Einzelbild herunterladen

Hr. 2^5 Erstes Blatt

M. Jahrgang

Mittwoch, Gttober 1928

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Postscheckkonto:

Staniiuriam nioin iissc VrvS VN» Verlag! vrühl'sche UnIveUitStr-Bllch. and Steindruckeret B. Lange in Sietzen. Schristleitang und Seschästsftelle: Schulstratze l

Umrahme von Anzeigen für die logesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig.' für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig« Platzvorfchrist 20% mehr.

Chefredakteure

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh Lange für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An» zeigenteil Kurt Hillmann. sämtlich in Gießen.

Erschein« tüglitd.auher Sonntags and Frterlag».

Beilagen:

Gietzener Familtendlälter Heimat im Bild

Die Scholle.

Monats.Bezugspreis: 2 Reichsmark und 20 Retchspfenntg für Trägev lohn, auch bei Nichter­scheinen etnzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse:

51, 64 und 112.

Anschrift für Drohtna«^ richten: Anzeiger Gietzen.

Neuyork feiert die Zeppelinbesahung.

Oer Triumphzug.

Bon Zehntaufendea empfangen. Eine Konfettifchlacht in den Straften Neuyorks.

2! euh 0 rk, 16. Olt. (TL1.) Während in Reu- York Zehntausend« von Menschen geduldig der Ankunft der Zeppelinmannschcift harrte, verlieh diese um 1.30 Uhr Lakehu rst rm Extra^ug und kam um 3.18 Uhr in Jersey-Stadt an. Unter nicht endenwollendem Jubel der Bevölke­rung, die bis zum Hafen, wo das Aeuhorker EmpfangsbootW a c 0 n" bereitlag, Spalier bil­det«, durchschritt die Zeppelin-Mannschaft die Bahnhofshalle, vor der eine Musikkapelle auf­gestellt war, die beim Erscheinen Dr. Eckeners das Deutschlandlied spielen lieft. Un­mittelbar nach Betreten des Gmpsangsbootes stieft es vom Ufer ab und durchkreuzte im Zickzack den Aeuhorker Hafen, während Flugzeuge in den Lüften kreisten und die fest- lich geschmückten Schisse ihre Sirenen ertönen Heften. Um 4 Uhr legte das Doot an der Battery an. Auch hier wurde die Zeppelin-Mannschaft von einer unzähligen Menschenmenge mit to­sendem Beifall empfangen. Ueberall auf den Wolkenkratzern standen die Menschen dicht aneinandergedrängt und winkten den Be­zwingern des Ozeans freudig zu. Dr. Eckener, sein Sohn, Admiral Mosfet und als Dertreter der Stadt Reuyork, Mr. Whalen, bestiegen ein Oluto und erreichten in langsamer Fahrt immer wieder vom ungeheueren Jubel der Bevölkerung begruftt, die City Hall. Berittene Polizei eröffnete die Parade, denen eine Kompagnie Marineinfanterie und eine Schwadron Kavallerie folgte. Di« Automobile mit den Ehrengästen bil­deten den Schluft des festlichen Zuges. Während Dr. Eckener die Ehrenfront abschritt, spielt« die Kapelle ohne daft, wie sonst üblich, vorher die amerikanische Aationalhymn« er­klungen wäre, das Deutschlandlied. Ueberall wer­den Fahnen in den Farben der Bereinigten Staaten und denen des Deutschen Deiches, wor­unter sich viele schwarzweiftrote befinden, ge­schwenkt. Don den TÄrlkenkratzern regnet es Konfetti und sich immer wieder nach allen Seiten verneigend, schreiten Dr. Eckener und seine Be­gleiter die grofte Freitreppe zur City Hall hinauf.

Oer Empfang im Rathaus.

Begrüßung durch Bürgermeister Me Kce.

