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Nr. 170 Erster Matt

178. Jahrgang

Samstag, 21. Juli 1928

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur

Dr. Fnedr Wilh. Lange. Derantwoniich für VohtiM Dr. Fr Wild Lange für Feuilleton Di H Thyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmonn. sämtlich in Gießen

Die französisch-belgische Heeresverbindung.

Hollge 3nanberfegunoen, die sich in der belgischen Kammer abgespiell gaben, l«n- Een den CBlid auf die neue Mili tärvor- läge die der belgische ÄrlegBmlnlfter deDro- qu«v i lle eingebrachl hat, und die von den Sozialisten voran dem alten Döllerbundsvvr- lämpfer und ehemaligen Außenminister Belgiens, Dandervelde. bekämpft wird, de Broque- ville hat zur Begründung seiner Borlage ein paar sehr merlwürdige Argumente geltend ge­macht ; das eine ist die Behauptung. ..ES ist nutzt zweifelhaft, daß unser Gegner an einen Einfall benft" Damit meint er zweifellos Deutsch land, ohne Gründe für feine Be­hauptung angeben zu können. Das zweite Argu­ment stützt er auf die Erklärung, die belgische Armeee habe die Ausgabe. Frankreich eine Schuhstellung zu gewähren: d. h. also, er macht die Aufwendungen des belgischen Dolles für seine Armee von den Bedürfnissen einer kei neswegs auf die Dauer festgelegten fran­zösischen Politik abhängig.

Diese Aufwendungen sind keineswegs unbeträcht­lich Belgien unterhäll, nachdem es vor dem Kriege eine Friedenspräsenzstärke von 4 7000 Mann hatte, bisher ein Friedensheer von 83300 Mann, allo nicht viel weniger als das Deutsche Reich. Die neue Hccrcsvorlage, die das Snftern des Cadreheeres aus der französischen cheeresresorm ent­nimmt, bringt zwar scheinbar eine Verringerung, aber in Wirklichkeit eine größereInanspruch- nähme der Bevölkeruig für den Mobil­machungsplan. Die bisherigen Kosten des Heeres betragen etwa 12 v.H. des Gesamtbudgets, also ungefähr ebensoviel, wie diejenigen verschiedener Großmächte. Es ist deshalb verständlich, das, sich die friedenswiUigen (Elemente des Landes, die ihre Zu­versicht aus den Völkerbund und vor allem den Locarnopakt stützen, der Belgien die Garantie Frankreichs, Englands und Italiens für feine Grenze gegen Deutschland verschafft, mit diesem so eigenartig begründetenReformvorschlag" ihres von jeher reichlich scharfmacherischen Verteidiaungsmini- sters nicht einverstanden sind. Aber die Regierungs- narteien, Konservative uno Liberale, wollen die Vor­lage trotzdem annehmen, um den sozialistischen Argu­menten aus innerpolitischen Gründen Widerstand zu leisten. Dandervelde hat alle Vernünftigen auf seiner Seite, wenn er erklärt, daß die Hypothese eine* Angriffskriege« Deutschlands gegen Frankreich, Belgien und England nichts andere« als Wa h n f i n n fei.

Aber diese Vorgänge, die uns nicht direkt angehen und die wir schließlich trotz der phanta­stischen Behauptungen deS aus früheren Affären sattsam bekannten Broqueville gar nicht zur Kenntnis zu nehmen brauchten, haben doch eine tiefere Bedeutung. Denn sie zeigen die Abhän­gigkeit Belgiens, dellen Acutralität als ein unumstrittenes Axiom früher immer gegen nnS iirs Feld geführt wurde, von Frankreich Und zwar von dem Frankreich der Mar­schälle und der ® e n e r a IJt a b 6 d f fi­xiere, die offenbar einen entscheidenden Ein­slust auf die Gestaltung des künftigen belgischen Verteidigungssystcins. auf dessen dauernde Einbe- ziehung in das französische Rüstungssvsreni ge­nommen haben. Db das angesichts der Ent­waffnung Deutschlands, angesichts der vielfältigen Interessen, die zwischen Belgien und Holland ausgetragen werden müssen, und ange­sichts der britischen GlaciS-Politik nicht die Be­achtung anderer Völker als gerade deS deutschen verdient, können wir deren Sntschridung über­lassen. Aber im Interesse deS Weltfriedens, dessen stärkster belgischer Förderer der Teil­nehmer deS Locarnopaktes. Dandervelde war, möchte man hoffen, dah die sonderbaren Ansichten des Derteidigungsministers nicht die Oberhand behalten.

