Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Montag, 17. September 1928
nr 2|9 Drittes Blatt
Turnen, Sport und Spiel.
au< bem unbefefttrn tM'ici miet» nur Mir wrühcr* geben bett Pin’tlc nurg im SHmtrn wblrt beton* Aitvcbei’
Kleinkaliberschießen.
2tuf ben Ständen des <?4>üb<nner1.u» G»etzen land jebt das Bezirksfchießen de« Ber- bandes dcfs. K l c i n k a I i b e r - S ch ü t z e n- vereine Haft. Diele« Bezirlslchiesien (tollt den Atov.ton V X-r Vcnbc«f4Hth‘'n dar bereit edier dos KrctslLie^'en unb deren legier da« ßanbe*- Ichluhscb^'xm ift. 0« beteil iglen sich daran tec Jtreite Marburg, Bi^d.-ttopt-Rort», -Mitte unb -OüD. T-üirrd«. Ärett* Oberiabtt. Wedlar. Sieden. 5ranl#r.bcig-O(t. Zi. gcn^ . i-West K,rchbain und Schoten. xVber Ärcu» sandte feine Ärci<«netfter- mannfchafl (5 Mann» in Klaffe I unb II. forme die Cv.ydmdflcr her!.Iben Klaffen. Die Bedingung war zwei angele täte robeldtüffc. dann un- anaczenv k fünf Schub liegend, kniend und ftepenb. 50 Meter ®nifcmung. I2«r Ringscheibe. ;tebcr Schütze beschoß leine eigene Scheine. Die iSrgcbntflc waren lolgende
Klaffe I: Bezirtsrneiftcr K -K -Denin CPe* inunben ,Aornbo" Äronfenberg-Olt 658 Ttingc; 2. K.-K -Äcvein Stcindach. Gießen 639 Winne. Bezirks-E i n ze l m e i ft e r: Köhl. Heinrichs K- Ä.-Q5crein Äriegerbcrctn Schorr.nr 148 Ringe.
Klaffe II: Bezirk Smeisser K -K>Berein fa>rft- Ichule Schotten 615 Singe. 2. K.-K -Dereoi Xob* bdm (Kreis (Dieben) 571 Singe; Brzlrks-E i n - A c l m c l ft c r : tgyofmann. Erich. Robhelm, Dietzen 134 Ringe.
Vieler erfk Versuch eines Be-idsfchietzens mutz alS voll gelungen betrachtet werben zeigte fich |d recht, tote in den verschiedenen Kreisen gearbeitet wi»d, trotzdem aber allem der Grundgedanke des gefuiibcn unb nottoenbigen Volks- fPotte« dauernd vor Augen flecht. Quin werben die Bezirk «meister sich am 7. Oktober In Marburg treffen, um dort um die Qanbeilmeift .t- schaft zu rümpfen. 3m nächsten Jahre wird, wie man dörr, auch eine Reichsmel st erschuft ansgefochten werden.
Wirtschaft.
Um die Kohle.
Wenn irgendwo Rachrichten auftauchen, die den Kochlenmarkt betreff en. so Weitz man überall. datz e« sich um primärste fragen her Wirt- schaft handelt Denn die Ä»ble spielt in der Wirtschaft eine der bedeutendsten Rollen, zumal sie wenigstens heute noch neben ihrem Wette all Einnahmequelle m weitem Umfange auch einen Kräflewett darstellt Run ist in diesen Lagen in der Oeflentl ich keil wieder einmoi viel von Der deutschen K ohlenw i rt f chaft die Rede gewesen. Dadei sind die Zusammenhänge der Polemik autzervrdentlich verschiedenartig gelagert. Einmal stellt die deutsche Kohle im Rahmen der deutsch-polnischen Dirtschast-verhandiungen einen eminent wichtigen Faktor dar, ist doch Polen nach dem Kriege ein Kohlen land geworden, mit dem in beträchtlichem Matze auf dem Markte gerechnet werden mutz. Wetter haben bk Rachrichten von den Beschlüssen der englischen Regierung betreffend die Subvention Der englischen Kohlenrnduftrie das deutsche Kohlenproblem in den Mittelpunkt der öffentlichen Erörterungen gerückt Schließlich und im Zusammenhänge Damit hat Die Preisregulierung in der deutschen Kohlenwirtschast zu mannigfachen Au-etnander- fetzungen geführt, Die jetzt durch Die Rachrichten von den recht Verhängnis vollen Plänen Der Kohleneinfubrdro>selung eine neue Beleuchtung erfahren Run lässt sich Die Lage Der deutschen Kohlenwirtlchast für da« Jahr 1928 hn einzelnen noch nicht überblicken. Rach den Berichten, die monatlich abgegeben werden, ftnb Die Veränderungen in Den verschiedenen Kohlengebleien in be&ug auf das vergangene Jahr durchaus nicht crnbcUIxb gewesen, so datz man ein endgültiges ödamturted in einwandfreier Horm wohl erst am Ende des 3ahre- wird fällen können Die Essener Rachrichten von neuerlichen Forderungen zweck« Heraufsetzung der Kohlenpreise könnten bedenklich machen, doch wäre es verfehlt, schon jetzt daraus rrgendwelche Schlüsse zu ziehen, so-
Deutscher Zußballsieg über Dänemark.
