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die Leberstunbenbezahlung gilt die frühere Regelung. Der DankleitungSverbanb hat sich verpZüchtet, den angeschlossenen Instituten die Ausschüttung der Weihnachtssonder­zahlung zu emp^hlen. Die Commerz- und Privatbank, die Darmstädter und Dattonalbank, die Deutsche Dank, die Dresdner Dank und die Discontvgesellschaft haben sich schon jetzt ver­pflichtet. dieser Empfehlung zu entsprechen. Der Manteltarif läuft bis zum 31. März 1930, die Gehaltsregelung bis zum 31. März 1929.

NerAttanttkflugderBremen"

Reuyork, 19. April. (WTB.) Die ersten größeren Berichte über die Erlebnisse der ^Bre­men"-Besatzung auf dem Ozeanflug enthalten neben den in den Grundzügen schon bekannten manche Einzelheiten, die geeignet sind, die see­lischen Strapazen des Fluges deutlicher hervortreten zu lassen. Sv brachte der erste Anblick des Lande- in einem Augenblick, wo daS Schwinden der Denzinvorräte sich immer drohender bemerkbar machte, allerlei Illusionen hervor^ die Phantasie sah Häuser und Siedlungen, die der näheren Prüfung durch den Feldstecher jedoch nicht stanohielten. Dies be­wirkte, daß die Flieger dann bei der Erreichung von Greenly Island ungewöhnlich skep­tisch waren. Tin paar Leuchtbomben schufen erst die nötige Sicherheit darüber, daß, was man nur a l s Äebelbildung über der Meeres­oberfläche anzusprechen gewagt hatte, tatsächlich mit Schnee bedeckte Wälder waren. Erst nach mehrfachem ülmsliegen des Leuchtturmes und längerem Hin- und Herkreuzen hat man sich dann angesichts der zunehmenden Leere in den Benzintanks zu der Landung entschlos- s e n. Auch dann hatte die Besatzung zunächst noch den Leuchtturm für unbewohnt gehalten. Die in der Umgebung des Leuchtturms bemerk­baren Schlittenhunde der Leuchtturmwärter waren von ihnen als Wölfe unbespro­chen worden. Die ungeheuren Schwierigkeiten der Orientierung spielen überhaupt in allen Berichten die wesentlichste Rolle. Sie setzten an jenem Donnerstagabend ein, als das Flugzeug in die dichte Rebelzone der berüchtigten Reu- fundlandbänke hineingeriet, ein starker Sturm mit Schneefall einsetzte, die Oelleitung zu lecken begann und die Kompasse sich In Variationen ergingen, die ihre Benutzung vollkommen hoff­nungslos erscheinen ließen. In dieser Zeit hat dieBremen'^ zeitweilig in 6030 Fuß Hohe gekreuzt. Schließlich Härte sich der Himmel so­weit auf, daß unter Benutzung des Polarsterns und des Großen Bären eine notdürftige Orientierung möglich wurde. Der erste, ber Land entdeckte, war Frtzmaurice.

Fihmaurice in Murray Bay.

Rückflug nach Greenly Idland nach Eintreffen der Ersatzteile.

Parts, 20. April. (WTB. Funkspruch.) Wie der »Lhikago Tribüne" aus Reuyork gemeldet wird, fei der Flieger Major Fihmaurtce, als man ihn auf angebliche Aeußerungen binwies, die besagten, er beabsichtige seine deutschen Be­gleiter von der.Bremen" im Stichzu lassen, außerordentlich ärgerlich geworden, und habe diese Absicht energisch in Abrede ge­stellt. Fiymaurice erflärt, er habe sich nach Murray Bay begeben, um das Eintreffen deS neuen Propellers und anderer Er­satzteile für die .Bremen" obzuwarlen, die von Reuyork bereit - abgegangen seien. Sobald diese Sachen eingetroffen sein werden, werbe er t schleunigst nach Greenlh Island zurück- -festen.

* Rach einer Meldung aus Lake St. Agnes wird der Qlbflug mehrerer dort versammelter ' Flugzeuge nach Greenly Island durch einen Schnee sturm verhindert, so daß die In Lake St. Agnes eingetrofsenen Ersatz­teile und der Brennstoff für dieBremen" nicht weiterbefördert werden konnten.