Dort wurden die Deutschen in den großen Emp­fangssaal geführt und von dem stellvertretenden Bürgermeister MeKee begrüßt. MeKe« hieß die unerschrockene Besatzung desGraf Zeppe- lin" im Namen der Stadt willkommen und pries die bewunderungswürdige Leistung des Luftschiffs und feiner Führer mit beredten Worten. Er betonte die Bedeutung, die dem Flug im Hinblick auf die zu erwartende Entwicklung des transatlantischen Handelslustverkehrs zukomme und hob den Pionier- aeist des Unternehmens hervor, dessen Gelingen in so großem Maße deutschem Fleiß, deutscher Tüch­tigkeit und Unerschrockenheit zuzuschreiben sei. Zum Schluß erklärte McKee, daß die Bürger Neuyorks glücklich und erfreut über das wohlbehaltene Ein­treffen desGraf Zeppelin" seien und sich stolz fühlten, einer solchen Heldenhaftigkeit ihren Tribut zollen zu dürfen.

Auf toe Begrüßungsansprache antwortete Dr. Eckener m «ngckscher Sprache, daft er sich zu beginn der Fahrt darüber klar gewesen sei, daft das Luftschiff schlechtes Wetter haben werde und es eine schwere Probe bestehen müsse. Er habe aber trotzdem die Fahrt unternom­men, um den Beweis für die Fahrttüchtig- feit desGraf Zeppelin" auch bei ungün­stigem Wetter Äu erbringen. Das Wetter sei dann auch schlecht gewesen, und man habe einem großen ümtoeg machen müssen, aber er glaube, daß das Luftschiff di« Probe gut bestanden habe.

Das weitere Festprogramm.

Einladung in das Weifte Haus.

Aach dem Empfang im Rathaus unternahmen di« putschen Gäste eine Rundfahr t durch die Stadt. Sodann nahmen sie an einem Dan- feti teil, das der stellvertretende Bürgermeister McKee zu ihren Ehren gibt, und nach dem Bankett werden sie als Gäste der Stadt einer Theatervorstellung beiwohnen. Inzwischen haben die Straßenreiniger begonnen, die ungeheuren P a p i e r m a s s e n hinwegzuräumen, die wäh­rend des Einzugs der Zeppelinbesatzung von den Fenstern und Dächern der Wolkenkratzer auf die Straften herniederrieselten. Roch immer hängen ungezählte Papierschlangen wie Eiszapfen von den hohen Häusern herab zum Zeichen dafür, daft Reuyork wieder einmal einen Festtag erlebt hat. Präsident Coolidge hat Dr. Ecke­ner und ander« Herren der Besatzung desGraf Zeppelin" für Freitag mittag zum Frühstück i mW elften Hause" eingeladen.

Begeisterungssturm der Reuyorker Presse.

Reuyork, 16. Olt. (WTB.) Die Blatter wid­men der Ankunft desGraf Zeppelin" begeisterte Schilderungen, die mehrere Seiten in Anspruch

nehmen. Diele Zeitungen in Reuyork, Washing­ton und Philadelphia haben sieben Seiten über den Zeppelin herausgebracht, die be» rerts Bilder von der Fahrt enthalten. 3n den Reuyorker Blättern finden sich Lieberschriften wie: Die ganze Stadt blickt hypnotisiert zum Luft­schiff aus",Coolidge tief beeindruckt durch den Zeppelinb:such", »Mi lionen jubcln d.r Triumph- sahrt zu".

