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hat, der Ausbau der Reichswehr zu einem un­politischen. fest in der Hand des Staates ruhen­den Machtinstrument, wie er unter Gehler und Seeckt so verheihungsvoll begonnen worden ist, stete Fortschritte machen wird.

Die Aufnahme in -er presse.

DerBertraucnsmann desReichsPräfidenten

Berlin, 19. Ian. der Ernennung des Ge­neralleutnants a. D. Groener zum Reichswehrmini- fter schreibt die konservativeK re u z - Z t g.": Wir haben aus unseren Bedenken, die gegen eine Verwendung General Groeners in der Stel­lung des Reicbswehrministers sprechen, kein Hehl gemocht. Wir halten sie auch heute aufrecht. Nach Lage der Dinge können wir uns nur mit dem Wunsche bescheiden, dah der neue Reichswehrmini­ster das in ihm von dem Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten gesetzte Vertrauen recht­fertigt und unsere Reichswehr^gegen den unent­wegten Ansturm ihrer inneren Feinde zu schützen vermag. Die unabhängigeDeutsche All­gemeine Zeitung" erklärt: Hindenburg hat mit der gleichen Zurückhaltung, aber durwgrei- fenden Entschiedenheit, mit der er schon mehrfach langwierige Krisen zu beenden verstand, auch dies­mal die Führung in seiner Hand be­halten und nach Anhörung der parlamentari­schen Vertreter aus Vorschlag des Kanzlers feine Entscheidung getroffen. Daß der neue Reichswehr. Minister zwar auf menschliche Sympathien bei allen Parteien, aber zunächst auf gewisse politische Wider­stände stieß, kann eher als ein g ü n st i g e s Vor- Zeichen für seine Amtstätigkeit betrachtet werden, deren Kennzeichen es sein wird, die Reichswehr auch weiterhin außerhalb der Parteiein­flüsse und der Politisierungsbestrebungen zu halten. In derGermania" heißt es: Der Reichspräsident hat also jenen Mann für das schwere Amt des Reichswehrministers ausaewählt, der in sorgenvollen Tagen sein Bera­ter gewesen ist. Groener ist als Mann aufrichtiger Gesinnung bekannt. Seine württembergische Her­kunft hat ihm den demokratischen Geist mitgegeben, den er niemals verleugnet hat denn aus seiner die Republik bejahenden Einstellung hat Groener nie­mals ein Hehl gemacht. Die Verwurzelung der Reichswehr mit dem Volke und ihr wirklich echter demokratischer Aufbau, nicht in partei-politischen, sondern im weitesten Sinne, ist die Aufgabe, die noch der Lösung harrt. Der Reichspräsident ist an­scheinend von dem Gedanken ausgegangen, die Reichswehr soweit wie i »glich dem politischen Einfluß zu entziehen und deshalb wohl nicht zuletzt ist die Wahl auf Groener gefallen. Die Vossische Zeitung schreibt: Groener tonn, da er als alter erfahrener Soldat die militäri­schen Bedürfnisse zu beurteilen verstehen sollte, ohne das Gespenst einerZerschlagung der Wehrmacht" hcraufzubeschwören, die langersehnte Reform der Reichswehr durchführen, wenn er sie will und für notwendig hält Er muß seine Reform damit be­ginnen, daß er seine Offiziere an den neuen Staat heranbringt, daß er sie lehrt, die Re­publik zu achten. Die Kölnische Zeitung schreibt: Wenn heute General Groener die Leitung des Reichswehrministeriums übernimmt, so darf man das Zutrauen zu ihm haben, daß er das Amt nicht nur als überragender Fachmann, sondern auch als ein von den Parteien u nab- hängigerPolitiker führt. Soweit wir wissen, gehört Groener keiner Partei an, er sitzt aber im Vor st and der Liberalen Vereinigung, die sich die erstrebenswerte Aufgabe der Einigung des deutschen Liberalismus gesetzt hat. Man darf wün­schen, daß es ihm gelingt, die überparteiliche Stellung, die er für feine Person stets eingenommen hat, auf den Geist des Rsichswehrministeriums, in dem noch manche Parteieinflüsse sich widerspiegeln, zu übertragen, und daß dann seine Tätigkeit die Koalitionsstreitigkeiten der Parteien auch über d i e Wahlen hinaus überdauert. Die gro­ßen Verdienste Groeners lassen seine Berufung zu dem schweren Amt des Reichswehrministers voll­auf gerechtfertigt erscheinen.

