Golfstrom. während die trotnfc&en Meers - so führte man in der Technischen Hochschule aus - schon weniger in Krage kommen, und auch der Golfstrom ist nur dort gut verwendbar, wo er kalte Strömungen .überschneidet". An der Ostkanle der Reufundlandbank begegnet der Golfstrom an seiner nördlichen Grenze und an seiner Oberfläche dem kalten Polarstrom, auch Labradorstrom genannt. Diese Grenzlinie zwischen den beiden Ozeanströmungen verschiebt sich übrigens mit den Jahreszeiten, und auch darin liegt eine gewisse Schwierigkeit. An- dererseitS kann die Grenze zwischen dem Wasser des .kalten WalleS" oder Labradorströmung auf der einen und dem Golfstrom auf der andern Seite äußerst scharf sein, wie dies ia Admiral Wilne schon im Jahre 1861 beobachten konnte. 5Io r i Z> a wäre also — so ist die Meinung der Fachkreise — der geeignetste Platz der Welt zur Errichtung schwimmender Energiefabriken.
Wenn eS nun auch zweifellos möglich ist. entsprechende ozeanische Elektrizitätswerke zu bauen, so ist damit das Problem, den Wärmeunterschied im Meerwasser wirtschaftlich auSzunühen. noch keineswegs gelöst. Bei solchen Projekten kommt eS nicht allein auf die technische Durchführbarkeit, sondern vor allem auf die Wirtschaftlichkeit deS Betriebes an. die bei dem gegenwärtigen (5tanZ> unserer Technik durchaus nicht gewährleistet ist. Wahrscheinlich würde sich heute die neue Ener- gieguelle viel teuerer stellen als die bisher üblichen Elektrizitätswerke. Es hat nur dann einen Sinn, elektrische Energie zu erzeugen, wenn man sie auf sebr große Entfernungen mit geringen Kosten weiterleiten kann, um dre auS dem Meer gewonnene Kraft auf dem Festland zu verwenden. E» ist aber nicht ausgeschlossen, dah diese Weiterleitung soviel Kraft vergeudet, dah von der ursprünglich erzeugten Energie nicht mehr viel übrig bleibt. Borläufig hat also nur der menschliche Deist, nicht aber die Wirtschaft der Völker einen neuen Sieg errungen; aber man kann damit rechnen, dah eS eines TageS gelinaen wird, die neue Erfindung auch wirtschaftlich auszunutzen und damit eine unerschöpfliche Energiequelle der Menschheit für alle Zeiten zu er- schliehen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
G i e h e n. den 17. August 1928.
Gegen rücksichtslose Motorradfahrer.
3n der Ocffentlichlcit beginnt allmählich mit Recht ein erbitterter Kampf gegen die R ü ck - sichtSlofigkeit eines Telles der Motorradfahrer, die sich tatsächlich immer mehr zu einer Plage für das Publikum auswächst. Es werden von den Polizeibehörden strenge Bestrafungen gefordert, sofern nachgewiesen werden kann, dah von den Fahrern absichtlich störende Geräusche mit den Maschinen gemacht werden. Eine bemerkenswerte Verordnung hat daraufhin jetzt der Potizeipräsident von Magdeburg erlassen. Dort werden diejenigen Motorradfahrer, die durch unnötiges Knattern ihrer Räder störenden Lärm verursachen, mit 50 Mk. bestraft, wenn ein Ver schulden nachgewiesen werden kann. Es find dort sogar besondere Polizeistreifen eingesetzt worden, btc durch die Straften fahren, um knatternde Motorräder festzustellen. (Zeder Motorradfahrer, dessen Rad sich in einem nicht ordnungsgemäßen Zustande befindet, muh ein amtliches Gutachten darüber beibringen, dah er daran keine Schall» hat. Für dieses Gutachten werden 50 Mk. verlangt. Die Magdeburger Polizei hofft, datz die Aussichten, steh ein solches Zeugnis verschaffen zu muffen, »md der Zeitverlust, den das Vorführen des Rades beim Kraftverkehr samt mit sich bringt, auf die Be- s»er absck-redend wirken und sie veranlassen, darauf zu achten, daß ihre Raden: in Ord- irung find. Die Magdeburger Polizei geht sogar noch weiter und hat auch das Publikum zur Durchführung der Verordnung aufgefordert. Aehnliche Bestimmungen sollen jetzt auch in Ber lin eingesührt werden, da auch dort das Geknatter der Motorräder geradezu zu einer Plage geworden ist. (3n Gießen nicht minder.) Dtefe Vorschriften genügen aber npch keineswegs, und sie müssen, wenn sie sich überhaupt Geltung verschaffen wollen, nicht nur für einzelne Städte, sondern für das ganze Reich durchtzeführt werden. Ein Umstand, der die lästigen RIotorgeräufche
Verhängnisse.
