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Neuer Konfliktstoff.

Reichsunierstühung der ausgesperrien Metallarbeiter. - Differenzen im sozial­politischen Reichstagsausschuß.

ren. Der Redner begründet dann den Antrag seiner Partei, ein Marinebauprogramm auf lange Sicht hrrzustellen und bis zu seiner Vorlegung die Panzerkreuzerarbeiten ein« au ft eilen. Dieser Antrag wolle die dauern­den Krisen bei solchen Fragen vermeiden und vor allem auch, daß eine Regierungspartei drau­ßen im Land.' unverantwortliche Agitation trei­ben könne. Der Antrag der Wirtschastspartei wolle darüber hinaus die deutsche Wehr­haftigkeit, jedenfalls in dem beschränkten Um fange des Versailler Vertrages grund­sätzlich bejahen. Gs müsse in Deutschland endlich einmal jene vom Abgeordneten Wels wieder verwendete Taktik ausbören, immer dann, wenn es sich um die Wehrhaftigkeit des Vol­kes handelt, mit der Rot des Volkes zu kom­men. Die Herrn Wels nahestehenden Kranken­kassen, gerade in Königsberg, litten jedenfalls scheinbar keine Dot. Sonst hätten sie sich nicht eben erst ein Schloß gekauft.

Abg. Fehr (Deutsche Bauernpartei) gibt die Erklärung ab, seine Freunde hätten zwar im vorigen Reichstag den Panzerkreuzer abge'ehnt. Durch den Reichstags- und Aegierungsbefchluh sei aber eine neue Lage entstanden. Aus grund­sätzlichen Erwägungen heraus, weil wir nicht wollen, daß bei jedem Systemwechsel die früheren Veschlüjse umgeworfen werden, stimmen wir heute gegen den sozialdemokrati­schen Antrag.

Abg. ör. Breitscheid (ö.) wird von Rechts mit dem Ruf empfangen:Zurück, du rettest den Freund nicht mehr!" Er wendet sich zunächst gegen den von rechts erhobenen Vorwurf i der politischen Unehrlichkeit. (Abg. Graf Westarp: Ihre Politik ist doch unehrlich!")Herr Graf von Westarp," so antwortet der Redner,ein Mann, der so im Glashause sitzt, wie Sie, ein Mann mit ihrer politischen Vergangenheit, sollte mit solchen Vorwürfen vorsichtiger sein." Was zur Sache zu sagen war, hat gestern mein Parteifreund Wels gesagt. (Lachen und Zurufe.) Wir haben gar keinen Anlaß, von diesen Ausführungen irgend etwas zurückzunehmen. Wenn das Gerücht verbreitet wurde, wir wünschten selbst die Ablehnung unseres Antrages, so weise ich das mit aller Entschiedenheit zurück. Wir haben i n jedem Stadium auf die Annahme unseres An­trags gerechnet, auf alle Konsequenzen hin, auch auf solche, die wir nicht wünschen. Dem Abg. Dr. Wirth will ich nicht auf allen Wegen sei­ner staatsphilosophischen Auseinandersetzung folgen. Seine Frage, wer die Verantwortung trägt, ist sehr gut zu beantworten: Die Verantwortung tragt das vom Volk gewählte Parlament. Ich sehe darin keine Krisis des Parlamentarismus. Es besteht durchaus die Möglichkeit, daß ein neuaewählter Reichstag die Regierung durch seinen Beschluß verpflichtet, eine andere Haltung zu einer Frage einzunehmen, als die frühere Regierung und der frühere Reichstag. Wir sind Gegner jeder Aufrüstung. Wir wollen innerhalb des Versailler Vertrages alles das tun, was in An- betracht der bestehenden internationalen Zustände zur Sicherheit des Deutschen Reiches notwendig ist. (Rufe rechts: Ra also!) Aber wir binden uns nicht an die Möglichkeiten des Versailler Vertrages. Wir prüfen jede einzelne Rüstungsausgabe, ob sie tatsäch- lich für die Landesverteidigung zweckmäßig ist. Diese Prüfung hat uns zu der Ueberzeugung gebracht, daß das Panzerschiff A für d i e Landesver­teidigung keinen Wert hat. Wir wollen ebensowenig wie Dr. Wirth eine Krise. Aber wir halten es fiir unsere Pflicht, durch unseren Antrag an den neuen Reichstag die Frage zu richten, ob er zu den Beschlüssen des alten steht oder ob er s i e revidieren will. Don der Antwort wird die weitere Behandlung der Dinge abhängen. Wir gehen unseren Weg und das einzige, was wir von Ihnen erwarten, ist, daß Sie unsere Ueberzeugung als ehrlich anerkennen. (Beifall bei den Sozialdemo­kraten.)

