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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 19. Januar 1928.

Oie Sitzung.

Es klingt paradox, aber es ist doch so: Die «Hungen sind zur stehenden Einrichtung ge­worden. Die man die Möbel zur Einrichtung ebnes Raums rechnet, so gehört es zu einem, inodernen Menschen, daß er seine Sitzungen hat. Man gehört einigen Vereinen an, und dort nennt EN Versammlung, was anderwärts eine Sitzung ifi. 3m Grunde ist es dasselbe. Das wichtigste ift, daß man beisammen sitzt und sich über irgend etoa8 aussprechen kann. Man könnte das natür­lich auch ohne festes Programm und feierliche 'Ginladung. Aber die Tagesordnungen sind dazu di, daß man den Faden nicht verliert, was trotz- dmn noch einem Redner widerfahren kann: daran fi rb aber die Teilnehmer schuld, die dem Sprecher zu auffällig auf den Mund sehen. Wenn ein Mdner gesprochen hat, schmunzelt er, weil er sich freut, zur Klärung der Angelegenheit seinen wertvollen Beitrag geliefert zu haben.Wie mein se;r geschätzter Herr Vorredner ganz richtig aus- gs'ührt hat", sagt der nächste. Damit ist schon eine Art Brude.schäft geschlossen.

Ein sehr beliebter Sitzungsteilnehmer ist der Dkiuerredner. Gr ist wie die bekannte Schlange, ditr sich in den Schwanz beißt, oder wie eine L.levatorkette, die deshalb unendlich ist, weil sie hort wieder anfängt, wo sie zu Ende war. Man lann dem Dauerredner stundenlang zuhören, iDitnn man einen bequemen Stuhl hat und einen jlfctzattigen Winkel, in dem man schlafen lann. D'is schönste an der Sitzung aber ist, wenn sie Me ist. Aber sie ist so lange nicht zu Ende, i bli der Schluhredner gesprochen hat. Es gibt Beute, die sich diesen Posten zum Rebenberus ae-nacht haben, obwohl er nichts einbringt als 1 bas Ergebnis, daß er die Leute hinausbringt, lind auch das ist noch nicht sicher, wie es auch leine notorisch feststehende Tatsache ist, daß das Idjwnfte der Sitzung der Schluß ist. Meist ist bi* Rachsihung das schönste. Ünd die dauert säst nmner länger als vorgesehen war. Daraus er- IlLrt sich, daß man oft in nachmitternächtiger kbande Leute sieht, die Selbstgespräche führen. 8cas sind alles Sitzungsteilnehmer, die die Tages- irBnung rekapitulieren und, der Rot gehorchend, nid)t dem eigenen Triebe, noch einige Punkte stvizuersinden, damit es nicht an der glaubhaften Begründung fehle, wenn zu unzeitgemäßer 6hinbe einige unliebsame Fragen an den Heim­lehrer gerichtet werden. Bei solcher Gelegenheit lann es auch Vorkommen, daß der beste Dauer- revner nicht mehr zu Worte kommt.

Studenten-Huldigung

»or Geheimerat Prof. Or. Behaghet.

ISie Studentenschaft unserer Landes-^lniversi- lit brachte gestern abend dem Geheimerat Prof. !>r. B« haghel aus Aiv. seines 50. Dozenten- jubiläums und seiner 4Ojährigen Zugehörigkeit |in n Lehrkörper der Alma mater Ludoviciana tnt-t Huldigung dar. 3n geschlossenem Zuge, iie- Chargierten in Wichs, die Fahnen voran, rarschierten die Korporationen gegen 6,30 Uljr ton Oswaldsgarten aus unter Marschmusik über sie Westanlage, die obere Bahnhofstraße, Liebig- srcih«, Frankfurter Straße, Wetzlarer Weg nach kc Hoffmannstrahe vor die Wohnung des Jubi­lar». Hier entbot ein Sprecher der Studenten- feaft demhochverehrten Lehrer und guten öteunb der akademischen Jugend" Geheimerat sr«s. Dr. De haghel die herzlichsten Glück- lümsche der Studentenschaft zum Dozentenjubi- Eu-m und brachte auf ihn ein freudig auf« cirommenes Hoch aus. Der Gefeierte dankte in 'bnzlichen Worten, wobei er seine innige Ver- lamdenheit mit der akademischen Jugend unserer Universität betonte, die Stuoentenschast ermahnte, Wieweit ihrer großen Verantwortlichkeit bei der Kl tacbcit am deutschen Wiederaufbau eingedenk N sein und stets zu erweisen, daß der gute diu.lsche Geist an unserer Landesunioecsität in jtbeni einzelnen Studenten lebendig sei. Darauf Zeigte der Abmarsch der Korvorationen durch : Ite Frankfurter Straße, Selterswvg. Sonnen- filutze, Kirchenplah zum Caf6 Leib zur Reichs- { nbungSfeier.