Vornan von Liesbei Dill.
Copyright by Martin Feuchtwanger, Halle (Saale).
2. Fortsetzung Nachdruck verboten.
Plötzlich vernahm sie ein Pochen, es tönte dumpf an eine Tür. Sie schrak xufnmn*n. Sie stand mitten im Zimmer, die Hände auf das unruhige Herz gepreßt, und wartete. Da klopft« es wieder. Es ist etwas mit Eharles, durchzuckte sie.
Sie wollte gehen, aber die Füße trugen sie nicht weit. An einem Türpfosten überkam sie ein Schwindel, sie hielt sich fest. Da klang wieder das Klopfen laut und heftig an die Tur. Und wie eine Vision kam es ihr. Ein Bild. <5ie sah ihren Sohn mit einer Wunde auf der Brust auf einer Bahre liegen, vier Männer orachten ihn an ... sie hielten vor der Haustür, klopften an den Laden ... er war tot ...
„Tharles", schrie sie auf, und brach an der Tür zusammen.
Die alte Artemis hotte ebenfalls das Klopfen gehört und eilte die Treppe hinunter auf bl osten Füßen.
„Wer ist denn da?" rief ste hinter der verschlossenen Haustür.
Und die Stimme Frau Odettes antwortete: „So machen Sie doch endlich auf, Artemis. Sie haben vergessen, den Schlüssel hinzulegen."
Allmächtiger Gott, da» hatte sie wahrhaftig ganz vergessen!
Die Alle holte mit zitternden Händen den grasten Hausschlüssel, drehte ihn ein, und die Tur bewegte sich, und Frau Odette stand auf der Schwelle ... regennah, mit verwirrtem Haar, über das sie die Kapuze des Capes gchogen hatte.
„Ist das ein Detter!- sagte sie, und warf das Capes ab.
„®i)tt, Madame-, jagte die Alte „Man must aber auch nicht Gott versuchen."
Die junge Frau schüttelte ihr Haupt. „Die meinen Sie*"
..Bei einem solchen Wetter bleibt man daheim-, brummte die Alle. „Und wie Ihre Schuhe ans sehen, im!"
zur Plage Hai werden lallen, auch der daß die Zunahme von führerfchein'reien Maschinen m der letzten Zell sich beträchtlich erhöht hat. und so fahren so ziemlich alle die. benen früher der Führerschein wegen irgendwelcher, natürlich oft schwerer Verstöße, entzogen wurde, auf solchen Motorrädern, und gerade diele Leute find es meist, die sich an keine Dorschrill halten. 3n dieser Beziehung soll denn auch zuerst Abhilfe geschossen werden. Es find denn auch gegenwärtig Bestrebungen im Gange, um auch für Leichtmotorräder den Führcrfchemzwan- wreder einzuführen.
Taten für LamStag, 18 Arrgvst.
Sonnenaufgang 4.40 Uhr, Sonnenuntergang 19.17 Uhr. — Mondausgang 7.52 Uhr, Mondunter- gang 20.47 Uhr.
1830: geboren flaifer Franz Joseph I. von Oesterreich, König von Ungarn, in Wien (gestorben 1916); — 1850: der Dichter Honors de Balzac in Paris geworben (geboren 1799); — 1870: Sieg der Deut schen bei Graoelotte-St. Privat, Schlacht bei Metz; — 1915: die Deutschen erobern Kowno.
Vorrrotizen.