Ein Lob der deutschen Technik.

Murray Bay. 19. April. (WTB. Funk- spruch.s Im Verlaufe eines Presseinterviews sagte Major Fihmaurice, dieBremen' sei das beste Flugzeug, das er je kennengelernt habe. Er erklärte: Der Motor funktionierte die ganze Zeit vorzüglich. Dos Flugzeug schwebte durch jede Sturmböe wie ein großer Vogel. Ich habe niemals eine Maschine gekannt, die der Kontrolle des Flugzeugführer- so gut g c - horchte und die alle Arten von atmosphärischen Veränderungen mit so geringen Störun­gen überstand.

Der Kampf um den persischen Golf.

Die .Unruhen auf der arabischen Halbinsel, namentlich der Vorstoß verschiedener nomadisie­render Stämme nach K o w c i t und damit in die Riederunaen Mesopotamiens hinein, haben die englische Regierung veranlaßt, im Persischen Golf einige Flottenstützpunkte anzulegen, um sofort mit LandungskorpS eingreifen zu können, wenn es notwendig werden sollte, die britischen Interessen im unteren Euphrat- und Tigrisgebiet zu schützen. Unmittelbar vor der Mündung dieser Ströme haben sie sich sestgesetzl. sie haben sich außerdem auf den Bahrein-Inseln nieder­gelassen und schließlich noch den Eingang zum Golf unter den Schuh ihrer Schiffsgeschühe gestellt, fo daß praktisch dieser Meeresbusen von den Engländern beherrscht wirb. Der Tehera­ner Regierung paßt es natürlich nicht, daß die Engländer den Persischen Golf zu einem bri­tischen Meer gemacht und damit den persisch, arabischen Verkehr über den Golf hinweg unter ißre Kontrolle gebracht, außerdem auch noch eine Reihe von Inseln besetzt haben, die sie al« per­sisches Eigentum ansieht. Der Streit um die Bahrein-Inseln geht schon seit geraumer Zeit er spitzt sich allmählich Immer mehr zu und hat nun dazu geführt, daß der persische Zinanz- miniftcr die Irakregierung aufgeforbert hat. ihre Beamte von der Insel Abadan zurück- zuziehen. Er hat sich weiter darüber beklagt, daß britische Kriegsschiffe die Hafenanlagen dieser Insel benutzen, ohne vorher ihren Besuch ii- Teheran anzumelben. Die Engländer werden sich über den Zorn der Perser nicht sonderlich auf regen, sondern zufrieden fein, daß es ih'rien gelungen ist, unter dem Vorwand, britische Inter- esseir gegen aufrührerische Araber schützen -,u müssen, auch den Persischen Golf in ihre Gewalt gebracht zu haben, den sie nicht mehr frei­geben werden.

Der Aniikn'egöpaki und die Mächte.

Frankreichs Gegenvorschsag.

Pa r k S, 19. April. (WTB.) Die Morgen, presse berichtet, baß Ministerpräsident P v i n ear 6 gestern abend Außenminister D r i a n d, ber von einer leichten Srffrp« befallen ist, einen Besuch abgestattet hat, um im heutigen Mi­nisterrat selbst den französischen Gegenentwurf des Antikriegspattes dorzulegen. Der fran­zösische Gegenentwurf ist dom Ministerrat gebilligt worden und noch im Laufe deS heutigen Tage- den diplomatischen Vertretern Frankreichs in Washington, London, Berlin, Rom und Lotto zur Aeberrelchung an die inter­essierten Regierungen übermittelt. Er besteht nach einer HadaSmeldung aus einer Präam­bel, die mit der deS amerikanischen Entwurfes ziemlich identisch ist, und aus fünf ober sechs Artikeln. In diese seien die bereits in ber Rote dom 29. März formulierten Vorbehalte aufgenommen worben. Der Vertrag werbe dem Recht auf Verteidigung keinen Abbruch tun. Wenn ihm eine Partei zuwider- handele, würben die anderen ihren Verpflich­tungen dieser Partei gegenüber entbunden fein. Das Inkrafttreten des Vertrages werbe nicht nur von ber Ratifizierung burch die sechs Großmächte abhangen, sondern auch von ber für notwendig erachteten Zustimmung einer ge­wissen Anzahl anderer Mächte, wie Polen, Tschcchoslowalei usw. Der Text des Entwurfs wird wahrscheinlich am SamStag veröffentlicht werden.

