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Lebensabschnitte zurückdenken, an solche, vor | denen der bange Satz stand: Ho.sentlich geräi's. Es gibt dir sicherlich auch heute noch einmal ein I Gefichl von Freude, von Erleichterung, wenn's glücklich geraten ist. Dazu sollten die paar Zeilen anregen. Hoffentlich gerät's! P.
Frühlingsanfang.
Weil im Schaltjahr der Februar seine Lebensdauer höchst eigenmächtig um einen Tag verlängert, fällt heuer der Frühlingsanfang kalender- mäßig schon auf den 20. März. Abends 9.45 Uhr tritt die Sonne in das Zeichen des Widders und damit ist astronomisch der Frühlingsanfang da.
Witterung und Jahreszeiten stimmen nicht immer ganz programmäßig zusammen. Das Wetter erlaubt sich da häufig recht Programm- widrige Kapriolen. Schon gleich In den Märzwochen, wo Winter und Frühling oft noch verbissen und hartnäckig um die Herrschaft kämpfen, ist die Liebereinstimmung zwischen den kalendarischen Dorsch'st'ten und der wirklichen Witterung nicht so leicht herzustellen.
Mer, mag'8 auch Verschiebungen. Rückschläge und Zwischenspiele geben, was tut'S? Schließlich muß ja doch der muntere, lebensfrohe, sieghaft ins Land dringende Junker Lenz mit seinen lachenden, blanken Augen, seinem fröhlichen Singsang und seiner farbenfrohen, duftigen Gewandung der Sieger bleiben.
Frühlingsanfang — er tut das Tor auf in die Verheißungen einer erwachenden Ratur und zaubert in tausend bange Menschenherzen neuen Lebensmut und neue Daseinsfreude. Roch ist's schier nur ein leiser Traum, was die ersten zarten Blümchen, was der frühe Sang der Amsel uns sagen. Aber mit jeder Woche mehr ist's Wirklichkeit und glückdurchpulstes Leben....
Talen für Mittwoch, 21. März.
Sonnenaufgang 6.02 Uhr. Sonnenuntergang 18.14 Uhr. — Mondaufgang 6.21 Uhr, Monduntergong 17.41 Uhr.
1685: Johann Sebastian Bach in Eisenach geboren (gestorben 1750); — 1763: der Dichter Jean Paul (Friedrich Richter) in Wunsiedel geboren (gestorben 1825); — 1801: Sieg der Engländer über die Fran- zosen bei Abukir; — 1809: der Staatsmann Jules Favre in Lyon geboren (gestorben 1880); — 1871: Eröffnung des ersten Deutschen Reichstags in Berlin.
Musikalische passionsan-achi der Lukasgemeinde.
Die musikalische Passionsandacht der Lukas- gemeinde, die am Sonntagabend im letzten Augenblick in die Stadtkirche verlegt wurde, erfreute sich eines zahlreichen Besuches, ein Beweis dafür, welche Beliebtheit sich die seinerzeit zuerst von der Matthäus- und Markus-Gemeinde veransta.tten musikalischen Abendandachten finden. Das Programm das der Passionszeit entsprechend zusammengestellt war, wi^s Werke für Orgel allein, sowie für Violine und Gesang mit Orgelbegleitung auf. Als Aussührende setzten sich Organist Habicht, Gießen (Orgel), Frl Emmy Schaum, Frankfurt a. M. (Alt), und Herr W. Schüttler, Gießen, (Violine), mit gutem Erfolg für die Wiedergabe der einzelnen Programm nummern ein. Frl. Schaum besitzt eine klare, warme Altstimme von bedeutendem Umfang nach der Tiefe und Höhe und wußte ihrem Vortrag guten musikalischen Ausdruck zu verleihen. Die Alt-Arie au- dem .Messias" von Händel „Er ward verschmähet" war eine recht ansprechende Leistung, ebenso die geistlichen Lieber „Es ist vollbracht" von 3. Seb. Bach und „3eiu8 neigt sein Haupt und stirbt" von 2vh. Wolfgang Frank. Als letztes fang sie ein „Vater unser" von W. Krebs. Herr Wilh. Schättler spielte zunächst ein Air von Dach in einer Bearbeitung von Max Reger mit schöner Tongebung und warmer Empfindung, ferner ein Largo religioso von Oskar Wermann, das er ebenfalls technisch wie musikalisch sehr schön zu Gehör brachte. Schließlich noch das Grave aus einer Diolinsonate von Tartini. Organist Habicht spielte außer der Begleitung der Violine ein Präludium von Bartmutz, ein Largo aus den zwölf Eharakterstücken von Jos. Rheinberger, sowie zwei Choralvorspiele von Max Reger. Mit dem Grmeindegesang „O Lamm Got es unschuldig" klang die stimmungsvolle Feier aus.______
Aus der Pwvinzr'alhaupistadi.
