hat, der Ausbau der Reichswehr zu einem unpolitischen. fest in der Hand des Staates ruhenden Machtinstrument, wie er unter Gehler und Seeckt so verheihungsvoll begonnen worden ist, stete Fortschritte machen wird.
Die Aufnahme in -er presse.
DerBertraucnsmann desReichsPräfidenten
Berlin, 19. Ian. der Ernennung des Generalleutnants a. D. Groener zum Reichswehrmini- fter schreibt die konservative „K re u z - Z t g.": Wir haben aus unseren Bedenken, die gegen eine Verwendung General Groeners in der Stellung des Reicbswehrministers sprechen, kein Hehl gemocht. Wir halten sie auch heute aufrecht. Nach Lage der Dinge können wir uns nur mit dem Wunsche bescheiden, dah der neue Reichswehrminister das in ihm von dem Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten gesetzte Vertrauen rechtfertigt und unsere Reichswehr^gegen den unentwegten Ansturm ihrer inneren Feinde zu schützen vermag. — Die unabhängige „Deutsche Allgemeine Zeitung" erklärt: Hindenburg hat mit der gleichen Zurückhaltung, aber durwgrei- fenden Entschiedenheit, mit der er schon mehrfach langwierige Krisen zu beenden verstand, auch diesmal die Führung in seiner Hand behalten und nach Anhörung der parlamentarischen Vertreter aus Vorschlag des Kanzlers feine Entscheidung getroffen. Daß der neue Reichswehr. Minister zwar auf menschliche Sympathien bei allen Parteien, aber zunächst auf gewisse politische Widerstände stieß, kann eher als ein g ü n st i g e s Vor- Zeichen für seine Amtstätigkeit betrachtet werden, deren Kennzeichen es sein wird, die Reichswehr auch weiterhin außerhalb der Parteieinflüsse und der Politisierungsbestrebungen zu halten. — In der „Germania" heißt es: Der Reichspräsident hat also jenen Mann für das schwere Amt des Reichswehrministers ausaewählt, der in sorgenvollen Tagen sein Berater gewesen ist. Groener ist als Mann aufrichtiger Gesinnung bekannt. Seine württembergische Herkunft hat ihm den demokratischen Geist mitgegeben, den er niemals verleugnet hat denn aus seiner die Republik bejahenden Einstellung hat Groener niemals ein Hehl gemacht. Die Verwurzelung der Reichswehr mit dem Volke und ihr wirklich echter demokratischer Aufbau, nicht in partei-politischen, sondern im weitesten Sinne, ist die Aufgabe, die noch der Lösung harrt. Der Reichspräsident ist anscheinend von dem Gedanken ausgegangen, die Reichswehr soweit wie i »glich dem politischen Einfluß zu entziehen und deshalb wohl nicht zuletzt ist die Wahl auf Groener gefallen. — — Die Vossische Zeitung schreibt: Groener tonn, da er als alter erfahrener Soldat die militärischen Bedürfnisse zu beurteilen verstehen sollte, ohne das Gespenst einer „Zerschlagung der Wehrmacht" hcraufzubeschwören, die langersehnte Reform der Reichswehr durchführen, wenn er sie will und für notwendig hält Er muß seine Reform damit beginnen, daß er seine Offiziere an den neuen Staat heranbringt, daß er sie lehrt, die Republik zu achten. — Die Kölnische Zeitung schreibt: Wenn heute General Groener die Leitung des Reichswehrministeriums übernimmt, so darf man das Zutrauen zu ihm haben, daß er das Amt nicht nur als überragender Fachmann, sondern auch als ein von den Parteien u nab- hängigerPolitiker führt. Soweit wir wissen, gehört Groener keiner Partei an, er sitzt aber im Vor st and der Liberalen Vereinigung, die sich die erstrebenswerte Aufgabe der Einigung des deutschen Liberalismus gesetzt hat. Man darf wünschen, daß es ihm gelingt, die überparteiliche Stellung, die er für feine Person stets eingenommen hat, auf den Geist des Rsichswehrministeriums, in dem noch manche Parteieinflüsse sich widerspiegeln, zu übertragen, und daß dann seine Tätigkeit die Koalitionsstreitigkeiten der Parteien auch über d i e Wahlen hinaus überdauert. Die großen Verdienste Groeners lassen seine Berufung zu dem schweren Amt des Reichswehrministers vollauf gerechtfertigt erscheinen.
