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Preußen anAuschließen. Der praktische Vorteil, der dadurch für eine Reihe hessischer Gebiete er­zielt werden konnte, war so unmittelbar und be­deutend, daß du Thil sich allen Widerständen gegenüber stark machte. Preußen zeigte weit­gehendes Entgegenkommen und gestand Hessen die fernere Selbständigkeit seiner Zollverwaltung lediglich unter preußischer Heberwachung zu. Am 14. Februar 1828 vollzog sich der Beitritt Hessen- Darmstadts zum Preußischen Zollverein. Damit war der erste Schritt zur Bildung des Deutschen Zollvereins.getan. Denn wenn dieses Vorgehen auch zunächst gewalttge Empörung in Hessen selbst und in den anderen deutschen Staaten hervorries, so erwies sich doch bald, daß der König von Württemberg recht hatte, als ec zu der Nachricht von dem Abschluß des preußisch-hessischen Ver­trages äußerte:Früher oder später werden wir gezwungen sein, diesem Beispiel nachzufolgen." Schon im Jahre 1833 bewahrheitete sich diese Voraussage, Württemberg und Bayern folgten dem Beispiel Hessens, und weitere drei Jahre später erhielt der Deutsche Zollverein durch den Beitritt Frankfurts und Rossaus die wünschens­werte territoriale Abrundung.

Daten für Dienstag 21. Februar.

Sonnenaufgang 7.04 IHjr, Sonnenuntergang 17.24 Hhr. Mondaufgang 7.40 Uhr, Mond- untergang 17.21 Ahr.

1779: der Rechtslehrer Karl von Savigny in Frankfurt a. M. geb. (gcst. 1861): 1785: der Schriftsteller Karl August Vernhagen v. Ense in Düsseldorf geb. (gest. 1858); 1866: der Mediziner August vom Wassermann geb. sgest, 1925); 1915: Winterschlacht in der Cham­pagne (bis 20 März); 1916: Schlacht bei Verdun (bis 9. September).

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten aus dem Wocheiunarkt am Samstag: Butter 150 bis 170 Pfennig, Matte 30 bis 35, e (10 Stuck) 60 bis 140, Wirsing 30 bis 40, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 30 bis 35, gelbe Rüben 15 bis 20, rote Rüben 15 bis 20, Spinat 35 bis 40, Anterkohlrabi 10 bis 12, Rosenkohl 50 bis 4>0, Feldsalat 120 bis 150, Endivien 100 bis 120, Tomaten 120, Zwiebeln 20 bis 25. Meerrettich 40 bis 80. Schwarzwurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5 bis 5,5, Aepsel 10 bis 20, Birnen 10 bis 15, Dörrobst 25, Honig 45 pro Pfund; Eier 14 bis 16, Blumenkohl 60 bis 120, Salat 20 bis 40, Lauch 15 bis 20, Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis tiO Pfennig pro Stück.

Bornotizen.

Tageskolender für Montag: Man­dolinen- und Gitarren-VereinNeapolita": 8 Uhr, Vereinslokal, Familienabend. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Primanerliebe". Astoria-Licht- spiele:Lebende Ware".

Kreis - Obst - und Gartenbauverein Gießen. Am Samstag,. 25. Februar, findet im Hotel Hopfeld die Hauptversammlung mit Vortrag statt. Näheres in der Anzeige vom Samstag.

- Radioklub Gießen. Trotz aller gegen­teiligen Prophezeiungen wächst die Tetlnehmcr- zahl am deutschen Rundfunk immer mehr. Daher tritt an immer weitere Kreise die Rotwendigkeit heran, sich mit der Frage zu befassen:Was für einen Empfangsapparat wähle ich?" Dem Laien ist es natürlich nicht möglich, sich auf dem laufenden zu halten über alle Fortschritte, die auf dem Gebiete des Empfängerbaues gemacht werden. Der Giessener Radiollub betrachtet es nun als eine seiner Hauptaufgaben, die Gießener Funkfreunde in jeder Hinsicht zu fördern. Er hat daher den früheren Funkspezialisten der Hniversllät Gießen, Dr. Heinrich Müller, jetzt Brandenburg (Havel), zu einem Dortrage gewonnen überFortschritte im Emp- fängerbau". Der Vortragende wird feine Ausführungen unterstreichen durch zahlreiche Lichtbilder und Demonstrationen. Da er die Gießener Cmpsangsverhältnisse aus eigener Er­fahrung genau kennt, wird er in seinen Aus­führungen gerade darauf besonders Rücksicht nehmen, so daß alle Rundfunkteilnehmer bei dem Besuche des Vortrags, der am Freitag, dem 24. Februar stattsindet. auf ihre Rechnung koinmen werden. Siche Anzeige vom Samstag.

