schenlrven zum Opfer gefallen wätt.> Der in dem ScheibenhauS der Militärschiehstande tn -er 1. Schneise wohnende frühere Feldwebel Renz fuhr mit seinem kleinen Handwagen aus der rechten Seite der Straße hart am Sommerweg, als sich ihm zwei Autos näherten, von denen eines von der Stadt kam, das andere nach der Stadt fuhr, letzteres mit grellem Licht, ohne abzublendcn. Der Fahrer des anderen Wagens wurde hierdurch derart geblendet, daß er erst im letzten Augenblick den Mann mit dem Handwagen bemerkte, und nun sofort mit aller Kraft bremste, wodurch zwar größeres Unheil verhütet, er aber nicht verhindern konnte, daß R. von hinten angefahren wurde, wobei der Handwagen in Trümmer ging, Renz auf die Straße geschleudert wurde und Quetschungen an Dein und Schultern erlitt. Der Fahrer des schuldlosen Wagens, Herr Haag, Geschäftsführer der Raifeisen-Filiale Gießen, brachte den Verletzten sofort in ärztliche Behandlung.
" Zur Richtigstellung. 3n dem gestrigen Bericht über die Sitzung des Schwurgerichts Gießen vom 16. d. Mts., in welcher der Prozeß gegen Römer stattfand, ist fälschlich der Kaufmann Fr. Wilhelm Römer genannt worden. Richtig muh es heißen: der Kaufmann Ernst Wilhelm Römer.
" Abgesagter Kursus. Der von dem Landesamt für das Bildungswesen vorgesehene Turnkursus für Turnlehrerinnen, der am Montag in Friedberg beginnen sollte, mußte wegen ungenügender Beteiligung abgesagt werden. Er soll voraussichtlich im kommenden Sommer stattfinden.
•• Familienabend der Matthäus- gemeinde. Der alljährliche Gemeindeabend der Matthäusgemeinde fand am Sonntag im Cafs Leib statt und nahm einen hervorragenden Verlauf. Der Abend war, wie immer, vollkommen einheitlich aufgebaut und stand diesmal unter dem Generalnenner: „Treue". Pünktlich 19.30 ward begonnen, der große Saal war so überfüllt, daß leider viele mit einem Stehplatz an der Türe vorlieb nehmen, oder gar umkehren mußten. Ein Mozart-Quartett, sehr sein wiedergegeben von dem Streichquartett der 3ugendvereini- gung, bildete den Auftakt. Das zweite Stück des Streichquartetts, die Nachtmusik von Mozart, fand ebenso den verdienten Beifall der Hörer. Stadtorganist Heinz Simon sang im ersten Teil mit seiner weittragenden, schönen Stimme drei Lieder von Fr. Schubert und Curschmann. in bereitwilligster Weise hatte Musiklehrer Franz Bauer jun. den Klavierpart übernommen. 3m Auftrag der Männer- und Frauenvereinigung begrüßte deren Vorsitzender, Fort» bildungsschuliehrer W e h r h e i m, die Erschienenen und begründete die Veranstaltung solcher Abende, die die Gsmeindeglieder enge zusammen- schliehen, vor allem aber zum Dienst für Kirche und Gemeinde und zur Treue aufrufen wollen. Ihre Fortsetzung fanden diese Gedanken in der Ansprache, die der Gemeindepfarrer Mahr hielt, der von dem heiligen Geist einer wirklich lebendigen, rührigen Gemeinde sprach, vor allem aber dem Wort „Treue" seine Prägung gab: Treue i in Familie und Haus, Treue in Arbeit und Beruf, Treue dem ganzen Volk, Treue der Kirche unb der Gemeinde, Treue in allem unserem Gott, besonders dann, wenn wir gerade dunkle, uns unverständliche Weg« geführt werden. Den Höhepunkt des Abends brachte das Gudrunspiel. das diese Idee der Treue auf die Bretter barmen und irr ein dramatisches Gewand kleiden will: nur deshalb — so führt« in seiner einleitenden Rede Pfarrer Hertel als Leiter des Gesamtspiels aus — gibt die 3ugend dieses Spiel, keineswegs aber, um „Theater" zu spielen oder zu unterhalten. Einen mächtigen Auftakt fand das Spiel in dem gemeinsam stehend gesungenen Lied: „Wenn alle untreu werden". Das Sviel ward in der Bearbeitung von M. v. Gottschall von dem Spielkreis der Iugendver- eini g un g im D. D. 3. gegeben. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß die 3ugendvereinigung sich ein besonderes Verdienst damit erworben hat, als sie die alten Heldensagen, leider gar nicht mehr dem größeren Teil unseres Volkes bekannt, wieder ausgräbt und zur Geltung bringt; sie schreitet so auf dem 1924 mit der Parsivalaufführung eingeschlagenem Weg bewußt weiter. Die Besetzung war für eine 3ugend- und Laienspielerschar, wie die der Matthäusgemeinde, gut, die Spieler haben sich durchgängig in ihre Rollen hervorragend eingelebt, einzelne besonders aufzuführen, geyt hier nicht an.
