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Kr.29R Erstes Blaff

178. Jahrgang

Mittwoch, 19. Dezember 1928

Erschernl täglich,außir Sonntags und Jeiertag». Beilagen Die JBuftrierte Gieftener ^amilienblätter Heimat im BUd Die Scholle.

vezngrpreir für 2 Woche«: 1 Reichsmark und 16 Reichspfennig für Träger» lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernfprechanfchlllffe: 51, 54 und 112.

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GietzemrAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gieszen.

Hessen und die Probleme der Reichsreform.

Staatspräsident Dr. Adelung gibt Auskunst über die Einstellung des hessischen Gesamt­ministeriums zu den aktuellen Fragen der Verfassungs- und Verwaltungsreform.

Darmstadt. 18. Dez. Auf der Tagesord- lumg der jetzt zu Ende gegangenen kurzen Ta­gung des Hes ischen Landtages standen auch ver­schiedene Punkte, die die Frage des E i n h e i is­st a a t e s betrafen, aber wegen der Kürze der Session nicht mehr verhandelt wurden. Unser Darmstädter Vertreter hatte daher den Staats- Präsidenten um eine Stellungnahme zu dieser Frage ersucht. Der Inhalt der anderthalbstün- bigeri Unterhaltung sei nachstehend kurz wieder­gegeben:

Staatspräsident Adelung

erklärte u. a. zunächst, daß er dem Aeltestenrat des Landtages am vergangenen Mittwoch ein­gehend über feine Stellungnahme innerhalb der Länderkonscrenz berichtet habe. 3m Plenum sei mit Rücksicht auf die Geschäftslage während der jetzt abgeschlossenen kurzen Tagung keine Gele­genheit zur Aussprache hierüber gewe en. Dazu werde aber die demokratische Interpellation zu Beginn des nächsten Jahres willkommenen Anlaß bieten. Vorweg wolle er bemerken, daß er A n - Hänger des Einheitsstaatsgedan- kens sei. Gr habe es nicht für seine Ausgabe gehalten, in dem Referat, das er auf der OE- tobertagang des Versas un^sausschusses der Län- derkonfercnz erstattete, theoretische Be enntnisse abzulegen, sondern veracht, in sach'icher Erörte­rung darzutun, wie wir unter den gege­benen Verhältnissen einem einheit.ich, zweckmätzig gegliederten Deutschland nähcrlornmen können. Dabei habe er betont, datz sein Referat sich mit der Auffassung des hessi­schen GesamtministeriumS decke. Staats­präsident Adelung erklärte weiter,

er beurteile die Entwicklung zuversichtlich und habe die Hoffnung, datz die Ausschüsse der Län­derkonferenz die erstrebte Reichsreform entschei­dend vorantreiben werden. E» fei Sache der Länder, zu zeigen, datz sie einem gesamtdeut­schen Interesse gegenüber bereit seien, dem Reichsgedanken die notwendigen Opfer zu brin­gen. Andererseits habe bereits jetzt im ver- fasfungsausschutz völlige Einmütigkeit darüber bestanden, datz zwischen Reich und Gemeinden lebensfähige Länder als Zwischengliederung notwendigerweise vorhanden sein mutzten.

Zu entscheiden, ob ein Land nach der erstrebten Umgestaltung noch als Staat anzusprechen sei, könne ruhig der Wissenschaft überlassen bleiben. Im zweiten Unterausschuß sollten im Laufe des Ja­nuar Referate vorgelegt werden, die zunächst fol­gende Fragen behandeln:

1. Die Abgrenzung der Zuständig­keiten zwischen Reich und Ländern und zusam- menhängend damit die Frage der reichseigenen Verwaltung, der auftragsweiscn Verwal- t u n g von Reichsausaaben durch die Länder, der Eigenverwaltung der Länder einschließlich der Län­derverwaltung kraft eigenen Rechts;

2. die finanzielle Auseinander­setzung zwischen Reich und Ländern;

3. die Organisation der Länder, Landtage, Landesregierungen unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses zwischen Preußen und dem Reich und der Einfluß der Länder auf das Reich und den Reichsrat.

