Nr. 195 Erster Matt
178. Jahrgang
Zreltag, 17. August 1928
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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1IM|K Mn llJtlMI ftr btt Tagetnenrnrr bi* je» Nachmittag rnrbet.
Prell ter l mm Höhe ftr Xnjetqcn von 27 mm Stellt örtlich 8, austrärte 10 Stichapsrnnig, ftr Sa- Uamtanztigtm von 70 mm Brette 35 Scichipfemmig, Platzvorschnft 20' . nufct.
(rbtfrtbaJrttuT
Dr. Jntbr Dich. Hange. Betantwonlich tür Volttili Dr Fr Wich Canae ftr Feuilleton Dr tz Thynot, für den übrigen Teil Ernst Biumlchtin, ftr den Kn» jetgenlrtl Äurt ßiDmann, iömtlich in (Niesten
tim den Panzerkreuzer.
Wir Deutschen sind doch ein zu merkwürdiges Boll Das hat wieder einmal der Kampf um den Panzerkreuzer bewiesen. Politische Fragen mtl dem nöligen polttischen «an zu lö- len, daS geht uns eigentlich Pölllg ab Ommer bleiben wir dann bn Bureaukratischen hangen, vermeiden, wo es geht, die nötige Zivilcourage unb argumentieren dann unsere Beschlüsse damit, bah wir sic aus die rechtliche Kausalität feflkgen. So wenigstens hat es diesmal die Sozialdemokratie gemach«, die. wenn man so sagen harf. im Stunde genommen die bürgerlichste Partei ist. Und mit den Sozialdemokraten gehen diesmal auch die Demokraten Hand m Hand So kommt es. daß sogar das „Berliner Tageblatt" Deranlassung findet, neben den sozialdemokratischen auch die demokratischen Minister deshalb zu verwarnen, weil sie mit ihrer Stellungnahme Fraktionen. Parteien und Presse einfach überrascht batten. SS heiht da, die Reichstemerung hätte in dieser Angele- aenhett keine glückliche Hand gehabt. Und wie bekannt, ist man namentlich im Lager der So- ttaldemvkralie jetzt auhervrdentlich erregt darüber, das» ihre Minister so ganz von derWahl- Parole abgewichen sind. Ohre Minister haben nun, erschreckt von der Derwarnung. sofort ein Entschuldungsschreiben herausgegeben. daS aber auch nicht gerade korrigierend wirkt. Dagegen freut man sich im Lager der Sicher st en Rechtsparteien über die Krise bei den Linken und gkbt ihr in diesem Zusammenhang mehr Bedeutung bei, als wie ihr zukommt Gewiß. werden sich die Sozialdcmotraten untereinander noch manches zu sagen haben. Schon jetzt aber von einer Regierungskrise zu sprechen, durfto doch übertrieben sein. Es handelt sich viel- ebenfalls um eine Nachwahl klä rung der Sozialdemokraten. wie auch bei den übrigen Parteien Unb unter diesem Gesichtspunkt müssen die ganzen augenblicklichen Auseinandersetzungen betrachtet werden.
Auch die Sozialdemokratische Partei ist selbstverständlich in ihrer Parteistruktur gerade durch die Wahlen auhervrdentlich forciert worden. Bun hat sie dazu noch das Pech, dah gerade jetzt mit dem Panzerkreuzer eine Frage aus dem Tapet stand, die für sie von ganz prinzipieller Ratur ist. Dabei muh vorweg- genonnnen werden, dah die sozialdemokratischen Minister, selbst wenn sie gatvi artig gewesen wären und vorher ihre Partei und Fraktion informiert hätten, zu gar keiner anderen Stellung hätten kommen können. Jetzt den Panzerkreuzer plötzlich wieder streichen und Hamit den Etat des Dorjahres wieder ändern zu müssen, hätte einen Komplex von Schwierigkeiten ergeben, der parlamentarisch sowohl, als auch tnncrvo.mfd) ;u völlig untragbaren Weiterungen geführt hätte. Dazu kommt noch, dah es keineswegs auSllchtSvoll war, dast sich die Mehrheit des Reichstage» jetzt gegen den Dau eines Panzerkreuzers erklären würde. Om Gegenteil konnte man auch diesmal annehmen, dast der Reichstag sich dafür entschieden hatte. Aber das ist ja zur Zeit gar nicht die Frage. Der Panzerkreuzer wird gebaut und daS i st gut s o. ör ist notwendig für Deutschland. Dies absprechen hiebe, die politischen Notwendigkeiten des Deutschen Reiches einfach überleben. Der Panzerkreuzer selbst tritt jedoch bei all den inner pol. t.'chen Auseinandersetzungen der Linksparteien und namentlich der Sozialdemokraten völlig in den Hintergrund. Worum es sich dreht, ist vielmehr folgendes, und daS muhte mit Notwendigkeit gerade jetzt zutage treten, wo die Sc^ialoemokralie die Führung der Regierung innebat, nämlich die reinliche Klärung der sozialdemokratischen Parteidoktrin überhaupt, die ja letzten Endes ebenfalls au einer Voraussetzung für die endgültige Bildung der Drosten Koalition im Herbst wird Unb diese Fragen werden Partei und Fraktion in diesen Tagen noch eingehend be- fchäfttgen müssen. Man darf dabei gespannt fein, wie hier die Lösung im Lager der Sozialdemokraten gefunden wird.
