Oie Wetterlage,
Flugzeugege
be. Ec machte Dann
Der Herr Reichspräsident empfing Den neugewählten ersten Vorsitzenden des Vereins für das Deutschtum im Ausland, Gesandren z. D. Wirkl. Geheimen Rat Freiherrn v. d. Busche, Der von dem zweiten Vorsitzenden des Vereins, Konteradmiral a. D. Seebohm. begleitet war. Der Herr Reichspräsident äußerte sich sehr befriedigt über die Tätigkeit des Vereins und wünschte ihm für seine künftige Arbeit besten Erfolg.
Reichsauhenminister Dr. Stresemann wird in der kommenden Woche einen m ehrwöchigen Erholungsurlaub antreten, den er im südlichen Schwarzwald verbringen wird.
Rach Meldungen auS Straßburg hat Baron Elaus Zorn von Bulach, der beim Antritt seiner Haft in da- Anstalt-kranken- haus eingeliesert worden war. wegen einer schweren RervenkrisiS in eine Privatkli» nik gebracht werden müssen.
Das englische Oberhaus hat den Gesetzentwurf, der den Frauen im Alter von 21 Jahren das gleiche Wahlrecht verleiht wie den Männern, in dritter Lesung ohne Debatte angenommen. Der Entwurf, der bereits im Unterhaus angenommen war. wird nun Gesetz werden.
4Se ttc rvo i a US j age.
In der Rinne tiefen Druckes, die sich in westöstlicher Richtung über die britisch«, Inseln. Hüt' landinavien und das Baltitum erstreckt, bewegt sich eine Störung, die über Rordwesteu- ropa Riederfchläge gebracht hat. Auch sie dürfte beim Dorüberzug in unserem Gebiet unter noch etwas ansteigenden Temperaturen zu zeitweisen Riederschlägen führen.
Voraussage für Mittwoch: Wechselnde Bewölkung. Temperaturen noch etwa- ansteigend, zeitweise Regenfälle.
.2 o r a uSsage für Donnerstage Wolkig m»t Aufheiterung. Temperaturen sc^vankend, ohne wesentliche Riederschläge.
Lufttemperaturen an. 18. Juni: mittags 11,7 Grad Celsius, abends 8,5 Grad Celsius; am 19 Juni: nwrflen5 11,9 Grad Celsius. Maximum 15 Grad '“Huis. Minimum 7,9 Grad Celsius — Erdkernpera-
^0 Zentimeter Tiefe am 18. Juni: abends l?.7 6cad Celsius; am 19. Juni: morgens 12,7 Krad Celsius. — Niederschlag 3-8 Millimeter. — Sonnen- scheindauer 454 Stunden.
Kleine politische Nachrichten.
Der Herr Reichspräsident hat an den Herrn Reichsverweser von Ungarn. Admiral von Horthh in Budapest, folgendes Telegramm gerichtet: Eure Durchlaucht bitte ich. meine wärm st en Glückwünsche zur Vollendung des 6 0. Lebensjahres entgegen- nchmen zu wollen. Don Herzen wünsche uh, es möge Ihnen vergönnt sein, noch viele gesegnete Jahre in voller Gesundheit und Rüstigkeit zu erleben. In alter Kameradschaft und mit besten Grützen bin ich Ihr
Reichspräsident v. Hindenburg.
Ein neuer Versuch mit -em Raketenwagen.
LPel fährt am Tamstag bei Hannover.
Frankfurt a. 21Z., 18. Juni. (ZU.) Die Ge- schwindigkeilsoersuche des Opel-Rokelen.wage n s „R a f IIP sind endgültig auf Samstag, den 23. Juni, nachmittags 2 Uhr, festgelegt. Die jal)d findet auf der Eisenbahn st recke Burgwedel-Celle slall. Das Versuchsprogramm um- fahl drei verschiedene Fahrten mit jeweils gesteigerter Geschwindigkeit. Sollten die versuche den Erwartungen entsprechen und insbesondere die bisher unberechenbare Haftung des Fahrzeuges am Boden ausreichen, so wird Fritz von Opel bei einem vierten Versuche die höchste bisher von einem Fahrzeug erreichte Geschwindigkeit von 333 Stundenkilometer zu überbieten versuchen. Die Bremsung des Fahrzeuge» erfolgt durch automatisch ausgelöste Bremsvorrichtungen, in der Hauptsache jedoch durch Bremsrakete«, die nach Durchlaufen der Strecke entgegengesetzt der Fahrtrichtung entzündet werden. Die «Bremswirkung ist • so berechnet, datz auch bei Erreichung von Rekordzeiten der Bremsweg von drei Kilometer nicht überschritten wird.