*'* Zur Feier des Volkstrauertages Iinbet am Sonntag, 4. März, in der Neuen Aula der lnioerfität wiederum eine Gedenkfeier zu Ehren der Gefallenen in der hergebrachten Weife statt. Die Gedächtnisrede hat Pröf. Dr. Koch übernommen.

Mexikanische Kaffeehäuser.

Von Heinz Erich Platte.

Immer, wenn ich, im Ausland weilend, einen kleinen, aber reizvollen Ausschnitt aus der mir fremden Welt und ihren typischen Erscheinungs­formen gewinnen wollte, dann verweilte ich ein Stündchen in den Kaffeehäusern, diesen vom Mokkaduft durchströmten Oasen inmitten eines vielgestaltigen bunten Lebens.

Ick) sah in brasilianischen Motkastuben dandyhaft gekleidete braune Menschen, die nach dem Genuß von einigen Täßchen unerhört starren Kaffees aus alter, lieber Gewohicheit sich einen Zahnstocher zwischen die Lippen schoben und, lebhaft gesti­kulierend, eine Anterhaltung führten, die niich an den Lärm einer deutschen Wahlversammlung erinnerte. In Argentinien wies mir ein Kaffee- bausbesiher die Türe, weil ich mich aus Ver­sehen in diesala para familias gesetzt hatte, die in jenem Lande der strengen Sitten nur dem zarten Geschlecht zugänglich ist, und in den Lecherias" des Hafenviertels von Buenos Aires beobachtete ich Landsleute, die hier mit dump­fer Entschlossenheit ihre letzten fünfundzwanzig Centavos zusammensuchten, um sich mit Kaffee, Brötchen und Butter noch einmal für die Rolle zu starten, die sie wenig später als Helden des DramasAuswandererelend" auf der Bühne des Lebens zu spielen berufen waren.

In Meriko City sand ich neue Ruancen: das exotische Cafe mit Zichharmonikamusil und Da­menbedienung. und das lichte, freundliche, meist von Amerikanern geleitete Erfrischungslokol, wo der Duft des Kaffees sich mit den aufmunternden Wohlgerüchen exquisiter französischer Parfüms verbindet. Diese Kaffeehäuser (es gibt deren übrigens nur wenige) find Treffpunkte der ele­ganten Welt, Anterhaltungsstätten sozusagen, die dem Bedürfnis dienen, einen harmlosen Flirt zu bewerkstelligen, der indes zu keinerlei Re­sultaten führt. Das Kännchen Mokka, die Tasse Schokolade mit Schlagsahne ist nur Vorwand, dazusitzen und der wilden amerikanischen Jazz- mnsik zu lauschen, während es in Wirklichkeit doch darum geht, keck übereinandergefchlagene Mädchenbeine bewundern zu lassen und film­reife Augenaufschläge zu üben, die von den

Straßensperrung. DaS Hessische Polizeiamt teilt mit: Wegen Vornahme von Hausanschlußarbeiten ist die Georg-Philipp- Gail-Straße zwischen Kaiserallee und Licher Straße ab 20. Februar auf die Dauer von etwa drei Wochen für allen Fährverkehr gesperrt.

r Personalien. Ernannt wurden: der haupt­amtliche Fortbildungsschullehrer an der Fortbil­dungsschule zu Herchenhain und Umgegend, Kreis Schotten, August S t e i n m a n n zum hauptamt­lichen Fortbildungsschullehrer an den Fortbildungs­schulen im Bezirk Gießen: der Lehrer im einstwei­ligen Ruhestand Gustav K a u ß zu Wenings, Kreis Büdingen, mit Wirkung vom 15. Februar 1928 ab zum Lehrer an der Volksschule daselbst. Durch Beschluß des Landesamts für das Bildunaswesen wurde der Studienreferendar Dr. Harald Kaes- b e r g e r aus Gebweiler im Elsaß zum Studien­assessor ernannt.