Tic Dänen im Länderlampf nach hartem Kampf 2:1 geschlagen
Die Kampfbahn de« neuen Städtischen Nürnberger Stadions war gestern bereits eine Stunde vor Beginn des vierten F u ßb a ll - L ä n d e r kampfes Deutschland — Dänemark bis auf den letzten Platz befeyt Vie Zahl der Zu'chauer ist mit 50 000 nicht zu hoch angegeben, von den Fahnenmasten reihten die flaggen in den Weich»-, Vänber- und Stadtfarbem sowie die de» Deutschen Fußballbunde» und des S j. v
^unf Minuten vor M Uhr betraten die Danen in weißen Hosen und roten gerier)» zuerst den Platz Die stapelle spielte die dänische Rationalhymne und intonierte, als die deutfchcn Spieler erschienen, da» Deutschlandlied, das von den Mafien mitgefungcr. wurde. Die deutsche (Elf spielte in schwarzen Hosen und wettzen Hemden. Bürgermeister Luppe hielt die Begrüßungsansprache.
In beiden Tlannldiaflcn sind nur kleine ztenoe- rungen eingetreten. Bei Deutschland übernahm Der Fürther Leinberger den Posten de» jÄitid. Inufer», wahrend Heitkamp als linker Läufer spielte. Auch die Dänen hatten entgegen der ur- Ivrünglldjen Aufstellung In der Läuferreihe Zwei Posten neu besetzt. Al» Mittelläufer wurde Mod- s e n eingesetzt, al» rechter Läufer spielte G ö 1 k. Bet der Platzwahl zog B e i e r für Deutschland do» Los.
Der Spielverlauf
Die Deutschen müssen gegen Sonne und Dind spielen. Die Dänen verlieren beim Anstich Mort den £ofl, den Hofmann nach vorn treibt. Eine von link» hereingegebene Flanke wird von Schmid U. knapp neben dem Pfosten gestoppt. Bald darauf kommen die Dänen im Anschluß an einen Strafstoß in gefährliche Nähe de» dcutschen Tor». Die Angreifer werden aber von der deutschen Derteidi- qung gut abgewehrt Schon in der zweiten Minute kommt Deutschland zur ersten Ecke. Der von Weinmann gut hereingegcbene DaU wird von Pöttinger uufv Tor geköpst. Das Leder prallt jedoch von der Latte ab unb bringt Deutschland die zweite Ecke ein, die Hofmann ebenfalls hervorragend ausführt. .'Iber beide guten Torchancen verlaufen ergebnislos. In der neunten Minute fällt überraschend das erste Tor. Bei einem Angriff der Dänen stoppt Weber den Ball, fällt jedoch über da» Leder, das der Halb- linke der Dänen gcisle-: gegenwärtig erwischt und an dem sich hinwerfenden Wentorf vorbei zum ersten Treffer einsendet. Dänemark führt 1:0. Wohl ist die deutsche Mannschaft in den folgenden Minuten stark im Angriff. Aber es fehlt der letzte Nuck tum zahlbaren (Irfolge. Eine prachtvolle Flanke von Weinmann lenkt Pittlnger auf das dänische Tor. der linke dänische Verteidiger rettet, säst auf der Linie stehend In der 20. Minute ergibt eine unsichere Abwehr von Dendorf die edle Ecke für Dänemark, die aber ergebnislos verlauft. Horn vergibt in der 25. Minute den sicheren Ausgleich. Ein Strafstoß, den Leinberger ausführt, bringt Deutsch, lanb die vierte Ecke