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bann feine Antwort auf ihre Rede, obwohl sie sie er- T fannt hatte, denn am andern Morgen sagte sie [ gleich, die Dame wäre ihre Tante Irene gcrr.jen. - Bis in die zweite Hälfte des Junis blieb die
Der Hoherodskopf unter Denkmalschutz gestellt. Der Prvvinzialausschuh der Pro - vinz Ob erhoff en beschäftigte sich in seiner öffentlichen Sitzung am Samstag mit der Ver- waltun^streilsache „Stellung des Hohe- rodskopfesunterDenkmalschu tz". Diese Angelegenheit war schon seit langer Zeit Gegenstand von Besprechungen und Entscheidungen, die großes Interesse in der Öffentlichkeit hervor- riefen
Der Antrag auf Anterschutzstellung ging von dem Hochbauamt Schotten und dem D. H. C. aus. Auch das Hessische Ministerium der Finanzen, welche das staatliche Waldgelände und den Hoherodskopsgipfel bereits in die Rctturdenünal- liste eingetragen hatte, beantragte mit Rücksicht auf die landschaftliche Schönheit den Denknral- schutz weiter nach Rordwesten, Westen und Borden auszudehnen. Die Gemeinde Breungeshain, die sich mit dem Ansinnen nicht einverstanden erklären konnte, erhob Einspruch im Berwaltungs-Streitversahren. Der Kreisausschuh des Kreises Schotten, der sich mit der Sache dreimal beschäftigte, verwarf in seiner Entscheidung vom 28. September 1927 den Einspruch. Er kam der Gemeinde insoweit entgegen, als für die Unterschutzstellung des Hoherodskopfes nur die im Plan eingezeich- nete Mindestsläche in Anspruch genommen werden sollte. Im übrigen würden die Interessen der Gemeinde Breungeshain möglichste Berücksichtigung finden.
Gegen diese Entscheidung verfolgte die Gemeinde Berufung an den Provinzialausschuh. Oberforstmeister Dr. Baader, Schotten, als Vertreter des hessischen Ministeriums der Finanzen, und Regierungsbaurat Rodnagel vom Hochbauamt ^hotten wiesen besonders darauf hm, daß vor einiaer Zeit Bestrebungen im Gange waren, in nächster Rahe des Klubhauses eine Wirtschaft zu errichten. Es wäre nicht ausgeschlossen, dah in nächster Zeit auch Stein- b r ü ch e errichtet würden, die das Landschafts- bülb sehr beeinträchtigen könnten. Dah die Gemeinde Breungeshain durch die Ünterschutz- stellung irgendwie geschädigt werde, sei nicht der Fall. Das fragliche Gelände habe eine Länge von etwa 600 Meter und eine Breite von etwa 200 Meter. Die Fläche stelle Hutweidengelände dar. Wenn später einmal Gebäude errichtet werden sollten, so könne dies trotzdem geschehen, im Sinne des Denkmalschutzgesetzes. Der Vertreter der Gemeinde Breungeshain, Bürgermeister Strauch, erwähnte, dah sich der Gemeinderat verpflichte, einen Bebauungsplan herzustellen, ferner dah er damit einverstanden sei, Erklärung dahin anzugeben, dah nie ein Steinbruch errichtet werden und keine Aufforstung stattfinden soll. Das Gelände der Gemeinde Breungeshain liege auf dem südlichen und westlichen Abhang des Hohe- rodsköpfes und sei seines weithin gewährenden Ausblicks wegen geeignet zur Errichtung von Kur- und Landhäusern, die zur Hebung der wirtschaftlichen Lage der Gemeinde Breungeshain nebst ihrer Umgebung wesentlich beitragen. Dies
Kranke in dem Hause des Polizeikommissars. Dann wurde der Leiter der humanitären Studenten- organisation, Dr. S. mit ihrem Geschicke bekannt- gemacht, und dieser wandte sich an die der russischen Sprache mächtige Bildhauerin Harriet von Rathlef-Keilmann. Beiden gelang es, ihr einen Platz dritter Klasse im Marienkrankenhause zu vermitteln, wo sich Der Anstaltspfarrer Dr. Berg und die dort tätige Krankenschwester besonders um sie bemühten.
Don dem Marienkrankenhause wurde sie in das Mommsensanatorium gebracht, wo sie wegen des Geschwulstes an ihrem Anne von dem bekannten in Berlin weilenden Moskauer Chirurgen Professor Rudneff zweimal operiert wurde.