Die Aeußerungen von Passagieren, die sich in der Presse finden, bezeichnen die Fahrt als angenehm trotz der kleinen Aufregung des Samstags. Alle bekunden stolz, daß sie die erste Fahrt des Luftschiffes mitgemacht haben und preisen Dr. Eckener und seine Mannschaft.Ren- york Times" bringt aus dem Munde eines Passa­giers folgende Episode: Während des ganzen ersten Teils des Sonntags kämpften wir bei den Bermuda-Znseln mit den Gegenwinden. Wegen der Beschädigung der S'.abilisierungs'losse sonnten wir nicht mehr schnell fahren und wir Passa­giere waren wegen des Wetters etwas besorgt, als Dr. Eckener plötzlich von der Brücke herunterkam, zu dem Kanarienvogel trat und ihn ruhig fütterte, worauf er in seine eigene Kabine ging. Wir atmeten leichter: denn wir wußten nun, daß in dem Augenblick, wo Dr. Eckener die Brücke verlieh, wir das s ch l i m m st e, koas das Wetter bringen konnte, hinter uns hatten.

Reuyork Times" begleitet ihre Berichte mit einem Leitartikel, der die Lieberschrift tragtDer

Lakehu rst, 16. Oft. (WTB.) Dr. Eckener und die Passagiere des Luftschiffes wurden von «ttva 50 amerikanischen Pressevertretern inter­viewt. Dr. Eckener gestand, daß er etwas müde fei, da er auf der ganzen Fahrt nur etwa acht Stunden Schlaf gehabt habe. Er äußerte sich dann über die Beschädigung der Stabil isierungsslvsse und er­klärte, daß ein derartiger Defekt noch nie­mals auf einem Luftschiff eingetreten sei. Es werde auch wahrscheinlich sich nie wieder ereig­nen, daß man genötigt fein werde, mitten über &em Ozcan derartige Reparaturen vorzunehmen. Es fei ein Beweis für die Sicherheit des Luftschif­fes, daß trotz des Zwischenfalles das Ziel der Fahrt glücklich erreicht worden sei. Flüssiger Be­triebsstoff sei nur während der ersten 12 Stun­den der Fahrt benutzt worden. Zur Frage der langen Fahrtdauer -erklärte Dr. Eckener schließlich, er hätte das Luftschiff gefährdet, wenn er sich lediglich von der Rücksicht auf die Ein­haltung der programmäftigen Fahrtgeschwindig­keit hätte leiten lassen.

Kommandant Rosendahl erklär!«, die anderen Pas agiere hätten sich angefi^ts des Kontrakts der Z pp lingcs.il csa t mi: eire.n amcr.kaniscken Rachrichten ihndika: sch i t- lich verpf.ichtet, vor Ablauf von acht Tagen nach der Landunz keine Rachri ch - ten über die Ereignisse des Flages bekannt'u- geben. Er glaube jedoch nicht, daß diese Derein- barung hindere, seine allgemeinen Eind.ü-e auf der Fahrt wiederzugeben.Gras Z ppttin' sei ein gutes Luftschiff. Seiner An icht nach besitze es aber noch nicht die endgültigeSchiffs- größe, die für drn regelmäßigen Tran-o'ean- verkehr der Zukunft in Betracht iomme. Die Luft­schiffe müßten immer grlßer w:rd.n, bis endlich di« leistungsfähigste Größe erreicht fei. Das Zer­reißen des Gewebes der Backbordstabilisierungs- slosf« habe denGras Zeppelin" nicht gefährdet, sondern nur eine Verringerung der Ge­schwindigkeit zur Folge gehabt. K:mman- dant Rosendahl wurde dann von den Pres.cver- tretem gefragt, warum er das Marineamt draht­los ersucht habe, Kreuzer zur Hilfelei- stung brrcit'uhalten. Er an to:riete, er habe es auf Ersuchen Eckeners getan. Zeder Kapitän, der auf die Sicherheit fe ner Pa sagte e bedacht sei, hätte an Dr. Eckeners Stelle das­selbe get an. Kaum 10 Min t.n spä er habe Dr. Eckener bereite fest st: l en können, daß der Schaden keineswegs schwer sei, und infolgedessen fei das Ersuchen wieder zurückgezogen worden. Auf der Fahrt habe kein Mangel anRah- rungsmitteln geherrscht. Es seien noch bei der Landung Borräte vorhanden gewesen. Lady Drummond Hay erklärte, die Fahrt sei ungewöhnlich interessant gewesen. R emand an Bord sei krank geworden Als die Stabi i- sierungsflofse zerriß, sei man etwas auf ge­rüttelt worden, aber das sei auch alles ge­wesen.

