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6. Die Reichsregierung ist umgehend zu er­suchen, sofort alle zoll- und handels­politischen Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, die Rentabilität der Land­wirtschaft wieder herzustellen.

Wir ersuchen den Landtag binnen kürzester Frist zur Beratung vorstehenden Antrages ein - zuberufen.

Das Kriegsschädenschlußgeseh.

Berlin, 19. März. (VDZ.) Der Entschädi- gungsausschuh des Reichstags stellte am Mon­tagabend seinen Bericht über das Kriegsschäden- schlußgesetz fest. Er nahm dazu zwei Entschlie­ßungen an. 3n der einen wird die Reichsregie- rung ersucht, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um bei der Sndregelung der Re- parationsverpflichtungen Deutschlands eine besondere Berücksichtigung der Lasten Deutschlands aus Artikel 297 des Versailler Vertrages zu erzielen, die es gestattet, der Be­stimmung des Art. 297 gegenüber den Geschä­digten in weiterem Umfange Genüge zu

tun. Art. 297 bestimmt, daß Deutschland die Reichsangehörigen zu entschädigen habe, die durch Maßnahmen der Entente in ihrem Ver­mögen Einbuße erlitten haben. Die zweite Ent­schließung ersucht die Reichsregierung um bald­möglichste Prüfung, wann und in welchem Umfange die für die Ausgleichsgläu- b i g e r im § 1 des Reichsentlastungsgesetzes vor­gesehene Regelung getroffen werden kann. Diese Bestimmung verlangt, daß eineangemes­sene" Entschädigung gezahlt wird.

Oie Geschäfte des Kapitäns Lohmann.

Berlin, 20. Mär;. (2BIB. Funkspruch.) 3m verlaufe der Phöbus - Untersuchungen hat sich, wie dieDAZ" meldet, ergeben, daß Kapitän Loh­mann auch die deutschen Transozean- Flugversuchefinanzierlhat. Das Blatt er­fährt dazu, daß man im Reichsoerkehrsministerium diesen Experimenten mit großer Skepsis und Besorgnis gegenübersland.

Gteuerdebatte im Reichstag.

Reichsfinanzminister Dr. Köhler zu den Landbundkundgebungen.

Berlin, 19. März. (VDZ.) Vor Eintritt in die Tagesordnung werden AusschubeTUschließun- gen, die die Uebernahme der durch die Be- setzungsvcrhältnisse den Gemeinden entstandenen Polizeikosten auf bas Reich verlangen i n) Hes­sen einen Reichszuschub zum Rhein­brückenbau in Mainz gewähren wollen, angenommen. Darauf wird die zweite Lesung des Haushalts fortgesetzt beim Kriegslasten­etat.

Abg. Schneider-Dresden (D. D.) bedauert, daß unsere Tributlasten immer noch nicht endgültig festgesetzt sind. Die Erwartung, daß die Transferschwierigkeilen zu einer baldigen Revision des Dawesplanes füh­ren werde, sei leider nicht erfüllt worden. Mit aller Schärfe müsse protestiert werden gegen die Zumutung, die phantastische Summe des Lon­doner Ultimatums von 132 Milliarden als End­summe anzuerkennen. Zu fordern sei die Fest­setzung einer Endsumme, die weit unter 40 Milliarden liegt.

Abg. Dr. Dernburg (Dem.) weist auf die erschreckende Höhe des Kriegslastenetats hin. Angesichts dieser Zahlen sei es nicht zu recht- fertigen, daß ein Reichsetat vorgelegt wird, der eineProsperität derdeutschenWirt- schäft vortäuscht, die tatsächlich nicht vorhanden sei. Wenn wir eine Revision des Dawesplones wollen, dann müssen wir bei uns selbst anfangen und ein Ende machen mit der demagogischen Finanzpolitik, die heute bei uns getrieben wird. Wer sich als reich hin­stellt, wird natürlich geschröpft. Wir Demokraten halten diese Art Finanzpolitik für verwerflich. Wir können diese Finanzpolitik nicht mitmachen und nicht decken.

