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Der negative Erfolg sei verschuldet dadurch, daß die Relchsregierung aus jede Führung in dieser Frage verzlch. let habe. Sie gleiche dem Manne, der acht Pferde vor und hinter den Wagen spannt und dann abwartet, welche Pferde stärker ziehen.

Das Streben des Volkes nach Vereinheitlichung des Reiches fei nicht zu verkennen Wer dabei beiseite steht, der verschlafe die geschichtliche Stunde. (Hört, hört! links). Wenn die Regierung in ihrer Passivität verharrt, darm rverde das souveräne deutsche Volk bald bei den Wahlen sein Urteil fällen, da der Reichstag ja in wenigen Monaten oder in ziemlich kurzer Zeit sich zu seinen Vätern versammeln werde. (Hört, hört!). Richt, wie Dr. Heim behauptet, aus materiellen Gründen er­strebe das deutsche Volk die deutsche Einheit, son­dern aus denselben idealen Gründen, die schon die Burschenschaften leiteten. Auch ein Bismarck würde unter den heutigen Verhältnissen in diesem Sinne wirken. Der Widerstand gegen das einheit­liche Deutschland sei vom nationalen Standpunkt aus nicht zu rechtfertigen. Die Deutsche Volkspartei trete in den Kampf mit der Parole: Für Frei­heit, Einheit und Einheitsstaat!

Das Kriegsschädenschlußgeseh.

Scharfe Kritik an der Regierungsvorlage.

Berlin, 21. Ian. 2m Reichstagsausschuh für Entschädigungsfragen wurde die allgemeine Aussprache über das Kriegsschüdenschlußgesetz fortgesetzt. Abg. Tauch (D. Vp.) erklärte, für seine Freunde bedeute der Regierungsentwurf eine Enttäuschung. Die Sätze des Regie» rüngsentwurses seien keine angemessene Ent­schädigung. wie sie im Paragraph 1 des Reichs- entlastungsgesetzes vorgeschrieben sei. Es müsse allen Geschädigten eine Stammentschädi­gung in gleicher Höhe gegeben werden mit sozialen Zuschlägen. Die Regierungsparteien würden am Schluß der allgemeinen Aussprache einen Vorschlag machen. Wenn die Regierung Daraus nicht eingehen kann, dann werde man auch den vorliegenden Entwurf nicht als Schluß­gesetz, sondern nur als Zwischenlösung be­handeln können. Seine Freunde würden die Regierungsvorlage ablehnen, wenn sie unver­ändert bliebe.

Abg. Dr. Schneider (Dn.) erklärte, auch seine Freunde ständen der Vorlage sehr kritisch gegenüber. Maßnahmen zur Mobilisierung der Schuldbuchforderungen könne man nicht treffen, weil sonst eine Gefährdung der deutschen Wäh­rung zu befürchten wäre. Volkswirtschaftlich ge­sehen werde die in der Regierungsvorlage vor­gesehene eine Milliarde nutzlos vertan sein, wäh­rend eine größere Summe den Wiederaufbau ermöglichen und damit auch fiskalisch besser an­gelegt sein würde. Der Vorschlag der Arbeits­gemeinschaft der geschädigten Verbände treffe die richtige Mitte. Wenn die Reichsftnanzen jetzt eine bessere Entschädigung nicht erlangen, dann sollte der vorliegende Entwurf nicht als Schlußleistung gekennzeichnet werden. Man könnte dennoch jetzt ein Schlußgesetz machen, in Dem aber bestimmt werden mühte, dah unter gewissen Voraussetzungen später weitere be­stimmte Leistungen gewährt werden.

Abg. Dr. Heuh (Dem.) warf der Regierung vor, dah sie diese Angelegenheit vom ver­gangenen Frühjahr ab psychologisch falsch behandelt und die gute Vorarbeit Der Arbeitsgemeinschaft der geschädigten Ver­bände nicht genügend gewürdigt habe. Der Mi­nister habe sich zu ausschließlich auf die Reichs­bahnvorzugsaktien verlassen und damit viele un­nötige Schwierigkeiten geschaffen.

