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RfttS 6 er Provlnzialhauptsta-t.

Gießen, den 20. Rovernber 1928.

Zur Beachtung.

Am rmttwoch. dem 21. Tkooember, erscheint der Gießener Anzeiger nicht. Infolge eines Ucbctdn- kommenv mit unserer technischen Mitarbeiterschaft fällt der ihr tariflich zustehende achte Feiertag im Jahre bis aus weiteres auf den preußischen Buq- und 8 et tag.

Vertag des Gießener Anzeigers.

Vom Sinn der Buße.

Gedanke« zum preußischen Buß- und Bettag.

Don Dr. W. A. Krannhais.

Dem Wanderer, der im dunklen Tal, im dichten Gestrüpp deS Waldes mit Mühe und Zagen sich den Weg zur Höhe bahnt, der kämpfend mit den Gespenstern btr Rächt nach dem Licht strebt, werden di« Sinne scharf. Hellhörig lauscht er auf jeden Ton: Birgt er neue Gefahr oder läutet ein Ruf zur Höhe? Zeigt das Wonülicht Irr­wege oder dringt Licht zum rechten Wege aus dem Dunklen? 2kl tver trau ter Ton wird neu in solchem Ringen und vergessener Klang lebendig.

Sind wir nicht solche Wanderer? Was ist uns Buße? Verbinden wir noch einen Sinn mit solchem Wort? Solch rufendem Klang? Unter den 95 Sätzen, di« Luther in die Herzen der Deutschen gehämmert, steht der erste Satz:Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße, wollte er, daß das ganze Leben seiner Gläubigen Butz« sein soll?" Das ganze Leben! Kann ein Leben nur Buße sein? Sicher nicht, wenn wir als Buchstabenkrämer, als Sikben- fpalter in der Buße immer noch jene äußerliche Werkbuh« sehen, gegen die sich ja gerade Luther richtete, jene Selbst Peinigung des Leibes, jene Buße" des Stöhnens und Klagens, des körper­lichen Schmerzes und der äußerlichen Haltung. Rein, Buße ist Wlllenstat, ist Umkehr, ist Rich­tungswechsel, ist Kampf zur Höhe, ja, ist inneres Deuwerderr, das auch Fichte einst als Voraus- fetzung für den Wiederaufstieg, für die nativ* nale 2D Leher gebürt predigte.

Ist es nicht gerade ein Zeichen der Zeit, daß auch ein großer Teil aller Gläubigen mit der Buße" nichts Rech es anzufangen weih? Ist das nicht darum so, weil wir so verstrickt sind in das Gestrüpp des 2leußer!ichen, in alles, was den Sinn und das Wesen des Materiellen, des erd- ^fesselten Lebens ausmacht, daß in unserem Innern nicht nur kein Raum mehr bleibt für die Dinge, die weder Motten noch Rost fressen, son- beim auch für unser Höchstes, für unser Geistiges, ja für unser Eigenstes, un,er deutsches Innenfein! Scheint nicht so manchen von uns gar die Zeit vergeudet, so daß sie mit mitleidigem Lächeln auf jene schauen, die den segnenden Wert solcher Besinnung, solch .innerer Umkehr und Einkehr an sich erfahren haben und nicht mehr missen wollen!

Was ist denn eigentlich die Rot unserer Tage? Ist «S nicht, drh wir diesen höheren Sphären, diesem Reiche Gottes, diesem Himmelreiche, das inwendig in uns ist, den Rücken wendeten, daß wir vergaßen, was die großen Geister der Mensch­heit immer und immer wieder predigten? Ist es nicht, daß wir selbst es fühlen, wenn wir uns lösen von dnn Wust der scheinbar einzig realen Wirklichkeit, von dem körperlichen Sein und ferner an die Materie gebundenen not­wendigen Rot. Sinn der Buhe ist, uns wieder daran zu erinnern, daß wir Einkehr halten in uns, Umkehr aus dem Wege, auf dem wir unser Inneres an das Dadrautzen verlieren, daß wir mit Schmerz und Reue gewahr werden, wie sehr ttrtr an uns selbst v nicht an Gott, er steht zu hoch und ist zu groß, als daß es ihn kränkte nein, wie sehr wir an uns selbst gesündigt haben und sündigen, an unserem geisti­gen Wesen, an unserer Sendung als Menschen, ald Zwischenglieder zwischen Ratur und Gott', daß wir das erkennen, das ist der Sinn der Buße.