Keine internationale Konferenz.

Frankreich fürchtet eine Isolierung.

Paris, 19. April. (TU.) Der offiziöseExcel- sior" will wissen, baß bie französische Regierung die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Bergung des amer kanischen Kriegsverzichtpaktvrrfchl^grs für r: nange­bracht und unbequem halte. Eie sei bet Ansicht, baß sich eine Einigung viel schneller und leichter auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege durch Verhandlungen zwischen den Slaats- kanzlcien erzielen lassen würde. DasEcho de Paris" beschäftigt sich mit der Haltung der Regierungen von Berlin, London, Rom und

Tokio gegenüber dem amerikanischen Vorschlag unb sagt, Deutschland wolle unter allen Um­ständen verhindern, daß sich mehrereWächte gegen feine etwaigen Gewaltstreiche wenden konnten. Der Kelloggsche Vorschlag komme Deutschland daher gelegen. England, das stets bestrebt gewesen sei, die vorgesehenen wirt­schaftlichen und militärischen Vergeltungsmaß­nahmen zu beschränken, sei von dem Vor­schlag Kelloggs ebenfalls entzückt, da es den größten Zeil ber Kosten solcher Maßnahmen nicht zu tragen hatte und ber amerikanische Vor­schlag die Möglichkeit offen lasse, die Artikel 15 unb 19 des Genfer Paktes in ihrer Tragweite zu beschränken. Rur bie wahren Freunde von Locarno und Genf, so schließt bas Blatt, versetze der Vorschlag Kelloggs in Unruhe In ber Theorie stimmten Deutschland, England, Italien und Iapan wahrscheinlich mit Frank­reich überein. In der Praxis versuche jedoch jeder von diesen Staaten, die Lage für seine unmittelbaren politischen Inter­essen auszunuhen. Es bestehe deshalb bie Ge­fahr, baß Frankreich mit seinen Ansichten i n s H i n t e r t r e f fe h gerate.

Die Haltung Amerikas.

Kein Berständntö

für die fran-öfifchen Wünsche.

London, 19. April. (T. 11.) In Kreisen des amerikanischen Staatsdepartements bewahrt man gegenüber den mit den Großmächten im Gange befindlichen Verhandlungen zum Abschluß eines Kriegsverzichtsvertrages größte Zurück­haltung. Man neigt jedoch der Ansicht zu, daß ßie Länder den amerikanischen Vorschlägen weit näh er stehen, als der französischen 2llrf- fassung. Die verschiedenen auS Paris eingegan- genen Mitteilungen, wonach man dort mit ber Möglichkeit eines Abbruche- der gegenwär­tigen Verhandlungen mit Frankreich durch die amerikanische Regierung rechnet und annimmt, daß ber Vertrag nur auf Deutschlanb, England und Iapan beschränkt werde, werden als An­zeichen für eine gewisse Nervosität am Quai d'Orsay betrachtet. Die in ber in Vorbereitung befindlichen französischen Antwort an bie Mächte erwarteten Anregungen, den amerikanischen Vor­schlag über ben Kreis ber sechs Groß­mächte hinaus auszubehnen, finben in maßgebenden Washingtoner Kreisen keine Gegenliebe.

Führer und Geführte.

Heitere Bilder aus dem französischen Wahlkampf.

Von unserem R. Kr.-Sonderberichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Pari-, April 1928.

Es geht um das Schicksal der Ratton, viel­leicht um die nächste Entwicklung Europas. In­folgedessen verspricht ein ehemaliger Sprachlehrer der au- Saloniki flüchten mußte und jetzt in einem Asyl lebt, in öffentlicher Kundmachung, er werde, für den Fall seiner Wahl, den Herren Wäh­lern jährlich 4 0 0 0 0 Frank von seinen Diäten zur Verfügung stellen. Vielleicht sogar 50 000, unb mit dieser Summe, die genau und gerecht aufgeteilt werden soll, kann der sehr geehrte Herr Wähler seine Frau durch kleine Geschenke erfreuen, hie und da einen Sonntags­ausslug machen und überhaupt schwelgen, wie es ihm beliebt. In einem Wahlbezirk der Pariser Vorstadt kann man handgeschriebene Zettel mit dieser verheißungsvollen Ankündigung an allen Straßenecken lesen.