Abg. Dr. Reichert (Dn.) fragt, bis zu wel­chem Stadium die früher eingeleitete Aussprache des Reichsfinanzministers mit dem Reparations- agenten gediehen sei, und wie es mit der End­summe stehe. Es müsse auch gefragt werden, wie es mit der Freigabe des im Ausland beschlag­nahmten deutscher Eigentums steht. Dem Abg. Dernburg fei zuzustimmen in der Kritik daran, daß wir durch die nur durch Ausland­anleihen ermöglichten Zahlungen uns als reicher hinstellen als wir wirklich sind. Bei einer Revision des Dawes­planes müsse auch die Verbilligung der Eisen- bahnfrachten ermöglicht werden, die jetzt all­gemein am DaweSplan geübte Kritik sei von Anfang an von Deutschnationalen geübt worden. (Rufe: Halb und Halb.) Seien Sie froh, daß wir Ihnen damals aus der Klemme herau, ge­holfen haben. (Heiterkeit.) Di: D utschnationalen müssen jede Verantwortung für die Gestaltung des Dawesplaneä ablehnen.

Abg. Dr. B r e d t (*28. Vgg.) meint. eS sei sehr einfach, sich jetzt gegen den Dawesplan zu er­klären: seine Annahme wäre ohne die Zustim­mung der Deutschnationalen nicht möglich ge­wesen. Gerade die deutschnational beeinflußten Regierungen hätten die Etats so aufgebläht, daß die Wirkung eine Steigerung der Daweszahlun- gen war.

Damit schließt die Aussprache. Der Kriegs­lastenetat wird angenommen.

Es folgt

die zweite Beratung des Haushalts des Reichsfinanzministeriums.

Abg. Meier- Baden (Sog.) erklärt, die ganze Steuergesetzgebung der letzten Zeit sei mit unsozia- km Geist erfüllt. Die Hauptlast werde von den wirt- schastlick Schwächsten getragen. Vom Landbund werde oewußte Steuersabotage getrieben In den Demonstrationsversammlungen des Landbundes werde bei der Schilderung der steuerlichen Belastung der Landwirte die Wahrheit auf den Kopf gestellt. Der Redner verlangt die Offenlegung der S t e u e r l i st c n. Nur so könne der Zustand auf­hören, daß für den Hektar der badische Kleinbauer 145 Mi., der ostelbische Großgrundbesitzer nur 17 Mk. Steuer bezahlt.

Abg. Dr. Cremer (D. Dv.) weist darauf hin, daß die haupteinnahmen des Reiches nicht aus den direkten Steuern, sondern aus den Zöllen und Verbrauchsabgaben stammen. Damit sei aber nicht gesagt, daß die breiten Masten auf diese Weise mehr belastet seien. Die Reform des Spiri­tusmonopols sei leider noch nicht gelungen. Bei den Besitz- und Berkehrssteuern sei teilweise eine Ueberlastung der Stcuerkraft zu ver­zeichnen. Die Lohnsteuer sollte auf eine andere Basis gestellt werden. Es zeige sich die Tendenz einer wei­teren Erhöhung der Real steuern: die Zuweisungen an die Länder seien gestiegen, aber bei den Ländern werde das Lied angestimmt: Je mehr er hat, je mehr er will! Die geräuschvollen Land- bunddemonstrationeii, bei denen oft mit unwahren demagogischen Behauptungen gearbeitet werde, mach­ten oft den Eindruck, als hätten die Führer ein Ver­gnügen daran, die Volksseele zum Kochen zu brin­gen. Aus solchen bedauerlichen Ausschreitungen dürfe man aber nicht Schlüsse auf di« Einstellung der ge­samten Bauernschaft ziehen. Der Redner verlangt schließlich eine bessere Besoldung-regelung für die Beamtenschaft.

Aba. Dietrich- Baden (Sem.) verlangt eine Herabsetzung der Kosten des Finanzministeriums und eine Verminderung seines großen Verwaltungsapparats im Interesse der Steuerzahler. Die Durchführung des Dewer-

tungsgesetzes sei ganz besonders umständlich und kostspielig. Der Bewertungsbeirat mache große Karawanenreisen und nehme dabei eine Flasche Salzsäure mit, um die Kalkhaltigkeit des Bodens zu prüfen (Heiterkeit). Die kleinen Dauern müß­ten heute weit höhere Steuern zahlen, als die Großgrundbesitzer. Die schwankende Hal­tung des Retchsfinanzministers in der Beurtei­lung der Finanzlage des Reiches je nach den politischen Bedürfnissen der Regierung sei be­fremdlich. Der Redner verlangt eine Vereinheit­lichung des Steuerwesens in Reich und Ländern.

