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Echo de Paris" schreibt: Stresemann hat in 'einer Rede btt Verträge von Locarno ge­feiert und darauf hingewiesen, daß ein englisch- französisches Militärabkommen mit dem Geist wenn nicht sogar mit den Buchstaben dieser Ver­träge unvereinbar ist. Gr hat leider recht. Frankreich hat der deutschen Außenpolitik alle seine Massen ausgeliefert.Figaro" sagt: Stresemann hat, nachdem er die Linke durch den Hinweis auf den Vertrag von Locarno befriedigt hat, die Rationalisten dadurch günstig gestimmt, daß er die unverzügliche Zurüchiehung der al­liierten Truppen aus Deutschland forderte. Gaulois" führt aus: Dadurch, daß Strese­mann eine Unterscheidung zwischen der vorzeitigen R Henri and räumung, die er als notwendige Folge von Locarno zu betrachten scheint, und der vor­zeitigen Regelung der Reparationen zu machen versuchte, versuchte er Frankreich zu isolieren und Amerika und England vor Zusammentritt des finanziellen Sachverständigenausschusses in Gegen­satz zu Frankreich zu stellen.

Der Widerhall in England.

London, 20. Nov. (WTD. Funksvruch.) Die gestrige Reichstogsrede des deutschen Reichsaußen- ministers wird in der gesamten Presse in großer Aufmachung wiedergegeben.Daily Tele­graph" bemerkt, der Kern seiner Erklärung sei, daß Deutschland es unbedingt ablehnen werde, die baldige Räumung des besetzten Gebietes mit finan­ziellen oder politischen Gegenleistungen zu erkaufen. Die Bedingungen für die Räumung seien im Ver­sailler Vertrag festgelegt und Deutschland gründe seine Recht sansprüche daraus.Daily Expreß" schreibt unter der Ueberschrist:Strese­mann greift Großbritannien an". Stresemann, der seit sechs Monaten gegen eine Krankheit kämpfte, die eine Zeitlang drohte, Deutschland seines größten politischen Führers zu berauben, vollzog eine dra- malische Rückkehr ins öffentliche Leben mit einer Erklärung von höchster internationaler Bedeutung. Seine Rede entwickelte sich zu einer Anklage gegen die Staatsmänner Frankreichs und Großbritan­niens. Er klagte England und Frankreich der Illoyalität gegenüber Deutschland in der Frage der Rheinlandräumung an. Er klagte England und Frankreich der versuchten Illoyalität gegenüber der ganzen Welt im Zusammenhang mit oern gescheiterten Flottenpakt an. AuchM o r ningpost" hebt hervor, daß die internationole Politik auf gegenseitigem Vertrauen Awiscben allen Großmächten beruhen müsse, daß jedoch die englische Herzlichkeit kein Echo in Deutschland finde, solange fremde Truppen auf deutschem Boden stehen.

Roch immer keine Einigung in Düsseldorf.

Berlin, 19. Rov. Wre derVorwärts" zu den Verhandlungen, die am Montag unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten Berge­mann zwischen den Vertretern der Unternehmer und Arbeiter der nordwestlichen Metalliiidustrie geführt wurden, mitteilt, gestalteten fkb die Be­sprechungen äußerst schwierig. Sie wurden schließlich in den Abendstunden.4 u f Wunsch der Gewerkschaftsvertreter vertagt. In Gewerkschaftskreisen wird die Situation ziem­lich pessimistisch beurteilt. Heber die Ar- deitszeitfrage ist bisher noch nicht verhandelt worden. Die Verhandlungen werden am D i e n S- tag fortgesetzt. Die Aachricht hat tn wetten Kreisen des RuhrgebieteS stark enttäuscht. Allgemein war angenommen worden, am Mon­tag Gewißheit über die Beilegung der Aussper­rung zu erhalten. Man hatte damit gerechnet, daß bereits in diesen Tagen die Betriebe den Ausgesperrten ihre Tore wieder öffnen würden. Die Derufungsverhandlung über die Feststellungsklage des Arbeitgeberverbandes un nordwestdeutschen Eisenkonflikt beginnt vor dem Duisburger Landcsarbertsgericht am Samstag, 24. Aovember.

Denkwürdige Ehrenpromotionen in Innsbruck.

Tirol ehrt Bayern und Deutschland.