Es zogen drei Äurschen wohl über den Mein ....
Roman von Erica Grupe-Lorcher.
20 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Auch jetzt starrte sie an ihm vorbei ins Weite, den Blick halb erhoben, als schweife er über den zerborstenen alten Festungsturm hinweg. Da nahm Siet« wart den Mut, von dem zu sprechen, was ihn seit Monaten innerlich peinigte: „Meine Eltern schrieben mir, daß du dich in letzter Zeit so wenig bei ihnen sehen ließest, Melusine?"
Ein leises Not stieg langsam in ihrem Gesichte auf und verbreitete sich. Sie antwortete nicht.
Es gab ein langes, lastendes Schweigen. Endlich fragte er weiter: „Wie ist denn die Stimmung im ganzen in Straßburg? Ich meine, auch in euren, — in elsässischen Kreisen?"
„Schlecht", gab sie zurück, ohne sich auch nur einen Moment besinnen zu müssen. „Die Kluft zwischen Seutschen und Einheimischen vergrößert sich ständig. Man versteht sich jetzt erst recht nicht mehr. Die El- sässer trauen den deutschen Waffen keine wirklichen Erfolge mehr zu. Und die Gruppe der Franzosen- köpfe unter ihnen — du weißt ja, daß ich durch meinen Cousin Alceste auch Einblick in deren Stimmung gewinne — wird immer größer und gibt die Parole aus: Wartet nur noch etwas! Dann werden wir belohnt! Es ist nur eine Frage der Zeit, daß Frankreich feine verlorenen Kinder von 1870 wiederholt!"
Er gab keine Antwort. Aber sie sah, wie seine Rechte, die auf seinem einen Knie ruhte, sich zu fammenframpfte und so verharrte.
Ihr Auge glitt über ihn hin, wie er, mit ver grämtem Ausdruck, plötzlich wie um Jahre gealtert, vor sich hinstarrte. Wo war der frohe, elegante, blühend gesunde junge Tänzer geblieben, der sie damals, vor vier Jahren, auf dem Dallfcst in jauchzender Lebenslust in seine Arme gerissen hatte?
Abgemagert nach der kürzlichen schweren Verwundung. überanstrengt seit Jahr und Tag durch aufreibenden, unaufhörlichen Frontdienst, ernster geworden nach dem Einblick in so viel Grauenvolles, körperlich behindert durch Einbuße einer Hand —, konnte sie Di et wart wirklich noch so stiir-
Der Rahmen war b«n ganzen Eharakter beS Spiels angepaht, d. h. Stilbühne (mit grünem, gerafften Vorhang), die nur zart die Konturen des Orts andeutete, Tanz, Musik und Gesang paßte sich ebenfalls völlig dem Ganzen an, — nordische Weisen —, Gewandung, Beleuchtung und Aufbau liehen nichts zu wünschen übrig. Die Durchführung dieses großen Spiels von vier Akten war nur einer straffen Regie möglich, die aufbauen konnte auf Treue und Dienstwilligkeit der Spielgemeinde. Langanhaltender Beifall lohnte die Jugend für alle Mühe. Dieser „Treueabend" soll nicht vergessen sein, wenn wir wieder in der Alltagsarbeit stehen.