Abg. Joos (Z.) teilt mit, daß einige Mitglie­der des Zentrums sich bei der Abstimmung ur­sprünglich von der Mehrheit der Fraktion tren­nen wollten, daß diese sich aber der Fraktion nach der dem sozialdemokratischen Antrag gege­benen Begründung anschließen würden. (Leb­haftes Hörti Hörti bei den Sozialdemokraten.)

3n namentlicher Abstimmung wird dann der sozialdemokratische Antrag auf Einstellung des Baues des Panzerkreuzers mit 2 55 gegen 20 3 Stimmen abgelehnt bei acht Stimm- enthaltungen. Dafür haben nur die Sozialdemo­kraten einschließlich ihrer Minister und die Kom­munisten gestimmt. Stimmenthaltung hat die Deutsche Bauernpartei geübt. Damit ist auch der d>mmunistische Antrag gefallen.

Die Anträge der Wirtschaftspartei, der Demo­kraten und der Deutschnationalen auf Vorlegung eines MarinebauprogrammS werden dem Haus- haltsausschuß überwiesen. Der kommunistische Mißtrauensantrag gegen das Gesamtkabinett wird gegen die Stimmen der Kommunisten, Ra- tionalsozialisten und der Christlich-Rationalen Bauernpartei in einfacher Abstimmung abgelehnt.

Die Einigungsverhandlungen im Eisenkonflikt.

ZwarnochkeinErgebms,aberAuösichtensiir einen günstigen Verlauf der Besprechungen.

Düsseldorf, 17. Rov. (WB.) Die Vor­verhandlungen beim Regierungspräsidenten Bergemann haben ein abschließendes Er­gebnis bisher nicht gezeitigt. Heber den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen ist festzustellen, daß die Arbeitgeber be­reit sind, im Wege der Vereinbarung die be­stehenden Schwierigkeiten zu beseitigen. Sie sind bereit, über d i e ersten Angebote hin­aus für einzelne Gruppen Lohn erhöhun- gen zu bewilligen und auch auf dem Ge­biete der Regelung der Arbeitszeit Ent­gegenkommen zu zeigen. Das Entgegenkommen geht jedoch nicht bis an den Schiedsspruch heran. Der Grund hierfür ist nach Angabe der Arbeit­geber lediglich in der Hntragbatleit der neuentstehen den finanziellen Belastung zu er­blicken.

Auch die Vertreter der Arbeitnehmer haben sich grundsätzlich zu Verhandlungen bereit- erklärt. Sie haben sich jedoch nicht entschließen können, von dem Schiedsspruch abzugehen. Sie fordern, daß der Prozeß vor den Arbeitsgerichten zu Ende geführt wird. Auch sind |le bereit, das Abkommen über die Arbeitszeit in die Verhandlungen vor den Arbeitsgerichten einzubeziehsn, obwohl die Kündigung des Arbeitszeitabkvmmens erst zum 31. Dezember 1928 ausgesprochen werden konnte. Die Arbeitnehmer verlangen aber vor Auf­nahme der Arbeit endgültige ^Bereift,

Berlin, 17.Koo. (prlo.-Id.) Zu dem Ergeb­nis der Abstimmung über den Panzerkreuzer wird in unterrichteten Kreisen betont, daß nach den Ver­handlungen zwischen den hinter der Regierung stehenden Parteien nunmehr die Gewahr besteht, daß die Panzerkreuzerfrage in Zukunst für die Koalition keinen Konsliktsstosf mehr bilden wird, also auch nicht bei der parla- mentarischen Behandlung de» Etats, der die zweite Rate enthält.

