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Nr. 67 Erster Flatt

178. Jahrgang

Montag, 19. März 1928

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Chefredakteur

Dr Frredr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange, für Feuilleton Dr H.THynot, für den übrigen TeU Ernst Diumschein: für den An­zeigenteil Kurt Hivmann, iämtlid) in (Bienen

Rußland läßt zwei deutsche Ingenieure frei.

Lenkt Moskau ein?

Eigene Drahimeldung des(Siebener Anzeigers".

Berlin, 19. März. Die Russen haben zur allgemeinen Ueberraschung zwei der Berhafteien, den 2lEG.-2ngenieur Goldstein und den Inge­nieur Wagner freigelassen. Damit geben sie also zu. dah wenigstens in diesem Fall ihre Dorwürse und Behauptungen völlig haltlos und unbegründet waren. Das gleiche wird sich aber auch für die anderen deutschen Inge­nieure und Monteure Herausstellen, die heute noch in russischen Kerkern sitzen. Da die bolsche­wistischen Justizbehörden nur in engstem Ein­vernehmen mit der Moskauer Zentralregierung arbeiten und die Ingenieure Goldstein und Wagner unzweifelhaft er st auf Anweisung Moskaus entlassen haben, darf man wohl die Feststellung machen, dah die Sowjetregierung im Begriff ist, einzulenken. Anders läht sich jedenfalls die Freilassung nicht auslegen. Schließ­lich liegen auch für die Moskauer Regierung Gründe in genügender Anzahl vor, um ein­zusehen, dah sie auf falschem Wege ist und dah es für fie allerhöchste Zeit sei, wieder eine Entspannung herbeizuführen. Ein Beleg für diese Annahme ist wohl auch die auffallende Zurückhaltung der russischen Presse, die es vermeidet, auf die deutschen Angriffe einzugehen. Sie hat unzweifelhaft Anweisung von der Moskauer Regierung erhalten, den Kon­flikt nicht noch mehr zu verschärfen. Moskau weih genau, dah unsere Geduld jetzt erschöpft ist und dah es bei uns keinen Menschen mehr gibt, der nach dem bisher Er­lebten irgendwelche Lust verspürt, für die Auf­rechterhaltung der deutsch-russischen Verhältnisse in seiner heutigen Gestalt einzutreten. Das Aus­land wartet aber nur aus eine Entwicklung, die es in die Lage versetzt, daraus gegen Rußland Kapital zu schlagen. Will man in Moskau Ver­schiebungen zu Tlngunsten der Sowjetunion ver­meiden, dann mag man sich mit der Frei­lassung der übrigen Verhafteten be­eilen.

Die Freilassung.

Weitere Bemühungen der deutschen Botschaft.

Moskau, 17. März. (MTB.) Der Volkskom­missar des Auswärtigen, Tschitscherin, teilte dein deutschen Votschastcr mit, dah Oberingenieur Goldstein und Ingenieur Wagner freige­lassen worden sind. Wann und ob die Frei­lassung der übrigen vier deutschen Inge­nieure erfolgt, steht nicht fest, doch wird seitens der deutschen Botschaft unter Berufung aus den Riederlassungsvertrag darauf hingewirkt, dah ein deutscher konsularbcamter zu den Gefange­nen Zutritt erhält. Die Freilassung G o l d st e i n s hat ihren Grund offenbar darin, dah Herr Gold­stein seit seiner Verhaftung sich e r st 3 Wochen in Ruhland befand, die Unmöglichkeit der 2in- uahme, dah er sich an irgendwelchen politischen Be­strebungen beteiligt habe, also anscheinend auch von russischer Seite eingesehen werden muhte. Zusam­men mit den beiden deutschen Ingenieuren Goldstein und Wagner sind vier verhaftete russische Ingenieure aus der Untersuchungshaft ent­lassen worden. Insgesamt sind wegen konter­revolutionärer Verschwörung in dieser Sache sech­zig S p e ; ia l i st en in Rayon Schachly o er­st a s t e t worden. Die Untersuchung wird von den Lharkowcr Behörden durchgesuhrt und soll nach Auskunft des dortigen Staatsanwalts so beschleu- nicht werden, dah der Prozeh schon Mitte April staktsinden kann. Der Prozeh wird vor dem Moskauer Obergericht geführt werden.

Die Auffassung der Wilhelmsiraße.

