einführung der R. V. D. 0. bei den von ihnen vertretenen Stellen
Sorge zu tragen.
Spielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus Geschloffen vom 1. Juli bis 11. August 1928. Erste Vorstellung nach den Fe- rieai 12. August: Der Troubadour
Schauspielhaus. Sonntag, 22. Juli, 19.30 bis 22 ilfor: Alt-Heidelberg. Montag, 23. Juli, 20 bis 22.30 Ahr: Alt-Heidelberg. Dienstag, 24. Juli, 20 bis gegen 22.30 Ahr: Tänzer im Fasching. Mittwoch, 25. Juli, 20 biS 22.30 Ahr: Alt-Heidelberg. Donnerstag, 26. Juli. 20 bis 22.30 Ahr: Alt-Heidelberg. Freitag, 27. Juli, 20 biS gegen 22.30 Ahr: Tänzer im Fasching.
Möwe im Sturm.
Vornan von Sophie Kloerß.
20. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Eben machte die Musik eine längere Dause. Es drängte vom Saal heraus, sie blieben sitzen. An der Loge vorüber schob sich die Menfchcnmass», viele sahen hin auf die kleine Gesellschaft, die sich da zulammengefunden, Zurufe klangen, Riedinger hob sein Glas und trank oorbeigehenden Damen zu, und zwischen den vielen Gestalten tauchte ein Cowboy auf, dem eine indische Schlangentänzerin nm Arme hing. Vor der Loge hielt sie den Schritt an. ,.Falstaff! Bist du sehr im Fett, mein alter Sir John? — Oh, laß dir nichts etnkommen, sie narren dich. Sie narren alle." Ohne weiteres trat sie an den Tisch heran und griff nach einem Glas. „Gib mir von deiner Lethe.- Als sie das Glas niedersetzte, waren ihre Augen noch unruhiger geworden. isie tat, als wenn sie Elena erst jetzt be- merkte. „Oh, ich bin zu dreist gewesen. Daß ich mich in solche Gesellschaft begeben habe.- Ein höhnender Blick auf Heinz Godesheim. „Wie er sich da ausmmmti Fürstin rechts, Fürstin links, der Burger in der Mitte.-
Maria» Züge wurden kalt, Elenas drohend. „Aergern Vie sich nicht, Baronin,- bat Heinz dem bic aufgeregte Person sehr unangenehm roar. ,.od)langenbanbigerinen sind nicht mit dem Maß ber gewöhnlichen Sterblichen zu messen. '
Nadja Kutusoff lachte und hockte sich zum Ma- mradscha auf die Brüstung. Die zwei anderen (Rrunbehoften achteten nicht auf sie. „Wo warst du m diesem oonuner?" fragte sie den Inder. Wir wollten do^ aus den Watzmann, du kamst nötür- lich nicht Sie sagten, der ist auf Geschäftsreisen."
„Damals? Za, damals war ich zum 'Vhotoara- vhieren für eine Zeitschrift in Italien. Der' — er beutete auf Godesheim — „war auch gerade da Zn Venedig trafert wir uns. Alte Sache halb Deutschland jenseits der 2llpen."
„Der war auch da? In Venedig? Im Sommer? — Dann läßt sich viel erklären Solch, warme Freundschaft — Prost, kleiner Heinz Auf daß dein Glück wachse, blühe und gedeihe. .'Ibe- ihr Gesicht war voll Hohn.
SamSiag 28 Mi. 19 biS nach 22.30 Ahr Don Carlos. Sonntag. 9. September, erste Vorstellung nach den Ferien: Don Earlos.
Taten für Sonntag, 22. Juli.
Sonnenaufgang 4.09 Uhr, Sonnenuntergang 20.03 Uhr — Mondaufgang 10.12 Uhr, 3Won bunter gang 22.43 Uhr.
1822: der Botaniker Iol). Gregor Mendel in Heint- zendorf geboren (geftorben 1884); — 1872: der Staatsmann Marl Helffirich in Neustadt a. d. Hardt geboren (geftorben 1924),
Daten für Montag. 23 Juli.
Sonnenaufgang 4.10 Uhr, Sonnenuntergang 20.02 Uhr — Mondaufgang 11.21 Uhr, Monduntergang 22 56 Uhr
1562: Ritter Götz von Berlichingen in Homberg geftorben (geboren 1480); — 1824: der Philosoph stuno Fischer in Sandewalde geboren (gestorben 1907); — 1914: Ultimatum Oesterreich-Ungarns an Serbien.
