Einzelbild herunterladen

Nr. U6 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesse»)

Srcitag, 8. Mai 1928

Ein Wiesecker Auloomnibus verunglückt.

3 Echwerverlehie, 23 leichter Verwundete.

SinZutomcbilunglüd mit sehr crnften Folgen ereignete lich am gelingen Aimmelfa6rt«tag morgen- gegen 7 Uhr auf der Landstraße -wischen den Orten Winnen und Leidenhofen cKreis Warburg), kurz hinter der hefsifchen LandcSgren-e nördlich des Lumda­tales gelegen. Dori verunglückte ein Auto- omniou - des Gemeindeverbanb- W i c- feck-Alten-Bufeck auf einer Fahrt, die mit einem Verein aus Tret- a. d. Lumda nach bet Sderlalfperre führen sollte Der grofie Kraftomnibus Überfchlug sich, fo dah die Unterfeite de- Wagen- mit den Hübern nach oben zu liegen kam, Im Sturz ritz der Wagen zwei ObstbSume um und wurde so schwer demoliert. haft er jetzt nur noch ein klägliche- Wrack ist. Bei dem bedauerlichen Vorgang wurden drei Personen, darunter der Wagenführer, schwer vorletzt. drei- «ndztvonzlg weitere Insassen kamen mit leichteren Verwundungen davon; nur vier Wltsahrenbe blieben Vie durch ein Wunder bei dem schweren Stur- unver­letzt.

Durch persönliche Erkundigungen und Inaugen­scheinnahme an der Unfall stelle konnte unser Vl.-Vedakiion-mitglied gestern mittag folgen bet feftflellen: Die Freie Turnerschaft von Tret - a. d. Lumda beabsichtigte, einen Him- melsohrtausslug an die Sderialsperre zu machen. Zu der Fahrt war zunächst ein Wiesecker Omni­bus gemietet worden. Da an dem Ausflug aber rund 70 Personen teilnehmen wollten, wurden zwei Autobusse, die Wagen 3 und 4. in die Fahrt eingesetzt Der Wagen 3, den da- Un­glück betraf, hatte im vorigen Jahre die vorn DerkehrSbund Oberhessen veranstaltete Presse- fahrt durch Oberheffen ausgezeichnet, auch in dem bergigen Gelände de- Vogel-berge-, durch- geführt Kurz nach 6 Uhr erfolgte gestern früh mit den beiden Wagen die Abfahrt von TreiS an der Lumda Der Wagen 4 mit dem Chauffeur August Wank am Steuer fuhr al- erster. etwa- zurück folgte Wagen 3. der mit 30 Personen besetzt war, mit dem Lenker Lud - wig Wagenbach am Steuer. Der voran- fahrende Wagen 4 war bi- E b - d o r f gelangt, wo er von seinem Führer angehalten wurde, um den Wagen 3 herantommen zu lassen und mit dessen Lenker zu vereinbaren, dah die Fahrt nicht über Kirchhain, sondern über Warburg weitergesührt werden sollte. Nach einigem War­ten, dessen Länge bei dem Führer und den Insassen de- Wagen- 4 bereit- Beunruhigung bervorries kam ein Radfahrer in eiligem Tempo beranaefahren, der dem Führer de- Wagen- die Kunde von dem verunglückten Wagen 3 überbrachte. Sofort zurückgekehrt, fanden die 3n- sassen de- vorgefahrenen Wagen- die Personen de- Wagen- 3 verletzt auf der Landstraße stehend oder fitzend vor, der Wagenführer Lud­wig Wagenbach lag schwerverletzt im 6tra- ftengrabcn, der grofte AutoomnibuS lag mit den Rädern nach oben, im Innern zertrümmert und auch im vorderen Auhenaufbau zusarnmen- aebrochen. quer über dem ötraftengtabcn und dessen Böschnmg, im Führerplatz sand man den 16 Jahre alten Autvschlosserlebrling Seibert von Wieseck eingeklemmt mit seinem schwerver­letzten rechten Arm vor. In anerkennenswerter umsichtiger und klarentschlossener Weise gingen der Führer und die Insassen de- Wagen- 4, da di« anderen Verletzten sich vorerst selber Helsen konnten, zunächst daran, den eingeklemm­ten bedauernswerten Jungen Seibert au» seiner qualvollen Lage zu befreien. Zu diesem Zwecke muhte der vordere Teil de- zertrümmer­ten Wagen- durch Winden und Anheben etwa- in die Höhe gebracht werden, bi- man den Jungen vorziehen konnte. Wittlerwclle war durch ärztliche -Ilse au- EbSdors schon einiges für die Verwundeten getan worden, die nun nach der Befreiung de- Jungen allesamt in dem intakt gebliebenen Wagen 4 nach Allendors a. d LumdZ Sefobren wurden, wo ihnen umfassende ärztliche ,ilfe geboten werden konnte. Der Wagenführer