Gießen, den 20. März 1928.
Hoffentlich gerät's!
AlS ich dieser Tage in der Aähe der Kliniken vorbeiging, sah ich zwei Herren, die sich ge.Sbe verabschiedeten. Sie drückten ,.ch die Hände, und ich hörte noch, wie der eine sagte: „Hoffentlich gerät'sl" , .
Die zwei Worte gingen mir lange nach. Stecken darin nicht Hoffnung, Wünsche und Besorgnisse? Und wer hat in seinem Leben nicht auch einmal gesagt: „Hvlfentlich gerät's?" — Zwei inhalt- schwere Worte. —
Jahrelang war nun die Frau leidend. Alles mögliche hatte sie versucht, um gesund zu werden. Wer alle Kunst der Aerzle ve.sagte. Rur noch eins bleibt: Die Operation. Da Hilst zuletzt fein Sträuben, kein Widerstand, eS muh sein. Sie geht in die Klinik, und morgen schon soll die Entscheidung fallen. Wird es gelingen? Wird sie wieder völlig hergestellt, oder ...? Das erzählt der Ehemann dem Freund. Der letzte Satz, den ich hörte, war dann: Hoffentlich gerät's! Liegt darin nur die Angst, die Ahnung eines schweren Schlages? Rein, das allein nicht, es schimmert noch etwas aus diesen zwei Worten: Das ist der Trost, Trost und Hoffnung zugleich. —
Rächste Woche beginnen die Prüfungen. Der junge Mann, der in den Stuben len jähren vergnügt gelebt hat, wird von seinem Vater gedrängt. nun endlich in das Examen zu steigen. Tag und Rächt wird schwer gearbeitet, aber sicher ist der Kandidat nicht. Schweren HerzenS hängt er am Mend vor der Prüfung den schwarzen Rock über den Stuhl und überdenkt noch einmal die Lage. Ob er nicht doch zurücktreten soll? Rem! Frisch hinein! Hostentlich gerät's! —
Die junge Hausfrau kocht mit großem Eifer und mit viel Liebe, aber so ganz mundet es dem Eheherrn nicht. Er meint, es brauche ja nicht jeden Tag Fleisch auf dem Tisch zu sein. Er wünscht einmal so eiwaS wie eine Mehlspeise, einen Aus lauf. So ähnlich, wie er es einst von seiner Mutter vorgesetzt bekam. Und sie macht sich ans Werk, kaust getreulich ein, was das Kochbuch vvrschreibt, packt aus, wiegt ab, mischt und rührt, schlägt Eier, holt Fett und füllt dann alles in die Form. Ganz leicht ist ihr's nicht ums Herz. Aber sie schiebt nun die Form in den Herd, in den Backofen, und das beklemmende Gefühl der neuen Tat erleichtert sie sich mit den Worten: Hoffentlich gerät's. —
Wenn bei dem schönen Wetter die Sonne lockt und unsere Jugend den Rachmittag mit Spielen ausfüllt, dann bleibt oft wenig Zeit für die Vorbereitung der Schulaufgaben. Morgen soll eine wichtige Mathematikarbeit geliefert teerten. Wer der Kopf des Sekundaners ist mit anderen Dingen gefüllt Mißmutig nimmt er sein Buch vor, die Formeln wollen nicht haften, und morgen . „ Da schneidet er sich einen schmalen Zettel, schreibt die Hauptsätze darauf und steckt den „Spicker" ein. Seufzend legt er sich zu Bett und träumt in der Rächt von mathematischen Formeln. Am Morgen sieht er seinen Zettel, überfliegt ihn noch einmal und denkt. Wenns nicht llappt, werde ich schon mal nachschauen müssen. Hoffentlich gerät'S. —
Herr Müller hat bei der vorletzten Pferdemarkt- lotterie eine Tischdecke gewonnen. Das macht Mut. Er nimmt sich jetzt gleich zwei Lose und geht in den Tagen vor der Ziehung herum und sinnt und sinnt. Wer ihn fragt, dem antwortet er: Hoffentlich gerät'S. —
So mögen viele gedacht haben, die Erfinder, die Sucher nach Gold. Solange die Welt besteht, erklang daS Wort: Ho.fentlich gerät's. Lind es wird auch weiterhin erklingen, solange noch Menschen leben, lieben und hoffen.
