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Oer Oonezprozeß.

Moskau 15. 3unL (W.T.B.) 3n den Ver­neinungen der AnaeUagten De ter und Bra­tanow s k i im Dchachchprozeß spielten die so­genannten Kommandierungen für OrganisationS- plähe eine grob* Rolle. Die Aussagen dieser Angctlagten ergänzen sich zu einer Anklage gegen das Au-lanL. erwecken aber in dem objektiven Zuhörer die lleberzeugung. daß eS den Ge­nannten weniger um ein reuiges Bekenntnis der faktischen Schuld zu tun ist alS Zxmim, gewifsermaßen durch ein älebergeständ- niS die Aachsicht des Gerichtshofes zu gewinnen. Ramenilich Bratanowsii, der in geradezu schamloser Weise neuerdings die Beteiligung deutscher Firmen an den Schachth-chlmtrieben und zwar unter voller Ra- mensnennung der Firmen AEG . Siemens. Eyck- Hos. Knapp erwähnte, ohne trotz entsprechen­der Anfrage vom Vorsitzenden auf die Rot- Wendigkeit oder Möglichkeit, sich in geschlossener Schung zu diesem Thema zu äußern, hinge- wiesen zu werden, machte bei aller schauspie­lerischen Ruhe den Eindruck eines moralisch zu- sammengeorochenen Menschen, dem eS gar nicht darum zu tun ist. zur Ermittlung der Wahrheit beizutragen. Er schreib vielmehr nur bestrebt zu sein, sich als Opfer der Verführung ausländischer Organisationen hin- zustellen, die in Erwartung deS Zusammenbruches des SowjetrcgimeS Gesinnungsgenossen aus alter Zeit in Rußland kauften, um die Unversehrt- beit ihreS einstigen Grubenbesitzes zu erhalten und den Boden für eine 3ntervention vorzu- bereitem

Die bisherigen Prozeßoerhandlungen gegen die 63 angetlagten Donez-Ingenieure haben drei Grup- pen von Angeklagten ergeben: Geständige, teilweise (beständige und sich als unschuldig Bezeichnende. Zur zweiten Grupp« gehört u. a. der deutsche Mon­teur Bodstieber, von der Firma Knapp, dessen Staatsangehörigkeit noch zweifelhaft ist, da er an- gab, der österreichischen Armee angchört zu haben. Die beiden anderen Deutschen, Otto und Meyer, haben von vornherein alle Beschuldigungen zurück- gewiesen. Biele der Angeklagten, die sich vor dem Untersuchungsrichter angeblich als teilweise schuldig bekannten, haben im Verlauf der öffentlichen Ver­handlungen diese angeblichen Geständnisse wider­rufen. Das Gericht befaßte sich bisher hauptsäch­lich mit der Tätigkeit der Angeklagten im Doncz- gebiet selbst. Nunmehr soll bie Verhandlung der angeblichen Berschwörerzentrale inChar- kow und Moskau und ihrer Beziehungen zum Auslande, erfolgen. Dor allem soll ermittelt wer­den, woher die finanzielle Unter st ützung der Organisation erfolgte und welche Beziehungen mit den früheren Grubenbesitzern in Polen und Frankreich bestanden. Dec ehemalige Grubenbesitzer Dworschantschik, der jetzt in Polen weill, soll angeblich Anweisungen zur Ersäufung der Gruben gegeben haben. Die Derhandlung der Beziehungen der Angeklagten zu den polnischen und französischen Konsulaten, durch deren Vermitt­lung die Gelder beschosst worden sein sollen, ist auf Protest der verdächtigen Staaten zurückgestellt wor­den und wird voraussichtlich unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erfolgen. Die Verneh­mung der deutschen Angeklagten soll ganz zum Schluß des Prozesses erfolgen. Nur Dadstieber ist bereit» jetzt vernommen worden, weil er in die Grupve der teilweise Geständigen gehörte. Die un- fiewöhnlich scharfen Ausfälle Badstiebers gegen eine Firma, geaen das deutsche Unternehmertum und den Kapitalismus im allgemeinen, haben eine gewisse Hochspannung gezeitigt. Zur Freude der l Staatsanwaltschaft begründete er seine unoeheuer- lichcn Aussagen damit, daß er al» Arbeiter ' cor einem Arbeitergericht stehe. Der , u. a. darau» hervor, daß nicht nur die Firma Knapp, Ingenieur S e e b o l d in Charkow ist bereits nach Moskau unterwegs, um den Aussagen Dodstiebers entgegenzutreten und seine Firma zu rechtfertigen. Wie unhaltbar die Aussagen Badstiebers sind, geht u. a. daraus hervor, daß nicht nur die Firma Jtnapp sondern auch die Arbeiterschaft derselben kürzlich erklärt haben, daß die nach Rußland gelie­ferten Maschinen au» genau dem gleichen Material und ebenso sorgfältig hergestellt wur­den, wie die nach England, Frankreich und Belgien gelieferten. Don keiner anderen Seite seien bis­her Beanstandungen dieser Maschinen eingelaufen.