Ludwig Dagenbach aus Wieseck, dem der Brustkorb eingedrückt war unb der außerdem noch einen Schäkelbalisbruch und eine Wunde an ber Hüfte davong.'tragen hatte, sowie der Autofchlosleriehrfing Seibert von Wiekeck, dessen rechter Arm stark gequetscht und auch sonst erheblich verletzt war. dem auher- dem noch zwei Finger der rechten Hand zerdrückt waren, wurden von dem Arzt sofort in feinem Auto nach Dietzen in die Chirurgische Klinik geschickt. Din junge* Mäd­chen namenS Sanft, gebürtig aus RüddingS- hausen und in Dietzen in Stellung, da- von TreiS au- den Au-flug mit angetretm hatte, erlitt schwere Körperquetschungen: es wur­de zunächst zu seinen Gastgebern in Treis ver­bracht, jedoch machte sich im Lause der ge­strigen RachmittaaSstunden auch seine Ueber- führung in die Chirurgische Klinik erforderlich Bon bin übrigen 23 Verletzten haben drei Knochenbruche (Beinbrüche. Schlüsselbeln- bruchs, die anderen durch die berstenden Fen­sterscheiben Schnittwunden an Kopf. Ar­men und Beinen davongetragen. Diese Opfer de» Unglück- konnten nach der ärztlichen Hilfe in Allendors In ihre Wohnungen in TreiS ent­lassen werden.

Sine fachmännische Besichtigung der (Betriebe- teile an den beiden Hinterrädern des verun- Zückten Wagen» ergab die Feststellung, dah die Bremsvorrichtung nicht in Ordnung war. Darin ist auch nach übereinstimmender Meinung der sachverständigen Persönlichkeiten die DrLärung für den Unglücksfall zu finden. UebrigenS wurde bereit» vor der Abfahrt in TreiS von einem Chauffeur anderBremS- vorrichtung gearbeitet, da sie nicht ein­wandfrei funktionierte. Das eine Hinterrad war infolge dieser Störung der Bremsvorrichtung blockiert, so dah die Dvernse. bekanntlich die kräftig wirkende Kunze-Knorr-Luftdruckbremfe. nur einstig wirken konnte. Da die Unglücks­flelle an dem AuSlaus eine- erheblichen Straßen- gesälle» dicht hinter einer Kurve in der Rich- lung nach Leidenhofen zu liegt, erklärt man sich den Vorgang so, datz der Wagenführer den Om- nibuS hinter der Kurve auf dem noch etwas ab­fallenden Gelände in der Geschwindigkeit ver­langsamen wollte, beim Ingangbringen der Luft­druckbremse infolge der Störung aber nur eine Seite abfangen konnte, wodurch der Hinterwagen in- Schieben kam und nun den Dorderwagen seitlich nach rechts in den 6trabengraben drückte. Der Wagen, dessen tiefe rechte Vorderradspur in der Böschung gestern mittag noch zu sehen war. sauste dabei gegen einen Obstbaum, der etwa einen Meter über der Dodenßläche ab­gebrochen wurde, dann überschlug sich der schwere Wagen, wobei noch ein zweiter Obftbaum zermalmt wurde. Die Trümmer de- Wagen- boten den im Laufe des Tage- von allen Seiten zu Futz. auf Rädern oder Kraft» sahr,zeugen herbeigeströmten Beschauern da- Unglück hatte sich In den Dörfern de- Lumda- tale» und de- DbSdorser Grunde-, sowie auch bi- zur Mittagsstunde in Gietzen rasch herum- gesprochen einen wüsten Anblick. Da- Innere oeS Wagens bildete einen sehr schlimmen Splitter- und Dla-Haufen, der Ausbau von der Mitte bi» zur Spitze des Wagen» war gebor­gten und zusammengebrochen, nur dee im Hin­teren Wagen teil befindliche schmale Dorraum Sm Wagen Innern war einigermaßen intakt ge­geben. Insbesondere muh öS al» ein große» Glück bei diesem schweren Unheil angesehen wer­den. dah die Pfosten zwischen Wagenfutzboden und -decke in der mtt Glasscheiben versehenen Zwischenwand zwischen Vorraum und Hauptraum bei dem Sturz nicht brachen: wäre da» go- schehen. so hätte da- etwa BO bi- 100 Zentner schwere, nun nach oben liegende Chafsie wohl nicht mehr qenügenbe Stütze und Festigkeit gehabt und wäre dann in das Wageninnere g ine in- S!stürzt. Dah bann viele, wenn nicht gar alle ns assen totgedrückt worden wären, dürste autzer 1 Zweifel stehen. Cin weiterer Glück-zufall ist