Vom Aegen in die Traufe.
WER. M a i n z. 20. 3uli. Einen interessanten, für den Angeklagten überraschenden Ausgang nahm die Derufungsverhandlung gegen den gewerbsmäßigen Einbrecher und Fahrraddieb Heinrich Enders aus Mainz, zur Zeit in Butzbach in Strafhaft. Als dieser im Okvber 1927 wegen Fahrraddiebstahls zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, hatte er am gleichen Abend wieder ein Fahrrad gestohlen, wurde aber von einer Polizeipatrouille ertappt. Das Bezirksschäfsengericht in Mainz verurteilte ihn wegen dieses Rückfalldiebstahls zu einem Fahr Gefängnis. Die Berufung gegen dieses Arteil begründete der Angeklagte damit, daß er seine sämtlichen, sehr zahlreichen Einbrüche in einem pathologischen Rauschzustand verübt habe. Der psychiatrische Sachverständige. Geheimer Medizinalrat Dr. Schäffer (Mainz), erklärte, daß eine einwandfreie Feststellung in dieser Hinsicht durch längere Beobachtung des Angeklagten in der Irrenanstalt ?.i Alzey erforderlich sei, denn es gehe im Interesse der öffentlichen Sicherheit nicht an, einen an pathologischen Rauschzuständen leidenden Gewohnheitsverbrecher nach der Freisprechung wegen Anzurechnungsfähigkeit wieder auf die Menschheit loszulassen. Entweder habe er feine Straftaten abzubühen, falls er dafür verantwortlich sei, oder et fei dauernd im Irrenhaus zu internieren. Als das Gericht demgemäß beschloß, den Angeklagten zu einer längeren Beobachtung seines Geisteszustandes nach der Irrenanstalt Alzey zu verbringen, wurde der Angeklagte kreidebleich; das hatte er nicht erwartet.
Rundfunkprogramm.
Sonntag, 22. Juli.
8 bis 9: Morgenfeier. 11 bis 11,30: 61 lern» stunde. 11,30 bis 12,30: Mittagstonzert. 15 bis 16: Stunde der Jugend 16 bis 17,30: Konzert des Rundfunkorchesters. 17,30 bis 18: Bon Mainz: Iubiläumsregatta des Mainzer Ruderverban- des anläßlich des 50jährigen Bestehens, Sprecher Dr. Paul Laten. 18 bis 19: Stunde des Ahein- Mainischen Verbandes für Volksbildung — „Frauengestalten der Romantik", Vorlesung von Gerdi von Hirschheydt. 19 bis 19,15: Sportnachrichten. 19,15 bis 19.30: „Venedig und der Lido", Vortrag von Dr. Paul Laven. 19,30 bis 20,30: Orgelkonzert. 20,30: Konzert des Rundfunkorchesters. Anschließend: Tanzmusik.
Montag, 23. Juli.
15 bis 16: Studien-Musik. 16,15 bis 16,35: Die Lesestunde. 16,35 bis 18,05: Konzert des Rundfunkorchesters: Operetten. 18,30 bis 19: „Der Zweck der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger". Vortrag von Admiral a. D. Mommsen. 19 bis 19,30: „Moderne Englische Literatur als Spiegel des Rachkriegs England", Vortrag von Dr. Älbert Kruse. 19,30 bis 19,45: Englische Literaturproben, vorgetragen von Johanna Meuschle. 19,45 bis 20,15: Englischer Sprachunterricht. 20,15: Minna von Banchclm, Lustspiel von Lessing. Anschließend: Schallplatten- Konzert: „Operetten-Abend".
Dienstag, 24. Juli.
12,30 bis 13,30: Mittaaskonzert. 16,15 bis 16,35: Die Lesestunde. 16,35 bis 18,05: Konzert des Rund-
suiÄorchesters: Italienische Opern. 18 30 bis 18.45: Die Stunde der Frau. 18,45 bis 19.15: Stunde der Lcrndwirtkchaftstammer ÄafM. 19.15 bis 19.45: Funk Hochschule: „Die wirksamen Faktoren der Erholungsreisen", Vortrag von Professor Dr. Erich Stern 19.45 bis 20.15. Die Schachstunde. 20.15 bis 21.15. Ge'angskonzert: Das Volkslied in der KunstmuNk. 21,15 biS 22.15: Rvrdisch.' Musik.
