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Nr. 222 Erster Blatt

178. Jahrgang

Donnerstag, 20. September 1928

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnid mb Derlei; BrflWW Uitoerfitäts-Bnd?- nn& SietHörnderet R. tauge in «le&en. Sdfriftktning und Geschäftsstelle: Zchulstraze 7.

3iwa6me von Anzeigen flr die lagtsnemmfr btt juwi Nach m,nag vorder.

Prell fit 1 nm höbt fir Anzeigen von 27 mm Dritte örtlich 8, aesmärt» 10 Reichspsennig- fir Ve» hlameameigen von 70 irm Drerte 35 Reichapsenmg, Platzvorschnst 20*. mehr.

(I befrei aktear

Dr Friedr Dill). Lange. Verantwortlich turDoimk Dr. Fr Wilh Lange fit Feuilleton Dr H Idyrrol, für den übrigen led Ernst Blumschcin; fit den An­zeigenteil Äurt tzivwann, sämtlich hi Dietzen

Besprechungen beim Reichskanzler.

Bayern wünscht eine Länderkonferenz.

Berlin, 19. SrpL (prioalmelbang.) Der Reichskanzler empfing beule In Gegenwart den Staatssekretär» vr. punder den deutschen Botschafter in pari», 0. H 0 esch , und daraus den Reichöbonkpräsidenlen Dr. Schacht. Die Voss. Ztg." berichtet, datz Reichskanzler Müller mit Bot­schafter v. Hoesch die Lage nach den Genfer Be­schlüssen darchgesprochen und die diplomatische Weiterarbeit In der Räumungtfrage erörtert habe. Die Unterredung De» Reichskanzler» mit dem Reichsdonkpräsidenten vr. Schacht habe der zwei­ten In Genf zur Lösung gestellten Jrage, der Rege­lung der Reparation», ahlun gen, ge­golten.

«In Antrag der bayerischen Regie­rung, die Ministerpräsidenten der Länder zu einer gemeinsamen Besprechung der Genfer Verhandlungen noch Berlin einzuladen, ist gestern nachmittag in der Reichskanzlei eingegangen. Ein Termin für diese Konserenz steht aber zur .Zeit noch nicht fest, und man hält e« für wahrscheinlich, datz auch diese Zusammenkunft, ebenso wie die Sitzung de» Auswärtigen Ausschusses de» Reichs­tage», wohl erst in der nächsten Woche nach der Rückkehr der deutschen Delegation au» Gens ab- gehalten wird.

Bayern- Anregung ist von gewisser Seite wie­der sofort die Interpretation gegeben worden. olS ob sich dahinter ein parteipolitischer Vorstoß verberge, der bewustt oder unbewußt deutsch- national orientiert sei. Das scheint unS doch eine kühne Konstruktion. Es ist eigentlich immer üblich gewesen, dost die Regierung, wenn in Genf wichtige Dinge vorgefallen waren, nicht nur den Auswärtigen Ausschuß de« Reichs­tags informierte, sondern auch dem ReichSrat Auskunft gab. Das wird sie gewist auch in die­sem Falle tun, wo auf feiten der Lander sehr starke Gründe für eine eingehende Informa­tion geltend gemacht werden können. Schließlich greifen die finanziellen Verpflichtun­gen. die wir bei einer Einlösung unterer.Kriegs­schulden übernehmen müssen, stark in die Dis­position der Lander hinein, und man wird eS ihnen deshalb nicht Übelnehmen, wenn sie wenigsten- vertraulich wissen möchten, worauf sie sich ungefähr einzustellen haben. Noch wichtiger aber ist, wenigstens für einen Teil der Lan­der, ein zweiter Gesichtspunkt: die Feststel­lungskommission wird in den diplomati­schen Verhandlungen noch ziemlich lange spuken, und wir wissen ja, welch.' Abfichten die Fran- tofen damit verfolgen. Wenn nur ein Teil die­ser Hintergedanken realisiert wird, dann bedeu­tet das einen erheblichen Eingriff in die Poli­zeirechte aller der Länder, die in das besetzte Gebiet hineinragen, also Preuften, Bayern. Hessen, Oldenburg. Es bedeutet aber auch mindesten- den Versuch, für die gesamte ent­militarisierte 3one Ausnahmegesetze au schaffen, die beispielsweise fast das ganze Bad- ncr Land dann dauernd der Qleugier jener Äom- Mission öffnen würden. Ob staatsrechtlich das Reich überhaupt befugt wäre, solche Ab­machungen zu treffen, ohne due leidtragenden Länder zu fragen, ist höchst zweifelhaft. Daß aber praktisch, wenn nicht eine Entfremdung zwischen dem Reich und den Ländern entstehen soll, die Ausübung eines derartigen Rechtes unmöglich wäre, darüber kann lein Streit bestehen. Selbst wenn also die Feststellung-kommission zunächst ein sehr vager Begriff ist. bleibt es doch not­wendig und wün chenswert, daß die Länder rechtzeitig gehört werden, damit ihre Be­denken und Dünfche am Beginn der Verhand­lungen bereits berücksichtigt werden können. Sine neue Erklärung Irlands.