Dank an Geßler.
Ein Schreiben des Reichspräsidenten an den scheidenden Webrminister.
Berlin, 19. Ian. (WB.) Der Herr Reichspräsident hat an den scheidenden Reichswehr- minister Dr. Geßler folgendes Schreiben gerichtet:
..Mein sehr geehrter Herr Reichswehrministert
Mit lebhaftem Bedauern Hobe ich von Ihrem Entschlüsse, aus dem Amte des Reichswehrministers zu scheiden, Kenntnis genommen. So ungern ich mich auch gerade von Ihrer bewährten Äitarbeit trenne, so habe ich im Hinblick auf Ihre erschütterte Gesundheit mich doch entschließen müssen, Ihrem Abschiedsgesuch stattzugeben und lasse Ihnen anbei die Entlassungsurkunde zugehen.
Vor nahezu acht Jahren, in einer Zeit innerer Wirrnis und äußerer Bedräng- n i s haben Sie das schwierige Amt des Reichswehrministers übernommen und es seither i n hingebender un'b selbstlosec Arbeit geführt, mir von dem einzigen Ziele geleitet, die uns verbliebene Wehrmacht zu einem über dem Streit der Parteien stehenden pflichttreuen und tüchtigen Instrument des Reiches auszugestalten. Hierfür Ihnen im Namen des Reiches tief empfundenen herzlich enDank Lu sagen, ist mir in dieser Stunde aufrichtiges Bedürfnis. Mit der Geschichte des Wiederausbaues der deutschen Reichswehr und der deutschen Reichsmarine wird Ihr Name eng verbunden sein.
Indem ich Ihnen'meine aufrichtigen Wünsche für eine baldige Wiedergesundung und zugleich die Hoffnung ausspreche, daß eine spätere Zeit Sie wieder im Dienste des Reiches finden möge, bin ich mit freundlichen Grüßen
Ihr stets ergebener und dankbarer (gez.) von Hindenburg."
Oer Konflikt im Zentrum erledigt.
Berlin. 19. Jan. (WB.) Die Verhandlungen über die in der Zentrumspartei entstandenen Schwierigkeiten wurden in einer Sitzung des Vorstandes der Reichstagssraktion des Zentrums mit einem Ergebnis abgeschlossen, in dem e^ heißt: Der in der Presse wiedergegebene Brief des Parteivorsitzenden Dr. Marx vom 19.12.1927 war eine vertrauliche Privatäußerung die irrtümlich von dritter Seite ohne Ermächtigung des Empfängers veröffentlicht worden ist. Dr. Marx verwahrt sich mit Entschiedenheit gegen die Annahme, er habe die Worte „Dr. Stegerwald und einige Gewerkschaftssekretäre" in geringschätzigem Sinne gebraucht. Der Vorstand der Zentrumsfraktion des Reichstages ist der Ansicht, dah nach dieser Aufklärung der Zusammenhänge die Angelegenheit als erledigt betrachtet werden muh.
Das Ergebnis ber Länberkonferenz
Die praktische Durchführung -er Beschlüsse.