* Aus dem Gießener Standes­amt s r e g i st e r. In der Zeit vom 1. bis 15. Februar verstarben in Gießen: 2. Februar: Johannes Ganz, Rentner. 74 Jahre, Kreuz- Platz 12. 3.: Anna Pauline Haßler, 1 Jahr, Katharinengasse 8; Hans Joachim Peter Pfeif­fer, 4 Jahre, Ludwigsplah 15; Irmgard Erna Rinn, 1 Jahr, Katharinengasse 7. 4.: Heinrich Sauer, Gastwirt, 67 Jahre, Reustadt 58; Marga­rete Hahn, geb. Weih, Witwe, 71 Jahre, Dis- marckstraße 9. 5.: Professor Dr. Karl Kramer, Museumsdirektor, Major a. D., 78 Jahre, Lud- wigsplatz 5: Heinrich Fenster, 1 Jahr, Reuen- tocg 31; Ottilie Rausch, geb. Rahrgang. Witwe, 60 Jahre, Kaplansgasse 19. 6.: Ernst Grau, 2 Tage, Roonstraße 25. 7.: Johanna Maria Schneider, geb. Kirstein, 33 Jahre. Karl-Vogt- Straße 5; Robert Ludwig Hamel. 6 Monate, Goethestraße 50; Antonie Dora Margarete Hintze, ohne Beruf, 18 Jahre, Marktplatz 19; Elisabeth« Gregorius, geb. Depp, Witwe, 68 Jahre, Hammstraße 3. 8.: Else Schunk, geb. Schneider, 43 Jahre, An der Johanneskirche 5; Wilhelm Enders, 1 Jahr, Weidengasse 7; Ba­bette Katharina Helm, geb. Schmid, Witwe, 72 Jahre, Wilhelmstraße 56. 9.: Ruth Schneider, 1 Woche, Karl-Vogt-Straße 5. 10.: Georg Höhn, Taglöhner, 68 Jahre, Licher Straße 74. 11.: Auguste Landmann, Handarbeitslehrerin, 63 Jahre, Südanlage 7.

** Verein Volkshochschule Gießen. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins wurden die Herren Prof. Dr.Messer und Unioersitätsbibliochekar Prof. Georg K o ch in den Vorstand gewählt; Professor Messer zualeich als erster Vorsitzender des Vereins. Den ausgejchie- benen Herren Prof. Dr. M i t t e r m a i e r und Studienrat Dr. Flörke hat der Vorstand für ihre mehrjährige, hingebende Tätigkeit gedankt. Die Ein­tragung des Vereins ins Dereinsregister wurde zu­gleich mit einer Satzungsänderung beschlossen. Es wurde mitgeteilt, daß ohne Erhöhung des bisher auf das Existenzminimum beschränkten Etats der Erfolg dauernd in Frage gestellt bleibe.

oo Dorfkirchenvorstehertagung. Es ist bereits durch die Presse bekannt geworden, daß am 5. März eine Dorftagung der Kirchenoorsteher in Münzen berg stattfindet. Um allen 2krtretem der Gemeinden die Teilnahme zu ermöglichen, wird vormittags 9.20 Uhr in Lich ein Sonderzug auf der Linie ButzbachLich eingelegt. Auch nachmittags wird ein Zug rechtzeitig die Gäste zu den An­schlüssen aus der Strecke GießenGelnhausen be- föfbem.

"Das EndeeinerKappensitzung. In der Rächt zum Sonntag geriet bei der Heimkehr von einer Kappensihung, bei der man nicht etwa Selterswasser getrunken hatte, ein hiesiges Ehepaar mit Hausgenossen in Streit. Der Worte wurden recht viele und recht laut gewechselt, trotzdem aber konnte man sich nicht verständigen. Deshalb beschloß man beiderseits, einegute Handschrift" zu schreiben. Das besorgte die eine Seite der Kamvfhähne mittels eines Schürhakens, der auf den Köpfen der anderen Seite gerührt wurde, so gründlich, daß das Ehepaar von der Kappensitzung mit erheblichen Kopfverletzungen von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach Leistung der ersten Hilfe in die Klinik verbracht werden mußte, von wo der Mann nach Anlegung von Verbänden wieder entlassen wurde, während die teure Ehegattin erst heute ihre Rückkehr ins eheliche Heim begehen kann.