Alles soll aufs versöhnlichste erledigt werden."

iBcnf. 19. Sept. (TU.) Dem Genfer Korre­spondenten der .Franks. Ztg." erfiärtc der fran- pflsche Außenminister Brianb kurz vor feiner Rückkehr nach Paris folgende-- über die Rege­lung der Reparationssrage: .Man muh richtig verstehen, um was es sich handelt. Dir zahlen unsere Schulden an Amerika und wer­den sie weiter bezahlen, unabhängig davon, was in der Reparationssrage erzielt werden wird. Aber das französische Volk möchte gerne wif en. was es von Deutschland tatsächlich erwarten kann. Das Repara- tienSproblem ist eine Frage für sich. ES geht Amerika überhaupt nichts an, da wir an Ame­rika weiter unsere Schulden zahlen werden. Ss kann bei allseitigem guten Dillen in kurzer Zeit geregelt werden, vielleicht in einigen Wochen, vielleicht in zwei Monaten. 36 es ge­regelt werden, dann kann sofortdieGefamt- raumung eintreten. Heber die Der- gleichSkommisfion sagte Brand fol­gendes: ,3n Deutschland wird die Äommvfion als Kontrolle angesehen. Man muh die Verträge kennen, insbesondere den Artikel 213 des Versailler Vertrages. Die Kontrolle be­steht bereits und sie könnte sehr unangenehm werden. Deshalb eben haben wir die Kommission vorgeschlagen, eine Commission de conciliation, die im Bedarfssalle alles aufs versöhn­lichste erledigen soll. Es gibt solche Korn-

Ein deutscher Vorstoß im Abrüstungsausschuß.

OerKampsumdenEinberufungsterminderAbrüstungskonferenz.-SpielmitverteiltenRoll^n? Ein Antrag Graf Bernstorffs.

3n Genf ist der Abrüstungsausschuß nun gluck« llch so weit gediehen, datz er sich über die Fest­setzung des Termin» für den Zusammen­tritt der vorbereitenden Abrüstungskonferenz und im Anschluß daran dann auch der richtigen Ab­rüstungskonferenz unterhalten kann. Dabei hat es gleich am ersten Tage ein Zwischenspiel gegeben, das in seinen tieferen Zusammenhängen noch nicht ganz aufgeklärt ist, das aber doch für die Kräfte kennzeichnend ist, die in der ganzen Abrüstung ge­geneinander wirken. Der recht hilflose Vorsitzende der bisherigen vorbereitenden Konferenz, der f)ob länder Leyden, kam mit dem merkwürdigen Vorschlag, daß er die Konferenz erst wieder ein­berufen könne, wenn vorher die großen See­mächte fich untereinander hinter verschlossenen Türen ausgesprochen hätten. Dieser Vorstoß rkmßte zunächst den Eindruck machen, als ob er mit Frank- reich und England verabredet sei und nur den Zweck verfolge, eine möglichst langeZwi« s ch e n p a u s e bis zur Fortsetzung der Beratungen der Konserenz einzuschieben, weil ohne weiteres anzunehmen war, daß diese Besprechungen der See« machte mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen wurden. Um so verblüssender wirkte es, daß der englische Vertreter Lord Tushendun nicht nur sein Erstaunen zum Ausdruck brachte, sondern auch den ganzen Dorfchlag mit einer Handbewegung in den Papierkorb beförderte. Mit dem Hinweis, daß em. ioldic 'ronserenz die vorzeitige l.R e t fion des Washingtoner Abkommen» bedeute, die erst 1931 in Betracht kommen könne. Er glaube daher nicht, daß seine Negierung eine solche Konferenz überhaupt beschicken würde. Worauf dann wieder Paul-Boncour al» Friedensengel auftauchte, um eine Entschließung einzubringen, die den vorbereitenden Ausschuß für Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres zusammentrommeln will. Ob es dabei um ein Spiel mit verteilten Rollen handelt, ist im Augen­blick noch schwer zu sagen. Dheoretisch wäre es auch möglich, daß England sich mit Rücksicht auf Amerika aus einer allzu engen Verbrüderung mit Frankreich Herausbalten möchte. Da- wird fich vermutlich bei der Fortsetzung der Debatte zeigen. 3edenfalls war es dringend notwendig, daß von unserer Seite mit aller Deutlichkeit der Antrag des Reichskanzlers auf beschleu- n i gt e Einberufung des Abrüstungsausschusses m Erinnerung gebracht wurde.

