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Nr. 15 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien)

Mittwoch, (8. Januar 1928

Aus der Provinzialhauptstadt.

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Gießen, den 18. Januar 1928.

Die Abgabe der Ltmsahsteuererklärung.

Die Amsatzsteuererklärung ist bis zum 15. Fe­bruar 1928 abzugeben. Eteuerabschnitt ist wie bei der Einkommensteuer und Körperschafts­steuer für Betriebe mit einem Wirtschaftsjahr das Wirtschaftsjahr, für die übrigen Betriebe das Kalenderjahr. Für Gewerbetreibende und Berufstätige ist, soweit sie Bücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches führen, das Wirtschaftsjahr der Zeitraum, für den regel­mäßige Abschlüsse gemacht werden.

Zur Entlastung der Finanzämter hat, wie der Hansa-Bund erfährt, der Reichsfinanzminister in einem besonderen Erlaß an die Präsidenten'der Landesfinanzämter gemäß § 12, Abs. 2, USt. AB. die nichtbuchführenden Amsahsteuer- pflichtigen, deren Gesamtumsatz einschließlich der etwa steuerfreien Umsätze im Kalenderjahr 1927 den Betrag von 1OOOO AM. nicht überschreitet, sowie die Llmsatzsteuerpslichtigen, die im Jahre 1927 Vorauszahlungen in gleicher Hobe wie für 1926 entrichtet haben, von der Abgabe der Umsatz st euererklärung befreit. Durch diese Bestimmung dürste also praktisch in erster Linie die Mehrzahl der kleinen Ge­werbetreibenden von der Abgabe der Umsatz­steuererklärung befreit sein.

Diesen Pflichtigen ist jedoch ein Amsahsteuer- erklärungsvordruck mit Fragebogen für Einkom­men steuerzweckc zuzusenden, wenn dies zur Er­mittlung des Einkommens erforderlich erscheint, oder wenn die geleisteten Vorauszahlungen für 1927 dem tatsächlichen Umsatz offenbar nicht entsprechen. Durch diese Anordnung dürfen einer­seits größere Steuerbeträge nicht ausfallen, an­dererseits ist bei der Anwendung dieser Be­stimmung von jeder kleinlichen Handhabung ab­zusehen. Soweit hiernach Umsahstcuercrtlärungs- vordrucke mit Fragebogen nicht zuzusenden sind, hat auch die Umsahsteuerveranlagung für 1927 zu unterbleiben. In den Fällen dagegen, in denen ein Steuerbescheid zu erteilen ist, ist von der Anforderung geringfügiger Abschlußzah- lungen stets abzusehen.

Für 1927 hatte der Aeichssinanzminister ange- vrdnet, daß bei Steuerpflichtigen, deren Ge­samtumsatz 10 000 AM. im Kalenderjahr 1926 nicht überstiegen hat, von weiterer Rachprüfung der Vorauszahlungen abzusehen ist, falls die Pflichtigen im Jahre 1927 Vorauszahlungen in gleicher Höhe wie für die entsprechenden Vier­teljahre des Jahres 1926 entrichten, und daß in solchen Fällen von der Abgabe von Voran­meldungen abgesehen werden kann. Dieses Ver­fahren sollte versuchsweise für das Jahr 1927 gelten. Die Auffassung über die Beibehaltung des Verfahrens ist innerhalb der Verwaltung geteilt. Da die Auswirkung derzeit noch nicht übersehen werden kann, soll, wie der Hcmsw- Bund weiter erfährt, das Verfahren versuchs­weise auch für die Umsatzsteuervorauszahlungen im Jahre 1928 beibehalten werden. Es gilt auch für die Steuerpflichtigen, deren Gesamtumsatz im Kalenderjahr 1927 10 000 AM. nicht über­stiegen hat. Der Aeichssinanzminister ermächtigt jedoch die Landesfinanzämter, für ihren Be­zirk von der Ausdehnung des Verfahrens auf Das Jahr 1928 abzusehen. Auch in diesem Falle hat aber eine Llmsatzsteuerveranlagung dieser Pflichtigen für 1927 nur im Aahmen der obigen Anordnung zu erfolgen.

Oie Rotstandsakiion für die Hagelgeschädigten.