Dank an Geßler.

Ein Schreiben des Reichspräsidenten an den scheidenden Webrminister.

Berlin, 19. Ian. (WB.) Der Herr Reichs­präsident hat an den scheidenden Reichswehr- minister Dr. Geßler folgendes Schreiben ge­richtet:

..Mein sehr geehrter Herr Reichswehrministert

Mit lebhaftem Bedauern Hobe ich von Ihrem Entschlüsse, aus dem Amte des Reichswehrministers zu scheiden, Kenntnis genommen. So ungern ich mich auch gerade von Ihrer bewährten Äitarbeit trenne, so habe ich im Hinblick auf Ihre erschütterte Gesundheit mich doch entschließen müssen, Ihrem Abschiedsgesuch stattzugeben und lasse Ihnen anbei die Entlassungsurkunde zugehen.

Vor nahezu acht Jahren, in einer Zeit in­nerer Wirrnis und äußerer Bedräng- n i s haben Sie das schwierige Amt des Reichs­wehrministers übernommen und es seither i n hingebender un'b selbstlosec Arbeit geführt, mir von dem einzigen Ziele geleitet, die uns verbliebene Wehrmacht zu einem über dem Streit der Parteien stehenden pflichttreuen und tüchtigen Instrument des Reiches auszugestalten. Hierfür Ihnen im Namen des Rei­ches tief empfundenen herzlich enDank Lu sagen, ist mir in dieser Stunde aufrichtiges Be­dürfnis. Mit der Geschichte des Wiederausbaues der deutschen Reichswehr und der deutschen Reichs­marine wird Ihr Name eng verbunden sein.

Indem ich Ihnen'meine aufrichtigen Wünsche für eine baldige Wiedergesundung und zugleich die Hoffnung ausspreche, daß eine spätere Zeit Sie wieder im Dienste des Reiches finden möge, bin ich mit freundlichen Grüßen

Ihr stets ergebener und dankbarer (gez.) von Hindenburg."

Oer Konflikt im Zentrum erledigt.

Berlin. 19. Jan. (WB.) Die Verhand­lungen über die in der Zentrumspartei ent­standenen Schwierigkeiten wurden in einer Sitzung des Vorstandes der Reichstagssraktion des Zen­trums mit einem Ergebnis abgeschlossen, in dem e^ heißt: Der in der Presse wiedergegebene Brief des Parteivorsitzenden Dr. Marx vom 19.12.1927 war eine vertrauliche Privatäußerung die irrtümlich von dritter Seite ohne Ermäch­tigung des Empfängers veröffentlicht worden ist. Dr. Marx verwahrt sich mit Entschiedenheit gegen die Annahme, er habe die WorteDr. Stegerwald und einige Gewerkschaftssekretäre" in geringschätzigem Sinne gebraucht. Der Vor­stand der Zentrumsfraktion des Reichstages ist der Ansicht, dah nach dieser Aufklärung der Zusammenhänge die Angelegenheit als erle­digt betrachtet werden muh.

Das Ergebnis ber Länberkonferenz

Die praktische Durchführung -er Beschlüsse.

