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lirJZO Zwetter Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 2t Juli (928

Das Problem des Geburienrülkganges.

Von Geheimrat Prof. Or. meb. H (Bellheim,

Die ernsten Darlegungen be» berühmten Gtznäkologen verdienen die Beachtung eine» jeden (ich für die Zukunft feine» Volke» verantwortlich Fühlenden.

Der Geburtenrückgang beschäftigt lebhaft die Gemüter. denn der Schaden lieat auf der Hand. Jeder kann c» sich an den fünf Fingern abzah­len. dah wir untergeben muffen, wenn wtr un» nicht genügend foNpflanzen.

Da» Problem .Geburt en rückgang" rst em reich» lich theoretische» Gebäude mit mangelhaften praktischen Vorschlägen für seine Abhilfe, und doch last» es 'ich in der emen ober anderen Dichtung nützlich beleuchten. Ich will hier nur ein paar Fragen herausgreisen:

Bei dem Thema vom Geburtenrückgang rnter- essiert un<> zunächst einmal al» lehr wichtiger Ausgangspunkt. der aber so gut wie niemals berücksichtigt wird, die Frage, wieviel Kinder einer Frau eigentlich von Natur aus zuftehen. Hon sachverständiger Seite werden um unseren Vollsbestard gerade noch zu gewährlelsten. drei bi» vier Nachkommen für notwendig erachtet. Das ist aber nur das Minimum, auf das uns die wirtschaftliche Lage »urückgedrängt Hal. Schon die Erscheinung, dah bedeutende Manner sehr oft Spätlinge in der Familie waren, und wir heutzutage so wenig berühmte Männer haben, heule au| eine willkürliche Verkürzung der Kin­derzahl hin Dir hoben aber auch einen lücken­losen Maststab, an dem wir die von der Natur gewünschte Kind-rzahl pro Frau in brauchbarer Weise angedcutel haben.

TBtr müssen dazu einen Heinen Umweg machen. Ulan lut immer gut. wenn man in den kom­plizierten Menschenverhältnissen nicht Har sieht, sich zur Aufhellung an die einfacheren Beispiele in der Tierwelt zu wenden

Dir kennen Tierarten, bei welchen wir alle Fahre sich wiederholende Arbeiten im @e- schlechtsdienfte sowohl beim weiblichen toie beim männlichen Geschlechte erkennen, die einen Ver­gleich zwischen männlicher und weiblicher Lei­stung zulassen. Die Geweihträger, Hirsche und Rehe. vollbringen die dem Seyen von Jungen | de» Muttertieres vergleichbare alljährliche Lei­stung der Geweihprvduktion. Der Hirsch .seht" zum Beispiel, wie man sagt. .vor", bi» zum 15. Jahre, der Rehbock etwa biS zum 7. oder 8 Jahre, d h er baut ,edes Jahr ein immer bessere-» Geweih auf bis zum Höhepunkt Dann .seht" er zurück, d. h. die Geweihe werden wieder schlechter. 5* gibt also einen Kulminationspunkt der organischen Leistungen, auf dem sich da» Produkt einigermasten und eine Zeitlang auf der Höhe erhält, dann aber nicht mehr besser wird. Wir müssen bei der weiblichen Parallel­leistung. da wir ja bei der Geburt die Ouali- tätSentwicklung de» Menschen noch nicht voraus- sehen können, die Quantität statt der Qualität sehen. Und da zeigt die Statistik beim Menschen, dast im allgemeinen die Kinder immer größer werden, vom ersten bi» etwa zum neunten und von da an. in dieser Leistung auch,gurüd- gesetzt wird. Wir dürfen annehmen, dast es in der Absicht der Natur liegt, bei diesem Sich- einspielen der Funktion, wie bei jeder anderen auch, zum mindesten e i n m a l die Höchstleistung zu vollbringen. Damit hätten wir wenigstens einen nngesähren Maßstab, was die Natur selbst zum Fortpflanzungsproblem meint.