Oie Ranking-Regienmg.

Flaggenwcchsel der diplomatischen Vertretungen.

Washington. 15. 3uni. (WB.) Der hie­sige chinesische Gesandte Alfred S z e wurde von der südchinesischen Regierung beauftragt, hier als bevollmächtigter Vertreter zu fungieren. Dze nahm diesen Auftrag an und verständigte daS Staatsdepartement, welches von der Mitteilung Kenntnis nahm. Dze. der ame­rikanische Schulen besucht und auf der Uni­versität (Sorten studiert hat. ist hier allgemein beliebt. 3m Staatsdepartement wurde ange­deutet. daß er persona grata sein würve. sobald die Ranking-Regierung von 'Amerika a n - erkannt sei. Hierüber werde jedoch noch eine gewisse Zeit vergehen, und bis dahin werde die amerikanische Regierung, wie seU Mai 1926, mit dem jeweiligen Machthaber in Lhina über die jeweils akuten Fragen verhandeln. Der kürzlich hier eingetroffene Spezialgesandtc der Muomintang. W u. der hier gegen 3a- pans Vorgehen in Dchantung und der Mand­schurei Protest eingelegt hat. wird demnächst nach Shina zu rückt ehren. Sine offizielle Stellungnahme der amerikanischen Regierung zu' dem Protest wird, wie verlautet, nicht erfolgen. Man nimmt hier vielmehr an. daß die Lage in Rordchina durch den von anderer Seite demen­tierten Tod TschangtsolinS sich wesent­lich geändert habe und daß größere Komplika­tionen nicht mehr zu erwarten seien.

Nachdem bereits auf dem Gebäude der chinesi­schen Gesandtschaft In Washington die Flagge der Ranking-Regierung gehißt worden ist, wird nun auch die chinesische Gesandtschaft entsprechend den Anweisungen der Ranking-Rc- gierung handeln. Di« 'Verzögerung der Maß­nahme in Berlin erllän sich daraus, daß die telegraphische Anweisung der Ranking-Regierung, die im übrigen allen diplomatischen Ver­tretungen EhinaS in der Dell zugegangen ist. in Berlin mit großer Verspätung etniraf. Das Hissen der Flagge selbst bedeutet, wie uns von der Desarrdtschaft mitgckilt wird, demnach kei­nen Akt der Anerkennung der neuen Regierung, sondern ist lediglich die notwendige

Amnestieanträge im Reichstag.

Das Parlament vertagt sich bis zar vollzogenen Kabinettsbildung.

Berlin, 15. 3unL (V. D. Z.) Auf der Tagesordnung stehen die Amneftieanträge der Kommunisten, der Deutschnationalen und Aa- tionalsozialisten. Der kommunistische An­trag fordert Amnestie für alle Straftaten, die auS politischen Beweggründen begangen worden 'ind. Ausgeschlossen sollen nur Personen sein, die sich an den Mordtaten oder Mordverschwö­rungen der Schwarzen Reichswehr, der Organi­sationen Konsul, Roßbach und der bayrischen Einwohnerwehr und der Reben- und Hilfs­organisationen der vorgenannten Verbände als Täter, Anstifter, Geldgeber oder Gehllfen be­teiligt haben. Die Anträge der Deutsch- nationalen und Rationalsozialisten stimmen fast wörtlich überein. Sie wollen von der Straffreiheit Personen ausfchliehen. die we­gen Landesverrats oder wegen Verrats mili­tärischer Geheimnisse Dcr-rteiÜ sind, wenn in den Urteilsgründen Eigennutz oder gewinn'üchtige Absicht festgestellt ist. Der deutschnationale An­trag unterscheidet sich vom nationalsozialistischen nur dadurch, daß er auch die Tilgung der Ver­merke über die nach diesem Gesetz erlassenen Strafen im Strafregister verlangt.