Christus, der da sagte:Siehe, ich mache alles neu!", sprach einmal zu einem Manne, den er an einem Sabbath arb.rten sah, folgende Worte: .Wenn du nicht weißt, was du tust, bist du verflucht, wenn du aber weiht, was du tust, hast du das ewige Leben!" Man denke einmal tiefer über den Sinn dieses scheinbar so wider­spruchsvollen Satzes nach! Gerade in ihm steckt, in kürzeste Form gebracht, der in Christi Lehren immer wiederkehrende Hinweis auf die größere Bedeutsamkeit, auf dre überragende Wichtigkeit der Inneren Einstellung gegenüber dem äußerenTun, der Fingerzeig aus das Geistige, aus daS, was uns erst zur Gottestindschast führt. Dieser Fingerzeig aber zeigt den Weg der Buße als einen Weg innerer Einkehr und Umkehr. Denn die Richtung, der einmal beschrittene Weg ist das Entscheidende für den einzelnen Men­schen und nicht nur für ihn, sondern für ein ganzes Volk. Denn ebenso, wie ein jeder als höchstes Gut fein? unsterbliche Seele, das Gottes- teil im Menschen, in sich trägt, ebenso ist ein Volk Träger einer Seele.

Wir Deutschen waren bislang Trager solchen Aufstieges. ja. in der deutschen Reformation und im deutschen Idealismus verkörpert sich, trotz Haß und Hohn, für die Menschheit noch immer alle dumpfe Schnsucht nach Höhe und Befreiung. Sehnsucht allein führt nicht zur Tat. Erkenntnis des Weges. der Rotwendigkeil innerer Umkehr, sie erst weckt den Willen, sie erst ist Willenstat; daS aber ist Sinn der Buße!

Daten für Mittwoch, 21. November.

Sonnenaufgang 121 Uhr, Sonnenuntergang 16.C5 Uhr; Mondaufgang 14 Uhr, Mond- unter gang 0 Uhr.

1682: der Maler Claide Lorrain in Rom ge­storben: 1694: der Schriftsteller F. M Arouet de Foltaire in Paris gestorben; 1768: der Theologe Friedrich Schleiermacher in DreSlau geboren; 1811: der Dichter Heinrich von Kleist am Wannsee bei Potsdam gestorben; 1924: der Philosoph Alois Riehl in Reubabelsberg bei Potsdam gestorben.

Daten für Donnerstag, 22. stlovembcr

Sonnenaufgang 7.28 Uhr. Sonnenuntergang 16.04 Uhr. Mondaufgang 14.16 Uhr, Wond- untergang 12.23 Uhr.

1767: Andreas Hofer in St. Leonhard geboren; 1849: der Schriftsteller Fritz Mauther in Horitz in Böhmen geboren; 1902: der Indu- striellc Friedrich Ahved Krupp in Essen ge­storben.

Gießener Wocheumarktpreise.

Cs kosteten auf dem heutigen Wocheninarkt: Butter 210 bis 220, Matte 30 bis 35. Käfe (10 Stück) 60 bis 140. Wirsing 12 bis 20, Weißkraut 8 bis 15, Rotkraut 15 bis 25, gelle Rüben 10 bis 20, rote Rillen 10 bis 20, Spinat 25 bis 40, Unter Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 15 bis 25. Rosenkohl 40 bis 63. Feld alat 100 bis 120, Tomaten 30 bis 40, Zwie eln 12 bis 20, Meerrettich 50 bis 150, Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5, Aepfel 20 bis 40, Birnen 10 bis 30, Dörrobst 35 bis 40, Hagebutten 10 bis 15, Honig 40 bis 50, junge Hähne 103 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 90 bis 120, Rüf e 60 bis 80 Pf. das Pfund; Eier 17 bis 18, Blumenkohl 60 bis 120. Salat 10 bis 20, Endivien 10 bis 20, Lauch 10 bis 15, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 50 Pf. das Stück. Wirsing der Zentner 10 bis 12 Mk., Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 12 bis 15, Aepfel 20 bis 35, Dirnen 10 bis 20, Kartoffeln 4,30 bis 4,60 Mk.

Borrwtizen.

' Tageskalender für Dienstag: StadttheaterDon Coros", von 19.15 bis 22.45 Uyr. Hypothekengläubiger- und Sparer-Schutzvcr band: Oeffentliche Versammlung, 8.15 Uhr, im Saale der Restauration Hindenburg. Lichtspiel­haus, Bahnhofstraße.-Liebe im Kuhstall"; nach­mittag 4 bis 6 Uhr, Volks- und Kindervorstellung. Astoria-Licktspiele:Eine Schreckensnacht im wilden Westen .