Abg. Dr. Brüning (Zentr.) erklärt: Bei der Lohnsteuer sei die Grenze der Verein­fachung durch die soziale Gerechtigkeit gezogen, die die Erstattung der zu viel erhobenen Steuer verlangt. Bei der Landwirtschaft werde sich das jetzige System der Besteuerung nicht dauernd aufrechterhalten lassen. Jetzt werde eine wirkliche Einkommensteuer eigentlich nur bei den buchführenöen Landwirten berechnet mit dem Erfolg, daß die großen Landwirte weit besser abschneiden als die Kleinbauern, bei denen das Einkommen geschätzt wird. So entstehe infolge der verschiedenartigen Behandlung der Betriebe eine unberechtigte Erregung gegen die Finanz­ämter bei den Bauern. Vor der Erledigung des endgültigen Finanzausgleichs könnten aber keine Resormversuche gemacht werden. Die Buch- und Betriebsprüfung müsse beibehalten wer­den, aber sie sollte sich im wesentlichen auf die großen Betriebe beschränken. Die Gehälter der im Buch- und Detriebsprüfungsdienst stehenden Beamten müßten wesentlich aufgebessert werden.

Abg. ©er e f e (Dn.) beklagt die steuerliche Belastung der Landwirtschaft, die besonders unter dem Druck der Realsteuern leide. Die Reichssteuern allein würden nicht so drückend sein. Beim Finanzausgleich seien alle guten Ab­sichten des Reichsfinanzministeriums durch die Praxis der preußischen Finanzverwaltung ins Gegenteil verkehrt worden. Von einer Senkung der Realsteuern sei ebenfalls nichts zu spüren. Die Kundgebungen der Bauernschaft im ganzen Reiche seien keineswegs künstlich aus­gezogen. Die Führer hätten vielmehr alle Mühe, die erregten Bauern von unbedachten Schritten zurückzuhalten. Mit Polizeimaßnahmen könne man diese Demonstrationen nicht unterdrücken, sondern nur durch Behebung der Rot. Der Vorwurf der Steuerdrückebergerei gegen den Großgrundbesitz sei ganz unberechtigt. Rur durch die Wiederherstellung der Renta­bilität könne die Landwirtschaft befähigt werden, angemessene Steuern und angemessene Löhne zu zahlen. Die Landwirtschaft wende sich nur dagegen, daß ihr die Steuern aus der Substanz abgepreßt werden. Das habe ja auch der Minister nicht gewollt.

Reichsfinanzminister Or. Köhler:

Wir sind uns darüber klar, daß bei der Lohnsteuer eine Aenderung notwendig ist. Wir werden unS in nächster Zeit auch ausfpre- chen müssen über die Frage von Zollsenkun­gen und über Fragen der Besitz - und Ver­kehrs st euer n. Die Tätigkeit der Reichssteuer­beamten ist mit Recht anerkannt worden. Wir arbeiten an der Vereinfachung des Apparates. Die Aufhebung einer großen Zahl Finanzämter steht bevor, auch die Landes­finanzämter sollen verringert werden. Die Buch- und Betriebsprüfung hat sich gut entwickelt. 1927 ist es uns dadurch gelungen, die internatio­nale Verschachtelung vieler Be­triebe aufzudecken zum Ruhen der Einnahmen des Reiches. Wir wollen keineswegs die Prüfer in alle möglichen Kleinbetriebe schicken. Ich ver­übele es keinem Berufsstand, wenn er in seiner Rot Demonstrationsversammlungen veranstaltet: aber unter gar keinen Umständen kann die Re­gierung das dulden, was in den letzten Tagen da und dort vorgekommen ist. Vorgänge, wie sie in P y r ih vorgekommen sind, dürfen sich in einem Rechtsstaat nicht wiederholen. (Bei­fall.)