Schwierige (Stellung Tschitscherins.

Belastungsprobe her deutsch-russischen Freundschaft.

Berlin, 19.März. (Pfiv.-Tel.) In Berliner po­litischen Kreisen sieht man in der Freilassung dieser beiden Verhafteten das erste Anzeichen dafür, dah die deutschen Schritte Erfolg haben, und daß die russische Regierung die Absicht zu einem E i n l e n - k e n zeigt. Man hat den Eindruck, daß Tschitscherin durchaus den festen Willen zum Entgegenkommen hat, und daß er alles aufbietet, um die Sache aus der Welt zu schaffen. In Berliner politischen Kreisen wird durchaus anerkannt, daß diese Bemühungen Tschitscherins nicht leicht sind: denn es handelt sich offensichtlich um einen Kampf zwischen dem Außenkommissariat und den Komin­tern. Rach in Berlin vorliegenden Informationen beurteilt Tschitscherin selbst die weitere Entwicklung wohl nicht gerade pessimistisch: er hofft vielmehr, daß es ihm auch gelingen wird, die Erlaubnis zu erwirken, daß der deutsche Generalkonsul die noch verhafteten vier Reichsdeutschen b e - , u ch e n kann. Aus dieser Lage geht schon her­vor. dah die von anderer Seite verbreitete Darstel­lung. als ob der Widerstand der Russen sich ver- steisl habe, und gar nicht an eine Beseitigung des

Zwischenfalles zu denken sei, keineswegs den Tat­sachen entsprechen. In unterrichteten Kreisen neigt man sogar zu der Vermutung, daß Meldungen die­ser Art absichtlich in die Welt gesetzt werden, um die deutsch-russischen Beziehungen weiter zu trüben. Richtig ist, daß man die Verhaftungs» affäre als eine politische Belastungs» probe des bisherigen freundschaftlichen Verhält­nisses zwischen Deutschland und Rußland ansieht, daß die entschiedenen Bemühungen Tschitscherins aber durchaus anerkannt werden. Unter diesen Um­ständen wird auch betont, daß eine Aenderung der deutschen Politik im gegenwärtigen Augenblick nicht in Frage kommt. Die Forderungen, die der Reichs­außenminister dem hiesigen Sowjetbotschafter und die der deutsche Botsä-nfter in Moskau der Sowjet- regierung unterbreitet hat, werden weiter auf­recht erhalten und bilden nach Ansicht von unterrichteten politischen Kreisen die einzige Möglichkeit für einen befriedigenden Ausgleich. Im Augenblick liegt der Schwerpunkt der diplomatischen Bemühungen in Moskau. Man rechnet damit, daß es den weiteren Vorstellungen des deutschen Botschafters zunächst weniastens ge­lingen wird, daß die Sowjetbehörden unserem Ge­neralkonsul in Charkow die Aufnahme einer Verbindung mit den Gefangenen ge­statten.

Erster Bericht eines Augenzeugen.

Bon her G P. Ü. aus dem Bett geholt. Proteststreik der deutschen Ingenieure.

Berlin, 19. März. (WTD. Funispruch.) Im Laufe des Sonntags traf der Diplom- Ingenieur Hermann Hille aus Rußland in Berlin ein. Er schilderte einem Berichterstatter des »Montag" seine Erlebnisse in den letzten Tagen wie folgt:

3n der Rächt vom 5. zum 6. März wurden wir in Rudschenkowo durch starkes Klopfen an der Tür gestört. Es, meldeten sich Beamte des Geheimdienstes der GPU. und Sol­daten der Miliz, die Einlaß forderten. Ich teilte mit dem Oberingenieur Goldstein ein Zimmer. Wir öffneten. Die Beamten legitimierten sich und erklärten Herrn Goldstein für verhaftet. Gleichzeitig wurden der Ingenieur Otto und der Monteur Meyer, die andere Zimmer im selben Hause bewohnten, arretiert, und am fol­genden Morgen noch der Monteur Wagner, der sich in Gorlowska befand.

