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Zügen- und Hochschule.

Schließlich haben auch die politischen Parteien durch die Gründung von partei­politischen Studentengruppen die Verbindung zwischen Student und Politik herzustellen ver­sucht, die Rechtsparteien ebenso wie die in der Mitte und auf der Linken. Für diese Art poli­tischer Bildung stand die praktische Frage durch­aus im Vordergrund: Wie bekommen die Par­teien einen brauchbaren Rachwuchs? Im übrigen kann man nicht sagen, daß die Parteien aus besonders große Intensität des an die Stu­dentenschaft weitergegebenen Wissens Wert ge­legt hätten.

Aus unserer Aufzählung der Träger poli­tischer Bildung in der Studentenschaft geht schon hervor, daß ihre Art und ihr W e s e n von den einzelnen Gruppen völlig verschieden aufgefaßt wird. Die Hochschulen lassen es in der Haupt­sache dabei bewenden, akademisches Wissen zu vermitteln, während politische Willensimpulse kaum irgendwie angeregt werden. Die Parteien auf der anderen Seite lassen nur den partei­politischen Gesichtspunkt gelten, sie ziehen sich im wesentlichen spätere Vorsitzende in Par- tciortsgruppen und Landesverbänden heran. Die Studenten selbst wenden sich bald mehr nach der einen bald mehr nach der anderen Seite und gehen meist ihren eigenen Weg. Sie benutzen alle Bildungsmöglichkeiten, die ihnen die Hochschul­stadt gibt, die der Parteien ebenso wie die der Hochschule, und bauen so an den Grundlagen einer Zukunftspolitik, einerPolitik der

Jungen", in die sie nach und nach hinein- wachsen, um später selbst mit aktiv politisch zu handeln.

Gewisse Ansätze zur politischen Tat der Jungen lassen sich bereits erkennen. Wir er­innern nur an die sogenannteGrenzlandsarbeit", die von einer neuartigen Erfassung des Volks­begriffes ausgeht und auf dasdritte Reich", das großdeutsche Reich der Zukunft abzielt. Viel­leicht daß man auch auf dem Gebiete der sozialen Frage von bestimmten neuen politischen Mög­lichkeiten sprechen kann, die sich aus der Per­spektive der Jugend, der akademischen Jugend erkennen lassen. Die vielen Studenten, die sich in den letzten Jahren als Werkstudenten selbst ihr Brot verdienen muhten, haben sich trotz aller gegenteiligen Erfahrungen in vieler Beziehung als Bindemittel für die auseinanderstrebenden sozialen Schichten und Klassen bewährt. Aus diesen Reihen werden die Sozialpolitiker der Zukunft wachsen, denen es um das Wohl der Volksgesamtheit zu tun ist.

Als Ergebnis wäre etwa festzuhalten: an vielen Stellen zugleich wird die Rotwendigkeit poli­tischer Schulung der Deutschen Studentenschaft erkannt. Die eingeschlagenen Wege sind im ein­zelnen verschieden. Aus bestimmten Ansätzen läßt sich jedoch bei aller Verschiedenheit ein gemein­sames politisches Ziel erkennen, das oft nur gefühlsmäßig geahnt wird andererseits aber auch durch politisches Handeln seiner Verwirklichung I langsam entgegenwächst, eben jenesdritte Reich".

Himmelskunde in -er Schule.

Don Prof. Dr. Kirchberger.