Sin Blick in die Natur zeigt toeiter ein sehr wichtiges Gesetz. Die Produktion der Nach- kiornmenichast findet ihre Grenze da. wo sie mit der Selbsterhaltung oder der Mühe für die Selbsterhaltung in Konkurrenz tritt. Wachs­tum und Destanderbaltung des Organismus ge­raten in einen Wettbewerb zu dem Fortpflan­zungswachstum, genannt auch Wachstum über die Grenzen deS Organismus hinatls um die gleiche gemeinsame Kraftquelle, die von der Nah­rungsaufnahme gespeist wird. Die Negulation verläuft in der ungebundenen Natur automatisch.

Der Mensch macht insofern eine Ausnahme, als für die "Regulierung bei ihm die ileber- iegung, die Reflexion und die bewußte Kräfte­verteilung. die Rationierung, dazutritt. Der denkende Kulturmensch läßt es gar nicht erst zu einer merkbaren Konkurrenz kommen, sondern stoppt mit der Fortpflanzung schon vorher ab. Darin lie'gt die Gefahr der ilebertreibung im Sinne der oft überspannten Sorge, man könne

Direktor der UniversitätS'Frauenklinik, Leipzig, sich keine Nachkommenschaft mehr leisten, wenn das viclicichi bei gutem Willen und etwas näherem Zusammenrüden noch ganz gut mög­lich wäre.

Solche, die der praktischen Seite des Problems ferner stehen, haben auch geglaubt, die Zeu­gungsfähigkeit des Volkes selbst habe abgenom- men. Davon ist gar keine Rede. Richtig ist, daß die Einschränkung der Fortpflanzung eine getool 1 te ist. d h der Mensch von heute greift willkürlich störend in den FortpslanzungS- prozch ein.

Für den Menschen gibt es noch einen be­sonderen Beweggrund, sich fortzupflanzen, eine Fvrtpflan-ungsiust. Sie entstammt auch wieder einem Stück Ueberlegung. der Reflexion, deren der Mensch allein fähig ist. Jeder Mcnch bat zum mindesten ein dumpfes Gefühl dafür Manche haben aber auch sich zu einer ganz klaren Gewiß­heit durchgerungen, daß es außer der Fort­pflanzung einen anderen greifbaren Weg. sich zu verewigen, ein Stückchen von sich übrig zu lassen, das im Kampfe ums Dasein weiter wächst, nicht gibt. Und das Sichverewigen ist doch das Allerhöchste Streben. Jede Reli­gion. jede Kulturstufe und jedes Zeitalter ver- ixri&t es in allen möglichen Formen. Die Natur ist in diesem Sinne auch eine Rellgion. die uns die Verewigung nicht nur verheißt, son­dern unter allen Umständen realisiert. Gs gibt also in dieser Richtung ein natürliches und gesundes Gefühl, einen FortpslanzungStounsch. einen Fortpslanzungsdrang beim Menschen. Die­ser allein würde genügen, die notwendige reich­liche Fortpflanzung automatisch zu unterhalten, tix-nn gegen ihn nicht Hemmungen auf gefahren würden.

Wenn wir den wahren und letzten Ursachen des Geburtenrückganges nachgehen, so kommen wir auf widrige Wirts chas t liche Ver­hältnisse. Wie ia der Tierwelt ein üppiges Aesungsjahr eine reichliche und kräftige Nach­kommenschaft in Erscheinung treten läßt, und ein kümmerliches Aesungsjahr in einer weniger zahlreichen und schwächlichen Nachkommenschast feinen unmittelbaren Ausdruck findet, so spielt beim Menschen das. was hinter seinem Lebens­unterhalt steht, mittelbar eine entscheidende Rolle. Eine glänzende Wirtschaft ist der Fortpflan­zung im allgemeinen günstig, eine miserable im allgemeinen ungünstig 3d) muß sagen .im all­gemeinen". denn das gilt nur im großen und ganzen. Das beweist ein Blid ins Leben. 3m einzelnen sind es ja nicht immer die wirt­schaftlich am besten gestellten Stände, welche die meisten Kinder hoben. Eher ist es umgekehrt. Trotzdem ist die Wirtschaflliche Sicherung die Grundbedingung. Sie ist aber je nach ihrer Ausgiebigkeit entweder ein begünstigendes oder hemmendes Moment. Hauptsache ist und bleibt die Fortpflanzungslust. Sie toirh sich trotz aller Hemmungen weiter aus. Fortpflanzungs- lutt kann natürlich auch in Fvrtpflanzungsun- lust umschlagen. Dann ftedt aber meistens das wirtschaftlich hemmende Motiv dahinter.

