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nr. 165 Erster Blaff

178. Jahrgang

ötonfag, 16. Juli 1928

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Sr<mthi%m^ii68e. vni« Bit» Dtrlag: vrühl'sch« UwtoerSmi Bnd). mi> Steinönltrd R. tauge tn Sieten. Sdjriftlething und SeschästiÜelle: Schnlürote 7.

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Theftedakteur

Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich fürDoihik Dr. Fr. Will). Lange: für Feuilleton Dr. H.THyriot, für den übrigen Teil Ernst Slumld'ein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Bietzen.

Deutschland und Frankreich.

Durch e ine Unterredung des d eu t sche n D ot- Hafters in Paris, v.Hoesch. mtt dem vanzösischen anintflerptdfidenten PoincarL ist deutsch-französische Verhältnis i-eöer in den Vordergrund Deff Interesses ge- »ckt. Bekanntlich brach die öffentliche DrS- Mfion darüber seinerzeit mit der Sröffung des "SahUampfeS in beiden Ländern ab. Damals ibenb v« allem im Mittelpunkt der öffentlichen laseinanbersetzungen das Repa r a t i on S - Ibroblcm, was namentlich durch die Europa. Xdfe des ReparattonSag enien Parker G rl- b t r t eine neue Wendung erfuhr. In diesem 1-jfammcnbange wurde natürlich von der Seite nferet ®Iftubiger immer wieder das intet- Ili irrte Schuldenprob lern in die De» Sctih' geworfen, ohne das die Alliierten eine Revision des Dawesplanes vornehmen zu können jlcuben. Zu gleicher Zeit bewegte die Oeffeni- 4feit naiutgemäb die Frage der Abrüstung i$j erböbfem Maste, insofern, als die immer rrederlehrenden Tagungen des Sichersteitskomi- «s schon genügend Stoff für die offen kl iche IiLeinandersetzung über dieses Problem boten. - zwischen sind die neuen Parlamente 11 Deutschland und Fran kreich wieder ifammengetroten. Deutschland hat seine neue ojimmp bekommen, und die deutsche Regie. .irgBerfldrung hol vor allem auch das deutsch- ^rnzösische DecchältniS in längeren Ausführun- berührt. So muhte selbstverständlich der trtc Schritt des deutschen Botschafters in Paris »:ch dem Zusammentritt der neuen Reichsregie- tung vor allem darauf hinauSzielen, die all- pireine Sachlage tn dem deutsch--französischen '-erhält nis bei seiner Besprechung mit Pvincare klären und zur weiteren Behandlung dieses Problems die der Zeit angepastte Basis zu hrÄen.

Während man noch vor einem Jahre in bezug jf das Problem der Bereinigung der deuksch- Krvzösischen Fragen die Lösung dessellxrn barer nur unter der deutsch-französischen V.'riepekttve sah, hat die allgemeine wlätische Entwicklung dieses Bild im wesentlichen tvr^tfwben. Aus dem spezifisch deutsch- skynzösischen Problem ist mehr oder ttniger ein internationales Poblem t-worden, insofern nämlich, als die Rhein- lombräumung nut ein kleines Borspiel zu inn Gesamtkomplex der grosten in* |t»nationalen Fragen, wie Abrüstung, ?j" veSplan und Schulden geworden ist, der aber ti erberum, solange die Frage der Rheinlandräu- rirg nicht endgültig bereinigt ist. gerade durch tiefe eine außerordentlich starke Belastung er- Ührt. Dielleicht mag dies auch mit dazu beige» tipen staben, das; Poincarö, nachdem nunmehr kr allem auch der Kellogg-Pakt in den 2i ttelvuntt der weltpolitischen Probleme gerückt und weite Kreise in Frankreich mehr und »ehr davon überzeugt worden sind, dah die 3 i. ti m- u n g der zwei ten Rheinland» K»c zumindest kaum mehr zu einem Handels» p'chäft gemacht werden kann