Hilserding verspricht finanzielle Konzessionen?
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers-.
Berlin, 17. Aug. Der Kampf um den Panzerkreuzer hat zu einer wilden Hochf lut von Gerüchten geführt, in denen der Finanzminister Dr. H i I f c r b i n g eine seltsame und viel beachtete 2to[Ie spielt. So wird behauptet, dast Dr. Hilserding sich bemühe, die Erregung. b*.e in einigen Streifen der Sozialdemokratischen Par- tei über die Haltung ihrer Minister in der Pan- zetkreuzerfrage entstanden ist. durch Konzessionen seinerseits möglichst zu be sch wich- tigen^ GS heißt. der Minister habe sich gegen- "der Parte'genoj len bereiicrllärt. sich im Herast iür finanzielle Konzessionen im Sinne t>cr sozialdemokratischen Sozialpoli- k k persönlich einzusehen. Es handelt sich dabei anscheinend um Konfusionen auf dem Gebiet der K r i s e n s u r s o r g e. deren Wirkungsbereich vet- ■-TTi>^v'rt ^ctcn verlängert werden soll.
Weiter scheinen auch Erwägungen über eine wei- tere Co hn steuerscnkung eine gewisse Bolle zu 'Preten. Einzelne svzialdemokrattsä^ Kreise verfügen dabei möglichetwe.'e die Taktik. die Koa- lition nachträglich im Zusammenhang mit dem 4X|0>iuu des Panzerkreuzerbaues mit Degen»
b c. r“ 2 9 cJl »u belasten, die selbstverständ- ftch auf Kosten deS Zen trums und der Deu t-
Der Reichspräsident in Bremen.
Hindenburg Taufpate des Lloyddampfers „Bremen". — Begeisterte Huldigungen.
Bremen. 16. Aua. <DTB.) Der ReichS- präsldenr ist in Degleitunt des Staatssekretärs Dr Meißner und deS Majors v. Hindenburg kurz vor 14 Uhr aut Teilnahme am Stapellaus des Llohddampser» .Bremen" hier eingetroffen. Er wurde am Bahnhof vom Präsidenten des Senats. Bürger- meister Dr. D o n a n b t, sowie dem Präsidenten des Rorddeutschen Lloyd. Dr. Heineken, und den Deneraldirektoren Geheimrat S t i m m i n g und Dlässel begrübt; ferner waren zum Empfang anwesend der WehrlreiSkommandeur Generalleutnant Föhrenbach (QHünfter), der Ehef der Marinestation Bord'ee. Admiral Dauer, sowie die Präsidenten deS LandesftnanzamteS. der Oberpvstdirektion und der Rcichsbahnbirek- tüm. Auf dem BahnhofSplatz war eine Abteilung der Küstenwehr als Ehrenkompagnie aufgestellt, deren Front der Reichspräsident nach dem Der- lassen deS Bahnhofs abschritt. Hieraus begab sich der Reichspräsident in Begleitung deS Präsidenten des Senat- zur Wohnung deS Präsidenten Heineken, wo im klemsten Kreise ein Frühstück eingenommen wurde. Die Stadt trägt reichen Flaggenschmuck und zeigt das Depräge eines überaus lebhaften und festlichen Verkehrs. Der Straßenbahn-, Automobil- und Fuhgängcrver- kehr ist gewalttg. Gin zahlreiches Publikum bereitete dem Reichspräsidenten vor dem Bahnhof unb in den Straften begeisterte und herzliche Kundgebungen.
Der Stapellauf des Dampfers „Bremen".