Oie Anwerbungen für die französische Armee.

Paris. 20. Juli. (WTD.) Kriegsminister P a i n l e v e hat dem Präsidenten der Republik einen Bericht über den Stand der Anwerbung der zur Einführung der einjährigen Dienst­zeit einzustellenden Berufssoldaten und Beamten für das Heer vorgelegt. .Petit Parisien" gibt einen Auszug aus diesem Bericht, m dem es heißt: Die Zahl der anzuwerben, den Berufssoldaten betrug, wenn man die Offiziere und die Gendarmerie nicht einrech- net. die sich früher auf 72 000 belief und die auf 106 000 erhöht werden soll, am 1. April 1928 78 000. Wenn man die früher bereits übernom­menen Verpflichtungen zum Derbleiben beim Heer nach Absolvierung der 18monatigen Dienst­zeit berücksichtigt, stellt sich die Zahl sogar auf 82 500. Was die Anwerbung der gesetzlich vor- .gesehenen Militärbeamten anbetrifft, so ist die Zahl von 2541 am 1. Oktober 1927 auf 4308 am 1. April 1928 gestiegen. An der im Gesetz vorgesehenen Zahl der ständigen Zivil­beamten von 30 000 fehlten am 1. Oktober 1927 noch etwa 10 000. Im letzten Halbjahr sind 2900 angestellt worden, und die Anwerbung der noch fehlenden 7000 Mann wird keinerlei Schwierigkeiten bereiten. Die Zahl der mobi­len republikanischen Garde soll auf 15 000 Mann erhöht werden. Am 1. Oktober 1927 bestand die republikanische Garde aus 45 Zügen und 1803 Gardisten, am 1. April 1928 aus 68 Zügen und 2300 Gardisten. Diese niedrige Zahl erflärt sich nicht aus der geringen Zahl der An­werbungen, sondern aus der Schwierigkeit, für

Kuads Staatsstreich im Dienste Englands?

Die Regierung bezichtigt das Parlament der Unfähigkeit. Zusammenstöße. Wird Aegypten englische Kolonie?

Schon vor vierzehn Tagen wußten gut tn- fornnerde Persönlich!eiten, dah etwaS Besonderes, Gefährliche- in Aegypten bevorstehen müsse. Unter den verschiedensten Dorwänden hatte man in Kairo und Alexandria die Führer der Aegtptischen Rationalpartei, deren Hau>t Mohamed Hafez Dey Ramadan ist. hinter Schloß und Riegel gesetzt, um zu ver­hindern. dah diese radikalste Gruppe deS ägyp­tischen Parlaments bei den bevorstehenden Gr- eignissen zu schnell störend eingreife. Rach der Entlassung des Ministerpräsidenten RahaS Pascha, der zu der großen Partei der ge­mäßigten Rationalisten gebärt, war eS klar, daß die liberale, englandfreundliche Par­tei, die nur eine Mnrderheit bildet, aber ben- noch die neue Regierung stellte, verfassungs­widrige Maßnahmen treffen würde, um sich rm Qfit zu halten. Da sie sich auf das ägyptische Doll stützen kann, daS die Englän­der als Fremdlinge, Ungläubige, Ausbeuter und Fronvögte haht, muhte bet neue liberale Mi­nisterpräsident, Mahmud Pascha, die Dolls- Vertretung dovonjogen und sich auf die beiden anderen politischen Kräfte stützen, die es in diesem formal unabhängigen, tatsächlich briti­schen Land noch gibt: auf den König Fuad, den die ägyptischen Rationalisten einen bezahl­ten britischen Agenten nennen, und auf den englischen Oberkommijsar Lord Lloyd. König Fuad tst ein geschickter Politiker, der eS gern den britischen Militärs überlassen hätte, die Der- antworiung für die Errichtung einer Diktatur zu übernehmen: aber die Engländer waren dazu nicht bereit, und so muhte der König selbst das Dekret unterzeichnen, das die Aufhebung von Parlament und Pressefreiheit in Aegypten verordnet, und das als die größte Provokation angesehen werden kann, die die englischen Fremdherrscher in ihrer an Heraus­forderungen so reichen Kolonialgeschichte gewagt haben.