** Eine Versammlung ehemaliger Pioniere fand, wie man uns berichtet, am Samstagabend in der Wirtschaft „Zum schwarzen Walfisch" statt. Der 1. Vorsitzende, Kam. Schleimer- Gießen, eröffnete die sehr gut besuchte Versammlung mit einer Ansprache, in der er den kameradschaftlichen Geist, der immer in den Pionier-Bataillonen geherrscht habe, feierte und dem Wunsche Ausdruck gab, daß dieser Geist auch ferner unter den Kameraden vom „schwarzen Korps" lebendig bleibe. Der Vorsitzende des Gießener Kavallerie - Vereins überbrachte die Grüße seines Vereins mit dem Wunsche, daß allezeit zwischen den beiden Vereinigungen beste Kamerad!chaft bestehen bleiben möge. 3m übrigen war der Abend mit mannigfachen geselligen Darbietungen bestens ausgesüllt.
** Sie Maul- und Klauenseuche ist in Düdelsheim, Findörfer Hof, (Kreis Büdingen) ausgebrochen, in Stockheim (Kreis Büdingen) ist sie erloschen.
Allgemeine Jubiläums-Geflügelschau in Lang-Göns.
(.) Lang-Göns, 16. Jan. Der hiesige G e - flügel- und Kaninchen zu chtoerein hielt Samstag und Sonntag in der Turnhalle ferne „Allgemeine I u b i l ä u m s s ch a u" ab. Sie war ausgezeichnet beschickt, besonders stark auch aus der Umgegend (Lollar, Kirch-Göns, Marburg, Gr.-Linden ufw.). Der Besuch war sehr rege, besonders am Sonntagnachmittag, daß selbst in der großen Turnhalle starkes Gedränge herrschte. Nahezu 350 Nummern waren ausgestellt (nur Geflügel), darunter schönes und wertvolles Material. Als Preisrichter waren tätig: Herrn. Jäger (Ober-Hörgern), Menge! (Marburg), S ö d l e r (Nieder-Gemünden). Heber 40 Ehrenpreise waren gestiftet worden, tÄls Geld, teils Gegenstände, (darunter ein silbernes Kaffeeservice vom Finanzminister Henrich, der ein geborener Lang-Gönser ist). Die Verteilung der Preise. (Nur Ehren- und 1. Preise können hier angeführt werden.)
1. Abteilung. Groß- undW affe r g e s l ü ge l. Enten, wildfarbig, Beckel (Lollar) E.; Peking-Enten Spruck (Gr.-Linden) E. Stämme: Wyandottes, weiß, Zeiß (Holzheim) E.; Minorka, schwarz. May (Lang-Göns) E.;
2. Abteilung Hühner, einzeln. Langfhan, chwarz. Peter (Marburg) E.; Rohdeländer K. Stoll Lang-Göns) E.; Wyandottes, schwarz, W. Volk Gr.-Linden) E.; Wyandottes, weiß, 91. (9rünebaum (Lang-Göns) E.; Wyandottes, stlber, K. Elfe (Lich) 1. Pr.; Wyandottes, gelb, W. Müller (Ostheim) E.; Wyandottes, rebhuhnf., Heim'. Depvler I. (Kirch- Göns) E.; Minorka, schwarz, May (Lang-Göns) E.7 Spruck (Gr. Linden) E., Barnevelder, Bürgermeister Metzger (Röthges) E.; Einfachk. Italiener, rebhuhnf., Polizeioberleutnant Ester (Butzbach) E., (zweimal); Radetzky (Lich) 1. Pr.; Italiener, gelb, Walter (Gr.-Linden) 1. Pr.; Lenz (Kl.-Linden) (£.; Italiener, schwarz, Block (Bettenhausen) E.u.l.Pr.; Burk (Londorf) 1. Pr. u. E.; Rheinländer, schwarz, K. Heß IV (Gr.-Linden) E.; H. George (Gr.-Linden) E., (zweimal); Hamburger Schwarzlack W. Sommer- lad (Gr.-Linden) 1. Pr. undE.; Leghorn, weiß. A. Engel jun. (Hörnsheim) 1. Pr., Herrn. Engel (Hörnsheim) 1. Pr.; Brahma, hell, Wender (Großen- Linden) E.
