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Dienstag, 17. Juli 1928

178. Jahrgang

Nr. 166 Erstes Blatt

Oer Kelloggpakt und die Mächte

DerposträuberHeinvordem Schwurgericht

SnotfBt von Bnjetge« für die lagesnnmmtr t>i» jim Nachmittag vorher.

Preis fir 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlid) 8, avswLrl« 10 Neichspfennig, für N- klameanzeigen von 70 irm Breite 35 Nclchtpsennig, Platzvorschrift 20. mehr.

Chefredakteur

Dr. Fnedr. Will) Lange, verantwortlich für Vohtili Dr. Fr. Will) Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot, für den übrigen leü Ernst Diumschein,- für den An­zeigenteil kurt tzillmann, sämtlich in Dietzen.

Gi-liitt t.

Rom. 17. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der berühmte italienische Staatsmann Giovanni ®iolitti, der vor, in und nach dem Kriege mehrfach Ministerpräsident gewesen ist, ist nach langem Kranksein auf seinem Landgut Cavour bei Turin im Alter von 86 Zähren gestorben.

Oie Beweisaufnahme.

Zusammenstotz zwischen Vorsitzendem und Verteidiger.

Die 20jährige Braut de« Angeklagten, die Schneiderin Hedwig ©läske bekundete als Zeu­gin, Hein sei sehr arbeitsam gewesen, bis Lärm I a m. Dann stand Hein vollstä^>ig unter LarmS Ginftuh. Hein neigte auch schon immer zur Schwermut; dieser Zustand verschlimmerte sich später feit dem Verkehr mit Lärm. Ai« der Vorsitzende die Bluttat erwähnt, sagt die Zeu­gin:Ja, ich war damals leider nicht da. sonst wäre vielleicht alles ander- gekommen. Bon mir hätte er sich vielleicht bereden lassen, sich selbst den Behörden zu stellen." Der Arbe '.er Fesche auS Jena bekundet. Acin habe ihn einmal dazu überreden wollen, m ein Lebens­mittelgeschäft einzubrechen. Auf den Vorhalt deS Zeugen:Und wenn sie unS erwischen?" er­widerte Hein:Dann schießen wir sie über den Haufen." Dann wird der Meiler Lärm als Zeuge aufgerufen, der z. Z. als ^ntersuchungSgesangsner in Weimar s-cht und von dort heute inS Kobuvger Gefäng­nis transportiert wurde. Larin wird durch zwei Beamte in den Saal geführt; er trägt Hand­fesseln. Mit hocherhobenem Kopf mustert er die im Saal Anwesenden und Hein. AIS er an Hed­wig Dläskc vorübergeführt wird, springt da« junge Mädchen mit geballten Fäusten aus und schreit:Du bist an allem Schuld!"

Der Vorsitzende verweist die Zeugin zur Ruhe und bemerkt: .Das scheint mehr voce weniger Theater zu sein. Das macht auf uns gar keinen Eindruck." Verteidiger Zustizrat Fränkel: .Ich habe nicht das Recht, die Prozeßsühruna zu kritisieren..." Vorsitzender (unterbrechend): .Dann unterlassen Sie diese Kritik." Verteidiger: .Ss handelt sich um ein Urteil, daS über die Zeugin ge­sprochen wird." Dors.: .Ich habe nur über ihr Benehmen gesprochen." Derteid.: .DaS ist menschlich begreiflich." Dors.: .Ich habe 3pnen nicht da« Wort erteilt. Jedenfalls verbitte ich mir ein für allemal, dah in mein: PrvzehleitungSrecht eingegriffen wird. Ich sage Ihnen noch einmal. Fräulein GläSke, lassen Sie das aufgeregte Benehmen. Ich meine es gut mit Ihnen."

Damit ist der Zwischenfall erledigt. Lärm er­klärt, er sei heute nicht in der Lage, irgendwelche Au-sagen zu machen, da er durch den uner­warteten Transport sehr aufgeregt sei. Staatsanwalt: .GS würde einen besseren Ein­druck machen, wenn der Zeuge sofort aussagte. Durch die Eisenbahnfahrt von Weimar _ nach Koburg kann ein Mann wie Lärm unmöglich so heruntergekommen sein. Die Rächt wird er sicher nur benützen wollen, um sich zu überlegen, waS er aussagen will. Lärm bleibt bei seinem Standpunkt. Die Vernehmung wird auf Diens­tag vertagt.