Ich hatte mein Abiturientenexamen gemacht, Doktor- und Staatsexamen in Mathematik und Raturwissenschaften mit Anstand erledigt, und doch waren mir nicht nur die allergeläufigsten, elementarsten Begriffe der Himmelskunde voll­kommen böhmische Dörfer, sondern ich kannte auch mit Ausnahme des großen Bären nicht ein einziges Sternbild und hatte mit Wissen noch nicht einen einzigen Planeten gesehen. Als ich dann als Lehrer eine Schülergeneration bis zum Abiturientenexamen zu führen hatte, holte ich den Mangel meiner theoretischen Kennt­nisse durch treffliche Bücher, vor allem Mar­tensAstronomische Erdkunde" bald nach, ich ließ von meinen Schülern die schönsten mathe­matischen Aufgaben rechnen, aber der Stern­himmel selber blieb mir und auch ihnen ein Buch mit sieben Siegeln. Bis ich dann eines Tages das Unwürdige dieses Zustandes ein­sah, mich gründlich schämte und mir darauf mit Hilfe von Sternkarten die Kenntnis der Sternbilder verschaffte, wodurch sich die Möglich­keit, die allnächtlichen Vorgänge am Himmel mit Verständnis zu verfolgen, von selbst ergab. Bald darauf versammelte ich an klaren Winter­abenden Scharen von Schülern aller Altersstufen von Quarta an aufwärts um mich, die sich von mir gerne und mit Eifer die eben erst selbst erworbenen Kenntnisse weitergeben ließen.

Aber nun erging es mir sehr merkwürdig. Ich hatte ganz ehrlich geglaubt, meine Unkennt­nis, die ich sowohl als Schüler wie auch als Lehrer in besagtem Gegenstand aufgewiesen hatte, hätte einen mehr oder weniger starken Aus­nahmefall dargestellt oder doch wenigstens das Aeußerste, was in dieser Richtung geleistet wer­ben könne. Aber hieran sah ich mich leider schmählich getäuscht. Ratürlich will ich über den Unterricht der Mehrzahl meiner Kollegen in der Himmelskunde keinerlei Urteil abgeben, be­sonders nicht in der Oeffentlichkeit. Aber zu einer Feststellung fühle ich mich durch meine mehrjährigen Beobachtungen berechtigt; nämlich daß es ein törichter Wahn von mir gewesen

ist, zu glauben, daß mein eigenes, früheres Richtwissen in der Himmelskunde nicht noch bei weitem Überboten werden könnte. Die Mehr­zahl unserer Schüler bringt dieses Kunststück fertig.

Denn ich habe doch schon als Kind, ange­leitet allerdings von meiner Mutter, nicht von meinem Lehrer, wenigstens mit eigenen Augen gesehen, daß die Sonne durchaus nicht im Osten auf- und im Westen untergeht, sondern wie sich ihr Auf- und Untergang Tag für Tag um ein Stückchen verschiebt: aber die übergroße Mehrzahl unserer Schüler weiß das, falls sie es überhaupt weiß, nur aus Büchern. Man mache doch die Probe und frage eine beliebige Tertia, wie denn die alten Germanen es ohne Uhr und Kalender fertig gebracht hätten, ihre Weihnachtssonnenwende zur richtigen Zeit zu feiern. Das natürlich nur als Beispiel!

Ist ein solcher Zustand zu rechtfertigen oder auch nur zu entschuldigen? Gewiß, die wichtigsten praktischen Geschenke, die der Himmel uns Men­schen zu geben hatte, die Uhr, der Kalender und die Landkarte sind in jedermanns Hand, auch wenn er sich nie um die Art ihrer Ent­stehung gekümmert hat. Aber ist der unmit­telbare praktische Ruhen der einzige Grund, der uns die Augen nach oben richten heißt? Ist uns Wallenstein erklärlich, wenn er vom Ju­piter sagt: Mir deucht, wenn ich ihn sähe, wäre mir wohl so ganz fr*mb und unverständlich? Gewiß, der Anblick des nächtlichen bestirnten Himmels wirkt mächtig auch auf den, der sich nur dem ästhetischen Eindruck hingibt. Aber öfter und lieber wird der seine Blicks.aufs Himmels­zelt richten, der die wichtigsten Sterne mit Ra­inen kennt, ihren täglichen und jährlichen Lauf verfolgen kann und sie wie liebe Bekannte grüßt!

Run die Einwände! Gewiß ist die Abhängig­keit vom Wetter peinlich! Es ist nicht zu ver­meiden, daß sich der Himmel einmal unerwar­teter Weise bedeckt, und Lehrer und Schüler einen vergeblichen Weg gemacht haben. Und auf Verabredungen an einem bestimmten Wochen-

politische Bildung unserer Studentenschaft.