Abg. Höllein begründet den kom­

munistischen Antrag. Um den Sozialdemokraten die Möglichkeit zum Ausweichen zu nehmen, hätten die Kommunisten in ihrem neuen Antrag ausdrücklich die Fememörder ausgenommen: jetzt müßten die Sozialdemokraten zeigen, ob sie ihr feierlich gegebenes Versprechen halten wollen durch Annahme her kommunistischen Anträge.

Abg. Dr. Gverlintz (Dn.) empfiehlt den Antrag der Deutschnattonalen zur Annahme. Hinter diesem Antrag ste-e da- ganze nationale Deutschland. (W:d:r vruch und Zurufe von linkS.) Der Redner verweist auf die Feststellungen des Stettiner Gerichts i n Klapproth-Pro^. Daraus ergebe sich, daß von Fememord nicht gesprochen werden könne, sondern daß es sich um die natio­nale Rotwehr gec.cn Derr i ter gehandelt habe. Mir ist es eine Ehrenpflicht, am 15. 3uni. dem Tage, an dem unser regierender Kaiser ...... (Große llnruhe und Lachen links.) Ein Mitglied der so ia'demokratischen Regierung Braun, der Kultusminister Dr. Becker, hat seinerzeit erklärt: ^Deutschland und der Kai er sind eins!" (Höril Hort! rechts, Lachen und Unruhe linkS.) Wir gedenken in Liebe und Ver­ehrung unseres Kai ers. (Händellatschen rechts, Unruhe links. Abg. Kuhn (Soz.) ruft: . Fürsten­knecht!" und erhält einen Ordnungsruf.

Abg. Dr. Frick (Aalsoz.): Durch die Schuld der Sozialdemokraten und des bürgerlichen Schleims der Mitte ist die Amnestie bisher verhindert worden. (Ruse linkS: Da hat wohl Höllein sein Manuskrrpt liegen lassen!) Wenn Hergt ein Mann wäre und nicht bloß eine Bureaumaschine, bann hätte er längst die nationa­len Männer freilassen müssen, die wegen der Unschädlichmachung von Verrätern im Gefäng­nis sitzen.

Abg. Landsberg (S.): Wir nchmen heute denselben Standpunkt ein, wie im März d. 3. Wir wollen einen Strich machen unter die Straf­taten und Verfolgungen auS der 3nflationSzeit. aber wir müssen eine Ausnahme machen mit Mord und Totschlag. Wir wollen nicht den Meuchelmord als politische- Kampfmittel zu- lassen. Wir wollen die Amnestie auch ausdehnen auf die Straftaten, die auS sozialer Dor heraus geboren wurden.

Die Anträge werden hieraus dem RechtSauS- schuß überwiesen.

2ll>g. Esser (Z.) begründet hieraus einen Zentrumsantrag, zur Desseruna der Rot­lage in den westlichen und östlichen Grenzgebieten die sofortige Auszahlung der im Grenzsonos für 1928 bereitgestellten Mittel zu veranlassen. die durch die Grenzziehung ent­standenen Schäden baldigst abzugelten und wei­tere Hllfsmaßnahmen vorzuberctten.

Abg. David (Soz.) ctl.äd nch mit dem An­träge durchaus einverstanden, da der Rot in den Grenzgebieten baldmöglichst und nachhaltigst ab- geboten werde: müsse. Da indessen noch leine Regierung vorhanden sei und der Reichstag noch nicht in der Lage sei, bie Verhältnisse zu prüfen, schlage er eine lieberweisung des Antrages an den Ausschuß vor. Es müßten auch solche Ge­biete verücksichllgt werden, die nicht unmittelbar an bet Grenze lägen.

Abg. Dr. v.Dryandet (Dn.) fordert neben b:r wirtschaftlichen Denkschrift gleichzeitig eine Denkschrift über die Entwicklung bet Be­satzung-Verhältnisse einschließlich der AuSschrcr- tungen, tec Werbung zur Fremdenlegion und der innerhalb und der außerhalb des besetzten Gebietes lest gestellten französischen Spionagealte. Das ganze besetzte Gebiet sei einig in bet scharfen Ablehnung te: sog. ..äläments stab ".es, bie von allen anderen Absichten geradezu eine Le­galisierung ter ungeheuerlichen französischen Spionage in Deutsch land herbei führen würde. Die wirtschaftliche Rot verlange eine grundsätz­liche Umgestaltung bet gesam.en WirtschaftS- und Handelspolitik. Die Pialz, bie ihre Absatz­gebiete verlöten habe, ersticke unter dem gewal­tigen 3mpoct französischer Produkte. Er bitte dringend, daß bie Denkschrift nicht nur vom Rheinlandministe.iam, sondern vorn -gesamten M.nisterrum eingercicht würde. Es handele sich um eine schwere nationale Gefahr, die Abhil e verlange.