Dem Landtag ist eine Aegierungsvorlage über die Aotstandsaktion für die Ha­gelgeschädigten zugegangen. Im ganzen haben hiernach die freiwilligen Spenden die

Gießener Giavtiheater.

Nikolaus Gogol:Der Revisor".

Als die Komödie des Kleinrussen Gogol in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts erschien, brach ein Sturm der Entrüstung los. Das Stüd sollte sofort von der Zensur verboten werden, da dies aber wie man sagt: durch das Eingreisen einer höheren Gewalt vor-, hindert wurde, und die Aufführung zustande kam, da wütete das Publikum gegen den Dichter und schrie, man müsse ihn als als einen Staatsfeind nach Sibirien bringen lassen. Wer weih, wie es Gogol gegangen wäre, wenn nicht der Zar in höchsteigener Person den mit Schadenfreude ge­mischten Humor aufgebracht hätte, die Hand über den Autor zu halten: der Kaiser soll selbst der Aufführung beigewohnt und hinterher gesagt haben: es bekommen alle in dieser Komödie ihr Teil und ich selber am meisten. Wenn das wahr ist, dann macht es dem Freimut des Herrn aller Reußen nur Ehre: man hat Beispiele dafür, daß Dichter von gleicher Offenheit wie Gogol bei ähnlichen Gelegenheiten sich minderen Humors an hoher und höchster Stelle zu erfreuen hatten.

Die Komödie, die im Laufe der Jahre in den eisernen Bestand und das stehende Repertoire vieler und großer Bühnen übergegangen ist, kann als ein Spiegelbild der berühmtenrussischen Zustände" vor dem Kriege gelten, und man darf ihn als Motto getrost jenes russischste aller russischen Sprichwörter voranstellen, das die tief­sinnige Weisheit verkündet: Auhland ist groß, der Himmel ist hoch und der Zar ist weit.

Lind weil Auhland so groß und der Zar so weit ist, daß er nicht immer überall sein unö nach dem Aechten sehen kann, deshalb schickt er von Zeit zu Zeit einen Beamten aus, einen Ae- visor, der in dem oder jenem Gouvernement umherreist und nachschaut, wie es dort bestellt ist, ob das öffentliche Leben von den rknteren Be­amten so verwaltet wird, daß der Zar in Peters­burg seine Freude daran haben kann.

Der Zar würde nur in seltenen Fällen Freude daran haben sagt Gogol, wenn er wüßte, wie es zugeht. Er weiß es aber nicht. Wenn nun in so einer kleinen Provinzstadt auf den Flügeln des Gerüchtes die Kunde ausgesprengt wird, daß ein Revisor kommt, dann herrscht Heulen und Zähneklappen, so weit man zu hören vermag. Denn da ist keiner, der eine reine Weste hätte, vom Gouverneur über den Schulrektor, den Kreisrichter, den Hospitalverwalter bis zu den unteren Polizeiorganen: nichts wie Schlamperei, Anfauberkeit, Bestechung, Bedrückung, Verwahr- losuna Sodom und Gomorrha. , ____

Höhe von 67 000 Mark erreicht. Außerdem sind noch Raturalien gespendet worden, die von der Freien rheinhessischen Bauernschaft und vom Ver­band hessischer landwirtschaftlicher Genossenschaf, ten gesammelt wurden. Der Geldbetrag der Sammlungen soll durch einen Staatszuschuh aus 130 000 Mark erhöht werden. Die aus diesem Fonds gewährten Beihilfen brauchen nicht zu­rückgezahlt zu werden. Ferner wird rwch ein Betrag von 130 000 Mark für Darlehen bereit- gestellt. Von 62 Gemarkungen, die Hagelschäden angemeldet hatten, wurden 38 von der Aotstands­aktion ausgeschlossen: auch sonst können nur die schwersten Fälle berücksichtigt werden. Die Rotstandsarbeit erstreckt sich in der Provinz Starkenburg auf die Gemarkungen: Bens­heim, Lorsch, Zell: in der Porvinz Ahein- hessen: Essenheim, Hahnheim, Hamm, Rie­der-Olm, Rieder-Saulheim. Ober-Saulheim. Ost­hofen, Schornsheim, Sörgenloch, Stadecken. Aden- heim, Zornheim: in der Provinz O b e r h e j s e n: Allmenrod, Eichelsachsen, Efchenrot, Heblos. Metz- los-Gehaag, Michelbach, Schotten, Sickendorf und Wingershausen.