— TagcskalenderfürFreitag. Verband Deutscher Dekorateure der Feinkost-, Lebens- und Genußmittelbranche e. V.. 8.30 Uhr, Vortrag im Hotel Schütz. — Lichtspielhaus, Bahnhofftraste: „Frühreife Jugend". — Astoria-Lichtspiele: „Tom Mir".
— Im Finanzamts- und Versvr- gungsamtsgebaude wird z. Z. an dem Ausbau der Heizungsanlage gearbeitet; hiernach kommen die Arbeiten für den inneren Ausbau zur Ausführung. Rachdem der Materialtransport für die Rohbauarbeiten dieser Gebäude als beendet anzusehen sind, empfiehlt eS ffch, die Freigabe der Lessingftraße. insbesondere für d« Anwohner der Gnauthstrahe, für die hier der direkte Weg zur Stadt seit Jahren als eine Rot Wendigkeit cmzusprechen ist. herbeizuführen.
•* S traf bareS Musizieren durch Radio-Lautsprecher. Mit der zunehmenden Verbreitung der Lautsprecher unter _ den Radiohörern mehrten sich die Klagen der, bösen" Rachbarn, von denen die häufig überlaufen Wiedergaben des Rundfunks störend empfunden wurden. Das Hessische Polizei amt in Darmstadt gibt jetzt bekannt, dah unter den Begriff des verbotenen Musizierens bei offenem Fenster. Singen oder Spielenlassen von mechanischen Musikapparaten, auch die Benutzung von Radiolautspvechem fällt Die Polizeiämter sind angewiesen worden, auch hiergegen unnachsichtlich einzuschreiten und Zuwiderhandelnde zur Anzeige zu bringen.
** Sprech st unden des deutschen Generalkonsuls in Saloniki in Frankfurt a.M. Der deutsche Generalkonsul beim deutschen Konsulat in Saloniki, Dr. Weber, erteilt am Freitag. 24. August d. I., an die am Handelsverkehr mit Griechenland — insbefondere^Maze- donien und Westthrazien — beteiligten Firmen, Einzelauskünfte. Firmen, die an den Sprechstunden am 24. August in der Zeit von 9 Uhr bis 13 Uhr teilnehmen wollen, werden gebeten, dies der Reichsnachrichtenstelle für Außenhandel, Frankfurt a. M„ Börse (Zimmer 43) bis zum 21. August mitzutsilen, damit eine Verteilung der Besucher auf die zur Verfügung stehende Zeit stattfinden kann.
*• Kostenlose Auskunft über Eisen- bahntarife. Die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft hat zur Beratung des verkehrtreibenden Publikums in der Reichsbahn-Auskunftei für Güterverkehr. Berlin SW 11, ASkanischer Platz 5, eine zentrale Auskunftsstelle geschaffen, die in der Lage ist, über alle Angelegenheiten der Guter-. Tier und Etprehguttarife im In- und Auslandverkehr zuverlässig? Auskunft zu geben. Alle Anfragen werden völlig kostenlos in kürzester Frist beantwortet.
** Born Kaoallerieverein Gießen wird uns geschrieben: Am Samstag, 18. August, vollendet Herr Leutnant a. D. Hermann Knobel, Mühl st raste 9, sein 84. Lebensjahr. Der Jubilar hat die Feldzüge 1864 66 und 1870/71 rnitgernacht. Am 18. Januar 1871 war er als Feldgendarmeriewacht- meifter zur Reichsgründung und Ikafierprollamation in den Spicgelfaal von Versailles kommandiert. Nach dem Friedensschluß war er im Elsaß als Gcndarmerieoberwachtmeister tätig. 1919 wurde der fast 80jährige von den Franzosen ausgewiesen und fand in Gießen eine neue Heimat. Der Kavallerie- verein Gießen e. V., dessen Ehrenmitglied Herr
„Nun, ich habe doch nicht gewußt, daß es ein solches Unwetter gibt.“
Die Alte schwieg; sie stand nicht gut mit der jungen Frau Gontard, obwohl sich eigentlich nichts gegen sie sagen ließ. Man durfte in diesem Hause nichts gegen Charles' Frau sagen.
