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Nr. 68 Erstes Matt

178. Jahrgang

Dienstag, 20. März 1028

Eriche,ni rügUch. autzki Sonntags md Feiertags

Beilagen.

Gtetzener ^amtltenblättei Heimat im Bild

Die Scholle

Monalr-rezvgrprels: 2 Reichsmark und 20 Reichspsenntg für Träger» lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanichlüsse:

51, 54 und 112

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Poßschccktonto:

Jtanttnrt am Main 11686.

GWnerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

druck vnd versag: vriihl'sche UniversitütS'vuch- und Steinfrruderet R. Lange in Gietzen. Schristlettung und Geschäftsstelle: §^nt»traße 7.

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Chefredakteur

Dr Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den An« zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in ©teften.

Die Türkei erscheint in Gens.

Deutschland stimmt im vorbereitenden Ausschuß den russischen Abrüstungsvorschlägen zu.

Genf, 19. März. (WD.) 3m vorbereitender Abrüstungsausschuß hat heute vormittag der tüt kische Außenminister, Tewftk Ruschdy Dey eine Erklärung zur Sicherheitsfrage abgegeben in der unter weitgehender Anerkennung des Schiedsverfahrens zur Beilegung internationaler Streitigkeiten dem Vergleichsverfahren der Vorzug gegeben wird. Zur Erreichung eines heute möglichen Sicherheitsmaximums empfahl der türkische Außenminister den Abschluß von Richtangriffspakten nach dem Muster der von der Türkei bereits mit verschiedenen Staaten abgeschlossenen Verträge, die bekannt­lich durch die Reutralitätsverpflich- tung erweitert sind. 3hre Wirksamkeit könnte dadurch noch erhöht werden, daß jede Verletzung eines solchen Vertrages im voraus als internationales Verbrechen erklärt würde. Die türkische Delegation hoffe, daß diese Ver­träge im Sicherheitsausschuh ebenfalls geprüft werden und behalte sich vor, später eine ergän­zende Denkschrift $u dieser Frage einzubringen. Rachdem der türltsche Außenminister noch mit­geteilt hatte, daß die Türkei auch künftig a n den Arbeiten des S i ch e r h e i t s k o m i - tees teilnehmen werde, trat der Ausschuß in

die Aussprache über die fowjelruffischen Vorschläge und den vor einem Monat vor­gelegten Entwurf einer Abrüstungskon-

v en ti o n

ein. Zn einer längeren Begründung dieser Vor­schläge hob Litwin off im wesentlichen folgendes beroör: Der russische Entwurf würde nach seinem Inkrafttreten bereits im ersten Fahre eine derartige Herabsetzung aller Streitkräfte zu Wasser, zu Lande und in der Luft bedeuten, daß damit oon Anfang an die Möglichkeit be­waffneter Konflikte selbst vor der Verwirk­lichung der vollkommenen Abrüstung beträcht­lich verringert wäre. Einzig und allein die Verwirklichung der allgemeinen, gleichzeitigen und vollständigen Abrüstung, wie sie von der sowjetrus­sischen Regierung vorgeschlagen wurde, könne eine befriedigende Lösung des Problems der allgemeinen Sicherheit und der Aufrechterhaltung des Friedens sicher gewährleisten. Die sowjetrussische Delegation erwarte eine Präliminarantwort, d. h. sie wolle wissen, ob der Vorbereitungsausschuß den Grundsatz der allgemeinen Abrüstung im Ver­laus von vier Jahren annehme, der schon nach Verlauf des ersten Jahres den Krieg immöglich machen würde. Diese Antwort dürfe nicht theoretisch fein, sondern müsse konkret und vollkommen klar aussallen.

2lls dritter und letzter Redner erklärte

Graf Bernstorff, es lasse sich nicht bestreiten, daß die russischen Vorschläge geeignet seien, den Arbeiten einen neuen Antrieb zu geben. Sie zeigen in voll­kommener Klarheit das Endziel, zu dem wir gelangen müssen. Wenn die russische Delegation z. B. die schrittweise Abrüstung Vor­schläge. so erscheine ihm daran besonders be­achtenswert, daß dieser Vorschlag die verschie­denen Etappen in der Abrüstung in eine ziemlich kurze Zeitspanne zusammen­fassen will. Ohne in eine Erörterung über die vorgesehene vierjährige Dauer einzutreten, halte er es doch für unerläßlich, daß diese Etappen so rasch als nur möglich auf­einanderfolgen.