Stadiiheaier Gießen.

Man schreibt uns: Das entzückende Kinder- lärrHenP e t e r ch e n s M o n d f a h r t" übt hütend die allergrößte Anziehungskraft auf 2rs sicher von fern und nah aus. Ausdrücklich k ibarauf hingewiesen, daß die n ä ch st e Bot» Belitung des Stückes am Sonntag, 22. Oanuar, nachmittags 2,30 Uhr beginnt mb« etwa 5,15 Uhr endet. Der frühe Qlnfang is idadurch bedingt, daß die Fremdenvor- Ile Klung dieses Sonntags, die Franz Mol- :mns glänzende

KomödieSpiel im Schloß"

Ibringt, um 6 Uhr ihren Anfang nehmen muh. '2ciSSpiel im Schloß' ist das auf deut- Hdem Bühnen zur Zeit meist gespielte Werk: rin Dezember des vergangenen Jahres wurde es Mi nicht weniger als 40 Bühnen gegeben und Meuall mit g.eich großem durchschlagenden Cr- 'Bstg.. Es ist ein wirklich witziges, pikantes Werk, den großen Vorzug genie'.t, sich in seiner ' Hirtlung von Akt zu Akt zu steigern und das im hiesigen Stadttheater in einer anerkannt I »uKiglichen Darstellung gebracht wird. Der De- slkch der Vorstellung kann aufs wärmste emp- I i|c)!un werden.

Borbestellannahmen sind eingerichtet i in Ä r o s d o r f bei Kaufmann Karl Wagner, !H:u^tstrahe 79, L i ch bei Buchhandlung Her- nnm n Vollmann, Wißmar bei Schreib- vwirLnhandlung H. Kümmel, Grohen-Du- IT eck bei K. Schmid t, Kaiserstcaße Ar. 27.

Taten für Freitag, 20 Januar.

Scomenausgang: 7.55 Uhr, Sonnenuntergang: MA Uhr: Mondaufgang: 6.14 Uhr, Mondunter- y: 13.51 Uhr

833: Der D ch.er Martin Christoph Wieland ^Weimar geft. (geb. 1733); 1874: Der fran» Mlche Maler 3ean Francois Millet in Dar- mpm geft. (geb. 1814); 1880: Der französische e31:a ;8mann Jules Favre In Versailles gest H'Mo. 1809); 1900: Der englische Schriftsteller

Ruskin in Coniston geft.

Gietzener Wochenmarktpreise

.. tofteten auf dem heutigen Wochenmarkt Butter 140 bis 160, Matte 30 bis

(10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 25 bis cM Weißkraut 18 bis 20. Rotkraut 25 bis 30, Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 40 HniH Unter-Kohlrabi 10, Grünkohl 25, Rosen­

kohl 50 bis 60, Feldsalat 150, Tomaten 120, Zwiebeln 20, Meerrettich 40 bis 80. Schwarz­wurzeln 40 bis 60, Kartoffeln 5 bis 5'/,. Aepfel 12 bis 20, Birnen 10 bis 15, Suppenhühner 100 bis 120, Gänse 100 bis 110, Rüsse 50 bis 90; das Stück: Eier 17 bis 18, Blumenkohl 60 bis 140, Salat 25 bis 40, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 30, Sellerie 10 bis 60 Pfennig.