Innsbruck, 19.Nov. (WB) Im großen Saal der Hofburg sand die Promotion des österreichischen Bundespräsidenten Dr. Hainisch, Des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Held und des deutschen Generallonsuls in Innsbruck, Geheimrat Dr. Saller, zu Ehrendoktoren der rechts- und staatswissenschifUichen Fakultät der Innsbrucker Universität statt. Zu der Feier waren erschienen die Spitzen der Tiroler zivllen, militärischen und geist­lichen Behörden, zahlreiche Vertreter der Kunst, Wissenschaft und Industrie Tirols, der Präsident der Deutschen Akademie in München, Exzellenz von Miller, die Rektoren sämtlicher Münchener Hoch­schulen und der Universitäten Würzburg und Er­langen, ferner führende Persönlichkeiten der Wissen­schaft, Kunst, Industrie und des Handels aus dem Deutschen Reich, vor allem aus Bayern.

Aach der Heb^rgave der Dottvrv^plome an die Ehrendoktoren dankte Bundespräsident Hal - u i f ch für dre ihm zuteil gewordene Ehrung, und sagte, es sei zu wünschen, dah die Männer der Wissenschaft sich mehr den Fragen des Tages zuwendeten, von deren Lösung nicht Wirr unsere Zukunft, sondern sogar unsere Existenz abhänge. Davauf stattete

Ministerpräsident Held

m besonders herzlichen Worten seinen Dank da­für ab. dah die Innsbrucker Universität d a S Dachbarland Bayern, das völkisch und geschichtlich so eng mit Tirol verbunden sei, tn seiner Person habe ehren unb auszeichnen wollen. Wenn man dabei auch noch von dem Gedanßen ausgeaangen sei, chm wegen seiner persönlichen Beziehungen zum Lande Tirol und zur Uni­versität Innsbruck und wegen seiner Tätigkeit als Ministerpräsident von Bayern im aJIge­meinen deutschen nationalen und sozialen An­gelegenheiten des baherrschen und des deutschen Volkes Anerkennung zu zollen, so vermöge er diese Ehrung nur onzuneyinen unter dem Vor­behalt, dah sie vor allem dem guten Wlllen gewidmet sein solle, der anerkannten Pflicht zu genügen.

Der deutsche Generalkonsul Geh.-Rat Saller verwies darauf, dah die älniveZität Innsbruck seit dem Kriege für das gesamte Deutsch­tum erhöhte Bedeutung gewonnen habe unb dah die ständig wachsende Hörerschaft sich beinahe schon zur Hälfte aus deut­schen Reich-angehörigen zusammensetze.

Oer Ring im Osten.

Frankreich un- das polnisch-rumänische Militärbündnis.

Die Russen blasen wieder einmal Alarm, sie be­haupten. dah die Wilitärkonvention zwischen Polen und Rumänien jetzt ab­geschlossen sei. Sie behaupten sogar, den Inhalt zu kennen, der darauf hinausläuft, dah die bei­den Staaten sich gegenseitig aktwe und passive Hllfe bei einem Kriege gegen Rußland zusagen. Womit selbstverständlich ein eingehender Opera­tionsplan verbunden ist und ebenso selbst­verständlich die Führung der vereinigten Ar­meen durch französische Offiziere. ES soll sogar vereinbart sein, daß fünf französische Kriegsschiffe zur aktiven Unterstützung der polnisch-rumänischen Armee in der Ostsee auftauchen werden. Die be­teiligten Staaten werden vermutlich diese An­gaben geharnischt dementieren, müssen daS ja auch, Da solche Pläne mit dem Wesen des Völker­bundes nicht zu vereinbaren sind; aber wir haben uns ja längst daran gewöhnt, dah Dementis oft genug an den Dingen bewußt vorbeireden.