Die Regierung wird ihre Pflicht tun ohne Ansehen der Person, des Standes und der Organisation. Sie wird diese Pflicht mit der Festigkeit tun. auf die das Volk einen An­spruch hat. weil hier in erster Linie die Autori­tät des Staates angegriffen worden ist. In Pyritz handelt es sich um außerordentlich schwere Verstöße, und es tut mir leid, daß nun die armen, irregeleiteten Menschen vor dem Strafrichter Dinge zu büßen haben, in die sie ich weiß nicht, durch wen hineinge­hetzt worden sind. Ich kann nur dringend warnen vor solchen Aeuherungen, wie sie zu dem Vorsteher eines Finanzamtes gemacht wur­den und die dahin gingen, man solle von Zwangsmaßnahmen Abstand nehmen, weil die Landwirte andernfalls für das Leben der Doll- zugsbeamten nicht einstehen könnten. Ich mutz dringend fordern, daß derartige wilde Redens­arten unterbleiben. Ich habe die drin­gende Bitte an die Führer der Organisation zu richten, die Zügel ja nicht aus der Hand zu geben, sondern m ä tz i g e n d und beruhigend auf die Mitglieder einzuwirken. Die Regierung ist bereit, den vorhandenen Rotständen Rechnung zu tragen und von Amts wegen Steuer-

stundungen und Rachlässe zu gewahren, aber diese wilde Iustiz die kann es nicht geben. Es kann auch nicht geduldet werden, daß in Bausch und Dogen in einem ganzen Bezirk alle Landwirte auf einmal erklären: Wir zahlen ittcht mehr! (Zuruf rechts: »Wir sind alle zah­lungsunfähig!"). Damit kommt man nicht aus, wir müssen mindestens die Ausnahmen fest­stellen. Ich bin verpflichtet, meine Beamten zu schützen und wir werden alles dazu tun. Es geht nicht an. daß meine Beamten in verschiedenen Landesteilen nur noch unter Bedrohung arbeiten können. (Beifall.)

Abg. Dorsch (Christl.-Rat. B. P.) beklagt vor allem die Vielheit der Steuern in der Landwirt­schaft. Reben der Steuersenkung sei die Steuer­vereinfachung notwendig.

Abg. Borrmann (W.V.) führt Beschwerde über die Art, in der selbst bei den kleinsten Ge­werbetreibenden Büch:rrevi,io.ien vorgenommen werden wegen lächerlich geringer Objekte. Das Vorgehen der Finanzb.amten g gen die kleinen

Gewerbetreibenden rufe große Erbitterung her« vor.

Der Haushalt wird mit der Ausschußentschlle- ßung angenommen. Vizepräsident Esser kommt zurück auf einen vom nationalsozialistischen Abg. Dr. Feder verlesenen Brief, in dem ein Petent gegen den Präsidenten Löbe den Vorwurf er­hebt, er habe eine Petition nicht weiter- gegeben und eine Drucksache nicht verteilen lassen. Hierzu stellt Vizepräsident Esser fest, daß an diesen Beschuldigungen kein wahres Wort sei. (Rufe links: Echt völlisch!) Präsident Löbe: Ich habe an Herrn Dr. Feder die Frage zu richten, ob er nach dieser Aufklärung nicht von der Rednertribüne aus seine Beschuldigung zurücknehmen will. Abg. Dr. Feder (R. S.): Ich habe lediglich den Brief verlesen, nachdem die Aufklärung gegeben ist, bitte schön, ist die Sache erledigt. (Stürmische Rufe links: Lump, Schwindler, Verleumder, elender Feig­ling!) Dienstag: Reben kleineren Vorlagen das Kriegsschädenschlußgeseh.

Das landwirtschaftliche Aotprogramm.

Eine Denkschrift des Reichsernährungsministers bezweckt einheitliche Grundsätze für die Reichshilfe.