Unb warum schrieb ich dies, lieber Leser? Hast du nicht auch schon einmal vor einer wichtigen Sache gesagt oder gedacht: Ho,fentlich gerät's? Und ist eS dann geraten, warst du dem Schicksal dankbar? Hast du einmal zurückgedacht an die Minuten vor der Entscheidung, an die Zweifel, an die Sorgen? Wenn nicht, dann tue es noch jetzt.
Man soll ja nicht zuviel in die Vergangenheit schauen, aber so manchmal in einer besinnlichen Stunde darf man schon einmal an wichtige
Gießener Wochenmarktpreise
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 30 bis 35, Wirsing 45 bis 50, Weißkraut 25 bis 30, Rotkraut 40 bis 45, gelbe Rüben 20 bis 25, rote Rüben 20 bis 25, Spinat 45 bis 50, Unter-Kohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 45, Rosenkohl 80, Feldsalat 150 bis 180, Endivien 100 bis 120, Tomaten 130, Zwiebeln 20 bis 25, Meerrettich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 60 bis 90, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 10 bis 18. Birnen 12 bis 15, Honig 50, Suppenhühner 100 bis 120 Pfennig das Pfund; Käse (10 Stück) 60 bis 140 Pf.; Eier 11 bis 12, Blumenkohl 60 bi« 180, Salat 20 bis 40, Lauch 10 bis 25, Sellerie 10 bis 50 Pf. daS Stück; Radieschen 30 Pfennig daS Bund.
Bornotizen.
— TageSkalender für Dienstag. Stadttheater: 7.15 Uhr „Das Dreimädelhaus" (Ende 10 Uhr). — Volkshochschule: 8 Uhr, Sing- saal der Oberrealschule, Lichtbildervortrag von Ludwig Rössinger-Frankfurt a. W.: „Vereinsbühne, Jugend- und Laienspiel, Derufstheater". — Verband Deutsche Frauenkleidung und grauen» lultur: 4.30 Uhr, Cafe Leib, gymnastische Vorführungen der Dodeschule und Vortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Regine". — Astoria- Lichtspiele: „Die Braut am Scheideweg".
•• Vom hessischen Landtag. An Stelle des 2ll>g. Ruß, der als hessischer Gesandter in Berlin seinen Wohnsitz nimmt, ist Landgerichts- rat Jakob Keller aus Gießen als Mitglied der Zentrumsfraktion in den Landtag eingetreten.
** Den Hausierhandel mit Gas» sparern, Epardüsen usw. betrifft eine Bekanntmachung des Städtischen Gaswerks in unserem heutigen Anzeigenteil. Den Hausfrauen sei diese Bekanntmachung zur Beachtung empfohlen.
** Gießener Kunst ler auswärts. Großen künstlerllchen Erfolg erntete am Sonntag der Musiklehrer Franz Bauer jun. mit seinem Streichquartett, bestehend aus den Herren W e l k e r (2. Violine), A. Bauer (Viola) unb 3. Franz, Wetzlar (Cello), im Kasino zu Grünberg mit Werken von Schubert, Haydn und Dvorak. Es war eine hervorragende Leistung, die in dem großen Beifall und den herzlichen Dankesworten des Herrn Dr. Heil ihre Bestätigung fand.
•• Sänger-Ehrung. Aus Anlaß des 64. Stiftungsfestes des Bauerschen Gesangvereins fand am Samstag im Restaurant „Onkel Franz". Plockstraße. ein Festkommers des Vereins statt. Hierbei wurden folgende Auszeichnungen ver- llehen und den Sängern von dem Ehrenpräsidenten Georg Todt überreicht: für Zugehörigkeit als Sänger: 3 0 Jahre: Daniel Schuchardt, Wilhelm Wadenpfuhl, Robert Gärtner, Fritz Lotz, Leonhard Schneider, Edgar Borr- mann und Karl He^aner. 25 Jahre: Karl Christ und Justus Krallhöfer wurden zu Ehrenmitgliedern erna.mnt und erhielten eine Ehrenurkunde. 20 Iahre: Jean Aufdermauer, Johannes Horst und Josef Laberenz. 15 Jahre: Heinrich Gerdes. Heinrich Reichel und Karl Steuerwald. 10 Jahre: Fritz Baumann. Diese Sänger erhielten eine silberne Radel mit entsprechender Gravierung. Für fleißigen Singstundenbesuch im abgelaufenen Dereinsjahr wurden 31 Sänger mit der goldenen unb 12 Sänger mit der silbernen Radel ausgezeichnet. Lobend erwähnt wurden 23 Sänger.