Außerdem zeige der russische Vorschlag mit aller Klarheit das -bereits mit der ersten Etappe zu erreichende Ziel, nämlich die Ver­ringerung der Möglichkeit bewaffneter Konflikte. Die deutsche Delegation hat wiederholt erklärt, daß sie die erste Etappe nur dann als einen wirksamen Schritt zur Verwirklichung der Ab­rüstung betrachten kann, wenn diese Etavpe eine tatsächliche Herabsetzung derRüstun- gen darstellt und außerdem die Verpflichtung zu weiteren rasch aufeina'.dersolgmden Etappen bringt. 3ch bin mit dem russischen Vorschlag vollkommen einverstanden, der darauf abzielt, schon mit der ersten Etappe die mili­tärischen Faktoren auszuscha ten, die zu einein Angriff dienen können, und ich begrüße mit ganz besonderer Genugtuung den Umstand, daß da^ei auch die Kampfmittel, die gegen die Zivilbe­völkerung cmgewa dt werden können, einbezogen worden sind. Die russische Forderung auf mög­lichst baldige Einberufung der 2lb- rüstungskonferenz entspreche PoTDmmen der deutsc^n Auffassung. Das Ausmaß der ersten Abrüstungsetappe könne nur von der Konferenz selbst festgesetzt werden. Es sei daher nur logisch, wenn Litwinofs genau so wie er verlange, daß das Datum der Konferenz möglichst bald bestimmt werde.

Oie Arbeitslofiqkeii

in den Vereinigten Staaten.

Reu York, 19. März. (WD.) Coxey, der vor etwa einem Vierteljahrhundert an dec Spitze eines Heeres von Arbeitslosen von Reu- york nach Washington zog. hat jetzt an» gekündigt, daß er bald neuerlich ein anderes Heer von Arbeitslosen, das die fünf Millionen in den Vereinigten Staaten beschäfti­gungsloser Männer und Frauen vertrete, von

Reuyork nach Washington führen werde, um die Aufmerksamkeit der Behörden auf die Arbeits- osigleit zu lenken. Rach der Ansicht Coxehs er­gibt sich die Zahl von fünf Millio en Arbeits- .oser in Amerika aus der Tatsache, daß h ö ch - stens 2 5 Prozent der amerikanischen Fabriken voll beschäftigt seien. Rach einer Schätzung des Selretärs des Arbeitsamtes Davis bewegt sich die Zahl der Arbeitslosen gegenwärtig zwischen zwei bis vier Mil­lionen.

Maßlose Deutschenhetze in Rußland.

Die innerpolilischcn Gründe der Deutschcnvcrhafiungen.

K o w n o . 20. März. (TU) Die aus Moskau ge­meldet wird, soll dem Chefingenieur Goldstein der Patz für seine Ausreise ausgehändigt worden : sein. Wie weiter gemeldet wird, haben die übri­gen verhaftetenDeutschen vor dem Unter­suchungsrichter abermals ihre Unschuld betont

Eigener Drahtbericht des ..Gießener Süiaetgtrs*.

Berlin, 20. März. Die französische Kammer hat ihre Beratungen beendet und sich zur Vorbereitung deS Wahlkampfes aufgelöst. Eie hat aber in aller Eile noch vor ihrem AuS- einandergehen eine Pandorabüchse geöffnet, deren Wohlgerüche weit über Frankreich hinauS sich verbreiten müssen. Die Kammer hat einen Aus­schuß eingesetzt zur Prüfung der Staats­verträge über die Art, wie das ehe­malige feindliche Vermögen se­questriert worden war, wie insbesondere d i e Liquidation des deutschen Gruben- und Hüttenbesitzes in Lothringen ge­handhabt war. Herr Poincare hat begreifliche Hemmungen gehabt, den Bericht dieses Aus­schusses zu veröffentlichen, er hat sich dabei hinter außenpolitische Bedenken verschanzt. Es hat ihm aber doch nichts geholfen, der Bericht liegt jetzt vor und ist in dem, was er bietet, eigentlich ein einziger ungeheuerlicher Skandal. Er zeigt die Methoden, wie das deutsche Mgentum geradezu verschleudert worden ist, wie sich ganze Raubgesellschaften ge­bildet hatten, die durch Ausschaltung jeglicher Konkurrenz die wertvollen deutschen Besitztümer für ein Butterbrot zu erwerben ver­standen und selbst diese geringen Beträge nach­träglich noch herunterdrückten.