Die junge Frau war m ihr Schlafzimmer gegangen, und Artemis stieg wieder in ihre ÜRam faröe.
Das war eine Nacht! Das Gewitter grollte weiter, der Regen schüttelte und klatschte in den Hof, und immer noch durchzuckten die schwarze Wolkenwand züngelnde Blitze. Es sah aus, als ob ber ganze Himmel zerriß und sich auf die Erde stürzen wollte. Ein Riesenfeuer flammte dort oben hinter den xer» riffenen Wolken. Unheimlich sah das aus. Wie das Jüngste Gericht. Die Alle zog sich das Federbett fest über die Ohren. Die junge Frau konnte sich morgen ausschlafen, aber ste mußte um fünf Uhr heraus.
Und wahrend das Donnern schwächer wurde und die Blitze matter, schlief auch sie endlich ein.
Als Artemis in der Frühe die Laden öffnete, sah sie den Gendarm in Begleitung eine« Mannes, den sie nicht kannte, über den Markt gehen. Sie schrillen eilends und wichtig daher.
„Was taten sie denn schon so früh in der Stabt dachte sie, und sie begann, wie jeden Morgen, die Bellen zum Fenster hinauszuhängen. Dann kam endlich das nerfdjlafene Hausmädchen, die dicke Marie, angetrollt mit Eimer und Besen, um das Gastzimmer zu säubern.
Artemis wirtschaftete in der Küche, machte Feuer an, deckte den Kos seelisch für die Leute und dann für die Herrschaft in dem kleinen Zimmerchen nach dem Hofe. da» gleichzeitig Herrn Gontard» Bureau nxrr.
Lin eifemer Geldfehrank stand in der Ecke, ein einfacher Sekretär, ein runder Tisch und sechs abgeschabte Ledersttihle. Hier saß man gewöhnlich, vtur wenn Besuch erwartet wurde, wie gestern avend, aß man vomherau» in dem „Speisesoal", mit den ichweien. geschnitzten Möbeln, die dte jimge Frau mitgebracht hatte
Der Kutscher kam herein, setzte sich an den Kaffee- tisch, machte seine Witze mit dem Hausmädchen.
Knobel ist, veranstaltet zu Ehren des Altveteranen am Sametagabenö eine Feier.
•• Oeffentliche Büch e r fra l l e Die Bü- cherausgcbe wird wegen ZnstandßetzungSar-eiten vom 20. August bis 4. September geschlossen.
* Reue Briefmarken- und Bost. farten-SSutomaten. Die Deutsche Reichs post wird demnächst einige neue Modelle von Wertzeichen-Automaten dem öffentlichen Verkehr übergeben. Die Automaten find in technischer Beziehung gegen die bisher gebräuchlichen wesentlich DernoUtommnet worden, so daß zu erwarten ist, daß sie den bered>rigten Ansprüchen des Publikums voll entsprechen werden. Zur Aufstellung find drei Tvpen vorgesehen. 1. Der 5äulenbrieftaften, eine Bereinigung von Automat und Briefkasten in großer Ausführung; 2. der Mehrsachgeber, der durch Drehung eines Knopfes die Entnahme verschiedener Postwertzeichen gestattet; 3. der Einzelgeber, der entweder Briefmarken ober Postkarten abgibt, aber nur halb so groß ist wie die allgemein gebräuchlichen Automaten. Sämllichc neuen Typen werden nach Einwurf der Geldstücke durch eine Handkurbel betätigt.
* Zur Erwerbung des Deutschen Turn- und Sportab,reichens findet am kommenden Sonntag, 19. d.M., eine Prüfung in Gruppe V (Radfahrer) statt.
Oberheffen.
Lanvkreis Gießen.
• Staufenberg, 16. Autz. Dies« Tage hielt der hiesige Gesangverein in feinem Vereins lokale eine außervrdeutliche Generalversmnm- lung ab. um über bte Begehung des nächstjährigen SOjabrigcn Bestehens zu beschließen. ES wurde bei gut« Beteiligung einstimmig be- fchlvffen. am Sonntag, 23. 3uni 1929 em Sängers« st verbunden mH Wertemgssingen des Lumda tal-Sängerbundes abzuhalten. Die ersten Rundschreiben bzw. Einladungen werden den benachbarten Vereinen in den nächsten Tagen zugehen.