AIS zweiter der beiden neuen großen Schnelldampfer des Rorddeutschen Lloyd ist heute nach- mittag auf der Weser-Werft Dröpelingen die ..Bremen" vom Stapel gelassen worden. Dieses Ereignis erhielt seine besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Reichspräsidenten v. Hindenburg und wurde dadurch au einem doppelten Freudenfest für die ganze bremische Bevölkerung und zu einem Ehrentag für den Rorddeutschen Lloyd. Schon lange vor Beginn des Taufaktes herrschte auf dem Werstgelände und den gegenüberliegenden Usern, wo Zehntausende von Menschen sich trotz regnerischen Wetters angesammelt hatten, ein lebhaftes Treiben. Auf den zu beiden Seiten de« Täuflings errichteten weiten Tribünen waren etwa 3000 Ehrengäste anwesend. AlS der Reichspräsident auf dem Werstgelände eintraf, wurde aus dem Verwaltungsgebäude der Deschimag die Reichspräsidentenslagge gehißt, die von dem int Hasen liegenden kleinen Kreuzer ..Smden" mit 21 Schuft salutiert wurde. Nachdem der Reichspräsident am Eingang der Werst durch den Aufsichtsrat und den Borftand der Deschimag begrübt worden war. fuhr er, mit lebhaften Hochrufen begräbt, zur Tauskanzel, auf der sich mit ihm aufter den Herren seiner Begleitung Präsident Heineken, sowie die Vorstand-- und Aufsichtsratsmitglieder deS Lloyds und der De- schimag, darunter Dr. Paul v. Schwabach, und Vertreter des Bremer Senates versammelten. Kurz nach 15.40 Uhr ergriff der
Reichspräsident v. Hindenburg
daS Dort zur T a u f r e b e . in bet er solg.nbeS auSführte:
„Als die harten Beftimmungcn des Beitrag« von Versailles Deutschland seiner gesamten Ueberkeflottc beraubten, ging die deutsche Schiffahrt, vom Reiche opferwillig unterstützt, mit ungebroche- nein Mut und in festem Klauben an die Zukunft, an den Wiederaufbau. Trotz schweiften Druckes von außen. trotz wirtschaftlicher Röte und Schwierigkeiten im Innern ist es dieser gläubigen Zuversicht und diesem ungebrochenen Arbeitswillen gelungen, in
schon DolkSpartei gehen würben. Wenigstens kann man in den parlamentarischen Kreisen bet BollSpartci heute schon einige Mihstirn- mung über die Aktivität bei den Sozialdemokraten unb über die Kompromift-Demübungen des Finanzministers Dr. Hilserding beobachten. Bor allem wird der Borwurf erhoben, daft Dr. Hil - ferbing ohne Fühlungnahme mit be n anbercn Kabinett-Mitgliedern verhandle unb möglicherweise voreilige Besprechungen eingehe. Diese ganze Delle von Gerüchten unb Bermutungcn kenn^ichnet bis Uir*Vcherhcit unb Derworrenhett der Lage die in ben letzten Tagen entstanden ist. Unter diesen Umständen ist au erwarten, bah das Reichskabinett, das llch Anfang nächster Woche vor allem mit ben außenpolitischen Problemen befassen wirb, auch die Rückwirlungen dieser Krise, bk sich in bet grössten. Regierungspartei abspielt. biskutteren muh.
Oie K p. O. verlangt Volksentscheid.
Berlin, 16. Aug. (DB > Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutsch- l a n d s beschloß heute, alle Schritte zur schleunigen Durchführung eines Volksentscheids über den Panzerkreuzerbau einzuleiten. Die kommunistische Rcichstagssraktion wurde beauftragt, sofort die vorbereitenden Maßnahmen für die Einreichung eines Volksbegehren, zu treffen.
wenigen Fahren dne neue Handelsflotte erstehen zu lasten, die auf leistungsfähigen, mustergültigen Fahrzeugen wieder die deutsche Flagge auf den Meeren zeigt Die deuls.t'e Schiffahrt hat aud) In den schwersten Tagen d-n Klauben an eine neue deutsche Zukunft auf C r nicht verloren. Zähe deutsche Kraft, hanseatischer lln ternehmungsgeist und treue Ausdauer haben fest- gehalten und wieder erneuert, was einst unser war am Seeverkehr.
Zum Wiederaufbau unseres zufammevgebroche- nen Vaterlandes nach dem unglücklichen Kriegsende war die Schaffung der neuen Handelsmarine eine wirtschaftlich wie politisch besonder» wichtige Leistung, auf die alle, die an ihr mtt- grrolrft haben, Reeder, Ingenieure und Arbeiter, mit ehrlicher Befriedigung zurückbilcken können.