Von Dr. Siegfried Scharfe, Halle a. d. S.

Wo früher vonstaatsbürgerlicher Erziehung" gesprochen und ihre Rotwendigkeit für die ge­samte deutsche Jugend betont wurde, heißt es heutepolitische Bildung". Und tatsächlich hat sich der Inhalt der staatsbürgerlichen Erziehung, wie wir sie vor dem Kriege kannten, gewandelt, so daß die alte Bezeichnung heute nicht mehr zutreffend wäre. Seit der Einführung des Wahl­rechts für die Zwanzigjährigen ist es nicht aus­reichend. wenn unsere Jugend so erzogen wird, daß sie später als gute Staatsbürger ihre Pflicht tut. sie ist vielmehr in der Gegenwart in einem viel höheren Maße für den Gang des politischen Lebens selbst mitverantwortlich geworden als früher und muß deshalb rechtzeitig und sach­gemäß darauf vorbereitet werden, daß sie ihre politische Aktivität später in der richtigen Weise in die Wagschale wirst.

Die neue Aufgabe der politischen Bildung und Schulung ist von der Studentenschaft sofort er­kannt worden. Man kann allerdings vorläufig nicht sagen, daß die praktischen Versuche, die bisher gemacht worden sind, sämtlich erfolgreich gewesen sind. Von den verschiedensten Seiten ging man an das Aufgabengebiet heran. Zunächst stellten sich die Hochschulen darauf ein. Der Rahmen der akademisch-politischen Fachvorlesun­gen, die schon immer für einen kleinen Kreis von Studenten der Rechts- und Staatswissen­schaften gelesen wurden, wurde gesprengt, indem die meisten Hochschulen dazu übergingen, politische Vorlesungen für Hörer aller Fakultäten, für die Gesamtstudentenschaft in ihrem Vorlesungsver­zeichnis anzukündigen. So wurde etwa die Kriegs­schuldfrage oder der Versailler Vertrag behan­delt. Auch seminaristische Uebungen kamen ge­legentlich zustande, oder es wurde im Anschluß an die einzelnen Vorträge debattiert.

Roch häufiger ergriff die Studentenschaft selbst die Initiative. Das gilt in erster Linie von einzelnen Korporationen bzw. Korpora­tionsverbänden. Ich nenne die Deutsche Bur­schenschaft, die Vereine Deutscher Studenten, die Deutsch-akademische Gildenschaft, die Deutsche Wehrschaft, ferner den Akademischen Turnbund, den Wingolf, aber auch die sogenanntenhisto­rischen" Korporationsverbändc erkennen immer mehr die Aufgabe, ihre Mitglieder politisch durchzubilden. In der Tat ist die studentische Gemeinschaft der Korporation durchaus geeignet, in der Studentenschaft politische Bildung zu ver­breiten. Oft ist der dort erteilte politische Unter- richt ein Teil des herkömmlichen Fuxenunter- richtes und auf Vortrags- und Aussprache­abenden werden die in der Fuxenstunde gelegten Grundlagen vertieft und ausgebaut. In mehreren studentischen Verbänden gibt es bereits besondere politische Handbücher, die dem Unterricht zu­grunde gelegt werden.

Reben den Korporationen steht der Deutsche Hoch sch ul ring und die an den preußischen Hochschulen allerdings ihres amtlichen Charakters entkleidete Deutsche Studentenschaft, die beide auf ihrem Programm den PunktPolitische Bildung" zu stehen haben. Der Hochschulring unterscheidet sich dadurch von der Studentenschaft, daß er poli­tische Bildung auf unbedingt nationaler groh- deutscher Grundlage erstrebt, während die Stu­dentenschaft sich nach Möglichkeit nicht richtungs­mäßig festlegen will und wohl auch nicht kann, weil sie eine amtliche Einrichtung ist, der Hoch- fchulring dagegen ein Gesinnungsverbanb. Die Methode ist hier wie dort dieselbe. Schulungs­wochen, bei denen kleinere studentische Gruppen für einige Tage zusammengefaht werden, um sich politisch schulen zu lassen, und wieder Vor­träge und Arbeitsgemeinschaften wie in den Kor­porationen.