Mandolinen-Weitstpeii in Gießen

Seit Jahren pflegt der Mandolinen - und Gitarrenverein »Reapolita Gießen die echte Volksmusik der Mandolinen- und Gi­tarreninstrumente auf konzertmä'chger Grundlage. Es ist noch nicht lange her, daß die Zupfmu­sik, die vornehmlich als Marschmusik von Wan­dervereinen, Jugendgruppen usw. ausgeübt wurde, ihren Weg zu jenen Vereinigungen fand, die ihr ein neues Gebiet erschlossen und ihr ganz andere Richtung gaben nämlich sich volksbildend auszuwirken. Der Gießener VereinReopolita" hat auf dem Ge­biete der Zupfmusik sich einen guten Ramen zu sichern gewußt, und hat auf den Mandolinen­wettstreiten in Dotzheim und Kiedrich sehr be­achtenswerte Erfolge erzielt.

Auf Grund dieser bahnbrechenden Arbeit und infolge seiner Leistungen hat es der Verein unternommen, vorbereitende Arbeiten zu einem Rationalen Mandolinen-Wettstrei in Gießen zu leisten. Einem Rundschreiven an befreundete Vereine zufolge erklärten 40 Ver­eine ihre Beteiligung. Allerdings erschienen zu dem am Sonntag stattgehabten Delegiertentag die Vertreter von nur knapp 20 Vereinen, wäh­rend ein Teil der gemeldeten Vereine sich vom geschäftsführenden Ausschuß vertreten ließ. Zur Aussprache standen die vom veranstaltenden Ver­ein ausgearbeiteten Bedingung n. Dieser Arbeit ist vor allem zu entnehmen, daß. obwohl die Bewegung an und für sich noch sehr jung ist, die Bedingungen sehr genau und bestimmt ge­halten sind, um den landläufigen Auswüchsen von vornherein zu steuern. Rach einem schön zu Gehör gebrachten Chor des Mandolinen- und GitarrenvereinsReapolita", der aufs neue die hohe Leistungsfähigkeit des jungen Vereins unter seiner geschulten Leitung zeigte, begrüßte der 1. Vorsitzende die erschienenen Musikfreunde, und wies auf Zweck und Ziel des Delegierten­tages hin. Die vorliegenden Bedingungen wurden als sehr gut ausgearbeitet anerkannt und ohne größere Aenderungen genehmigt. Lim auch Eiei* neren Vereinen, die spielerisch leistungsfähig sind, Gelegenheit zu geben, sich msit gleichwertigen Gegnern zu messen, tonnen solche ohne Rücksicht auf ihre Sptelerzahl in einer ihr beliebigen Klasse spielen. Der Meldeschluß ist auf Den 15. Februar festgesetzt worden. Gespielt wird in A-, D-. C- und D-Klasse: die drei ersten Klassen unterscheiden sich hinsichtlich der Spie­lerzahl, wenn nicht ein kleiner Verein von vor­stehender Vergünstigung Gebrauch machen will. Die Klasse D ist eine Sonderklasse, in der noch außer Zupfinstrumenten.- die Violinen Zulassung finden. Folgende Instrumente sind zugelassen (A-, B-, E-Klasse): Mandolinen, Mandolen.

Lind das Gerücht kommt: er ist da! Er sitzt schon im Gasthof seit 14 Tagen und bezahlt vor lauter Vornehmheit keinen Rubel, ein hoch- gestellter junger Herr aus Petersburg, der wird gewaltig aufräumen. Man muh zu ihm hin, ihn günstig stimmen, ihm Geld anbieten, ihm schmeicheln und Gutes erweisen und blauen Dunst vormachen,' wo man nur kann, das Llnheil ab­zuwenden.

Die Pointe ist: es sitzt wirklich ein vornehmer Herr im Gasthof, aber es ist gar nicht der er­wartete Revisor, sondern ein junger Windbeutel aus guter Familie, der sein Geld im Spiel ver­lor, und deshalb nicht nach Petersburg zu­rück kann.