MMMWsMuSWW.

Vornan von (St)gar Wallace.

Copyright by Wilhelm Goldmann. Verlag. Leipzig. 10 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Doktor Staletti ging zur Haustür, die sich frei« lchend in ihren Angeln bewegte. (Er öffnete den Mund wie um noch etwas zu sagen, besann sich aber bann eine« Besseren und knallte feinem Be­sucher di, Tür vor der Nafe zu.

Doch noch ehe das Echo ber in» Schloß fallenden Tür verhallt war. erhob sich im Innern de» Hau- ft», hinter den erblindeten Scheiben, ein gröblicher Schrei, ein Schrei so voll Angst und Todesqual, datz da« Blut d«-m Detekttv in den Adern gerann. Der Schrei stieg noch immer an. doch plötzlich kippte ,r um und verebbte in herz zerreibendem Schluchzen.

Der Schweiß brach Dick Martin au» allen Poren. Seine Fäuste ballten sich. (Eine Sekunde lang war er entschlossen, sich den (Eingang in das Haus zu erzwingen und eine Erklärung zu fordern. Doch bann sah er di, Aussichtslosigkeit eines sol­chen Borgedens ein. Er bückte sich, nahm in jede Hand eine Denzinkanne und eilt« die Allee hinab. Auf die Taschenlampe mutzte er unter diesen Um­ständen verzichten. Es war gut. dah er Gummi- fohlen unter den Stiefeln trug, die jedes Geräusch feiner Schritte erstickten. Da seine Augen versag­ten. blieb ihm nur das Gehör

Er befand sich gerade in der Nähe der seltsamen drböffnung. cis er eine leise Bewegung hinter sei­nem Rucken verspürte, ein Nascheln von Zweigen, ein Zerbröckeln von Erdklumpen. Das Geräusch war fo fein, dah es sich fast im Plätschern des Degens verlor, und als Dick sich umwandte, sah er nichts als die schwarz. Mauer der regendurchströmlen Nacht. Doch da scklug plötzlich ein Zweig in den Büschen zu seiner Rechten zurück Im Nu erkannte er die unmittelbare Gefahr. Er warf die Kannen hin. die Hand zuckt, nach dem Revolver. Doch ehe er die Waffe zu ziehen oermochtc. fühlte er sich plötzlich von etwas Nacktem, Haarlosem, Tierischem umschlungen.

Riesige Arme mit Muskeln wie Taue versuchten. Ihm die Schultern auszurenken, eine unmenschlich

grotze, breite, schwielige Hand tastete nach (einem Gesicht. Er trommelte mit den Fäusten auf eine nackte Brust, deren eiserner Muskelpanzer all sei­nen Anstrengungen zu spotten schien. Da besann er sich auf sein Jiu-Jitsu. Er griff mit beiden Händen nach dem nackten Arm, dessen Hand fein Gesicht umkrallte, und mit jäher Bewegung drehte er ihn herum und schleuderte seinen Angreifer zu Be­ben. Ein mächtiger Körper stürzte mit dumpfem Laut, ein Ausstöhnen kam. ein gespenstisch schluch­zender, kindischer Laut de» Jammer», der nicht» Menschliche» hatte. Dann war alle» still.