Woldemaras fordert Wilna.
K o w n o, 18. Juni. (WB.) Am Montag fand in Kowno eine Zusammenkunft des litauischen Schützen Verbundes statt, an dem auch Ministerpräsident Woldemaras und Lan- desschutzministcr Generalleutnant Dauf antas teilnahmen. Woldemaras führte in seiner Ansprache aus, daß die Liste der für das Vaterland gefallenen Schützen noch nicht geschloffen sei. Man werde die Unabhängigkeit Litauens verteidigen und die Hauptstadt Wilna zurück- gewinnen müßen. Die großen Staaten forderten Litauen auf, mit Polen Frieden zu schließen. Die litauische Regierung würde aber bk Interessen Litauens tatkräftig verteidigen. Die Schützen mutzten aus diesem Grunde auf der Dacht sein. Der Ministerpräsident sprach die Hoffnung aus, datz unter den Fahnen des Schüs^nverbandes. die hrf)
Otto Hammann f.
Berlin, 19. Juni. (ZU.) Der langjährige Leiter der Presseabteilung des Auswärtige« Amtes, TTllai- sierialdirektor a. D. Exz. Dr. Otto Hamman«, ist am Montag im Aller von 76 Jahren in Fürsieaberg (Mecklenburg) gestorben.
Königin Wilhelmina der Riederlande und die Kronprinzessin Juliana sind Montag morgen in Stockholm eingetroffcn.
waren. Die einzelnen Punkte dieser Richtlinien wurden du. ^gesprochen. Ein Teil von ihnen ist bereits in einer Konferenz der übrigen für die Koalition in Frage kommenden Parteien besprochen worden. Anscheinend ist hierüber auch schon eine llebereinftimmung erzielt wor- den Lieber eine Reihe anderer bisher noch nicht besprochener Forderungen der Wirtschaftsvartei wird der Abg Müller-Franken zunächst mit dem sozialdemokratischen Frakiionsvorstond verhan- dcln. Sollte dabei eine Hebereinftimmung erzielt werden, so wird wahrscheinlich am Dienstag oder Mittwoch eine allgemeine Aussprache zwischen Öen sämtlichen für eine Große Koalition in Frage tommenöcn Parteien mit Ein - schluh der Wirtschaftspartei über bie noch offenen Punkte erfolgen. Dor Mittwoch dürsten weitere Verhandlungen nicht in Frage kommen.
Oie Nachforschungen nach der „Italia".
Nobile lichtet die norwegischen Flieger.
Rom, 18. Juni. (Wolff.) Wie von der ,Eitta di Milano" gemeldet wird, sind die Flieger R i j- f er Larsen und Lützow-Holm von ihrem bereits gemeldeten GrkimdungSslug zurückgekehrt. ohne Robile gesichtet zu hoben. Dagegen Hot Robile die „Gitta di Milano" funktelegra- phisch angerufen und mitgeteilt, datz er die
nicht im Saale befänden, die Litauer in der Hauptstadt einmarschieren würden. Ge- neraliculnant Da u k an las hab in seiner Rede Herrn-, der Völkerbund habe die Litauer oufgefor= dert. Palen gegenüber nachzugeben. Litauen wallte und walle auch jetzt kein Blutvergießen, wenn es aber notwendig sein würbe, die Unabhängigkeit zu I verteidigen, so würde sie verteidigt werden. Im Augenblick könne man noch nicht Vorhersagen, wie die palnisch-litauische Angelegenheit sich im September entwickeln werde. Das litauische Volk werde aber den Kampf bis zuletzt führen. Es würde siegen ober fallen.