Der heutige Tag ist für ben deutschen Schiss»- bau, wie für bie deutsche Seeschiffahrt von besonderer Bedeutung. Wir wollen heute alS neuestes unb gröfttes Fahrzeug der wiedererstandenen deutschen Handelsflotte dieses stolze Schiff seinem Element übergeben. LS ist mir in dieser Stunde ein aufrichtiges Bedürfnis, allen beiten. die mit Kopf und Hand an diesem Wcrle mitgewirkt hoben und noch weiter arbeiten werden, aber darüber hinaus zugleich auch allen, die seit dem Kriege wieder eine deutsche Handelsflotte ge
schaffen haben, namens des Reiches, wie eigenen RamenS warme Anerkennung undhcrz- l i ch e n Dank zu sagen.
Dir aber, du stolzes Schiff, geben wir ben Hamen, den vor 70 Jahren der erste trans- atlantffche Lloyddampser erhielt, den Flamen Breme n-, und mit ihm das Wappen. da» hie Hoffnung und die Treue wie den Willen, b.e Wege zwischen den Böltern zu erschließen, verkörpert. Möge dies Schiff den
deutschen willen zur friedlichen Mitarbeit unter den Völkern
über die Meere bringen, möge es ein Glied mehr fein, das um? mit den Ländern jenseits deS OzeanS verbindet, und möge es uns mahnen, daß nur zusammengefaßte Kraft und einige» Wollen uns den Wiederaufstieg und die Selbstbehauptung In der Weil verbürgen! Mit diesem Wunsche taufe ich dich: m . — ii hl -ÜTTHlCn :
3m Anschluß an diese Worte vollzog der Reichspräsident per önllch den Taufakt. Klirrend zerbarst die Flasche beutichen Schaumwein» am Dua der .Bremen', woraus spontan da» Deutschlandlied ongef.immt wurde. Inzwischen hatte sich der Riesenbau des Schiffe» lang am in Bewegung gesetzt unb glitt mit immer schneller werbender Fahrt unter dem Jubel der Menschen-
Französische Werkspionage in Deutschland.
Ludwigshafen, 16. Aug. (XU.) Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft sind kürzlich drei Angestellte der französischen Geheimpolizei, der sog. .Surctt", im besetzten Gebiet verhaftet worden Die Verhaf- teten sind drei Angestellte der 3. - G. - Sarbeninbuftrie in Ludwigshafen, imb -war der Laborant Fritz Hellmann, der Laborant Richard Müller, beide aus Ludwigshafen und der Techniker Franz Schwarzwälder au» Mannheim. Sie wurden nacheinander am 27. Juli, am 31. Juli und am 4. Attgust fest genommen. Bei der gleichzeitig in den Wohnungen der Derhasteten vorgenommenen Haussuchung fiel ein erdrückende» De - weismaterial in die Hände der deutschen Polizei, au» dem einwandfrei hervorgeht, dah die drei Angestellten im Dienste der französischen ..S u r e t s" standen und zu der von ihnen betriebenen Werkspionage in der deutschen chemischen Industrie benutzt wurden.
Vic franzöfische IDcrffplonage erstreckte sich In der Hauptsache auf das werk Ludwigshafen rfnb Oppau der 3.-(B.-Jarben, aber auch auf die Leunawerke in Merseburg.
Die Beziehungen be» Verhafteten zu dem fron» Aösischen Spionagedienst reichten bi» zum Dezember 1927 zurück. DaS Ziel bet französischen amtlichen Werkspionage war darauf gerichtet, neue, wichtige unb erfolgversprechende Betriebs- geh e im n i f f c auf Gebieten, die für die deutsche Wirtschaft weittragende Bedeutung haben, und geeignet find, die deutsche Volkswirtschaft vom AuSlande unabhängig zu machen auSzukundschaftcn und der f r a n z ö s t - schen Industrie au.-zuliesern. Obwohl eS tm letzten Augenblick gelang, die Machenschaften der .Lurets'' aufzudecken, konnte leider nicht mehr verhindert werden, dah bereits einige Betriebsgeheimnisse m die Hände der Gegenseite geraten sind.
Die Auftraggeber der verhafteten Agenten sind der kommandierende Chef, der Lhesinstruktenr und einige Inspektoren der französischen
Geheimpolizei.
Trotzki nicht in Berlin.
Berlin, 16. Aug. (WTB.i Die Preflestelle der hiesigen Botschaft bet Sowjetunion teilt mit. baß die Meldung, nach der Trotzki sich in Berlin arffhalten soll, glatt erfunden sei. Trotzll besindr sich nach wi evor in Alma 2L t a «Mittelasien'.
Kein wirksamer Schuh in London gegen Lustangriffe.