IRiMroodi, 25. JuH.
15,30 bis 16: Stunde der Jugend. 16 bis 16,35: Die Bücherstunde. 16.35 bis 18.05: Konzert des Rundfuntorchesters. 18.15 bis 18,45: Vortrag von Professor Dr. Behm. 18,45 bis 19.25: Französischer Anterricht. 19,25 bis 19,50: .Die Ergebnisse der Londoner internationalen Konferenz für Krebs- sor'chung", Vortrag von Professor Dr. Bierrch, Hamburg. 20 bis 20.15: Senckenberg-Viertelstunde. 20,15 bis 21,15: Bvrrrags stunde Ludwig Hardt. 21,15: Solisten-Konzert.
Donnerstag, 26. Juli.
13,30 bis 14.30: Mittagskonzen. 15,30 bis 16: Stunde der Jugend. 16,15 bis 16.35: Die Lesestunde. 16,35 bis 18,05: Hausfrauen-Rachnrittag 18,30 bis 18,45: Stunde Haus und Garten. 18.45 bis 19,15: .Technit und KunstVortrag von Dr. van Kempen. 19,15 bis 19,45: Vortragszyklus des Allgemeinen deutschen Gewcrkschaftsbundes: „Ausdehnung der Anfallverstchenmg auf die Berufs! rantheiten". 20,15: Der tapfere Soldat, Operette in 3 Lttten von Rudolf Bernauer und Leopold Jacobson, Musik von Oscar Straus.
Freitag, 27. Juli.
13 bis 14: Schallplatten-Konzert 16 bis 16,30: Stunde der Jugend. 16,35 bis 17: Lefestunde. 17 bis 17,45: IDalter Hasencjeder. Vorlesung aus eigenen Werken. 18,15 bis 18,45: „Die ägyptisch- kleinastat ich-hellenistischen Myster.enkulte", Vortrag von Pfarrer Elemens Taesler. 18,45 bis 19,15: Stunde des Sudwestdeutschen Radio-Eluds. 19,15 bis 19,45: „Hört das Auge, sieht das Ohr?", Vortrag von Oscar Baum. 19.45 bis 20,05: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 20,05 bis 20.15: Film-Wochenschau. 20,15: Volkstümliches Konzert des Phil- harnwnischen Orchesters Stuttgart. Anschließend: Spätkonzert.
Samstag, 28. Juli.
13 bis 14: Schallplatten-Konzert: Georges Bi- zet. 15,30 bis 16: Die Stunde der Jugend. 16,15 bis 16,35: Die Lefestunde. 16,35 bis 18.05: Konzert des Rundfunkorchesters. 18,30 bis 18,45: Der Briefkasten. 18,45 bis 19,15: „Gustav Sack", Vortrag und Vorlesung von Hermann Toelle. 19,15 bis 19,45: Funkhochschule: „DaS deutsche Drama und Theater vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart", Vortrag von Professor Dr. Franz Schultz. 19,45 bis 20,15: „Studienreise des Bundes für Volksbildung zum Deutschen Museum in München", Vortrag von Dr. W. Schuckmann. 20,15 bis 22,15: Bunter Abend. Anschließend: Tanzmusik.
Wirtschaft.
Dom rheinisch-westfälischen Eisenmarli.
Rach bcan Bericht der Deutschen Bergwerks» zoitung über die Lage am rheinisch-westfälischen Eisenmartt, ist der Markt auch heute noch mit Material außerordentlich gesättigt, so daß die Abschluhtätigkeit fast gänzlich richt. Die im Eisenhandel herrschende allgemeine Zurückhaltung macht sich auch langsam bet den Werken fühlbar. Es ist außerordentlich schwer, im Augenblick zu beurteilen, ob der Bedarf an sich in Wirklichkeit nachgelassen hat oder ob es sich bet der augenblicklich ruhigen Stimmung um eine materielle Reaktion handelt, die auf die großen Käufe vor der Preiserhöhung zurüctzusühren ist. Festzustellen ist jedenfalls, daß vor der Preiserhöhung große Mengen tatsächlich spekulativ gekauft worden sind, so daß es dem Abnehmer schwer fällt, die abgeschlossenen Mengen in der vorgeschriebenen Zeit zu spezifizieren. Obwohl sich nunmehr bei den Werken in bezug auf Abschluß tätigkeit und Spezifikationseingang ein gewisser Rückgang bemerkbar macht, kann man doch noch behaupten, daß die eisenschaffende Industrie im allgemeinen noch für einen großen Teil der Fabrikate gut beschäftigt ist. Meses trifft vor allem für das Standardprodukt Stabeisen zu.