Am 21. Dezember verübten beide den P o st - raub in OhligS, wobei ein Beamter von Hein erschossen wurde. Lärm und Hein viub- ten etwa 7000 Marr. Auf Vorhaltungen des Vorsitzenden erllärte der Angeklagte, er sei durch Lärm angestistet worden. Lärm wurde am 10. Januar 1928 in Saalfeld vechaftet. Hein fuhr später nach Plauen, wo er bei dem Mau­rerpolier Wagner einen ihn suchenden Beamten erschoß und einen zweiten verletzte.

Bei Untersiemau hatte er einen Zufammenskoh mit dem Beamten Scheier. Der Angeklagte er­klärte:2Rit wurde ganz anders: ich weiß nicht, was weiter geschah. L» mar die» der einzige Fall, bei dem ich mich erinnere, daß ich die Waffe gezogen habe." Vorsitzender:Sie sollen, al» Scheier schon röchelnd am Boden lag, noch einmal umgekehrt sein und Scheier noch eine: Schuß in den stopf gegeben haben, um ihn endgültig zu erledigen. " Hein:Dann müßte ich ja ganz verrückt gewesen sein."

Vorsitzender:Sie begaben sich dann in den Bannwald, um sich zu verstecken." Hern:Ich hatte gar keine Absichten, nur Triebe." Aus dem Wrge zum Waide hatte Hein noch während der Str«ke von 4 Kilometer einen Feuerkampf mit einem anderen Beamten, ohne dah jedoch jemand getroffen wurde. Hein sagt dazu:2L6 ich angerufen wurde, war mir. als wenn rch erwachte. Ich weih noch. daß ich fragte, warum er mich verfolgte." Am 4. Februar 1928 ge­lang es, Hein festzunehmen. Auch hier machte er nochmaÜ den Versuch, den Beamten zu über­wältigen. Zu seiner Verteidigung führt er an. dah er seit Jena nicht mehr ge^ch'.afen und m den nächsten acht Tagen nichts mehr gegessen habe.Ich hatte überhaupt keme Gedanken erklärte er.sondern fühlte nur ein unheimliches Brennen in mir. Ich verschlang ganze Hande voll Schnee und Eis, um diesen inneren Brand zu ersticken. Ich war außerordentlich erregt." Er habe bei seinen Taten keinerlei Heber- legung gehabt. Damit schließt d:e Verneh­mung des Angelegten. Rach einer kurzen Paule eröffnet der Vorsitzende die Beweisaufnahme.

die Rotwentngkeit berufen, ihre Rüstungslast wei­ter zu tragen. Wenn man den Krieg unmöglich macht, dann braucht man keine Mittel zur Krieg­führung. Jetzt stehen die großen Militärmächte tatsächlich vor der Entscheidung darüber, ob auch dieses neue Friedensinftrument nur ein Stück Papier bleiben oder den Beginn wirklicher Abrüstung bedeuten soll. Wir gestehen offen, dah wir recht fkeptisch sind. Es wird vermutlich abermals ein großes Streiten darüber anheben, wer als erster dem Beispiel Deutschlands folgen soll, das ja mit der Abrüstung den Anfang ge­macht hat.

Frankreichs Antwort.

Zur Unterzeichnung des AriegSächtungsvertrageS bereit.