Berlin, 19. Ian. (Prioatinformation.) Nachdem die Länderkonferenz gestern abend zu Ende gegangen ist, wurden heute bereits die er st en Schritte zur Durchführung der Beschlüsse getan, die in der bekannten Verlautbarung der Konferenz niedergelegt worden sind. Die Reichsregierung hat die Länder heute aufgefordert, ihre Vertreter für den 18er Ausschuß zu benennen. Die Reichsregierung wird die Mitglieder des Ausschusses, die sie zu entsenden beabsichtigt, ebenfalls in den nächsten Tagen nominieren. Voraussichtlich werden außer dem Reichskanzler, dessen Stellvertreter der Vizekanzler und Reichsjustizminister sein wird, noch drei Reichsmini st er dem Aus­schuß angehören, darunter voraussichtlich der Reichswirtschaftsminister und der Reichsfinanzmini st er. Dazu kommt weiter der Reichssparkommissar. Außerdem wird an die Zuziehung eines Historikers und eines Staatsrechtlers gedacht, so daß dann noch zwei Posten offen bleiben, die wahrscheinlich mit Sachverständigen für wichtige Spe­zi a l f r a g e n besetzt werden. In Kreisen der Reichsregierung rechnet man damit, daß vielleicht schon Ende nächster Woche die Einladungen zu der ersten Sitzung der Kommission erfolgen können.

In den der Reichsregierung nahestehenden Kreisen sieht man die Bildung des Achtzehner- Ausschusses als wesentlich st es Ergebnis der Konferenz an. Man betont, daß selbst die fö­deralistisch eingestellten Länder-ertreter diesen Ausschuß keineswegs als eine Stätte au'faßten, wo die weitere Entwickelung begraben wer­den kann, vielmehr rechnet man damit, daß der Ausschuß schnell st e und positive Ar­beit leisten wird. Seine Bedeutung geht schon daraus hervor, daß er in der Schlußsitzung der Länderkon'eren; der umstrittenste Gegen­stand war. Die Länder halten bekanntlich vor­geschlagen. dem Derfassungsaus-

schuh de. R ichsrates zu Überla sen. unter Umständen unter Zuziehung einiger Vertreter der Reichsregierung. Hiermit erklärte sich aber eine einflußreiche Reichsseite nicht einver­stunden. so daß es zu einem schweren Kon­flikt mit den Ländern kam.

Die Sitzung wurde alsdann auf 11 /'2 Stunden unterbrochen, während dessen das Aeichskabi- nett zusammentrat, um einen Ausweg zu suchen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß in dieser Kabinettssitzung sogar die Möglichkeit der Zu­rückziehung der volksparteilichen Minister angekündigt worden ist für den Fall, dah die Angelegenheit tatsächlich dem Verfas­sungsausschuh des Reichsrates und damit den Ländern allein überlassen würde. Darauf kam dann die Lösung zustande, die zu der Ein­setzung des 18 er Ausschusses führte, von dem man nunmehr eine erfolgreiche Wei terent- Wickelung der zur Debatte stehenden Pro­bleme erwartet.

Befriedigung in Bayern.

München. 19. Jan. (WB.) Die Blätter ver­öffentlichen abschliehende Kommentare über die Länderkonferenz in Berlin. Das Organ der bayerischen Staatsregierung, dieBayerische Staatszeitung" äußert sich u. a. dahin: Man darf sagen, daß Bayerns Teilnehmer an der großen Sammelauseinandersetzung zwischen

Unitarl8mu8 und Föderalismus mit dem Gefühl der Befriedigung den heimatlichen Boden betreten dürfen. D i e Stellung Bayerns und mit ihm der föderalistisch eingestellten süd­deutschen Staaten insbesondere ist sta r k ge­kräftigt. Kein deutscher Staatsmann wird über die einmütige Haltung der süddeutschen Staaten Hinwegkommen und einer Lösung den Weg bereiten können, die deren staatsrechtlicher Auffassung widerspricht. DieMünchen- Augsburgcr Abendzeitung'" schließt ihre Betrach­tung mit den Worten: Der künstlich geschürte Gedanke des republikanischen Einheitsreiches ist nun endgültig abgetan. Ein Zweifel daran ist nicht mehr möglich, nachdem die Länder­konferenz erwiesen hat. daß Bayerns Minister mit ihrer Treue zum Föderalismus durchaus nicht allein stehen, sondern daß außer den süd­deutschen Ländern Württemberg und Baden auch Sachsen, die beiden Mecklenburg usw. in tap­ferer Verteidigungsstellung zu er­blicken waren.