LieS hat natürlich auch noch eine Bekräftigung t tonfc erfahren, dah man deutscherseits nach» trüklichst zu erkennen gab, lieber noch den Ab» Im der vor geschriebenen Frist für die Räumung citiarten zu wollen, als jetzt dafür wieder neue <uzeständnisse zu machen, Unb schliestlich darf rir: vergessen werden, dah eben auch die $r >hen Pr 0 bleme. wie das der interalliier» In Schulden, der Reparationen und der Ab» r.E :ng eine ba l d m ö g l i ch st e Lösung er» htCern, waS ja nicht zuletzt dadurch zum Ausdruck bient, dah in dieser Woche neben dem Gouver» nnr der Federal Reserve Bank, Strong, und bi» amerikanischen Staatssekretär Mellon auch br Reparationsaaent Parker Gilbert in Paris irrcfcnb sein werden. Somit war die Unterredung deutschen Botschafter« in Paris mit Poin» ur6 ohne Frage der erste Anfang zur 2Tbtoicf- ln$ all dieser Probleme, und es scheint, wenn sich auch jetzt noch keinerlei übertriebenen ^nungen hingeben darf, dah die internationale »i politische Rotwendigkeit auch im Falle der fäirung der deutsch»französischen Fragen rich» t'tjgebenb sein wird und dah somit auch hier y riebt allzu ferner Zeit die langersehnte Lösung dienen wird.

Die Stellungnahme l*tr französischen (Sozialisten, pari«. 15. Juli. Der Rationalrat der sozialistischen Partei trat gestern vor- «:tig zu einer auherordentlichen Tagung zu- Itrnen mit dem Zweck. den Internationalen sblÄlisten-Kongreß in Brüssel vorzubereiten. -Sxtbem sich die Tagung am Dormittag mit fauen der Wirtschaftspolitik befaßt hatte, wurde fr Aussprache über die allgemeine A b - " ßung und den Militarismus eröffnet.

Vertreter des Seine-Departements crflärte, Friedensverträge seien in Wirllich- J** nnHindernis für die Aussöhnung ®*cQ3öHer. Man müsse durch irgendein Mit- m iur

Sroifion de» Jriebensoerlrages von Versailles ®^Ben, und er hoffe, dah der Internationale jytfrefc in Brüssel dies klar zum Ausdruck

Außerdem sei er der Ansicht, daß ***? ^v-lalisten nicht mehr die Genehmigung er- i-trr tI^rxn dürfe, die Regierung Poinears im sun" 3U vertreten. Ein anderes Mitglied iDt Seine* Delegation widersprach dieser Auf- | -emg und es kam zu einer Auseinandersetzung, Deren Verlauf der Delegierte Kahn erklärte.

Schweres Eisenbahnunglück im Münchener Sauplbahnhof.

Ein Haupizug auf einen Vorzug aufgefahren. Zehn Tote, 25 Verletzte.

München, 15. 3ulL (WB.) 3m havplbahu- h 0 s München ereignete sich am heutigen Sonn­tagabend kurz noch 9.30 Uhr ein s ch w e r e » L i f e u - bahnunglück, indem der Nürnberger S p 0 r f 3 u g . Stammzug 52 841, auf den Vorläufer des Nürnberger Sportzuges, kur; a uherhalb der Hackerbrücke, auffuhr. Gegen Mitternacht wurde an der Unfallstelle bekannt, dah 0 ch t Tote und sieben verletzte zu beklagen sind. 3m Vorläu­fer war aus bisher unbekannten Gründen dieRok- bremse gezogen und der Zug z u m halten gebracht worden. Etwa eine halbe Stunde nach dem Unfall fingen die beiden ineinandergeschobenen Wagen zu brennen an. Die Bekämpfung de» Feuers, das sich sehr rasch ansdehnte, war äußerst schwierig, und durch das Legen langer Schlauchleitungen war eine Reihe von tkin- unb Ausfahrten für andere Züge gesperrt. Die Hilfsaktion zur Rettung der verunglückten, die nach Mitternacht noch im Gange ist, fetzte sofort tat­kräftig ein.