Goldstein war sehr gefaßt und ruhig. Er bat mich, sofort nach Berlin zu telegraphieren. Wir ersuchten die Beamten um eine Erklärung, worauf sie erwiderten, sie wüßten selber nichts. Sie handelten im Auftrag der G. P. Ll., und dieser müßte erfüllt werden. Dar­auf verlangten wir dringend nach einem Dol­metscher, worauf man uns auf Stalin vertröstete. Ich habe den Oberingenieur Gold­stein zum Wagen begleitet. Er wurde in einem Fuhrwerk abtransportiert. Ich hüllte ihn in eine Decke ein, denn es war bitter kalt und die Fahrt ging quer durch die Steppe. Wir wollten uns noch unterhalten, noch ein paar Worte wechseln, aber das wurde untersagt.

Ich reiste dann andern Tages mit einem Mon­teur sofort nach Charkow zum Generalkon­sulat, das noch nichts von den plötzlichen Ver­haftungen joußte. Der Generalkonsul, den wir sozusagen aus dem Bett holten es war am frühesten Morgen war außerordentlich zuvor­kommend und sagte, daß er alles tun würde, um die Landsleute freizucriegen. Er setzte sich sofort mit der deutschen Botschaft und dem russischen Auswärtigen Amt in Verbindung.

Andern Tags fuhr ich wieder nach Rudschen­kowo zurück. Dort waren alle Deutschen in den Proteststreik getreten, der zwei Tage an­dauerte. Darüber hinaus haben die Monteure der AEG. weiter gestreikt, und es ist anzu­nehmen, daß sie auch heute noch die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben. Sie haben er­klärt, es sei ihnen gleich, ob es sich hier um Ingenieure oder um Monteure handele: aus­schlaggebend fei, daß es sich um Deutsche handele, llnö lediglich aus diesem Grunde würden sie nicht eher die Arbeit wieder aufnehmen, bis ihre Landsleute wieder in Freiheit wären. Dieser Streik hat bei den russischen Ar­beitern im Werk, wie überhaupt bei der russi­schen Bevölkerung tiefen Eindruck gemacht." proiestderdeutfchenWirtschafi

Berlin, 17. März. (WTB.) Eine vom Reichsverband der Deutschen Indu­strie einberusene Versammlung, an der die Ver­treter der führenden Wirtschaftsorganisationen teilnahmen, faßte zur Verhaftung der deutschen Ingenieure in Rußland einmütig eine Entschlie­ßung, in der es heißt: Die Vertreter der deut­sche Wirtschaft erheben nachdrücklich Protest da­gegen, dah bewährte Personen, die im Interesse der russischen Wirtschaft tätig sind, unter Vorenthaltung von Gründen ihrer Freiheit beraubt und in Kerker­haft genommen werden. Sie bitten die Reichs­regierung, die sofortige Freilassung der Verhafteten zu erwirken und den betroffenen Personen Genugtuung zu verschaffen. Die Wirtschaftsorganisationen billigen ausdrücklich die von der Reichsregierung angeordnete Unter­

brechung der gegenwärtig schwebenden Wirt­schaftsverhandlungen. Bezüglich der Fortsetzung der Tätigkeit der in Rußland befind­lichen Angestellten deutscher Firmen wird das Ergebnis der von der Regierung unternommenen Schritte abgewartet.

Aegypien.

Die Englandpoiitik des neuen Kabinetts

London, 19. März. (W. T. B. Funkspruch.) Der neue ägyptische Premierminister M u st a f a Pascha Rahas erklärte dem Berichterstatter der Times" In Kairo: Ich war stets der Ansicht, selbst in den dunkelsten Augenblicken, als ich in Aden und auf den Seychellen war, daß der Tag kommen werde, wo Großbritannien und Aegypten eine Vereinbarung erzielen werden. Rach meiner Meinung ist eine -lieber* einfunft unbedingt notwendig im Interesse beider Länder. Der Schuh der Interessen der Ausländer im allgemeinen und Großbritan­niens im besonderen ist nicht unvereinbar mit der Unabhängigkeit Aegyptens, vorausgesetzt, daß die Grenzen dieses Schutzes nicht überschritten werden. Aegypten war niemals ein Teil des britischen Rei­ches und die Tatsache, daß esaufdemWege nach Indien liegt, bedeutet nicht, daß es dadurch seiner unabhängigen Stel­lung beraubt ist. Die Rollen dürfen nicht vertauscht werden und es darf nicht gesagt wer­den, daß Großbritannien der Herr ist, der gibt. Unsere Unabhängigkeit ist unser natürliches Recht. Wir wünschen mit Großbritannien auf der

Grundlage der Gleichberechtigung und als Freund mit dem Freunde zu verhandeln. Die beste Bürgschaft für die Interessen Groß­britanniens ist eine vertraute Freundschaft und ein unabhängiges starkes Aegypten. Rach dem Berichterstatter derTimes" gilt es als sehr wahrscheinlich, daß der Schwiegersohn des ÄönigS Fuad. Mahmud Pascha Faehry, der seit Januar 1924 ägyptischer Gesandter in Paris war, zum Rachfolger des Gesandten in London Asis Pascha Izzet ausersehen fei.