Davon nur ein Beispiel: Die lothringischen Gruben- und Hüttenwerke, die vor dem Kriege auf fast IV; Goldmilliarden geschäht wurden, haben nur einen Betrag von 180 Millionen Papierfranken eingebracht, die erst in zwanzig Jahren bezahlt und in den letzten fünf Jahren verzinst zu werden brauchen. Das wäre also in Prozenten umgerechnet nur ein Bruchteil von einem Fünfzigstel des wahren Wertes. Kann man da der Kammer Anrecht geben, wenn sie zu dem Ergebnis kommt, daß diese Art der Liquidation dieeinträglichste Plünderung!' fei. die jemals bekanntgeworren ist. Die Kammer schlägt auch vor, die schiedsrichter­lichen Entscheidungen aus dem Jahre 1924, die als Hauptgrundlage für die Liquidation galten, auf dem Rechtswege zu annullieren und eine strenge Kontrolle über alle diese Mani­pulationen einzurichten. Hoffentlich wirken sich diese Vorschläge irgendwie praktisch au5.

Die Zustände, die hier ausgedeckt wurden, sind tat­sächlich schlimmer, als die fürchterlichen Erfahrungen des Panama-Skandals. Wundern freilich kann sich darüber niemand. Der Versailler Vertrag ist nun einmal etwas durch und durch Unsittliches und verführt durch die Form, wie mit dem deutschen Vermögen umgesprungen wurde, geradezu zu Schie­bungen und Betrügereien. Schließlich haben ja a u ch dieAmerikaner ähnliche Erfahrungen gemacht. Auch sie haben eine Untersuchungskommission ein­setzen müssen, was uns aber nicht davor schützt, daß die paar hundert Millionen, die wir jetzt für den Er­lös des deutschen Eigentums zurückerhalten, nur ein Viertel oon dem bedeuten, was das deutsche Eigentum in Gold wert war. Aber verständlich wird durch diese neuesten Enthüllungen der französischen Kammer, daß die Schätzungen über das, was Deutschland aus dem Versailler Vertrag gezahlt hat. so weit auseinander gingen Die Reparations­kommission hat seinerzeit bis zum 1. September nur a ch t Milliarden berechnen wollen, mäh­rend Deutschland auf eine Summe von weit über zwanzig Milliarden kam und auch auslän­dische Sachverständige mehr als das Dreifache der Zahlen der Reparationskommission als das Mini­mum ansehen. Jetzt wissen wir. wo das Geld geblieben ist. Für die Festlegung der Endsumme der deutschen Schuld ist es immerhin

und jede Beteiligung an irgendwelchen Staatsver­brechen als unwahr bezeichnet. Trotzdem weigert sich die G. P. 1L, die verhafteten bis zum Beginn des Prozesses sreizulassen. Inzwischen hetzten die Gewerkschaftler rod ter. Tornfki und Losowski wandten sich in Ansprachen in der Sitzung der Gewerkschastsinternalionale nicht nur gegen d i e deutsche Regierung, sondern auch gegen die deutsche Oessentllchkelt. Tomski be­tonte die Rotwendigkeit, die Linmischungs- versuche der deutschen Regierung in inner­russische (!) Angelegenheiten energisch abzuweh - ren. Beide Redner verlangten strengste Be- strasung der Saboteure, welcher Ratio­nalität sie auch seien. Die Arbeiter in Leningrader Fabriken haben in Versammlungen Entschliehungen angenommen, in denen gldchsalls gegen die Ein­mischung Deutscher in irgendwelche innere Ange­legenheiten des Landes protestiert wird. Die Pu- tiloro - Werke verlangen oon der Sowjctregierung energische Abwehr der keine Grenzen kennenden deutschen Bourgeoisie". 3n einigen Werken wurde die T o d e s st c a s e für alle verhafteten gefordert.

nicht gleichgültig, wieviel schon aus uns berausge- preßt worden ist und deshalb hat die deutsche Politik alles Interesse daran, diesen Bericht des französi­schen Kammerausschusses auch der Reparationskom­mission nachdrücklichst zum Studium zu empfehlen.