Berlin, 19. Ian. (Prioatinformation.) Nachdem die Länderkonferenz gestern abend zu Ende gegangen ist, wurden heute bereits die er st en Schritte zur Durchführung der Beschlüsse getan, die in der bekannten Verlautbarung der Konferenz niedergelegt worden sind. Die Reichsregierung hat die Länder heute aufgefordert, ihre Vertreter für den 18er Ausschuß zu benennen. Die Reichsregierung wird die Mitglieder des Ausschusses, die sie zu entsenden beabsichtigt, ebenfalls in den nächsten Tagen nominieren. Voraussichtlich werden außer dem Reichskanzler, dessen Stellvertreter der Vizekanzler und Reichsjustizminister sein wird, noch drei Reichsmini st er dem Ausschuß angehören, darunter voraussichtlich der Reichswirtschaftsminister und der Reichsfinanzmini st er. Dazu kommt weiter der Reichssparkommissar. Außerdem wird an die Zuziehung eines Historikers und eines Staatsrechtlers gedacht, so daß dann noch zwei Posten offen bleiben, die wahrscheinlich mit Sachverständigen für wichtige Spezi a l f r a g e n besetzt werden. In Kreisen der Reichsregierung rechnet man damit, daß vielleicht schon Ende nächster Woche die Einladungen zu der ersten Sitzung der Kommission erfolgen können.
In den der Reichsregierung nahestehenden Kreisen sieht man die Bildung des Achtzehner- Ausschusses als wesentlich st es Ergebnis der Konferenz an. Man betont, daß selbst die föderalistisch eingestellten Länder-ertreter diesen Ausschuß keineswegs als eine Stätte au'faßten, wo die weitere Entwickelung begraben werden kann, vielmehr rechnet man damit, daß der Ausschuß schnell st e und positive Arbeit leisten wird. Seine Bedeutung geht schon daraus hervor, daß er in der Schlußsitzung der Länderkon'eren; der umstrittenste Gegenstand war. Die Länder halten bekanntlich vorgeschlagen. dem Derfassungsaus-
schuh de. R ichsrates zu Überla sen. unter Umständen unter Zuziehung einiger Vertreter der Reichsregierung. Hiermit erklärte sich aber eine einflußreiche Reichsseite nicht einverstunden. so daß es zu einem schweren Konflikt mit den Ländern kam.
Die Sitzung wurde alsdann auf 11 /'2 Stunden unterbrochen, während dessen das Aeichskabi- nett zusammentrat, um einen Ausweg zu suchen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß in dieser Kabinettssitzung sogar die Möglichkeit der Zurückziehung der volksparteilichen Minister angekündigt worden ist für den Fall, dah die Angelegenheit tatsächlich dem Verfassungsausschuh des Reichsrates und damit den Ländern allein überlassen würde. Darauf kam dann die Lösung zustande, die zu der Einsetzung des 18 er Ausschusses führte, von dem man nunmehr eine erfolgreiche Wei terent- Wickelung der zur Debatte stehenden Probleme erwartet.
Befriedigung in Bayern.
München. 19. Jan. (WB.) Die Blätter veröffentlichen abschliehende Kommentare über die Länderkonferenz in Berlin. Das Organ der bayerischen Staatsregierung, die „Bayerische Staatszeitung" äußert sich u. a. dahin: Man darf sagen, daß Bayerns Teilnehmer an der großen Sammelauseinandersetzung zwischen
Unitarl8mu8 und Föderalismus mit dem Gefühl der Befriedigung den heimatlichen Boden betreten dürfen. D i e Stellung Bayerns und mit ihm der föderalistisch eingestellten süddeutschen Staaten insbesondere ist sta r k gekräftigt. Kein deutscher Staatsmann wird über die einmütige Haltung der süddeutschen Staaten Hinwegkommen und einer Lösung den Weg bereiten können, die deren staatsrechtlicher Auffassung widerspricht. — Die „München- Augsburgcr Abendzeitung'" schließt ihre Betrachtung mit den Worten: Der künstlich geschürte Gedanke des republikanischen Einheitsreiches ist nun endgültig abgetan. Ein Zweifel daran ist nicht mehr möglich, nachdem die Länderkonferenz erwiesen hat. daß Bayerns Minister mit ihrer Treue zum Föderalismus durchaus nicht allein stehen, sondern daß außer den süddeutschen Ländern Württemberg und Baden auch Sachsen, die beiden Mecklenburg usw. in tapferer Verteidigungsstellung zu erblicken waren.