•• Sin Kinde rluf tballon von Gießen bis zur Mosel. Am Freitagnachmittag gegen i/23 Ühr lies) Herr Schäfer, Katharinengasse 12 wohnhaft, hier einen Kinderluftballon auffliegen, der bereits gegen 5 Uhr am gleichen Rachmittag in Lay an der Mosel in einem Garten an einem Pflaumenbaume buS Ende seines F uges fand. Die Zurücklegung des Luftweges Gießen—Lay in dieser kurzen Zeit war natürlich nur durch einen außerordentlich günstigen Wind möglich.
D ie Ekkehard-Spiele. Die Spielschar .,Ekkehard" der Schilljugend hatte für Samstagabend zu einem Volkskunstabend in das Kath. Vereinshaus eingelaben. Als der Vorhang sich punkt 8.30 Uhr hob, erblickte man auf der sehr wirkungsvoll geschmückten Bühne eine Gruppe jugendfrischer Gestalten, Mädchen und
Burschen, in malerischer Kleidung und in tadelloser Haltung. Man sah auf den ersten Blick: diese Jugend ist wohldiszipliniert, stramm in der Hand des Führer- und voller Hingabe an ihre ideale Aufgabe. Je weiter der Abend vorschritt, desto mehr verstärkte sich dieser Eindruck. Die Darbietungen waren durchweg sehr aut Sie begannen mit Volksliedern, die fast alle von Instrumentalmusik begleitet wurden. Dann folgte nur Instrumentalmusik. Dabei konnte man beobachten, wie sicher die jugendlichen Spieler ihre Instrumente (Geige, Flöte, Laute) zu spielen verstanden. Hierauf hielt der Führer der Spielschar eine kurze Ansprache, in der er aus die Ziele dieser Jugendbewegung hinwies. Die Spielschar will keine Theatergruppe sein; sie will sich auch nicht als Künstler ausgeben. Das Spielen ist ihr ein inneres Bedürfnis. Die Mädchen und Burschen haben sich freiwillig zu einem Arbeitsdienstjahr verpflichtet. Zum 445. Male trat die Schar am Samstag auf. Sie hat es ermöglicht, daß durch den Reinertrag ihrer Volkskunstabende und durch Geldspenden ihrer Freunde die Ekkehard-Schule in Bad ©tuet am Plauer-See in Mecklenburg gegründet werden konnte. Diese Schule will die Jugend durch naturgemäße Lebensweise, Arbeit, Spiel und Unterricht zu tüchtigen Menschen heranbilden. Die Worte des Führers fanden bei den Besuchern sehr starken Beifall. Hierauf setzte die Spielschar ihre Darbietungen fort, die alle sehr starken Beifall auslösten. Ganz besonders gefielen die Volkstänze und die Lieder xur Laute. Ergreifend wirkte das Schwertweihespiel. Der Abend war für die wackere Schllljugend ein voller Erfolg.
•• 8 0. Geburtstag eines bekannten Industriellen. Am heutigen 20. März wird der Kommerzienrat Fritz Henkel, Düsseldorf, der Begründer der bekannten Persil- firma Henkel & Cie. in Düsseldorf, 80 Jahre alt. Trotz seines hohen Alters steht Kommerzienrat Henkel seinem Werke noch immer rüstig vor. Durch seine Erzeugnisse „Henkels Bleichsoda" unb „Persil" ist Henkel mit feinem Unternehmen weithin bekannt geworden. Insbesondere sind es unsere Hausfrauen, denen er durch feine Fabrikate einen neuen Zeitabschnitt in der Wäschereinigung und in der erleichterten Haushalts- arbeit eröffnete.
Berliner Börse.
Berlin, 20. März. (WTB. Funkspruch.) Nach dem es schon gestern nachmittag unb im Frankfurter Abendverkehr sehrlluhig mar, ist bie Tendenz heute früh noch vollkommen geschäftslos uiid neigt eher zur Schwäche. Der Geldmarkt zum Ultimo und Farben- bezüge drücken wieder auf den Markt._____________
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