£rei» Ariedberg.
WSR. Friedberg. 16. Aua. Rach einer Erkundigung an amtlicher Stelle haben öte zwei in Haist befindlichen Angestellten deS KreiSamtes insgesamt 9400 Mark unterschlagen. Die bisherigen Feststellungen ergaben, daß weitere Beamte ober Angestellte deS Kreis- amteS mit diesem Fall nichts zu tun haben. — Demnächst wird hier mit dem Bau einer Kriegersiedluna begonnen. Die Finanzierung ist durch die Wohnungsfursorgegesellschaft im Verein mit der Stadt Friedberg sicyergestcllt. Durch diese Bauten werden bnt Westen der Stadt 24 neue Wohnungen erstehen, die in gesundheitlicher Beziehung als mustergültig angesprochen werden können. — Auch in diesem Fahre soll am Sonntag. 7. Oktober, in der Halle des Schützenvereins ein Hauptobstmarkt abgehalten werden. Die vorjährige Veranstaltung hat besonders in der obsterzeugenden Landwirtschaft der Wetterau lebhaften Anllang gefunden und zahlreiche neue Geschäftsverbindungen zur Folge gehabt. Man rechnet trotz der zu erwartenden geringen Apfelernte mtt rffner guten Beschickung des Marktes.
WSR. Butzbach, 16. Aug. Der Arbeiter Iohs. Jung aus Hochweisel, der, wie gemeldet, von einem Auto überfahren und schwer verletzt worden war, ist im Krankenhaus von Nieder Weisel seinen Verletzungen erlegen. Die Ermittlungen über die näheren Umstände des Unfalls sind noch im Gange. Die Oeffnung ber Leiche ist seitens der Staatsanwaltschaft in Gießen veranlaßt worden.
Streik Schotten.
Aus dem Vogelsbergs 16. August. Dieses Jahr hat man in unserer Gegend wieder einmal eine reiche Gurkenernte. 3n den letzten Jahren sah eS hier nzit Gurken sehr schlecht aus. Diese Gewächse gedeihen hier nur in warmen, trockenen Sommern. Die Rohsten verhalten sich bei uns in der gleichen Weise. Es ist zu betonen. dah die Tomate, die man früher hier nie sah, sich auch die Gärten des Vogelsberges erobert Bei sachgemäßer Pflege und zeitiger Pflanzung liefert sie gute Erträge. Heute steht sie herrlich in unseren Gärten.
i Stumpertenrod. 16. Aug. Seit Februar diese- Äahres war unsere Gemeinde an den Postautoverkehr Groh-Felda—Rie- bergemünben angeschlossen. Das zwischen den beiden genannten Orten verkehrende Postauto fuhr jeben Abend um 1 ,10 Ähr von Groh-Felda
einer Flämin mit roten Wangen, roten Armen und rotem Haar. Sie brockten sich ihr Weißbrot in die großen, bunten Taffen und frühstückten.
Dann ging Artemis in den Keller, um Gemüse und Fleisch heraufzuholen. Madame bestimmte den Küchenzettel immer die ganze Woche im voraus. Dennoch wunderte sich Artemis, weshalb Madame heute morgen solange auf sich warten ließ. Die junge Frau, nun ja, die lag gern im Bett, meist ließ sie sich sogar die Schokolade ans Bett bringen, aber Madame war dach sonst immer Punkt sechs Uhr unten. Dielleicht lag ihr noch das Gewitter in den Gliedern. Sie war immerhin fast siebfig Jahre alt. Madame ... und Herzkranke konnten einmal kein Gewitter vertragen.
Sie klopfte die Koteletten, jchnitt das Gemüse in die Suppe, machte den Pastetenteig fertig und legte ihn in die Backjchüssel. Wenn der Eapitaine heute kam, sollte die Pastete mittags gebacken werden. Madame hatte nur noch keinen Nachtisch bestimmt.