hr. Jugendvereinigung der Mat- thäusgemeinde. Am Donnerstag gab die Jugendvereinigung der Matthäusg?meinde im

männlichen Gästen mit wohlgefälligen Blicken erwidert werden. Das solide Kaffeehaus, das spätestens um neun ilfjr abends seine Pforten schließt, ist ja schließlich neben dem Kino der einzige Ort. den die wohlerzogene Mexikanerin in Gesellschaft ihrer Geschwister oder Freun­dinnen besuchen darf, ohne einen Verstoß gegen die etwas merkwürdigen Moralgesetze Latein­amerikas zu begehen. Sie läßt es sich denn auch nicht nehmen, den täglichen Rachmittagsbummel auf der Avenida Francisco I. Madero für eist halbes Stündchen zu unterbrechen, um im Kaffee»- Haus etwas zu genießen und dabei inmitten eines internationalen Publikums ganz unschuldsvoll denn so ein Glutblick aus dunklen Augen ist durchaus nicht ernst gemeint! zu kokettieren.

Da liegt neben dem stillen, vornehmen Lokal Lady Baltimore" direkt an der erwähnten Bummel-Avenida das Caf6Sansborns" be­quem. Hier wie auch in vielen anderen Kaffee­häusern Mexikos gibt es keine befrackten Kell­ner, die wie in Südamerika dem Gast durch unpünktliche Bedienung die gute Laune verderben. Das besorgen vielmehr reizende Kreolenmädchen in blauen Kleidchen und weißen Schuhen, Schürzen und Häubchen, die von hin­reißendem Phlegma und von entzückender Ver­geßlichkeit sind. Bestellst du zum Beispiel Kaffee, so stellt dir die holde Kellnerin nach Verlauf einer kleinen Ewigkeit todsicher ein Kännchen Tee auf den Tisch, und wenn du bescheiden ein­wendest, du habest eigentlich Kaffee bestellt, so wird deine Behauptung mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen, das die weibliche Heber- legenheit trefflich illustriert. O ja, die Frauen haben immer recht, gleichgültig unter welchem Breitegrad sie geboren sind!

Die Musik vollführt einen beträchtlichen Lärm und übertönt so bisweilen die Unterhaltung der jungen Mädchen, über deren karminrot geschminkte Lippen der spanische Wortschwall wie ein lusti­ger Wasserfall unermüdlich dahinsprudelt. Ilm sieben Hbr abends packen die Musiker ihre Roten zusammen, und zwei Stunden später ist auch der letzte Gast verschwunden. Wer um diese Zell noch nicht nach Hause gehen will, muß einige soziale Stufen tiefer steigen und jene Lokale im dunkelsten Viertel von Mexiko City aufsuchen, wo das Mokkatrinken unter Hm-

Bund Deutscher Jugendvereine (BDI.) einen Eltern- und Familienabend, der alslustiger Abend" ausgestaltet war und ganz von der Bubenabteilung bestritten wurde. In seiner Be­grüßungsansprache wies der Leiter, Pfarrer Hertel, auf Zweck und Absicht solchen Abends hin: das Bedürfnis nach Freude und Frohsinn ist ganz besonders in der Jugend mächtig, und es wäre töricht, solches zu leugnen und darüber hinweggehen zu wollen. Auf welche Irrwege diese Sehnsucht nach Ausspannung und Abwechse­lung aber geraten ist, beweist zur Genüge die gegenwärtige Faschingszeit. In der Jugend lebt noch viel Sinn für wahre Freude und echten, wenn auch oft derben Humor, der gesund ist und sich nicht auf schlüpfrige Bahnen begibt. Wie man auch ohneMaskerade" undRarrenkram" wirklich frohlebendig, ja überschäumend ausge­lassen sein kann, das zeigte das Programm des Abends. Ein Schattenlheater machte den Beginn, und es war gar köstlich zu sehen, was alles an Unrat aus dem Leibe des kranken Mannes herausgeholt ward. Ein Zirkusdirektor stellte sein Ensemble vor, erstaunt waren die Zuschauer über die gewaltigen Leistungen dieser bisher noch gänzlich unbekannten Truppe. Auch die moderne Technik war vertreten "vurch einen Professor, der den Maschinenmenschen der Zukunft entdeckt hat und ihn in einer gewaltigen Kiste bei sich führte. Frohe Orchesterstücke füllten die Pausen, als Mundartdichter war der allbekannte Frank­furter Stolhe vertreten, dessen GedichteDie Kapp" undDie Blutblas" wiederum Lach- ftürme hervorriefen. Köstlich war auch das Lied vom Frosch, das von einem mächtigen Quaker- chor und einem Aiesensrosch begleitet war. Den Höhepunkt des Abends brachte ein Sechsakter, eine Groteske von Martin Luserke.Blut und Liebe, ein Ritterschauerdrama"; die Spielschar bewies, daß sie trotz der mancherlei Behinde­rungen und der äußerst primitiven Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, sich auch in den Stoff eines Lustspiels, das viele Zufallsmomente ent­hält, einzuleben verstand. Lieh vielleicht der eigenartige Titel des Spiels auf ein kitschiges Stück schließen, so konnten die Zuhörer doch bald merken, daß Luserke nicht der Mann seichten Bühnengeschmackes ist, sondern eine derbe Sprache reden kann. Auch dieses Spiel erntete reichen Beisatt. Der Besuch des Abends lieh nichts zu wünschen übrig, auch die Alten fühlten sich wieder froh in ihre Jugendzeit zurückversetzt.