Die Beschädigung des Luftschiffs.

Reuyork, 16. Ott (WTB.) Bei Tagesanbruch hakle man die erste günstige Gelegenheit zur Un­tersuchung des Sturmschadens des Graf Zeppelin", hierbei zeigte es sich, in welch dramatischer Lage sich die 60 Personen an Bord befanden, bis die raschen heldenmütigen Ausbesse­rungen vorgenommen wurden. Der Sturm hatte offenbar durch ein zerbrochenes kleinstes Fenster zum Unterteil der Backbordflosse Zu-

große Flug". Es heißt darin: Die Begeisterung, mit der die glückliche Ankunft desGraf Zeppe­lin" begrüßt wurde und die private, sowie die amtliche Anerkennung des Kommandanten und des Zeppelins sind ebenso verdient, wie sie spontan sind. Der Flug ist ein weiterer Markstein für den großen Fortschritt im kommerziellen Flugwesen.

Graf Zeppelin" für Spanien gechartert?

Reuyork, 16.O(t (BJIB.) Der spanische Oberst h e r r e r a, der wie bekannt, die Fahrt desGras Zeppelin" mitgemacht hat, erklärte, daß spanische Interessenten das LuftschissGraf Zeppelin" f ü r den Zeitraum von 2 Iahren mit Vor­kaufsrecht gepachtet hätten, und zwar be­absichtige die spanische Luftfahrtgesellschaft Trons- aerea Lspanola, die einen handelsflug- dienst Spanien Argentinien einzu­richten plane, denGras Zeppelin" für diesen Dienst zu verwenden, bis sie eigene Schiffe ge­baut habe. Oberst herrera erklärte, soweit er habe beobachten können, seien alle Passagiere von der J a b r t begeistert gewesen. Er glaube, daß das Luftschiff als Reise- und Verkehrs­mittel bald populär werden würde.

gang gewonnen. Er hatte ein Stück Stoff abge­rissen, was ein Loch im Ausmaß von 15:7} Meter verursachte. Es mußte zunächst eine primitive Methode zur Vornahme vorläufiger Ausbesserungen angewandt werden. Mit Bett- decken wurde die Oefsnung, durch die der wind evtl. Zugang in das Schiffsinnere gefunden hätte, zugestopft. Rach den Ausbesserungsarbeiten blieb der Unterteil der Flosse unbedeckt. An der Verbindungsstelle der Flosse mit dem Schiffskörper verblieb eine Oeffnung. Von den Betten rour- den acht Decken genommen, zufammengenäht und damit eine provisorische wand errichtet. Bei dem Anblick der wunde an der Schiffsseite wird klar, weshalb die Geschwindigkeit seit dem Unfall sich verlangsamte, und es zeigt sich, wie umsichtig die Schiffsleitung gehandelt hat. Die Ma­rinemannschaften fehlen heute Leitern an den Zeppelin, um die endgültigen Ausbesserungen vor­zunehmen. Das Luftschiff, das übrigens, wie uns als seltsames Spiel des Zufalls aus unserem Leser­kreis mitgeteilt wird, am 15. Oktober am gleichen Tage in Amerika gelandet ist, wie seinerzeit der Z. R. 3, die jetzigeLos Angeles", hat nach Ermitt­lungen der Friedrichshafener werft einschließlich der durch das Wetter bedingten Umwege, besonders vor der amerikanischen Küste, eine Gesamtslrecke von etwa 12 000 Kilometer zurückgelegt.

Glückwünsche.