Bornotizen.

Tagcskalender für Donnerstag. Gesellschaft für Erd» und Völkerkunde: 8.15 Uhr, Lichtbilderoortrag. Deutschnationaler Handlungs- aehilfenverband: 8.15 Uhr, Katholisches Vereinshous, Vortragsabend. Spielvereinigung 1900: 9 Uhr, Gasthaus Boller, ordentliche Jahresversammlung. Altersvereinigung 18781928: 8 Uhr, Gasthaus Bayerischer Hof", Versammlung. Singsaal des Realgymnasiums: 8 Uhr, Vortrag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:U 9, Kapitän Weddigen". Asto- ria^Lichtspiele:Der Todesspringer".

D i e Vortragsvereinigung veranstal­tet am morgigen Freitag einen Vortragsabend des bekannten deutsch:,! Vortragsmeisters Ludwig Hardt. Der Abend verdient allseitiges Interesse. Siehe heutige Anzeige.

Der Raturheilverein feiert am Sonntag, 22. d. M.. im Kath. Vereinshause sein 17. Stiftungsfest. Wer je einen schönen Abend in diesem Verein miterlebte, wird auch gern dieser Einladung folgen. Gäste sind willkommen.

E i n Vortrag für Frauen findet mor­gen, Freitag, abend in den Palast-Lichtspielen statt. Die Hygieneschriftstellerin Agnes Krägeloh aus Köln wird über das ThemaLiebe, Ehe, Krankheit und Gesundheit" sprechen. Rur Frauen und Mädchen über 16 Jahre haben Zutritt. Näheres in der gestri­gen Anzeige.

Ein Filmoortrag über Kanada wird am Samstagabend in den Palast-Lichtspielen statt­finden. Redner ist der Oberingenieur Henry Blecker von Hannover, der Film ist im Zusam­menwirken mit dem Norddeutschen Lloyd entstanden. Näheres in der heutigen Anzeige.

*

** Gin Gießener Gelehrter an der Frankfurter Universität. Vom Sommersemester 1928 ab werden in der Wirt­schafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Frankfurter Universität Vorlesungen aus dem Gebiete der landwirtschaftlichen Betriebslehre ab­gehalten werden. Der preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat damit den Geheimen Hofrat Professor Dr. G i s e v i u s in Gießen beauftragt.

** Militärpersonalien. Am 1. Februar treten in der Reichswehr eine Anzahl Personal­veränderungen ein, die bereits zum großen Teile endgültig beschlossen sind. Wie uns hierüber aus Berlin berichtet wird, befinden sich darunter folgende Veränderungen im 15. 3nf.-Regt.: Generalmajor Fett, Kommandeur des 3nf.- Regts. 15, wird Infanterieführer I; Freiherr von Brandts vom Stab der 1. Kavalleriedivision wird Kommandeur des Inf.-Regts. 15; Oberst­leutnant Fritz, Kommandeur des 1. Batl. Inf.- Regts. 15 und Landeskommondant in Hessen wird Kommandant von Ulm (Donau). Ueber die Per­sönlichkeit des neuen Bataillonskommandeurs in Gießen und Landeskommandanten in Hessen liegt bis jetzt noch keine Meldung vor. Mit dem 31. Januar d. I. scheidet der Kommandeur des Ausbildungsbataillons des Inf.-Regts. 15 in Marburg, Oberstleutnant Iungermann, aus dem Militärdienst aus. Auch über feine Rach­folge ist bisher noch nichts bekannt.

** Gebäudeabbruch in der Löwen- gaffe. In den letzten Wochen wurde das Haus Löwengasse Rr. 18 abgebrochen, das sich in baufälligem Zustand befand. Verschönert ist das Straßenbild dadurch allerdings noch nicht, denn der Anblick auf die freigelegten Mauern des stehengebliebenen Hintergebäudes und die leeren Türöffnungen, die früher Vorder- und Hinterhaus verbanden, ist nichts weniger als erfreulich. Da die Löwengasse eine der Haupt­durchgangsstraßen ist und von vielen Auswär­tigen benutzt wird, muh eine baldige Verbes­serung dringend gefordert werden. Eine Aen- derung des jetzigen Zustandes ließe sich dadurch herbeisühren, daß man entweder an dieser Stelle einen Reubau erstellte oder das noch stehende Gebäude ordnungsgemäß herrichtete und das Grundstück mit einer passenden Einfriedigung versähe.