Ein anderer Kandidat, ein ehrsamer Haarkünst­ler, aber einer, der immerhin auf ben Vornamen Brutus hort, hat eineLiga zur Belebung des französischen Imperialismus" gegründet, die teils der Wiederaufrichtung der alten lateinischen Weltmacht, teils der Bekämpfung des Bubikopfes, dieses Teuselswerles. an dem die Moral der Ration und das Geschäft ber Damencoif eure zugrunde gehen, dienen soll. Ein anderer Moralist, der noch dazu jahrelang Stadt­rat von Paris war. fuhrt seine Wahlkampagne unter der Devise:Krieg dem Eintänzer!" Der wichtigste volkswirtscha't'iche Gesichtspunkt, auf den er feine zukünftige Parlamentäri'che Tätig­keit einstellen will, ist ber: Frankreich hat Kolo­nien, kann ihre Schätze aber nicht erploitieren. weil es dazu an Menschen sehlt. So folten alle arbeitsfähigen jungen Leute, die sich heute zu Zehntausenden, vielleicht zu Hunderttausenden. In den Rachtlokalen von Paris herumtreiben, na­mentlich aber die Eintänzer und bie Gigo'oS aller Arten, zur Zwangsarbeit in die Ko­lonien deportiert werden. Ist das Pro­jekt durchgeführt, so ist das Passivum der Han­dels- und Zahlungsbilanz endgültig beseitigt, bie Stabilisierung der Währung gesichert und das Vaterland zum unwiderruflich letztenmal ge­rettet! Man muß dem Herrn ©tablrat zuge­stehen, daß er feinen Kampf mit außerordent­licher Zähigkeit führt. Täglich veröffentlicht er neue Eingaben, die er in dieser Sache an das Polizeipräsidium gemacht hat. Run hat er sich sogar die Unterstützung des großmächtigen Par- fümerienfabrifanten und, fett neuestem. Zei- tungskönigS Coth für fein Projekt ge­sichert. Monsieur Toty, der dem überdimen'ionalen Betrieb der Pariser Rachttokale immerhin einen erheblichen Teil seiner Millionen verdantt. kämpft wacker Schulter an Schulter mit dem biederen ©tablrat für beren Entvölkerung, was ehrenvoll ist und mit Rücksicht auf bie Unburdjfüßrbarfeit des Projektes kaum Verluste bringen wird.

Andere volkswirtschaftliche Projekte, zu deren Durchführung sich neu auf tauchende Sterne am politischen Himmel bestens empfohlen halten, sind z. D. der Plan eine- ingeniösen Hirns, der alle Boulevards von Paris mit einer doppel­ten Allee von Ob st bäumen bepflan­zen mochte. Vom Ertrag dieser Obsternte, ver­sichert er. wird die ganze Stadt herrlich unb in Freuden (eben können. Ein anderer, ber ent­schlossen ist, Im Palais Bourbon die schlanke Linie und die Kalorieenlehre zu verteidigen, fordert die Erhebung einer neuen ©teuer auf sämtliche Speise n, einerlei ob sie im Geschäft gekauft ober im Restaurant serviert werden, unb zwar gestaffelt nach ihrem Kaloriengehalt. Auf diese Weife würde es möglich fein, olle anderen Steuern zu

beseitigen. Die einzige gerechte Bemefsungsgrund- tage wäre gcaeben: Wer viel ißt, soll viel zahlen!

Himmelhoch erhaben über so profane Dinge ist ein, wie er selbst versichert, verkannter, aber außerordentlich erfolgreicher Dichter, der seine Kandidatur auf dem Montparnasse ausgestellt hat. Versammlungen, Handzettel und Plakate lehnt er grundsätzlich ab. Er steht, wie sein llassischer Kollege, aus dem Standpunkt: odi pro- fanum vulgus et arceo... Was ihn aber nicht hindert, jeden Passanten anzusprechen, der am Wahllokal vorbeikommt, wo ber Poet den ganzen Tag und die halbe Rächt aushält für geistige Arbeiter gibt es eben keinen Achtstundentag und ihm sein transzendentales Programm um­ständlich und schwungvoll auseinanderfetzt.