Dieser im übrigen unschuldige Mensch wird unversehens und eigentlich gegen seinen Willen in eine Betrüperrolle hineinaeschoben, sieht sich plötzlich von Ehrfurcht und schlotternder Angst umgeben, wird ins Haus des Gouverneurs aus­genommen, fürstlich bewirtet, pumpt der Reihe nach die Honorationen kräftig an, die hocherfreut sind, auf so billige Art davonzukommen, macht Frau und Töchterlein des Gouverneurs in sich verliebt und reist 'pls zukünftiger Schwiegersohn, mit tausend Segenswünschen und mit Schätzen reich beladen ab, als ihm das ganze Abenteuer nicht mehr geheuer scheint.

Aber während die übrigen dem Gouverneur nebst Weib und Kind zur hohen Gnade und baldigen höheren Ehren gratulieren kommen, und männiglich sich händereibend freut, daß alles so vortrefflich vonstatten ging, da platzt wie eine Bombe der tüchtige Posthalter mit einer bösen Reuigkeit in die angeregte Gesellschaft: er hat nach gutem alten Brauch einen Brief des eben Abgereisten erbrochen, voll Sorge, er möchte doch LLebles an dieOberen" in Petersburg ge­meldet haben während jener in diesem Brief nur einem Freunde die ergötzliche Schilderung seines unvermuteten Abenteuers zukommen läßt samt einer wenig schmeichelhaften Porträtierung der hier angetroffenen Spitzen der Behörden. Die haben sich samt Weib und Kind noch nicht von ihrer entsetzlichen Blamage erholt, als schon mit Donnerhall die zweite, noch schrecklichere Bombe abgeschossen wird mit der Meldung, daß inzwischen der Revisor eingetroffen sei und die Herren erwarte. And diesmal ist es der richtige. Worauf alsbald der Vorhang sich mitleidig über ein ansehnliches Häuflein Elend senkt.

So ist diese Komödie. Man kann den Zensor verstehen, man kann die Empörung des Publi­kums verstehen, man kann sogar den Zaren verstehen, der d as Stück nicht verboten wissen wollte. Gogol erhielt, nicht ganz mit Anrecht, den Ehrennamen eines russischen Mvlü-vr, tote

Mandoloncellv, Berde (Zupfbaß), Gitarren und Lauten: in der Sonderklasse aufjerbem noch Vi­oline. Ausgeschlossen sind in allen Klassen: Zither, Glockenspiele. Blas- und Jazzinstrumen- te. Außer Geldpreisen sind L^rkunden vorge­sehen. In sicherer Aussicht stehen Ehrenpreise, darunter ein Hauptehrenpreis des Volksstaates Hessen.

Rach den bereits fest vorliegenden Meldungen ist mit einer guten Beteiligung zu rechnen. Es wird hier Gelegenheit sein, sich über die ganze Art der Bewegung ein Urteil bilden zu können, insbesondere ob und wie wert die Zupfmusik auf dem Wege ist, zur echte» Volksmusik zu werden, und ob sie in der Lage ist. eine große Masse in ihren Bann zu ziehen. Die Veran­staltung soll deshalb einen werbenden Charakter haben, und neben dem Wettstreit sollen darum größere Konzertveranstaltungen stattfinden, zu denen die auswärtigen Musikfreunde um ihre Anterstützung ersucht werden.- Als Tage der Veranstaltung kommen der 5. und 6. M a i in Betracht. Reben vielen kleinerem Vereinen werden sich beteiligen Vereine aus: Köln, Mainz. Ful­da, Hanau, Hildesheim, Hannover, Mühlheim. Frankfurt a. M. Sicherem Einvernehmen nach wird die Beteiligung auf ungefähr 30 Vereine steigen.

Wohliätigkeiiskonzert

zum Besten der Friedens ^Frauenkirche in Frankfurt a.M.

Eine andächtige und erfreulicherweise recht zahlreiche Zuhörerschaft folgte am Sonntagabend im Saale des Katholischen Vereinshauses Hierselbst mit gespannter Aufmerksamkeit, den Darbietungen der Ausführenden, Herrn Freund (Gie­ßen) Klavier, und Herrn tarnst Schneider (Gießen) Cello.