Zu dem Eisenbahnunglück im Münchener Haupt- bahnhos berichtet der sofort an die Unsclllstelle geeilte Sonderberichterstatter des Süddeutschen Korrespondenzbureaus noch, dah der Lokomotiv­führer des DorzugeS mit dem Zugführer die ilrfadje deS Ziehens der Rotor ernse feststellen wollte, al« der Stammzug 52 841 sich näherte und auf den Dorzug auf ft ich. wodurch die beiden letzten Wagen des Dorzuges ineinandergeschoben wur­den. Wie es möglich war. daß der Stammzug abgelassen wurde, während der Vorzug noch nicht da« nächste Blocksignal erreicht gatte, ist bisher noch nicht aufgeklärt worden.

Durch die einbringenben Heizgase an» ber Loko­motive be» Stammzuges entstaub im letzten Abteil 1. Klasse be» Vorzuges ein Brand, ber sich rasch auf bie delben benachbarten wagen be» Vorzuges au »breitete und auch auf benach­barte Zuggarnituren Übergriff.

Die Bemühungen des bald eingetroffenen Hilss- -ugeS richteten sich darauf, die seitlichen Blech­wände der ineinandevgeschobenen Wagen zu öff­nen und die Verletzten herauszubringen. Be­sonders aus dem mittleren Teil der beiden be­schädigten Wagen wurden Hilferufe hörbar. ES gelang, nach 11 2lhr des FeuerS soweit Herr zu werden, dah der erste Fahrgast noch lebend, aber mit schweren Quetschungen geborgen wer­den konnte. Bald danach wurden zwei tödlich verunglückte Reisende aus den Wagentrümmern herausgeholt. An der Bekämpfung deS Feuers würbe nach Mitternacht noch immer gearbeitet.

Wie ber Sonderberichterstatter des Südd.

Korr.-Bureau- um die erste Rachtftunde weiter meldet, hat das Eisenbahnunglück im Münchener Hauptbahnhof zwei weitere Todesopfer gefordert. Die Zahl der Toten hat sich damit auf zehn erhöht. AlS verletzt wurden um die erste Rachtftunde rund 25 Personen ange­geben. von denen der weitaus gröbere Teil allerdings nur ganz leichte Verletzungen erlitten hat, die zum Hauptbahnhof zurückgebracht wur­den und von dort aus größtenteils ihre Woh­nungen aus suchen konnten. An der Unfallstelle waren eingetroffen Reichsbahn di vekticmspräsident v. D ö lck e r und Vizepräsident Trumm, sowie Polizeipräsident Mantel. Die ilnfanftdle selbst bietet ein grauenvolles Bild der Verwüstung.

Auf ber Lokomotive bes aofgefahrenen Zuge» hängen Wagenteile von bem letzten wogen bes Unglückszuges. Die beiben letzten wagen be» Vorzuges sinb fast zur halste ineinanber- geschoben.

Die Wagen waren derart ineinander verkeilt, dah eS erst nach Mitternacht gelang, bie letzten Toten zu bergen. Die Leichen sind teils bis zur älnkenittlichkeit verstümmelt, teils verbrannt, so dah die Identifizierung um die zweite Morgenstunde noch nicht abgeschlossen werden konnte. Bisher steht lediglich fest, dah sieben Männer und drei Frauen Todesopfer bei der Katastrophe wurden. Roch um die erste Morgenstunde war die Bernfsfeuerwehr damit beschäftigt, die mittleren Abteile der in einander » gekeilten Wagen zu öffnen. Glücklicherweise er­wies sich, daß diese Abteile leer waren.