0er deutsche Antrag.

Beschleunigte Festsetzung des Datums der Abrüstungskonferenz.

® 1 nf, 19. Sept. (WTB.) 3m Abrüstungs­ausschuß der Dölkerbundsver'ammlung wurde die Aussprache über den Stand der Arbeiten deS Vorb<reitenden Abrüstungsausfchu'les in der zweiten Lesung fortgesetzt. Hierbei ergriff Graf Bernst 0 rff das Wort, um unter Berufung auf die vielbeachteten Ausführungen des ReichSkauzlerS vor der BundeSver'ammlung und die darin enthaltenen Forderungen nach ein­schneidenden Maßnahmen und Einberufung der ersten internationalen Abrüstungskonferenz einen Sn tschließungsantrag einzubringen, der folgenden Wortlaut hat:

Die völkerbundsocriammlung erklärt, daß die gegenwärtigen Sicherheitsoerhältnlsfe, wie sie durch den völkerbund»pakl, durch dje- stungsoereinbarungen au» den Aricdensoerirägen, ferner durch die Locarnooerträge und den Pakt von Doris, dessen Inkrasstreten bald erhostt werden kann, gegeben sind, schon jetzt erlauben, eine erste Etappe zu erreichen, indem eine erste allgemeine Mbrüflungsfonoention

ausgestellt wird, die die Beschränknug und Herab­setzung der Rüstungen zum Ziel hat und geeignet wäre, das gegenwärtige Mißverhältnis der Rüstun­gen fühlbar zu vermindern. Die Bun6e»oerfamm- lung ist der Meinung, daß die 11 rbeiten de» vor­bereitenden Abrüstungsausschüsse» sowie auch diese» Komitee» für Schiedsgerichtsbarkeit und Sicherheit so fortgesetzt werden müssen, daß sie bei späteren Etappen die progressive Herabsetzung der Rüstungen erleichtern.

3n diesen Zusammenhängen erinnert die Bundes­versammlung daran, daß die Regierungen, die über b l e bestehenden Sicherheit»ga- ranllen hinaus und neben jenen, die durch die erste allgemeine Ubrüstungskonoention noch hin­zugefügt werden, Sondergarantien suchen, dank der Arbeiten de» Komitee» für Schieds­gerichtsbarkeit und Sicherheit über neue Mittel verfügen, die sie zur Durchführung bringen können.

3n Erwägung, daß alle technischen Fra­gen, die die Beschränkung und Herabsetzung der

Rüstungen betreffen, vom vorbereitenden Ab- rüstung»au»schuß gründlich geprüft wurden, und daß eine Verständigung bl» heute wegen Mei- nung»oerschiedenheiten von vorwiegend politi­schem Eharakter nicht erreicht werden konnte, for­dert die Bunde»versammlung den Rat auf. einen dringenden Appell an die Regierungen zu richten, damit jene, zwischen denen solche Meinung»ver- schiedenheiten noch bestehen, unverzüglich In den» Geiste größter Versöhnlichkeit und internationaler Solidarität gemeinsam Lösungen suchen, die eine möglichst vollständige versländigung zu erlclditem geeignet wären. Die Bunbe»oerfammlung ist weiter der Meinung, daß die Konferenz für Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen, die trotzdem noch offenbleibenden Fragen entscheiden soll, und bittet den Rat da» Datum dieser Konferenz, die Im verlaufe de» 3ahre» 1929 zusammen treten soll, festzusehen, wobei dem präflbenlen de» vor­bereitenden Abrüflung»au»schuste» die Entscheidung über die rechtzeitige (Einberufung diese» Auvschuste»

Gras Zeppelin" über SüddeuMland.