Run wird in einem Berliner Spätabendblatt die Gefahr angedeutet, daß die Verhandlungen im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages eine innerpolitische Lage schaffen könn­ten, bie oiel ernster zu nehmen wäre, als der Konflikt um den Panzerkreuzer. Me das VDZ.- Bureau dazu erfährt, befürchtet die Deutsche Volks­partei, bah die Anträge der Sozialdemokraten und des Zentrums, die heute abend dem Sozialpoliti­schen Ausschuß Gediegen, eine einseitige Stellungnahme im westdeutschen Eisenkonslikt herbeiführen können. Dabei handelt es sich in erster Linie um bie Frage, ob bie Rückvergütung ber von ben Gemein­den gezahlten Unterstützungen durch das Reich auch auf die gewerkschaft­lichen Organisationen ausgedehnt werden soll. 3n einem solchen Beschluß würde die Deutsche Volkspartei unabsehbare Folgen auch für spätere Arbeitskämpfe sehen, wie im Reichstag verlautet, hat Reichswirtschaftsminister Dr. Lur­kins den Reichskanzler bereits vor einigen Tagen davon unterrichtet, daß ein Beschluß, ber nach Auf­fassung ber Deutschen Volkspartei eine einseitige Stellungnahme zugunsten einer bet beiben Par­teien im Ruhrkonflikt bebenten würbe, bazu führen müsse, bah bie beiden volksparteilichen Minister bie

£ o n b o n , 17. Roo. (MTB. Fnnkspmch.) Der diplomatische Korrespondent desDaily Telegraph" schreibt: Die formellen Antworten der fünf alliierten Regierungen auf die deutsche Reparationsdenkschrift vom 30. Oktober werden in ben nächsten Tagen abgesanbt (sind also noch nicht in Berlin eingetroffen, wie dieVoss. Ztg." gestern vor­eilig meldete) werden, vorher werden aber von den fünf Mächten Denkschriften an Berlin über­mittelt werden, die ben bisherigen Mei­nungsaustausch zwischen ben alliierten Haupt­städten über ihre verschiedenen Forderungen zur Darstellung bringen. Die formellen Antworten wer­den ausschließlich die Zusammensetzung und die Prozedur bee neuen Reparat onsau»- schufsev betreffen. Der Aniah für biefen doppelten Schritt ist etwas verwickelt, aber beachtenswert. Deutschland hat klar und deutlich gesagt, daß c» a b l e f) n en würde, sich an den Arbeiten des Aus­schusses zu beteiligen, wenn die Freiheit der Sachverständigen im voraus durch Re­gie r u n g s v o r s ch r i f t e n eingeschränkt werden würde. Auch würden die vereinigten Staaten, wie man weih, der Beteiligung ameri­kanischer Sachverständiger nicht zu st Immen, wenn die Frage der alliierten Kriegsschulden an Amerika formell erwähnt werden würde.

3n den Denkschriften wird nun von den verschie­denen alliierten Finanzministerien erklärt, dah Deutschland Zahlungen leisten müste, bieu.a. für den Bien ft ber alliierten Kriegs- schulben an A merifa ausreichen. Mürbe diese Forderung in die formellen Antworten elnge- schlossen sein, dann würde die Gefahr bestehen, bah bie amerikanische Beteiligung verhinbert wer­ben würbe, unb Deutschland würbe ein gutes Argument haben, bie alliierten Forberungen ab- 3 u l e b n en. 3nfolgebessen können die alliierten Ansprüche nicht in die formellen Antworten ausge­nommen werden. Der Korrespondent bezeichnet es als fraglich, ob Berlin diese Denkschriften stillschwei­gend hinnehmen werde, da sein Schweigen als Zustimmung zu ben Ansprüchen ber Alli­ierten ausgelegt werden könnte.