Ium Problem

der sexuellen Erziehung.

Don Prof. Or.phil. ei med. Erich Stern, Gießen.

Der Verfasser äußert sich hier in ge­drängter Lieberficht zu einem der bren­nendsten pädagogischen Gegenwartspro­bleme; in seinem BucheDre Erziehung und die sexuelle Frage" *), auf das in diesem Zusammenhang hingewiesen sei, hat Prof. Stern, zusammen mit einer Reihe berufener Mitarbeiter, dem weitschichtigen Fragenkomplex eine ausführliche Unter­suchung gewidmet.

Die Erziehung bildet eine Einheit, in der jede Maßnahme die andere trägt und stützt, und in der jede Teilaufgabe nur aus dem Ganzen her­aus verständlich wird. Wenn hier von sexueller Erziehung die Rede ist, so kann es sich also nicht um eine Erziehung handeln, die unabhängig vom Ganzen der Erziehung betrachtet werden könnte; vielmehr gilt gerade von der geschlecht­lichen Erziehung, daß sie sich der erzieherischen Gesamtausgabe einordnen muh. Daher kann sich es wird noch daraus zurückzukommen fein geschlechtliche Erziehung auch nie in bloßer Auf­klärung erschöpfen, besonders nicht in Aufklärung über die biologischen Vorgänge der Entwicklung; aber selbst, wenn wir den Begriff der Auf­klärung weiter fassen: vom Wissen des Richtigen zum richtigen Handeln ist noch ein weiter Weg; und auf das rechte, das normgemäße Verhalten kommt es an.

Damit aber erhebt sich die erste Frage: welches Handeln, welches Verhalten ist normgemäß? Ich habe diese Frage in meinem Beitrag zu dem von mir herausgegebenen HandbuchDie

*) Prof. Dr. E. Stern: Die Erziehung und die sexuelle Frage. Ein Lehr- und Handbuch der Sexualpädagogik. Unter Mitarbeit von Privatdozentin Dr. Charlotte Bühler (Wien); Universitätsprofessor Dr. Hubert Erhard (Die­ßen); Universitätsprofessor Dr. Ernst von Dü­ring (Frankfurt a. M.); Dr. Heinrich Hoffmann, Assistent der Universitätsklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Breslau); Dr. Hermann Rohleder (Leipzig); Universitätsprofessor Dr. Erich Stern (Gießen). 381 und XXX S. Abbil­dungen. Union Deutsche Verlagsgesellschaft Zweigniederlassung Berlin SW 19 Ganzleinen 14 Mk. 626

Erziehung und die sexuelle Frage" eingehender untersucht, wobei ich von der cm sich merk­würdigen Tatsache ausging, daß der Geschlechts­trieb der einzige Trieb ist, welcher eine sittliche Bewertung erfährt; mit der (Sexualität ist die sittliche Bewertung für unsere Auffassung so eng verbunden, daß wir sittlich oft geradezu als gleichbedeutend mit einem der Rorm entsprechen­den sexuellen Verhalten setzen. Den Grund hier­für sehe ich vorwiegend in drei Momenten: Zu­nächst besitzt kein anderer Trieb die gleiche Macht wie der Geschlechtstrieb, keiner vermag den Menschen so sehr auszufüllen und von feiner Bestimmung abzuziehen wie er. Zum zweiten ist der Geschlechtstrieb der einzige Trieb, der zu seiner Befriedigung auf eine andere Person angewiesen ist; wo nur die Befriedigung des Triebes gesucht wird, da würdigen wir den anderen Menschen zum Mittel, zur Sache herab, und dies ist nach Kant unsittlich. Und endlich drittens: Zweck des Triebes ist die Fortpflanzung, unmittelbares Ziel aber die Befriedigung; Ziel und Zweck fallen, im Gegensatz zu anderen Trie­ben, hier weit (für die allgemeine Betrachtung auch schon zeitlich) auseinander; was erstrebt wird, ist die Befriedigung, während der Zweck auszuschalten, zu umgehen versucht wird.