TageskalenderfürMittwoch. Stadt­theater:$m weißen Rößl", von 15 bis 17 Uhr; 19.30 bis 22.15 UhrEine Frau von Format". Süngerkranz Gießen: Konzert, 8.15 Uhr, in der Uni­versitätsaula. Evangelischer Frauenverein: Ver­sammlung, 2.15 Uhr, Cafö Leib. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Siebe im Kuhstall". Astoria-Licht- spiele.Eine Schreckensnacht im wilden Westen".

Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt- rheaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige letzte Ausführung vonDon Carlos" beginnt 19.15 Uhr. Morgen Mittwoch (Buh- und Det- tag) 15 Uhr:Im weißen Rößl". Lustspiel von Blumenthal und Kadelbura. 19.15 Uhr: Gastspiel des Reuen Operettentheaters Frank­furtEine Frau von Format". Da morgen das Frankfurter Reue Operettentheater geschlossen ist, wird das ganze Orchester bei der Gießener Auf­führung zur Verfügung stehen, ebenso werden die Originchdekorationen herübergeschafst. Die Auf­führung verdient eine ganz besondere Beachtung, da selbst die kleinste Rolle der Originalbesehung der Erstaufführung Vertretern sein wird; das ge­samte Ensemble steht an diesem Abend zur Ver­fügung. Wan darf daher dieser Premiere, die unter der Leitung des Gastregisseurs, Direktor Hans Baars, steht, mit Spannung entgegen* sehen. Der zeitgenössische Spielplan des Stadt­theaters wird, nachdem KlabundsKirschblüten­fest" als Gedenkfeier für den toten Dichter in Szene gegangen ist, nun mit einem Schauspiel von Alfred Reumann fortgesetzt. In den Spiel­plan istPatriot", eines der erfolgreichsten Stücke des Berliner Theaterwinters, aufge­nommen. Die Spielleitung hat das erste Wal Walter Ebert- Grassow, der gleichzeitig die Rolle des Pohlen verkörpert. Den Gegenspieler, den Zaren, spielt Edelbert G a r e i s. dre Gräfin OJtermann Maria Koch. Das Stück kommt in stilisierter Inszenierurrg heraus und wird am Freitag, 23., 19.30 Uhr, erstaufgeführt.

*

** Fahrplanverb es ferungderReichs- b a h n. Ab Sonntag, 25. November, wird der Per­sonenzug 713, wie im Sommerfahrplan, Sonn- und Feiertags von Frankfurt a. M. bis Gießen durchgeführt. Frankfurt a. M. ab 21.45

Uhr, Friedberg an 22.50 und c'i 23 06 Uhr, Gießen an 24 Uhr. Werktags fährt dieser Zug bis Butzbach.

Aus dem Gießener Standesamts- realster. Es verstarben in der Heit vom 1. bis 15. November: 1. November: Inge Antonie Hanna Arnold, 8 Monate all, Wolkengasse 19. Elisabethe Jung, geb. Röder, 79 Jahre alt, Mühlstraße 10. 3. November: Wilhelm Wittich, ohne Berus, 78 Jahre all, An den Bahnhäfen 30. 4. November: Ludwig Leun, Rechtsanwalt, 56 Jahre all, Westanlage 1. 5. November: Ottilie Paula Leun, geb. Quabeck, 58 Jahre alt, Westanlage 1, Adolf Deibel, Kauf­mann, 30 Jahre all, Ludwigstraße 11. 8. November: Justine Günther, geb. Noll, Witwe, 86 Jahre alt, Lindengaste 18. 11. November: Marie Fischer, geb. Manien, Witwe, 59 Jahr all, Liebigstraße 63; Kon­rad Kurt Paul Boß, 4 Jahre alt, Schiffenberger Weg 9. 12. November: Adolf Scholl, Privatmann, 80 Jahre all, Asterweg 55.

** Gewerbe-undMafchinenbaufchule Gießen. Der Zeichenkursus für das Metallgewerbe beginnt am 25. November. Ein Einführungskurfus in die Mathematik soll bei genügender Beteiligung für einen Werktagabend eingerichtet werden. Man beachte die heutige Anzeige.