Die Llnfallstelle. die wenige hundert Meter vor der Einfahrt zum Hauptbahnhof zwischen der Hackerbrücke und Donnersberger Brücke liegt, wurde bald nach dem Unfall durch LcrndeSpvlizei abgesperrt. Auf den beiden Drücken und seitlich der Bahnanlage sammelten sich trotz der späten Abendstunde zahlreiche Reugierige an. Da- Rettungswerk wurde besonders dadurch erschwert, dah die Feuerwehr den Brand mit Schlauchleitungen von über 100 Meter Länge über die zahlreichen Gleis­anlagen hinweg bekämpfen muhte. Gegen 12.30 nachts konnte die Berufsfeuerwehr, die mit allen verfügbaren Kräften an der Anglücks- stelle erfchienen war. wieder abrücken. Das Ret­tungswerk und die Aufräumungsarbeiten an den um diese Zeit noch immer weiterglimmen- den Wagen wurde von der Freiwilligen Feuer­wehr fortgesetzt. Die freiwillige Sanitätskolonne war bereits am 10.10 Uhr alarmiert und kurz daraus mit zahlreichen Aerzten an der Unfall­stelle erschienen. Rach Mitternacht traf auch die Staatsanwaltschaft ein. Um die zweite Mor­genstunde find die Aufräumungsarbeiten noch nicht abgeschlossen, die Gleise sind noch gesperrt.

AlS Glück im Unglück muh es bezeichnet wer­den, dah der Hauptzug. der eben erst tu der Ausfahrt begriffen war. mit mäh igeo Geschwindigkeit fuhr, und dah der letzte Wagen des Vorzuges nur sehr f chwach besetzt war. Ein Teil der Reisenden deS vor­letzten Wagens des Vorzüge- konnte sich durch Abspringen aus dem haltenden Zuge retten.

lieber die mögliche Ursache des Unglück- mel­det der Sonderberichterstatter de- Süddeutschen Korre^pondenzbuveaus: Kurz nach dem Aus­fahren des Vorzuges wurde festgestellt, dah

die Plombe ber Jlotbrcmfe in dem 3. Abteil de» Wagen» dc» Vorzüge» verletzt

war. Die Polizeidirektton München s ucht fest­zustellen. wer die Rotbremse gezogen hatte. Der Hauptzug hatte Ausfahrt signal erhalten.

0er erste amtliche Bericht.

München, 16.3uli. (WIB. Funkspruch.) 3n dem amtlichen Bericht der Münchener Lisenbahn- direktion heiht es: von den Leichen konnten bisher feflgefleöt werden:

Tilebermeier, Max, Hauptmann bei der Landespolizei Augsburg:

Deif inger, Rudolf, Oberleutnant bei der Landespolizei Augsburg:

Deihler, 3ofef. Friseur. Alpenft rohe, Wohn­ort unbekannt.

Unbekannte Leichen: eine weibliche Person (Leiche trägt weihe» Kettchen und Fingerring mit totem Stein): eine männliche Person, 30 bis 40 3ahre, verkohlt: eine männliche Person, 20 bis 30 3ahre alt (trägt Siegelring); eine weibliche Person, etwa 20 3ohrc alt (verheiratet, trägt Ehering); eine weibliche Person, etwa 50 3cchre alt

Der au» dem Wagen gerettete Wäscherei besitz« Gottfried Rebele au» Augsburg ist sofort noch Ueberführnng in bas Krankenhaus gewor­ben. Al» verletzt wurden noch den bisherigen Fest­stellungen dreizehn angegeben. Ein verletzter hat eine Gehirnerschütterung erlitten, die übri­gen weisen weniger schwere Verletzun­gen, nur Prellungen und Kopfverletzungen, auf. Auherdem hat sich eine Anzahl von Reisenden wegen leichterer, änherllch nicht feststellbarer Ver­letzungen bei ber Bahnbirektion München gemelbef. Auch einige Leute, bie bei ben Rettungsarbeiten be­teiligt waren. Beamte ber Eisenbahn und der Sani­tätskolonne und Feuerwehr, haben durch die Rauch­en twickelung Schaben genommen, lieber bie Ursache bes Unglückes kannten bie im Gange besinblichen Erhebungen bisher keine Klarheit schassen.