rin. Die starke Verteidigung der Danen läßt aber die -deutschen Stürmer nicht zum Schuß kommen. Der Gegenangriff der Dänen bringt ihnen die zweite Ecke ein, Vie ebenfalls nicht verwandett werden kann. Die Dänen kommen jetzt mehr und mehr auf und sind infolge ihrer ausge- bldjneten Ballbehandlung und ihre» guten Stell lungvsvieles leicht überlegen. Die deutsche Verleid! nung hat sich lange Zeit gefährlicher Angriffe zu erwehren. Auch mit der fünften Gxfe können die deutschen Stürmer nicht.- anfangen. Eine weitere gute Torgelegenheit läßt Schmid II. aus. Der Gegenstoß Der Dänen führt zur Ecke, Der sich gleich die nächste anreiht, die Mentors durch Fausten halt. In den Schluhminuten bis zur Paust- spielt Deutschland wohl leicht überlegen, aber nur eine Ecke Ist die ganze Ausbeute, Die wie Die vorhergehenDen nicht rcrroanDelt roerDen kann.
Der Beginn Der zweiten Halbzeit sieht Die deutsche Elf in mächtigem Ansturm. Der Anstoß führt vor da» Dänentor, wird aber abgewehrt Eine weite Flanke kommt zum dänischen Linksaußen, der frei vor dem Tor steht, jedoch noch vorher ab- gibt so daß der Ball, da niemand zur Stelle ist, ins , Aus" geht- Pöttinger schießt dann bei einem Angriff des linken Flügels au» aussichtsreichster
Position haushpch über das Tor. Die vierte Minute bringt dir siebente Ecke für Deutschland, die von den Dänen zur achten Ecke abgewehtt wird. In vier Minuien erzwingt der deutsche 5türm drei weitere Ecken bfi drückender Ueberiegcnheit, aber es Gelingt fein zöhlbarrr Erfolg. Der deutsche Sturm leidet an Ueberfombination. Er will Den Ball direkt in» Netz hinetnlragen. Endlich, in Der Dreizehnten Minute, iöIU der längst fällige Ausgleich. Der deutsche Sturm fetzt sich vor dem Dänentor fest. Der Lall roanbert ren Mann zu Mann, da kommt Heukampj heran und schießt wuchtig la Die rechte Ecke ein. Großer Jubel bei den Massen, die nunmehr die deutsche Elf stark anfeuern. Die deutsche (Elf liefert in her Folge ein gute» Spiel. Die Dänen werden stark zurückgedrängt und verstärken ihre verteiDi- düng. In der 17. Minute gibt e* einen gegen Deutlchlanü, der von den Dänen gut getreten. beinahe zum erneuten Führungstreffer geführt hätte. Ein wunderbar geschlossener Gegenangriff Der Deutschen vermehrt Die Zahl Der Ecken auf zwölf. In Der 22. Minute gibt Weinmann einen Strafstoß schön zur Mitte. Es entsteht ein furchtbare» Gedränge. Da kommt Hofmann heran unb schießt Den Ball wuchtig in» Tor. 2:1 für Deutschland. Unbeschreiblicher Jubel. Die deutschen Spieler befleißigen fich weiter eine» guten Spieles, vor allem der linke Flügel. Hofmann und Pöttinger fchaften immer wieder gefährsiche Situationen. Detter im Angriff liegend, erzwingt der deutsche Sturm noch eine, die dreizehnte Ecke. Aber zu zählbaren Erfolgen reicht e» nicht mehr aus.
Fuhball Gtäbtekamps München—Bern.