London, 16. Aug. (DB > Verschieden« Blätter melden, die bisherigen ßuftmanöoer hätten gezeigt, daß London gegen feindliche Luftangriffe nicht wirksam geschützt werden könne, ll. a. wird betont, daß die Kampfflugzeuge der Detteidiger weniger schnell seien, als die neuesten schweren Bombenflugzeuge der Angreifer.
Zialienseindliche Kundgebungen in Spalaio.
Rom. 16. Aug. sWTB., Die Agenzia Ste- fani meldet aus Spalato vom 15. August Während sich der ftalienische Konsul gestern abend zwilchen 8.30 und 9 Uhr mit dem Brzekon- ful und einigen Italienern im Marine-East- befand, veranstaltete ein« Gruppe Studenten und andere junge Leute, bi« sich in kurzem
Diese wurden fachmännisch an geleitet und unterstützt von einer Persönlichkeit, die ihr Bureau in Pari» hat. Don dort au» reiften sie regelmäßig an ganz bestimmten Sogen in bk Industriezentren am Rhein, um bk Berichte und Ze.chnungen, bl« von der ,.Surebf" entwendet worden sind, auf ihre Verwendbarkeit für bie französische Industrie zu prüfen und den vuretö- Beamten und ihren He.'fertheifern weitere Anweisungen zu geben. Die Bezahlung bet Agenien für ihre Spionage!ätigkeit richtete sich nach dem Ergebnis der Prüfung. Airs Aeufterungen der 0uTet6 - Beamten gegenüber den verhasteten Agenten geht hervor, daft der fachmännisch« Leiter der Werkspionage an gewissen zen tralen Stellen in Part» ein- und auSgeht, Die Srrrel6-Deamten gingen bei der Anwerbung ihrer Agenten und Helfershelfer ohne alle Sch e u vor. tm Vertrauen darauf, dah sie al» Mitglieder der Besatzung »arme« dem Zugriff der deuffchen Justiz entzogen sind.
Durch die Aufdeckung der Spionage In den Werken Ludwigshafen und Oppau In der 3.-G.- Jarbcnlnbuffrie ist einwandfrei festgestellt, daft bat französische amtliche Sptonagenctz über ganz Deutschland aipgebrritel ist.
Ein weiterer Angestellter der I.-G.-Farben- industrie, der bi» 1927 im physikalischen Laboratorium im Werk Oppau unb bann in Leuna tätig war. war mit der Spionage in den Beuna- werken beauftragt für da» bie französische Werkspionage besonderes Interesse zeigte unb für das sie eifrig« Spion« suchte, während nach ihren Aeufterungen im Werk Ludwigshafen ein« genügende Anzahl von Agenten tätig war. Auch auf da» Werk Lever- - k u f e n Der I.-G.-Farbenindustrie unb vor allem aus die bortigen Betriebe bet pharmazeutischen Abteilung, sowie auf da» Werk H öch st a. M. war der sranzöstschc Werkspionagedienst bereits ausgedehnt, als durch di« Derhastung der Drei Angestellten in Ludwigshafen das gesamte Werkspionagesystem der ftartzösischen Suretö klar aus- gedeckt wurde.
zusammengetan hatten, Kundgebungen gegen Italien, wobei sie feindliche Ruse auS- (tieften. Es wurden auch zwei Stühle geschleudert, deren einer den Tisch traf und den KonsNl cm linken Atm leicht verletzte. Die Polizei schritt ein und vertrieb die Manifestanten. Darauf verlieh der Konsul zusammen mit dem Dizekonsul das Easci unb begab sich zu einem Auw. das in einet Entfernung von weniger al« 100 Meter wartete Auf diefem kurzen Wege wurden bie Italiener trotz der Anwesenheit der Polizei von der Gruppe der Manifestanten umringt, die wiederum feindliche Rufe auS- stieften und die Italiener zu schlagen versuchten. Während de» AberidS dauerten dies« Umtriebe fort und machten das Eingreifen von Polizeikräften notwendig. Es soll habet zahlreiche Verwundete gegeben haben, auch toll ein Cenbann geschossen haben. Die Tatsache, dah die Behörden für gestern abend irgendeinen Zwilchenfall vorauSsahen, wird auch durch den Umstand bewiesen, daß vor Sonnenuntergang da» italienische Konsulat, sowie die italienischen Schulen und bie Häuser italienischer Gesellschaften Polizei- s ch u h erhalten hatten. Bisher ist keinerlei Beschädigung italienischen Eigentum« gemeldet worden. Der ttalienische Gesandte in Belgrad hat Anweisung erhalten, bei der südslawischen Regierung formellen Protest zu erheben und Entschädigung zu verlangen.