** D i e Dorfkirchenvereinigung Gießen-Wetzlar hält am Dienstag, 24. Ja­nuar, in Gießen ihre dritte Tagung für Pfarrer und Lehrer ab. Univ.-Professor Dr. Hans Schmidt von Gießen wird sprechen über Tauerner?ählungen und Bauernleben im heuti­gen Palästina". Der Vortrag, unterstützt von zahlreichen Lichtbildern nach eigenen Ausnahmen des Vortragenden, soll mit den Ergebnissen einer längeren Forschungsreise in Palästina be­kanntmachen.

** Freislüge als je 500. Gast im Flugplatz- .Case haben in letzter Zeit erhalten: Dieter Pop­pe r t, Wilhelmstraße 15; August W e i d i g, Licher Straße 15; Köppe, Göttingen.

'* Deutscher O st b u n d. Die Ortsgruppe des Deutschen Ostbundes veransta'tete am Sams­tag eine Abschiedsfeier für ihren bisherigen Vor­sitzenden, Prof. Dr. S P e ch t, der am 1. Februar nach Frankfurt a. d. Oder übersiedelt, um dort als Chefarzt das evgl. Krankenhaus zu über­nehmen. In überaus herzlichen, anerkennenden Worten zeichnete Dr. Hirsch f eld die Arbeit des Vorsitzenden und überreichte ihm im Auf­trage der Ortsgruppe eine Radierung von Gießen und eine Urkunde mit der Ernennung zum Ehren­vorsitzenden. Die Urkunde war in künstlerischer Weise von Mitgliedern der Ortsgruppe selbst, Reg.- und Baurat Häusler entworfen und gezeichnet und von Buchbindermeister Richter gebunden worden. Der Landesverbandsvorsihen- de Prager- Frankfurt a. M. überbrachte den Dank des Landesverbandes und der Zentrale Berlin. Ties gerührt über die zahlreichen Eh­rungen dankte Prof. Specht seiner Orts­gruppe und den Rednern und versprach, auch an feinem neuen Wirkungskreis sich alsbald tatkräftig für die Interessen des Ostens ein­setzen und besonders auch von dort aus weiter die Arbeit in Gießen nach besten Kräften för­dern zu wollen. Ausgezeichnete Vorträge von Mitgliedern, teils ernster, teils humoristischer Art schlossen sich an und hielten die Ortsgruppe bis in die frühen Morgenstunden zusammen. Zum neuen Dor ätzenden wurde einstimmig Fa­brikant Rautenberg aus ®ie?;en gewählt.

DerHubertus". Verein weidge­rechter Jäger, Sitz Gießen, hielt am Sonntag in feinem VereinslokalHess. Hof" seine Jahreshauptversammlung ab. Der Ge° I

SkMS-WWWMM» erfordern heute eine sorgfältige Textgedung und Satz aus stattung. Gute Satzleistungen find nur erreichbar, wenn die Anzeigen Wellig genug abgegeben werden. Der Annahmeschluß für alle Anzeigen im Gießener Anzeiger entfällt auf den Nach mittag vor der Aufnahme. Lmpfehlungs- anzeigen müfien, je nach Umfang und Satz­schwierigkeiten, zwei bis drei Tage vorher bestellt sein. Nur mit Sorgfalt und dem not. wendigen Zeitaufwand gesetzte Empfehlungen