Der gestrige Slädiekarnps München Bern, brr in München au »getragen mürbe, en bete mit einem überlegenen Särge von 4:1 der Münchener Stadt - cif, trotzdem die besten Spieler zum Länderkampf in Nürnberg waren München fpidtc besonders vor der Pause stark überlegen und führte bis Aiun Seitenwechsel bererkS mit 3: 1.
Hußball in Raffet.
fturhdien Lasset — (Böttingen 6.-0 (4.-0).
Wider Erwarten landete die Kasseler Mannschaft gestern in diesem Spiel einen unerwartet hohen Sieg. Sie beherrschte toäbrcnb des ganzen Spiels vollkouimen die Situation unb war trotz des mdjrfacfrm Ersatzes im ganzen Spiel ihrem Segnet überlegen.
vallsplelklub Sport — Hessen 09 3:1 (1:0).
3n einem äußerst hartnäckigen Kampf trafen sich gestern diese Mannschaften. DalftpieUlub Spott ist auf Grund seiner besseren Gesamtleistung verdienter Sieger geworden.
Hermannio — SpidBereinigung 2:2 (0:2).
3n diesem Spiel war die Spielvereinigung a-1 zuerst die bessere Mannschaft. 3n Der
en Halbzeit kam Hermannia stark auf und c infolge feines äußerst eifrigen Spiels eine Gleichstellung erzielen.
Zuhball im Bezirk Main-Hessen.
3n Süddeutsch!and stand gestern im Vordergründe des Interesses naturgemäß der Länder- kauips Deutschland - Dänematt in Nürnberg. Die Derbandssplelc waren diesmal weniger von ileberraschungen ausgezeichnet, alS an den letzten Sonntagen.
3n der Gruppe Main konnte Rotweiß Frankfurt seine führende Stellung behaupten, indem es auch sein fünftes Berbandsfpiel. und Atrar gegen Germania Bieber, mit 2:0 gewann. Er führt Damit mit zehn Dunklen t>Dnc jeden Vertu ft die Tabelle an. Roch weiter zurück- gefallen ist Der Futzballsportverein Jranffurt, der eS wiederum gegen die Offenbacher Kickers au Beinern Siege mrmgen konnte, sondern eine Riederlage von 2:1 einstecken mußte. Mit sechs Berlustpunkren dürste er kaum noch Gelegenheit Aum Eingreisen in die Spitzenkärnpfe haben, lleberzcuaend und drr Erwartung gemäß schlug dagegen die Frankfurter Eintracht auf eigenem Platze Hanau 60,94 mit 5:1. Hanau 93 amnlc feine Formverbefferung durch einen Sieg von 3; 1 -iber Union Riederrad erneut beweisen. Auch Fechenheim lieferte einen erfreulichen Beweis seiner Spielstärke durch einen Sieg von 3:1 über die Aschaffenburger Dittoria.
3u der Gruppe Hessen steht Wormotta Wormck nach bem gestrigen Stege über chren Lvkalgegner Alemannia Worms weiter ung<- 'ch»agen an Der Sprtzc unb toirb diese voraus- ' cht ftch auch bei den weiteren Kämpfen nicht abgeben. Dagegen mußte der Sporiverein Wiesbaden wiederum eine Riebrrla<ze emftcdcn. und -war von B. f. L. Reu-Ifenburg. Hasfta B.ngen konnte fernen ersten Erfolg durch e.nen <2h<g gegen Arhnlgen mit 4:1 erringen Längen schlug her Orwürtung gemäß Höchst mit 1:0.
Handball im Bezirk Main-Hessen.
Gruppe A:
Rotweiß Darmstadt — F. Sp. B Frankfurt 7:2. Sp. D. 98 Darmstadt — H Sp. B. «xrannua 8: 2. Pv:. Gp. V. Darmstadt - Sp Vga.04 Rrhettgen 10:0.
Pol. Sp. T>. Butzbach — VsR. SchvxncheÄn 2:6. Post Sp B. Frankfurt — DfB. Friedberg 12: 4.
Gruppe B:
F Vgg. 06 Äafid — T. u. S. D. Obersaulheim ausgefallen.
S. B. Wiesbaden Wocmabia Worms 5:3. RlemonTria Worms — Germania Wiesbaden 5 0. Wiesbadener S. C. — Polizei v. B Worms 5. 10.