Zusammentreffen der Vorkämpfer neuer Ideen in Amerika empfunden habe. Sie seien keine Helden, sondern nur tapfere Soldaten, die einer Idee dienen wollten, die der Menschheit nütze und dem Vatcrlande Helse. Er hoffe, datz ihre Tal Deutschland in der Welt nützen werde Sie würden für ihre Ideen weiter kämpfen und notfalls erneut ihr Leben für die Herstellung einer Brücke zwischen der allen und der neuen Welt einfetzen. — Um 4 Llhr nachmittags wurde die „Columbus'" von der Kaiserfchleuse nach dem Ankerplatz des Kaiserhafens verholt. Die Flieger blieben an Bord des Schiffes, auf dem abends im kleinen Kreise eine Familienfeier stattfand.
Bremen inSrwattung derFlieger
Bremen, 19. Juni. (WTD. Funkspruch). Die alte Hansestadt steht vom frühen Morgen an im Zeichen der Heimkehr der „Bremen"-Flieger Die umfangreichen Vorbereitungen zu ihrem festlichen Empfang sind beendet. Gin Flaggenmeer von seltenem Ausmaß, Tausende von Wimpeln und reiche Kranzgebinde schmücken die Häuser und Gebäude aller Straßen im besonderen der Innenstadt und der Feststraßen, weiche die Flieger bei ihrem Ginzug passieren werden. Eine außerordentlich eindrucksvolle Ausschmückung hat vor allem der historische Marktplatz erfahren, insbesondere daS alle Rathaus, das in reichem Girlanden- und Ä schmuck mit den Bremischen, Bayerischen, und den Aeichsfarben drapiert, einen überaus imposanten Eindruck macht, nicht mürber der Schütting, das Haus der Handelskammer, die Börse, der Dom und alle weiteren zum Marktplatz gehörenden Gebäude. Durch die Straßen der Stadt wogt schon jetzt seit den frühen Morgenstunden unablässig eine in Erwartung der Dinge freudig bewegte Menschenmenge. Alm die Mittagstunde werden die DureauS der sämtlichen Privatunter- nehmunaen, sowie der staatlichen Behörden geschlossen werden, um den Angestellten Gelegenheit zu geben, an der Einzugsfeier teilzunehmen. Die Beteiligung an dieser dürfte daher aller Voraussicht nach ganz gewaltig fein, zumal das Wetter seit gestern Rachmittag wieder sonnig und wärmer geworden ist.
Aus aller Welt.
Dertreterversammlung des Deutschen AnwaltsberetnS.
Der Deutsche Anwaltsverein hiell in Leipzig eine Bertre erversammlung ab, die sich hauptsächlich mit dem Reuaufbau des Vereins zu befassen hatte. Es wurde eine neue Satzung ausgenommen, die insbesondere eine Bezirks- gruppcngliederung des Vereins vvrsieht. die gleichzeitig mit der Reugliederung beantragte
®Offene*, o»eatai® «reuig. G oeaecii eRtgeÄ • Vfcn« 6 Gr »WM. e *eo#i K »*w<ttrr^)winajtine.«Q,
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Hermann Müllers Verhandlungen.
Bislang kein Ergebnis erzielt.
Berkin, 18. Juni. (Privatinformation.) Die Heu tigen interfraktionellen Verhandlungen über die Regierungsbildung dauerten bis noch 14 Uhr, ohne daß ein Ergebnis erzielt worden wäre. Sie werden am morgigen Dienstag, vormittags 10.30 Uhr, fortgesetzt werden, nachdem heute nachmittag zum Teil die Fraktionen — davon die Deutsche Deutsche Dolkspartei unter Teilnahme von Dr. otrefemann — zum Teil die Fraktionsvorstände erneut beraten haben werden. Im wesentlichen drehte sich die heutige Besprechung um Finanz, und W i r t s ch a f t s f r a g e n. Dabei verlangten die Sozialdemokraten Verminderung der Einkommensteifer für kleinere und mittlere Einkommen und schärfere Vermögenssteuern. Die Demokraten forderten ein Steuervereinheitlichungsgesep, dagegen wurde aber von der Bayrischen Volkspartei entschieden Widerspruch erhoben. In einigen anderen Punkten sind die Parteien sich offenbar nähergekommen. Auf ollen Seiten aber äußert man sich wenig befriedigt über den bisherigen Verlauf der Besprechungen. Es wird darauf hingeroiefen, daß ein so großer Kreis nur sehr schleppend verhandeln kann. Ziemlich all gemein ist die Ansicht, daß die Regierungsbildung noch ziemlich lange Zeit in Anspruch nehmen muß, wenn der Derhandlungsmodus nicht geändert wird.