Berlin, 16. Oft. (WB.) Der Reichsprä­sident hat auf den G.ückwunsch des Präsi­denten Coolidge anläßlich der Ankunft des LuftschiffesGraf Zeppelin" mit nachstehendem Telegramm geantwortet:Ich danke Ihnen, Herr Präsident, für die Glückwünsche und An­erkennung, die sie demGraf Zeppelin" und seiner Besatzung in so freundlicher Weise gezollt haben. Ramens des deutschen Volkes spreche ich gleich­zeitig für d.e dem Luftschiff und seiner Besatzung gewährte glänzende AufnahmeundLIn- terstützung meinen aufrichtigsten Dank aus. Ich hoffe, daft mit diesem neuen Fortschritt in ber Luftfahrt die freundlichen Beziehungen, die zwischen dem großen amerikanische Volke und Deutschland bestehen, noch enger geknüpft werden.

v. Hindenburg, deutscher Reichspräsident." König Gustaf von Schweden hat an den Reichspräsidenten anläftlich der Ankunft des LuftschiffesGraf Zeppelin" nachstehendes Tele­gramm gerichtet:Mit großer Freude erfahre ich die glückliche Ankunft desGraf Zeppelin" in Amerika. Zu dieser bewunderungswürdigen und großartigen Tat deutscher Männer spreche ich 2hn«n meine wärmsten Glückwünsche avs. (g«8.) ©uftaf.

©er Herr Reichspräsident hat mit folgenden Worten geantwortet:Eurer Majestät danke ich freudig bewegt _ für die gütigen Wünsch« aus Rnlaß des glücklich vollendeten Fluges des Graf Zeppelin" und die warmen Worte der Anerkennung für die Leistungen seiner Besatzung.

(gez.) Reichspräsident v. Hindenburg.

Weitere Glückwünsche gingen ein von dem osterreichscheu Bundeskanzler Dr. Seipel, dem Senat der Freien Stadt Danzig, der H a p a g dem Generaldirektor der Deutschen Reichs­bahn und einer Reihe anderer Organisationen und Stadtverwaltungen.

Oer reine Reib.

Die französische Presse zur Zcppclinsahrt.

Paris, 16. Oktober. (WB.) Zur Amerikafahrt desGraf Zeppelin" schreibt dasJournal des Debüts":Das war eine lange und müh­selig e R e i s e für die, die das Luftschiff beför­derte. Es hat sich zweifelsohne ungünstigen atmo- spbärischen Bedingungen gegenüber befunden, die allerdings nicht außergewöhnlich gewesen 3U sein scheinen. Die beiden Schiffe, die vorher die Fahrt unternahmen, hatten mehr Glück gehabt. Es wäre aber angesichts alles dessen, was man erfah­ren hat, eine große Leichtfertigkeit, etwa behaupten zu wollen, daß man an den lenkbaren Luftschiffen verzweifeln müsse". DerT e m p s" schreibt: Die Reise des deutschen Luftschiffes muß unter den sportlichen Leistungen der internationalen Luftschiffahrt verzeichnet werden. Es ist eine sport­liche Leistung, vor der man sich beugen muß, aber eine verfehlte Demonstration angesichts des verfolgten Zieles, nämlich hinsichtlich des Be­weises der praktischen Nutzbarmachung des lenkbaren Luftschiffes als Handelsluftschiff." DieLibertö" sagt:Die Fahrt des Zeppelin ist ein deutscher Sieg. So haben ihn auch die Deutsch-Amerikaner aufgefaßt. Ist es nicht über­raschend, daß die Welt zehn Jahre nach dem Kriege ruhig dieser Wiedergeburt der deutschen Luftschiff­fahrt zusieht, dieser methodischen Anstren- aung, die Lust zu erobern? Auch die Amerikaner haben mit Deutschland Krieg geführt. Was würden sie zu einem Luftbombar­dement Neuyorks sagen, das eines Tages zwei­fellos nicht unmöglicher sein wird als das Luft- bombardement von London, das man vor dreißig Jahren auch für unmöglich gehalten hat?"