Die Arbeit -es Luiherbun-es.

Die Problemstellung.

Berlin, 19. Jan (WTD.) Der A r b e i t s - ausschuh des Bundes zur Erneue­rung des Reiches ist zu einer zweitägigen Sitzung in Berlin zusammengetreten. Auf (^runb des Dorpearbeite:en Materials sind in den ein­zelnen Erörterungen sämtliche belanntgewordenen Pläne zur Reugestaltung des ganzen Reiches durchgeprüft und in ihrer Bedeutung für die Lebendigmachung des Reichs- gedankens und für die Steigerung der An­teilnahme der Bevölkerung aller Reichsteile am öffentlichen Leben gewürdigt worden. Im Laufe der Einzelerörterungen hat sich bei allen Teilnehmern die Ueberzeugung von der Unhaltbarkeit der gegenwär­tigen Zu stände fortgesetzt verstärkt. Eine Reihe von Lösungsversuchen sind als unge­eignet ausgeschieden, neue Gesichtspunkte aus dem Arbeitsausschuß heraus zur Geltung gebracht worden.

Zur Weitersührung der Untersuchung sind zwei besondere Arbeitskreise gebil­det worden, deren einer die Aufgabentei­lung zwischen der Z e n t r a l g e w a l t und den Regio nalgewaten der .' v muna ter än< e durchprüfen soll, mit dem Ziel, durch diese Auf­gabenteilung mögl'chst zweckmäßige, spar- s a me und für die Bevölkerung durchsichtige Verhältnisse zu schaffen und das Ver­antwortungsgefühl aller Beteiligten durch klare, dauerhafte Abgrenzung ihres Wir­kungskreises zu steigern.

Der andere Arbeitskreis soll ausgehend von dem KernproblemReich Preußen" die zukünftige Gestaltung des staatsrechtlichen Verhältnisses zwischen dem Reich und den Län­dern nach den vom Arbeitsausschuß gegebenen Richtlinien eingehend untersuchen und so die Grundlage für eine sachliche Entscheidung des Arbeitsausschusses schaffen. Der Bund sieht seine Aufgabe darin, die für die Entschei­dungen staatsrechtlich verantwortlichen Stellen vorbereitende und fördernde Arbeit zu leisten. Die Oeffentlichkeit wird über die Ar­beit des Bundes fortlaufend unterrichtet.

Die Freigabe der großen, Wohnungen.

Zur Aenderung des Reichsmieiengesehes.

Der Beschluß des Wohnungsausschusses des Reichstags auf Aufhebung der Vorschriften des Reichsmietengesehes für Wohnungen mit mehr a l s fünf Wohnräume n hat von unserer Berliner Redaktion eine allerdings mit allem Vorbehalt abgegebene Kommentierung ge­funden, die sich nicht in allen Punkten mit dem deckt, was wir heute in derTäglichen Rund­schau" darüber lesen. Das Blatt stellt fest, daß der unglücklich formulierte Beschluß des Aus­schusses teilweise mihverstanden ist und erklärt dann:Reichsmietengefeh und Mieter- schutzgeseh bleiben nach wie vor für die be­reits vermieteten Wohnungen dieser Art in Geltung. Der Vermieter ist also nicht berechtigt, eine Erhöhung der Miete zu fordern oder zu kündigen. Rur falls nach dem 1. April 1928 eine Wohnung mit mehr als fünf Wohnräumen frei geworden ist und neu vermietet wird, soll der neue Mieter an die von ihm vereinbarte Miete ^gebunden fein und sich nicht mehr auf die gesetzliche Miete be­rufen dürfen. Die Strafbestimmungen gegen Wucher sollen auch hier gelten. Je mehr der­artige Versuche einer Lockerung des Mieter­schutzes zu nicht gerechtfertigten Mietssteigerun- gen ausgenuht werden, um so weniger ist mit weiteren Lockerungen zu rechnen. Der Beschluß des Wohnungsausschusses bedarf im übrigen noch der Zustimmung des Reichstags."