Godesheim sah sie kühl an und antwortete nicht.
„Was hat sie nur?" fragte Maria. „Sie will uns kränken. Aber warum?'
„Warum? Aus Haß."
„Ich tat ihr nichts.'
„O ja, du tust ihr viel, meine Königin. — Sie hat den Haß derer, die sich abgelehnt fühlen und bei anderen eine Reinheit sehen, die sie selbst lange verloren."
„Sie tut mir leid. Wie ihre Augen flackern. Und keinen Augenblick kann sie die Züge stillhalten. So sehen keine glücklichen Menschen aus. Ich glaube, sie ist im Strudel und spürt, daß sie versinkt."
„Warum wehrt sie sich nid)t?*
„Vielleicht kann sie es nicht. Vielleicht würde sie durchkommen durch die Not, wenn einer neben ihr stände und ihr abgäbe von seiner Kraft." Sie dachte in heißer Sorge der Schwester, die da so strahlend fröhlich lachte, als sei sie nie durch Lcbensqual und Todesnot gegangen.
Die Russin hatte weitergetuschelt mit dem Maharadscha, jetzt wandte sie sich an ihren früheren Freund. „Sir John, wie war doch die Geschichte die uns der italienische Attache neulich im Reigen vorsetzte? Bon Venedig. Toll muß es da zugehen. Da haben sie ein Nest ausgehoben, die Polizei, Spielhölle und Absteigequartier der galanten Welt, und —"
„So etwas tommt hier auch vor."
„Stimmt. Aber hier moren cs bisher noch keine russischen Großfürsten, die als verantwortlich zeichneten.-
Marias Herz setzte aus. Der ganze Saal schwang im Mreife, schwarz wurde cs vor ihren Augen. Haire sie jemand tn das Gesicht geschlagen? Hatte sie jemand angespien? — Mit letzter Willenskraft riß He sich zusammen. Nicht spuren lasten, was einem jäh das Leben zerrissen hat. Lächeln, lächeln, wenn sie einen zerfleischen.
Mühsam wandte fit ihre Blicke der Schwester zu. Srand der Schrecken in ihrem Anllltz geschrieben? Aber Elena haue nicht umsonst «ahrelang die übro.-r.' Kuns, geübt, mit leichten Füßen auf schwankende^ Decke über einen gähnenden Grund ju gehen. Sie lachte so unbekümmert, daß auch mdM einem der Hörer der leijeftc Argwohn kam. Bi« Worte der angetrunkenen Rmufoff könnten fine zielsichere Absicht haben. Nicht einen Gegen-
I blick gab Elena der Schwester, und an ihrer Sicherheit gewann Maria die eigene wieder.
„Es ist wahnsinnig heitz," sagte sie zu Godesheim.
„Mir wurde eben ganz schwindelig. Und ber Seh steigt zu Kopf. Ich bin an solche Genüsse längst nicht mehr gewöhnt."
Heinz ries nach Cis, Maria aß, und die süße Kühle tat ihr wohl. Sie sehnte den Augenblick herbei, wo sie gehen konnte, wollte aber nicht durch einen plötzlichen Aufbruch Erstaunen erregen. •
Wieder hatte die Kutusoff mit dem Maharadscha getuschelt. „Dreck," sagte der plötzlich kurz und prob. „Es gibt Finger, die alles beschmutzen, roas sie anfassen. Trau' du einem alten Jrauenkenner, daß er echt und falsch unterscheiden kann." Er stand auf, trat vor Maria und verneigte sich lief. „Der süßen Königin des Abends nahe ich in tiefster Ehrerbietung. -Darf ich um die Quadrille hüten?"
„Ich werde nuf Verwirrung stiften.
„Die hast du schon heute in vielen Herzen gestiftet, o Herrin."
Mafia stand auf. Alles war besser als hier stille sitzen und warten, wann der nächste Streich fiel. Sie sah Godesheim nicht an, und er wußte nicht, warum sie fortging, ohne ihn zu beachten, nachdem sie minutenlang so weich und bingebenb gewesen wie noch nie.