Herr Freund, der seines Augenlichts beraubt ist, zeigte sich als ein Musiker von großer innerer Qualität und erheblichem techntzchen Können. Die Beethoven-Sonate op. 14 Rr. 2 spielte er in einer Weise, die die tiefe innere Hingabe an das Werk bekundete. Zu einem noch größeren Erleb­nis aber wurde das AndqnteAus meinem Tagebuch" von Reger, das tr in seiner ganzen Schönheit und Leidenschaft .vor den Zuhörern auszubreiten vermochte. Diie Wiedergabe der Rhapsodie O-Moll von Brahms stellte sich dem würdig an die Seite. Jede Einzelheit wurde klar und deutlich herausgehoben, .und alle die kleinen Teile verbanden sich organisch zu einem großen Ganzen von packender Wirkung. Daß Herr Freund ein Werk Regerst zu Gehör brachte, ist ihm besonders anzurechnen. Reger ist im Rahmen solcher Konzerte eigentlich nie zu hören, und es ist darum erfreulich, daß er an diesem Abend auch zu Worte kam.. Die Begleitung der Cello-Stücke lag bei Herrn Freund ebenfalls in besten Händen, und er verstand es, sich dem Vortrag des Solisten mit feinfühlender Empfin­dung anzupassen.

Herr Ernst Schneider spielte zuerst eine Sonate von Valentin!. Setitiz warme und schöne Tongebung kam in dem Lartzp-Satz besonders zur Geltung, während der Schlußsatz sein großes technisches Können bewies- das aber, auch an den schwierigsten Stellen, stzrts Mittel zum Zweck blieb und nie zum SelbstMeck wurde. So wurde diese Sonate stilvoll und überzeugend wieder- gegeben. Das Andante auS der D-Dur* Suite für Cello allein war ebenfalls «ine sehr gute technische wie musikalische Leistung, ainb die folgende Ge­sangsszene von Kann, sowie das mit großem Können sehr sauber heraustgebrachte Perpetuum mobile von Frihenhagen, hielten sich auf gleicher Höhe mit den vorhergeheiMen Darbietungen.

Jedenfalls Dürfen die Ausführenden den Abend als einen schönen Erfolg betrachten. Der Beifall war daher auch seGr herzlich. B.

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denn in der Tat manche ferner Motive, manches in seiner Szenenführung französischen Vorbildern zu verdanken ist. GleichwiBl ist das Stück mehr als eine geschickte Rachagmung es ist eine russische, allzurussische Komödie voll Gift und Galle, voll einer melancholischen ' Philosophie, voll bitterer Anklage unid voller Resignation: der Himmel ist hoch, und Der Zar ist weit. And was hat es wirklich schon, zu bedeuten, wenn in einer einzigen kleinen Provinzialstadt einmal ein Revisor unvorbereitet, und unvermutet er­scheint? And wer bürgt .Dafür, daß er wirllich seines Amtes waltet und, nicht vielmehr gerade die überraschende Plötzlichkeit seines Besuches in seinem Sinne ausnutzt u|nd mit ebenso vollen Taschen und ebensovielen Segenswünschen heim- fährt nach Petersburg toie jener abgebrannte Hotelgast und alles bUibt wie es zuvor war?

Rußland ist ja so unendlich groß und so un­ermeßlich reich gewepm. Heute ist es noch immer groß, aber vieles, ist ganz, ganz anders geworden. Es gibt feinen Zaren mehr und keine zaristische Revisoren, und eine russische Pro­vinzstadt ist heute längft nicht mehr das, was es vor dem Kriege toac irfi alten Reich: die Sowjets sitzen heute nährv daran als der Zar, und Moskau liegt bedrohlicher in Reichweite als Petersburg. And die Gogols von heute wer­den von der Zensur verboten wenn es welche geben sollte. And es würde auch keine noch so bittere Komödie werden, wenn einer den Mut, den Geist und den unbestechlichen Zugriff hätte, ein ähnliches Stück zu schreiben wie diesenRe­visor", der (nicht nur seines Kostüms wegen) historisch geworden ist, dew uns aber als Theater­stück wie als Kulturbild gleichermaßen bedeutsam bleiben wird.