wie dieTimes" schreibt, wird sich die Ueber- reichung derbritischen Denkschrift an die deutsche Regierung mehrere Tage verzögern. Die französische und die belgische Denkschrift wurde durch die betreffenden Vertreter in Berlin und Brüssel übergeben. Die Mitteilung dieser Denkschrift, die

barungen über Lohn und Arbeits­zeit. Zwischenlösungen, die daraus hinaus- zielen, mindestens die Aufnahme der Arbeit dennoch sofort zu erreichen, konnten bisher nicht erzielt werden.

Don unterrichteter Seite wird derKölnischen Dolksztg." mttgeteilt, daß die Besprechungen heute vormittag wieder ausgenom­men werden follen. Es bestehe die Möglichkeit, dah beide Parteien nach kurzer vorheriger Einzelbesprechung unter dem Dormitz des Regie­rungspräsidenten Dergemann zusammen an den Verhandlungstisch geladen wer­den. Ob freilich eine Einigung am heutigen Tage zustande komme, stehe noch sehr dahin. Immer­hin habe man Grund, die Lage o p t i m i st i - scher zu beurteilen, alS bisher.

Das Gebäudesondersteuergesetz

vom Finanzausschuß verabschiedet.

Darmstadt, 16. Rov. (WHP.) Rach leb­hafter Aussprache konnte der Finanzausschuß deS Hessischen Landtages die Beratung des Gebäude» sondersteuergesetzes abschliehen. Zu Art. 7 der Regierungsvorlage wurde mit 7 gegen 6 Stim­men ein Antrag Kaul (Soz.) abgelchnt, der weitere Vergünstigungen über die Regie nm gd*

Konsequenzen ziehen. 3m Reichstag wirb angenommen, bah die verhonblungeu im Sozial- politifchen Ausschuh von bem Bemühen getragen sein werben, eine Linie zu finden, bie auch ber Deutschen Volkspartei bie Zustimmung ermöglicht unb neue Schwierigkeiten im Kabinett oetmcibeL lieber diese Bemühungen um einen Ausgleich weih basB. T." miizuteilen, bah eine gewisse Ei­nigung im interfraktionellen Ausschuh erzielt worben sei. Denn auch Enbgültiges sich noch nicht sagen lasse, so scheine doch bie Anregung, das Reich möge etwa zwanzig Millionen Mark für die Ausgesperrten anfordern unb diese Summe auf bem Dege über bie Für- forgeps licht bnrch bie Gemeinden ben Rot- leibenben zur Verfügung stellen, eine Basis abju- geben, auf der man sich einigen könnte. Die Deutsche Volkspartei hielt zwar an ihrer ursprüng­lichen Auffassung fest, trotzdem scheint bie verslän- bigungsmöglichkeit stark gestiegen zu sein, da bas Zentrum, bie Demokraten unb Sozialdemokraten b6n oben erwähnten Vorschlag, ber vom Minister t) 11 f e r b i n g gemacht wurde, grundsätzlich zn- stimmten, allerdings vorbehaltlich ber Zustimmung bet Fraktionen unb unter ber Voraussetzung, bah kein Unterschieb zwischen organisier­ten unb nichtorganisierten Arbei­tern gemacht werbe.

Das Reichskabinett tritt heute vormittag 9 Uhr zusammen, um über bie oben erwähnten Vorschläge zu beraten. Zwischen 10 unb 11 Uhr werben bie einzelnen Fraktionen zu ber Entscheibung bes Ka­binetts Stellung nehmen, unb um 11 Uhr wirb ber Sozialpolitische Ausschuh roieber zusammentreten, um seine Beratungen, benen bas Ergebnis ber vor- mittagsbesprechnngen zugrunde liegen wird, fort­zusehen.