3m April 1926 reifte die Kranke mit ihrer treuen Begleiterin Harriet von Rathles-Keilmann nach Lugano, um eine Luftveränderung au haben. Da dort nach wenigen Wochen starke depressive Erscheinungen an ihr eintraten, erwirkte Frau von Rathlef-Keilmann bei dem dänischen Gesandten Zahle einen Aufenthalt in dem Sanatorium „Stillnachhaus" in Oberstdorf, wo Höhensonne und gute Pflege bald ein Schließen der Tuberkulose, wunde bewirkten. Anfang März 1927 vertauschte sie Oberstdorf mit dem Schlosse Seeon in Bayern, wo sie der Herzog von Leuchtenberg — ein naher Verwandter des Zarenhauses — bei sich aufnahm. 3m letzten Drittel des Januars 1928 schiffte sie sich nach Amerika ein und erreichte am 7. Februar Reuyork.
3n der neuen Welt ist sie der Gast ihrer Kusine, der ehemaligen Großfürstin lenia Georgijewna, jetzigen Frau Leeds, die von ihrer Wesenseinheit mit der Zarentochter Anastasia fest überzeugt ist. Sie ist auf einem Gute in Mittelwestamerika untergebracht. 3hr Aufenthalt wird aber nicht bekannt gegeben, damit ihre Abgeschiedenheit nickt gestört wird. Sie braucht nichts mehr zu entbehren, sondern lebt im größten Reichtum. Zu denen, die an ihre Echtheit glauben, gehören außerdem vor allem der Herzog Georg von Leuchtenberg und der Großfürst Andreas von Rußland. Ihre eigentliche Retterin ist aber Harriet von Rathlef-Keilmann, die unermüdlich für sie tätig war, um den Nachweis ihrer Echtheit zu erbringen.
3hre seitherigen zahlreichen Veröffentlichungen in der Presse sind nun, zusammen mit Bestätigungen und Gutachten in einem Buche erschienen, das P. S. o. K ü g e l ge n , der frühere Leiter der St. Petersburger Zeitung und Herausgebers der bekannten Lebenserinnerungen eines „alten Mannes", seines Großoheims Wilhelm von Kügelgen in Verbindung mit dem Großfürsten Andreas von Rußland, dem Herzog Georg von Leuchtenberg u. a. im Verlage von Grethlein & Co. in Leipzig und Zürich unter dem Titel „Anastasia. Ein F r a u e n s chi cks a l als Spiegel der W e l t k a t a st r o p h e. Ermittlungen über die jüngste Tochter des Zaren Nikolaus II. von Harriet von Rathlef-Keilmann" (Preis fort. 5, geb. 6 Mk. — 639), herausgegeben hat.
Es ist ein eigentümliches Zusammentreffen, daß dieses Buch etwa gleichzeitig mit einer Erklärung der russiscken Zarenfamilie erschien, die sich mit aller Entschiedenheit dagegen richtet, daß die Frau, die sich Frau von Tschad kowski nenne und zur Zeit in den Vereinigten Staaten von Nordamerika weile, die Qrofefürftin Anastasia von Rußland fei. Es ist ausfallend, daß der Grohherzog von Hessen es ablehnte, seine an- aebliche Nichte während ihres Aufenthaltes in Deutschland zu sehen. Diele in dem Buche mitge» teilten Aeußerungen sind — ihre Wahrheit voraus- gesetzt, und diese Voraussetzung muß bei dem ernsten Charakter des Buches ohne weiteres als vorliegend angenommen werden — nickt zu erklären, wenn sie nicht von er wirklichen Zarentochter herrühren sollten. Die Tatsache, daß die Kranke den Gebrauch der russischen Sprache meidet, wird sowohl durch ihre fürchterlichen Erlebnisse in Rußland, als auch dadurch erklärt, daß sie sie zeitweise aus Rücksicht auf ihre Sicherheit nicht sprechen Durfte. Die Lücken in ihrem Erinnerungsvermögen werden durch die empfangenen Schläge auf den Kopf Durchaus einleuchtend erklärt. Gegen die Annahme, daß die Kranke eine Betrügerin sei, spricht auch die Schwere ihrer Krankheit, die nicht vorgespiegelt sein konnte und auch nicht dazu angetan war, die Durchführung einer bis ins einzelne einstudierten Rolle zu ermöglichen. Ein einziger Punkt in ihren Angaben ist allerdings nicht aufgeklärt, nämlich Der, daß sie ihren Oheim, den Großherzog von Hessen, während des Krieges in Petersburg gesehen haben will.