Oie Richtlinien der Wirtschaftspartei.
Berlin. 18. Juni (B.D. Z.) Im Reichstag fand heute nachmittag eine Besprechung des Abg. Müller-Franken (6.) mit den Vertretern der Wirttchaftsparlei. den Abg Drewitz und Mollath. statt Zur Besprechung standen die R t ch t l i n i c n der Wirtschaftspaktes. die schon am Freitag überreicht worden
Verlegung des DereinSsitzes von Leipzig nach Berlin wurde abgelehnt, so daß es bis zu- nächsten Dertreterversammlung in vier Jahren in dieser Beziehung beim alten bleibt. Der zweite Hauptgegenstand der Tagesordnung, nämlich die Frage, ob der Heber'rülümg des AnwallSstandeS öinxf) Zulassungsbeschränkung gesteuert werten soll, mutzte vertagt werden. Sr wird in eurer im Herbst dieses Jahres stattfindenden neuen Versammlung zur Erörterung gestellt werden.
Ein ZeppelinFernstug Friedrichshafen—Kalifornien geplant.
Associated Preß meldet aus Long Beach (Kalifornien): Bürgermeister Hauge kündigte an. er habe von Dr. Eckener die Rachricht erhallen, daß der neue Zeppelin, der in Friedrichshafen fetner Vollendung entgegengeht, im Juli einen direkten Fernflug von Friedrichs- hafen nach Long Beach versuchen werde. Dre Ankunft des Luftfchifses werde während der in Long Beach stattfindenden Ausstellung der pazlfrschen Südweststaaten erfolgen Die Be- amten der Ausstellung erklärten, sie würden dce Washingtoner Regierung ersuchen, den in "Panama transportablen Verankerungsmast nach Long Beach schaffen'zu^ttrsien.
Gründung der Bayrischen Zugspihbaha-A.^S.
Wie einer Berliner beteiligten Firma mitge- teut tmrb. erfolgte in München die Gründung der .Bayerischen Zugspitzbahn A A" mit ernem Kapital von 5 Millionen Reichsmark und dem Sitz in Garmisch. Zweck der Gesellschast ist der Dau einer gemischten Reibung S- und Zahnradbahn vom Bahnkwf Dar- misch-Pattenkirchen über 6ibfee zum Platt und einer Standseilbahn vom Platt auf den Zug- spitzgipsel. Die Baufrist läuft bis 31. Dezember 1932.
Schneefall im Riesengebirge und in Böhmen.
In der Rocht zum Sonntag hat es im Riesengebirge mehrfach kräftig geschneit, und auch im Laufe des Sonntags kam es auf dem Hochgebirge noch mehrfach zu starken Schnee- und Graupel- fällen. Dazu herrschte -eine empfindliche Kälte. 2luch 'n den böhmischen Randgebieten fiel gestern in der Höhe von 1000 Metern überall Schnee.
vahnränber zwischen Halle und Leipzig.
In einer der letzten Rächte ist der Postzug auf der Sttccke Halle-Leipzig beraubt worden. Man hat schon wiederholt die Wahrnehmung gemacht, daß aus den auf dieser Strecke verkehrenden Zugen Postpakete gestohlen worden sind. Diesem Zag, der gegen 121 . Uhr in Richtung Halle fährt, waren mehrere Paketwagen mit Post angehängt. Der Raub wurde bemerkt, als ein aus Richtung Halle kommender Zug e i n en S a ck Bettfedern, der auf dem Gleise lag. überfuhr und zerstreute. Runmehr stellte man durch Rachforschung fest, datz in der Rähe von Grohkuqel eine Menge Pakete auf den Schienen lag, die meist durch den Sturz beschädigt waren und Kaffee. Medikamente. Fahrradteile ufw. enthielten. Von den Dieben fehlt jede Spur. Sbensv konnte man sich bisher nicht erklären, wie sie zu den Gegenständen in den abgeschlossenen Wagen gelangt sind.
Schwere» Autounglück.