Da- sind einige von den 526 Edelsten der Nation, die ihre Kandidatur für ben Wahlkreis Seine also für Paris offiziell angemeldet haben. Ein paar Führergestalten. Wie aber sind die Geführten?

Es gibt nur einen Ausdruck: amüf iert. Seit einigen Tagen sind bie Wählerversammlun­gen bas ancrbeliebteftc Spektakel. Spektakel muß natürlich sein. Es heißt ja: kontradiktorischer Abend. Und jeder Wahlwerber weiß, daß seine gesamte Konkurrenz sich in seiner Versammlung einsinden wird. Die Herren nehmen sogar in der Wahl des Datums dieser Versammlungen Rück- sicht aufeinander. Damit nur ja keiner zu kurz kommt. So lob' ich mir den Parlamentarismus!

Einen einzigen Redner gibt es allerdings in Paris, der niemals ä u Worte kommt, ilnb dabei vielleicht der beste Redner der Stadt ist und zweifellos einer ihrer bedeutendsten Köpfe: Leon Blum, der unumschränkte Herr und Gebieter der Sozialisten. Sein Gegen­kandidat im 20. Pariser Arrondissement ist ein Kommunist, der wegen Hochverrats ein paar 3aßre abzusitzen hat bis ihn seine Wahl be­freien wird. Die Kommunisten haben nun die liebenswürdige Taktik gewählt, jede Pariser Ver­sammlung, in der Leon Blum al- Redner an» gefünbigt ist, dadurch zu bereitem, daß ihre An­hänger eine Stunde vor dem o ftziellen Anfang Amnestie! Amnestie!" zu brüt en beginnen und nicht eher müde werben, a.s bis der gehaßte sozialistische Konkurrent den Saal verläßt. Begreiflich, daß da- kommunistische Organ darum täglichkräftig gebaute Genossen ohne Lungenfpihenkatarrh für politische Zwecke" sucht. Weniger begreiflich, aber Tat­sache, baß der ganze Saal, in dem die Kommu­nisten krakehten, Immer wieder und toiefrer be­geistert m i 11 u t obwohl sehr viele unter den Zuhörern geaichte sozialistische Parteigänger sind. Die Lust am Klamauk geht eben über alle Parteitreue. Und schließlich muß man in einem Land, in dem sogar Poincarö sich als Stühe der Linken deklariert, schon anstandshalber beweisen, daß man noch weiter links steht, al- der Rachbar, dessen Doll-seele gerade inS Kochen ge­kommen ist.

In den Versammlungen der Rechten geht es, zumindest am Anfang, wesentlich gesitteter äu. DaS Hauptlontingent des Publikums stellen hier die jungen Herren von derIeunesse P a t r t o t i q u e", die mit ihrer In den schwung­voll gefbreliten ' ingern glimmenden Zigarette, ißrem BambuSstcckcyen und ihrer kleinen Freun­din zur Seite sehr malerisch und, wenn der Red­ner gerade beim Kapllel Bürgerpflichten ist, ebenso todesmutig dreinsehen. Sie halten durch unb tun, als wären sie wirllich bei der Dache, biS enblich ein gegnerischer Zwischenruf die er­wünschte Gelegenheit gibt, da« DambuSstöckchen

in der nervigen Rechten in Bewegung und sich selber vor der erschauernden Freundin in Szene zu sehen. Abend für Abend gibt es in diesen Versammlungen Prügeleien von denen man in der Oeffcntlichkeit freilich schon lange keine Rott- mehr nimmt, well die Sache nicht ganz so tragisch ist und erfahrungsgemäß ein einziger Polizeimann genügt, um dreihundert Morituri" zur Raison zu bringen.