Damen f piele:
1. Damen D. f. L. Sachsenhausen — F. Sp. D. Frankfurt 1:1.
Post-Sp. D. Frankfurt - Sv. Dem. Eintracht 3: L
Leichtathletiksportfest in Mainz
Die Dom Mainzer Fußballsporwerein 05 gestern oeranfbrfkkn Leichtolhlttischcn Wettkämpfe nahmai vor einer sehr zahlreichen Zuschoucrmenge einen sportlich äußersk IpannenDcn Verlaus. Wenn auch neue Höchsllcistungen nicht ausgestellt wurden, |n näherten sich Doch Die gebotenen Leistungen meist den bestehenden Wekorden. Im einzelnen wurden folgende Ergebnisse crziell:
1 00 Meter: 1. Hornig (S. (£.. Ehartottenburg), 10^; 200 Meter: L Körnig, 22 Sekunden; 400 Meter: 1. Dr. Peltzer, (Preußen, Stettin), 49^; 2. Engelhard (Teutonia. Berlin), Handbreite zurück. 800 Meter: 1. Bocher (Teutonia. Berlin), 2:02. lüOOMcter: 1. Krause (Teutonia. Berlin) 3:06,1; 2. Schillgen (21.6.1., Darmstadt) 4.-00,2. 5000 Meter: 1. Luk (Teutonia, Berlin) 15:53; 2. Rapp (Preußen, Stettin) 15:56; 3. Single (Eintracht, Frankfurt a. TL) 16L9. 100 Meter für Damen: 1. Frl. Siebert (Preußen, cldtin) 13. Sekunden; 2. Frl. Lorenz (Eintracht, Frank- furt a. TL) 13,1. 4X100-Meter-Staifel: 1. S. E. Ehartottenburg 43,7; 2, Preußen Krefeld 220,1. 3X 100-Metcr.Staffel: 1. Preußen, Stettin 8:16,4. 4X100,Meter-Staffel für Damen : 1. Eintracht, Frankfurt a. M. 53,2; 2. Mainzer R.B. 05 58B- Hochsprung: 1. Wehm (Eintracht, Frankfurt a. TL) 1,70 Meter. Weit- I p r u n g : 1 Meier (6. E. (T.) 7^43 Meter. Speerwerfen: 1. Schnackert. Köln 99 59,90 Meter, 2. Hoffmeister, Münster 59^4 Meter. Diskuswerfen: Hoffmeister, Münster 46,90 Meter. Hoch s p r u n g für Damen: 1. oicbert (Preußen, Stettin) 1,30 Meter. Kugelstoßen für Damen: 1. Frl. Fleischer (Eintracht, Frankfurt a. M.) 10,02 Meter. Der Wekordoersuch des S- E. Preußen, Stettin über 4 X800 Meter mißlang. Die erziette Zett betrug 8:10,9, während der oeutsche Rekord auf 8:09 steht. Dr. Peltzer lief seine 800 Meter in 1:55.
Reuer deutscher Frauenweltrekord.
Bei den am gestrigen Sonntag in Augsburg «wßgetragenen leichtathletischen Wettkämpfen konnte 5täulein 2 ungkunz liltm) ihren am Bortonntag im beidarmigen Kugelstoßen ausgestellten Rekord von 2038 Meter mit Der neuen Leistung von 20.48 Meter noch verbessern.
Das ADAE'Zeldbergrennen abgesagt.
WSD. Das vom Allgemeinen Deutschen Au- tomobll-Slub alljährlich abgehaktene Feldbergrennen. das in diesem Jahr am Sonntag. 23. September, ftattfinbm sollte, toirb vorn Veranstalter abgesagt Du Ursache hierfür find Schwierig eiten, die sich der Erlangung einer ausreichenden Anzahl Schupomannschalttn zur Absperrung ber un besetzten Gebiet liegenden Rennstrecke en tg: gen gestellt haben. Die Besät, zungSbehvrbe l^nt cs ab. Poltzeimannfchalten
Verhängnisse.