Staatspräsident Adelung wies dann daraus hin, daß die Aufgabe deS ersten Llnterausfchusses, dem er angehore, und der Vorschläge über

die territoriale Umgliederung de» Reich»

zu machen habe, eine sehr schwierige sei. Es müsse aber auch hier eine annehmbare Lösung aefunben werden. Hierbei müsse wohl auf wirt­schaftliche Zusammenhänge em scheidender Wert gelegt werden. Anderseits sei es aber auch drin­gend geboten, bestehende Länderorgan i» satio>nen der zu erstrebenden Reugliederung dienstbar zu machen. Es sei zu wünschen, daß sich auf diese Weise auch im rhein-mainischen Gebiet, wo die Verhältnisse besonders kompliziert lägen, eine Regelung finden lasse, die sowohl dem gesamten deutschen Interesse wie auch dem der beteiligten Bevölkerung gerecht werde. Gin Vorschlag allerdings, wie ihn z. D. der Luthersche Bund zur Erneuerung des Reichs mache, der einfach Preußen, einige norddeutsche Länder und Hessen zu Reichsland erklären toolle und damit etwa 7 Millionen deutsche Staatsbürger, die bisher ihre Angelegenheiten selbst verwaltet haben, in einem zentralistisch organisierten Gebilde zusammenfaßt, sei sowohl vom hessischen wie gesamtdeutschen Standpunkt abzulehnen. Die Vorschläge des Bundes wür­den einem dezentralisiert organi'irrten Einheits­staat die Wege verbauen.

3n der Frage verreichlichung der 2°siiz

stehe er persönlich auf dem Standpunkt, daß die Tlebertragung auf das Reich zweckmäßig sei. Aber die Meinung, durch Hebertragung allein der hessischen Justiz auf das Reich könne die 3bee gefördert werden, halte er für falsch. Da­durch würde die Zerrissenheit nur Der«

Berlin, 18. Dez. (1BIB.) Gegen 11 Uhr mor­gens ereignete sich in einer Zelluloidfabrik in der Schönleinstrahe im Osten Berlins eine schwere Explosion, deren Ursachen zur Zelt noch nicht feftgeffeUt sind. Bevor die Feuerwehr anruckte, versuchten die in den dortigen Räumen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, da Immer wieder kleinere Explosionen eintraten und ihnen der Weg ins Freie durch die verqualm­ten Treppen abgeschnitten war, durch die Fenster auf den Hof zu gelangen. Als die Feuer­wehr eintraf, bot sich ihr ein erschütterndes Bild; denn die meisten Betroffenen waren am Ende ihrer Kräfte. Sie hingen verzweifelt an den Fenstern. Die Feuerwehr breitete sofort Sprung­tücher aus. Jedoch waren schon vorzeitig verschie­dene Personen, deren Kleider Feuer gefangen hat­ten, abgesprungen. Die meisten wurden zwar gerettet, doch haben mehrere Personen schwere Berlehungen erlitten, so datz bisher etwa zehn

gröftert. Die Frage könne nur int ganzen! gelöst werden, ilnb gar die Verreichlichung der hessischen Justiz vom Standpunkt fi ­nanzieller Entlastung zu behandeln, sei absurd. Das Reich schöpfe seine Mi tel aus derselben Quelle wie die Länder und Gemeinden. Aus die Dauer körnte dm Steuer­zahlern in Preuften, Bayern usw. doch nicht zu- gemutet werden, etwa die hessische Justiz zu be­zahlen. Es müsse ein Finanzatisgleich erfolgen, der den hessischen Steuerzahler genau so be­lasten werde wie die übrigen im Reich. Xln cf keinen ilmftänbcn dürfe die Frage der Justiz- verreichlichung mit den Forderungen verkoppel!: werden, die Hessen infolge der Besatzung an das Reich zu stellen habe. Entweder feien die Forderungen Hessens an das Reich auf Ent­schädigung für seine besonderen Desahungslasten- berechtigt, dann müßten sie vom Reich anerka. nt werden, oder sie seien unberech igt, dann seien sie abzulehnen.

Aber der Gedanke, sozusagen auf dem Wege des Ausverkaufs staatlicher Rechte an das Reich der Einheitsstaats- idee zu bienen, ober dadurch bas Reich zur Er­lösung seiner Verpflichtungen bem besetzten Gebiet gegenüber zu veranlassen, könne doch wohl nicht ernstlich erörtert werden.