* Im Lichtspielhaus Bahnhof- st r aße bekommt man seit langet Zeit (wenn man von der .Querschnitt"-Dorsichrung neulich ab­sehen darf) wieder einmal einen Henny-Por­ten- Film zu sehen. Er heißtLiebe im Kuh st all", Schwank in sechs Akten, und gibt der Porten Gelegenheit, in einer ihrer neuerdings bevorzugten Doppelrollen, außerdem noch gleich­zeitig in einer Hosencharge aufzutreten und einen lebhaften Publllumserfolg zu erzielen. Cs muh allerdings gesagt werden, daß sie darstellerisch schon weit Besseres geleistet hat, und daß sie eigerlllich viel zu schade ist für diese von Fried­mann-Fredrich und Supper erfundene, ziemlich blöde Angelegenheit, die ohne die Por­ten zu einem glatten Durchfall verurteilt wäre, da sie regiemäßig schwach ist und in der übrigen Besetzung kaum einen anständigen Durchschnitt er­reicht. Außerdem wird der Streifen stellenweise zu überstürzt gedreht, was entschieden nicht zur Verbesserung beiträgt. Im Beiprogramm: ein typisch amerikanischer Film, aus Sentimentalität und Albernheit zusammengesetzt, die übliche Wochenschau und außerdem, auf der Bühne, etwas sehr Hübsches, nämlich die Zwergpudel- Revue des Herrn Cavallnl. der mit den drolligen und exakten Leistungen seiner gelehrigen Zöglinge dem Publikum viel Vergnügen macht und verdienten Applaus findet.

** Gesangskonzert in den Kliniken. Der GesangvereinEintracht"-Steinbach, unter der Leitung seines Ehormeisters Karl Sommer (Watzenborn), bot am Sonntagvormittag den Pa­tienten der Nerven-, Chirurgischen- und Augen­klinik eine freudig begrüßte Abwechslung in den schweren Tagen der Krankheit. Der Verein sang in den drei Kliniken mehrere stimmungsvolle Chöre, die den starken Zauber des deutschen Männer­gesangs offenbarten, in bester Weife. Die Patien­ten, wie auch die Derwallungen der Kliniken spra­chen den Sängern und ihrem Leiter herzlichen Dank für die schöne Sonntagsgabe aus.

Die Gießener Ortsgruppe des Allgem. Deutschen Fra uenvereinS hielt dieser Tage ihre Generalversammlung ab. Die 1. Vorsitzende. Frau Minna R a u m a n n, begrüßte d e Anwesenden, worauf de Kassiererin, Frl. Zimmermann, den Kassen ericht er­stattete. Frl. Kühne. 1. Schaft ühre.in, brachte den Jahresbericht als Rückblick über die Tätig­keit des Vereins im ver.losfenen Geschäftsjahre. Der Gesamtvorstand, bejen Wahlperiode abge­laufen war, wurde einstimmig durch Zuruf wieder- gewählt. Frau Baumann gedachte sodann in warmen Worten des kürzlich verstorbenen Mit­gliedes Frau Paula Leun, die während der schweren Kriegszeit in aufopfernder und vor- bild'icher Weise den hiesigen Hausfrauenverein geleitet hat. lieber die Generalversammlung des Allgem. Deutschen Frauenvereins, die Ende Ok- tober in Halle die Delegierten der Frauen- organisalionen zu anuncngcru^n hatte, berichtete Frau R a u m a n n. Der Umfang der Tagung macht es unmöglich, hier einen Ueberblid übet d n gesamten Derhandlungsstoff zu geben. Im Mit­telpunkt des Interes'es standen die Vorbereitun­gen zum Kongreß des Weltbundes für Frauen­stimmrecht in Berlin im Juni 1929. Der A. D. F. hat die Leitung der Veranstaltung übernommen. Die 1. Vorsitzende Frau v. Velsen gab in ihrem Referat dem Wunsche Ausdruck, eine kautsch-österreichische Aräe t"g:melnschaft zu bil­den und eine engere Zusammenarbeit mit dem internationalen Frauenbund an'uftreben. Die Versammlung forderte die Ortsgruppen und Vereine auf, angeregt durch einen Bericht über die Gi.tgasmelhode, dem Problem der Kriegs» Verhütung erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Frau Marg. T r e u g e zeigte in ihrem Vortrag ben Frauen als Staatsbürgerinnen Wege, an der Erfüllung des deutschen Einheitsstaates mit- zuarbeiten. Tie kommunalpo'itische Sitzung be­sprach Erfahrungen und Wunsche zur Einrich­tung von Eheberatungsstellen. Frau C e i b be­richtete zum Schluß über eine Dorstandssihung des Bundes hexischer Frauenvereine in Frank­furt. P. S.

Bezirkssparkaffe Alsfeld.