Die zugleich beliebtesten und bewegte­sten Versammlungen sind aber die. wo es über­haupt nicht um politische Gegensätze, sondern lediglich um persönliche Eifersüchte­leien geht. Wie die Dinge in Frankreich heute liegen, stehen ja nicht verschiedene Parteien ein­ander gegenüber, sondern ein einheitlicher Bürger block gegen eine einheitliche Opposition. Infolgedessen tanbibieren in den verschiedenen Wahlbezirken nicht zwei Kandi­daten gegeneinander, sondern zwanzig. Unb jeder von ihnen hat denwahren Ring". Der andere aber, der ist günstigenfalls ein Einschleicher in die Parteien, ein heimlicher Feind t«e. Repu­blik denn diese Republik, die oanz unb gari nicht in Gefahr ist, wird im Wahiz»mpf mehr strapaziert als irgendein anderer Schlager dazu natürlich ein Korruptionist, Verleumder, Anstifter von Diebstählen und Einbruch-Ver­suchen. Zumindest! Wenn sehr ehrenwerte Herren, Geschäftsleute. Parteifekretäre, Schrift­steller und vor allem Advokaten, be in unglaublichen Mengen unter ben Kandidaten erscheinen so voneinander unb zueinanber reden, dürfen ihre Anhänger unb Freunde natürlich nicht zuruckbleiben. In den Versammlungen über­schütten sie den (Segenfunbibaten mit einem Voka­bular von phantastischem Reichtum, in dem sämt- l che Ausbrücke aus dem Verbrecher-Iargon, sämtliche Bezeichnung n für die Insassen unb die Produkte des V ehstalles. alle erdenklichen Kom­binationen auS Zoologie ~nb Botanik Auf­erstehung feiern. Minutenlang kann man hören, wie ein überfüllter Saal nichts anderes durch- einanberschreit al- ben Ausdruck, ber in Deutsch­land unteren Götz, in Frankreich den braven General Cambronne unsterblich gemacht hat. Den Höhepunkt ber Polemik erreichte jedenfalls ein toelßbärtigcr Mann, den ich "ostern ben Gegner seine- Kanbibaten folgert ermaßen habe apo­strophieren hören:Ein Verv'.echer bist bu, ein Schurke, ein Zuchthäusler. Ich kenne dich sehr gut! Unb mit Stentorstimme wieberholte ec immer wieder unb wieder:Sehr gut kenne ich dich! Ich bin selber vierzehn Iahre lang im Zuchthaus gesessen l" Im übrigen sind sie aber nicht böse aufeinander. Parlamentarismus.

Das Tafelsüber zweier deutscher Kreuzer.

Reuters Bureau meldet aus Sydney: Das Tafelsilber der OssizierSmessen ber deutschen KreuzerScharnhorst" undLeipzig", die im Iahre 1915 bei ben Faltla idsinseln (an.en, wird der deutschen Regierung durch brn hiesigen Generalkonsul als ein besonderer A.t des Ent- aegenkommenS von dem australischen Siaatnr- bunb zurückgegeben werden. Wir daS Tasel- silber nach Sydney gelangte, ist bisher noch ein Geheimnis. Man nimmt an. baß die Deutsch, n eS auS Sicherheitsgrünben auf den Karo­linen hinterließen unb baß es bann nach ber japanischen Besetzung der Insel seinen Wcg nach Sydney fand. Dort wurde es einige Iahre später in einem Gaben entdeckt un) von ber Zollbehörde beschlagnahmt.

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Wettervoraussage.

Das Isländische Hochdruckgebiet hat sich weiter ostwärts nach Skandinavien hin ausaebredet unb feine Äaftluftmaffen füllen das mit seinem Stern« gebiet über Dänemark liegende lief weiter auf. Somit dürfte auch der Storungseinsluß weiter ad- nehmen und die Wetterlage einer Beruhigung ent« gegengehen Wenn auch tagsüber eine langsame Erwärmung einsetzt, so gehen doch nachts die Tem­peraturen in Qefiicrpunttnäße und stellenweise so­gar noch darunter zurück.

Wettervoraussage für Samstag: Etwas ruhiger, teils wolkiges, teils aufheiterndes Wetter, tagsüber wärmer, nachts jedoch Tempera­turen um Null, meist trocken.

WitterungsaussichtensürSonntag: Zeitweise bewölkt, vorwiegend trocken und weitere Erwärmung wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 19. April: mittags 5,7 Grad Celsius, abends 33 Grad Celsius: am 20. April: morgen# 3 Grad Celsius. Maximum 7,8 Grad del» sius, Minimum 03 Grad Celsius Erdtempera­turen in 10 Zentimeter liefe am 19. April: abends 7,8 (Brab Celsius: am 20. April: morgen» 4,8 Grad Celsius. Niederschlage 1,8 Millimeter. Sonnen« fcheindauer sechs Stunden.