Die Arbeit -es Luiherbun-es.
Die Problemstellung.
Berlin, 19. Jan (WTD.) Der A r b e i t s - ausschuh des Bundes zur Erneuerung des Reiches ist zu einer zweitägigen Sitzung in Berlin zusammengetreten. Auf (^runb des Dorpearbeite:en Materials sind in den einzelnen Erörterungen sämtliche belanntgewordenen Pläne zur Reugestaltung des ganzen Reiches durchgeprüft und in ihrer Bedeutung für die Lebendigmachung des Reichs- gedankens und für die Steigerung der Anteilnahme der Bevölkerung aller Reichsteile am öffentlichen Leben gewürdigt worden. Im Laufe der Einzelerörterungen hat sich bei allen Teilnehmern die Ueberzeugung von der Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Zu stände fortgesetzt verstärkt. Eine Reihe von Lösungsversuchen sind als ungeeignet ausgeschieden, neue Gesichtspunkte aus dem Arbeitsausschuß heraus zur Geltung gebracht worden.
Zur Weitersührung der Untersuchung sind zwei besondere Arbeitskreise gebildet worden, deren einer die Aufgabenteilung zwischen der Z e n t r a l g e w a l t und den Regio nalgewaten der .' v muna ter än< e durchprüfen soll, mit dem Ziel, durch diese Aufgabenteilung mögl'chst zweckmäßige, spar- s a me und für die Bevölkerung durchsichtige Verhältnisse zu schaffen und das Verantwortungsgefühl aller Beteiligten durch klare, dauerhafte Abgrenzung ihres Wirkungskreises zu steigern.
Der andere Arbeitskreis soll — ausgehend von dem Kernproblem „Reich — Preußen" — die zukünftige Gestaltung des staatsrechtlichen Verhältnisses zwischen dem Reich und den Ländern nach den vom Arbeitsausschuß gegebenen Richtlinien eingehend untersuchen und so die Grundlage für eine sachliche Entscheidung des Arbeitsausschusses schaffen. Der Bund sieht seine Aufgabe darin, die für die Entscheidungen staatsrechtlich verantwortlichen Stellen vorbereitende und fördernde Arbeit zu leisten. Die Oeffentlichkeit wird über die Arbeit des Bundes fortlaufend unterrichtet.
Die Freigabe der großen, Wohnungen.
Zur Aenderung des Reichsmieiengesehes.
Der Beschluß des Wohnungsausschusses des Reichstags auf Aufhebung der Vorschriften des Reichsmietengesehes für Wohnungen mit mehr a l s fünf Wohnräume n hat von unserer Berliner Redaktion eine allerdings mit allem Vorbehalt abgegebene Kommentierung gefunden, die sich nicht in allen Punkten mit dem deckt, was wir heute in der „Täglichen Rundschau" darüber lesen. Das Blatt stellt fest, daß der unglücklich formulierte Beschluß des Ausschusses teilweise mihverstanden ist und erklärt dann: „Reichsmietengefeh und Mieter- schutzgeseh bleiben nach wie vor für die bereits vermieteten Wohnungen dieser Art in Geltung. Der Vermieter ist also nicht berechtigt, eine Erhöhung der Miete zu fordern oder zu kündigen. Rur falls nach dem 1. April 1928 eine Wohnung mit mehr als fünf Wohnräumen frei geworden ist und neu vermietet wird, soll der neue Mieter an die von ihm vereinbarte Miete ^gebunden fein und sich nicht mehr auf die gesetzliche Miete berufen dürfen. Die Strafbestimmungen gegen Wucher sollen auch hier gelten. Je mehr derartige Versuche einer Lockerung des Mieterschutzes zu nicht gerechtfertigten Mietssteigerun- gen ausgenuht werden, um so weniger ist mit weiteren Lockerungen zu rechnen. Der Beschluß des Wohnungsausschusses bedarf im übrigen noch der Zustimmung des Reichstags."