3. Abteilung. Zwerge. Wyandottes, weiß, Eug. Schimpf (Ostheim) E.; Wyandottes, schwarz, W. Lich IV. (Londorf) E.; Wyandottes, rebhuhnf., I. Kolter (Bad-Nauheim) E.; Bantam, silber, H. Hofmut (Marburg) E.; Deutsche Zwerge, schwarz, Hch. Wagner (Lang-Göns) 1. Pr.; Antwerpener Bartzwerge. Joh. Dietz (Gr.-Linden) E.; Zwerg- langshan, schwarz K. Müller (Lang-Göns) E.: Zwergkämpfer, brrkenf., I. Kolter (Bad-Nauheim) E.; Zwergkämpfer, engl. goldh., Wilh. Reusch (Lang- Göns) 1. Pr.; Feders. Zwerge, blauporzellanf. mit
misch, so leidenschaftlich — glücklich lieben, wie damals, in den Tagen ebener Pfade?
Er zog sie an sich. „Liebste", sagte er dann zitternd, vor Leidenschatt, vor schmerzlicher Ahnung und sehnsüchtigem Hoffen. .^Liebst«! Das alles geht aber uns beide nichts an, nicht wahr? Wir stehen uns jetzt nicht als Elsässerin und als Deutscher gegenüber, zwischen deren Ansichten und Gefühlen eine Kluft aufwächst, sondern wir sind einzig zwei Menschen, die sich lieb haben! Und deren Liebe stark ist, und deren Zuneigung nur das Beste, das Wohl des andern will, nur die Vereinigung mit dem anderen ersehnt und sich keinen Deut um äußere Vorgänge und Meinungsverschiedenheit kümmert. Gelt?"
Sie schwieg. Ließ sich statt einer Antwort die Lippen mit seinen Küssen versiegeln. — Aber er fühlte, wie sie seine Küsse diesesmal nicht xurüd- gab, und daß in ihren Gliedern nicht dieses köstliche Sichanfchmiegen lag wie einst, wenn er sie in seinen Armen hielt —!
Blutübergossen erhob sie sich dann und sprang auf die Füße. Ihre einzige klare Empfindung in diesen Augenblicken mar, auf irgendeine schickliche, ihn nicht verletzende Ablenkung zu sinnen, damit er nicht weiter in sie bringen konnte; nicht mit Bitten, nicht mit Fragen, nicht mit Versprechen an die Zukunft.
Deswegen riß sie nun ihre kostbare, kleine goldene Uhr aus dem Gürtel. „Müssen wir nicht ms Lazarett zurück, Dietwart? Ich möchte ja so gern heute vormittag Raymond etwas länger besuchen und sprechen." Er mußte ihr nach einem Blick auf seine Uhr recht geben. Aber während sie sich jetzt noch einige kleine Grashalme vom Rock klopfte und die Falten aus dem fein gerippten Covercoatstoff ftrid), schritt er über die Grasnarbe weiter vor- Mirts und meinte halb zurückgewandt: „Du solltest schnell noch den Ausblick hier genießen, Melusine. Gleich heute! Wer weiß, ob es morgen wieder so klares Wetter ist!"
Weit dehnte sich der Boden Frankreichs vor ihnen aus. Zur Rechten zoaen sich Hügel und Wellen zur nahen Champagne hinab. Vor ihnen war flaches -and. Kornfelder wogten wie in flüssigem Golds, wenn der Sommerwind leise unter der Sonnenglut über ]te hmstrich. Rings tiefe, fast feierliche Stille, «rauste die Kr.egsfurie wirklich durch dieses Land? ■aber wenn der Südwind heraufkam, dann .zitterte
Dari, Hch. Hofmann (Marburg) E.; Federf. Zwerge, porz. m. D., K. Müller (Lang-Göns) I. Pr. und E.; ohne Bart K. Müller (Lang-Göns) E. und I.Pr.