7 Das Buch enthält nicht ein Lebensbild der an- geblichen Zarentochter in zeitlicher Reihenfolge, ! sondern es stellt den Stoff teils nach sack)lichen Gesichtspunkten geordnet, teils in der Reihenfolge dar, wie er sich auf Grund der angestellten Ermittelungen ergab. Wer es lieft, neigt unwillkürlich zu dem Glauben, daß die Zarentochter Anastasia tatsächlich am Leben geblieben sei und die darin geschilderten Schicksale gehabt habe. 3etzt, wo das Buch vorliegt, läßt es sich nicht durch eine kurze Erklärung widerlegen, sondern seine Ausführungen könnten nur dadurch entkräftet werden, daß gerade die für ihre Echtheit sprechenden Punkte durch Gründe widerlegt würden. Diese Gegenausführungen würden der gleichen allgemeinen Teilnahme begegnen, wie die Ausführungen Harriet von Rathlef Keilmanns. Wenn heute nach fast hundert Jahren ein lebhafter Streit über Die Prinzeneigen- K eines Kaspar Hauser besteht und von der mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt wird, so ist diese Teilnahme nicht nur auf die Rechnung Der Sensationslust zu setzen, sondern sie ist ebenso sehr durch das Interesse an der Feststellung der Wahrheit bedingt, das in hohem Grade eine An- gelegenheit der Allgemeinheit ist. Sollte sich die Echtheit der angeblichen Großfürstin bewahrheiten, so wäre ihr Name „Anastasia", die Wieder- erstandene, ein Omen für ihr Geschick
alles: a Rachthemd und an Pyama und was D' sonst noch brauchst, ’d Zimmer geht auf die Rückseitn. Rachbarschaft hast keine, wann d' die Fenster öffn laffn willst! ilnö jetzt gut Rächt, Baron."
„Gute Rächt, mein Lieber!"
Hettingen hatte noch kaum seinen klatschenden Rock heruntergenommen, als sich Richthofens rundes Gesicht noch einmal durch die Türe steckte. „Wannst läutst, nachher muht zweimal auf’n Knops druckn, das is dem Franz! sein Signal — sonst kommt's Zimmermadl!"
Ein Lachen, dann zog er elligst den Kopf zurück, denn Hettingen warf einen seiner klatschnassen seidenen Socken nach ihm, um sofort auch den zweiten folgen zu lassen.
Don draußen klang noch ein kurzes Kichern herein, dann ward es ruhig.
In wohltuend trockene Wüsche gehüllt, lag der Baron fünf Minuten später in dem riesig breiten Messingbett mit der sattgrünen Seiden- bespannung. Mit blinzelnden Lidern sah er nach der Decke. Der hohe Spiegel in der Ecke warf ihm einen matten Reflex in« Gesicht, schlaftrunken legte er das Gesicht nach der Wandseite.
„Ping-peng — Peng-Ping" klatschen die Regentropfen gegen das weihe Sims des Fensters.
Die Regelmähigkeit des Tonfalles schläferte Hettingen ein. Zum Schlüsse hörte er nichts mehr als ein undeutliches Rauschen, das aus nebelhaften Fernen klang. Unb nach einer Viertelstunde schlief er, wie eben nur Menschen in diesem Alter schlafen können: tief und traumlos.
Richthofen kam gegen acht Uhr aus seinem Arbeitszimmer und trat in den großen Speise- raum. Schüchtern spielte die Morgensonne um das blitzende Silber. Ein Stapel Zeitungen lag neben seinem Gedeck. ।
Lautlos stellte der alte Diener eine Tasse unter den Kaffeekocher. Richthofen tupfte ihn von rückwärts auf die Schuller. „2s er stark, Franzi — ja? — Heut kann ich grab an starln vertragn. Dem Baron Hettingen servierst hall, wann er kommt. — Iessas Mizzerl, bist auch schon wach!"
Die Augen des jungen Mädchens, das soeben eingetreten war, glichen dem Stück Himmel, das sich durch die hohen Dogenfester stahl. Aber eS gewitterte nicht unbedenklich in den großen Sternen. Mit einer tiefen Röte auf den schmalen Wangen ging sie auf den Bruder zu.