Par-iS, 16. Juli. (WD.) In der fran- zöfifchen Antwortnote auf den Pakt-Vorschlag KelloggS heißt eS: Zunächst ergibt sich auS der neuen Präambel, daß der vorgeschlagene Ver­trag in der Tat den Zweck Hal. die friedlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Völkern bauemb aufrechtzuerhalten. Die Regie­rung der Republik erllärt sich gern mit diesen neuen Bestimmungen einverstanden. Die Regierung der Republik nimmt andererseits auch gern Akt von der Auslegung, die die Regie­rung der Vereinigten Staaten dem neuen Ver­trage gibt, um den verschiedenen französischer- seitS vorgebrachten Bemerkungen Rechnung zu tragen. Diese Auslegung läßt sich folg end er­maßen zusammenfallen:

Am 3. Dezember wurde der bewaffnete HeberfaH aut das Postamt in Klo­sterlausnitz verübt, wobei die Postkasse in Höhe von 2000 Mk. beraubt wurde. Der An­geklagte sagt hierzu auS, Lärm habe ihn uroner auf gehe tzt. Gr (Hein) hätte sich nicht direkt an den Einbrüchen beteiligt.

Dorfitzender: Die weiteren Einbrüche fallen in die zweite Hälfte deS Jahres 1927, M die Zeit, wo Sie eine auskömmliche Stellung hatten. Warum haben Sie es dann getan?

Angeklagter: DaS kann ich nicht sagen.

Vorsitzender: Sie sollen wiederholt geäußert haben, dah Sie Freude an solchen Taten hätten.

Angeklagter: Davon weiß ich nichts.

RichtS in dem neuen Verträge beschränkt oder beeinträchtigt irgendwie daS Recht der Selbstverteidigung. Jedes Dolk behält in dieser Hinsicht stets die Befugnis» sein Land gegen einen Angriff oder einen Einfall zu vertei­digen Gs hat allein zu entscheiden, ob die Umstände es nötigen, zu seiner eigene^ Derteidi- aung zum Krieg zu schreiten. ZweAen« steht keine der Bestimmungen des neuen Vertrages im Widerspruch zu den Bestimmungen der DölkerbundSsahung und ebensowenig zu denen der Locarnvverträge oder der

Reutralitätsverträge. Andererseits würde jede Derlettuna einer Bestimmung des

neuen Dertrages durch eine der DertrqgSmächte die anderen DertragSmächte von selbst Von ihren Verpflichtungen gegen den Zuwiderhandelnden befreien Dank der Klarstellung, welche die neue Präambel so gebracht hat, und dank der andererseits dem Vertrag gegebenen Auslegung, sieht die Regierung der Republik zu chver De- nughnmg, daß sich die Bestimmungen den bestehenden Verträgen vereinbaren lassen, an denen Frankreich sonst alS VeNragsmacht be­teiligt ist, und deren uneingeschränkte Achtung ihm Vertragstreue und guter Glaube natürlich zur unabwäslichen Pflicht machen. Angesichts dieser Sachlage und unter diesen Umständen freut sich die Regierung der Republik, der Re- ?ienmg der Vereinigten Staaten erklären zu örnien, daß sie nunmehr durchaus bereit ist, den Vertrag in der durch das Schreiben Eurer Exzellenz vom 23. Juni 1928 vorgeschlagenen Form zu unterzeichnen.

DieVemehmungdesAngellagten

Koburg. 16. Juli. (VDZ.) 3m alten Schwur- gerichtSsaal deS Landgerichtsgefängnisles Kv- b u r g begann die Verhandlung gegen den P o st- räuber Hein Auf einem Tisch liegen die Waffen, die Hein bei seinen Taten benutzt hat. Den Vorsitz führt Lanbgerichtsdirettet Dr. Schack. Die Anklage vertritt Erster Staatsan­walt Leimer. Die Verteidigung bat Iustiz- rat Fränkel. Insgesamt sind 35 Zeugen und 10 Sachverständige geladen Der Angeklagte macht einen rer^lltnismäßig frischen Eindruck. Hein ist 1902 in Düssetdorf-Gerresheim geboren und hat als ungelernter Arbeiter in Jena ge- leot Sr ist bisher nicht vorbestraft. AlS die Zeugen in den Saal gerufen werden, kommt es zu einer dramatischen Szene. Unter den Zeugen befindet sich auch die Mutter deS Angeklagten, die Invalidenrentnersfrau Maria Hein. Als sie ihren Sohn erblickt, weint sie laut auf. Dann bricht sie auf einem Stuhl zusammen. Die alte Frau muß schließlich aus dem Saal geführt werden. Man hört noch ihr lautes Weinen draußen Der Angeklagte Hein ist von dem Auftritt sichtlich erschüttert und weint. Der Zeuge Kriminalwachtmeister Richard Schumann leidet noch unter den ihm von Hein beigebrachten Verletzungen und kann sich nur auf Krücken in den Saal begeben