Wenn wir nun fragen, wie man der sinken­den Geburtenzahl Einhalt tun und die Fvrt- pslanzungslust wieder neu beleben könnte, lo stehen uns Hilfsmittel zu Gebote. Man muß die wirtschafllichen Nöte und damit die Hem­mungen herabsetzen, gar ganz beseitigen, und damit die Fortpflanzungslust steigern. Ob man die Menschen dazu bringen könnte, sich in höherem Grade fortzupflanzen, wenn man sie nur wirtschaftlich leichter stellen würde, ist zwei­felhaft, weil ja mit der wirtschaftlichen Besser­stellung der Gedanke Platz greifen könnte, in her Konkurrenz zwischen Selbsterhaltung und Fortpflanzung doch mehr Gefallen an der Ver­wendung des Löwenanteils auf die Selbster­haltung zu sinden. wie das ja Allerweltsmvral immer schon gewesen ist. Man muß m. E. noch ein Stück weitergehen, und nicht nur die Fort­pflanzung wirtschaftlich erleichtern, sondern auch diejenigen, die sich nicht fortpflanzen. wirt­schaftlich ausdrüdlich schlechter stellen alS diejenigen, die sich fortpslanzen. Da« ist zweifel­los eine sehr zu beherzigende Sicherung gegen­über menschlichm Schwächen.

3a das Staatswesen hätte es in der Hand, mit dem ihm zu Gebote stehenden Mittti der Besserstellung und Schlechterstellung eine Aus -

Wahl deS optimalen in der Fortpflan­zung zu treffen. Sogar wenn sehr spar' am und rationell vorgegangen werden müßte, fo könnte in der Tat lediglich durch eine Von einer Rassen Hochzucht geleiteten Wirtschaft die größt­mögliche Zahl der besten, oder, wie man auch sagen iann. die 8inld>tänlung der Quantität unter Förderung der Qualität, also der höchste Grad der Mentchenökvnomie erreicht werden.

Auch in der Ehe. der Krönung aller Mann-. Stau- und Kindererziehung hat die neue Zeit nicht nur zu revolutionieren und zu re­formieren angefangen. Rußland hat sogar das ganze bisherige Liebesleben zu zerschlagen ge­sucht. Da» große Experiment Rußlands ist nicht gelungen. Die Ehe :ft neben der vielen Un­ordnung. die angerichtet wurde, in wertem Um­fange bestehen geblieben. Der Befreiungs­versuch aller Dexualbeziehung aus ihren not­wendigen Konsequenzen bekommt sehr schlecht, vor allem der Frau. ES gilt so viel Schaden zu re­parieren, daß man gut täte, auf sexuellem Ge­

biete die Züge! wieder in die Hand zu be­kommen. Wir brauchen keine modernen Begriffe wie .neue" au dem Boden der Liebesbe­ziehungen verantwortungslose .Kameradschaft' . weil wir von altersher schon willen, daß sie unerwünschtc Folgen haben

Wir benötigen nach wie vor eine Ordnung des gesamten Liebe»- und FortpslanzungSlebens und 'einer Beziehung zur Wirtschaft. ES ist nicht leicht, in den verdrehten Köpfen, besondere, wenn sie von Liebe erhitzt sind, und man sie gar glauben gemacht hat. man lönnc bequem und verantwortungslos zur Regulierung feiner menschlichen Neigung und Leidenschaften kommen, wieder Ordnung schaffen Darum IvXirf unter Volk und seine Leitung eine Eheberatung in» Sinne einer Fortpflanzun^Sberatung und Be­ratung überhaupt, statt mit blutigem 'Dilettan­tismus au einem so diffizilen aber lebenswich­tigen Gebiete her menschlichsten Siebungen immer weiter zu wursteln.