Unter Volcks Regie entfaltete sich ein bieder- meierliches Kleinstadtbildi von grotesker Lächer­lichkeit: russisches Hinterland tat sich auf, umwölkt von einer bedrückenden Atmosphäre bürgerlich- provinzieller Verkommenheit: Enge, Angst, Reu- gier, Bosheit, kriecherische, Anterwürfigkeit, Frech­heit und Aufgeblasenheft, hundert Verdorben­heiten und Laster spiegelten sich in jähem Wechsel auf den Gesichtern eiixec wahrhaft auserlesenen Gesellschaft betrogener Betrüger. Rur einige Hauptpersonen sollen genannt fein: Goll, der dicke Gouverneur und schuldbeladene Oberbonze eines vorbildlichen Gefneimwesens; 03 a ft 6, ein stutzerhafter Windhund, der sich mit liebens­würdiger Ronchalance in die ihm aufgedrängte Rolle eines gewaltigen Würdenträgers hoch- staplerisch hineinfand; Tannert, der maßlos verschlampte Pvstvrrwakter mit einer sehens-

Datcn für Donnerstag, 19. Januar.

Sonnenaufgang 7.56 Uhr, Sonnenuntergang 16.26 Uhr. Monduntergang 13.12 Uhr, Mondaufgang 6.07 llhr. 1576: Der Schuhmacher und Poet Hans Sachs in Nürnberg gestorben (geboren 1494). 1836: Generalfeldmarschall Graf oon Häseler aus Gut fiarnskop bei Wriesen geboren (gestorben 1919).

Bornotizcn.

TageskalendersürMittwoch. Stadt­theater 7.30 Uhr:Nora" (Ende nach 22 Uhr). Schweineoersicherungsoerein zu Gießen: 8.15 Uhr bei Klein (Brandgasse), Generaloersammlung. Lichtspielhaus. Bahnhofstraße:U 9". Astoria- Lichtspiele:Drei mal Dreizehn".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns getorieben: Die Zahl der wirklich guten Operetten ist bekanntlich eine beschränkte, und des­halb muß immer wieder auf alte, bewährte Werke zurückgegriffen werden. Nun ist es schon sehr lange her, daß hier keine Osfen-bachsche Operette mehr gegeben worden ist, und so ist des Meisters be- rmntestes WerkDie schöne fielen a", auf Wunsch der hiesigen Bühnenleitung von unseren Gästen neu einftubiert worden. Die Vorstellung ver­dient besonderes Interesse, da in Frl. Rose Land­wehr vorn Landestheater Darmstadt ein promi­nenter Gast für die Titelpartie gewonnen worden ,st.

Fröhlicher Frih-Müller-Abend (Nachdenkliches in heiterem Gewände)." Die Ortsgruppe Gießen im Deutschnationalen Hand­lungsgehilfenverband hat, wie aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich, für einen Vortragsabend am morgigen Donnerstag im Kath. Vereinshaus Herrn Max K e h r i g-K o r n (Berlin) gewonnen. Man beachte die heutige Anzeige.

D i e Arbeitsgemeinschaft für Grenz-, Außen- und Kolonial- Deutsch t u m veranstaltet am nächsten Sonntag- nachmittag in der Reuen Aula eine Kundgebung, bei dec Dr. Fr. König überWir Deutsche in der Welt" sprechen wird. (Siehe Anzeige.)

Eine angenehme Rachricht für Automobikfahrer. Der Provinzialaus­schuh hat in der jüngsten Sitzung beschlossen, daß in Friedberg auf Der Hauptdurchgangs­straße für den Autoverkehr, der Chaussee von Friedberg nach Dad-Rauheim, die östliche Baum- reihe entfernt werden soll. Damit wird ein starkes Verkehrshindernis dieser Teil der Fahrbahn in Friedberg erwies sich immer mehr als zu schmal beseitigt.