Dick hatte mit der einen Hand den Revolver herausgerissen, in der andern hielt er die Taschen­lampe. Sein Finger druckte auf den Knopf. Weihe» Licht flammte auf uick» leckte über den Boden. Nie­mand war da. Er beschrieb mit der Lampe einen blendenden Halbkreis, der die ganze Umgebung des Kampfplatz,» erhellte. Sein Angreifer war spur­los verschwunden. Großer Gott, war es ihm viel­leicht gelungen, ihn zu umgehen? Dick fuhr herum und sandte den Strahl in die Richtung des Hauses. Da sah er eine mächtige Gestalt, nackt bis auf ein Hüfttuch, mit hängenden Atmen in den Büschen verschwinden.

Dick Mattin stand einen Moment wie gelähmt. Dann griff er nach feinen Kannen und lief feu- chend, in langen Sprüngen, bis er die Landstratze erreicht hatte. Er füllte den leeren Tank, und mit einem tiefen Aufatmen fetzte er den Motor In Be­wegung.

Auf der ganzen Fahri nach London sah er stän­dig das dunkle Grab unter der Hecke vor sich. das. wie er jetzt wutzte. von Doktor Staletti dazu be­stimmt worden war, feinen Körper aufzunehmen unb das Geheimnis feines Todes für immer der Mitwelt zu entziehen.

10.

Es war eine dunkle und windige Nacht, und da Bertram Eody kein guter Futzganger und über- dies eine furchtsame Natur war, weckte er seinen Chauffeur, um die sechs Meilen, die ihn vom Galgenhos" trennten, Im Auto xurüdjulegen. Tommi) Eawler machte eine sehr saure Miene, aber er muhte dem Wunsch seines Herrn will­fahren. Etwa hundert Meter vor der Einfahrt zu Staletti» Besitzung ließ Toby den Wagen hallen.

darin zu erblicken, dah der schwere Motor mit der vorderen Wagmhältte auf die gut etwa 1* 's Meter über bcir ^tzenniveau gele­

gene Böschung zu liegen kam. wodurch der Dorderwagen au' der Böschung, der H.verwogen auf der heil gebliebenen Rückwand Stütze fand, so datz der Pafsagierraum durch Bildung eines Hohlraumes von beiden Seiten offengcbalten war. Dadurch war es den Insassen möglich, aus dem Wagen herau-zuklettem.

Die altbalb benachrichtigte zuständige Staats­anwaltschaft In M. r »urg liest die Trümmer de» Wagen» zwecks weit r r Feststellung sofort be- schlagnahmen. Don d r Leitung d's Gemeinde- verbandes Wieseck-Alten-Bufeck, die durch den Derband-vorsteher Benner. Wirirck, an der Unsallstelle t* t reten war dem sich u. cl auch Bürgermeister Scho.nber Wi-feck '*1en hatte, konnte nur die Ontfemung d.» geährlichen Betriebsstoffes au» dnn Wagenta ck in die Wege geleitet werd.m. Auster den Schädigungen der Perionenopser ist auch der Sachlchad.m sehr be­deutend. Das Unkracfomm ist durch Versiche­rung gedeckt, obwohl e» damit allerdings auch nicht die bdauerichm Leiden der verunglückten Pal'agicr.' beheben lärm.

in Wort in diesem Zusammenhänge noch an die P o ft Don Hauptbrieiligten an dem Dor- gang wurde un» gegenüber beflajt, datz durch daS völlige Fehlen einer Fernsprech- möglichkeit an den Son tagen auf dem Lanke selbst ein Unfaflmeldedienst besteht nicht im Frtfpr chw.'sen b?5 Lumda­tales!! manche Maznah.ne nicht so risch und umfaffenb in die Wege geleitet w.rden konnte, wie e» notwendig und erwünscht gewesen wäre. DaS ist ein Zustand, ber fraglo» beträchtliche Gefahr.m für da» öffentlich: Wohl in sich birgt und im Inter sse brr gesamten Bewohnerschaft des Lumdatale- i ringend der Abstellung bedarf. Im Lumdatal hofft man. datz die zuständige Postbehörde in dieser Hinsicht ungesäumt die ge- DOtcncn Verbesserung-maßnahmen treffen wird.