IMm Den etmünidilen üilnlgi

schäftsbericht des 1. Vorsitzenden Pascoe- Dutenhofen zeigte, daß der Verein, der 160 Mitglieder zählt, auch im Jahre 1927 in dem Rahmen, den er sich gesteckt hat, mit Erfolg für das Weidwerk arbeiten konnte. In allmonat­lichen Versamnrlungen wurden Vorträge aus allen möglichen Gebieten der IagdkUnde gehalten; die praktische Ausbildung zu wirklich weidmännischer Iagdausübung wurde durch Veranstaltung von zwei Hundeprüsungen und durch regelmäßige Schleßübungen gefördert. Der Hegeringgedanke wurde weiter gepflegt. Wenn der Abschuß von Rehwild mit Schrot und auf Treibjagden eine sehr starke Einschränkung erfahren hat, so darf das der Verein als einen Teilerfolg buchen, den er besonders freudig begrüßt, und den er hofft, in absehbarer Zeit zu einem vollen Erfolg ausge­stalten zu können. In wirtschaftlicher Hinsicht wur­den die Mitglieder durch Gewährung einer sehr günstigen Haftpflichtversicherung, Vermittlung von Wild zum Aussehen und Beratung unterstützt. Die finanziellen Verhältnisse des Vereins er­wiesen sich als günstig. Auf Grund der Erfah­rungen der letzten Jahre wurden auch für 1928 wieder zwei Hundeprüfungen und jagdliches Schießen beschlossen. Diesem dürfte ein besonderes Interesse gelten, weil der Verein hofft, in diesem Jahre die Reuanlage brauchbarer Iagdstände für Kugel- und Schrotschießen verwirklichen zu können. Rur der waffengeübte Jäger, dem ein zuverlässiger Gebrauchshund zur Seite steht, ver­mag wirklich weidgerecht zu jagen. 3m Anschluß an die geschäftlichen Verhandlungen sprach der stets freudig und dankbar begrüßte Berater des Vereins in jagdkundlichen Fragen, Geh. Rat Prof. Dr. Olt überDie Hasenseuchen als Ur­sache der schlechten Hasenstrecken und die Maß­nahmen zu t^rer Bekämpfung". Der Vortragende wies auf die große wirtschaftliche Bedeutung dieser Frage hin. Wie unsere Haustierbestände teils durch Seuchen schwer gefährdet sind, so drohen auch dem Wild solche Gefahren, die durch ungeeignete Maßnahmen noch gesteigert werden. An Hand von Präparaten wurden die Leberegelseuche, die Pseudotuberkulose, die Spi- rochaetose oder Knotenseuche besprochen. Zur Be­kämpfung der Leberegelseuche wies der Redner darauf hin, daß die Meliorationen der Wiesen die Seuche sehr gefördert hätten und daß leider die natürlichen Bekämpfer der Leberegelbrut nicht genügend geschützt würden: Edelkrebs (der nach dem Erlöschen der Pest überall wieder eingesetzt werden sollte), Wildente, Wasserhuhn, Kiebitz und Wasseramsel. Daher die großen Verluste unter Haustieren und Wild. Zur Bekämpfung der Kokzidiose sollen vor allem die Kaninchen, wo sie vorkommen, rücksichtslos bekämpft werden. Die gefährliche Knotenseuche wird dagegen vor allem durch Handelswild, das zurBlu'tauf- frischung" ausgesetzt wird, verbreitet. Günstige Erfahrungen mit Hafenaussetzen seien immer nur in trockenen Jahren, wenn das Wild überhaupt kaum mit Seuchen zu tun habe, gemacht worden. In nassen Jahren bedeuten sie den Ruin der bodenständigen Bestände, die gesund oder immun waren, unter denen aber nun die Seuchen neu aufleben. Das Wild ist das Produkt der Scholle. Daher lassen sich auf die Dauer Veränderungen der heimischen Bestände durch fremdes Blut nicht erreichen. Wildarten, die vorhanden sind, soll man nach Ansicht des Redners nicht aussehen. Anders steht es z. B. mit dem Fasan, wenn er in sonst geeigneten Revieren fehlt. Besprochen wurde außerdem noch die Rachenbremsengefahr, die das Rehwild stark gefährdet. 'Bester Schutz sei voll­kommene Schonung des Dachses. Ebenso solle der Marder für Jahre geschont werden. Denn er sei der schlimmste Feind der Ratten, die als Heber- träger vpn Trichinose, Maul- und K'auenseuche, Paratyphus. Schweinepest, Pseudotuberkulose des Menschen, Typhus. Cholera, Pest in Frage kom­men. Gleich wichtig als Feind der Wander-, Haus-, Schwimm- und Bisamratte ist der Iltis. Umstritten ist die Stellung des Fuchses, der bei manchen Seuchen günstig wirkt, bei anderen aber die Krankheitskeime im Revier verschleppt. Be­sonders gefährlich sind als Verbreiter der Er­reger die Krähen, die nachdrücklichst zu verfolgen sind. Den Revierinhabern wird jederzeit Fall­wild oder erbeutetes krankes Wild untersucht und Rat erteilt, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, wenn die Stücke sofort dem vet.-pathol. In­stitut Gießen, Frankfurter Straße eingeschickt wer­den. Leider wird davon noch zu wenig Gebrauch gemacht.