Berlin, 20. März. (Priv.-Tel.) Rachdem der Reichsrat den Ergänzungsetat verabschiedet hat, hat nunmehr der Reichsernährungsminister den Mitgliedern des Haushaltsausschusfes des Reichstages als Unterlage für die bevorstehenden Beratungen eine Denkschrift zugehen lassen, die sich auf die finanziellen Anforderun­gen bezieht, die in Ausführung des landwirt­schaftlichen Rotprogramms im Ergänzungsetat enthalten sind. In der Denkschrift wird darauf hingewiesen, daß die Rot in der deutschen Land­wirtschaft mit den angeforderten Mitteln nur dann fühlbar gelindert werden könne, wenn diese nach einheitlichen Gesichts­punkten verwendet werden. Es gelte vor allem, die aufbauenden Kräfte der Selbst­hilfe in der Landwirtschaft dem Gesamtpläne nutzbar zu machen. Als ein wesentlicher Grund der landwirtschaftlichen Röte wird die Un­ausgeglichenheit zwischen der landwirt­schaftlichen Gütererzeuaung und den Be­dürfnissen des Verbrauchs bezeichnet, die in zeitweilige Absatzschwierigkeiten für nahezu sämtliche landwirtschaftlichen Produkte ihren Ausdruck findet. Es sei daher die wesent­lichste Aufgabe, einen geeigneten Ausgleich zwischen dem stark schwankenden Angebot und den Anforderungen des Verbrauchs herbei- zuführen. Vermeidung starker Preisschwankungen, Minderung der Spanne zwischen Er­zeuger- und Verbraucherpreisen so­wie Standardisierung der landwirtschaftlichen Produkte sei anzustreben. Weiter soll durch Rationalisierung des Genossen­schaftswesens im Sinne einer weitgehenden Vereinheitlichung und Vereinfachung der orga­nisch« Aufbau der Selbsthilfeorganisationen der Landwirtschaft gefördert werden. Am Schluß wird aus den Zusammenhang des gesamten Problem- mit der Aenderung des Gesetzes über die Rentenbankkreditanstalt hingewie­sen. Es wird hervorgehoben, daß die gesamten Hllfsmaßnahmen nur dann erfolgreich durch- gesührt werben können, wenn es gelingt, die Finanzierung der Abs atzorganisa- t i o n e n dadurch zu erreichen, bah die deutsche Rentenbankkreditanstalt in die Lage gebracht wird, in Geschäftsverkehr mit ihnen zu treten, was bisher nicht möglich ist.

Die Derschuldung der deutschen Landwirischast.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 20. März. Wir brachten kürzlich die Mitteilung, daß der Unterausschuß für die Land­wirtschaft innerhalb der deutschen Enquete- kommisfion einen Sonderbericht über die Lage der Verschuldung der deutschen Landwirtschaft auf Grund seiner Untersuchungen, die sich auf rund 1762 Betriebe der verschiedenen Größen und Klassen in verschiedenen Gegenden Deutschlands erstrecken, her­ausgebracht hat. Jetzt sieht sich der Unterausschuß gezwungen, infolge der irrtümlichen Auf­fassungen über diesen Bericht, der anscheinend m der Oeffentlichkeit als für die Lage der Land­wirtschaft allgemein maßgeblich aufgefaßt wor­den ist, darauf hinzuweisen, daß es sich dabei, wie das auch von uns nicht anders ausgewertet worden ist, nur um einen T e i l a u s s ch n i t t handelt. Man muß bedenken, daß 1762 Betriebe nur einen verschwindend kleinen Bruchteil der gesamten landwirtschaftlichen Betriebe in Deutsch­land, die auf vier bis fünf Millionen aeschätzt wer­den, ausmachen. Der Wert der Untersuchung liegt also mehr in den praktischen Folgerun­gen, die der Unterausschuß aus ihr gezogen hat. Dabei ist in erster Linie wesentlich, daß auch die Enquetekom-mission den Rentabilitätsge- danken in den Vordergrund jeder Sanierungs­aktion stellt und eine allgemeine Kreditaktton mit einem billigen Zinsfuß für abwegig hält.

Die Verteilung der Reichsmittel für die Landwirtschaft.