in dem Augenblick. In dem die deutschen So­zialdemokraten in den Dölkerbund ein­träten. könne man doch Paul-Dvncour nicht ausschliehen. Romens der Rorddepartements- Delegation sprach sich ein Redner ebenfalls ge - a e n die Anwesenheit Paul-Doncours im Völkerbund aus. Er erklärte ferner, es sei gewih, dah die Entwaffnung Deutschlands der allgemei­nen Abrüstung habe vorauSgehen müssen. Es sei aber auch gewih. dah

die deutsche sozialdemokratische Regierung noch lange auf den schlechten Millen der französischen Regierung flohen werde, auch hinsichtlich der Räumung de» linken Rheinufert».

Es gehe nicht an, dah man in Genf eine andere Haltung einnehme, als auf dem Sozialistenkon- grch in Frankreich.

3m Verlauf ber Nachmittagssitzung wurde die De­batte über bie auhenpolitis chen (SJrunb- sätze ber Partei unter stellenweise stürmischen Aus­einandersetzungen zwischen den Anhängern der ver­schiedenen Richtungen fortgesetzt. Eine Reihe von Rednern kritisierte im Zusammenhang mit dem Fall B 0 nc 0 ur weiterhin die Völkeroundspoli- t i k der f ra nzösischen Regierung. U. tu führte Zyroms ki aus, daß die ganze Politik der französischen Regierung nur auf den Abschluh kleine­rer Militärbündnisse gerichtet fei, die die Kriegs- gesahr nur erhöhten.Wir find", so fuhr er fort, nicht gegen ben Völkerbund, aber wir möchten, dah der Parteitag anerkennt, daß ein Sozialist gar keine Regierung vertreten kann, deren Politik mit der- jenigen der Sozialistischen Partei vollkommen unver­einbar ist." Rach längeren erregten Diskussionen brach der Abgeordnete Grumbach eine Lanze für Paul-Boncour. Er erinnerte an die, wie er sagte, außergewöhnlichen Umstände, unter denen Breitscheid von seiner Partei zum Vertreter der Reoierung in Genf bestimmt worden fei, wo fein Auftreten der eadx der deutsch-französischen Ver­ständigung unschätzbare Dienste geleistet habe.

Bezüglich ber Räumung des linken Rheinufers erkannte Grumbach an, bah bie Partei diese Räumung auf ihr Programm gesetzt habe, wies aber darauf hin, da^ sie gleichzeitig die Rot- wendigkeit einer internationalen Kontrolle der antimilifarifterten Zone betont habe.

Schließlich ergriff Paul-Boncour selbst bas Wort und erklärte, er wolle einen Warnungsruf vor der Gefahr einer übereilten Revision der Friedensoerträge erheben. Der Partei­tag und die Internationale hätten sich mtt ber Frage

dieser Revision bereits beschäftigt und seien von ber damit verbundenen Gefahr überzeugt. Paul-Bon- cour wiederholte sein bekanntes Argument, daß der Dölkerbund demokratisiert werden müsse und daß auch die Mitarbeit eines Sozialisten in Genf seinem Lande und der Sache des Friedens Dienste leisten konnte. Sodann sprach er die Ueberzeugung aus, daß die Abkommen von Locarno logischerweise zu einer Begrenzung der Rüstungen in den beteiligten Ländern führen müssen und auch führen werden.

Zu Beginn der heutigen Sitzung des Rattonal­rates brachte ein Delegierter eine Tagesordnung em, dah durch den Wahlsieg der deut­schen Sozialdemokratie allen sozialisti­schen Parlamentariern zur Pflicht gemacht werde, für die sofortige Räumung des Rheinlandes einzutreten. Daraus entspann sich eine lebhafte Diskussion über die gegenüber dem Dölkerbund einzuschlagende Politik. Schließlich wurde eine Resolutton Saure an­genommen, die sich bezüglich des Völker­bundes für dessen Demokratisierung einsetzt.