Dah zwischen Rumänien und Polen seit Jahr und Tag allerlei getan wird unb daß Frankreich dabei seine Hände im Spiel hat, ist ja ein öffentliches Geheimnis, karrn auch nach dem Reise­fieber der beteiligten Stellen kaum geleugnet werden. Erst haben die Polen den General Sosnkowski im vorigen Jahre nach Bukarest geschickt, bann sah Pilfudski mit einem Stabe höherer Offiziere wochenlang in der Aähe ber rumänischen Hauptstadt. Der französische Reise­general Le Ronb hat den ganzen Balkan abge- llappert; sicherlich nicht zu seinem Vergnügen, sondern im Interesse der französischen Sicherheit, und es ist mehr als wahrscheinlich, daß aus

diesen endlosen Verhandlungen feste Verein­barungen herausgechrungen sind, die ihr offi­zielles Gesicht gegen Rußland kehren, die aber nebenbei doch noch ganz andere Ziele verfolgen. Denn der rumänisch-pol; i che Vertrag ist nur der Kern, um den sich weitere Bünd­nisse herumkaistalli ieren sollen. Man verhandelt mit Jugoslawien, man gibt den Ungarn gute Worte, auch Bulgarien wird umworben.

UnJ) der Zweck der Hebung? Frankreich hat den Plan noch nicht aufgegeben, die kleine Entente, die an Auszehrung zu sterben drohte, doch irgenbtote lebensfähig zu machen, was an sich bei den widerstreitenden Interessen schwer ist. Man bekonnnt aber Rumänien und Polen, die beide von der russischen Gefahr bedroht sind, unter einen Hut, und die Reste der kleinen Entente sollen sich diesem Block angliedern. So wäre also der Ring im Osten wieder zu- rechtgeschmiebet, der nicht nur Rußland von Deutschland trennt und durch seine ständige Be­drohung Rußland in Schach hält, sondern auch im Hauptberuf Gendarmeriedienste für Frankreich im Osten Deutschlands überneh­men kann Genau dieselbe Situation also, die 1918 bestand, die sich zu lösen begann, als die Tschechen einsahen, dah sie tn ihrer Kampf­stellung gegen Deutschland wirtschaftlich nicht auf ihre Kosten tarnen und die jetzt durch die angeb- lrche russische Gefahr verewigt werden soll. Ziehen toir die Bilanz, so richtet sich das pol­nisch-rumänische Bündnis also theoretisch nur gegen Rußland, aber praktisch in seinen Wir­kungen sehr viel stärker gegen uns.

Innsbruck sei in den Ring der grenzdeutschen Städte eingetteten, denen die Ausgabe zufalle, wachsame Vorposten deutscher Kul­tur und deutscher Wissenschaft zu sein. Daß die älniversität Innsbruck rechtzeitig die Wichtigkeit der ihr zugefallenen Aufgaben er­kannt habe, müsse mit größtem Dank anerkannt werden. Im Anschluß an die Feier gab Bundes- Präsident Hainisch ein Festessen. Abends findet ein von Ministerpräsident Held und Ge­neralkonsul Saller gemeinsam veranstaltetes Bankett statt.

Die Deutschen in-slawien kämpfen um ihr Recht.

Protestgcgen die Schulpolitik der Belgrader Regierung.

Belgrad. 19. Rov. (WTB.) In Reusatz fand die Landesvertrauensmännerversammlung der Partei der Deutschen Südslawiens statt, die wegen der sich für die Minderheiten immer schwieriger gestaltenden Lage, befonber» aber wegen der Mebertoelfung des Volks- und MittelfchulgesetzentwurseS an die Rationalverfammlung, einberufen worden war. In der Versammlung, zu der über 600 Delegierte aus allen deutschen Siedlungsgebieten Jugo­slawiens erschienen waren, gab der Obmann Der deutschen Parlamentsfraktionen, Dr. K r aff t, ein Bild der traurigen Lage der deutschen Min­derheit In Jugoslawien. ES sprachen noch der deutsche Minderheilenführer aus Slawonien, Dr. Wococutti. und mehrere deutsche Abgeordnete.

Die Versammlung nahm sodann eine Ent­schließung an, in der die bisherige staatliche Schulpolitik geschildert wird, die es mit sich ge­bracht habe, daß besonders die deutschen, kul­turell und wirtschaftlich hochstehenden Bürger Jugoslawiens ohne deutsche Schulen sind, die dieses Ramens wert wären, mtt einer Leh­rerschaft, bei der die ausreichende Kenntnis der deutschen Sprache und der deutschen Kultur Aus nähme ist. Diele Tausende deutscher Kin­der stehen ohne deutschen Unterricht da; sie werden dem deutschen Kulturkreis entfrem­det. Eine ganze deutsche Volksgruppe ist ohne eine einzige höyere Schule, ohne eine Lehrerbil­dungsanstalt, ohne ein Priesterseminar, ohne das Recht, auch nur einen Kindergarten zu errichten.