Die

für Meinungen.

Heichsverdingungsordnung.

Die von dem Rcichs-Berdingungs-Ausschuh auf- gestellte Verdingungsordnung für Bauleistungen, im gewöhnlichen Sprachgebrauch als Reichsver- dingungsordnuna bezeichnet, regelt ein Gebiet, dos volkswirtschaftlich von größtem Interesse ist. Das

stimmt sind und mit einer Aendcrung bei der tiue- tührung nicht zu rechnen ist. Bel öfftntltchei schreidung sollen die Unterlagen an alle inländi­schen Bewerber abgegeben werden, die sich ge­werbsmäßig mit dec Ausführung von Leistungen der ausgeschriebenen An beschäftigen. Bei be­schränkter Ausschreibung sollen im allgemeinen drei dis sechs Unternehmer zur Angebots- abgabe aufgeforbert werden. B e i freihändi­ger Vergebung und beschränktem Wettbewerb soll unter den selbstän-

Derdingungswesen gehört zu den umstrittensten Gebieten der Staats- und Gemeindeverwaltung. Die Gefahren und die Auswüchse des Berdingunos- wesens einerseits und das Bestreben anderseits, für die Vergebung von Lieferungen und Leistungen einheitliche Grundsätze im ganzen Reiche zu schaf­fen, sind die Ausgangspunkte gewesen für das Zu­standekommen der Neichsverdingiingsordnung, kurz R.B.D.O. in dieser Abhandlung genannt.

Der unter der geschäftsführenden Leitung des Reichsfinanzministeriums eingesetzte Reichsoer- dingungsousschuß Hot nach Ucberroinbung vieler Schwierigkeiten, die sich naturgemäß aus den In­teressengegensätzen zwischen den Auftraggebern und den Auftragnehmern ergeben, die R. B. D. O. im Mai 1926 sertiggestellt. Für die weitere Behand­lung ist der Reichsbauverwaltung ein kleiner Aus­schuß zur Seite gestellt worden, der, wenn grund­legende Aenderungen notwendig werden sollten, den Arbeitsausschuß einberust. Die R. B. D. D. zer­fällt in drei Hauptteile.

Allgemeine B e st i m m u n g e n für die Berge- düng von Dauleistungen, allgemeine Vertrags - bebingungen für bie Ausführung von Bauleistungen, technische Vorschriften für Bauleistungen.

Die allgemeinen Bestimmungen für bie Verge­bung von Bauleistungen stellen als Leitsatz auf, daß Bauleistungen nur an fadtfunbige und leistungsfähige Bewerber zu angemessenen Preisen oergeben werden sollen, ungesunde Begleiterschei­nungen sind zu bekämpsen, 2). Als Bauleistun­gen sind Bauarbeiten ober Lieferungen von Bau­stossen ober Bauteilen anzusehen, bie zur Herstel- hing ober Instandhaltung eines Bauwerkes bienen. Bezüglich der Art der Vergebung wird die offent- lidje Ausfchreibung als der Regelfall bezeichnet, daneben Die beschränkte Ausschreibung, die sogen, engere Submission, ferner freihändige Vergebung und zwar bann, wenn bie Arbeit vorher nicht genau unb einbeutig festgelegt werden kann, oder wenn verhältnismäßig kleinere Leistungen sich von einer vergebenen größeren Arbeit nicht ohne Nach­teil trennen lassen, oder wenn ein günstigeres An­gebot nicht zu erwarten ist: ferner soll bann frei­händige Vergebung erfolgen, wenn für die Arbeit die künstlerische oder technische wissenschaftliche Leistung, besonders die Kunstfertigkeit ober (Erfah­rung bcs Auftragnehmers, maßgebenb ist Bau­leistungen sollen grunbsätzlich mit den zur Leistung gehörenden Lieferungen vergeben werden, wenn nicht die Derkehrssitte dem entgegen steht. Beson- ders umfangreiche Leistungen sind möglichst in Lose zu teilen (leiUofe). Leistungen verschiedener Handwerks- oder Gewerbezweige sind nach diesen getrennt zu vergeben (Fachlose). An einen General- unternehmer sollen die sämtlichen zu einem Bau gehörigen Leistungen nur vergeben werden, wenn örtliche Verhältnisse ober nnberc wichtige Gründe die Vergebung nach Fachlosen untunlich erscheinen lassen. Die Vergebung soll in der Regel zu (Ein- I heitspreisen erfolgen, zu einer Pauschalsumme nur I bann, wenn Art und Umfang vorher genau be­