Oie neue polnische

Grenzschuhverordnung.

SchwereGesährdungdcrdeutschcnAnsicdlcr

Berlin, 20. Marz. (Priv.-Tel.) Gegen die gestern im Polnischen Staalsanzeiger verössentlichte Rooelle zur Grenzschuhoerordnung, die bekanntlich eine Hauptrolle in den deutsch-polnischen Dirtschastsoerhandlungen spielt, nehmen die Ber­liner Blätter schars Stellung. In derGerma­nia" heißt es, datz die Reuocdnung eine äuhersi weitgehende Enttäuschung be­deute, die in keiner Weise einem Entgegenkommen, wie man es im Interesse der beiderseitigen wirt­schaftlichen Beziehungen erwarten konnte, entspreche. Artikel 9 der Grenzschnhverocdnung behalte seine ursprüngliche Fassung, womit die verschärfte Gefährdung für Liquidation von Grund st ücken in den Grenzzonen fortbe- fteht. Ferner bestehe noch immer die grundsätzliche Möglichkeit, selbst vorhandenen Grundbesitz in den Grenzzonen unter der Begründung, daß der Eigentümer im Staatsinteresse als lästiger Ausländer anzusehen ist, zwangsläufig zn enteignen. Durch die Reuregelung sei der reinen Willkür der administrativen Lokalbehörden, nämlich den zuständigen wojwoden, freie Auswirkung ge­geben. Das Blatt stellt schließlich den außerordent­lichen Ernst der Lage und die schwere Erschüt­terung der bisher gewonnenen Basis für die deutsch - polnischen Handelsvertragsverhandlungen fest. DieT ägl. Rundschau" bemerkt, daß man nach Veröffentlichung der neuen Verordnung in Berlin die Aussichten für eine Weiter- sührung dec Handelsvertragsoerhandlungen nicht mehr als günstig betrachte. Es werde jedenfalls schwer sein, jetzt noch eine Grundlage zu finden, aus der die Verhandlungen erfoigreich weiter­geführt werden können. DerL o k a tan­ze i g e r" spricht von polnischer Sabotage­politik und erklärt, es stehe außer Zweifel, daß die Verordnung als schwere Verletzung dec deutsch-polnischen Vereinbarungen aufgefaßt werden müsse. Das gelte besonders für Oberschlesien, da die neue Verordnung im krassen Widerspruch zur Genfer Konvention siehe. DasBert. Tage­blatt" führt aus: Es muß gerade von denjenigen, die seit Monaten wieder an der Verständigung ge­arbeitet haben, betont werden, daß etwaige Spekula­tionen der polnischen Regierung aus eine neue deutsche Regierung nach den Reichstags- wah'en in diesem Falle völlig müßig sind, zu­mal über die Grenzordnung sich alle Parteien in Deutschland einig sind.

Oie läge in Mitielchina.

London, 19. März. (W2.) 3m Unterhaus erklärte Chamberlain auf eine Anfrage, die Lage in Mittelchina sei noch immer sehr ungeklärt. Es beständen keine Anzeichen für eine ileberbrüdung der Kluft zwischen Hankau und Ranking. Ranking scheine

die Hoffnung aufgegeben zu haben, für seinen Feldzug gegen den Rorden die Unterstützung der Provinzen Hupeh und Hunan zu gewinnen. 3n Hupeh herrsche fast völlige Anarchie. Der neue Feldzug gegen Tschangtsolin hätte am 15. März beginnen sollen, doch warte anscheinend von den drei Verbündeten Tschangkaischek, gen* gyuhsiang und QJenffifdjan jeder darauf, daß Der andere den ersten Schlag führe. Rach einem soeben eingetroffenen Bericht sollen die Rvrdtruppen Fengyuhsiang eine empfindliche Riederlage beigebracht haben.

Die Revolte

aus derR«. -al OaF''.

Eine nichtssagende Erklärung Bridgemans.