Die hessische Regierung habe den festen Willen, (in') bei der Lösung des Problems der Reichsreform nicht von vartikularistischer Engherzigkeit leiten zu lassen, sondern als Leitmotiv die Inter­essen Gesamtdeutschlands in den Dor- bergrund zu stellen. Dabei werbe aber die Sorga nicht zurücktreten dürfen, die ihr anverlrauten fub turellen und wirtschaftlichen Interessen der Bevöl­kerung so sorgsam wie möglich in den Rahmen des Ganzen einzubetten. «

Personen in Krankenhäuser übergeführt werben mutz­ten. Das Feuer, bas im ersten Stockwerk begann, hat sich auf die drei darüber liegenben Stockwerke ausgebehnt. Der Feuerwehr, bk mit zehn B- und 11 C-Rofjren tätig war, gelang es, die Gefahr für die Rachbarhäuser abzuwenden, bie eine Zeitlang er­heblich war. Die Feuerwehr hatte bei ihrem An- rücken bereits bas ganze Gebäude In Flammen gehüllt vorgesunden. Die rasche Ausdehnung des Brandes wird auf das zufällige O f f e n ft e fj e n der Berbinbungstüren zurückgeführt. Auch die Treppe ging sehr rasch In Flammen auf, so datz die fliehenden Arbeiter und Angesfelllen z. T. Brandwunden erlitten, z. T. überhaupt den weg schon abgeschnitten fanden.

*

Die Drandkatastrophe war einer der größten Brände, die Berlin in der letzten Zeit zu oer- zeichnen hatte, wie sich dies auch in der hohen Zahl von 3 3 Verletzten, die ins Kranken­

Schwere Vrandkatastwphr in Berlin.

Explosion in einer Zelwloidfabrik. Oer Belegschaft durch verqualmte Treppen der Weg ins Freie abgeschnitten.-Schwere Verletzungen beimGprung aufden Hof

Illusionen.

Die Praxis überrumpelt die Theorie.

Wählend sich Europa um bie Form der Li­quidierung deS Weltkrieges streitet, dabei krampf- hast bemüht ist, Kriege in Zukunft unmöglich zu machen, und feierlich auf Völkerbund und Kel- lvggpakt schwört, geschehen in der übrigen Welt in di ssen Tagen Dinge, die sich mit der europäischen Friedenstendenz nicht recht in 6in- flang bringen lassen. Run wäre es an und für sich ja ganz gut, wenn diese Praxis jenseits der europäischen Grenzen zur ideellen Begründung der europäischen Theorie werden würde, wenn also Europa zunächst nur a l s st Iller Beob­achter die Entwicklung dieser Ereignisse ver­folgen würde. Doch dem ist nicht so. Selbst GvetheS Wort« in seinem Faust:RichtS besseres weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen, als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei, . . ." stimmen mit der europäischen Haltung nicht ganz überein. Im Streit zwischen Bolivien und Para­guay hat zwar der Völkerbund eingegriffen, während aber Herr D r i a n d sich anfchickte, die streitenden Rachbarn zu ermahnen, verhandelten im gleichen Augenblick, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, die Offiziere des französi­schen Luftfahrtkommandos mit der Re­gierung von Paraguay, um ihre Dienste anzu- tragen.

ilnb nicht viel anders liegt es im Aufstand in Afghani st an. Gewiß handelt es sich hier zunächst einmal um innerpolitische Kampfe, die der junge König Amanullah durch seinen Reform- eifer herauf beschworen hat. Diese Käurpfe sind aber symptomatisch. Sie stellen ben Kampf des alten Orients gegen den europäischen Orient dar. llnt> dieser Kampf hat feine Interessenten. Afghanistan grenzt an Indien. In Indien sitzen die Engländer, und fo liegt es nahe, Äaft England alles Interesse daran hat, eine Europäisierung Afghanistans zu unterbinden, um auf diese Werse einen gefügigen Rachbarn mit alten Traditionen und ohne die moderne Technik zu haben. Afghanistan grenzt auch an Persien und Persien reicht an Rußland und die Tür­kei heran, so daft damit die Verbindungswege zwischen Orient und Europa gegeben sind. Ilnb mit einem ganz kleinen Zipfel Land berührt Afghanistan am Pamir-Strome die chine­sische Grenze. Kurzum, die politische Lage dieses Reiches wird von der Verschiedenartigkeit der einzelnen Rachbarstaaten bestimmt. Vielleicht hätte Amanullah besser daran getan, sein Reform­werk langsamer durchzuführen. Man weiß aber wiederum nicht, wie sehr diese Schnelligkeit ge­rade von den Rachbarstaaten bestimmt war.