Denn König Fuads Dekret ist nicht in Kairo, son­dern in London entstanden. Nur mit Lächeln nimmt man davon Kenntnis, daß sich die englische Regierungin diesem innerägyptischen Streitfall" neutral verhält. König Fuad, der heute einige sechzig Jahre zählt, ist eine Marionette in der Hand der Engländer und ein Fremdling in seinem eigenen Land obwohl ihm und der königlichen Familie ein Drittel des kulturfähigen ägyptischen Bodens ge- hört. Dieser Mann, der nach der Loslösung Aegyp­tens von der Türkei im Jahre 1917 den ägyptischen Thron bestieg, ist schon als Kind seinem Later, dem Khediven Ismael, ins Exil gefolgt; er hat den größten Teil seines Lebens in Italien verbracht und spricht nicht einmal arabisch. Es ist also zu verstehen, daß er zwar im vorigen Jahre bei seinem Besuche in England sehr gefeiert worden ist der Prinz von Wales ist ihm sogar bei seiner Landung bis Dover entgegengefahren aber in seinem eigenen Land zu den unpopulärsten Persön­lichkeiten gehört. Dem ägyptischen Volk ist es völlig gleichgültig, daß Fuad tatsächlich ein sehr freundlicher, jovialer Mann, ein Sportfreund und Pferdeliebhaber ist, dessen Rennstall die Anerkennung aller britischen Pscrdekenner findet, mit Pomp und Freundlichkeit allein kann heute auch ein orientalisches Volk nicht mehr regiert werden. Man würde es dem Herrscher hoch anrechnen, wenn er Aegyptens Forderungen England gegenüber durchdrücken würde, lehnt es aber ab, Ovationen darzubringen, wenn er auf feiner repräsentativen Luxusjacht theatralische Schaustel­lungen veranstaltet.

Der Luxus, den sich der von England ein­gesetzte und von britischen Soldaten geschützte König Fuad leistet, steht im beschämenden Gegensatz zu der Armut des größten Teiles seiner Untertanen. 14 Millionen Menschen wohnen in Aeaypten. denen nur 39 000 Quadratkilometer kulwrsähigen Landes zur Verfügung stehen. Denn mit Ausnahme der fruchtbaren Rilebene ist Aegypten ein wüstes, er­tragloses Land. Es ist schon gefaat worden, daß fast ein Drittel der fruchtbaren Ebene der könig- lichen Domänenverwaltung untersteht; die übrigen zwei Drittel des Landes zerfallen in rund einein­halb Millionen kleinste Bauernwirtschaften, die die Fellachen besitzen, und einige tausend Latifundien.

die Gardisten ilntertunft in den Kasernen zu finden.

Oer Kettogg-Paki.