Der Zwischenfall auf demRoyal Oak".

Noch immer kein authentischer Bericht.

London, 17. März. (WB.) Die Admiralität empfing heute den Bericht über die in Ma ta durchgeführte Untersuchung des Zwischenfalles auf dem LinienschiffRoya- Oak'. Die Admirali­tät erklärt mit aller Bestimmtheit, daß es sich nicht um einen Fall von Meuterei handele, und dah die Offiziere sich nicht ge­weigert haben, unter Admiral Collcv i)s Ko a- mando in See zu gehen. Auch eine Kriegsge- richtssihurg hat bis je t noch nicht stat ge un'en. Der Erste Lord der Admiralität wird Montag- nachmittag im Unterhaus eine Erklärung über die .Royal Oac"-Angelegenheit in Ma.ta abgeben. Rach einigen Blättern soll die Schwie­rigleit durch einen Zwischenfall während eines auf dem Flaggschiff gegebenen Balle s_ ent­standen sein. Admiral Collard soll sich übe r die Kapelle beschwert haben, was vom Flaggkapitän übel gmommen wurde.

Regierung und presse.

Presseempfang beim hessischen Staatspräsidenten.

Darmstadt, 18. März. In den Räumen des Staatsministeriums fand Samstagnachmittag ein Presseempfang statt, zu dem Staatsprä­sident Adelung eingeladen hatte. Staats­präsident Adelung begrüßte auch im Ramen des anwesenden Gesamt.abinetts mit herzlichen Wor­ten die Erschienenen. Offenbar werde der Wunsch der hessischen Regierung, die Beziehungen zur Presse möglichst eng zu gestalten und zu ver­tiefen, von der Presse geteilt. 3m republikanischen Staat sei für die Bevölkerung Klarheit über die Absichten und Beweggründe der Regierung von besonderer Bedeuttmg, gute Informationen hier­über seien notwendig, um das Verständnis für die Staatsnotwendigteiten in der Devölterung zu fördern. Eine objektive, wenn auch scharfe Kritik, die an richtig wiedergegebene Tatbestände anknüpft, könne sehr wertvoll fein: sie diene den verantwortlichen Politikern dazu, ihre Absichten und deren Durchführung zu üoerpru.en. Um die Presse nach Möglichkeit leicht über amtliche An­gelegenheiten informieren zu können, fei eine besondere Stelle eingerichtet worden, die von Dr. Pohl geleitet werde.

Staatspräsident Adelung gab der Hoffnung Ausdruck, dah diese und andere weiter sich als notwendig erweisende Maßnahmen zu dem Ziele führen mögen, das er sich gesteckt habe: enge und von gegenseitigem Vertrauen getragene Zusam­menarbeit zwischen Regierung und Presse. In Hessen sei ein solches Zusammenarbeiten beson­ders notwendig im Hinblick auf die zahlreichen lebenswichtigen Fragen, an deren Lösung alle gemeinsam mitarbeiten müßten unbekümmert um die politische Einstellung. Aufgabe der Presse sei es, die Sorgen der einzelnen Berufszweige und Interessengruppen in die hessische Gesamtnot ein­zuordnen und dadurch das Derbundenheitsgefühl des Gesamtvolkes zu stärken. So solle auch die heutige Zusammenkunft die Teilnehmer mensch­lich einander näherbringen zum Ruhen der ge­meinsamen Ziele, die in einer Aotzeit wie jetzt viel stärker hervorzutreten hätten, als in den Zeiten ruhiger Entwicklung. Bei einem einfachen Imbiß war sodann Gelegenheit zu engerem Ge­dankenaustausch gegeben. Am Abend besuchten die Gäste die Vorstellungen in beiden Häusern des Landestheaters.

Gegen die personalpoliiik in Hessen.

Ein Protest der höheren Ltaatsverwaltungobeamrcn.