London, 19. März. (WB.) Im Unterhaus gab heute der Erste Lord der Admiralität, Bridge­man, die von ihm in Aussicht gestellte Erklärung über den Zwischenfall auf derRoyal Daf" ab. Bridgeman lehnte es dabei aber ab, den Gegenstand I des Streites der drei Offiziere zu nennen und stellte im wesentlichen nur fest, daß am 10. März unmittel­bar vor dem Auslaufen der Flotte der Kapitän'und der Commander derRoyal Daf" dem Konter­admiral Collard eine schriftliche Erklärung übergaben, die sich auf verschiedene Mei­nungsverschiedenheiten zwischen dem Konteradmiral und den beiden Offizieren bezog. Bridgeman erwähnte dann den bekannten Kom­promißvorschlag des Oberbefehlshabers der Flotte, daß Konteradmiral Collard seine Flagge aus der .Resolution" hissen lasse. Aus persönlichen Gründen, die ihm durchaus zur Ehre gereichten, habe, so erklärte Bridge­man, der Konteradmiral es vorgezogen, das Schiss sofort zu verlassen. Wie verlautet, wird das kriegsgerichtliche Verfahren wegen des »Royal Oak"-Zwischenfalles in unge­fähr zehn Tagen an Bord eines Kriegsschiffes im Hafen von Gibraltar stattfinden.

Die Unabhängigkeit Aegyptens.

DaS Programm der neuen Regierung.

Kairo, 19. März. (WD.) 3n der Kammer gab Ministerpräsident Rahas Pascha die Re­gierungserklärung ab. in der es u. a. heißt: Die Regierung erkennt keine Tatsache und keinen Pakt an, der der völligen Unabhängig­keit Aegyptens widerspricht oder d i e Rechte des Sudan nicht achtet. Bezüglich der kürzlich geführten englisch-ägyptischen Be­sprechungen sprach Rahas Pascha sein Bedauern aus, daß man keine Grundlage für eine Einigung gesunden habe, doch sei die ägyp­tische Regierung sicher, daß sich bei gutem Willen eine Einigung finden lassen werde, welche d i e Unabhängigkeit Aegyptens und die Interessen Großbritanniens wahre. Schließlich versicherte Rahas Pascha, daß dieRechte der Ausländer in vollem Umfang geachtet wer­den würden. Im Anschluß hieran schlugen die Rationalisten eine Vertagung der Aussprache über die Regierungspolitik um acht Tage vor, doch bestand Rahas Pascha auf sofortiger Be­ratung. Darauf zogen die Rationalisten ihren Vertagungsantrag zurück. Die Kammer sprach schließlich der Regierung das Vertrauen aus.

Der Landbund beantragt Ein- bemsung des hessischen Landtags.

D a r m ft a ö t, 19. März. (Landespressedienst.) Der Hessische Landbund hat heute folgenden An­trag im hessischen Landtag eingebracht:

Die Rot der Landwirtschaft steigt mit jedem Tag höher. Weite Kreise der Landbevölkerung wissen nicht mehr, wovon sie leben und wie sie ihren Wirtschaftsbetrieb aufrechterhalten sollen. Die Unzufriedenheit wächst unauf­haltsam. Cs steht zu befürchten, daß die öffentliche Ordnung gestört und die Grundlagen des Staates erschüttert werden. Mit staatlichen Zwangsmitteln ist die Erregung nicht mehr zu unterdrücken. Wir stellen in letzter Stunde zur Abwendung unaufschiebbarer Weiterungen fol­genden Antrag:

Der Landtag wolle beschließen:

1. Sie staatliche Grundsteuer ist mit so­fortiger Wirkung auf 50 Prozent des im Rechnungsjahr 1927 festgesetzten Steuersatzes zu ermäßigen.

2. Die kommunalen Grundsteuern (Ge­meinde-, Kreis- und Provinzial-Umlagen- anteil) dürfen den im Rechnungsjahr 1927 geltenden staatlichen Steuersatz nicht über­steigen.

3. Die Sondergebäudesteuer ist zu er­mäßigen.

4. Die geplante Erhöhung der Beam­tengehälter durch ein neues Besoldungs­gesetz unterbleibt.

5. Eine sofortige Senkung der Staats­ausgaben ist durch Verminderung der Staatsausgaben und eine Verwaltungs­reform an Haupt und Gliedern herbei- zusühren.

Lin neuer pmunafkandal in Frankreich.

Unerhörte Schiebungen bei der Liquidation des ehemaligen deutschen Eigentums in Lothringen.