Die Bekämpfung

-er Wohnungsnot.

Berlin, 19. Jan. Der Wohnungsausschuh des Reichstages setzte am Donnerstag die Aus­sprache über die Regelung der Bauwirtschaft für das Jahr 1928 fort. Abg. Tremmel (Zentr.) erklärte, zweifellos hätte man auf dem Gebiet des Wohnungsbaus mehr tun können, wenn man, wie das Zentrum wünschte, eine höhere Wohnungsbauabgabe beschlos­sen hätte. Die Belastung würden nicht die breiten Massen zu tragen gehabt haben, sondern die Industrie, Die um Lohnerhöhungen nicht herumgekommen wäre. Der Redner schätzte den Fehlbetrag an Wohnungen auf etwa dreiviertel Millionen. Dem Wohnungsbauprogramm vor­ausgehen müsse ein Finanzierungspro­gramm. Auch ein Reichsausgleichsfonds fei notwendig. Die Zwangswirtschaft könne man nicht ausheben, denn bei den heutigen Zinssätzen und Baukosten müßte dann die Miete 240 Prozent der Friedensmiete betragen. Handwerk und Mit­telstand sollten die Hauszins st euer nicht bekämpfen, denn sie gebe ihnen selbst Beschäf­tigung und Verdienstmöglichkeit.

Abg. W i n n e f e l d (D. Vp.) führte die Scheu des Vnvatkapitals vor dem Daumarkt auf die Furcht ä.uruck, daß die neuer st eilten Wohnungen über kurz ober lang auch der Zwangswirt­

schaft unterstellt werden. Mit solchen Forde­rungen solle man also recht vorsichtig sein. Aus rein finanziellen Gründen würden leider die Länder in absehbarer Zeit nicht auf einen Teil der Hauszins- steuer zugunsten des Wohnungsbaues verzichten können.

Ministerialrat Dr. W ö l z: Auslandanleihen in Hohe von etwa 60 Millionen sind auf Grund des Steuernachlasses abgeschlossen worden, 22 Millionen sollen sobald wie möglich in den Vereinigten Staa­ten aufgelegt werden. Auch der Auslandmarkt ist nicht unerschöpflich. Der Wohnungsbau scheint mir auf Jahre hinaus ohne die Hauszinssteuer als Haupt­kapitalquelle nicht denkbar. Das wichtigste ist wohl, daß diese Steuer eine gewisse Stabilität er­langt, damit wir mit sicheren Zahlen rechnen können.

Regierungsrat Wildermuth: Die Zahl der fehlenden Wohnungen beträgt etwas über eine Million. Der jährliche ZuganganHaus- Haltung e n wird vom Statistischen Reichsamt für die Zeit von 1925 ab auf jährlich etwa 200 000 berechnet. Vom Jahre 1935 ab wird dieser Zuwachs voraussichtlich eine plötzliche Verlangsamung erfaßten. Mit allem Vor­behalt wird er im Durchschnitt der Jahre 1935 bis 1945 aus rund 130 000 angenommen werden können. Der Bedarf an Wohnungen ist erst dann als gedeckt anzusehen, wenn ein Leerbestand von mindestens 1 Prozent im Reichsdurchschnitt, das wären etwa 160 000 Wohnungen, vorhanden ist. Aus diesen Erwägungen haben wir in der Denkschrift einen dringenden Bedarf von 600 000 Wohnungen angenommen.