bigen, zuverlässigen unb leistungs­fähigen Gewerbetreibenden möglichst abgewechselt werden. Strafanstalten, Für­sorgehäuser unb ähnliche Anstalten sollen im Wett­bewerb mit gewerblichen Auftragnehmern nicht z u g e 1 a s s e n werden. Wenn von dem Unterneh­mer besondere Stiftungen verlangt werden, bie nicht unmittelbar zur Leistung gehören, Io sind auch hierfür besondere Ansätze vorzusehen. In den Aus­schreibungsunterlagen lall vorgeschrieben werden, daß die allgemeinen Vertragsbedingungen für bie Ausführung von Bauleistungen unb bie technischen Vorschriften für Bauleistungen ber R. V. D. O. Bestandteil des Vertrags werden. Vertragsstrafen ioUen nur ausbedungen werden, wenn die lieber- schreitung ber Ausfühningssrisi erheblichen Nach­teil verursachen würbe. Die Strafe ist in ange­messenen Grenzen zu halten. Auf Sicherheits- leiftung soll verzichtet werden, wenn Maimcl ber Arbeil voraussichtlich nicht zu erwarten sind, ober wenn ber Unternehmer genügenb bekannt ist und fenügenbe Gewähr bietet. D i e Sicherheit

oll 5 o. S). ber Auftragssumme nicht überschreiten. Sinb bei Ausführungen von längerer Dauer wesentliche Preisänberungen zu er­warten, deren Ausmaß ungewiß ist, so kann eine angemessene Aenderung der Vertragspreise in der Ausschreibung vorgesehen werden. Zuzulassen sind nur solche Angebote, die rechtzeiztia bis zur Deff- nung des ersten Angebots eintreffen. Ausnahms­weise können auch verspätete Angebote zugelassen werden, bie nachweislich io frühzeitig

gegeben waren, daß mit ihrem rechtzeitigen (Ein­gang gerechnet werden durfte, und die trotzdem aus einem vom Bieter nicht zu vertretenden Grunde erst nach (Eröffnung des ersten Angebots, jedoch noch am (Eröffnungstage, eingehen. Für den zu erteilenden Zuschlag sind nur solche Bieter zu berücksichtigen, die für bie (Erfüllung ber vertrag­lichen Verpflichtungen bie notroenbige Sicherheit bieten, insbefonbere bie, welche für eine sach­gemäße unb rechtzeitige Ausführung bie erforber- liche (Erfahrung, Sachkenntnis unb Leistungsfähig reit besitzen, die Leistung im eigenen Betrieb aus- führen können unb über die notwendigen Mittel verfügen. Ausgeschlossen sind Auftragnehmer, die ich Der gesetzlichen Verpflichtung, einer Berufs- lenossenschast anzugehören, entziehen. Der Zu- chlag ist nicht an die niedrigste Geldsorderung ge­bunden. Angebote, deren Preis in offenbarem Miß­verhältnis zur Leistung stehen, sollen ausgeschlossen und nur solche Angebote berücksichtigt werden, deren Preise bei cinmanbfreier Ausführung für den Bie­ter auskömmlich erscheinen. Unter den hiernach verbleibenden Angeboten soll ber Zuschlag auf bas Angebot erteilt werden, das unter Berücksichti­gung aller wirtschaftlichen und technischen Gesichts­

Flug in die Ferien.

Von (Sofie von llhde.

Wenn niemand einem Ferien gibt, h> muß man sie sich selbst erteilen, sonst kommt man ia zu nichts. 3d) muß gestehen, ich habe das ntermcnhc Bedürfnis, ein wenig Distanz zu meinem Schreibtisch zu gewinnen. eS geht mir genau wie dem, meiner Ansicht nach etwas zweifelhaften, Liebhaber aus dem alten Soldaten­lied. .3d) liebe Dir Liselotte, aber mehr noch au» der Fern' Dagegen hilft gar nichts, also auf und davon!