Aus Haushaltsmitteln konnten Beträge für diese Zwecke nicht mehr genehmigt werden. Die Aeuhepungen des Reichs finanzministeriums hätten bei den Geschädigten vielfach die falsche Hoffnung auf baldige Entschädi­gung geweckt. Um diesen Leuten zu helfen, werde von den Demokraten die Bereitstellung von 100 Millionen Reichsmark gefordert zur Anterstühung solcher Liquidations- und Ge­waltsgeschädigten, die entweder sich in so­zialer Rotlage befinden oder das 60. 'Lebensjahr überschritten haben, oder deren Bemühung um die Wiederherstellung ihrer wirtschaftlichen Existenz nur durch eine so­fortige Barzahlung gesichert werden kann. Die Zahlungen könnten unter Vorbehalt einer späteren Verrechnung auf die Schlußentschädi­gung erfolgen.

Industrie und Vsrwattungsreforni.

Präsidialsitzung des Reichsvcrbandes der deutschen Industrie.

Berlin, 20. Jan. (WB.) Im Präsidium des Neichsverbandes der deutschen Industrie sprach Ge­heimrat Dr. Felix Deutsch über die auf seiner jüngsten Amerikareise gewonnenen Eindrücke. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Erörterung, namentlich über das Verhältnis und das Steigen von Löhnen und Warenprei­sen in den Vereinigten Staaten zwi­schen 1913 und 1927. Es wurde beschlossen, die be­züglichen Verhältnisse in den einzelnen Industrien Deutschlands einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen. Geheimrat K a st l erstattete ausführ­lichen Bericht ü ber die Gesichtspunkte, die do in Standpunkt des Reichsverbairdes für die Behand­lung der Verwaltungs- und Verfas- s u n g s r e f o r m maßgebend sein müßten. Er be- Ichäitigte sich namentlich mit den notwendigen Zie­len und bisherigen Arbeiten des Reichsverbandes auf dem Gebiete der Verwaltungsreform. Anschlie­ßend wurde die Kundgebung der wirtschaftlichen Spltzenoerbände zur finanzpolitischen Lage bespro­chen. Es wurde beschlossen, daß der Reichsverband unter voller Billigung der Bestrebungen neue verfassungsmäßige Grundlagen für das Verhältnis vom Reich zu den Län­dern zu schaffen und zu der Frage der Ver- fassungsresorm erst Stellung nehmen soll, wenn die Relchsregierung bestimmte Vläne vorqeleqt haben wird. Die Arbeiten des Reichsverbandes auf dem Gebrete der Verwaltungsreform sollen in der bisherigen Linie fortgesetzt und beschleunigt werden.

Zur Regierungsbildung in Hessen.

Darmstadt, 21. Ian. fEig. Drahtmeldung ) Freitagabend fand eine Besprechung zwischen der sozialdemokratischen Fra tion und der Zentrumsfraktion statt. Die Ver­handlungen waren, wie bisher, vertraulich. ©* wurde, wie verlautet, in einigen Punkten ein Einvernehmen erzielt, über andere noch nicht. Eine Entscheidung ist nicht gefallen, da be­kanntlich die Sozialdemokraten beschlossen haben.

Sie Krisis in der Zentrumspariei.

Oer Zriedenöschluß zwischen Marx und Stegerwald.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers-

Berlin, 21. Ian. Die Friedensstifter im Zentrum haben jetzt wenigstens den einen Erfolg gehabt, dah die diplomatischen Beziehungen zwi­schen Herrn Marx und Herrn Stegerwald neu ausgenommen sind. Mühe genug hat auch das gekostet. beide Herren sind offenbar ziemlich halsstarrig gewesen, und man war beinahe so weit, das; die Hoffnung auf eine Verständigung aufgegeben werden mußte, bis dann nach stunden­langen Beratungen einer von ihnen mürbe ge­worden ist und der gegenseitige Aus­tausch von Erklärungen beginnen konnte, die es Herrn Stegerwald ermöglichen, seine Funk­tionen als stellvertretender Vorsitzer weiterzu­führen. Aber allzu viel gewonnen ist damit auch noch nicht, denn diese versönlichen Span­nungen waren ja doch nur der Ausdruck sehr viel tiefer liegender sachlicher Meinungs­verschiedenheiten, und Herr 2 m b u s ch , der dem Reichskanzler eigentlich die bittersten Wahr­heiten gesagt hat, zog es vor, bisher überhaupt noch nicht in Berlin zu erscheinen. Immerhin, das Bügeleisen hat doch seine Schuldigkeit ge­tan, so daß sich vor den maßgebenden Partei­instanzen, die am 28. 2anuar nach Berkin kom­men, eine nicht mehr von persönlicher Gehässig­keit geladene Aussprache ermöglichen laßt. Hier allerdings die Formel zu finden, die alle zu­frieden stellt, wird sehr viel schwieriger sein, Weil die Mißstimmung, die durch fortgesetzte Agitation künstlich im Zentrum großgezüchtet ist, zur Entladung drängt.