„Wen hast du in deinem Zimmer schlafen, Poldl?"
Er hielt abwehrend beide Hande vor sie hin. „Das hab ich jetzt ganz vergessen, dah ich dir das zu wissen getan hab: Der Baron Hettingen ist mit mir z'Haus kommen. Hast uns ghört die Stiegn raufgehn? Ein bisserl früh war's — so um halber eins rum. Hat's dich aufgtoedt, Mizzerl?"
Mit zusammengeschobenen Brauen sah sie zu ihm hinüber. „Gin andermal bring, bitte, deine Freunde in eines der Gastzimmer und nicht wieder in dein eigenes Bett'."
„Geh Mizzerl — der is ja kerngesund, der Hettingen. Don dem krieg ich kein Typhus — und keine Blattern — und Wanzen bat er auch net."
„Du drehst immer alles und jedes ins Komische. Ich war drinnen und wollte dich wachrütteln." —
„Derweilen hast den Hettingen beim Schopf erwischt." Franz konnte gerade noch die Meißener Tasse vor dem Sturz bewahren, ein Teil des Inhalts floß Richthofen auf die weihe Weste. „IS er schon wach, der Joachim?"
Das Mädchen wandte sich verärgert von dem lachenden Gesicht des Bruders ab. „Weiht du, wie peinlich mir das war? — So —" Sie schluckte an den Worten. „Er schlief noch, und ich im guten Glauben, du wärst es, hab ihm den Kopf geftrubelt — bis ich's dann gemerkt habe!"
„Meinst, dah es ihm geschadet hat, dem Hettingen?" An Richthofen war alles in Bewegung. Seine ganze rundliche Korpulenz lachte mit den grauen Augen um die Wette. „Mizzerl, das brauchst gar nicht so schwer nehmen. Weiht, der Hettingen is kein solcher, der das ausnützen tät oder weitererzählen oder ..."
Jäh schnitt ihm das Wort ab, denn der Baron trat im selben Augenblick unter die wein
alles fei unterbunden, wenn dieses Gelände unter Denkmalsschutz gestellt würde, und müsse als Eigentumsbeschränkung angesehen werden. Auch würde die Entwicklung des Hoherodskopfes als Ausflugs- und Erholungsort zum_ Rachteil des ganzen Dogelsberges sehr beeinträchtigt.
Der Provinzialausschuh erachtete die Stellung der bestrittenen Fläche un - terDenkmalschutz im öffentlichen Interesse für erford erlich und wies die Berufung der Gemeinde Breungeshain gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Schotten als unbegründet kostenpflichtig zurück.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
OO Klein-Linden, 18. Nov. Nachdem durch den Dekanatsausschuß die vor einigen Wochen vorgenommene Wahl zur Kirchengennindcvertre- hing für gültig erklärt worden war, fand am heutigen Sonntag eine gemeinschaftliche Sitzung der Kirchengemeindevertretung uno des Kirchenvorstandes statt. Der Dor- sitzende, Pfarrer Bremmer, widmete dem verstorbenen Mitglied der Kirchrngemcindevertre- tung und langjährigen Organisten Rektor L R. Böhler einen ehrenden Rachruf. Sodann fand die Derpslichtung der neug ^wählten Kirchengemeindevertreter statt. Don insgesamt 30 Vertretern sind sechs neugewählt worden, nämlich: Friedrich Lenz II., Heinrich Luh, Wilh. Jung XIII., Philipp Weigel XXV., Ludwig Lenz XI. und Hermann Rau. Für das verstorbene Kirchenvorstandsmitglied Wilhelm Lenz II. wurde Ludwig Weigel XIII. gewählt. Wiedergewähl: als Kirchenvorstandsmit'l eder wurden die seitherigen Mitglieder Phi.ipp Jung IX., Johannes Theiß III., Johannes Germer II., Wilhelm Jung VIII. und Bürgermeister Phil. Jung XVIII.