He . Kröp er.
Hs
zweimal.
4. Abtlg. Tauben. Forellentaube L. Frank VI. (Lollar) 1. Pr.: Steigerkröpfer L. Lich (Langsdorf) E.; Brünner Kröpfer, weiß, W. Größer (Großen- Linden) E., O. Heß (Lang-Göns) 1. Pr.; Coburger Lerchen K. Stoll (Lang-Göns) 1. Pr.; Franz. Bag- ibetten, W. Ebel (Lang-Göns) E.; Elster-Tümmler, schwarz, Kaiser (Lang-Göns) 1. Pr.; Reisebrieftauben, blau geh., Hch.B«iß (Holzheim) E.; Luchstauben, geschuppt, Helm. Müller (Lang-Göns) E.; He . Kröpfer, Tiger, R. Kaiser (Lang-Göns) E.;
He . Kröp er, gelercht, Kaiser (Lang-Göns) 1. Pr.; Hch. Wagner (Lang-Gons) E., R. Kaiser (Lang- Göns) E.; Hess. Kröpfer, blau, W. Schmidt (L.rng- Göns) E.; Hess. Kr., weiß, R. Kaiser (Lang-Göns) E. und 1. Pr.; Mohrenköpfe, K. Ulm (Lang- Göns) 1. Pr.; Flügeltauben, schwarz, O. Nuhn (Lollar) E.; Fl., blau, Nuhn (Lollar) E.; Fl., silber, Nuhn (Lollar) 1. Pr.; Eistauben, geschuppt, Nuhn (Lollar) 1. Preis.
Den Preis für höchste Gesamtleistung erhielt Richard Kaiser (Lang-Göns).
gelercht, (Kaiser (Lang-Göns) 1. Pr.
. Kr., chwarz, Kaiser (Lang-Göns) 1. Pr. u. E. gelercht, Kaiser (Lang-GönS) 1. Pr.
Landkreis Gießen.
§ Klein-Linden, 17. 3an. Am Sonntag hielt der hiesige Gesangverein „Hormon i e" seine ordentliche Generalversammlung ab, die gut besucht war. Eingeleitet wurde die Versammlung durch einen von den Sängern sehr gut vorgetragenen Chor. Sodann gab der zweite Vorsitzende, Aug. Klein, einen Rückblick über das verflossene Geschäftsjahr und brachte hierbei zum Ausdruck, daß der Verein in jeder Hinsicht glänzend dasteht. Die Rechnungsbücher wurden durch eine Kommission geprüft und für richtig befunden. Der Verein beabsichtigt, dieses 3ahr eine größere Rheintour zu unternehmen, zu welchem Zweck eine Reisekasse gegründet wurde, die bereits den ansehnlichen Betrag von etwa 250 Mk. enthält. Bei der Reuwahl des 'Vorstandes entspann sich eine kleine Debatte, und zwar deshalb, weil der seitherige erste Vorsitzende, Fritz 3ung, sein Amt vor einiger Zeit niedergelegt hat. Der Grund seines Rücktritts wurde jedläh von den Mitgliedern nicht anerkannt, und diese wählten ihren langjährigen ersten Vors.tzenden Fritz Jung ein- stimmig wieder zum Präsidenten. Die übrigen Vorstandsmitglieder sind in ihrem Amt verblieben. Rachdem der erste Vorsitzende dem Verein seinen Dank für das ihm entgegenge-, brachte Vertrauen ausgesprochen hatte, wurde die harmonisch verlaufene Generalversammlung mit dem Lied „Die Rheintreue" beschlossen. — Arn Samstagabend fand in der Wirtschaft „Zur Burg" eine Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr statt, die durch den Ehren- kommandanten Karl 3 u n g II. einberufen worden war. Es wurde mit Stimmenmehrheit beschlossen, daß die Führung bis zur nächsten Versammlung der zweite Kommandant Ferd. Schimmel übernimmt. Es soll später ein neuer Kommandant gewählt werden.