Herr Dr. Marx hat innerIjab seiner Partei wie ein kleiner Diktator geherrscht; dadurch hat sich in den verschiedensten Kreisen eine Summe von Verärgerung aufgesammelt, die jetzt explodiert ist. Sie besteht nicht allein bei den Arbeitern, sondern in gleicher Weise wohl auch bei der Landwirtschaft und beim Handwerk.

Die verschiedensten Berufsgruppen fühlen sich durch die Methoden, nach denen Herr Marx die Parteisührung gehandhabt hat, gekränkt und wer­den offenbar nur durch die Parteidisziplin davon abgehalten, das in derselben Form öffentlich zum Ausdruck zu bringen, wie Herr Imbusch das getan hat. Aber darüber besteht kein Zweifel, daß die Autorität, womit Herr Marx seit 2ahren im Zentrum geherrscht hat, schwer ins Wanken geraten ist und daß seine persönliche Stellung außerordentlich Schaden gelitten hat.

Dazu kommt nun noch die Streitfrage über den Charakter der Partei, die von Herrn Marx mit seiner Bemerkung, daß Zentrum sei weder eine monarchische noch eine republikanische, son­dern nur eine Verfassungspartei, viel­leicht gar nicht gewollt war, die aber dann von Herrn v. Guerard politisch zugespiht wurde. Auch -zwischen dem Fraktionsvorsihenden und dem Parteiführer ist also bei weitem nicht alles in Ordnung, wenn auch hier die Einstimmigkeit nach außen noch nicht in die Erscheinung getreten ist. Das Zentrum läuft aber Gefahr, durch ein allzu starkes Bekenntnis zur Republik die eben wieder angeknüpsien Beziehungen zur Bayerischen V o l k s p a r t e i, die doch über kurz oder lang zur vollkommenen Verschmelzung sichren sollte, zu zerreißen und dadurch einen Teil seines Ein­flusses wieder zu verlieren, den es gerade mit Rücksicht auf die verstärkte Mandatszahl zu ver­mehren hoffte. Parteitaktische Gesichtspunkte, die gerade durch die Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen unterstützt werden, mischen sich also von der anderen Seite in den grundsätzlichen Streit hinein und komplizieren auch hier die Lage außer­ordentlich. Woraus man schließen faim, daß zu­letzt doch eine grundsätzliche Klärung vermieden und ein fünfzigprozentiger Kom­promiß angenommen wird, aus dem jeder das herauslesen kann, was er gerne möchte.

erst nach dem Llrteilsspruch des Staatsge­richtshofs sich über die Koalitionsbildung zu entscheiden. Am Montag finden Besprechungen zwischen den Fraktionen der Sozialdemokraten und der Deutschen Volkspartei statt. Hilfe für die Landwirtschaft. Eine Entschutdungsaktion des Reiches.

Berlin, 21. Ian. (Prio.-Tel.) lieber das Pro­gramm der Reichsregierung in der Frage der Landwirtschaftshilfe. das Reichse'rnährungs- mlnifter Schiele heute im haushallsausfchuß des Reichstages entwickeln wird, weiß die DAZ. fol­gendes milzutcilen: Der hauptsächlich durch 71 a - iurereignisse der letzten Jahre hervorge­rufenen Notlage der Landwirtschaft soll dadurch Rechnung getragen werden, daß vornehmlich die drückende Schuldeulasl durch Herabsetzung der Zinsen, längere Rückzahlungsfrislen ufro. erleichtert wird. In den Kreisen der Koalition ist man der Ansicht, daß eine solche Entschuldungs­aktion wirksamer ist als etwa neue Zoller­höhungen, die sich im übrigen auch nicht in das allgemeine Zoll senkungs Programm der Regie­rung einfügen würden.

Besatzungsnoi in der Pfalz.