. $n Leipzia fuhr in der Ctsenbahnsttahe ein "hwerer Personenkraftwagen in eine ® nippe von Personen, die ein Kino nach Schluß der Vorstellung verließen. Zwei Frauen rour den sofort getötet, eine dritte fta r b auf dem Transpott zum Krankenhaufe. Mehrere Personen wurden schwer verletzt.
rroch genaue Angaben über seine augenblickliche geogratchische Positton. Sein neuer Standort ist jetzt 80 Grad 33 Minuten nervlicher Breite und 27 Grad 12 Minuten östlicher Länge. Dieser Punkt ist ungefähr fünf Meilen östlich von der Fohn- Infel und ungefähr acht Meilen von der früher angegebenen Stelle entfernt. Larsen teilt mit. daß er bei seinem Fluge die Strecke Nordkap- Platte und Insel Rops einhielt, wahrend Lüt- z o w - H o l m auf 88 Grad 40 Muutten bis zur Rordspitze der Karlinsel flog. Bei der Rückkehr sah er an der Kap-Platte die Spuren des Hundeschlittens, der am 13. von der Wahlen- bergbucht ausge^angen war, und folgte dieser- Spur. Gr frnib fic bei der Insel Sporresby und nahm die Anwesenheit zweier Menschen wahr. Aus den Beobachtungen der Flieger ergibt sich daß in dem Gebiet, durch das die Gruppe Mariani marschiert, das Gis sich zum Marsche sehr gut eignet. Die beiden Flieger werden nach Umtausch eines Motors ihren Flug wieder ausnehmen, um an Hand der genauen Einzelheiten zu versuchen. Robile zu erreichen, welcher mitteilt, daß die atmosphärischen Verhältnisse und der Zustand des Eises sehr günstig sind. Gr hat gleichzeitig nach der Art der Behandlung eines Schienbeinbruches gefragt.
Otto Hammann hat vier Reichskanzlern gebient. Er trat 1894 in das Auswärtige Amt ein und verlieh es 1916. In diesen 22 Jahren hat er dauernd Ira politischen Kampf gestanden, an einer Stelle, deren Bedeutung einer kleinen Zahl Unterrichteter von jeher wohlbekannt war. von der aber die große Öffentlichkeit erst weiß, seitdem sie mit den Kabinetten dem Wechsel der parlamentarischen Konstellation unterliegt. Ham- mann ist zwar mit seiner Person öffentlich niemals hervorgetreten, aber er hat bei den ReuHs- kanzlern, unter denen er arbeitete, eine Vertrauensstellung eingenommen, die ungewöhnllch war und diel Reid hervorrief. Gegenüber anderen Mitgliedern des Auswärtigen Amtes hatte er den Vorteil, daß er ein genauer Kenner der inneren Politik war, und wenn er auch das diplomatische Handwerk niemals ira Auslande aus geübt hat, so kann ihm doch nicht bestrllten werden, daß er außenpolitische Situationen in ihren entscheidenden Phasen und wichtigen Zusammenhängen mit Schärfe erfaßte und schnell und sicher in gefährlichen Situationen Rat erteilte. Er besaß bei hoher geistiger Feinheit eine Eigenschaft, die zum wahren Beamten gehört, mag sie auch nicht allzu häufig gefunden werden: Er sprach, wenn die Situation es verlangte, offen, rücksichtslos, selbst brutal und setzte sich für seine Auffassung mit aller Kraft, die ihm zu Gebote stand, ein.
Seinen Verkehr mit der Presse beschränkte Ham- mann auf tägliche Gespräche mit dem Leiter des offiziösen Wolff-Bureaus, Dr. M a n t l e r, und mit den ihm persönlich nahestehenden Vertretern der Kölnischen Zeitung, Hern von Huhn, und der Frankfurter Zeitung, August Stein. Diese drei waren in regem Gedankenaustausch bei ihm tägliche Gäste. Das Verhältnis Hammanns zu dem jahrzehntelang allmächttgen Geheimrat von Holstein war nicht sehr hemlich. Holstein hiett den Pressechef wohl mit Recht für seinen Gegner, konnte ihm jedoch nicht, wie er dies mit vielen anderen getan hatte, „erledigen", da die Position Hamrnanns zu stark mar. Erst 1916 mit Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze trat Hammann in den Ruhestand. Er fühlte sich jedoch noch rüftig genug, um politisch und publizistisch wirken zu können. Im Winter 1917 erschien fein erstes Er innerungsbuch „Der neue Kurs", dem bald drei weitere Bände folgten. Der Freimut und die Objektivität, womit in diesen Schritten der Gang der deutschen Geschicke unter dem kaiserlichen Regime geschildert wird, wurde allgemein anerkannt.