£ Wieseck, 18. Nov. Am Samstagabend fand im Sacll „Zum kühlen Grund" ein Lichtbildervortrag des Vo lks- F euerbe- stattungsvereins statt, der aber nur schwach besucht ipbr. In anschaulicher Weise wurden die Auhenc^sichten der verschiedenen Krematorien DeutMands, sowie anderer Staaten gezeigt. Die Innenansichten von verschiedenen deutschen Krematorien, sowie die Verbrennungsanlagen zeigten, dah hier das technisch Beste geschehen ist. Als Besonderheit ist zu verzeichnen, daß Japan als einziges Land der Well das Dreiklassen-Krema- torrum eingeführt hat. 3n dem anschließenden Vortrag bemerfte der Redner, dah es jedem möglich sei, Mitglied des Feuerbestattungsvereins zu werden, ganz gleich welcher Konfession er an» gehöre. Zum Beweis dafür, daß der Gedanke der Feuerbestattung marschiert, führte der Vortragende an, dah der Verein 1913 mit 1000 Mitgliedern gegründet wurde und im Jahre 1928 bereits die halbe Million überschritten habe. Die Gesamtzahl der Feuerbestattungen betrug m diesem Verein bis Ende August dieses Jahres 36 710 Personen.
V Mainzlar, 18. Rov. Das außergewöhn- lich milde Herbstwetter in diesem Jahre kommt der Winterfrucht sehr zustatten. Die Saaten zeigen durchschnittlich einen guten Stand. Stellenweise haben jedoch Mäuse und in letzter Zeit auch Schnecken erheblichen Schaden an- gerichtet, so dah zu ihrer Bekämpfung Gift gelegt und auch Aetzkalk gestreut werden muhte. — Vielfach geklagt wird von den hiesigen Kleingewerbetreibenden über das Aut o-Hausier- wesen. Immer zahlreicher werden die Besuche dieser Autofilialen auf dem Lande, und fast keine Woche vergeht, wo nicht ein solcher Wagen auf der Ortsstrahe feinen Verkaussstand eröffnet und zum Schaden der ortsansässigen Lebensmittel- Händler mitunter eine recht ansehnliche Tageseinnahme hat. Obwohl in Hessen diese neuartige Absahform steuerlich besonders ersaht werden soll — der Betrieb soll als Wanderlagerbetrieb betrachtet werden —, tauchen diese. Händler mit ihren Autos immer mehr auf.
: Beuern, 18. Rov. Bei der Wahl des Kirchenvorstandes wurden wiedergewählt: Georg Stein, Gemeinderechner i. R. Reugewählt wurden Bürgermeister Linden- ftruth, Wagnermeister Heinrich Krämer, Landwirt und Steinhauer August Weimer, Sattlermeister Heinrich Otto VI. und Schreiner- meister Ludwig Wilhelm Arnold. — Der Bau des Ehrenmals für die gefallenen Krieger unserer Gemeinde geht seinem Ende entgegen. Die Maurer- und Stein bau erarbeiten sind soweit beendet. Zur Zeit werden die großen Blöcke unserer hämischen Dasaltlava für das eigentliche Denkmal angefahren und auf
farbene Sammetportiere, die Franz dienstbeflissen zurückhiell.
Mit einem raschen Blick sah Richthofen' nach seiner Schwester, ein Dutzend Schalksnarren sahen ihm dabei um Mund und Augen. „Ich weih net, ob du den Herrn Baron noch kennst, Mizzerl! — Don früher her vielleicht. — Aber da warst noch ein halbes Kind. Jetzt ist er drei Jahre oder länger bei den Zulu gwesn und in Indien drüben bei die Fakire, und bei die Bolschewik! hat er 's Lügn glernt.“
„Gnädiges Fräulein, Ihr Bruder verleumdet über die Maßen." Hettingen bog sich über die weiße, schmale Mädchenhand und führte sie an die Lippen. „Run versteh ich auch, weshalb man im Hause Richthofen solch wundervolle Träume hat! — Ich bin diese Rächt immer durch Paradiese gewandelt."
„Wird auch mehr als eine Eva drinnen gwesen fein, in die Paradies, net?“
„Poldl!" warnte Hettingen mit einem feinen Rot auf den Wangen, während die von Maria Richthofen rosenfarben aufglühten.
„Ich bin schon brav, Joachim! — Franz, der Herr Baron von Hettingen trinkt einen Schwarzn! — Extra schwarz! — Gibst uns die Ehr, Mizzerl? — 3a? — Tät uns frein! Ich red gar nix äln- artigs mehr. Don jetzt an bin ich ganz Kavalier. Hat dich 's Trarwahrasstn aufgtoedt, Baron? Oder 's Rattern von die Kraftwagen? — So still is halt nicht bei uns wie bei euch draußen in der Cottage."