Schießübung derBesatzung irnPsälzerWald

Reust ad t a. d. H., 20. 2an. (WTB.) Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, hat die fran­zösische Besatzung den Pfälzer Wald von Neustadt bis St. Martin wegen ihrer Schieß­übungen, die in Neustadt am Schiehhause ab­gehalten werden, als Gefahrzone erklären lassen. Die Besatzungsbehörde hat in einer Ver­sammlung am letzten Dienstag vergeblich ver­sucht, die Zustimmung der Bürgermeister und zuständigen Bezirksämter zu dieser Maßnahme zu erhalten und hat dabei den Entwurf eines S ch i e ß p l a n e s für eine Woche vorgelegt, der bereits heute in Kraft tritt. Die Tafeln sind im Pfälzer Wald schon aufgestellt, um die Bevölke­rung zu warnen. Damit ist dieser von Tou­risten am meisten besuchte Teil des Pfälzer Waldes für die Bevölkerung ungang­bar gemacht worden.

Amerika und der Dawesplan.

Eine Rede des SchatzsekreLärs Melton,

Washington, 21. Jan. (WTB. Funkspruch.) Die Presse veröffentlicht eine Rede, die Schahsekretär Mellon in Charlotte (Rordkarolina) gehalten hat. Besondere Beachtung findet ein Sah in der Rede Mellons, der in der Rebersehung wörtlich lautet: »Die Nationen der Welt müssen wieder aus eine g e- sunde finanzielle Basis ge st eilt werden, damit der Produktionsüberschuß einen Export markt findet." Man erblickt in dieser Wendung eine weitere Bestätigung sür die Bestre­bungen, zur Vermeidung einer Revision des Zolltarises allmählich eine Revision in der Reparationssrage anzubahnen, um durch eine Herabsetzung der deutschen Zahlungen an das Ausland die Notwendigkeit einer zu starken Steigerung der deutschen Ausfuhr zum Fortfall zu bringen. Man ist sich jedoch, wie auchTribüne" zu den Besprechungen zwischen Parker Gilbert und PoincarL aus Paris meldet, darüber einig, daß der Dawesvlan nicht sofort a u f ge­geben werden darf, sondern daß ein oderzwel Normaljahre abgewartet werden müssen, bevor positive Maßnahmen zu einer Umgestaltung in der Reparationsfrage vorgeschlagen werden können.

Kürzung des englischen Mannebauprogramms.

London, 20. Jan. (WTB.) Amtlich wird ge­meldet, daß die Regierung jetzt die'Prüfung des neien Marinebauprogromms für die Jahre 1927,29 beendet und beschlossen hat, einen der drei Str e u 3 e r , mit deren Bau im Finanzjahr 1928 begonnen werden sollte, z u st r e i ch e n. Von den für das lausende Finanziahr geplanten drei Kreu­zern waren bereits früher zwei gestri- ch en, Es sind also von dem in dem Weißbuch vom vhui 1925 niedergelegten Bauprogramm insgesamt drei Kreuzer gestrichen worden. Welchen Top die

beiden Kreuzer haben sollen, mit deren Bau am Ende des Finanzjahres 1928 begonnen werden sollte, ist noch nicht endgültig festgesetzt.

Interessante Rüftungsdebatte auf dem Balkan.

Die römische Presse sür Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in Bulgarien.

Rom, 20. 2an. (WB.)Popolo 62 talia" bringt einen längeren Artikel, in dem gefordert wird, dah Bulgarien erlaubt werde, statt des jetzigen Freiwilligen-Heeres wieder ein Heer auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht zu besitzen. Das Blatt macht darauf aufmerksam, daß anscheinend gewisse Mit­glieder der Kleinen Entente die Absicht hätten, die angebliche Nichterfüllung gewisser Frie- densvertragsllauseln durch Bulgarien in Genf zur Sprache zu bringen. Das Blatt glaubt, daß die Kleine Entente besser täte, solche Erörterun­gen zu unterlassen. Denn sonst könnte diese Erörterung auch auf die gang gewaltigen Rüstungen der Kleinen Entente aus­gedehnt werden und besonders auf die mili­taristischen und imperialistischen Ziele 2u ge­flamt e n 8. Es sei eigentümlich, daß Frankreich und andere Mächte, die so gerne von einem Dalkan-Locarno redeten. Bulgarien durch­aus dieses freiwillige Heer aufdrängen wollten, obschon es unmöglich sei, ein leistungsfähiges Freiwilligenheer in Bulgarien auf die Beine zu bringen. Denn es sei zu'teuer und der bulgarische Bauer lasse sich nicht anwerben, sondern ziehe es vor, auf seinem Lande zu bleiben, so daß nur minderwertige Elemente in das bulgarische Heer eingerecht werden könnten. Einen ähnlichen Artikel zu­gunsten Bulgariens hatte schon vor einigen Tagen dieTribuna" gebracht.