Die Schulgesetzvorlage der Regierung bezweckt, den jetzigen Zustand der Entrechtung zu erhal­ten. Die LanbesvertraEnSmärrnerversammlung ersucht die Regierung, von der parlamentarischen Behandlung der Vorlage Abstand zu nehmen, da diese im offenen Widerspruchzu den garantierten Rechten der Minder­heiten steht und ohne vorausgegangene Aus­sprache mit den Vertretern der deutschen Minder­heit zustande gekommen ist. Die Versammlung hält an dem Grundsatz der Schulselbstver­waltung fest. Die ftaatStceue deutsche Be­völkerung erhebt ihre Stimme vor der ganzen gesitteten Welt wider die Polttik der kulturel­len Entrechtung und Verkümmerung. Sie betrach­tet es als wichttgste Pflicht, als Gebot der Selbstachtung und Selbstechaltung, die Sorge der Erziehung und Rachbildung ihres Aach- Wuchses im Geiste der ererbten beut- schen Kultur unter ftaatlicfcer Aufsicht selbst iu die Hand zu nehnen und fordert freie Dahn für die Betätigung der kulturellen Selbsthilfe und Selbstverwaltung.

Das großeNiedersachsen".

Braunschweigs Wünsche zur Reichsreform.

Hannover, 19. Rov. ($H.) Aus Anlaß eines Heimatfestes des Heimat- und Verkehrs- Vereins des Ortes K a l v ö r d e, einer braun­schweigischen Exklave in der Provinz Sachsen, hielt der Vertreter der braunschweigi­schen etaatdregierung, Ministerialrat Dede­kind, eine Rede, in der er die Haltung der braunschweigischen Regierung zu der Frage der Reichsreform beleuchtete. Die braunschwei­gische Staatsregierung fühle sich mit den Ex­klaven nicht weniger verbunden als mit jedem anderen Gebietsteil, der mit dem Zentrum des Staates unmittelbar Zusammenhänge. Sollte aber einmal die Stunde schlagen, wo man einsehen müsse, daß man ein Opfer an der braunschweigi­schen Selbständigleit zu bringen g zwangen sei, so müsse alles, was jetzt braunschweigisch sei, zu­sammenbleiben. Rur gemeinsam müßten die einzelren Gebietsteile Braunschw igs an das neu zu bildende Staatswesen übergehen. Dies könne und dürfe jedoch nie Preußen sein. Es sei keine Feindschaft gegen das große Preußen, wenn man das ablehne. Wenn jene Stunde wirklich

einmal schlagen würde, so wolle man das sei der feste Wille der braunschweigischen Staats- regicrung das zusammenzubringen Hel en, was nach StammeSart und Ditte, nach Heimat und Geschichte zusammengehört: daS große Rie­ders achsen.

Thüringen und die Reichsreform.

Weimar, 19. Rov. (Teluirion.) Der San» deSparteitag der Deut scheu Volks- Partei für den Wahlkreis Thürin­gen hat in einer einstimmigen Entschließung den Vorstand beauftragt, alle praktischen Vorarbeiten für einen Anschluß Thüringens an ein größeres Staatengebilde zu unter­nehmen, da die politische Struktur des Landes Thüringen für die Bildung sicherer volittscher Mehrheitsverhältnisse und damit für den Aus­bau beS Staates feine Gew ähr meh r bietet Thüringen sei durch die Verhältnisse gezwungen, feine Eigenstaatlichkeit auszugeben. Dem Parteitag wohnten alle Führer der DDP. Thü­ringens bei.

Aus aller Welt.

Gedächtnisfeier in Schuberts Sterbezimmer.

Montagnachmittag 3 Uhr, in der Stunde, da Schubert vor 100 Jahren starb, fand in seinem Sterbezimmer in Wien eine vom Schubertbund fiemeinsam mit dem Männergesangverein oeran- faltete Gedächtnisfeier statt. Burgschauspieler Rei­mers sprach die Gedächtnisworte, Vie seinerzeit der Freund vchuberis, Fran?t Schober, dem Toten gewidmet hatte. Auch zwei Quartetts wurden zur Aufführung gebracht. An diese Feier schloß sich tn Gegenwart einer großen Menschenmenge eine Kundgebung vor dem Wohnhaus Schuberts an. Die beiden Vereine brachten mehrere Chöre Schu­berts zum Vortrag. In der Lichtentaler Kirche, an der Schubert als regens chori gewirkt hatte, wurde eine Messe von Schubert aufgeführt.