Rangierfunk. In neuerer Zell hat die Reichsbahn Versuche angestellt, im Ran­gierbetrieb dem Lokomotivführer eines Rangier­zuges unter Verwendung der drahtlosen Tele­graphie und Telephonie akustische Signale von dem auf dem Ablaufberg befindlichen Rangier­leiter zu geben. Bei dem Wagenablauf kommt eine über ein Kilometer lange Strecke in Frage. Die Versuche werden mit zwei verschiedenen Systemen angestellt. Bei dem System C. Lorenz QI.-©, gibt der auf der Lokomotive ausgestellte Empfänger Weckersignale, wenn der Rangier­leiter eine Taste drückt. Bei dem SystemTele- sunken" wird einseitig wirkende drahtlose Tele­phonie verwendet. Dem Lokomotivführer werden die Rangierbefehle zugesprochen. Der Empfänger auf der Lokomotive hat einen Lautsprecher, die Besprechungsstelle der Sendeanlage befindet sich auf dem Ablaufberg. Beide Systeme arbeiten mit Antennen, die längs der Rangiergleise aus- gespannt sind, so daß für den geringen Luft­raum. der zwischen QIntenne und Rangier­lokomotive verbleibt, geringe Sendeenergien nötig sind. Hebet die endgültige Brauchbarkeit dieser neuen Einrichtungen ist ein abschließendes Urteil noch nicht gesprochen.

* Fahrende E i s e n b a h n s ch u l e n hat die Reichsbahn zur Weiterbildung ihres Per­sonals eingerichtet. Sie hat 30. besondere Unter» richtswagen ausgerüstet, die als fahrende Schu­len Herumrotten und aus einem Schulraum, einem Modellraum und einem Lehrerraum be­stehen. Die Wagen laufen unter Begleitung von Wanderlehrern in den einzelnen Bezirken und vermitteln Unterricht in Fachgebieten, in denen im ganzen Direktionsgebiet ein ähnlicher Unter­richt unter Verwendung kostspieliger Lehranlagen notwendig wäre. Es werden hierdurch auch Kosten für die mehrmalige Anschaffung teurer Unterrichtsmittel erspart. So gibt es Unter­richtswagen für Fernmeldewesen, für Sicherungs­und Blockdienst, für Bremsen, für Dahnunter- haltung usw. Im Dienstunterricht wird beson­derer Wert darauf gelegt, durch gründliche Hn-

ständen zu einer aufregenden Angelegenheit werden kann.

Münchener Fasching.

Von Magda Amann.

Die Mechanisierung des Münchener Faschings konnte in der Zeit des Dawesplans nicht aus- bleiben.

Der Karneval ist eine gewaltige Industrie mit Millionenumsah geworden. Die großen und kleinen Säle, das Deutsche Theater, der ge­schichtliche Mittelpunkt Münchener Faschingstrei­bens, die riesenhaften Festhallen der Groß­brauereien, Dom Machäser bis zu dem 4000 Personen fassenden Löwenbräu, die pracht­vollen Festsäle der Hotels, die Kleinkunstbühnen, alles wetteifert mit Revuen, Redouten, Bällen, italienischen, spanischen, norwegischen, indischen Rächten, wahrlich ein Taumel von Farbe, Licht, Tanz und Bewegung.