Wie wir heute vormittag auf Anfrage in der Chirurgischen Klinik erfahren, ist der Zu- stand ber drei Schwerverletzten tm großen und ganzen noch unverändert wie gestern. Die in der Stadt kursierenden wilden Gerüchte über Tode-fälle, Bei denen allzu eifrige Erzähler sogar bi» zum halben Dutzend gehen, entbehren jeglicher Grundlage.

Die Wahlparole der Evangelischen Volksgemeinschaft.

Am Mittwochabend sprach in einer von der Evangelischen D o l k S g e m e i n s ch a f t einberufenen öffentlichen Wählerversammlung

Pfarrer Weidner atiö Lbcr-LaiS

über die Wahlparole ber Evangelischen Volks­gemeinschaft. Der Redner bemerkte zunächst, die breiten Masten des Volke» feien die bisherigen Parteien satt bis obenhin, deshalb gingen fle auch nicht in die Wahlversammlungen, er be­tonte weiter, der Evangelischen Partei fei bei der vorjährigen hessischen Landtagswahl bas Wahl­recht burch da» Sperrgefetz geraubt worben, er habe auf Grund ber Unterschriften mit minde- sten» zwei Mandaten für ben Ganbtag gerechnet. DaS Volk werde fich aber die Herrschaft ber Plutokratie unb ber Großindustrie nicht mehr gefallen lasten. Sodann beschäftigte fich ber Redner eingehend mit dem Prozeß vor dem hessischen LtaatSgerichtShos, wobei er betonte, ber Canbtag sei noch nicht endgültig in feinem Amte, denn eS fei ein Schreiben ber Evange­lischen DolkSgemeinfchast an bas Reichsgericht abgegangen, in dem da- erste von die­sem Landtag beschlossene Gesetz in feiner RechlSgültigkrit angefochten werde. DaS Reichsgericht werde sich in Kürze mit dieser Sache zu belasten haben, unb bann erst werbe sich zeigen, ob bie'er Landtag zu Recht bestehe. Der Reichsgerichtspräsident Dr. S i - m o n S habe sich brieflich bahin geäußert, er könne in einer Sache jetzt nichts sagen, die möglicherweise noch den Staat-gericht-hof für da- Deutsche Reich beschästtgen tonne. 3m übrigen richtete auch dieser Redner, wie kürzlich Dr. Rohde In der Versammlung bet WirtschastS-