Wenn wir den Trieb als sittlich oder unsittlich betrachten, so ist dies ungenau; denn gut oder böse kann lediglich der Wille, der Charakter genannt werden, und so gelten Beurteilung und Verurteilung nicht eigentlich der Geschlechtlich­keit, sondern dem Menschen, dem Charakter, dem Gesamtverhalten, von dem das sexuelle immer nur ein Teil ist. Cs besteht die Forderung, daß die aus dem Sexuellen stammenden Antriebe so gebildet werden, daß sie die Erreichung des allgemeinen Zieles der Erziehung nicht nur nicht hemmen und untergraben, sondern auch positiv fördern. Wo dieses Ziel liegt, kann hier nicht näher erörtert werden; daß wir die Ehe als die allein den sittlichen Forderungen ent­sprechende Form der Geschlechtsgemeinschaft an» sehen müssen, habe ich in meinem oben er­wähnten Beitrag nachzuweisen versucht.

Die Maßnahmen, welche einer sexuellen Er­ziehung dienen, sind mannigfaltig. Der Auf­klärung wird immer eine wichtige Rolle zu­fallen. Ich unterscheide verschiedene Formen der Aufklärung; zunächst die biologische Aufklärung, welche die notwendigen Kenntnisse über Ent­wicklung, Zeugung und Geburt vermitteln soll; ihre Ausgabe ist es in erster Linie, eine reine und natürliche Einstellung zu den Tatsachen des Geschlechtslebens zu vermitteln und dcn Zögling

soweit zu unterrichten, daß seine Phantasie sich mit ihnen nicht mehr beschäftigt; lügen muß das Vertrauen des Kindes zu den Eltern erschüttern. Die erste Aufklärung sollte zweifellos der Mutter zufallen; sie kann das Band zwischen Mutter und Kind noch enger knüpfen. Auch die Schule hat wichtige Ausgaben zu erfüllen: die gelegent­liche ilntertoeifung im naturkundlichen Unterricht erscheint notwendig. Dabei muß die Aufklärung immer der kindlichen Fassungskraft angemessen fein.

Als zweite Form der Aufklärung nenne ich die hygienische, welche sich an die älteren Zög­linge richtet, und die sie über die Gefahren vor­zeitigen Geschlechtsverkehrs, über die Gefahren geschlechtlicher Betätigung und über die Ge­schlechtskrankheiten unterrichtet. Der Zögling muß wissen, welche Reize die Sexualität anregen und er sott sie meiden lernen. Hier liegen für die Fortbildungsschule sehr wichtige Aufgaben, die in enger Zusammenarbeit des Lehrers und des Arztes erfüllt werden müssen.

Lind weiterhin nenne ich die realistische und die ethische Belehrung, welche ein offenes Wort über das wirkliche Leben, über die Wege, welche der Mensch geht, um zu einer Befriedigung des Triebes zu gelangen, wagt, welche die Zusammen­hänge zwischen Sexualität und Verwahrlosung aufdeckt und insbesondere auch das Mädchen über die wahren Motive der Menschen aufklärt. Immer ist dabei dem Bilde des Seienden das Bild dessen gegenüberzustellen, was sein sott.