Der Angeklagte Hein wird daraus über sein Leben vernommen. Er ist unter ärmlichen Ver­hältnissen in der Düsseldorfer Glas-Kolonie aus­gewachsen. Er war der älteste unter vier ©s- fchwistern Bereits mit 13 Jahren wurde Hein von der Schule genommen, um zum Unter­halt der Familie beizutragen Er wurde unge­lernter Arbeiter und wird als fleißig und ordent­lich geschildert. Kurze Zeit hat er auch der shndi- kaliftifchen Arbeiterjugend angehört.

1923 wurde Hein gelegeuttich der Düsseldorfer Unruhen festgenommen.Sie sollen dabei", so fährt der Vorsitzende fort,von Polizisten miß. handelt worden sein und sollen geäußert haben, daß sie seit der Zeit einen tiefen haß gegen uniformierte polizeibeamle hegen." --Da» Gefühl haß ist mir vollständig fremd", erklärt der Angeklagte. Der Vorsitzende erklärt dar­auf, auch er habe au» dem Aktenstudium den Eindruck gewonnen, daß ein andere» Motiv oorliegt.

Auf r<agen des Vorsitzenden bestätigt es der Angeklagte, daß er in Jena bei den Zeih-W^^i arbeitete bis er dort entlassen wurde. Im Herbst 1927 kam sein Gerr esheimer Fr eund Rudolf Lärm nach Jena, ein übel be­leumundeter, oft vorbest raster Mensch Der Qlngeflagte war vom HerW 1926 bis Juli 1927 auf die Erwerbslosenunterstutzung angewiesen Als erste 6 traf tat verübten Hern und Lärm ehren Einbruch in ein Waffen­ge s ch 5 f t. Lärm schaffte die Waften beiseite und Hein behielt nur den Revolver, mit dem er später seine Mordtaten verübte. Er beging dann noch eine Anzahl weiterer Einbrüche, ins­gesamt 23, die der Angeklagte im wesentlichen zugibt. Die Einbrüche wurden teilweise unter Waffenbedrohung und unter Zu­hilfenahme von Sprengstoff durchge­führt. Die Deute war meist gering und entsprach nicht der auf gewandten Mühe. In einem Falle wurde auf einem Postamt ftl Jena ein fünf Zentner schwerer Geldschrank geöffnet. Das Er­gebnis war zwei ober drei Mark in Briefmarken.

©iolitti war der Sohn eines Rotors, stu­dierte Iura und war dann im Iustizdienst und später in der Finanzverwaltung Italiens tätig. 1883 ernannte ihn DeprettS zum Staatsrat, und im gleichen Jahre trat er in bie Deputierten­kammer ein, der er dann mehr als vierzig Jahre ununterbrochen angehörte. Minister wurde er erstmals 1889 im Kabinett Crispi. 1892 bildete er zum ersten Male selbst ein Kabi­nett, das jedoch schon im Dezember 1893 wegen gewisser Banklkandale. die jedoch ©iolitti persön­lich nicht berührten, zurücktrat. Erst im Mini­sterium Zanardelli übernahm ©iolitti 1901 wie­der ein Portefeuille, das des Innern, und bemühte sich, durch ein liberales, sozialpoliti­sches Programm das Vertrauen zu gewinnen. '.Rach dem Rücktritt ZanardelliS stand er vier­mal an der Spitze der Regierung.