+ Lang-Göns, 17. 3art Der hiesige Kriegerverein hielt unter der Leitung seines Vorsitzenden, Oberbahnhossvorsteher Flach, seine Jahreshauptversammlung ab. Der seitherige Vorstand wurde einstimmig wieder- gewählt. DaS Bezirksfest des Hassia-Dezirks Butzbach-Bad Rauheim findet am 8. und 9. 3uti hier statt. Man erwartet dazu auch eine starke Beteiligung der Kriegervereine aus den benachbarten hessischen und preußischen Bezirken. Mit dem Fest soll gleichzeitig die Weihe einer neuen Dereinsfahne verbunden werden. Die Vorbereitungen sind begonnen worden.
* Wieseck, 17. 3an. Dieser Tag; hielt die Stenographenvereinigung Gabels- berger und Damenabteilung Wieseck ihre Generalversammlung ab. Der 1. Vorsitzende erstattete einen ausführlichen Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Hieraus ist zu erwähnen, daß die Vereinigung durch die Betätigung einiger besonders eifriger Mitglieder mit den bei den Wettschreiben im verflossenen 3ahre erzielten Leistungen zufrieden fein kann. Hingegen ist zu bedauern, daß gerade die jüngeren Mitglieder, insbesondere die in der Lehre befindlichen, durch Unpünktlichkeit und Unregelmäßigkeit in dem Besuch der Stunden wenig 3nteresse für die beruflich doch wichtige Kurzschrift bekunden. Die Dorstandswahl ergab die
aus weiter Ferne ein Kanonenschuß durch die warme, sonnendurchsättigte Luft. Und noch einer. Und abermals einer in regelmäßigen Zeitabständen. — Man kämpfte heute in der Gegend von Verdun.
Dietwart war auf der halb abgestürzten Mauer noch um ein Stückchen emporgeklettert. Er legte die Hand über die Augen und meinte, als auch Melusine ihn nun erreicht hatte: „Schade, daß ich mein Fernglas nicht hier habe. Dann könntest du an einem so klaren Tage wie heute ganz in der Ferne die Türme der Kathedrale von Reims sehen. — Mit unbewaffneten Augen ist es nicht möglich."
Schweigend tranken sie beide diese köstliche Sommerstille, den Anblick dieser friedlichen, reizvollen Sommerlandschaft. Etwas Milderndes, Versöhnendes wollte sich über sie beide senken und über alles, was verwundend im Gespräch eben aufgestiegen war. — Hinter ihnen schoß ein Schwarm von Schwalben im spitzen Keilflug unermüdlich in weitern Bogen um das noch stehende Gemäuer des alten Turmes. Ganz in der Nähe saß ein Schwcilb- chen, dick aufgeplustert vor Behaglichkeit, und zwitscherte und sang, als wenn in seinem Kehlchen ein Quell von Musik läge.
„Sieh nur all die Schwalben, Dietwart!"
Er wandte sich zurück. Zum ersten Male stand wieder ein Lächeln in seinem Gesicht. „O, Schwalben sind hier im Ort viele, viele. Als ich so schwer krank lag, haben sie mir immer durchs offene Fenster mit ihrem Gezwitscher die Zeit erhellt. Ich weiß nicht, ob auch anderswo die Schwalben so süß zwitschern können und so unermüdlich, wie gerade hier in Frankreich die Schwalben?"
Das Zirpen und Zwitschern klang noch hinter ihnen her, von den fröhlichen Gassenjungen der Luft, die um den alten Turm stießen, während sie wieder aus der Ruine hinaus und das kleine krumme, winkelig-stille Gäßchen herabschritten.