Washington, 20. 3uIL (WTD.) Rachdem nunmehr von 15 Rationen die Zustim­mung zum Kclloggpakt eingetroften ist. hofft man. Kellogg werde bereits Mitte August in der Lage sein, nach Paris adzu- reifen, um dort mit den Vertretern der beteiligten Rationen den Kriegsächtungspakt zu unter­zeichnen. Während das Staatsdepartement all­gemeine Befriedigung über die eingelaufenen Ant­worten ausdrückte, hören polltische Kreise, daß zwar keine Absicht bestehe den gegenwärtigen Kreis der Unterzeichner zu «weitem, wohl aber soll anderen Ländern der Beitritt freigestellt werden. Daraus wird geschloffen, daß Rußland dem Dertrage bei treten könne, ohne dah hierdurch die Frage der Anerken­nung Eowjetruhlands berührt werde. Wan nimmt ferner hier an, daß der britische Dor-

die teils Europäern, teils ägyptischen Großgrund­besitzern gehören. 2300 in europäischen Besitz be­findliche Güter verfügen nun zusammen über mehr Boden, als die eineinhalb Millionen kleinen Wirt­schaften. deren Besitzer von dem Ertrag ihres mi­nimalen Stückchen Landes natürlich nicht leben können und daher gezwungen sind, sich als Land­arbeiter an die Großgrundbesitzer zu verdingen. Sie erhalten dabei «men Tagelohn von kaum einer Mark, und man kann ohne Uebertreibuna sagen, daß der größte Teil der fünf Millionen Aegypter, die in irgendeiner Weise in der Landwirtschaft beschäftigt werden, unterernährt ist. Man kann sich kaum oorstellen, welche Wut sich in den Herzen tie­fer unendlich armen Menschen angesammelt hat. Aber damit ist noch kein umfassendes Bild der ägyptischen Armut gezeichnet. Rund 600 000 Men­schen, fast fünf Prozent der Gesamtbevölkerung, werden in der Statistik als Invalide bezeichnet; sie leiden vorwiegend an der ägyptischen Augenkrank­heit, die häufig zur Erblindung führt. Eine Million Aegypter wird in der jungen Industrie beschäftigt, in den Phosphat-Bergwerken in der Röhe des Suez-Kanals, auf den Petroleumfeldern, in der aufblühenden Textilindustrie und bei der Tabak­bereitung; auch sie erhalten geringfügige Löhne. Dem Europäer ist es unfaßlich, daß nicht weniger als zweieinhalb Millionen Menschen, also fast ein Sechstel der Bevölkerung, das Hauspersonal der begüterten Schichten bilden. Die Arbeitskräfte sind so billig, daß sich jeder wohlhabende Mann nicht nur einen Schwarm, sondern fast ein ganzes Heer von Dienstboten hält. Aus der offiziellen ögypti- schen Statistik geht ferner hervor, daß zwei Millio- nen Menschen unproduktiv sind; leider ist nicht an­gegeben, öd es sich bei diesen Leuten, die nicht im ägyptischen Erwerbsleben stehen, in der Hauptsache um Bettler und ähnliche Existenzen, ober um ar­beitslose Mitglieder sonst arbeitender Familien han­delt. Keineswegs können aber damit die Rentner gemeint fein, da diese Schicht mit 130 000 Personen gesondert aufgeführt worden ist. Wenn man den zweieinhalb Millionen Dienstboten andere Berufs- schichten gegenüberfteUt, etwa den rund 150 000 In­tellektuellen, die sich aus den Angehörigen der freien Berufe zusammensetzen, den 200 000 Beam­ten und den 150 000 Soldaten, so geht aus einer solchen Kontrastierung hervor, daß man die Aegyp­ter mit Recht ein Volk der Dienstboten nennen kann.