Kelloggpakt- und Völkerbund, Kriegsliquidie­rung und Kulturausstieg der Menschheit sind die Schlagworte der modernen Welt. Macht in der Politik, Macht in der Wirtschaft, drüben in Amerika bas Erdöl und in Afghanistan die Vor­rangstellung im Orient, das sind die Momente, die all diese Schlagworte immer wieder illu­sorisch machen. Unter dem Druck der Welt- Meinung, so heißt es zwar, habe sich Bolivien gefügt, die Welt wird durch den Umschwung in Afghanistan, so berichtet man weiter, keiner­lei Erschütterung erfahren, und doch hat die Ge­genwart wieder einmal gezeigt, wie sehr die Diplomaten' noch immer an ihrem Metier fest­halten, wie weit die diplomatischen Verwicklungen gehen und in welchem Umfange sie sogar Europa mit hineinbezogen haben. D i e Praxis hat die Theorie überrumpelt. Und der Glaube an die Idee ist wieder einmal arg be­trogen worden. Die Paragraphen sind noch zu unverständlich, um wahr zu werden. Das ist das Resümee der Gegenwart. Wann wird das Ziel erreicht sein, daß man sich immer wieder in der Phantasie erträumt.

Kabul von den Aufständischen beseht?

spärliche Nachrichten über Indien.

ftonflanllnopel, 18.Dez. (I2L) Die aus Teheran gemeldet wirb, Hal sich bie Lage bcs Königs von Afghanistan erneut verschlechtert. Kabul ist endgültig von den Anfstänbi- fchen beseht, bie in ber Stabt einen mi - tltärlschen Schuh eingerichtet haben, um bie Sfabt vor Plünderungen zn bewahren. Das in einem Vorort ausgebrochene Feuer wurde von den Einwohnern gelöscht. Das ausländische diplo­matische Korps hat beschlossen, alle auslän­dischen Bürger eindringlich zu ermahnen, die Ge­bäude der ausländischen Vertretungen nicht zu ver­lassen, weil in der Stabt noch keine neue Regie­rung vorhanden ift

Rach bisher unbeftätigten Meldungen aus Tehe­ran sollen sich in der Rähe ber russisch- nsghanischen Grenze neue Truppen sammeln, bie dem König treu ergeben seien und beschlosien hatten, den Marsch auf Kabul zu unternehmen.

*

Rew Delhi, 18.Dez. (WTB.) Wie ver­lautet, trifft der britische Luftbienst Dov- berertungen, um im Rotlalle ö i e britische Gesandtschaft in Kabul in Sicherheit zu bringen. In Pessawar eintressende Reisende be­richteten. daß bei ihrer Abreise aus Kabul der Belagecungszustand über die Stadt ver­hängt war, daß das Zusammenkommen von mehr als fünf Personen untersagt und das Betreten der Straße nach Anbruch der Dunkelheit verboten

war. Der. in der letzten Woche in dm Kämpfen bei Jalalabad eingetretene Waffenstillstand be­zog sich anscheinend nur auf den Stamm der Mosmands. Die Regierungstruppen bei Jalala­bad fallen von den Aufständischen ein- geschlossen worden fern. Zwanzig führende mohammedanische Priester haben ein Manifest erlassen, in dem das Volk aufgefordert wird, fernem König Gehorsam zu leisten. Rach Mel­dungen, die bisher durch Flugzeug hierher ge­langten, ist den Insassen der britischen Gesandt­schaft in Kabul bisher nichts geschehen. Der Mittelpunkt des Aufstandes ist von Jalalabad nach Kabul verlegt worden, wo Angriffe von Stämmen aus dem Rorden die Lage sehr ernst gestaltet haben. Die meisten Angehörigen des Stammes Schinvari in der Ge­gend von Jalalabad beobachten den letzte Woche abgeschlossenen Waffenstillstand. Der größte Teil der nach Indien führenden Straßen steht noch dem Verkehr offen.

Verständigung über die Reparaiionskonferenz.

Frankreich erhält pl<Jn pouvoir.

Die Alliierten mit allem einverstanden.