Staatssekretär Schmidt bittet, alle Anträge an den Ausschuß zu überweisen, damit sie dort gemeinsam beraten werden könnten. Für die Westbezirte feien 15 Millionen Mack in größeren Beträgen an die Länder über führt und je nach den praktischen Bedürfnissen verteilt worden. ES bestehe also kein Hindernis für die schleunige Durchführung. Aber es seien noch gewisse andere Hemmungen eingetreten. Die Reichsregierung fei bereit, eine Denkschrift über die Lage der besetzten Gebiete vorzulegen. und auch auf die von Herrn Dr. von Drhander be­zeichneten Fragen näher einyugehen.

2lba. Hepp (Chr.-Rat. Bauernp.) spricht über die Rotlage im Westen, die durch daS willkür­liche Bauen der Desatzungsbehörden zu mili­tärischen Zwecken hervorgerufen werde. Man müsse das Land, das dem Bauer gehöre, dem Dauer toiebet xurüdgeben. Ohne eine tzroßzügige Steuer- und Kreditniederschlagung könne man der Rot bet Winzer nicht steuern. Wir werden dafür sorgen, daß bie neue ReichSregierung das von einer anderen Reichsregierung geschaffene landwirtschaftliche Rotprogramm auch zur tat­kräftigen Hilfe der Landwirtschaft durchführt.

Die Anträge werden an den HaushaltSaus- fchuh überwiesen. Um 6,15 llhr erbittet und erhält der Präsident die Ermächtigung, die nächste Sitzung crnzuberaumen, wenn die neue Regierung gebildet ist.

Folge der Verschiebung der Machtverhältnisse im chinesischen Reiche. Es zeigt dies jedoch, daß die Ranking-Regierung nunmehr vollkommen in die Rechte der chinesischen Zentralre­gierung eingetreten ist und sich als die chinesische Regierung betrachtet.

Oie Ablehnung des revidierten Gebetbuches. Tie Haltung des britischen Unterhauses.

London, 15. Juni. (TU.) Die Abstimmung über das revidierte Gebetbuch, die mit 266 gegen 220 Stimmen die gestern schon kurz gemeldete Ab­lehnung brachte, bildete eine der aufregendsten Szenen, die das Unterhaus seit längerer Zeit sah. Das Haus und alle Galerien waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Als bei der Stimmenzählung offenbart wurde, daß der auf der Peers-Galerie den Verhandlungen beiwohnende greife Erzbischof von Canterbury auch diesen letzten Kampf verloren halle, wurde ein Bei falls versuch schnell eingestellt und in tödlicher Stille da» Ergebnis verkündet. In der Aussprache halle der Innenminister Joynson Hicks gegen die Vor läge gesprochen, während Churchill sich sehr nachdrücklich für die Annahme des neuen Gebet- buches eingesetzt hatte. Den Abschluß der Aus­sprache blldete ein« Rede Baldwins, der persön­lich seine Zustimmung zu dem Gebetbuch befannt- gab, aber betonte, daß es sich hier um eine Frage persönlicher Entscheidung handele. Das revidierte Gebetbuch stellte nach feiner Ansicht eine angemessene Angleichung an moderne Ideen bar, und gebe der Geistlichkeit die Möglichkeit, sich ihnen anzupassen. Ob das Buch angenommen oder abgdebnt werde, die Kirche werde In jedem Falle grofje Schwierigkeiten zu überroin- den haben, aber die Ablehnung würde diese Schwie­rigkeiten noch vergrößern. Die Erzbischöfe von Canterbury und Pork haben kurz nach der end­gültigen Ablehnung des Gebetbuches durch das Un­terhaus einen Aufruf an die Oeffentllchkeit ge richtet, in dem zur Ruhe und Geduld gemahnt und gebeten wird, sich jeden bösen und unfreundlichen Worte» zu enthalten. Die beiden Erzbischöfe wur­den pcranlaffen. daß der Oeffentlichkeit bald die notwendige Führung von der Kirche gegeben werde. Dazu sei natünid) etwas Zeit nötig. In der Zwischenzeit würden sie beten, daß Gott der Allmächtige helfen möge, seinen Willen richtig aus- zulegen.