** Auftrieb auf dem heutigen Frank­furter Schlachtviehmarkt: 1055 Kälber, 285 Schafe, 332 Schweine.

Preußen.

Der Mädchenmord bei Llebernihal.

Uebernthal, 18. Ian. Bekanntlich ist der Mädchenmord bei Uebernthal im 21ugust v. I. durch das Geständnis des Geliebten der ermordeten Paula Pfeiffer, der seit fünf Monaten in Limburg in Untersuchungshaft fitzt, vollkommen aufgeklärt worden. Der Mörder Peter gibt nunmehr in allen Einzelheiten die Tat zu und bekennt auch, daß er, sobald er von einer Geliebten hörte, daß das Verhältnis nicht ohne Folgen bleibe, den Plan faßte, das Mädchen zu beseitigen. Am Abend des 13. August gelang es ihm, sich unbemerkt an das elterliche Haus der Pfeiffer zu schleichen. Als diese um 9,30 Uhr von dem Krämer des Ortes lurückkehrte, wo sie Reis und Zucker gekauft >atte, bewog er sie zu einem Spaziergang nach öem außerhalb des Dorfes gelegenen einsamen Bahnhof Uebernthal, der lediglich aus einer Wartehalle besteht. Peter gab an, die Heirat mit ihr besprechen zu wollen. Kaum

waren die beiden in der Wartehalle angelangt, als er seine ruchlose Tat beging. Die Leiche schleppte er zu dem einen Steinwurf entfernt liegenden Bach und versenkte sie unmittelbar vor einem Wehr. Den Zucker und Reis versteckte er in entgegengesetzter Richtung unter Brenn­nesseln. Dann begab er sich nach Hause und machte sich in ausfälliger Weise seinem Vater, der schon zu Bett lag, bemerkbar. Am nächsten Tage besuchte Peter in aller Ruhe ein Fest in ber Rachbarschaft und ging dann am Montag wie gewöhnlich zur Arbeit. Als an diesem Tage die Leiche entdeckt wurde, bekam er es mit der Angst zu tun und beseitigte in der folgenden Rächt schleunigst den versteckten Zucker und Reis. Den Reis streute er in einen Garten, wo er von Hühnern aufgefreffen wurde Den durch inzwischen eingetretenen Regen vollständig aus­gebleichten Zucker brachte er in seiner Tasche nach dem Bach und zog sich hierbei an seinem Anzug die verräterischen Zuckerspuren zu, die sein Verhängnis wurden und damals zu seiner Verhaftung führten.

Kreis Wetzlar.

5 Lützellinden, 18. Jan. Zn einer von Frauen und Jungfrauen stark besuchten Dersamm- lung im Evangelischen Dereinshaus Hierselbst sprach die Jugendsekretärin Frl. Wiese aus dem Burk- hardthaus in Berlin-Dahlem. In eindrucksvoller Weise wußte die Rednerin von den Kämpfen und Nöten der christlichen Jugendbewegun- gen zu berichten. DieBruderschaftLützel- linden des Jungdeutschen Orden-s veran­staltete in diesen Tagen in unserem Orte eine Samm lung von Lebensmitteln zugunsten ihrer notleidenden erwerbslosen Brüder in Wetzlar. In dankenswerter Weise beteiligten sich unsere Einwoh­ner an dieser lobenswerten Spende, so daß eine ganze Wagenladung von Lebensrnitteln den Wetz­larer Ordensbrüdern übermittelt werden konnte.