Sa rmftabt, 19.März. (Prlo.-Tel.) Der Ver­ein der höheren Beamten der inneren Staatsverwaltung Hessens hat folgende Entschließung gefaßt:Der Verein verfolgt mit Be­sorgnis die Personalpolitik der neuen Hessischen Regierung. Man hat Persönlich­keiten in höhere Beamtenstellen der inneren Staats­verwaltung berufen, welchen die gründliche Beherr­schung der Gesetzgebung, der Gesetztechnik und die erforderliche Erfahrung auf dem Gebiet der Ver­waltung fehlen. Es besteht hierzu um so weni­ger Veranlassung, als diesen Voraussetzungen ent­sprechende Beamte der inneren Staatsverwaltung m ausreichender Zahl vorhanden find. Der Verein legt deshalb Verwahrung ein gegen

die Heb ernannte von Beamten aus anderen Dienst­zweigen in die innere Staatsverwaltung ebenso wie gegen die Besetzung von höheren Beamtenstellen mit Personen, die der oorgeschriebenen Vorbildung überhaupt entbehren. Will man behaupten, daß letztere mit dem Volke besonders verbunden seien, so nimmt der Verein diesen Vorzug für seine Mitglieder, die zum Teil schon seit Jahrzehnten in der inneren Staatsverwaltung tätig sind, mit gleichem Recht in Anspruch. Die unverhüllte Bevorzu­gung von Persönlichkeiten bestimm­ter Parteirichtungen kann nicht dazu die­nen, das Vertrauen in eine unparteiische Hand­habung der Staats- und Derwaltungsaufgaben zu stärken. Ein nach parteipolitischen Gesichtspunkten ausgewählter Beamter ma$ das besondere Vertrauen seiner politischen Freunde genießen; m i t um (o größerem Miß­trauen werden ihm andere Kreise begegnen. Die von der Regierung eingefchlagene Personal­politik wird von den höheren Verwaltungsbeamten als eine verletzende und unverdiente Zurückse tzung empfunden, welche die Arbeits­freudigkeit lähmen und junge, tüchtige Kräfte ab= schrecken muß."

Sozialdemokratische Kandidaten für Hessen-Nassau.

Wetzlar, 18. März. Der Bezirk Hefsen- Rassau der Sozialdemokratischen Partei hielt am Samstag und Sonntag in Wetzlar seinen Be­zirksparteitag ab, auf dem die Aufstellung der Kandidaten für die Reichs- und Landtags­wahlen folgendes Ergebnis brachte: 1. Reichs­tagskandidaten : Scheidemann (Kassel). Metz (Frankfurt), Becker (Herborn), S ch n a b- r i ch (Hersfeld), Br oßwih (Frankfurt), Witte (Wiesbaden-, Hütt mann (Frankfurt), (der nächste Kandidat bleibt Kassel vorbeha ten), Frau Tesch (Frankfurt), Becker (Ansbach):

2. Landtagskandidaten: Marckwald (Frank­furt), Innenminister Grzesinski, Röhle (Frankfurt), Hase (Wiesbaden), Traud (Kassel), Wick (Oberursel), Prof. Rölting (Frankfurt), Frau Jourdan (Frankfurt), (die nächste Kandidatur bleibt Kassel Vorbehalten), Rasch (Langendiebach), Rebholz (Frank­furt). Die Rachmittagsverhandlungen brachten ein Referat des Reichstagsabgeordneten Sta..rp- fer, in dem der Redner einen parlamentarischen Tätigkeitsbericht und einen Aeberblick über die politische Lage gab. Am Rachmittag fand außer­dem eine öffentliche Kundgebung statt, in der die Reichstagsabgeordneten Scheidemann und Stampfer kurze Referate hielten.

Zenirumssandidaten für Nassau.

Limburg, 18. März. (Wolff.) Der Landes- ausschuß der Rassauischen Zentrumspartei be­schloß, für die Reichs- und Landtagswahlen als Spitzenkandidaten die bisherigen Ab­geordneten in den beiden Parlamenten auf­zustellen, und zwar für den Reichstag Mittel­schullehrer Schwarz- Frankfurt und Rniver- sitätsprofessor Dr. Dessauer- Frankfurt. Für den Landtag: Sanitätsrat Dr. Stemm ler- Dad Ems, Schreinermeister Fink- Wiesbaden und Direktor Dr. Graß-Koblenz.