Paris, 19. Dez. (WTB. Funkspruch.)Walin" teil! mit daß die allgemeine Verständigung über bie Repsratio., ssachoers'änbigcn nunmehr enb- gültig besiegelt sei. Die französische Regie­rung habe jetzt noch ihre Alliierten über bie letzten verhanblungen mit Deutschland zu unterrichten. Das sei nur eine einfache Frage der Höflichkeit da England und die anderen interessierten Möchte

Frankreich volle Handlungsfreiheit gegeben hätten. Es sei wahrscheinlich, datz bie ver­schiedenen Regierungen aus eine identische Antwort an Deutschland verzichteten und sich begnügen werben, der Presse in zwei ober drei Tagen in einer zurzeit noch nicht genau feft- gelegten Form bas Endergebnis ber Bespre­chungen zur Kenntnis zu bringen. Es fei ferner wahrscheinlich, baft der englische Botschafter in Washington Sir Esme howarb in seiner Eigen­schaft als Doyen bes biptomalischen Korps in biefem Falle natürlich beschränkt auf bie sechs teil- nehmenben Mächte beauftragt werbe, bie Ber­einigten Staaten aufzufordern, an den Sach- oerftänbigenarbeiten teikzuuehmen.

Deutsch-französische Wirischastsverständigung.

Eine Unterredung mit dem französischen Industriellen Peyerimhof.

Berlin, 18. Dez. (WB.) Der zur Zeit in Berlin loeilende französische Großindustrielle Henri de Peyerimhof de Fontenelle wies in einer Unterredung mit dem Herausgeber derDeutschen diplomatisch-politischen Korrespon­denz" darauf hin, daß Deutschland und Frankreich in ihrer Wirtschaft ausgespro­chene Komplementär st aaten seien, nicht nur weil b *r eine Kohle und der andere Erze besitzt, wril die beiderseitige chemische Industrie einand r ergä zmde Wirkungskreise Hal und weil der Ackerbau beider Völler vorwiegend ergän­zende Produkte erzeugt, sondern vor allem, weil beide Völker intellektuell geartet seien, ja, wie man ohne Verkleinerung der Angelsachsen fast behaupten könne, die beiben einzigen

vorwiegend intellektuellen Völker seien.Trotz ihrer Besonderheiten in der Denkweise," sagte er-, zergliedern sie jedes Gebiet ihrer Tätigkeit intel­lektuell und organisieren es so, daß wir zunächst Verständnis für seine Sache und für ihre Durch­führung aufzubringen und eine Methode zu schas­sen suchen, um sie zu verwirklichen, die uns unwillkürlich zu einer gewissen Gleichartig­keit des Handelns oder richtiger zu komplemen­tären Maßnahmen führt, wie ich vorher an- beutete.

Den Beweis für diesen Gedankengang sieht Peyerimhof in den immer zahlreicher werdenden deutsche fr anzös ischen ober unter führender Beteili­gung beider Rachborvölker geschaffenen inter­nationalen Wirtschaftsorganisa­tionen. Die Rohstahlgemeinschaft, das Far.cn- abkommen und andere zwischenstaatliche Kon­zerne sind ihm logische Qtottoenbigfeiten. Das französischeMarnewunder" von 1914 stellt er in Parallele mit dein Wunder der deutschen Mark von 1924 als Beweis für die Gleichartig­keit der Willenskräfte und des Selbstvertrauens beider Völker.

Peyerimhof erllärte zum Schluß, große um­spannende Organisationen einer Derufskategorie, sei es in Konzenr- ober in Syndikatssorm unter Zurückführung bes Staatsein, lus es auf Äontroll- unb Richterftmktionen, schienen ihm am besten ge­eignet, eine moderne und rationelle Wirtschafts­führung auch weiterhin auf ber Verant­wortung beseinzelnen aufzubauen, bie bie beste Erzieherin sei. In bie em Sinne wünscht er eine ilebcr.rcg ng ber Vorberritun^sa.b i en für alle wirlscha tlichen Entscheidungen von Parlament unb Regierung an die Berufs- g ruppen felbft. Immer vom Wirtscha't'ichen ausgehend, erwartet Peyerimhof die deutsch-sran- zösi che Annäherung.Denn", so meinte er,im Grund verstehen wir uns ohne Ueberlegung",