Es kommen die zahlreichen Künstlervereinigun­gen hinzu, die ihre notleidenden Kassen durch den Fasching besser füllen als durch den Verkauf ihrer Gemälde.

Es kommen hinzu die zahllosen Vereine, vom Automobllklub bis zum tatsächlich bestehenden Verein gegen betrügerisches Einschänten", die Wohltätigkells- und Hilfsvereine, vom Armen­ball bis zurOrientalischen Redvute zur Unter» stühung aufstrebender Gesangsschüler".

Kein Tag ohne Feste. Eine erstickende Fülle. Ein krampfhaftes Bemühen, durch den Fasching das einzuhvlen, was Rot der Zeit und Geld­knappheit versagten.

Die Münchener wollen ihren Fasching. Man kann sie deshalb nicht schelten. Ollles macht mit. Korpulente Schlachtersfrauen, blitzenden Glas­schmuck auf frisch geschnittenem Bubikopf, freuen sich ihres Lebens, von dem sie zwei Drittel schon hinter sich haben. Ernsthafte Herren, die Sorgen des Tages im unruhigen Auge, gehen abends als trotzige Seeleute oder entwaffnende Bieder­meier verkleidet auf allerhand Bälle und geraten, gemildert durch des Lebens Spätherbst, außer Rand und Band.

Die Hohe der Eintrittspreise schwankt zwilchen 60 Pfennigen und 20 Mark. Die Leihgebühr für

terweisung die Zahl der Unfälle zu vermindern und durch Erziehung zu wirtschaftlichem Denken und Handeln einen sparsamen Verbrauch an Betriebsstoffen sowie eine reibungslose und schnelle Qlbtoidelung des Betriebes und Ver­kehrs zu ermöglichen.

** Auftrieb zum heutigen Frank­furter ischlachtoiehmarkt: 316 Ochsen, 46 Bullen, 580 Kühe, 320 Färsen, 609 Kälber, 117 Schafe und 5682 Schweine.

Oberheffen.

Gemeindeverband Meseck-Men- duseck

Derdandsvorsteher Karl Benner des Ge­meindeverbandes W i e f e d QI 11 e n- Buseck teilt uns zu der in Rr. 36 vom 11.2. abgedruckten Erwiderung des Gemeinderats Scherer auf eine Entgegnung Benners mit, daß der vom Gemeinderat Scherer am 11. Februar angeführte Schlußsatz des Artikels 7 der Derbandsfahungen nicht b e st e h t. In die­sem Schlußsatz sollte nach der Behauptung Scherers bestimmt fein,daß die Zinsen nur aus­gezahlt werden, wenn ein Geschäftsüberschuh be­steht". Diesen Schlußsatz habe Benner in seiner Antwort auf die erste Veröffentlichung Scherers verschwiegen. Verbandsvorsteher Benner er­klärt demgegenüber, daß von einem Verschweigen dieses angeblichen Absatzes keine Rede fein kann, eben weil der Qlbsatz in den Derbandssatzungen überhaupt nicht vorhanden ist. Zum Beweise für die Richtigkeit seiner Behauptung übermittelt uns Benner ein Exemplar der Verbandssatzung, in dem wir bestätigt finden, daß der von Scherer angeführte Schlußsatz des Paragraph 7 der Satzungen nicht existiert. Rachdem nun­mehr beide Teile in unseren Spalten zweimal zu Worte gekommen sind, schließen wir hiermit die Erörterung an dieser Stelle.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 20. Febr. Gestern wurde der auf dem Bahnhof Gießen am Donnerstag tödlich verunglückte Rottenmeister Johann Heinrich Lepper unter außergewöhnlicher Beteiligung seiner Arbeitskollegen und der Einwohner Wie- secks zur letzten Ruhe gebracht. Pfarrer Satt­ler pielt die Grabrede. Reichsbahnrat Wilke würdigte die Verdienste des Verstorbenen, die er sich in seinem langjährigen Dienste bei der Reichs» oahn erworben hatte. Als äußeres Zeichen der Anerkennung legte der Redner im Ramen der Beamten und Arbeiter der Bahnmeisterei I, so­wie der Reichsbahndirektion Frankfurt und der Reichsbahnge>llschaft Berlin einen Kranz am Grabe nieder. Weiter wurden Kränze meber» gelegt von dem Verein ehem. 116er Gießen, der Bahnmeisterei III, den Alterskollegen, dem Qkr» band der Rottenmeister, den Arbeitskollegen und den Hörern der Volkshochschule Wiefecks.