Grundsätze verkörpern, welche bie interessierten Mächte als wesentlich für eine gerechte unb enbgül- tige Regelung bes Problems betrachten, ist bewirkt worden, um ben Einwenbungen zu be­gegnen, bie der deutsche Geschäftsträger in Lon­don am 5. Rooember, bzw. der Botschafter in Paris erhoben haben. Beide hatten erklärt, dah die deutsche Regierung gegen die Auffassung, dah sie die Grund­sätze der Balfournote oder die Rede poincarö» in EhambLry angenommen habe ober durch s i e ge­bunden fein solle, entschieden D iderspruch erheben werden.

Oer deutsche Standpunkt.

Berlin, 17. Rov. (Xil.) Botschafter von Hoesch hatte ö o l nc a r 6 darauf hingewiesen, daß die deutsche Regierung die Einbeziehung der französischen Schulden in die französische Reparationsforderung a b 1 e h n e n müsse. Die gleiche Haltung wurde auch in London dargelegt. Während aber auf englischer Seite Verständnis für den grundsätzlichen Standpunkt Deutschlands bestand, ist die zweimalige Pariser Besprechung negativ verlausen. In den weiteren alli­ierten Verhandlungen ist der französische Stand­punkt gegenüber dem englischen insofern durch­gedrungen, als die nun verfolgte Methode der Äebergabe einer inoffiziellen und einer offiziellen Antwort an Deutsch­land auf Poincares Wunsch zurückgeht, der sich offenbar von der Absicht leiten läßt, den Widerstand Deutschlands gegen die An­erkennung der alliierten Schuldenvervslichtungen als Teil der Reparation^endregelung durch diesen juristischen Winkelzug zu brechen.

Die weitere Haltung der dru schen Regierung wird von dem Inhalt der vorläufigen Ant­wort abhängen. Im übrigen beurteilt man in gulunterrichteten Kreisen die Aussicht für eine verhältnismäßig schnelle Einigung der Sachver­ständigen durchaus günstig. Abgesehen von der Schuldenfrage ist die Annahme der deutschen Vorschläge durch die alliierten Mächte so gut wie gesichert, wobei der Tagungsort eine untergeordnete Rolle spielt. Don belgischer Seite wünscht man Paris als Tagungsort, von fran­zösischer Seite wird Brüsiel vorgeschlagen. auf englischer Seite wird lediglich die negative For­derung gestellt, dah London nicht als Tagungs­ort gewählt werden soll, während auf deu.scher Seite weder gegen die Wahl von Paris, noch von Brüssel, noch von Berlin irgendwelche Ein­wände erhoben werden.

Vorlage hinaus für am 31. Dezember 1918 ent­weder unbelastete Grundstücke oder solche, die mit nicht mehr als 30 Prozent des Friedens­wertes belastet waren, verengt. Ein in gleicher Richtung gehender Antrag R i e p o t h (D. Bp.) wurde Wenfalls abgelehnt, jedoch m seinem zwei­ten Teile, der einige kleinere Vergünstigungen bringt, angenommen. Die Artikel 8, 10 und 11 werden unter Ablehnung einiger deutschvolks- parteiilicher Anträge mit einigen redaktionellen Aenderungen angenommen. Bei Art. 12 wurde ein Antrag We ckler (Zentr.) angenommen, der den Finanzminister ermächtigt, die Steuer zu ermäßigen oder zu erlassen, wenn die Steuer­pflichtigen zusammen mit den ihrem Haushalt angehörenden Personen nicht mehr als 1300 Mk. Einkommen haben oder Sozialrentner usw. sind. Gin in gleicher Richtung laufenber Antrag Rte­st o t h (D. Vst.) war damit erledigt. Die übri­gen Artikel des Gesetzentwurfes werden unter Ab­lehnung sozialdemokratischer und volk^partei- licher Anträge, die meistens Vergünstigungen bei der gemeindlichen Gebäudeson der steuer betreffen, in bet Fassung bes Regierungsentwurfes ange­nommen. Mgelehnt wurde ein volksstarteilicher Antrag, in den Gemeinden des besetzten Gebiete- bie Gebäudesondcrsteuer bis auf weiteres nur in Höhe von drei Vierteln zu erheben. Der Art. 9 des Gesetzentwürfe- wird -urückgestellt. Der