partei. sehr heftige Angriffe gegen Ministerial­direktor Dr. Schwarz unb den heststchen Staat-gerichl-ho! von welch letzterem er tagte, dieses Gericht habe seinen Urteiltzlpruch schon im voraus vor der Sitzung sie unb fertig ge­habt. Hoftentlich komme der Prozeß, den Dr. Rohde gc£.en Ministeraldirekt rDr. Schwarz angekündigt habe, in Gang, bann werde die Wahrheit vor Gericht erwiesen werden, wozu auch er (Redner» bereit fei. Der Redner wandte fich bann der Beantwortung ber Frage zu: Warum eine Cvangilstche Partei? Cr machte den bisherigen Parteien zum Dorwur'. daß keine von ihnen die Belange d.S evangelischen Deutsch­lands bisher in der erforderlichen Weife ver­treten habe. Da könnten unb bür ten die evangeli­schen Pfarrer, die heute nicht nur mehr Seel­sorger, sondern auch Leibsorger für die Gemein­den seien, nicht mehr aus da» rein kirchliche Ge­biet sich beschränken, sie müßten h>nau»treten in die Politik, um einmal au» wirifcha!t-politlschen Gründen, bann aber auch au» Erwägungen t*r steuerlichen Gerechtigkeit dafür zu Jorgen, daß da» schassende und bedrückte Volk zu seinem Recht komme. Da» sei auch ein Mittel, die beeilen DolkS- masten wieder enger mit der evangeli chen Kirche zu verbinden, unb Io könnten die evangelischen Pfarrer auch zum Helle ber evangelischen Kirche durch volliische Betätigung wirken. Die Evangelische DollSgeincinschast. die nicht wie alle anderen Parteien Rücklicht auf das Kapital zu nehmen brauche, fei absolut selbstan^ big. sei keine Partei der evangelischen Klrche, sondern eine Partei des evangeli'chen Dolkstells. D^ese Partei solle für alle Diejenigen da sein, die sich polittfch heimatlos fühlten unb zu keiner anderen Partei mehr Vertrauen hätten. Der sich aber bei den anderen Parteien gut unb zu seiner Zufriedenheit aufgehoben fühle, ber möge ruhig bort bleiben, denn diese wolle die Evangelische Partei gar nicht. Der Redner wandte sich hierauf gegen den politischen Ka- tholizi-mu-, ber durch da- Zentrum den re­ligiösen Katholl»l-mu- tvtmache. wie- auf die immer umfangreicheren Riedevlastungen katho­lischer Orden hin unb sagte, das überwiegend evanaeliiche Hessen werde heute, wie auch zu Ulrich» Staatspräfldentenzeit von dem verstor­benen Minister von Brentano, von bet 3cn- trumspariei regiert. Er zog Johann die Äon* kordat-bestrebungen beS Zentrum» in den Kreis feiner Betrachtung, wie- auf bie diplomatischen Vertretungen des Papstes in Deutschland hin und erkürte. In der KonkordatSfrage sei unter evangelischen Gesicht-Punkten keine ber Wa­ber bestehenden Parteien zuverlässig. In eircr Regierung, in der das Zentrum sitze, spiele biefe» die erste Geige und alle andern müßten nach seiner Pfeife tanzen. Wenn da- evangelische Tolk all da» betrachte und fich recht überlegen bann werde es verstehen, daß bie Evangelische Dolk-gemelnschaft den Ruf erfchallen lassen Evan­gelische wacht auf!, baß fle ben Anfang gemacht habe zur politischen Sammlung der Svang'lischen Deutschland». Die Evangelische Dolk-gemeinschaft bringe nicht etwa einen neuen Kulturkampf, in Wirtlichkeit feien wir schon mitten drin In diesem Kulturkampf, und zwar nur durch die Schuld des Zentrum-. Rom stehe nicht mehr vor ben Lo en, sondern bereit- mitten drin in Deutschland, wir befänden un» mitten in ein r Gegenresormation. Die Evangelische Partei gebe da alle anderen Parteien versagten be-halb an alle Evange­lischen in Deutschland die Parole au»: Rettet das evangelische Deutschland, da- durh da» Zentrum dem Untergang nahegcbracht ist! Wer von ber Richtigkeit seiner Darlegungen durchbrungen sei, ber müsse am 20. Wal bie Liste der Evangeli­schen Dolk-gemelnschaft wählen und dadurch mit* helfen bei b r Rettung des evangelischen Deutsch­land-. (Beifall.)

In der anschließenden kurzen AuZsprache nahmen ein sozialistischer unb ein kommunistischer Redner da- Wort, denen der Referent im Schlußwerl antwortete.

Die Reichspartei des deustchen Mtte!ftandeS(WirffchastSpattei) hielt am Mittwochabend im Saale de» Cof6 Leib eineDähleroerlammlung ab. Kaufmann Schmidt gab nach kurzen Begrütz "nasworten dem General»

.Lösch alle Lichter au» unb beweg dich nicht von der Stelle, bis ich wieder hier bin, schärfte er Tommy ein.

Es war Iura vor ein Uhr und stockfinstere Nacht. Cody tastete sich an der Mauer entlang, bis er die Pforte erreicht hatte, bann bog er vorsichtig unb zaghaft in bie Allee ein, seinen Weg mit ben Hän­den fuhlcnb. (Einmal hing sein Fuß über einem un- heimlichen Loch, aber sein Insiinkt warnte ihn rechtzeitig vor bem Abgrund. Er schleuberte sich zu- rück unb spürte bann vorsichtig ber Deffnung nach. E» war ein Grab, bas unter ber Hecke ausae- schaufett war. Die Zähne schlugen ihm bei bieser Entdeckung wie im Frost zusammen. Er atmete auf, als er bas Haus erreicht hatte Er klopfte je- boch nicht an ber Tür, sondern suchte bie Hinter- front auf unb pochte breimal an ein bunkles Fen­ster. Dann kehrte er wieder zum Eingang zurück. Er fanb bie Tür offen unb Staletti warienb auf ber Schwelle.