Die Bekämpfung
-er Wohnungsnot.
Berlin, 19. Jan. Der Wohnungsausschuh des Reichstages setzte am Donnerstag die Aussprache über die Regelung der Bauwirtschaft für das Jahr 1928 fort. Abg. Tremmel (Zentr.) erklärte, zweifellos hätte man auf dem Gebiet des Wohnungsbaus mehr tun können, wenn man, wie das Zentrum wünschte, eine höhere Wohnungsbauabgabe beschlossen hätte. Die Belastung würden nicht die breiten Massen zu tragen gehabt haben, sondern die Industrie, Die um Lohnerhöhungen nicht herumgekommen wäre. Der Redner schätzte den Fehlbetrag an Wohnungen auf etwa dreiviertel Millionen. Dem Wohnungsbauprogramm vorausgehen müsse ein Finanzierungsprogramm. Auch ein Reichsausgleichsfonds fei notwendig. Die Zwangswirtschaft könne man nicht ausheben, denn bei den heutigen Zinssätzen und Baukosten müßte dann die Miete 240 Prozent der Friedensmiete betragen. Handwerk und Mittelstand sollten die Hauszins st euer nicht bekämpfen, denn sie gebe ihnen selbst Beschäftigung und Verdienstmöglichkeit.
Abg. W i n n e f e l d (D. Vp.) führte die Scheu des Vnvatkapitals vor dem Daumarkt auf die Furcht ä.uruck, daß die neuer st eilten Wohnungen über kurz ober lang auch der Zwangswirt
schaft unterstellt werden. Mit solchen Forderungen solle man also recht vorsichtig sein. Aus rein finanziellen Gründen würden leider die Länder in absehbarer Zeit nicht auf einen Teil der Hauszins- steuer zugunsten des Wohnungsbaues verzichten können.
Ministerialrat Dr. W ö l z: Auslandanleihen in Hohe von etwa 60 Millionen sind auf Grund des Steuernachlasses abgeschlossen worden, 22 Millionen sollen sobald wie möglich in den Vereinigten Staaten aufgelegt werden. Auch der Auslandmarkt ist nicht unerschöpflich. Der Wohnungsbau scheint mir auf Jahre hinaus ohne die Hauszinssteuer als Hauptkapitalquelle nicht denkbar. Das wichtigste ist wohl, daß diese Steuer eine gewisse Stabilität erlangt, damit wir mit sicheren Zahlen rechnen können.
Regierungsrat Wildermuth: Die Zahl der fehlenden Wohnungen beträgt etwas über eine Million. Der jährliche ZuganganHaus- Haltung e n wird vom Statistischen Reichsamt für die Zeit von 1925 ab auf jährlich etwa 200 000 berechnet. Vom Jahre 1935 ab wird dieser Zuwachs voraussichtlich eine plötzliche Verlangsamung erfaßten. Mit allem Vorbehalt wird er im Durchschnitt der Jahre 1935 bis 1945 aus rund 130 000 angenommen werden können. Der Bedarf an Wohnungen ist erst dann als gedeckt anzusehen, wenn ein Leerbestand von mindestens 1 Prozent im Reichsdurchschnitt, das wären etwa 160 000 Wohnungen, vorhanden ist. Aus diesen Erwägungen haben wir in der Denkschrift einen dringenden Bedarf von 600 000 Wohnungen angenommen.