B e r l i n, 19. März. (VDZ.) Die Zentrumsfraktion des Reichstages verhandelte über die Kontrolle für dieDerteilungderReichsmittelfürdie Landwirtschaft. Der Einsetzung eines Aus­schusses für die Ueberwachung der Verteilung stehen insofern Schwierigkeiten entgegen, als dieser Ausschuß auch über die Auflösung des Reichstags hinaus in Wirksamkeit bleiben müßte, dann aber zu seiner Einsetzung eine Zweidrittelmehrheit des Reichstages erforderlich fein würde. Daher wurde nach einer anderen Möglichkeit gesucht, durch welche derselbe Zweck erreicht werden könnte, und es wurde daran gedacht, noch vor der Auflösung des Reichs­tags diese Frage zur Klärung zu bringen, vielleicht auf dem Wege von Richtlinien, die noch vor dem Auseinandergehen des Reichstags festzulegen wären.

Die Rentenbankkreditanstalt.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 20. März. Die Verhandlungen im Deichsrat, die auf Grund einer Denkschrift des Reichsernährungsministers Dr. Schiele über die

Reugestaltung der Rentenbank Kreditanstalt ge­führt werden, haben, wie man hört, noch z u keinem Ergebnis geführt. Die Län­der, vor allem Preußen und Bayern, aber auch Hessen, können sich immer noch nicht mit den Kompromihvorschlägen der Reichsregierung ein­verstanden erklären. Unter diesen Umftänöen wird das Lkmänderungsgesetz der Rentenbank Kredit­anstalt als eine gesonderte Vorlage den Beratungen über das eigenlliche Rotprogramm im Reichstag angehängt werden. Man hofft, viel­leicht sogar noch bis zu der üblichen Vollsitzung des Reichsrates am Donnerstag, sonst am kom­menden Samstag, die Beratungen über das Gesetz zu Ende führen zu können. Wie man hört, ist es vor allem die preußische Regierung, die aber in diesem Fall teilweise mit Bayern konform geht, die sich gegen den erweiterten Geschäfts­bereich der Rentenbank-Kreditanstalt nach wie vor heftig wehrt.

Ausdehnung der Gras« und Heidebrände.

Hamburg, 20. März. (WTB. Funkspruch.) Die Gras- und Heidebrände, die sich zunächst in der Hauptsache auf die Vororte Grohborstel, Riendorf und Langenhorn erstreckten, haben einen immer größeren Umfang angenommen. Auch am Montag ist die Feuer­wehr nicht zur Ruhe gekommen. Don allen Seiten wurden Gras- und Heidebrände gemel­det, die tellweise einen sehr großen Umfang anzunehmen drohten. In Kaltehofe ver­brannten 80 CCO Quadratmeter Schilf und Gras. Die Feuerwehr hatte mehrere Stunden ange­strengt mit der Riederkämpfung d:s Feuers zu tun. Am Montagabend gegen 6 Uhr entstand auch auf der Spreehafen-Insel beim kleinen Grasbrook ein Grasbrand. Eine be­sondere Gefahr bestand hier, daß bas Feuer auf die großen Lagerplätze in der Rähe Übergriff. Rach mehrstündiger angestreng­ter Arbeit der Feuerwehr gelang es. das Feuer niederzukämpfen, so daß die Gefahr eine- Liebergreifens des Feuers auf die Lagerplätze verhindert werden konnte.

Die Wetterlage.

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Noch immer Höll der Einfluß des ösllichen Hochs mit seiner ausströmenden kontinentalen Lust an, so daß die westliche Tiesdruckstörung zunächst noch kei­nen durchgreifenden Einfluß auf unser« Wetterlage gewinnt.

Wettervoraussage für Mittwoch: Zeitweise etwas bewölkt, jedoch meist heiter, trocken, nachts Temperaturen um Null, vereinzelt etwas darunter.

Witterungsaussichten für Donners- t a g: Teils bewölkt, teils aufheiternd, Temperaturen nur wenig verändert.

Lufttemperaturen am 19. März: mittags 10 Grad Celsius, abends 2,3 Grad Celsius: am 20. März: morgens 0 Grad Celsius. Maximum 10,2 Grad Cel­sius, Minimum2,6 Grad Celsius. Erdtempera­turen in 10 Zentimeter Tiefe: am 19. März: abends 4,9 Grad Celsius: am 20. März: morgens 1,3 Grad Celsius. Sonnenscheindauer: 8% Stunden.