X Alsfeld, 18. Rov. Am Samstag fand im Sitzungssaale des hiesigen Rathauses die ordentlich: Mitglieder-Versammlung der Bezirkssparkasse Alsfeld unter dem Vorsitz des Direktors D o g e l e y statt, zu welcher die Dertteter fast aller Garantiegemein­den erschienen waren. Die Aufsichtsbehörde wat durch Kreisdieelkor Dr. Stammlet vertreten, ferner war Iustizrat Dr. Reh (Darmstadt) crlS Direktor des Hessischen Sparkassen- und Giro- Verbandes anwesend. Aus dem von Direktor V o g e l e h in ausführlicher Weise vorgetrage­nen Geschäftsbericht über das Jahr 1927 ging hervor, daß dieses normaler verlausen ist, als die vorausgegangenen Jahre 1926 und 1925. Als erfreulich wurde daS starke An­wachsen der Spareinlagen Int abgelou- fenen Geschäftsjahr bezeichnet, ebenso die Zu­nahme des Ko rto-Kortentverlehres. Der Stand der Spareinlagen betrug am 31. Oktober 1928 Mk. 2 271 000. An Gemeinden sind an Darlehen insgesamt Mk. 636 000 ausgeliehen worden. Der Reservefonds der Kasse beträgt nach dem Zu­gang aus dem Jahre 1927 rund Mk. 100 000. Außerdem ist ein Hauserneuetungsfonds in Höhe von Wk. 40 030 vorhanden. Der Gesamt­umsatz der Kasse betrug im Geschäftsjahr 1927 rund 44 Millionen Mark. Der Reingewinn des Jahres 1927 beläuft sich auf Mk. 18 865, von welchem nach der Satzung die Hälfte dem Re­servefonds übertoiefen wurde; für gemeinnützige Zwecke wurden Mk. 1500 vom Reingewinn ver­teilt. In Ergänzung des Geschäftsberichts gab Iustizrat Dr. Reh einen lieber blick über Die Entwicklung der hessis chen Spar­kassen seit dem Jahre 1924, woraus die be­achtenswerte Feststellung zu entnehmen wat, daß im Dollsstaat Hessen am 31. Oktober 1928 die Höhe der reinen Spareinlagen bei den hessischen Sparkassen 150 Millionen Mark betrug; die Höhe der Spareinlagen im gesamten Deutschen Reich belief sich auf über 6 Milliarden Mark, was als Zeichen der Besserung der allgemei­nen Wirtschaft bezeichnet wurde. Die Iah- resrechnung 1927 wurde ohne Debatte ge­nehmigt und dem Vorstand und Aullichts- rat Entlastung erteilt. Verschiedene Satzungs­änderungen, die formeller Art waren, wurden genehmigt. Als neue Mitglieder wurden im Bezirk der Zweigstelle Homberg a. d. Ohm die Gemeinden Erbenhausen und Sch-adenbach aus­genommen, so daß nunmehr die Zahl der Ga­rantiegemeinden 44 beträgt. Der mit der Stadt Alsfeld abgeschlossene Vertrag wurde von der Mitgliederversammlung genehmigt. Darnach er­wirbt die Kasse von der Stadt das alte Post- gebäude, das am 1. Oktober 1929 durch den Postneubau frei wird, zum Preise von Mk. 40 000, um die Räume der Spartasse dotthin zu ver­legen, da die gegenwärtigen Raumverhältnisse völlig unzureichend sind. Am Schlüsse der Ver­sammlung sprach Kreisdirektor Dr. Stamm­ler dem Vorstand und Auffich-tsrat den Dank der Aufsichtsbehörde für die verdienstvolle Tätig­keit der Dezirkssparkasse im abgelaujenen Ge­schäftsjahre aus. An die Tagung schloß sich ein einsaches Mittagessen im GasthausZur Er­holung" an.

Briefkasten der Redaktion.

A. C. in S. Auf anonyme Zuschriften geben wir grundsätzlich keine Auskunft.

Berliner Börse.

Berlin, 20. Noo. (WTB. Funkspruch.) Im heu­tigen Dormittagsverkehr herrscht eine starke Zurück­haltung. Anregende Momente liegen nicht vor. Die Tatsache, daß im Ruhrgebiet noch keine Einigung erzielt worden ist, und die Verhandlungen erneut verschoben sind, wirkt etwas verstimmend. Man hört unveränderte gestrige Mittagsschlußkurse. Farben 259,50 Geld, Siemens 415. Am Devisenmarkt nennt man das Pfund 485,03, den Dollar 4,197250, Mai­land 92,56, Madrid 30,08.

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