Äor der Freilassung der auionomistischen Deputierten.

Paris. 15. 3uni. (WB.) Zu Beginn her heutigen Kamme rfitzung wurde bie Wahl bar beiden elsässischen Abgeordneten Dr. Ricklin imt> Rosst- für gültig erklärt und zwar ohne I Debatte.

Bei der Anklagekammer in Evlmar ist ein Antrag der Abgeordneten Dr. Ricklln und Rosss auf provis oris che Freilassung ringe- gangen. Rach dem Gesetz muh bie Anklagekammer innerhalb fünf Tagen eine Entscheidung treffen. Wie derQuotibien schreibt, haben sich bie elsässischen Geistlichen, ber päpstliche Runtius, die Abgeordneten und bie Minister verständigt. Es ist fein Hindernis vorauszusehen. Dr. Ricklin und Rosse werden Anfang kommender Woche in Freiheit gesetzt werden und Ende der Woche an den Beratungen ber Kammer teilnehmen.

Oie Nordschleswiger Sammlungsbewegung.

Apenrabe, 15. Juni. (WD.) Der Führer der deutsch-dänischen Sammlungsbewegung, Lei, und sieben Deutsche und Dänen wurden gestern nach­mittag vorn dänischen König auf feiner Jacht Dancbrog in Audienz empfangen. Lei wies in einer Ansprache auf die Forderungen und Wünsche der Bewegung yin, die von den dänischen Staatsministern abgewiesen und nicht ein­mal in Erwägung gezogen worden sind. Der König erwiderte, er könne eine bestimmte Ant­wort nicht geben, da Regierung und Reichstag in dieser Frage mitzusprechen hätten; er freue sich aber, daß die Herren sich vertrauensvoll an ihn gewandt hätten und danke ihnen dafür. Die Abordnuna war von dem Empfang sehr befriedigt und be­tonte, rote angenehm der Gegensatz zwischen der wohlwollenden Hallung de» Königs und dem ab­weisenden Tone bes Staatsministers berührt habe.

Amundsens Hilfsexpedition.

Mit einem französischen Wasserflugzeug von Lpitzdergen aus.

Paris, 16. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der fron- zöfische Flieger (3 u i l b a u b , ber mit einem großen Wasserflugzeug, das ursprünglich für den Trans- ozcanslug beftimmt war, sich an den Versuchen, No- bilc zu retten, beteiligen wird, wird heute vormittag gegen 9 Uhr ft a r t e n , um zunächst nach Bergen zu fliegen, wo Amundsen an Bord gehen soll. Außer G u i! b a u b werden sich an Bord befinden der Marineleutnant Decuveroille sowie ein Ra- diotelegraphist und ein M e ch a n i k e r. Don Bergen aus, wo Amundfen alle Vorbereitungen für die Ausrüstung de» Flugzeuges zum Norbpolslug ge­troffen Haden wird, führt die zweite Etappe noch Spitzberaen.

Amundfen erklärte, daß er versuchen werde, soweit al» irgenbmöglld) nach Norden oorzu- bringen. Morgen abend werde er nach Bergen abreifen. Wenn das Flugzeug genügend Benzin an Bord genommen hat, werde er nach Xromfoe fliegen, wo der Proviant vervollständigt und Be­triebsstoff nachgefüllt werden soll. Don Xromfoe gehe bann der Flug nach Kingsbay. Denn wir

auch, so erklärte Amundfen, rom Detter abhängig sind, so werden wir doch fobalb als möglich von Kingsday, unserer Operationsdasis auf Spitzbergen, aufbrechen, um Nobile zu suchen. Wir sind nicht imstande, auf dem Eise zu landen, aber wenn mir Menschen in der Nähe von offenem Was- s e r finden, werden wir sie an Bord nehmen. Andernfalls werden wir Proviant und die von No- btle verlangten Ausrüstungsgcgenstände abwer - f e n. Der große Aktionsradius ber französischen Ma- ichine wird un» die Möglichkeit geben, eine ö st - liche Flugroute zu verfolgen, um einen Teil der verunglückten3talia* zu suchen Die Au»- rüsmngsgegenstände werden in Oslo beschafft »er­ben. Leutnant Dietrichson wirb un» bi» Spitzbergen begleiten.

Bergarbeiterentlassungen im Huhrbergbau.