Es schlug sieben Uhr. Oben rührte sich noch immer nichts, das war ihr doch unheünlich. Sie trocknete sich die Hände an der blauen Schürze ab, stieg nach oben, klopfte an Madames Schlafzimmertür. Aber cs kam keine Antwort. Sie lauschte. Drinnen rührte sich nichts. Sie hörte nur den Wecker ticken. Sie rüttelte an der Tür ... aber sie war oerschloffen.
„Madame, Madame!"
Niemand antwortete; man hörte nur die Uhr im Zimmer ticken.
Bon einer jähen Angst befallen, lief die Alte über den Flur und klopfte dort an die Schlafzimmertür der jungen Frau.
„Run. was gibt es? antwortete die Helle Stimme ber jungen Fran verschlafen.
..Madame ... bitte, machen Sie doch rasch einmal auf.'
Und Artemis stotterte „Ich weiß nicht, Madam- antwortet nicht, die Tür ist oerschloffen ... mir ist so angst.'
Mir einem Satz war die junge 5rau aus dem Bett, warf sich einen Schlafrock um. und sie gingen hinüber.
Sie klopften und riefen, niemanb gab Antwort.
Ste schickten den Kutscher zum Schlaffer, aber dieser kam allein zurück, der schlosser sei eben ge-
nach Stumpertenrod, blleb hter über Rächt Hegen, um am andern Morgen am 5 Uhr früh wieder nach Groh-Felda und dann weiter nachRteder- grmünden ui fahren. Seit gestern ist der Verkehr zwischen Stumpertenrod and Groh-Felda eingestellt werden. Damit ist der letzte Versuch, unter Dorf an den Postautoverkehr des Vogelsberges anzufchliehen. mißlungen. — Die Korn- und Gerstenernte ist seit der letzten Woche in vollem Gange und verspricht, wenn das Wetter in der nächsten Zeit gut bleibt, einen auten Ertrag Dagegen steht Der Weizen und Hafer noch überall auf dem Halm.
Kreis Alsfeld.
L Ilsdorf. 16. Aug. Die Gewerkschaft L u f e in Alsdorf-Weickartshain ist m den Besitz der GewerkschaftLuis «Rieder-Ohmen übergegangen. Zahrzehnceian^ arbeiteten beide Gewerkschaften friedlich i«bencinanüer. Run sind beide unter der Leitung von Direktor Schefzick vereinigt. — Heute ereignete sich hier ein beklagenswerter Unglücks fall. Der 22jährige LandwirtSsohn August Rausch stet, während seine Angehörigen mit dem Einfahren des Getreides beschäftigt waren, vomGerüst oder von der Leiter in die Tenne. Seine Eltern, fanden chn blutend auf dem Boden liegen. Der gerbet gerufene Arzt stellte vorläufig eine schwere Ge- ^rnerschütterung und innere Mutungen
A Solms-Alsdorf. 16. Aug. Dw Gewohnheit der Landwirte, bet der anhaftenden Trockenheit Waffer zum Träicken des Viehes in offenen Gefäßen in den Hof zu stellen, hätte beinahe hier ein Opfer gefordert Gin zw»r- jShrigcS Kind, das aus dem Hofe spteite. während die Mutter in der Scheune deschäftigr war, fiel in eine C^utte mit Wasser nur dem Kopfe nach unten. Vom sicheren Tode rettete es eine zehnjährige Schülerin, die zufällig vorbeikam. Den längeren Bemühungen der Mutter gelang es. das Kind zum Atmen au bringen. Der _ Fall ist eine Mahnung für die Ellern, Kinder in diesem Alter niemals ohne Aufsicht zu taffen und für die ßanbtoirte. ihve Gefäß« ,uzudecken.