Das neue Luftschiff zur zweiten Probefahrt aufgefiiegen.

Friedrichshafen, 20. Sept. (UTIB. Funk- spruch.j Der Sonderberichterstatter de» MTB. mel­det:Graf Zeppelin' Ist um 8 Uhr 1 u seiner zweiten Fahrt aufgestiegen. Da» Luft­schiff Ist auch diesmal ordnungsgemäß und glatt aus der Halle gebracht worden. Baid daraus setzten die Motoren ein und e» löste sich vom Erdboden. Das Schiff schlug zuerst westlichen Kur» ein und kreuzt jetzt über dem Bodensee. E» ist anzunehmen, daß e» die ersten 11 Stunden hier in der Gegend bleibt, um Messungen und Prüfungen oorzunehmen und daraus seine eigentliche Reife über Süddeutsch- land antreten wird. Fest stehl bisher nur, daß die Fahrt durch Württemberg und Bayern geht. An Bord befinden fich außer der Besatzung 25 Gäste, darunter eine Anzahl Pressevertreter, ferner ein Vertreter de» Reich»oerkehr»minlsterlum» und Konsul Kehl vom afrikanischen Konsulat In Stuttgart.

Sine Schleife über der Schweiz.

Friedrichshafen, 20. Se l. (ÖIB. Funk­spruch.)Gras Zeppelin' kreuzte nach feinem Auf­stieg kurz über dem Bodensee und flog dann in die Schweiz hinüber. Um 8.30 Uhr war er über Zürich: um 9.05 Uhr flog er von Zürich mit nörd­lichem Kur» weiter und war um 9J2 Uhr über Basel. Er fliegt jetzt über dem Badener Land In Richtung Freiburg.

3n Richtung aus Mainz.

Groß-Gerau, 20. Sept (WIB. Drahtmel­dung.) Kurz vor 1 Uhr beobachtete man von hohen Gebäuden in Groß-Gerau au», wie derGraf Zep­pelin' die Südspihe der Stadt Überflog. Er verfolgt

bei feinem Fluge die Rheinlinie und wird wahrschein­lich nach Mainz fliegen.

Graf Zeppelin" über Sranffurt.

Frankfurt a.M 20. Sept (WIB. (Eigene vrahtmeldung.) Nachdem derG r a f 3 e p p e 11 n kurz nach 1 Uhr Main, überflogen hatte, erfdjien er um 1.15 Uhr au» westlicher Richtung, von zwei Flugzeugen de» Frankfurter Flughafen» begleitet, im Weichbild der Stadt. Er flog ziemlich niedrig und mit großer Gefchwindlgkeit Er wurde von der Bevölkerung mit großem 3 u b e t empfan­gen. AI» er den Börsenplatz überflog, stockte der Börsenverkehr für eine kurze Zeit da die Börfen- befucher sich den Anblick des gigantischen Lustrlesen nicht entgehen lassen wollten. Kurz vor 1.30 Uhr verlieh er In südlicher Richtung die Stadt,- um 1.35 Uhr wurde er bereit» über DarmftadI. um 150 Uhr in Pfungstadt gesichtet

Das Ergebnis der Wettstättensahrt.

F r i e d r i ch s h a f e n, 19. Sept. sWTB.) Zur gestrigen Wcrkstätlenfahrt betonte Dr. Eckener noch, daß fich bei den Dibrationsfeststellungen eine außerordentliche Stabilität ge­zeigt habe. DaS Schilf liege noch ruhiger in der Lust alS derZ. R. 3* Dr Eckener hob erneut hervor, daß die Ventilationsanlage sich als außerordentlich stark bewiesen habe. 3m Laufgang habe ein Luftstrom von anderthalb Scfunbenmetem geherrscht. Trotz dieses starken Zuges hat sich aber gezeigt, daß die Brenngas- zellen durchaus nicht gegeneinanderschlagen, son­dern vollkommen feftliegen. Die starke Durch­lüftung ist überhaupt nicht wegen der Brenn- gefahr. sondern nur zu m Schutze der Mann­schaft gegen Vergiftungen angelegt worden. Das Festliegen der Brenngaszellen tfl deshalb wichtig, weil von der Deutschs Versuchs­anstalt für Luftfahrt auch befürchtet worden war, daß durch Aneinanderreiben der Zellenslächen Vermischungen der beiden Gassorten ein­treten könnten.