Gin anderer Vertreter des Reichsarbeit s- m in i st er i ums gab noch Auskunft über die Lage des Arbeitsmarktes im (Sau­ge to e t b e. Mit einem starken Anschwellen der Arbeitslosigkeit gegenüber den letzten Wochen rechnet man nicht mehr, wenn auch die Lage von der Witterung abhängig ist. Bau­stoffe werden nach Schätzung des Ministeriums in genügendem Maße vorhanden sein. Ein Mittel zur Preissenkung sieht die Reichs­regierung in der Förderung Der Rationali­sierung des Bauwesens.

Kein Rücktritt Keudetls.

Berlin, 19. Jan. (Privatinsormation.) Zu der Meldung eines Berliner Morgenblattes über den angeblich bevorstehenden Rücktritt des Reichsinnenministers v. Keudell können wir mit­teilen, daß es sich dabei um Gerüchte handelt, die gestern nachmittag im Reichstag umgingen. Es wurde behauptet, daß Die Absicht, Herrn v. KeuDell Durch Herrn v. LinDeiner zu ersehen, ißten Grund Darin habe, Daß Die Deutschnationale Volkspartei Dem Zentrum im Zusammenhang mit Den bevorstehenDen schwie­rigen Schulgesetzberatungen unD Den internen Erörterungen innerhalb Der Zentrumspartei D i e

I Situation zu erleichtern versuche, um so balDige Reuwahlen zu verhinDern.

Bon führender Deutschnationaler Seite tourDen uns diese Gerüchte bereits gestern nachmittag als vollkommen grundlos bezeichnet. Auf neuerliche Erkundigung wird uns heute vormittag von Der Leitung Der Deutschnationalen Volks­partei bestätigt, Daß eine Absicht, Herrn von KeuDell aus Dem Kabinett zurückzuziehen, über­haupt nicht erwogen worden sei.

H16 -es Reichsschulgesehes angenommen.

Die Einsichtnahme in den Religionsunterricht.

Berlin, 19. Ian. (DDZ.) Im Bildungsaus- jchuß des Reichstages gab vor der Abstimmung über 8.16 und 16a Abg. Runkel (D. D.) folgende Erklärung für die Antragsparteien ab: Da bei nochmaliger Ueberprüfung des § 16a sich ergeben hat, daß der Zweck, den wir Hamit erreichen woll­ten, bereits durch die vorgehenden Paragraphen, insbesondere durch § 16 erreicht wird, ziehen wir § 16a zurück. Zu 816 legte Abg. Runkel (D. V.) namens seiner Fraktion noch einmal seine Stellung zu 8 16 dar: Ein Geistlicher, der ledig­lich Ortsgeistlicher ist, kann mit der Einsicht­nahme nicht betraut werden. Mit der Einsicht­nahme kann auch der Nachbargei st liche nicht betraut werden, wenn er nicht zu- gleich denoberen Stellen" angehört. Unsere 'Ab. sicht war, in Uebereinftimmung mit den Beschlüssen des Evangelischen Oberkirchenrats Raum zu lassen, in der Regel auf kirchlichem Boden stehende Schulaufsichtsbeamte mit der Einsichtnahme zu betrauen und nur in Sonderfällen obere kirchliche Stellen. Sollte die vorliegende Fas­sung diese Absicht nicht eindeutig zum Ausdruck bringen, dann müßte zwischen erster und zweiter Lesung eine neue Formulierung gesucht werden. Unter diesem Vorbehalt stimmen wir der jetzigen Fassung des 816, der zunächst eine provisorische Lösung darstellt, zu.

§ 16 wird Darauf in Der Kompromißfassung mit großer Mehrheit angenommen. § 16 erhält dadurch folgenden Wortlaut:Den Religions- gesellschasten ist unbeschadet des staatlichen Äufsichtsrechts Gelegenheit zu geben, sich davon zu überzeugen, ob der Religionsunterricht in Uebereinftimmung mit ihren Grundsätzen er­teilt wird. Die zuständigen oberen Stellen Der Religionsgesellschaften haben zu Dem Zwecke das Recht Der Eins ich tnahme in den R e - ligionsunterricht. Dieses Recht kann nicht an den Ortsgeistlichen als solchen übertragen werden. Die Religionsgesellschaften und ihre Vertreter haben gegenüber Den Lehrern, Die Religionsunterricht erteilen, keine Befugnisse der Dienstaufficht."