Der Erreger des Gelbfieber».

Im Verein für innere Medizin in Berlin berichtete Professor Dr. K u c z h n s k i über die Entdeckung des Erregers des Gelbfiebers, an dem er selbst und seine Assistentin schwer er­krankt waren. Kuczynski hat bei seinen Kultur­versuchen feststellen können, dah der Erreger eine Bakterie ist. über deren Systematik er noch nichts aussagen konnte. Dah die Kultur dieses Bakte­riums eine krankmachmde Wirkung besitzt, be­zeugte die Erkrankung von ihm selbst unb seiner Assistentin. Aber auch eine inrmunisatorische Wir­kung konnte Kuczynski durch diese Kulturen fest­stellen, indem er aus ihnen Sera herstellte, nach deren Einspritzung das Versuchstier am Leben blieb. Weitere Untersuchungen will er im Tropen­hygienischen Institut in Hamburg vornehmen.

Eine Bonkierslochter betrügt ihren Vater um 200 000 Mark.

In Freiburg (Schlesien) hat die Tochter eines Bankiers, die in dem Bankgeschäft ihres Vaters beschäftigt war, diesen durch falsche Ein­tragungen um rund 200 000 Mark geschädigt. Diese Veruntreuungen haben das kleine Bank­geschäft so ruiniert, daß es Konkurs anmelden und schließen mußte. Die Bücher wurden be­schlagnahmt. Die Tochter, de geflüchtet war, konnte in Zirlau verhaftet werden. Sie wurde in bas Polizeigefängnis Freiburg ein­geliefert.

Harry Domela verhaftet.

Wie gestern schon kurz gemeldet, wurde der durch seine Thüringer Köpenickiade bekannt ge­wordene Harry Domela, der sich feit einigen Wochen auf der bei Münster am Stein gelege­nen Cbemburg als Schriftsteller aufhielt, auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Berlin ver­haftet unb in das Gefängnis Obermoschel eingeliefert. Die Verhaftung erfolgte auf Grund eines von der Staatsanwaltschaft IIl in Berlin erlassenen Haftbefehls. Gegen Domela liegen mehrere Anzeigen wegen Miet - und Dar­lehensschwindel vor, die er im Februar bis April d. I. in Berlin verübt haben soll.

Ein weiblicher Domela.

Vor dem Großen Schöffengericht Berlin wird sich die Kuhmagd Marta Barth aus Bad Berka wegen zahlreicher Hochstapeleien zu verant­worten haben. Die Angeklagte spielte drei Jahre lang die Rolle der Prinzessin Marga- rete von Preußen mit so großer Sicherheit, daß sie selbst in ersten Gesellschaftskreisen für ernst genommen wurde und man chr jede ge­wünschte Summe vorstreckte. In Wirklichkeit war die Angeklagte längere Zett als Kuhmagd im Haushall eines preußischen Prinzen beschäftigt ge­meßen und daher über die Familienoerhältnisie einigermaßen unterrichtet. Erst durch einen Zufall

kam man auf den großangelegten Schwindel dieses weiblichen Domela. Maria Barch Halle zwei Erfur­ter Damen erzähll, daß sie zu ihren Ver­wandten nach Potsdam reifen muffe. Als die beiden Damen ihr aus purer Neugier folgten, um diePrinzessin^ besuchen zu dürfen, fanden sie sie im Kuhstall des Palais des Prinzen wieder und ließen sich von anderen Angestellten über die wahre Tätigkeit der Hochstaplerin unterrichten. Zu dem Prozeß sind etwa 30 Zeugen und zahlreiche medizinische Sachverständige geladen.

Ein Seael'lieger tödlich verunglückt.

Bei Malchendorf in Sachsen verunglückte der Segelflieger stuck, ing. Wolfgang Pomnitz, nach­dem sich infolge des Sturmes ein Seitensteuer feines Segelflugzeuges losgerif fen Halle. Das Flug­zeug wurde gegen einen Baum geschleudert und zertrümmert. Pomnitz wurde bewußtlos mtt schwe­ren Kopfverletzungen aus den Trümmern oefreit und in die Diakonissenanstalt nach Dresden ge­bracht, wo er gestorben ist.