Vornan von Liesbel Dill.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale, 28. Fortletzung. Nachdruck verboten
Der Portier kam herbei und war Dupon bd)ilf- sich, auszustcigen. Dann ging der Lapttainc auf \nxi Krücken langsam die teppichbelegte Treppe vor Thacle» hinauf, während der Diener mit Decken und Kissen folgte.
„Io, so verändert man sich. Sieht nett au», wie ich hier herumichlenderc", sagte Dupon mit einem schmerzoerbisienen Lochen.
„Dos hast du denn nur angeiangen. " Eharte» sah jetzt erst, wie abaemagert jein Freund mar. Sein Gesicht mar in die Länge gezogen von einem innerlichen Schmer;. Das Lucken lief jottmahrend von feinem linken Auge über die Gefichtshältte bis zum Mund.
„Ich habe so einen edlen Gesichtsschnitt bekommen, nicht mahr, Madame Wiot?' fragte er im llorüberachen eine hübsche dicke Blondine, die. eine Rose in der Hand, an der Tür ihre» Kontor» stand. Sie lächelte und roarf Charles einen fragenden Slick zu.
„Ein neuer Gast?"
.Nein- Nur ein Gedeck mehr, Madame, und -ireas zu trinken, bitte."
..Ich werde den Kellner schicken, Herr Oberst."
„Ach, du bsst inzwischen avanciert?"
,La , sagte Dupon trocken. „Aber mir wäre cs lieber, ich wäre wieder (Tapüaine. Damals harte man noch Deine, die man auf ein Pstrd klemmte, und mit denen man Pftaster trat"
Im ersten Stock öffnete ihnen ein Diener die Tür zu einem großen, mit rotem Teppich ausgdeolen, elegant eingerichteten Zimmer. Die Tür ;um Bal- fon ftanb offen, man sah die Bäume de» Parks und der Allee, die am Park oordeizog. Durch das Grün der Blätter blitzte bas Dosier der Allier, die
an der anderen Seite des Parks, unterhalb einer von den Parkbäumen beschatteten Promenade, bin- strömte. Das Zimmer war bett, luftig. Überall standen frische Wosen in großen Gläsern. Bilder, zwei bequeme messet mit hellen Bezügen waren neben die geöffnete Balkontür gerückt, an der ein gedeckter kleiner Tisch berettstand.
„Du wohnst schön hier", meinte Charles. „Vornehm. Wir sind in der .(Blodx b'or1 abgestiegen, jeder noch seinem Wang."
,Ln ber .Gloche dort"" fragte Nene, indem er sich auf einen Sessel am Balkon niederiieß. ..Da» ist kein Wahmen für Odette."
„Oh, sie hat sich sehr geändert, weißt du."
..Siejo bat sie sich geändert? Sie ist doch sicher noch hübsch?"
„Sehr. Die Leute schauen ihr überall nach. In dem einfachsten Kleidchen wirkt sie immer wie eine große Dame. Aber sonst, weiht du, inneriich sst sie viel ernster geworden, seit Der Geschichte damals."
„Was für eine Geschichte?"
„Nun, mit ihrer Tonte Longevillc."
„Ach so. Do» war eine üble Affäre. — Gaston", wandte sich Dupon an den Diener, „bringen Sie zwei Gedecke, und man soll eine Flasche Pommerp kaltstellen, ober gleich beraufbringen in (Eis. sonst tut er das doch nicht. Unb ror ber suppe zwei Dutzend Austern. — Die Sp#i,cfartc!"
Der Diener reichte ihm das golbgcränberte Kärtchen.
„Ommer der alte", lächelte Eharles.
..Gut. bringen Sie das zweimal, mtm Freund", sagte Wens, in die Weinkarte blickend, die chm der Kellner reichte, der lautlos eingetreten mar, „und den Tommen) in Eis sofort."
„Gewiß. Herr Oberst."
„Wens, sag', wann war da», als wir das letztemal zujamn^n getafelt haben?" fragte Charles, während der Diener sich entfernte.
„Ich glaube, matte ... cs war an dem Zage, als ich zum letzten Male in P. war, imd deine Mutter erkrankte."
„3a, richtig, dar» mar ein Tag! Man vergißt das alles, wenn man so in der Tretmühle steh», wie ich. Aber jetzt wird sich alle» ändern."