„Was die Schwalbe fang — was die Schwalbe sang!" — das Lied von Rückert fiel ihm ein. Und die weiteren Worte:
„Ach wie liegt so weit, was mein einst mar!" — War es wirklich so? Lag das Glück, das fein war, schon so fern? Schritt es nicht mehr neben ihm jetzt daher? — —
Ein wenig später, als sie zu Raymond ins Zimmer traten, gab cs ein erfreutes Begrüßen und Wiedersehen. Melusine blieb neben seinem Lager
einstimmige Wiederwahl des seitherigen Vorsitzenden Otto Deibel. Schließlich wurde beschlossen. im März einen Anfänger- und Forp- bildungskursus in Einheitskurzfchrift zu beginnen. Es dürfte im 3nteresse der Eltern und Lehr- herren liegen, die jungen Leute zum Besuch dieser Kurse anzuhalren.
t Lollar, 17.San. Das der Firma Da uster (Gießen) gehörige K l o p f w e r k an der Daubringer Straße hat seinen Betrieb seit Weihnachten ein« g e st e l l t. Wie man hort, soll die Stillegung nicht etwa auf mangelnde Aufträge zurückzuführen sein, sondern es seien die notwendigen Arbeitskräfte nicht vorhanden. Gegenwärtig ist eine Anzahl Arbeiter in dem ebenfalls der Firma gehörigen Ba- faltsteinbruch, am Lollarer Kopf gelegen, damit beschäftigt, die beim Vorwärtstreibcn des Bruches ttn Wege stehenden Schutt- und Geröllmassen, unter denen besonders große Mengen sog. fauler Steine sich befinden, wegzuschaffen.
§ Saubringen, 17. 3an. Am Sonntagnach- mittag fand hier in der Gastwirtschaft von Ludw. Weimer ein Vortrag von Landwirtschafts- assessor Dr. Bocher vom Landwirtschaftsamt Grünberg statt über „Düngungsfragen,--unter besonderer Berücksichtigung der Kall- und Kalidüngung". Der Vortrag war recht aut besucht. Dr. Böcher begründete zunächst die R iw ndig- feit des Düngens überhaupt und ging dann nach eingehenden Darlegungen über Behandlung und Verwendung des Stalldüngers zu den künstlichen Düngern über, wobei er die Frage des Kalk- und Kalidüngens besonders beleuchtete. Der Vortrag, der in allgemeinverständlicher Weise gehalten war, hat seinen Zweck nicht verfehlt; das ging aus der anschließenden, fast zweistündigen Aussprache sowie aus den vielen Anfragen, die an den Vortragenden gestellt wurden, hervor. Beigeordneter 3 a h r e s sprach den Dank der Versammlung aus.
Z Treis a. d. Lda., 17. Jan. Im Herbst v. I. wurde die durch die Versetzung des Lehrers Eberle nach Lollar freigewordene dritte Lehrer stelle zur Reubesetzung ausgeschrieben. Man rechnete damals wegen der Lage unseres Ortes in der Rähe Gießens mit einer größeren Anzahl von Bewerbern für die Stelle; es find aber nur vier Meldungen eingegangen. Auf die Aufforderung des Kreisschulamtes, eventuelle Wünsche oder Bedenken bezüglich der Bewerber zu äußern, haben Gemeinderat und Schulvorstand beschlossen, die Entscheidung der Behörde zu überlassen. Die Stelle wird wohl zu Beginn d?s neuen Schuljahres wieder besetzt werden. — Rachdem bei Eintritt des starken Frostes die Arbeiten an dem Reubau der Z i g a r r en f a b r i k von Rinn & Eloos unterbrochen worden waren, hat man diese nun wieder ausgenommen. Man hofft, den Bau recht bald felttigstellen und den Fabrikbetrieb spätestens im Sommer eröffnen zu können.
v. Londorf, 17. Jan. Unsere Gemeinde hat beschlossen, das etwa elf Morgen große W i e s enge l ä n b e rechts der Nordecker Straße — „Donau" genannt — zu einer Iungviehweide herzurichten. Mit den nötigen Arbeiten, Einzäunung ufro. soll alsbald begonnen werden, damit die Weide noch in diesem Jahre benutzt werden kann.