Ich habe mir einen stillen Winkel ausgesucht: Osnabrück, die wunderschöne, grüne, wallum- zogene Stadt. Der Kontrast zwidxm dem gran­diosen Berlin mit der Magie seines ^empo» und diesen mittelalterlichen Gassen und Toren, dielen Hügeln und dunkel aufgebauten Wäldern ist be­zaubernd Aber unsere Passionen folgen uns ja leider überall hin, unb so stürze ich beim ge­radewegs zum Flußplatz hinaus, um schnell ein wenig den faszinierenden Gesang angetoorfener Propeller zu hören. Natürlich ist es sofort um wich geschehen: wie eine direkte Maschine nach Borkum? Aus Glanz und Weite der Himmel in ®lam und Weite der See? Oh Gott, ich muh hin!

Nächsten Tag um 3 soll die Iunkersmaschine Harten. Aber schon am Vormittag treibe ich jnid) draußen herum, schau mir den Start nach an _ und nütze die hier wie auf allen Luftbahnhöfen herrschende Zuvorkommenheit aus, wn meine Äenntnifie im Flugwesen zu erweitern.

fcen bügeln ringsherum locken ernst und Mll die Wälder, und ich bin ein wenig beschämt ob meiner Untreue. Aber ich Iann mich von der seltsam betörenden Lust, die über den Flughäfen liegt, nicht losreihen, von diesem zauberhaften Lied vom Rausch der Schrulligkeit und der

Vorführung der Ferne, von diesen ernsten brau­senden Atrorden einer unerhörten Zukunsts­musik! Sie ist dennoch und trotz allem köstlich, unsere Zeit!

LvS zuckt Start! Der liebenswürdige Pilot, der sich über meine Passion freut lädt mich ein, statt in der wohlverwahrten Kabine vorne neben dem cteuer zu sitzen, in Wind und Wollenslug, und ich stimme natürlich mit Begeisterung zu. Schon werde ich in eine mit Oel und Spuren der Arbeit achtbcn verzierte Fliegerkombination ge­steckt. in die ich gut und gerne dreimal hinetn- gche. schon voltigiere ich mit mehr Entschlossen­heit als Geschick auf den mir noch nicht recht ge­läufigen Führersitz, unb ber Propeller wird an- geworfen.

Jeder Flug ist für mich auf» neue eine Fahrt ins Glück. Ich fliege nun zum fünfzehnten Wale, aber immer wieder überwältigt mich der Zauber des Geschehens. Es ist ja doch nicht nur. daß man auf außergewöhnlich bequeme, sichere unb schnelle Art an sein Ziel gelangt und in ber Haft unterer Tage wichtige Stunden des Vor­sprungs gewinnt es ist der alte, endlich erfüllte Traum des 3karus, Sehnsucht und Ziel von Jahrtausenden! Wie sie das Ge­sicht der Erde und der Menschheit wandeln, diese silbernen Vögel! Grenzen fallen. Weite ver­schmilzt hin, er wird immer kleiner, unser alter Planti. Ach, und wie schön ist dieses schwebende V orwärts stürm en! Wir haben .bockigen" Wind, und her Pilot, höchste Konzentration und pracht­voll eingeschmiedet in das ftäf>kmc Ganze, muh durch unablässiges Ziehen und Drücken der Ma­schine die Böen parieren. Wundervoll, wie hier vorne, im dröhnenden Arbeiten des Motors, im präzisen Ablauf der 3nftrumente, beim An- schauen der ruhigen Handgriffe an willigen He­beln, bie Maschine zu einer organischen Einheit sich verbinbet mit Wanderschaft der Wollen und Flug der Winde! Mögen sie da hinten in der Geborgenheit der Kabine immerzu behaglich

elfen unb lesen, schlummern und ihre Geschäfte überdenken sie ahnen ja nichts von dem Taumel von Weite, L'ut und Kraft, der einem hier vorne daS Herz mit Blut und Leben füllt. Wirklich, da» Dasein kann zuweilen ganz ver­dammt schön fein.