„Stimmt alles nicht, Poldl! — Du hast mich ja schon vor einer halben Stunde so unsanft an den Haaren gerüttelt, dah ich rasch in die Wirklichkeit zurückkam."
„Hörst es, Mizzerl? — Ich hat ihm die Haar gschüttlt." Richthofens Augen lachten.
Hettingens Gesicht blieb vollkommen ernst. Er sah nur flüchtig nach der Schwester des Freundes. die (Blumen in eine Base ordnete. Als sie Ian den Tisch trat, lag noch ein feines Rot auf ihren Wangen. Während er feinen Kaffee trank, glitt ihr Duck verstohlen über ihn hin. Er gefiel
gesetzt. Die ziemlich umfangreiche Bildhauerei dürste noch 2 Monate in Anspruch nehmen, so dah mit der Einweihung des Denkmals erst im nächsten Frühjahr gerechnet werden kann. — Die F ö rft er ste lle unserer Gemeinde ist ab 15. Oktober wieder planmäßig besetzt worden. Sie wurde Förster Keil von Hattenrod übertragen. — Wie' im vergangenen Winter, so befördert auch jetzt wieder unser Verkehrsauto die bei der Firma Scheidhauer und Giehing in Mainzlar beschäftigten Aroeiter von Beuern, Großen-Duseck und Alten-Duseck zu ihrer Arbeitsstelle und holl sie abends wieder dort ab. Diese Einrichtung wird von der Arbeiterschaft sehr begrübt.
(-) Lang-Göns, 18. Nov. Der hiesige (Beflügel- und Kaninchenzuchtoerein hielt heute unter der rührigen Leitung Des ersten Vorsitzenden Otto May eine Lo ka Ischa u ab, die etwa 180 Nummern auflvies. Als Preisrichter wirkten die Herren I. K o 11 e r (Bad-Nauheim) für Geflügel und L. Gerhardt (Kirch-Göns) für Kaninchen. Den Ausstellern wurden zahlreiche Ehren- und erfte Preise zuerkannt. Bemerkenswert war Die geringe Anzahl Der ausgestellten Kaninchen. Während in Der Nachkriegszeit manchmal die Hälfte aller ausgestellten Tiere Kaninchen waren, sind sie jetzt etwa auf ein Zehntel der Nummern jurüdgegangen. Sehr zahlreich vertreten, waren aber die Tauben. Der Besuch war, wie bei allen Lang-Gönser Ausstellungen, sehr rege, auch viele auswärtige Züchter konnte man bemerken. Mit der Ausstellung war eine Verlosung verbunden. Am Abend folgte der übliche „Gickelsball".
LJ Aus der nordöstlichen Wetterau, 18. Rov. Die gelindr Witterung dieses Herbstes, die den Feldern sehr zustatten kommt, hat auch ihre Schattenseiten. Sce gewährt den Acker- s ch -n e ck e n die denkbar günsttgsten Lebensbedingungen. Diese Schädlinge treten hier tn großer Zahl auf und richten an der jungen Saat großen Schaden an. Die grünen Roggen- spitzen sind stellenweise auf breiter Ackerfläche abgefressen.
Kreis Friedberg.
-chi B a d - N a u h e i m, 18. Nov. Das hiesige O r t s- kartellder Beamten will im Lause Des Winters in einer Reihe von Vorträgen wichtige Beamtenfragen behandeln und außerdem durch belehrende Referate sich in Den Dienst Der Fortbildung stellen. Beim ersten Abend, Der sich eines recht guten Besuches erfreute, sprach Der Vorsitzende des Kartells, Steuerinspektor P l a a g, zu Dem Thema „Die Erhaltung des Berufsbeamtentums". Er begrünDete Die Notwendigkeit Des Berufsbeamtentums zunächst geschichtlich, ging Dann auf die Gesetze ein. Die ihm in Der neuesten Zeit drohen, um Dann wichtige Forderungen herauszustellen, die im Interesse Des Berufsbeamtentums in nächster Zeit zu erfüllen wären, u. a.: Verwaltungsreform, Beamtenrecht (mit einem Beamtenoertretungs- und einem Disziplinär- aesetz), Aufstellung des Ortsklassenverzeichnisses entsprechend Der gesetzlichen Zusicherung, Regelung Der Anspimche Der Warte- und Ruhestandsbeamten. Beschlossen wurde, Das zehnjährige Bestehen Des Orts- kartells im Januar durch eine würdige Veranstaltung zu feiern, wobei Lehrer Porth, der langjährige verdiente Vorsitzende des Kartells, die Festrede halten wird.