Gin anderer Vertreter des Reichsarbeit s- m in i st er i ums gab noch Auskunft über die Lage des Arbeitsmarktes im (Sauge to e t b e. Mit einem starken Anschwellen der Arbeitslosigkeit gegenüber den letzten Wochen rechnet man nicht mehr, wenn auch die Lage von der Witterung abhängig ist. Baustoffe werden nach Schätzung des Ministeriums in genügendem Maße vorhanden sein. Ein Mittel zur Preissenkung sieht die Reichsregierung in der Förderung Der Rationalisierung des Bauwesens.
Kein Rücktritt Keudetls.
Berlin, 19. Jan. (Privatinsormation.) Zu der Meldung eines Berliner Morgenblattes über den angeblich bevorstehenden Rücktritt des Reichsinnenministers v. Keudell können wir mitteilen, daß es sich dabei um Gerüchte handelt, die gestern nachmittag im Reichstag umgingen. Es wurde behauptet, daß Die Absicht, Herrn v. KeuDell Durch Herrn v. LinDeiner zu ersehen, ißten Grund Darin habe, Daß Die Deutschnationale Volkspartei Dem Zentrum im Zusammenhang mit Den bevorstehenDen schwierigen Schulgesetzberatungen unD Den internen Erörterungen innerhalb Der Zentrumspartei D i e
I Situation zu erleichtern versuche, um so balDige Reuwahlen zu verhinDern.
Bon führender Deutschnationaler Seite tourDen uns diese Gerüchte bereits gestern nachmittag als vollkommen grundlos bezeichnet. Auf neuerliche Erkundigung wird uns heute vormittag von Der Leitung Der Deutschnationalen Volkspartei bestätigt, Daß eine Absicht, Herrn von KeuDell aus Dem Kabinett zurückzuziehen, überhaupt nicht erwogen worden sei.
H16 -es Reichsschulgesehes angenommen.
Die Einsichtnahme in den Religionsunterricht.
Berlin, 19. Ian. (DDZ.) Im Bildungsaus- jchuß des Reichstages gab vor der Abstimmung über 8.16 und 16a Abg. Runkel (D. D.) folgende Erklärung für die Antragsparteien ab: Da bei nochmaliger Ueberprüfung des § 16a sich ergeben hat, daß der Zweck, den wir Hamit erreichen wollten, bereits durch die vorgehenden Paragraphen, insbesondere durch § 16 erreicht wird, ziehen wir § 16a zurück. Zu 816 legte Abg. Runkel (D. V.) namens seiner Fraktion noch einmal seine Stellung zu 8 16 dar: Ein Geistlicher, der lediglich Ortsgeistlicher ist, kann mit der Einsichtnahme nicht betraut werden. Mit der Einsichtnahme kann auch der Nachbargei st liche nicht betraut werden, wenn er nicht zu- gleich den „oberen Stellen" angehört. Unsere 'Ab. sicht war, in Uebereinftimmung mit den Beschlüssen des Evangelischen Oberkirchenrats Raum zu lassen, in der Regel auf kirchlichem Boden stehende Schulaufsichtsbeamte mit der Einsichtnahme zu betrauen und nur in Sonderfällen obere kirchliche Stellen. Sollte die vorliegende Fassung diese Absicht nicht eindeutig zum Ausdruck bringen, dann müßte zwischen erster und zweiter Lesung eine neue Formulierung gesucht werden. Unter diesem Vorbehalt stimmen wir der jetzigen Fassung des 816, der zunächst eine provisorische Lösung darstellt, zu.
§ 16 wird Darauf in Der Kompromißfassung mit großer Mehrheit angenommen. § 16 erhält dadurch folgenden Wortlaut: „Den Religions- gesellschasten ist — unbeschadet des staatlichen Äufsichtsrechts — Gelegenheit zu geben, sich davon zu überzeugen, ob der Religionsunterricht in Uebereinftimmung mit ihren Grundsätzen erteilt wird. Die zuständigen oberen Stellen Der Religionsgesellschaften haben zu Dem Zwecke das Recht Der Eins ich tnahme in den R e - ligionsunterricht. Dieses Recht kann nicht an den Ortsgeistlichen als solchen übertragen werden. Die Religionsgesellschaften und ihre Vertreter haben gegenüber Den Lehrern, Die Religionsunterricht erteilen, keine Befugnisse der Dienstaufficht."