'S- Hörnsheim, 18. Jan. In einer gut besuchten Versammlung hiesiger Obst­züchter sprach Kceisobstbaulehrer Kilp über ^Maßnahmen zur Förderung des O b st a b s a h e s". Der Redner bezeichnete als Hauptgrund der schlechten Obstmarktverhältnisse die ausländische Konkurrenz, deren Erzeugnisse wegen ihrer besseren Ausmachung und Sortie­rung vom kaufenden Publikum bevorzugt würden. Als unerläßliches Gegenmittel stellte er die Ver­einheitlichung der Obstproduktion hin, die durch Beschränkung des Anbaues auf wenige bewährte Sorten und Umveredelung der schlecht tragenden Bäume erreicht würde.

XX Kinzenbach, 18. Ian. DieDau15 tig- feit in unserem Dorfe war im verflossenen Jahre sehr beschränkt. Es wurden nur ein Wohnhaus und eine Scheune errichtet. Für das bevorstehende Baujahr sind drei Wohnhäuser vorgesehen, die sämtlich außerhalb des Dorfes zu stehen kommen. Die Baulust würde viel reger fein, wenn durch die schon wiederholt an­geregte Zusammenlegung geeignetes Baugelände aufgeschlossen würde. Die Gemeindebehörde bat sich jetzt bereit erklärt, einen Sportplatz für die interessierten Vereine freizugeben. Zu diesem Zwecke ist eine Wiesenfläche auf der Pfingstweide zur Verfügung gestellt worden. Die Vereine werden den Platz alsbald einebnen und trockenlegen.

Kreis Marburg.

][ Marburg, 19. Ian. In üblicher Weise sand heute vormittag in der Universitätsaula die akademische Feier der Reichs­gründung statt. Die Festrede hielt der Pro­fessor der Theologie D. Bultmann über das ThemaChristentum und Staat". Universitäts- rektor Prof. D. Freiherr v. Soden gab anschließend das Ergebnis der im vorigen Jahre gestellten Preisaufgaben bekannt. Preis­gekrönte Arbeiten lieferten in der medizinischen Fakultät stud. Ewald Äe ft ermann aus Fril- lendorf (Ruhr), in der philosophischen Fakultät 8tud. Karl Tripp aus Schmalkaldey; für eine Arbeit in letzterer Fakultät wurde noch eine lobende Anerkennung ausgesprochen, während die Preisausgaben der übrigen Fakultäten keine 'Be­arbeitung fanden. Für das nächste Jahr wurden neue Preisaufgaben gestellt.

Dittkreis.

bl. Ballersbach, 18.Jan. Die Gemeinde hat mit dem Bau einer Wasserleitung begon­nen. Die Anlage soll in diesem Jahre fertiaaestellt werden.

Berliner Börse.

t ? r rJ ' 29..San. (WTB. Funkspruch.) Bei dem sehr stillen Geschäft ist es auch im heutigen Frühoer kehr schwer, sich ein Bild über das Geschäft zu machen. Man nennt vorläufig die erholten gestrigen Frankfurter Abendkurse. J.-G.-Farben 266 bis 267.

bleibt eine gewisse Unsicherheit unverkennbar. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London mit 124,02 bis 124,03, Mailand 92,22, Madrid 28,47 und London gegen Kabel mit 4,8762 bis 4,8767.

Briefkasten der Redaktion.

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E. 23. (ß. Die Adressen sind: Fa.Taylorix in Stritt gart; Kronprinzenstraße 3, und Fa. Definitiv in Frankfurt a. M. Bevor Sie zur Einführung eines neuen Buchführungssyftems schreiten, empfiehlt es sich aber, einen Buchsachoerständigen um Rat zu be­fragen, da die beiden Systeme sich durchaus nicht für alle Betriebe eignen.