®. hat während seiner Amtszeit stets die Poli­tik des Dreibundes vertreten Doch fällt auch der Krieg Italien- gegen die r l e i, der Italien Tripolis und die Cyre- dchlla einbrachte, in diese Zeit. Als er im März 1914 -urücktrat, tat er eS. nach seiner Aussage, um jüngeren Kräften Platz zu machen Tatsäch­lich hat er dann während des Krieges nichl aktiv eingegriffen. Dagegen hat er sich un- -.weiveutig zugunsten der dauernden Neutralität Italiens ausgesprochen und wurde deshalb heftig angegriffen. AIS Italien dann doch in den Krieg eintrat, verlieh G. Rom und zog sich auf sein kleines Landgut nach Cavour bei Turin zurück, auf dem er letzt auch gestorben ist. Aufsehen erregte er wieder, als er nach der Riederlage von Karsrei t zum erstenmal wieder in Rom in der Kammer die italienischen Soldaten gegenüber dem Dottvurs in Schutz nahm, ihre Flucht habe die Rieder­lage verschuldet.

Bei der Kabinettskrise ftn Mai 1920 war bann der Harne ©iolitti zum erstenmal wieder bei einem Minifterror'chlag genannt worden Hcnipt- hindernis war damals, dah ©iolitti dn © e - richtsver-fähren gegen die am Krie­ge Schuldigen forderte. Vier Wochen später

«unmehr Hoden auch y r o n k r e i ch un d Stallen Ihre Zustimmung zu dem Kelloggschen Entwurf eine» Vertrages zur Aechwng des Krie­ge» al» Mittel der Politik in diplomatischen Noten mitgeteilt. Dem Vorgehen Frankreichs werden des­sen Trabanten, also P o l e n und die Tschechow slowokei, bald folgen und dann bleibt nur noch E n land übrig, wenn man von Belgien und Japan absehen will. Ferner haben die vereinig­ten Staaten im letzten Augenblick auch noch Spanien zur Mitunterzeichnung aufgeforbert, wähl um diesem Lande ein kleines Kompliment zu machen. Da» alles ist Beiwerk, wichtig sind die Antworten Frankreichs und Englands.

Die französische Note unterscheidet sich sehr wesentlich von der ersten, die vor einigen Mo- naten erging. Damals war Frankreich höchst unan- genehm überrascht davon, daß Amerika nicht in die ihm gtftclltc Falle gegangen war, einen ein- fettigen Pakt mit Frankreich allein abzuschlie- ßen, sondern daß es außerdem noch gleichzeitig Deutschland, Italien, England und Japan zu dem Schritt aufforderte. In Frankreich hatte man ge­glaubt, einen besonders glücklichen Schachzug zu hin und sich bei Amerika lieb Kind zu machen, als zur Beseitigung amerikanischer Derstimmungen über di« intransigente Haltung Frankreichs In der Abrüstungsfrage von Paris aus der Vorschlag ge­macht wurde, der natürlich nur rein plato­nisch gedacht war. Aber der amerikanische Staatssekretär packte die Gelegenheit beim Schopfe und machte einen nicht mehr platonischen, sondern praktischen Gegenvorschlag. Frankreich wand sich hin und her, wie ber Teufel im Weih­wasser unb suchte burch eine Reibe von Einwänben und Vorbehalten das Gelingen des amerikanischen Planes zu durchkreuzen. Aber Staatssekretär Kellogg blieb fest und setzte seinen Willen mit gro­ßer Zähigkeit durch.

Frankreich« Vorbehalte gipfelten im wesent­lichen darin, daß es sowohl durch das Völker- bienbftahit wie durch die Verträge von Locarno auf der einen und durch seine Bündnisverträge auf der anderen Seite Verpflichtungen cingc gangen sei, die eS unter Umständen zwingen konnten, zu den Waffen zu greifen, also dem ©eist des Kelloggschen Planes zu­wider zu handeln. Ferner wurde geltend ge­macht, daß das Recht ebne« jeden Staates zur Selbstverteidigung gegen Angriffe von außen nicht beeinträchtigt werden dürfe. Den französischen Einwänden war bereits für alle praktischen Zwecke durch die erste deutsche Antwortnote begegnet worden, in der er­klärt wurde, dah weder da« Völkerbund-Statut noch die Verträge von Locarno ein Hindernis für die Unterzeichnung bilden könnten. Deutsch­land ist genau so gut wie Frankreich Mitglied deS Döllerbundes und Mitunterzeichner der Ver­träge von ßoeamo. Bedeutungsvoller waren die französischen Einwände über das Recht der Selbstverteidigung gegen Angriffe und feine Bündnis Politik. Die deutsche Auftasfung ging dahin, dah selbstverständlich ein jedes Land, da« von einem anderen angegriffen wird, auch da« Recht bat. sich dagegen zu verteidigen.