Oie deutsch-russischen Beziehungen.
Die Antwort des „Vorwärts".
Berlin, 19. Juni. (Tel.) Der „Vorwärts" nimmt zu dem Artikel der .I sve st i j a' über die deutsch-russischen Beziehungen und die Sozialdemokratie Stellung. Das sozialdenwkra- tische Parteiorgan weist darauf hin. daß der unbefriedigende Stand der Räumungsfrage und der gleich ungeschickte wie unbefuate Versuch Ialeskis. sich in diese Frage einzunnschen, nichts an der „TBeftorientierung" der sozialdemokratischen Partei ändern könnten. Im Rahmen dieser Politik fei aber der toeiterc 21 u8b au der deutsch-russischen Beziehungen keineswegs unmöglich, sondern vielmehr möglich und wünschenswert. Ihr scheine die Rolle eines Mittlers, der auf beiden Seiten Dertrauen genieße und auch kein Mißtrauen erwecke, der geographischen Lage Deutschlands und der geschichtlichen Entwicklung angemeffen. Die Sozialdemokratie sei. wie man auch in Rußland toiffe. die schärfste Gegnerin jeder Interventionspolitik. Die russische Presse habe allerdings ihre Gegner darüber nicht unterttchtet.
Der Moskauer Jngenieurprozeß.
Kownv. 19. 3uni. ($11.) Moskauer Zeitungen besagen, daß die Verhöre im Schachthpro- zeh in den letzten Tagen sehr beschleunigt werden, da auch in Moskau selbst das Interesse am Prozeß stark nachgelassen habe. Der schon lange erwartete Haupt- belastungsz.mge Kasarinvw fei noch nicht aufgetreten. Dagegen brachte die Montagssihung insofern eine Sensation, daß der Angeklagte Iu- s ch e w i h , der sich in der Voruntersuchung für schuldig erklätt hatte, jetzt sein Geständnis in vollem Umfang widerrief. Die Vernehmung hätte damals um 3 Uhr nachts stattgefunden und da er eines Asthmaanfalles wegen um Unterbrechung gebeten habe, die ihm verweigert worden wäre, habe er sämtliche Fragen bejahend beantwortet, um sich von den älntersuchungsqualen zu befreien.
Die von Dem Ingenieur Seebvld Der Firma Knapp abgegebene Erklärung über die Aussagen Badstiebers wurde am Montag durch Rechts- anwalt Münte dem Vorsitzenden Wischinfki übergeben. Die Absicht Seebolds, sich freiwillig dem Gericht zu stellen, hat im Zuschcmerraum große Bewegung hervorgerufen.
Staatsanwalt Kry len ko teilte mit. daß die vor deutschen Behörden unter Eid abgegebenen Aussagen KoesterS und Seebolds. sowie die Erklärung des Betriebsrates der Firma Knapp eingegangen seien. Die Aussagen Koesters und Seebolds seien formal allerdings bedeutungslos, da daS Sowjettecht den Eid nicht für einen formalen Beweis erachte. Krylenko meinte,, inhaltlich enthielten diese Aussagen „u n - begründete" Widerlegungen der Erklärungen Badstiebers, die von Personen aus- gehen, denen ein Kriminalverbrechen zur Last gelegt werde. Dennoch erachte es die Staatsanwaltschaft für zweckmäßig, diese Aussagen zu den Akten zu legen, sie spreche sich jedcch dagegen aus, mit der Erklärung des Betriebsrates ebenso zu verfahren, da sie lediglich feststelle, daß nach der Sowjettmion nicht schlechtere Maschinen geliefert wurden, als nach Frankreich und Deutschland, und feine Widerlegung Der Behauptung enthalte, daß die Maschinen schlecht gewesen seien. Da das eingegangene Material sehr umfangreich ist. vertagte das Ge- ttcht seine Beschlußfassung in dieser Angelegenheit auf morgen. Das Gericht gab Dann dem Gesuch des deutschen Ingenieurs Hobbe, Der im Donez-Becken arbeitete, ihn als Zeugen vor- zuladen, statt, Da er in seiner TätiKeit die Schad i g un gsar beit russischer Ingenieure wahrgenommen haben will.
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