Um die Befugnisse der Aeparaiionskvnserenz. pomtar^S Taktik. Gebundene Marschroute für die Sachverständigen? Verkoppelung mit der Schuldensrage.

Finanzausschuß wird am kommenden Dienstag mit ber Beratung deS Stellenplanes beginnen. Zu Referenlen des Ausschufses sind Vie Mitglieder bestimmt worben, die auch bei bet Be­ratung bes Staatshaushaltes die betreffenden QIrtilti bearbeiteten.

Deutscher Landgemeindetag.

B e r l i n, 16. Noo. (WTB.) Auf bem 4. Deutschen ßanbgemeinbetag, bem u. a. Reichsnunister des Innern, S e o e r i n g , preußischer Landwirtschafts- Minister Dr. Steiger, der frühere Reichskanzler Dr. L u t h e r unb ber hessische Finanzminister Kirn- berger teilnahmen, sprach der preußische Minister des Innern, G r z e s i n s k i, über bie Auflösung ber Gutsbezirke unb teilte mit, baß In ber nächsten Zeit für bie schwierige Frage der Ausein- anbersctzuna Richtlinien herausgegeben werben, welche die Regelung unb insbesondere eine gütliche Vereinbarung zwischen ben Beteiligten erreichen sollen. Die Derwaltungsreform unb insbesondere die kommunale Verwaltungsreform hat eine besondere aktuelle Bedeutung deshalb, weil ge­wisse Fragen dieser Reform in Verbindung stehen mit bem großen Werk ber kommunalen Neuglie­derung im Westen, bas im Augenblick wohl bie wichtigste kommunale Arbeit des Ministeriums be- beute. Den ersten Dortrog hiett darauf

Reichskanzler a. O. Dr. Hans Luther über Berfaffungs- und Verwaltungsreform. Die jetzige Zuständigkeitsverwirrung ent­fremdet den einzelnen dem Staatswesen. Ber- wallungsreform ohne Aeuentwicklung der Selbstverwaltungskräfte in S:adt und Land ist unmöglich. Rur eine starke, nicht in sich selbst, besonders nicht an der Zentral­stelle, durch den inneren Wettbewerb zwischen Reich und Preußen gelähmte Reichsgewalt kann sachgemäße Selbstbeschränkung üben. An die Stelle des jetzigen, sogenannten Aushöhlungs­prinzips sollte eine verfassungmäßige Sicherung gewisser Grundzüge der Zuständigkeitsabgrenzung treten. Soweit die feste innere Zusammenfassung des preußischen Staats nicht auf andere Reichs­teile übertragen wird, ist es notwendig, die im preußischen Staat gegebene besondere Ber­st e i f u n g von Ost nach West zu erhalten. Eine Heraufbeschwörung der Mainlinie ist da­mit solange nicht verbunden, als das Reich durch die Reform stärker wird, da eine Main­linie nur in einem schwachen Reich eine Roll« spielen kann.