Oben an der Treppe stehend, sah er ihr nach, ivie sie an dem Arm des langen Inders nieder- schritt, wie unter dem langen weißen Schleier hervor die rostbraunen Zopfe bin^n, in denen das Licht rote Funken _aufipruhen ließ, jah auf die Füße in den roten oonbalen, die fo schmal waren, wie mir jene s-e haben, deren Geschlecht feit Men schenaliern nie unter einer Last gegangen ist, und sein Herz wurde ihm beiß vor Sehnfuch«. „Maria? O Regina Maria.
„Regina?" sagte neben ihm eine scharfe Stimme. „O bewahre, so doch hinauf darf sie nicht greifen. Ader eine Herzogin genügt auch, wenn', auch keine aus regierendem Haufe ist. Dafür har man Groß- fürsten zu Schwägern, an deren Tadellosigkeit feiner nihren darf." Nadia lief die Treppe hinab, blickte noch einmal »ach oben und lochte hämisch. „Ich bin Dem Herrn aus ber Handelsariftokratte nicht stotz genug, «ber das Liebchen mu, dem Venediger Lietesneft —" Do rannte Üe erschrocken | um die Ecke. Heinz Züge hatten sich jäh zu solcher
Die £nefctktmine hierfür zumal für belfere Sorten und Abmes'ungen. lind durchschnittlich bei den Werten sehr lang Bei der Beurteilung der Gelamtlagc auf dem iSifenmartt darf nicht vergeben werden, daß s.ch in jedem Jahre die sommerliche Serieny.t fühlbar macht. Die Weiter- antwicklung des E.'enmarktes hängt davon ab, ob es innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate der eisenverarbeitenden Industrie gelingen wird, den augenblicklich geringeren Auftragseingang wieder so äu steigern, daß das heutige Produktionstempv veibehalten werden kann.
Wochenbericht
vom Frankfurter Snektenmarkt.
Auch in dieser Woche war das Kennzeichen ter Börle eir.c weitgehende G e 1 ch ä f t s st i II c. Die Zahl der Börsenixsucher ist jetzt in der Zeit der Serienreifen zu sammcngr schrumpft und bu McbriggeblkL eien verharren in Lustlosigkeit und Zu rück ha Itung. da bei den Banken der Ordereingang außerordentlich gering bleibt Eine weitere Senkung des tefeit»- stark erniedrigten KaiLniveaus wurde verursacht durch die der Tirlonterhöhung ShikagoS nachfolgenden Diskontheraufsetzungen der Federal Rcser\e-Banks von Reuyork und Richmond. Zwar sind die e Maßnahmen weniger deshalb gehoben worden, um einer Geldverfnappung entgegcnzu- treten. {entern um die überhandnehu ende Börsenspekulation einzudämmen, wobei allerdings bezweifelt werten kann, ob diese Diskonipolttil die gewünschten Wirkungen haben wird. Jedenfalls aber erwartet man hiervon mit Recht einschneidende Einwirkungen auf die europäischen Geldmärkte. So glaub» man in Bör enkrriwn ein« baldige Diskonterhöhung der Bank von England befürchten zu müssen. Ater auch eine etwaige Ermäßigung des Reiey^bantdiekontes rückt durch die amerikanischen Erhöhungen in immer Weiter« Fernen. Es wurde darauf hingewiesen. daß durch die nunmehrige höhere Verzinsung des Kapitals im eigenen Lande der Anreiz der anwritani- schen kapitalkräftigen Kreise, ihre überschüssigen Gelter nach dem immer nocy fo kapitaftedürftigen Deutschland abzuführen, wesentlich verringert worden ist. Die Befürchtuirgen. daß nun die in Deutschland bereits investierten kurzfristigen amerikanischen Leihgelter in größerem Umfange gekündigt und zurückaerufen werten würden, fanden jedoch keine Bestätigung, und es beffiedigte allgemein, daß ter Dollarkurs, der dic 420- Grenze bereits überschritten hatte, bald eine merkliche Senkung bis 4,1882 gegen die Mark erfuhr, d. h., e- bestand eher wieder Angebot in Devisen. Davon ausgehend konnte sich später ein« gewisse Beruhigung und Erholung an der Börse durchsetzen, wobei sich die Tendenz auch vor allem auf die festere Haltung ter Reuyorker Börse und die am dortigen Geldmärkte ei »getretene Erleichterung stützte, wie überhaupt die Abhängigkeit