Aber noch in einem anderen Sinn trifft diese Bezeichnung zu. Die ägyptische Ration als Ganzes steht in den Diensten des britischen Boltes, für daS sie Baumwolle zu pflanzen hat und dessen Waren sie kaufen soll. In den letzten Jahren hat das ägyptische Dolk aber gegen diese Abhängigkeit rebelliert, und es ist dabei in gewisser Weise von den Amerikanern unterstützt worden, die einen Teil der ägyptischen Baumwollernte aufgclauft haben. Es gehört zum Gesamtbild der eng- lisch-amerikanrschen Wirtschafts- rivalität, daß die Amerikaner auch sonst versuchen, Einfluß in Aegypten zu gewinnen. Sie haben nicht nur eine wachsende Zahl von Missionaren nach Aegypten entsandt, sie haben auch eine Riederlassung der Standard Oil ge­gründet, und es ist mxf) nicht lange her. daß der junge Rockefell er 10 Millionen Dollars für die Gründung einer ägyptischen Universität stif­tete; doch ist diese Stiftung zum Erstaunen der ganzen Welt nicht angenommen worden, weil die britischen Machthaber eine Schwä­chung ihrer Lage befürchteten. Englands wirt­schaftlicher Einfluß hat sich aber nicht zuletzt wegen deS immer stärker werdenden ägyptischen Rationalgefühls allmählich so vermindert, daß Großbritannien, das vor dem Krieg 78 Prozent der ägyptischen Einfuhr lieferte, im letzten Jahr nur noch 23 Prozent zum ägyptischen Import bei steuerte, während sich die Einfuhrzifsern aller übrigen Staaten entsprechend hoben. Das ist eine bedrohliche Entwicklung, und England hat, wie schon ost vorher, den wirtschaftlichen Rieder- gang durch Gewaltakte aufhalten wollen. Das ist der tiefere Sinn des ägyptischen Staats­streiches. der dazu dienen soll, mittelbar oder unmittelbar die gesamte Derwaltung deS Landes in bri tische Hände zu

behalt über die Handlungsfreiheit in einigen Gebieten, vornehmlich auf den Suez- Kanal, Aegypten und Indien zu beziehen sei und daß biefer Dorbehalt eine Umschreibung der Selbstverteidigung darstelle, die dem Dertrage nicht zuwiderlaufe.

Havas meldet aus Washington: Aus guter Quelle verlautet, dah der Pakt zur Aech- tun g des Krieges am 2 8. August in Paris unterzeichnet werden soll.

Zustimmung Japans und des Tschechen.

Washington, 20. Juli. (WB.) Die von dem japanischen Winster des Aeuhern unterzeichnete Antwortnote auf den Kel- logg-Dorichlag wurde heule im Staatsdeparte­ment überreicht und abends bekanntgegeben. Die japanische Rote drückt die vorbehaltlose Zustimmung Japans zu dem Entwurf eines Kriegsächtungspaktes aus und übermittelt zugleich die herzlichen Glückwünsche der japanischen Regierung zu der raschen und all­

spielen, damit durch eine zweckmäßige Steuer­ung Zollpolitik der Einsluß der englischen Wirt- schast wieder verstärkt wird. Im Arak, in Ara­bien. in Demen ist England vor kurzem ganz ähnlich vorgegangen, hat sich schroffe llebcrgrific erlaubt, z. B im Irak ebenfalls d.iS Parlament aufgelöst, um Aufstände zu entsachm, die dann blutig niedergeschlagen wurden und den Kolo­nialvölkern zeigten, wie gesährlich es ist, dem englischen Imperialismus entg. genzutreten. Zwei­fellos werden auch jetzt in Aegypten blutige Erhebungen stattfinden, die Dann mit Waffen­gewalt .zum Schutz der Fremden" nieder- gehalten werden: ein neuer Schritt auf Eng­lands Weg. Aegypten zu einer gewöhn­lichen Kolonie zu machen.

Oie Begründung des ägyptischen Ministeriums.

Kairo, 20. Juli. (WTB.) In dem Schrei­ben des Ministeriums an den König heißt es. das parlamentarische Regime sei ein Instrument der Unterdrückung und des Despotismus in den Händen einer kleinen Gruppe geworden, die von einer Mehrheit unterstützt wird, die zu schmeicheln und zu befrie­digen sie gezwungen ist. DaS parlamenta­rische Regime ist unfähig geworden, Re­formen durchzuführen. Das Kabinett fand feine Alternative, als sich daraus zu konzentrieren. daS Land von diesen Parteieinflulsen zu befreien. Da das Parlament in seiner gegenwärtigen Form die Erreichung einer normalen Lage nicht begünstigte, die von dem Lande so herzlich ersehnt wird, darf eS kein Hindernis zur Erreichung dieses Zieles darstellen.