Z Dannenrod, 16. Aug. Der Schnitt de« Roggen- und der Gerste farm hier als beendet angesehen werden. Der Ertrag war bei beiden Fruchtarten gut Durch zahlreiche Anwendung von künstlichem Dünger war bei dem hiesigen schweren, gut wasferhalteirden Lehm- bvden die Reife stark hinausgeschoben. Sin großer Teil der beiden Fruchtarten wurde bereits em gefahren Don Sommerdrusch soll in diesem Zähre abgesehen werden, damit die Gmtearbeilen durch Entzug der zum Maschinen erforderlichen Arbeitskräfte keine Störung erleiden. Mit dem Schnitt von Hafer und Weizen wurde vereinzelt begonnen. Da. wo starker Hederich bei Hafer auftrat, läßt der Grtrag ,zu wünschen übrig, sonst ist er zufriedenstellend Der 6 o m - merrübfen, der dieses Jahr wegen des zumeist auSgewinterten Winterrübsen (Raps) angebaut wurde, ist fast vollständig durch den sog. ,Häger", ehret schwarzen BlattlauSart. »et* nlch te t worden. Die Blütezeit der zahlreich ausgestellten Aecker hätte für die Bienen noch eine gute Spättracht abgegeben, zumal hier die Heidekrautblüten fehten. Die Himbeeren m den benachbarten Wäldern hatten wegen der Trockenheit deS 3uli eine sehr knappe Ernte, wogegen die Gartenhimbeeren recht zahlreiche, voll entwickelte Früchte erbrachten. Durch die letzten Regen hat der Stand der Hackfrüchte und des GrummetgraseS eine gute Besserung erfahren. Trotzdem die Frühkartoffeln noch knapp entwickelt sind, muß von vielen Leuten wegen Aufbrauchs der alten Vorräte zum Ernten des täglichen Bedarfs geschritten toerfrm.
Starkenburg.
WSR. Griesheim b. Darmstadt, 16. August. In den letzten Wochen ist in der hiesigen Gemarkung meist durch Marder und anderes Raubzeug den Geflügelhaltern ein ganz erheblicher Schaden zugefügt worden. Richt weniger al» 600 Stuck Federvieh sind durch diese Stall räuber verschwunden oder zerriffen worden. Für dre Erlegung der Marder Ljro. Ist daher eine Schuß- und Fangprämie von 3 Mark ausgesetzt worden
Rheinheffen.
WSR Aizeh. 16. Aug. Der 45 Jahre aite Kohlenablader Georg Bittmann rutschte von
hott worden von der Polizei. Eine vorübergehende Fran, die ein Weißbrot unter dem Arme trug, rief herauf: „Haben sie schon gehört? Die mutter soll in der Rächt ermordet seins"
Artemis riß das Fenster auf, aber die Frau war schon um die Ecke gegangen.
«Haden Sie gehört, Madame, was die fügte* Ihre Tante ... aber wie kann das nur fein?' _ Mit zitternden Gliedern stand die junge Frau da. Sie hatte noch das Bund Schlüssel in ber Hand und war blaß, wie sie Attemis nach nie gesehen hatte.
Endlich ging es. Ein Schlüssel paßte; fie öffneten die Tur. aber sie ging schwer auf, irgend etwas klemmte sich dazwischen. Der Kutscher stemmte sich nun fest gegen die Tür und hob sie aus den Angeln. Sie mfaen Frau Gontard am Boden liegen, mit dem Gesicht auf dem Teppich ... ^inz blau, schweratmend, mit geschlossenen Augen, ote trugen die Bewußtlose auf das Bett, entkleideten He und jagten nach einem Arzt. Dieser kam gleich Herüber und untersuchte die Kranke.
Aber er gab wenig Hoffnung. Die Frauen liefen hin und her, holten Medikamente herbei, halfen, jagten den thnkber zur Stadt, in die Apotheke, llnterdeffen lag Frau Gontard auf dem Rucken, ihr Gesicht war allmählich wieder weiß geworden, sie atmete schwer und sah sich um, al« ob sie lernand suchte.
„3ft Charles zurück?"
„Rein. nein. Mama, ich bin es
Ach du?" jagte die alte Dome, und wandte sich ab.
..Wo warst du denn gestern solange?" fragte fie und sah 6k junge Frau mit großen Augen an. Diese stellte ihr dic heiße Milch hkn.
„Bci meiner Tante. Mama."
„Bitt du dort über Rocht geblichen?'
„Rein — ich kam noch her. Artemis hatte den Schlüsiel k, in zulegen vergessen.'
du geklopft?'
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»Ach so!" Die Augen der alten Dame schloffen sich müde. „Ich wollte, Charles käme, ehe alles vorbei rft."
Odette beruhigte sie.
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