Deutschland und die Inter­nationale Handelskammer.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 21. 2cm. Die deutsche Gruppe der 2nternationalen Handelskammer, die gestern in Berlin ihre zweite Mitgliederversammlung ab­gehalten hat, veröffentlicht ihren Geschäfts­bericht über das abgelaufene 2ahr. Danach hat sich die deutsche Gruppe auch im zweiten Geschäftsjahr sehr rege an den Arbeiten der 2nternationalen Handelskammer beteiligt, und der Grundsatz enger Zusammenarbeit mit den Spihenkörperschaften und Verbänden der Unter­nehmer der Industrie, des Handels und der zu­gehörigen Gewerbe hat sich auch im zweiten 2ahre des Bestehens durchaus bewährt. Abgesehen von den vielen Cinzelarbeiten, mit denen sich die Ausschüsse, in denen auch die deutsche Gruppe vertreten war, befchäftigten, galt die Arbeit des letzten 2ahres der Vorberei­tung des S.tockholmer Kongreßes. Für die deutsche Mitarbeit ist vor allem die Besei­tigung der Handelshemmnisse von allgemeiner Bedeutung gewesen und auf dem Gebiete der Handelspolitik äußerte sich die Zu- samwenarbeit der Internationalen Handelskam­mer mit dem Völkerbund in der Konferenz zur Beseitigung der Ein- und Ausfuhr­verbote und -beschränkungen in Gens, an der auch Deutschland teilnahm.

In der Mitgliederversammlung wies der Präsi­dent der deutschen Gruppe, Franz v. Mendels­sohn, vor allem daraus hin, daß die Arbeit der Internationalen Handelskammer l a n g s i ch t i g sei und geführt werden müsse, und dies mit Recht, da natürlich im Augenblick und für die Gegenwart so umfangreiche Arbeiten, wie sie die Internationale Handelskammer zu bewältigen hat, nicht den Er­folg bringen können, den vielleicht der ausoespro- chene Praktiker erwartet. Es muß gerade hinsichtlich der Handelspolitik und der Beschränkung der Han­delshemmnisse nochein langer Weg gegangen werden, der Deutschland allein die Sicherheit und den Erfolg bringen kann, so daß es wirklich in der Lage ist, seinen ehrlichen Willen zur Erfüllung seiner internationalen Vervflichtungen in die Tat umzu­setzen. A"s diesem Grunde ist die Arbeit der deut­schen Gruppe der Internationalen Handelskammer Arbeit im Sinne und zum Nutzen des deutschen Volkes. Und jeder auch noch so ge­ringe Fortschritt in der Bereinigung der internatio­nalen Handelsatmosphäre ist in diesem reichen Rah­men ein großer Erfolg. Deutschland hat durch die scharf in Angriff genommene und zum Teil bereits

durchgeführte Rationalisierung, die nicht zuletzt auf die enge Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft zurückzusühren ist, Pionierarbeit für die Wirtschaftsführung der Völker überhaupt ge­leistet und der Wirtschaft anderer Länder den Weg gewiesen, der auch ihnen wieder eine nutzbringende Wirtschaftsführung bringen kann. Bei der engen Verflechtung Deutschlands und aller anderen großen Wirtschaftsmächte mit der Weltwirtschaft haben die Rationalisierungserfolge Deutschlands ebenso ihre Wirkung auf die weltwirtschaftliche Lage.

Aus aller Wett.

Entscheidung des Reichslarifamtes zum Tarifstrett im vankgewerbe.