Diamautenschwuggei.

Der Obersteward des Schnelldampfers(Be­te n g a r i a ist beim Verlassen des Schiffes in Reichork unter der Anschuldigung, am Schmuggel von Diamanten in großem Maßstab beteiligt zu fein, von Zollbeamten festgenommen worden. Bei einer älntersuchung der Offizierskabinen ent­deckten die Zollbeamten zwei Päckchen Diaman­ten im Werl von mehreren tausend Dollar-. Zwei Polizisten, die feit Jahren an dem Pier, wo der Schnelldampfer anzulegen pflegte, den Wachdienst versahen, sind ebenfalls verhaftet worden.

verbot de» Massenoogelfangs auf Helgoland.

Durch eine vom preußischen Minister für Land­wirtschaft, Domänen und Forsten erlassene Polr- zeiverordnung ist für die Insel Helgoland mtt sofortiger Wirkung verboten worden, Vögeln jeder Art, jagdbaren wie nicht jagdbaren, geschützten unb vogelfreien, zur Rachtzeir nachzustellen, sowie tote oder kranke Vögel zur Äachtzeit zu sammeln. Hierdurch ist bet von den Bewohnern der Insel Hrlgvland be­sonders tn der Umgebung deS Leucht- turmS unb an anderen zum Blenden der Vögel aufgestellten Lichtern betriebene nächtliche Mas- fenfang von Zugvögeln, der stets scharfe Kritik im ganzen Reiche und auch im Auslands hervorgerufen hat, unterbunden worden.

Ein Wohnhaus durch eine Gasexplosion zerstört.

In Bocholt bei Bochum ereignete sich i« einem Hause auf dem Mußenberg eine schwere Gasexplosion. Der gewallige Luftdruck zer­störte das Gebäude fast voll st and. g. Man vermutet, daß ein ausgezogener Miller ver­gaß, die Gasverschlüfse ordnungsgemäß abzu­dichten. AlS der neue Mieter mit einer brennen­den Lampe den Keller betrat, entzündete sich das Gas. Der Mann wurde schwer verletzt. Ein Wiederaufbau deS Hauses ist ausgeschlossen, da sämtliche Mauern gerissen sind.

^Inb der Pantoffelhelden."

In Ehikago hat sich ein »Klub der Pan­toffelhelden" gegründet, der versuchen will, mit vereinten Kräften ober vielmehrmit Vereines Kräften" di« Ehefrauen zu zwingen, den Män­nern ihre uralten Rechte wiederzugeben. Hiewu gehören laut Statuten dieses Klubs: l.Die Auslieferung eines Hausschlüssels. 2. Gin freier Abend tn der Woche. 3. Keine häuslichen Ar­beiten mehr, wie Karioffelschälen, Geschirr ab­waschen ufto. Bei diesen hohen Zielen wnn man dem Verein einen anhallenden Mitgliedsr- zustrom garantieren.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Nachdem das Nordmeerfallgebiet an feiner Süd­seite uns während der vergangenen Nacht stärkere Bewölkung und Niederschläge gebracht hat, geht durch den mehr nördlichen Einfluß der Storung der wettere Einfluß seinem Ende zu. Es wird vielmehr durch den allgemeinen Darometeranstieg der Ein­fluß hohen Druckes sich geltend machen, der zu mehr aufhetterndem Wetter führt. Die Temperatu- ren gehen zurück und zeigen zwischen Tag und Nacht wieder stärkere Gegensätze.

Wettervoraussage fürMitlw och: Wol­kig mit Aufheiterung, Temperaturrückgang, trocken.

Witterungsaussichten für Donners­tag. Wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 19. November: mittags 11,8 Grad Celsius, abends 9,1 Grad Celsius: am 20. Nov.: morgens 7,7 Orad Celsius. Maximum 12,1 Grad Celsius, Minimum 7,1 Grad Celsius. Erdtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 19. November: abends 7,2 Grad Celsius: am 20. November: morgens 6,3 Grad Celsius. Niederschlag 0,5 Millimeter. - Sonnenscheindauer II Stunden.