Ah. Sie sind cs. Sie kommen reichlich spät, mein Bester. Unb damit Sie es gleich wissen das Schicksal war gegen uns!"

(Er ist entkommen?" fragte Toby, unb feine Stimme flackerte vor Furcht.

Doktor Staletti zuckte bie Achseln unb strich sich bedächtig den langen Bari.

Kismet," sagte er gleichmütig,wäre es nach meinen Wünschen gegangen, so läge er jetzt in einem tiefen kühlen Bett, aus dem er nicht mehr aufgeftanben wäre. Sofort nach Ihrem tslephoni- schen Anruf habe ich bie Lampen auf bie Straße gestellt unb eigenhändig seinen Benzintank geleert Dann eilte ich ins Haus zurück unb empfing ihn bort. al» er kam. Es war ohänomenal. Aber bie Kette hatte ein schwaches Glieb unb fo konnte er sie zerbrechen!"

Eodys Blicke schweiften unruhig burch bie Holle. Kleine Schweißtropfen ber Angst ftanben auf fei­ner Stirn.

Was wird jetzt geschehen?" fragte er flüsternd.

Staletti blickte verächtlich.

Ber Dia. was soll geschehen? Die hohe Herman- bab wirb sich einftellen unb eine Haussuchung ab- halten. Was wirb sie finden? Ein paar Ratten, die einen gesetzlichen Tod in Ehren gestorben finbl-

,4)aben Sie ...?" stammelte Cody, mit den Blicken bie Frage beendend.

.La. ich habe ihm jemand auf die Fährte gesetzt, aber ber Iemanb hat sich benommen wie ein blö­der Idiot. Man kann eben die Muskeln nur auf Kosten ber Gchirnsubftanz entwickeln. Aber was stehen wir hier im Zug! Wollen Sie nicht ein­treten, Bester?"

Er führte Coby in fein Arbeitszimmer. Der Schreibtisch war zum Teil abgeräumt unb statt besten mit schmierigen Spielkarten bebeckt. Staletti hotte gerabe eine Patience gelegt, als bas Pochen ihn aufschreckte.

Unb nun sagen Sie mir bitte, wer ist bieser hossnungsvolle junge Mann, ben Sie so sehr zu fürchten scheinen? Er war übrigens schon einmal hier. Er kam eines Buches wegen, das ich mir au» ber Bibliothek geliehen hatte. Es war an dem Tag, an bem mich Ihr Chauffeur zum ersten Mal auf- suchte."

Toby nickte. Sein Gesicht war bleich unb ab­gespannt. Die Lippen trocken unb aufgespnmgen. Er befeuchtete sie von Zeit zu Zeit mit der Zunge.

Er ist brr Detektiv, ben Havelock runb um bie Wett geschickt hat. um Selforb zu suchen", erwiderte er leise, unb Staletti» Augenbrauen schossen sofort in bie Höbe.

Nein, sagen Sie mal bas ist ja phänome­nal! Havelocks JDetettlo?-

Er liefe ein krächzenbes Lachen ertönen, bas im Schwächerwerben dem Knistern eines Pergament» glich.

(Ein ausgezeichneter Witz! Das Leben ist doch ber beste Spaßmacher! Erlauben Sie, bafe ich noch einmal lache!"

Toby rückte unruhig auf feinem Stuhl. Staletti» Heiterkeit war fürchterlicher als fein Zorn.

Dieser Havelock bieser Havelock", krächzte Staletti.

Das für ein geraber, schlichter, ehrenwerter Monn. Aber faaen Sie, fanb unser Freunb, der Detektiv, seine Lorbschast? Nein? Wie schade' Er hätte sich Siebenmeilenstiefel anziehen müfsen!"

Er warf sich auf einen Stuhl unb trommelte mit feinen schmierigen Fingern ein neapolitanisches Lied auf bie Tischplatte.

(Fortsetzung folgt)