Berlin, 21. 2an. (WTB. Funkspruch.) Zum Tarifftreit im Bankgewerbe teilt uns der Deutsche Bankbeamtenverein mit, dah am Frei­tag in später aNchtstunde die Entscheidung des Deichstarifamtes erging. Hiernach findet für die Ablösung der Orts-Sonderzuschläge die Rege­lung des Reiches mit der Maßgabe Anwendung, daß durch den Abbau der Ortssonderzuschläge keine Verminderung der vor dem -t. März 1927 gezahlten Bezüge eintreten darf. Es wird also nur in ganz wenigen Fällen eine Ablösungs­summe in Frage kommen, da fA dem 1. März 1927 eine 7^/sprozentige Gehaltserhöhung und am 1. Januar 1928 die tariflichen Gehaltsvorrückun­gen im Bankgewerbe eingetreten sind.

Eigenartiges Schiffvunglück.

Bei M j o v a n ä s (Färöer) tra, eine gewaltige Sturzsee den Passagierdamp'erSmiril" so unglücklich, dah der auf dem Deck befindliche Rauchsalon, in dem sich drei Damen und zwei Herren aushielten, über Bord gespült wurde. Die Insassen des Salons ertranken. Die Sturzwelle war so heftig, dah sie beinahe das Kentern des Dampfers zur Folge gehabt hätte.

Unmenschliche Ellern.

In Ottersberg bei Bremen hat ein reicher Bauer, um seinen Söhnen die alleinige Erb­schaft zu lassen, seine 24jährige Tochter seit zwei Jahren in einem dunklen und feuchten Keller gefangen gehalten. Auf die An­zeige eines Knechtes hin wurde der Zugang zu^ dem Gefängnis des Mädchens gewaltsam geöffnet. Man fand das Mädchen bis zum Skelett abgemagert und völlig verwahr­lost vor. Die Mutter des Mädchens wußte eben­falls von dem Plan.

Zwei englische Baumwollspinnereien niedergebrannl.

In Moßley (Lancashire) wurden durch Großfeuer zwei Baumwollspinnereien zerstört und eine beschä­digt. 120 000 Spindeln gingen verloren. Der Schaden wird auf 200 000 Pfund Sterling geschaht.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das isländische Druckfallgebiet zeigt nur wenig weitere Ausdehnung. Seine Warmluft hat West­deutschland überflutet und einen Temperaturanstieg gebracht (Aachen meldete gestern morgen mmus 1 Grad Celsius, heute morgen plus 5 Gvad Cel­sius). Gleichzeitig hat sein Regengebiet die Küste er­reicht. Da es auch unser Gebiet überqueren wird, ist zunächst mit dem Auftreten von Niederschlägen zu rechnen. Die Temperaturen steigen dabei an, dürften aber später, wenn die Winde mehr nach West umgedreht haben, etwas zurückgehen.

Wettervorhersage für Sonntag: Wolkig, auch zeitweise bedeckt, zunächst müder mit Regen.

Witterungsaussichten für Montag: Veränder­liches, wechselnd wolkiges Wetter, etwas kühner, noch vereinzelt Niederschläge.

Lufttemperaturen am 20. Januar: mittags 2,8 Grad Celsius, abends 1,5 Grad Celsius: am 21. Ja­nuar: morgens 1,5 Grad Celsius. Maximum 3,2 Grad Celsius, Minimum 0,6 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 20. Ja- nuar: abends 2 Grad Celsius; am 21. Januar: mor­gens 1,3 Grad Celsius. Niederschläge 0,1 Milli' meter.

Wintersport-Meldungen.

Wintersport im Vogelsberg (hoherodskovs):

Wind: West: Wetter: leicht neblig; Temperatur: 4 Grad Celsius; Schneehöhe 25 Zentimeter: Be­schaffenheit: pulverförmig; Sportmöglichkeit:

sehr gut.

herchenhoiner höhe:

Schneehöhe 20 Zentimeter; Beschaffenheit: Pul­verschnee: Temperatur:1 Grad Celsius; Sport- Möglichkeit: sehr gut.

Odenwald (Tromm):

Schneehöhe: 10 Zentimeter; Beschaffenheit: Pul' verschnee; Tempe.cZur: 0 Grad Celsius; Sportmög- lichkeit vorhanden.

Saucrlanb (Winterberg):

Schneehöhe 25 Zentimeter; Beschaffenheit Pul' verschnee: Temperatur:3 Grad Celsius; Sport- Möglichkeit: sehr gut