Bezüglich der Jriebensoerfräge 0erlangt sie von neuem, dah ber internationale Sozialismus feine gemeinsame Aktion auf bie Revision dieser Ver­träge richten müsse, um ihre Ungerechtigkeiten zu beseitigen und um bie Achtung bes Selbft- bestimmungsrechts der Völker auf einen mög­lichst hohen Grad zu bringen.

Dieses Revisionsverfahren könne selbstverständ­lich nur ein friedliches fern. Es könne in Frankreich keine bessere Dorbereitung geben als die parlamentarische Kritik an allem, was in der diplomatischen Aktion der Regierung durch Geheim Verträge oder Sonder abkomm en zum Aus­druck komme, die die Gefahr mit sich brächten, neue Schwierigkeiten für das notwendige Werk der friedlichen Revision der Verträge zu schaffen. Bezüglich der Abrüstung erinnert die Ent­schließung daran, daß dieses Problem nicht von dem Problem der Sicherheit abhänge, sondern dah aus ber Schiedsgerichtsbarkeit und aus der kombinierten Abrüstung die wirkliche Sicherheit hervorgehe. Schließlich er­innert die Tagesordnung daran, dah die

bedingungslose und sofortige Räumung bes Rheinlandes

im Wahlprogramm der Sozialistischen Partei stehe. Diese fei nach wie vor die unerläßliche Bedingung für eine dauerhafte deutsch-franzö­sische Annäherung, eine Annäherung, ohne die, wie offenbar fei, der Friede Europas und der

Welt stets prekär und ständig bedroht sein würde. Diese Direktiven, so endigt die Entschlie­ßung. seien für alle Vertreter und Abgeordneten der Sozialistischen Partei verbindlich.

Der Rationalrat stimmte sodann über zwei Tagesordnungen, die speziell die Stellung des Abgeordneten Paul-Doncour be­trafen. ab. In der angenommenen Tagesord­nung Saure heiht eS:Der Parteitag vertritt die Auffassung, dah er hier einer tottächttchen Lage gegenüber ft ebt Paul-Doncour hat innerhalb des Völkerbundes eine lobens­werte Person liche Leistung für den Frieden vollbrach t. von der der Sozia­lismus wieder einmal gerne Kenntnis nimmt Die Partei weih, dah Paul-Doncour bei Aus­übung seines Mandates keinerlei Mission über­nehmen wird, die die Gefahr in sich schließt, seine Tätigkeit in Widerspruch zu der Politik der internattonalen Aktton zu bringen."

Kelloggs Antikriegspatt.

Reuy 0 rk, 14. Juli. (WTD.) Wie .Herald and Tribüne" aus dem Svmmerausenthalt des Präsidenten Evolidge melden, hat der Prä­sident. der durch Staatssekretär Kellogg so­fort von dem Eintreffen der Zustimmung Deutschlands zu dem Antikri eg Spakt verständigt wurde, seiner Genugtuung dar­über Ausdruck gegeben, dah die deutsche Ant­wort s 0 rasch erfolgt und in s 0 sympathi­scher Form abgefaht ist. Der Präsident er­blicke hierin, sowie in ber französischen Zusage, einen ermutigenden Fortschritt, der ihn in seinem Bestreben, den Vertrag baldmöglichst dem Se­nat vorzulegen, unterstützen werde.

Wie der Washingtoner Korrespondent der »Rew Pork Times" meldet, ist das Staats­departement der Meinung, dah im Falle einer normalen Abwicklung der Verhandlungen der Antikriegspakt nächsten Oktober In Paris unterzeichnet werden wird. Es ift noch nicht sicher, ob Kellogg der Unter­zeichnung wird beiwohnen können.

Großes Optimismus in England.

London, 14. Juli. Wie der Amtliche Bri­tische Funkspruch meldet, herrscht in amtli chen englischen Kreisen über das Zustande­kommen des Kelloggpaktes großer Opti­mismus, nachdem die deutsche Antwort an Kellogg und auch Frankreichs Bereitwilligkeit