Missionen ja auch schon anderSwo. z. B. feit langem zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada, tr»o sie aufS beste gearbeitet haben. Sie sollen in der Kommission im Sinne von Lo­carno ja auch Ihre deutschen Mitglie­der haben, die auch Beschwerden Vorbringen fimnen. z. B wenn wir irgend etwas im Rhein­lande tun. aber auch wenn Sie beargwöhnen, daß wir Vorbereitungen machen. Alles das wird sich aufs beste regeln lassen. Man muß nur die Verträge kennen. Schikanen sind wirklich nicht zu befürchten. Deshalb nenne ich ja die Kom­mission eine Commission de conciliation. damit alles sofort aufs versöhnlichste geregelt werden kann. Deutschlands Wünsche von Locarno, fo wie sie mir damals vom Reichskanzler Luther präsentiert wurden, habe ich alle erfüllt; ich habe sie erfüllt von A bis I. Es ist kein Wunsch unerfüllt geblieben. Doch man muh Lo­carno nicht alS einen Za uberhu t be­horche In. aus dem man immer wieder neue Dinge heraus holen will."

Das OeuischlandÜeö eineprovokationderVesahung 6in LandarrerKriegsqerichlsurteil revidiert

Maina, 20. Sept. (XU.) In dem Pfalz­städtchen Kirchheim-Bolanden wurde am 25. Juni das IoharmiSfest gefeiert und auS

diesem Anlaß ein festlicher Umzug durch die Stadt veranstaltet. Denn Vorbcunarich an der französischen (Serch.rrmeriekaserne wurde von einer Gruppe das Deuts chlandlied ge­sungen und gespielt, woran ein französischer (Senbarm Anstoß genommen hrben soll. Don der französischen Dcsatzung.^behörde wurde gegen den Leiter der betretenden Gruppe, namenS Brüning, und gegen einen Schüler Sraf an­trag gestellt, und zwar weil Brüning das Singen und Spielen deS LiedeS nicht verhin­derte. gegen den Schüler, weil er da- Lied angestimmt b.ibe. Das Kriegsgericht in Landau verurteilte Brüning daraus zu 15 Tagen Ge­fängnis mit Stralau schub und 350 Mark Geldstrafe, den Schüler zu 250 Mark ohne Strafaufschub. Gegen das Urteil hatte der Ver­teidiger Dr. Führ 'Berufung eingelegt. 3n der Verhandlung vor der Berufungsinstanz am Mittwoch erllärten beide, daß das Singen und Spielen nur zufällig erfolgt sei, und daß ihnen eine Provokation der Besatzung fern gelegen habe. Der Militärstaatsanri.alt ließ dirie Ein­wände nicht gelten und erllürte. daß eS stch um eine bewußte Provokation und um eine Kundgebung gegen die Besat­zungsarmee handele. Er beantragte Dcr- toerfung der Revision DaS Gericht hob aber daS erstinstanzliche Urteil auf und verurteilte Brüning zu 200 Mark und den Schüler zu 150 Mark Geldstrafe.

Oer Danziger Völkerbundskommiffar.

Ein Ilalirnkr alS Nachfolger van Hatnkkd

Genf, 19. Sept. (TU.) Von bestunterrichteler Seile wird mitgetellt, daß in geheimer Sitzung des Bölkerbundsrates im großen eine (Einigung dahin­gehend erzielt worden fei, das Mandat des Völker« bundskommissars für Danzig, des Holländers v a n Hamel, das am 1. Mörz 1929 abläuft, auf vier Monate z u verlängern, um van Hamel die Möglichkeit zu geben, sich nach einer neuen Stellung uinzusehen. An seine Stelle soll als Danziger Dölkerbundskommisiar der Italie­ner Graf dl r a oi n a ernannt werden. Eine end­gültige Entscheidung ist zedoch nicht getroffen wor den, da noch immer von verschiedenen Seiten W t verstände gegen die (Ernennung eines neuen Danziger völkerbundskommiflars geltend gemacht werden. Eine amlliche Deriautbarung stellt lediglich fett, daß ein vorbereitender Gedankenaustausch über die (Ernennung des Darrziger Lölkerbundskommis« fars ftangefunben hat. (Eine endgültige Entschei­dung würde im Laufe der nächsten Sitzungen fallen. (Es bestätigt sich, daß die (Ernennung des Italieners Graf (Brao.no, der ein Enkel von Cosima Wagner ist, zum Danziger Dölkerbundskommiftar beoorsteht.