Da« Ministerium hielt es daher für unumgäng­lich, daß beide Kammern aufgelöst und die Wahlen bis zu dem Zeitpunkt vertagt werden, wo man hoffen darf, daß sich die Ration in ihrer wahren Ansicht ausspricht. Da« Ministe­rium hielt ee außerdem für notwendig, da«

Wahlgesetz zu revidieren.

Das parlamentarische Regime und die Derant- wortlrchkeit des Ministeriums werde jedoch unter fernen Umständen durch die vorgefchlagenen Aen- derungen in der Dersassung einen Wechsel er­fahren. Das Schreiben erwähnt die Rotwcndig- keit der Errichtung eineS stabilen Regimes, um Die Einigkeit im Lande wiederherzustellen und um das Land zu befähigen, für die Sache seiner Unabhängigkeit einzutrelen, um dadurch alle Bestrebungen zu erfüllen. Während der Auf­hebung des Parlaments werde das Ministerium es übernehmen, eine Herrschaft der Gerechtigleft herzustellen, die Gleichheit zu sichern, die Frei­heit innerhalb der Grenzen des Gesetzes aufrecht­zuerhalten und die Reformen durchzuführen. die so lange von dem Lande erwartet wurden.

Die Tore des ParlamentSgebäudeS wurden heute vormittag von der Polizei ver­siegelt. Wachen stehen vor dem Gebäude. Es herrscht Ruhe.

SoMundgebungen und Zusammenstöße.

Kairo, 20. Juli. lWB.) Der frühere Pre­mierminister R a h a s P a s ch a, der sich heute mit mehreren Mitgliedern des leitenden Aus­schusses der nationalistischen Partei nach Tan- t a h begab, wo zu Ehren der Parteileiter ein Festessen im kleinen Kreise stattfand, wurde un­terwegs von der DolkSmenge mit de­monstrativem Beifall begrüßt. Es kam dann zu Zusammenstößen zwischen den Dolksmassen und der Polizei, die mit Steinen be­worfen wurde. Eine Abteilung von 530 Polizisten zerstreute die Ansammlungen und nahm 10 Der- haftungcn vor. Rahas Pascha kehrte später nach Kairo zurück. Das Bankett fand mit Erlaubnis der Regierung an Stelle der ursprünglich geplan- ten, aber verbotenen Parieitagung statt.

Truppen bereitgestellt.

London, 20. Juli. (WTD.) »Daily E-pretz" meldet aus Alexandrien, daß die Derösfen.lichung des königlichen Dekrets im »Journal Officiel in ganz Aegypten großes Aufsehen her­

gemeinen Annahme, die der amerikanische Dor- schlag gesunden habe. In der Rote wird ge­sagt. daß die japanische Regierung stolz daraus sei. mit als erste mit dieser Be­wegung verbunden zu sein, die in so klarem Einklang mit den überall gehegten Friedens- Hoffnungen stehe. Die Rote betont die hohe Wahrscheinlichkeit der Annahme dieses einfachen und großherzigen Dertrages seitens der ge­samten zivilisierten Welt und enthält keiner­lei Vorbehalte und keine weiteren Dar­legungen der japanischen Auflassung.

Prag. 20. Juli. (WB.) Der Minister des Aeuhern, Dr. Bene sch. überreichte heute vor­mittag dem Gesandten der Bereinigten Staaten in Prag. Einstein, eine Rote, in welcher die tschechoslowakische Regierung ihre Zustimmung zur Unterzeichnung des Kriegs- ächtungspaktes Kelloggs aus'pricht. Der Text der t'chechoflowalifchen Antwort wird am Sonn­tag veröffentlicht werden. r .