Reben der Aufklärung spielen die h y g i e n i sch- diätetischen Maßnahmen eine wesent­liche Rotte; ich denke hier an die Sorge für eine richtige Ernährung, welche Reize fernhält, an ausreichende Betätigung in frischer Luft, an Leibesübungen, kalte Bäder usw., vor allem aber an den Kampf gegen den Alkohol; daß zwischen Alkohol und geschlechtlicher Betätigung, Alkohol und Verführung, Alkohol und Geschlechtskrank­heiten ein enger Zusammenhang besteht, wird kein Kundiger in Abrede stellen. Zu warnen ist vor einer llcbertreibung des Sports; diese schafft nicht nur Reize, sondern sie lenkt vor allem von geisti­gen Dingen ab, welche gegen das Triebleben ein Gegengewicht schaffen können. Ziel der hygienisch- diätetischen Maßnahmen ist die Ablenkung und das Hinauszögern der geschlechtlichen Entwick­lung. das Abschwächen der sexuellen Reize. Daß die Iugendfreundschaften einer beson­deren lleberwachung bedürfen, und daß die sexuelle Grundstimmung, die sich in manchen Iugendbünden regt, zur Kritik herausfordern muß, ist besonders zu betonen; über die Bedeu-

tag kann man sich bei unserem Kllma, bei dem sternklarer Himmel die Ausnahme ist, nicht einlassen. Sollen wir uns dadurch abschrecken lassen? Sollte es uns nicht zu denken geben, daß nicht die fleißig und redlich unter ewig klarem Sternhimmel beobachtenden Araber den ersten kühnen und originellen Schritt über den großen Alexandriner P t o l e m ä u s hinaus taten, sondern der stille Frauenburger Domherr K o p e r n i k u s, der noch auf seinem Sterbe­lager darüber getrauert haben soll, daß ihm der trübe Himmel seiner heimatlichen Weichsel­lande nie den Anblick des Merkur gegönnt habe. Lind noch heutzutage marschiert auch in der Astronomie das Vaterland Keplers an der Spitze der Kulturländer, obwohl es weder mit dem riesigen Teleskopen der Amerikaner, noch mit dem wunderklaren Sternhimmel amerika­nischer und italienischer Sternwarten., wetteifern kann. Auch für die Schülerbeobachtungen, die wir im Auge haben, sind Fernrohre und überhaupt Instrumente, wenn schon natürlich ganz er­wünscht, keineswegs notwendig. Das bloße Auge ist das einzige Instrument, das die gleichzeittge Erfassung auch nur eines Sternbildes und dabei die gleichzeittge Benutzung durch eine Mehrheit von Beobachtern gestattet.

Der Beobachtungsort I Ich gebe zu, daß ich hier besonders Glück hatte, da mir ein großer und hochgelegener Dachgarten zur Verfügung stand. Dieser Punkt kann, zumal in der hellig­keitdurchfluteten Großstadt, einige Schwierigkeiten machen. Aber das muß ich doch feststellen, daß meine zahlreichen Schüler allesamt in Groß­stadtwohnungen, und meist recht bescheiden hausten, und daß trotzdem kein einziger von ihnen verhindert war, auch für sich allein das am Himmel zu beobachten, was er beobachten wollte.

Richt einmal eigentliche Fachstudien des Leh­rers sind erforderlich. Wer die charakteristischen Formen und die Ramen der Hauptsternbilder kennt, wer die Methode erfaßt hat, durch einfach geomettische Hilfslinien von bekannten zu unbe­kannten Sternbildern fortzuschreiten (denn auf Deuten mit dem Finger darf man sich nicht einlassen), der getraut sich immer an die Auf­gabe heran! Das sei nicht nur Lehrern, sondern auch Vätern und Müttern gesagt. Es soll auch keiner fürchten, daß es ihm an Stoff fehlen könne, oder daß das bloße Aufzählen und Be­schreiben von Sternbildern auf die Dauer ein­tönig sei! Der Himmel bietet immer etwas Reues I Bald beobachtet man das Fortschreiten des Tages oder der Iahvszeit, oder man un­terscheidet verschiedene HelKglettsstusen,Gröh n" der Sterne, bestimmt den Standort von Planeten in Sternbildern, lernt ihre Recht- ober Rück­läufigkeit unterscheiden, vergleicht die Schnellig­keit der Venus oder des Mars mit der Lang­samkeit Jupiters oder gar Saturns, der Mond, der ewig wechselnde, ist ein Kapitel für sich, auch das wirkliche Auszählen der Tage eines Mondumlaufs, oder der davon verschiedenen Pe­riode von Vollmond zu Vollmond ist eine reiz­volle Aufgabe, noch schwieriger ist die unge­fähre Bestimmung der Stellung der unterge­gangenen Sonne. Sternschnuppen, die man bei stundenlanger Beobachtung fast immer sieht, oder der Wunderstem Algol mit seinen regelmäßigen Verfinsterungen kommen dazu kurz, des Stoffs ist eher zu viel als zu wenig. Lind das stun­denlange Hischauen des Himmels sttmmt das Gemüt zu wundersamer und lange nachwirken­der Freude.