Staatssekretär Dr. Popitz

sprach dann über das Problem des Finanz­ausgleiches und betonte hi roei besonders die Rotwendigieit eines Steuervereinheit- lichungsgefehes. Eines der schwi: testen Probleme, die einer endgültigen Lösung des Fi­nanzausgleiches im Wege standen, sei die Enolösung der Aevaratiousfrage. Die Dawes-Tribut2pf'icht des Deutschen Rei es dem Auslande gegenüber sei von größtem Ein­fluß auf die Der.ei ung der Ausgaben und Lasten zwischen Reich, Ländern und Gemeinden. Dor der endgültigen Lösung des Finanzausgleichs se aber auch das Prob'em der Reugestaltung der staatlichen Verhältnisse InDeutsch* land gelöst fein, die Verteilung d:r Zustänbig- teiben auf die verschiedenen Glieder des Reiches. An eine endgültige Lösung deS Finanzaus­gleiches fei demnach in absehbarer Zeit nicht zu denken. DaS Jahr 1929 wer^e ein Rotjahr sein, wie wir eS eit der Stabili­sierung nicht erlebt haben. Man müje" dir ZwiscAnlösung für dieses Jahr der Rotzeit an­passen.

Landrat a. O. Gereke

forderte hruptsächlich die Stärkung und Festi­gung des kommunalen Selbstverwaltungs­rechtes ber Gemeinden und die Dezent'a- lisation. Der Gedanke einer reich ^gesetzlichen Regelung des Gemeindeverfassungsrechtes fei als zu schirm.-tisch abzul.hien. Auf steuerlichem Ge­biete lehnte er die Wiedereinführung eines kom­munalen Zuschlagsrechtes bei der Sinkommeir- fteuer bei der jetzigen ungeklärten Wirtschafts­lage auf dem Lande ab. Bei der Reuregelung des preußischen Finanzausgleiche; müßten d i e leistungsschwachen Landgemeinden mehr als bisher berücksichtigt werde.i. Der Red­ner wandte sich ferner gegen die den Land­gemeinden auferlegten hohen Schullasten und forderte eine grundsätzliche Aenderung deS AufbringungSmahstabeS. Die in den Ausführungen d.s Redners dargrlegtrn Grund­sätze wurden in mehrere Entschließungen zu- fammengefafjt

Aus aller Wett.

Ein Denkmal

für bie kriegsgesallcnen Eisenbahner.

3m Vorhof des Verkehrs- und Daumuseums in der Invalibenftraße in Berlin wurde ein Denk­mal für bie im Weltkrieg gefallenen beutfchen Eisen­bahner eingeweiht. Um bas von Professor dauer geschaffene Monument, bas einen sterbenden Krie­ger mit zerbrochener Waffe, aber erhobener Fahne, darstellt, hatten sich die Vertreter der Reichs-, Staats- unb Kommunalbehärden, insbesondere des Reichsverkehrsministeriums, der Reichswehr, der Reichsbahn ufw. versammelt. Die tfeftrebe hielt Reichsbahnbirektionspräsidcnt Meyer (Oppeln). Rach einer weiteren Ansprache bes Vorsitzenden des Reichsbunbes Deutscher Eisenbahnerkriegstell­nehmer, Oberleutnants Frick, übernahm General­direktor Dr. W e i r a u ch bas Denkmal in bie Ob­hut der Reichsbahn. Bei feiner Ansprache erinnerte er daran, bas 14 000 deutsche Eisenbah­ner in treuer Pflichterfülluna für ihr Vaterland ihr Leben gelassen haben. Mit der Riederlegung zahlreicher Kränze durch die Behärdenvertreter und Eisenbahneraborbnungen aus allen Tellen des Reiches fand die Einwechungsfeier ihr Ende.

150 000 Mark erschwindelt.

In Schöneberg ist eine Kaffeevertriebsgefell- schast zusammengebrochen, die ihre Existenz nut den Schwindeleien ihres Gründers verdankte. Er nahm Leichtgläubigen Einlagen von mehreren tausend Mark ab, gründete damit 31 Filialen in Berlin und gab seinen Geldleuten die Ein­richtung dieser FUialen als Sicherheit. Diese war jedoch noch gar nicht bezahlt. Rach dem Zusammenbruch des Geschäfts und ber Flucht des Sünders stellte sich heraus, daß die Geschäftsbücher überaus unforafältig ge­führt worden sind und keinen Anhalt für die Zahl der Betrogenen geben. Rach den vor­läufigen Ermittlungen sind etwa 150 000 ML. erschwindelt.