* Wieseck, 18. Febr. Gestern abend fand bei Gastwirt Gerlach dahier die ©eneralner - sammlung des Obst- und Gartenbau- Vereins bei sehr guter Beteiligung der Mit­glieder statt. Rach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Lehrer Petri, erstattete der Vereinsrechner, Kaufmann Lotz, Bericht über die Jahresrechnung. Erfreulich war die Mittei­lung, daß nunmehr 80 Obstzüchter dem Qterein als Mitglied angehören. Bürgermeister S ch o m b e r dankte im Ramen aller Anwesenden dem Vor­stand für seine unermüdliche Tätigkeit. AIS Ersah für den seitherigen Schriftführer Lehrer Karl R e i ch e l t, der fein Amt freiwillig nieder­gelegt hat, wurde Kaufmann Wilhelm Acker in den Vorstand gewählt.

Z Rödgen, 20. Febr. Heute früh gegen V28 Hhr wurde aus dem hiesigen Dorste ich die Leiche einer älteren Frau ge­tan bet, die mit bäuerlicher K'eidung, Haus­schuhen und einem Kopftuch bekleidet war. Die Tote scheint schon längere Zeit im Wasser gelegen zu haben. Die Frau stammt

Bestimm! erhältlich:

Kaiser - Drogerie, Lindenplatz 5, Ludwigsplatz-

Drogerie, Roonstr. 2. Viktoria-Drogerie, Marktstr.5

Packung

eine blitzende Lohengrin-Rüstung beträgt 15 Mk., ein Spanier oder der mit Recht beliebte Maha- radschah ist schon um 10 Mark auf die Deine zu stellen.

Die Lokale haben bunte, zum Teil schöne Deko­rationen von künstlerischLm Wert. Das führende Hotel hat sich die Lichtanlage für Beleuchtung-- effekte allein 30 000 Mark kosten lassen.

Am Wochenende ist der Gipfel crflommenl Gering gerechnet, stürzen sich mindestens 100000 Personen in das Treiben. Wenn jede nur 10 Mark durchschnittlich ausgibt, tritt derMillionen- umsah für einen einzigen Tag in die Erschei­nung. Es gibt indessen einzelne, beliebte Feste, die Wochen vorher schon ausverkaust sind und die eine Kasseneinnahme von allein 100 000 Mark habenl

Steuer, Stadt, Saalinhaber, Geschäftsleute pro­fitieren in gleicher Weise.

Ein Taumel ohne Gleichen! Von den An­schlagsäulen leuchten grelle Plakate. Einer muß den andern überbieten. Der eine zittiert die sog. Modeköniginnen aus Berlin, der andere will durch einWett-Bananen-Essen" die Zweifler darüber belehren, daß die Stimmung bei ihm nicht zu überbieten ist.

Dis 4 Hhr ist Polizeistunde. Dann zieht alles zum Bahnhof, um bei dünnem Kaffee bis 5 Hhr zu warten, wo die Lokale ihren Betrieb wieder eröffnen. Dort verleiht die traditionelle Weiß­wurst den Blassen und Müden wieder neues Leben. Gegen 7 Hhr ziehen die Menschen nach Hause.

Fröstelnd und zerknittert. Sie kommen geraae noch zurecht, sich für das Geschäft abzuschminken und das Prunkkostüm eines andalusischen Ritters mit der Lüsterjacke zu vertauschen.

Cs soll indessen auch vorkommen, daß manche, im Taumel der Zeit, noch als Indianer rin Bureau erscheinen.

So zieht der Fasching dem Ende zu, daS am letzten Tage in einen Festzug ausklingt. Er wird schon werden, denn die Münchener Künstler sind voller Einfälle und unerschöpflich in Farbe und Form. ,

Ja, und dann kommt der Aschermittwoch uno zerstört den Sinn des Faschings und lenkt me müden Blicke den gesteigerten Sorgen deS All­tags zu.