Beltershain. 17.3an. Am Sonntagabend veranstaltete der hiesige Männer- gesangderein „Sängerkranz" Im Saale des Gastwirts Erb eine Abendunterhaltung, die aus unserem Orte und den benachbarten Dörfern sehr gut besucht war. Rach einigen vortrefflich gefangenen Chören begrüßte Präsident Dietz die Erschienenen. Zwei Theaterstücke und andere humoristische Darbietungen gelangten in flotter Weise zur Aufführung; um deren Einstudierung, wie auch um den gesanglichen Teil des Abends hat sich der Dirigent des Vereins. Lehrer M e i d t, sehr verdient gemacht. Den musikalischen Teil bestritt der Stangenröder Mufikverein in guter Weise. Ein flottes Tanzvergnügen bildete den Ausklang des schönen Abends.
$ Grünberg, 17.3an. Die jüngste G e - meinderatssihung unter dem Vorsitz M Bürgermeisters 3 öckel erbrachte folgendes: Die Kanalisation und Wasserleitung für die verlängerte Bismarckstraße wird zurückgestellt, bis das Kulturbauamt in Gießen eine genaue Kostenberechnung vorgelegt hat. Die Auffüllung von 800 Kubikmeter Erde um das neuerrichtete Finanzamtsgebäude soll baldigst öffentlich ausgeschrieben werden. Das Pachtgeld für den an Pflasterer Rohn verpachteten Steinbruch wird für das Rech-
stehen und neigte sich ihm, während sie seine Hand noch zwischen der ihren hielt, forschend entgegen. „Ich meine, Raymond, deine Augen sind heute nicht mehr von solch -verdächtigem Älanz wie gestern. Und deine Hände brennen nicht mehr so heiß!"
"3ch glaube, dich hat das Herkommen deiner Schwester gesund gemacht, Raymond," scherzte Dietwart, „die Freude und — ihre Nähe."
Der Kranke lächelte. Es lag trotz all der schweren Mattigkeit etwas fast Wohliges über ihn dahingebreitet. Dann ließ er die Hand von Melusine los und wandte den Kopf zur Seite. „Du magst recht haben, Dietwart. Aber ich bin mir ganz klar, daß das, was menschliche Hilfe mir an RetÜing gebracht hat, ich unserem prächtigen Chefarzt — und Ihnen zu danken habe, Schwester Wendula. Ja, Ihnen!'
Die Schwester hatte beim Eintritt der beiden Besucher nach kurzer Begrüßung noch eilig einige Kleinigkeiten im Hintergrund des Jimmers geordnet und zurechtgelegt. Jetzt war sie im Begriffe gewesen, hinauszugehen, um nicht das Zusammensein der Geschwister zu stören.
Als sie auf den Zuruf von Raymond etwas nach vorn kam, begegnete ihr Blick sich jetzt mit dem von Dietwart. Seine warme Herzlichkeit, die voller Ahnungslosigkeit war, schnitt ihr ins Herz. „Da hast du vollkommen recht, Raymond. Der Chefarzt selbst hat gesagt, seine Kunst und seine Anordnungen wären nichts gewesen, wenn Schwester Wendula nicht alles mit solcher Treue ausgeführt hätte."
Da sie lächelnd abwehren wollte, begann Raymond sich fast zu ereifern. „Doch, Schwester, Wendula, so ist es! Jetzt, wo es mir wieder klarer um den Sinn wird, weiß ich, was für eine unsägliche mühsame Pflege Sie bei mir gehabt haben. Niemals kann ich Ihnen genug danken —"
- „3d) tat doch nichts als meine Pflicht, Herr von Welzin! Und ich tat es gern. Wenn Sie jetzt diese schwere Krisis überstanden haben, ist es mein schön-
„Wissen Sie auch, Schwester Wendula, wie erschöpft Sie auss.'hen?" Sie wandte auf Dietwarts Frage den Blick zu ihm, immer innerlich im Zwang einer starken Selbstbeherrschung. „Wann kommt denn endlich auch für Sie einmal der Urlaub? Alle Ihre Kolleginnen scheinen vor Ihnen öranju« kommen!"
(Fortsetzung folgt.)