Recklinghausen. 15. 3unt (WB.) Heute fanden hier im Beisein aller beteiligten Stellen Verhandlungen wegen Einschränkung des Betriebes auf den Schachtanlagen der Zeche .General Blumenthal" statt. Es sollen insgesamt bis zu 653 2eut* jjx t (a f f e n werden. Auf der Zeche .Schläael und Eisen" wurden ebenfalls Verhandlungen zwecks Entlassung von Bergarbeitern geführt. Hier sollen bis zu 553 Bergleute ent­lassen werden. Die endgültige Entscheidung liegt jetzt beim Regierunaspräfidenten. Den 1030 Bergarbeitern, die auf der Zeche .ilnfee Fritz" entlassen werden sollen, ist h.-ute die Kündigung zugestellt toor'en. Die endgül­tige Entscheidung des Demobilmachungskommis- sars steht aber noch aus.

Oie Dresdner Tagung des O. H. D.

Unter großer Drie.ligung der Verbands- Mitglieder Deutschlands und des Auslandes fand in Dresden der V'rbandstaz des Dru.^natio­nalen HandlungsseZil en-Derbandes statt. DaS Qkrttxiltuna8milgliej Max Habermann, Ham­burg. sprach über bie Deru ung der Kaufmanns- acbil en zur nationalen Bildung. Seine Aus­führungen klangen aus mit dem Wunsch, daß die vom Derbandslag beschlossenen Maßnahme -, wo­nach in allen Ortsgruppen Verba:.d. Heime zu er­richten sind, eine wesentliche Vert e ung dec Bil­dungsarbeit des Verbandes he.bei ühre. Die Re.chStagsabgesrdne.en Lambach (Dn.) und Gerig (Zentr.) sp.achen über die Ä.e.lung des Verbandes im politischen Leben. Dazu ist be­merkenswert, daß der par.e pokitisch-neutrale Kurs deS Verbandes toc'te- ausrecht erhalten bleibt. Am Sonntag sprach Un ZirkuS Sarralani unter starker Anteilnayme dec Oeffentlichkeit vor etwa 5500 Besuchern zunächst Georg Brost, Mitglied deS Reichswirtlchaltsrats, über das Be- rufsauSbildungsgesetz unb die Lage der älteren Anaestellten. Bedeulnnasvsll war darauf die groß angelegte Rede deS Derbandsvorstehers Hans Bechlh. Er setzte sich auseinander mit den [eutijen S'.aatSverhälttnssen und führte weiter auS, daß im nationalen Mythos die leben­digen Kräfte des deutfchen Dolles lebendig sind, daß nur daraus die soziale Frage und die sv- zicAc Rot gelöst werden könne. Ss sei bas Höchste des Verbandes, daß er die deutschen Männer mit sittlicher Kraft erfülle und Führernaturen er­ziehen könne, die sie zur Tragung und Dereik- willigkett dec letzten Verantwortung fähig macht. Unter der sehr großen Zahl der Ehrengäste bei der Kundgebung Im Zirkus seien u. a. ge­nannt : Reichswirtschaftsminister Eurtius, ReichSverkehrSminister Koch und der sächfifche Arbeitsminister Elsner. DaS Erscheinen deS Ministers SurtiuS war um deswillen bedeutungs­voll, weil unter ihm der Entwurf des Berufs- ausbildungSgefetzes entstand. 3n seiner Bearü- hungsansprache ging der Herr Minister näher darauf ein.

Die Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Wettere» Vorbringen kühlerer Luft hatte eine Zu­nahme ber Auffrischung zur Folge. Do ber kühle Jlorbroeftluhftrom nach Deutschland hin noch besteht, bleibt bae Wetter bei wechselnder Bewölkung mäßig warm, jedoch dürften die Niederschläge weiter ab- nehmen.

Sorau»fage für Sonntag: Zeil» wol­kig. teil» aufheitemb, ohne stärkere Temperatur» änberung. Noch Neigung zu einzelnen leichten Nie­derschlägen.

Lufttemperaturen am 15. Juni, mittags 12,5 Grob Eelsiu», abend» Ä3 Grad Celstu»: am 16 Iunü moroen» 10^ Grad Celsius. Maximum 17,5 Grob CTelfui», Minimum 2,4 Grad Celsiu». (Erbtempera- turen am 15. Juni: abend» 17,4 Grad Celsius: am 16. Juni morgen» 12,4 Grad Celsius. Nieder- fchläge 1^ Millimeter. Sonnenfcheindauer 2H Stunden

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