Dir haben die großen Moorstrecken von Ost­friesland überflogen, die EmS. sehnsuchtsvoll sich weitend, eilt der See entgegen, schon verspüre ich auf den Lippen das Salz des Meerwinde». Wir fliegen Emden an. das mit Kranen, Schif­fen und Werft ersten Hauch von Ueberfec über­mittelt Auf dem Flugplatz weht das harte Dünengras. Wir bekommen untere Schwimm­westen umgeschnallt eine Dorfchtsmaßregti. über die man versucht ist, zu lächeln, wenn man bedenkt, daß das Flugzeug, staristilch nachge­wiesen, die größte Sicherheit ton, allen Ver­kehrsmitteln bietet, die Pferdedrofchken mit in­begriffen. Aber alle Hochachtung vor der pein­lichen Gewillenhafttgkeit ber Lufthansa, damit hat sie sich Gegenwart unb Zukunft erobert

Wir starten wieder, unb vor uns, um uns, über uns liegt das gläruenbe Grau von Himmel, Wasser unb Schlick. Wtr kommen durch Regen­böen unb ihre sanfte Verschleierung löst die letzten Grenzen: eine Weite umgibt uns. ein leblos silbernes All, in dem ber Schaum der Wellen wesenlos steht Aber da tauchen die Insel auf, Norderney, das demnächst auch ange­flogen werden soll, die langgestreckte Intel Juist und nun Dorkum, unser Ziel.

Fllegen muß wahnsinnig gesund sein, denn meine Begeisterung hat sich in eenen hand­festen Hunger materialisiert Schlanke Linie? Welch überlebter Begriff, wenn einem ein paar Stunden lang Gottes Winde um die Ohren ge­braust fmb! Unb ich klettere voller Taten­drang aus meinem Häuschen.

Eine kleine Draisine, bie aussieht toie ein Selbstfahrer zur Zeit Friedrichs des Großen,

und die einen amüsanten technischen Kontrast zu unserer prachtvollen Maschine bildet, führt uns nach Dorkum hinein. Zunächst esse ich zwei Stunden lang, aber bann erhebt sich die schwie­rige Frage. Was nun? Denn es läßt sich nicht länger verheimlichen, daß es in Strömen gießt Aber mit einsärbt sich das trübe Grau seltsam purpurn, es löst sich auf. ein Regenbogen, grandios über die Weite der Himmel geworden, macht Friede mit der bedrängten Erde. Und eine Sonne, alühend und streng über den Wassern schwebend, schickt sich an, unseren Antipoden den Morgen zu bringen. Da« Meer, unter einem entflammten Himmel, ist eine Symphonie in Rot, vom zarten Rosa der Schaumkämme bis zum tiefen Kardinal ber Wogentäler ein Sonnenuntergang ohnegleichen, ber mählich in einem metallischen Grau zerfließt.

Den nächsten Morgen starten wir bei 65 Stun­denkilometer Wind: ich erfreulicherweise wieder vorne in meiner Oel.'lüft. Tief unter den silbernen Tragflächen der Maschine rollt grün, mit weißem Schaum die Nordsee, schwere, leuchtende Wol­kenberge jagen über und neben uns, und Regen­böen wecheln mit Sonn en blitzen aus zerrissener Himmelswand gerade daS Wetter, das ich am allermeisten liebe xum Flug. Aber es geht ja viel zu schnell, wir haben Emden schon wieder verlassen, da ist der Teutoburger Wald, da ist Osnabrückchon wird der Motor abgedrosselt, und die brausende Weite der Himmel ist wieder hoch und fern.

Unb nun könnte ich ja eigentlich in die Wälder laufen, tn die grüne Stille, um derentwillen ich Berlin verlieh. Aber ich ahne schon, daraus wird nicht viel: ich werde ja doch den ganzen Tag gebannt hier außen stechen und mit einem ton Passion betörten Herzen dem Anwersen der Propeller zuhören, dieser berauschenden, die- fer verführenden Musiki