pb. Butzbach, 18.Nov. In der jüngsten Dtadtverordnetensihung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Der Antrag von Rob. Schreiber um käufliche äleberlassung des Bauplatzes Flur VIII Rr. 3625/io - 400 Quadratmeter, um darauf ein Wohnhaus mit zwei Vierzimmerwohnungen zu errichten, wurde genehmigt. Der Preis für das Quadratmeter beträgt 4 HEL Innerhalb eines Jahres muß das WohnhauS erbaut fein. Der älmlaufbeschluß, wonach die Herstellung der Griedeler Straße vom Ostbahnhof bis zum Pflaster beim Haus Gernsheim mit einer 4 Zentimeter starken Leitumendecke erfolgen soll, wurde bestätigt. Die Kosten in Höhe von 4800 ML sind durch Kapitalaufnahme zu decken. Bevor die Fahrbahn der Griedeler Straße mit einer Leitumendecke belegt wird, sollen auf Antrag der Mehrzahl der Anlieger die Fußsteige in dieser Straße hergestellt und mit Platten belegt werden. Die Pflastersteine der Fußsteige werden, soweit sie noch nicht 25 Jahre liegen, mit 3 Mk. für das Quadratmeter den Anliegern vergütet. Deckung ter Kosten erfolgt durch Kapitalausnahme. Für die in den Jahren 1927 und 1928 beschlossenen, durch Kapitalaufnahme zu deckenden Ausgaben sollen Darlehen in Gesamthöhe von 92 000 ML ausgenommen werden, und zwar 12 000 Mk. bet der Gewerbe- und Landwirtschaftsbank, je 30 000. 15 000 und 20 000 Mk. bei dem Mathildenstift
ihr. So hatte sie in ihren Mädchenträumen den Mann gesehen, den sie sich vom Schicksal erhoffte. Siegfriedartig, ein gewinnendes Lächln um den Mund, ritterlich, edel und von distinguierter Vornehmheit.
Die Folge war, dah sie sich lebhaft am Gespräche beteiligte. Rur, als die Rede auf Feh- mann kam, äußerte sich ein so geringschähender Zug in ihrem Gesichte, dah Hettingen sie gan$ erstaunt ansah.
Das weizenfarbene Haar zitterte in kleinen flatternden Wellen um ihre Stirne, so heftig hatte sie den Kopf zurückgeworfen. „Ich kann solch eingebildete Menschen nun einmal nicht leiden," urteilte sie erregt.
„Mizzerl, tu dich nicht eschoffieren," bat Richthofen. „Er ist ein seelenguter Kerl, der Feh- mann! — Bloh ein bisserl grab! Zu grab vielleicht! Unb das kannst du net vertragn! — Ich weih schon!" Er legte feine Hand bittend auf ihre leicht vibrierende Rechte.
Sie entzog sie ihm heftig. „Ich mag die Leute nicht, die halb am Verhungern sind und sich dabei den Anschein geben, als läge die ganze Welt zu ihren Fähen. — Den Fehmann könnte ich rrchig im Straßengraben sitzen sehen, ohne ihm einen Groschen in den Hut zu werfen."
Richthofen fing an, ihre Linke zu streicheln. ,Mizzerl, wann ein Hund win eit um ein Stückerl Brot, bad ist leichter, als den Mund zulassen, wann einem die Gedärm krachn! — Muht nicht so hart urteilen! — Hast ihn schon einmal genauer angschaut, den Fehmann? — Ret? — Dann muht es nachhoten! — Oder du muht dich von ihm zum Rachtmahln einladn laffn!“
„Ich habe nicht die geringste ßuft dazu!"
„Das glaub ich! Weil man von nix net satt kriegt. Unb nix, das hat er alle Tag!"
In Hettingens Gesicht wechselten die Farben. „Ich hatte keine Ahnung, daß es so um ihn steht. — Ist seine Praxis denn nicht gut? — Mir gegenüber hat er noch nie geklagt!"
(Fortsetzung folgt.)