(Diesem zweiten Absatz des § 16 gaben bei der Einzelabstimmung auch die Demokraten ihre Zustimmung.)
Die Notlage -er pommerschen Landwirischast.
Die Gefahr einer fortschreitenden Enteignung durch Verschuldung.
Stettin, 19. Jan. (WB.) Die Rotlage Der LanDwirtschaft in Der Provinz Pommern hat Den Provinziallandwirtschaftsrat veranlaßt, an die zuständigen Behörden eine Denkschrift zu richten, in Der über die landwirtschaftliche Verschuldung der Provinz Pommern, Die auf über 800 Millionen geschäht wird, und über Den Ausfall Der Diesjährigen Ernte ausführliche Angaben gemacht unD Hufsmaßnahmen gefordert werden. Zu deren einheitlichen Gestaltung wird Die Bestellung eines Kommissars mit besonDeren Vollmachten verlangt. Zurzeit, heißt es am Schlüsse, bedeutet in Pommern die Fortführung der Wirtschaft in allen Betriebsgrößen eine fortschreitende Enteignung. Rachdem weitere Kredite unmöglich sind, wird von den landwirtschaftlichen Organisationen eine Entscheidung gefordert, ob im Vertrauen auf Besserung der Lage an intensiver Betriebsführung festgehalten oder zu einem Zustand zurückgekehrt werden soll, der praktisch etwa dem vor 30 Jahren entsprechen Dürfte.
Aus aller Wett.
Schneetreiben in München.
Rachdem in den letzten Tagen Tauwetter und Regen vorherrschend waren, setzte am Donnerstag mittag heftiges Schneetreiben ein, das einige Stunden anhielt. Im Zusammenhang damit ging Die Temperatur merklich zurück. Das Postflugzeug Berlin—München mußte am Donnerstag mittag seinen Flug nach der Landung auf dem Flugplatz Leipzig—Hülle wegen des Schneegestöbers abbrechen. Auch bet Flugverkehr nach Frankfurt a. M. erfuhr durch den Schneefall Behinderungen. — Gewaltiae Schneemassen sind in Der letzten Rächt im Allgäu gefallen. Im Tale toirD eine Schneehöhe von 20 Zentimeter, von den Pfrontener und Oberstdorfer Bergen 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee mit Lawinengefahr gemeldet.
Unwetterkatastrophe in Amerika.
Ein von heftigem Regenguß begleiteter Tornado bat Süd-Ohio un<b Teile von Kentucky yeimgesucht. Der Sturm war von solcher Heftigkeit, daß Gebäude umgeweht, Bäume entwurzelt und Telegraphen- und Telephonleitungen zerrissen wurden. Der Hauptschaden wurde anscheinend in Eu- minsville und Easthamilton, zwei Vororten oon Cincinnati, angerichtet. Im Westen von Louisville und in Cincinnati ist eine Anzahl von Gebäuden teilweise zerstört worden. Ein Reisender wurde :m Automobil von einem herabfallensden Gesimsteil erschlagen. Viele Personen wurden verletzt, so auch zwei Schulkinder in einem Schulhause von Easthamilton.
Ein schweres Unglück verhütet.
In Der Maschinenbauanstalt unD Automobilreparaturwerkstätte der Firma Fritz Schulz & Soin Kiel brach Feuer aus, das durch das tatkräftige Eingreifen der Feuerwehr in kurzer Zeit gelöscht werden konnte. Drei Automobile sind trotzdem fast vollständig zerstört. Wie die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben, liegt Brandstiftung vor. Unter einem der Automobile waren brennende Weihnachtskerzen aufgestellt worden. Alle Kontor- und Arbeitsräume waren mit einer mehrere Zen-