ter bcuUd?en Börsen von tem Reuyorker Markte in dieser Woche wieder besonders augenfällig in Erscheinung trat. Ferner bedeutete die Tatsache, daß am GeldmarÄ erstmalig nach dem Medio, ter im übrigen -einerlei Schwierigkeiten bereitete, eine Erleichterung für Tagesgeld (7 Proz.) eintrat, eine Entlastung für die Börse. Der weiteren Entwicklung des Geldmarktes in der nächsten Zeit sieht man jedoch in Dörsenkreisen nach wie vor skeptisch entgegen. Tatsächlich zeigte auch ter letzte Reichsbankausweis eine nur geringe weitere Entlastung, wohl besonders deshalb, weil sür die gesteigerte Reife- tätigfeit beträchtliche Barmittel beansprucht werten. Sodann rückt das Problem der Ernte- finanzierung immer mehr in den Vordergrund. Die Anzeichen eines weiteren Konjmtt- turruckaanges fanden keine stärkere Beachtung, so blieben die im Rcchrberabau vorgenommeiwn Zechenstillegungen und Massenkündigungen ohne sichtbaren Einfluß. Gegen die vergangene Woche war die Kursentwicklung nicht einheitUch. Verluste und gewinne bis 4 Prvz. hielten fich etwa die Waage. Für I.-G.-Farben machte sich zeitweise etwas regeres Interesse bemerkbar, ebenso für Karstadtaltien. Deutsche Anleihen waren ziemlich lebhaft verlangt und fester. Von den ausländischen Renten lagen Mexikaner im Zufammeichang mit ter Ermordung teS neuen mexikanischen Präsidenten schwächer. Rumänen waren dagegen auf das Zustandekommen der Anleibe befettigt. 3m Freiverkehr bestand für Russenwerte einiges Interesse.
rasenden Wut verzerrt, daß sie seine Finger schon wie in würgendem Griff um ihren Hals spürte. Erleichtert atmete sie auf, als sie am anderen End« des Saales landete. Sie hatte ihrem Haß Luft gemacht. Was hatten die zwei voraus vor ihr. daß ie fo schön, so stolz, so siegesstcher durch das Leben fingen? Es war recht, ihnen die Mask« vom Sc- icht zu reißen. Und gut tat es, dem Godesheim, der einmal ihr Entgegenkommen verachtet hatte, einen Stoß zu oefietzen, der ihn bis ins Herz traf. — Sie ging in die Kleiderablage und ließ sich den Mantel geben. Es gab in dieser Nacht auch noch an anderen Orten Zerstreuung. Dem Manne mit den Zornaugen noch einmal in den Weg kaufen, war überflüssig.
Endlich! Endlich waren sie allein in ihren kleuien Stuben. Maria stand vor der Schwester, und ihre Augen flammten, wie Elena es nie gesehen hatte. „Du," sagte sie, „du! Alle» hält' ich für dich gegeben! An dich hab ich' geglaubt! (beliebt hab ich dich — 0 Gott! Vater und Mutter und Jugend lind Heimat und Zukunst — alles, alle» bist du mir gewesen, und du — O pfui."
„Mario," flehte die Blonde. Es war Angst in ihrer Stimme, und sie zitterte am ganzen Körper. „Du muht mich doch begreifen."
,Ln deut Schmutz hast du gelebt! In tem Schmutz hast du mich leben lasten' Hättest du mich doch aus dem Hause gewiesen in der ersten Minute, wo ich zu dir kam. Vwbcr hinein in btt* Lagunen, als fo —" Sie schlug die -Hände vor da» (tzeficht. Ein Stöhnen schüttelte fk
Ich hätte es sollen. Ja, ich hatte er sollen. Aber ich konnte doch nicht. Ich sehnte mich so sehr nach ein wenig reiner L'febe und Güte. Nach einem Menschen, der nicht Jur Geld käuflich war. Ich ivar hi fo verkästen, fo verlassen.- Sic wimmerte leise, wie ein geschallenes Kind. Aber Maria hörte den Blagdon nicht einmal. Ihr ganzer reiner Mäb- chenstolj stand in Flammen.
„Und non dem Lchrnutzgelde haben wir gelebt! Das waren eergeiö Geschäfte. Das waren seine Geschäftsfreunde! Spieler und Dirnen. — Davon lebten wir auf ter Insel, wo wir uns wie die Götter oorkamen in oll der Sonne und Reinhett der See." Sie warf sich auf bas schmale Ruhebett und drückte das Gelicht in die Kisten. Es gab ferne Borte mehr, all ter verzweifelnden Empörung Lust zu machen. (Fortsetzung folgt)