Dieser Auffassung gab auch Staatssekretär Kel­logg unmittelbar danach Recht in einer öffentlichen Rede, in der er fast die gleichen Redewendungen brauchte, die in der deutschen Antwortnote ent­halten waren, ehe sie ihm zu Gesicht gekommen waren. Insofern ist er nun den französischen Wün­schen entgcgengcfDmmen, als er in die Präambel des Vertragsentwurfes eine diesbezüg­liche Feststellung aufnahm. Die größte Ge­fahr für den europäischen und d^n Weltfrieden bedeutet die französische Dündnispolitik, und auch hier ist ein entschiedener Fortschritt festzustellen. Kellogg machte Frankreich ein zweites Zugeständnis, indem er auch diejenigen Mächte, mit denen Frankreich Bündnisse unterhält, m den Kreis der zur Unterzeichnung Auszuterdernden e i n b e z o g. Man könnte darin vielleicht ein etwas zu weites Entgegenkommen auf die fran­zösischen Wünsche erblicken, aber man muh sich auch bei uns sagen, daß ja von vornherein die Absicht bestand, den Beitritt möglichst aller Rationen herbei zu führen, um dem Vertrag den Charakter der llnivers clität zu Der- lechen. Da ist es schließlich verhältnismäßig nebensächlich, ob einige Mächte gleich anfangs oder einige Wochen spater unterzeichnen. Damit hat Kellogg erreicht, daß nunmehr die fran- zösifche Regierung fei'» formell erklärt, ihre Reutralitätsverträge. wie fie jetzt mit einem Male euphemistisch heißen, seien kein Hindernis, da sie keinen offensiven Charakter trü­gen. Das wird man sich für künftige Fälle merken müssen. Run bleibt mir noch England übrig, das etwas reichlich lange gezögert hat, unter allen möglichen Ausflüchten, wohl weil sich Chamberlain von Briand vor den ftanzösischen Wagen hatte spannen lassen.

Soweit ist also alles schön und gut. Der Ver­trag wird binnen kurzem unterzeichnet werden und die Well besitzt ein schönes Dokument des Friedenswillens der Völler mehr. Eine andere Frage aber ist es. ob hieraus nun praktis ch e Folgerungen entstehen werden. Die Reichs­regierung hat schon in ihrer ersten Antwortnote in klaren unzweideutigen Worten betont, dah die unausbleibliche Folge die wirkliche Ab­rüstung fein müsse. Rach Unterzeichnung des Vertrages. durch den ausdrücklich jeder Krieg als Mittel der Politik in Acht und Dann er­klärt- wird, kann sich keine Macht mchr auf

ES wird bann der erste zur Anklage stehende Fair in Jena erörtert. Lärm hat damals schon gewarnt, die Polizei sei ihnen wegen der Ein­brüche auf den Fersen. Hein war ift seinem Zimmer, als die Kriminalpolizisten Heh und Schumann mit den Worten: »Kriminalpolizei" die Tür öffneten. Hein schoß sofort, tötete verwundete Schumann ' ' sitzenden sagt

Heh und

schwer. Auf die Frage des Vorsitzen! . .. der Angeklagte: .Als ich den Ruf .Händp hoch!' hörte, wuhte ich nicht mehr, was gcschäh. Ich sah nur Flammen vor meinen Augen unb habe wohl blindlings losgeschossen."

Aichcim Anzeiger

lohn, auch bei Nichter- U ® Zf

scheinen einzelner Nummern

ZRL General-Anzeiger für Oberheffen

richten: »nzeiger Gieße». V

^anfhrta^mahi0!!«*. vnlis » Verlag: vrühl'sche UniversttLtr-vuch. und Zleiudruckerei L Lang« in Gießen. Zchriftlettung und Gefchäftrftelle: Schulftraße 7.