Schließlich die Opfer an Zeit! Ohne die geht es natürlich nicht, und es kommt dazu, daß man, wie schon erwähnt» mit manchem an sich verdrießlichen Zeitverlust rechnen muh. Aber vier, längstens sechs Winterabende genügen durchaus, unsere Jugend so weit zu bringen, daß sie sich auch in einer größeren und schöneren Welt zu Hause fühlt, als die unsere. Sollten sie sich nicht erübrigen lassen?

tung der Koedukation ich habe dies näher begründet für die sexuelle Erziehung denke ich nicht allzu hoch.

Von ganz besonderer Bedeutung für die sexuelle Erziehung sehe ich den Kampf gegen den Schund und Schmutz in jeder Gestalt an, gegen die Schundliteratur, gegen die Schund­filme. gegen die seichten Possen und Theater­stücke, gegen die Auswüchse der Rellame usw. Aber man muh hier betonen, daß von Gesehen nicht alles erwartet werden kann, sondern daß das Wesentliche die Erziehung tun muh, indem sie das Interesse für wirkliche Kunst weckt und pflegt. Auch gegen die Darbietungen auf Meß- und Rummelplätzen, in Varietes und Sportpalästen gilt es Stellung zu nehmen; denn das Mtterleben der Ring- und Boxkämpfe hat mit sportlichem Interesse nichts mehr zu tun und wendet sich nur an das Sensationsbedürfnis.

Das größte Hindernis der sexuellen Erziehung der Jugend ist aber das Verhalten der Erwachse­nen; eine Leichtfertigkeit und Verantwortungs­losigkeit hat heute weite Kreise ergriffen, die der Jugend nicht als Beispiel dienen kann; all das, was ihr als unsittlich hingestellt wird, sieht sie im Leben vielfach vor sich; und dadurch muß ihr Handeln selbst verwirrt werden. Daher ist am notwendigsten für eine sexuelle Erziehung die Erziehung der Erzieher denn jeder einzelne hat, ob er will oder nicht, erzieherische Aufgaben zu erfüllen.

Die Grundlage der sexuellen Erziehung ist aber und hier mündet sie ein in die allgemeine Erziehung, von der sie selbst nur einen Teil darstellt die Bildung desWillensund des Charakters: Selbstzucht, Verantwort­lichkeit sich selbst und anderen gegenüber bildet die Grundlage des Verhaltens im Leben, auch des sexuellen Verhaltens, und insofern ist jede Erziehung zugleich sexuelle Erziehung.

liniere Ausführungen geben nur eine Reihe von Sondermahnahmen, welche neben die allge­meine Erziehung treten müssen. Daß eine ge­schlechtliche Erziehung notwendig ist, kann kaum bezweifelt werden. Das Geschlechtliche bildet eine zu wesentliche Sphäre unseres Lebens, als daß die Erziehung an ihm vorübergehen dürfte, wie es so lange Zeit hindurch der Fall gewesen ist; in unserer Kultur, im öffentlichen Leben, im Schrifttum, in der Kunst, überall drängt sich das Sexuelle stark hervor, dadurch auch auf den jungen Menschen wirkend. Die Erziehung hat die Aufgabe, diesen Einflüssen entgegenzuarbeiten und zu einer richtigen Einschätzung des Sexuellen und zu einem normgemißen Verhalten zu erziehen.