Oie Räumungskonferenz.

Frankreich erwartet eine deutsche Initiative.

Paris, 16. Okt. (TU.) In unterrichteten Kreisen verlautet zu den bevorstehenden Besprechungen über

D0$eit;ge Rheinlandräumung, daß die franzö- fische Regierung, die Deutschland die Jni- tiatlve übertragen habe, den Ort und den Zeitpunkt feftzulegen, wo und wann die Be- sprechungen der Finanzsachverständigen stattfinden sollte, bisher noch keine Mittei­lung der deutschen Regierung über die Einbe­rufung der Sachverständigenkonferenz erhalten habe. Es verlautet, daß die französische Regierung keine Einwande erheben würde, wenn als Konferenzort der Finanzsachverständigen London oorgeschlagen wurde. Bezüglich der Tagung über die Bildung des e st st e l l u n g s - und Verföhnungsaus- s ch u s s e s hoffe man, daß diese aus technischen Gründen nach Paris einberufen werde. Sobald bte französische Regierung von der deutschen Regier rung über Ort und Zeitpunkt unterrichtet sei, werde sie ihre Finanz-, Militär- und politischen Vertreter ernennen. Da bereits in Genf beschlossen sei, daß Stresemann im Dezember mit Briand und Chamberlain oder Lord Eushendun in Genf zusammentreffen werde, könne bei dieser Gelegenheit gleichzeitig über die Fragen der Reparationen und der vorzeitigen Rheinlandräu­mung verbandelt werden. Man nimmt in Paris an, daß die Arbeiten der beiden Konferenzen spätestens bis z u m 1. bzw. 15. November oufge- n 0 m m e n werden müßten, damit die auswärtigen Minister, die sich in Gens zusammenfinden würden, bereits einige Ergebnisse der Arbeiten in der Hand hätten, um ihre Unterredungen mit positiven Ergebnissen abzuschließen.

Oer Fall Horan.

Wie die britisch-französischen Geheimdokumente in die Presse kamen.

Paris, 16. Okt. (WTB.) Das Außenministerium läßt durch die Havasagentur eine längere Auslas­sung zum Fall Horan verbreiten, die den Inhalt der protokollarischen Aussage enchält, die Horan bei seiner Vernehmung auf der Polizcipräfektur am 8. Oktober gemacht und unterzeichnet hat. Danach hat Horan erklärt, daß er den französischen Journalisten Deleplanque beauf­tragt habe, sich den Text des französisch- englischen Flottenkompromisses zu be­schaffen, nachdem er selbst vergeblich versucht habe, ihn zu erhalten. Deleplanque sei eine Beloh­nung versprochen worden, deren Höhe nicht festgestellt werden konnte. Aber Deleplanque habe etwa 10 000 Francs erhofft. Deleplanque habe ihm dann durch den Konsul de Noblet die bekannten beiden Dokumente bezüglich des Flotten- kompromisses den Text des Abkommens selbst nicht beschafft, und Horan habe beide Dokumente Hearst bei seiner Anwesenheit in Paris vorge- (egt mit der Angabe, unter welchen U m- standen er sich diese beschafft habe. Hearst habe ihn beauftragt, die bekannte Zirkularnote dringend telegraphisch nach Amerika zu übermitteln und s 0 - Diel Aufsehen w i e möglich damit zu machen.

DasJournal" berichtet über die Art und Weise, r-r^.^*eJe^cn Geheimdokumente durch den franzö­sischen Journalisten Deleplanque kopiert wurden. Konsul de Noblet habe dem mit ihm befreunde­ten Journalisten Deleplanque erlaubt, in feinem Bureau die beiden in Frage kommenden Doku­mente durchzulesen, ohne sich dabei Notizen zu machen. Aber Deleplanque habe beide Doku-

Eckener über den Verlauf -er Fahri.

Commander Rosendahl spricht über seine Eindrücke.