** Aus dem Gießener Standesamt s- r e g t ft e r. Es verstarben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. Januar: 1. Januar: Karoline Euler, geb. Vogel, Hebamme, 79 Jahre, Goethe- straße 57; 4.: Karl Volz, Weißbinder, 64 Jahre, Frankfurter Straße 127; 5.: Margarete Junker, geb. Diehl, 41 Jahre, Am Kugelberg 57; 6.: Charlotte Schieferstein, geb. Jung, Witwe, 67 Jahre, Steinstraße 17, Anna Müller, geb. Lich­tenstein, 33 Jahre, Am Kugelberg 73, Margareta Pfaff, geb. Barth, Witwe, 81 Jahre, Steinstraße 71; 8.: Emma Seipel, geb. Kamm, Witwe, 88 Jahre, Südanlage 20, Lina Fischbach, geb. Schultheiß, Witwe, 81 Jahre, Goethestrahe 35; 9.: Katharine Baumann, geb. Schmcmdt, 67 Jahre, Löberstraße 5, Jngeborg Bechtoldt, 1 Monat, Wilsonstraße 4; 10.: Freifrau Julie von Rordeck zur Rabenau, geb. von Wallenbera, Witwe, 85 Jahre, Bahnhofstraße 71, Emil Kliffmüller, ohne Beruf, 72 Jahre, Licher Straße 74; 12.: Elisabethe Keuscher, geb. Friedrich, 53 Jahre, Bahnhofstraße 34, Marie Weitzel, geb. Kraus­müller, 64 Jahre. Goethestrahe 68; 14.: Sophie Jänz, geb. Hofstadt, 70 Jahre, Erdkauterweg 50, Richard Bernhard Wolf, Glasermeister, 68 Jahre, Bahnhofstraße 32.

** Autounfall. Am Montag nachmittag kurz vor 6 Ahr ereignete sich in der Grünberger­straße zwischen Schützenhaus und 1. Schneise ein Auto-Anfall, dem um ein Haar ein Men-

toerten Schnapsnase; Frau Jüngling, die neugierige, dumme, eitle und mannstolle Gou­verneursgattin; Gesfers, Teleky und S ch u- bert, Drei dunkle Kavaliere; Gehre und Vo l ck, zwei geschwätzig-beflissene Gutsbesitzer. Das Ensemblespiel ließ des öfteren zu wünschen übrig, und die Souffleuse war stellenweise reich­lich laut. Sehr hübsch und stimmungsvoll die Dekorationen von Löffler.

Das Publikum schien sich bestens zu unterhalten.

Dr. Th.

Oie größten Hunde.

Der größte Hund der Welt soll nach der Behauptung seines Besitzers William Strothers von Los Angeles fein Hund Jlak sein, der eine Kreuzung des weißen Polarwolfshundes mit einem Schäferhund darstellt. Das riesige Tier wiegt 195 Pfund und mißt, wem, es auf seinen vier Füßen steht, bis zu den Schultern 34 Zoll. Wenn sich Jlak auf seine Hinterbeine erhebt, dann beträgt die Entfernung vom Boden bis zu den Spitzen seiner Ohren 6 Fuß 21 2 Zoll. Llber dieser Hund, der seinen Herrn in solcher Stel­lung weit überragt, hat einen Rebenbuhler in England, der ihn an Gröhe übertrifft. Es ist dies der Stolz der Bernhardinerzucht des Eng­länders ©. H. Herseh zu Walthamshire in Eng­land. Dieser riesige Bernhardiner, Goliath von Gath, mißt von der Rasenspitze bis zu den Hinterfüßen sieben Fuß. Wenn er auf seinen Hinterbeinen steht, so überragt er feinen Herrn, der über sechs Fuß groß ist, noch um einen vollen Kopf. Aber selbst diese beiden mächtigen Ver­treter ihrer Rasse werden noch durch einen anderen Riesen des Hundegeschlechtes übertrof­fen. Das ift ein anderer Bernhardiner, namens Maurpraf, der Stolz von James Mäher zu Raugatuk in Connecticut. Dieser Hund wiegt 225 Pfund und ist fast acht Fuß groß. Die Bern­hardiner dürfen überhaupt den Anspruch daraus erheben, die größte Hunderasse der Welt zu sein. Diese berühmte Zucht des Klosters von St. Bernhard stammt ursprünglich von einer Kreuzung zwischen einer Schweizer Berg-Bull­dogge und einer dänischen Bulldogge. Die gro­ßen dänischen Doggen sind überhaupt mächtige Tiere mit denen an Gröhe die russischen Barsoh- Hunde wetteifern, aber an Schwere bleiben diese Tiere hinter den Bernhardinern zurück. DaS Hundegeschlecht weist neben besonders großen auch besonders Heine Vertreter auf, und es gibt Terriers, die so winzig sind, daß sie sich leicht in den mächtigen Ohren JlakS oder Goliaths verbergen können.