Unb Charles berichtete von dem Umbau des „Lion b'or" und Den Umzug tn das neuhergerichtete Haus am Salbe, unb daß er bas Hotel verpachtet habe.
„Und mein Hau» steht noch immer leer. Kannst du mir dafür keinen Pächter finden, alter Freund?"
„Doch, eine Hoffnung habe ich. Der neue Pächter will Sommergäste nehmen und sich vergrößern. Er hatte große Pläne."
,Aat er auch Gcld?"
„Natürlich. Es ist Meunier aus Chateaudun, du kennst ibn auch, er mar damals mit auf der Jagd, als du durch den Salb kamst."
lieber das bleiche Gesicht Dupon» zuckte es leicht. Das eine Augenlid, das etwas herabhing, schloß sich fast ganz; die schmale Hand, axlche die Ziga- reue hielt, zitterte leicht.
,,E» ist der Meunier aus dem .Hotel de Baur- gogne‘ am Bahnhof in Cdateoudun."
Ha, ich erinnere mich." Dupon rauchte und schaute aus dem Fenster «Hübsche Auslicht, nicht wahr?"
„Wundervoll", bewunderte Charles. Er war Daran gewöhnt, alles was Dupon betraf, zu bewundern Seine Pferde, seine Erfolge bei den Frauen, seine Eleganz, seine Lebenskunst.
„Du hattest stets das Geschick, dir emc angenehme Umgebung zu schaffen. Das geht hier alles wie auf Gummi. Die gedeckten Tische stehen da. Die Diener kommen unD der Sekt; man braucht nur auf den Knopk zu drücken."
„3a, um es hinterher zu bezahlen", sagte Dupon.
„Nun, das ift immer so."
Der Diener hatte die Austern gebracht unb bedient« sie.
„Sie seid ihr eigentlich gerade hierher geraten?" fragte Wens.
Charles erzählt« von Ihrer Welse, non Den Schlössern, begeistert und etwa-, weitschweifig.
„Ach ja, ich kenne das olles", sagte Dupon, „ich habe mal eine Hochzeitsreise dahin gemacht "
„Mik deiner Gattin?"
„Wein, mit einer anderen Dame. Es war heiß und staubig Dort und sehr anstrengend für Damen, die in der Geschichte nicht beschlagen sind unb die Könige immer verwechseln."
Charles lochte. „Wie ich. Lei uns war do» um- pekehrt. Dos wußte Odette besser Unb du warft ja in Der Geschichte immer ein Licht."
,3ch habe mich ivenigften» bafur interessiert. Wa» full denn ein Husar in Nantes sonst an fangen"' Pferde. Frauen und eine gute Biblwihek. C» sind grausame Schlösser an der Loire mit blutiger Ber ganoenheit.'
„Du hast recht", gab Charles zu „Odette wurde es schließlich zu viel. Sie ist etwas nervös fett der Geschichte, weißt du, damals."
„Du nimmst doch von den Seezungen, lieber Freund, ober schmecken sie dir nicht?"
„Danke, Wens. Ich schäme mich immer, weil e» mir jo gut ichmicki. Ich wünschte, daß ein Apo- theker einmal Pillen merbe. die den Appetit vertilgen. Damals, an dem gräßlichen Mittag, als ihr beide gor nichts essen konntet, weißt du noch. Da schmeck,e e» nur mir. Dieser Hunger ist plebejisch, aber was will man machen? Ich wiege hundert- achtzig Pfund."
„Um dein Gewicht könnte man dich b, neiden. Charles. Ueberhauot, du bist eia glücklicher Mensch. Gesund unb robust Noch frisch wie vom Gymnasium. Ganz unoerbrauchk."
Sie tranken den eisgekühlten Sekt und schauten nach dem Park hinüber, a»s Dem es frisch unb kühl heraufwehte.
„Sie eine Prozession zieht das dort unten, von morgens bis abends" sagte Wens „Und wenn c« dunkel wird, kommen bk Paare. Alle Bänke sitzen voll an diesen warmen Sommerabenden, toie die Schnecken nach bem Wegen." (Fortsetzung folgt)