(Diesem zweiten Absatz des § 16 gaben bei der Einzelabstimmung auch die Demokraten ihre Zustimmung.)

Die Notlage -er pommerschen Landwirischast.

Die Gefahr einer fortschreitenden Enteignung durch Verschuldung.

Stettin, 19. Jan. (WB.) Die Rotlage Der LanDwirtschaft in Der Provinz Pommern hat Den Provinziallandwirtschaftsrat veranlaßt, an die zuständigen Behörden eine Denkschrift zu richten, in Der über die landwirtschaftliche Ver­schuldung der Provinz Pommern, Die auf über 800 Millionen geschäht wird, und über Den Ausfall Der Diesjährigen Ernte ausführliche Angaben gemacht unD Hufs­maßnahmen gefordert werden. Zu deren ein­heitlichen Gestaltung wird Die Bestellung eines Kommissars mit besonDeren Vollmachten ver­langt. Zurzeit, heißt es am Schlüsse, bedeutet in Pommern die Fortführung der Wirtschaft in allen Betriebsgrößen eine fortschrei­tende Enteignung. Rachdem weitere Kre­dite unmöglich sind, wird von den landwirt­schaftlichen Organisationen eine Entscheidung ge­fordert, ob im Vertrauen auf Besserung der Lage an intensiver Betriebsführung festgehalten oder zu einem Zustand zurückgekehrt werden soll, der praktisch etwa dem vor 30 Jahren entsprechen Dürfte.

Aus aller Wett.

Schneetreiben in München.

Rachdem in den letzten Tagen Tauwetter und Regen vorherrschend waren, setzte am Donners­tag mittag heftiges Schneetreiben ein, das einige Stunden anhielt. Im Zusammenhang damit ging Die Temperatur merklich zurück. Das Postflugzeug BerlinMünchen mußte am Donnerstag mittag seinen Flug nach der Lan­dung auf dem Flugplatz LeipzigHülle wegen des Schneegestöbers abbrechen. Auch bet Flug­verkehr nach Frankfurt a. M. erfuhr durch den Schneefall Behinderungen. Gewaltiae Schneemassen sind in Der letzten Rächt im All­gäu gefallen. Im Tale toirD eine Schneehöhe von 20 Zentimeter, von den Pfrontener und Oberstdorfer Bergen 30 bis 40 Zentimeter Neu­schnee mit Lawinengefahr gemeldet.

Unwetterkatastrophe in Amerika.

Ein von heftigem Regenguß begleiteter Tornado bat Süd-Ohio un<b Teile von Kentucky yeimgesucht. Der Sturm war von solcher Heftigkeit, daß Gebäude umgeweht, Bäume entwurzelt und Telegraphen- und Telephonleitungen zerrissen wur­den. Der Hauptschaden wurde anscheinend in Eu- minsville und Easthamilton, zwei Vororten oon Cincinnati, angerichtet. Im Westen von Louisville und in Cincinnati ist eine Anzahl von Gebäuden teilweise zerstört worden. Ein Reisender wurde :m Automobil von einem herabfallensden Gesimsteil er­schlagen. Viele Personen wurden verletzt, so auch zwei Schulkinder in einem Schulhause von East­hamilton.

Ein schweres Unglück verhütet.

In Der Maschinenbauanstalt unD Automobil­reparaturwerkstätte der Firma Fritz Schulz & So­in Kiel brach Feuer aus, das durch das tat­kräftige Eingreifen der Feuerwehr in kurzer Zeit gelöscht werden konnte. Drei Automobile sind trotzdem fast vollständig zerstört. Wie die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, liegt Brandstiftung vor. Unter einem der Auto­mobile waren brennende Weihnachts­kerzen aufgestellt worden. Alle Kontor- und Arbeitsräume waren mit einer mehrere Zen-