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Nr. HO Lrftes Blatt

178. Jahrgang

Samstag, 16. Juni (928

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr Fnedr. DUH Lange. Deranrwortlich lürDohtiii Dr Jr DUH Lange für Feuilleton Dr H stdyrwt, für den übrigen Ted Lrnft Dlumfchem, für ben An» |etgenteil Hurt hillmann, lämtlid) in Diesten

Wirischafiswende?

Daß sich tn der deutschen Wirtschaft, ebenso wie in der anderer QIaHonen, ein Tims chich- tungtproAef) von außerordentlicher Be- öcutuna vollzieht, ist ja schon seit geraumer Zett nicht mehr das Privatgeheimnis deS Wis­senschaftlers. Die außerordentliche Lebendigkett. mit der sich saft alle Kreise und Schichten deS deutschen Dolles an der Erörterung der Kar- tellgefetzgebuna etwa oder anderer Probleme, wie des Schlichtungswesen- usw. beteiligen, zeiat doch, daß mindesten- da- Gefühl für die tech­nische und geistige Revolutionierung der Wirt­schaft ganz allgemein vorhanden ist. Alle diese Erörterungen drehen sich im wesentlichen um die Frage, ob es möglich ist, die freie Wir 5- schäft in der Form, wie sie der Deginn des industriellen Zeitalters, das 19. Jahrhundert, geboren hat, ausrecht zu erhalten, oder ob nach neuen Formen gesucht werden must. Da- Problem ist im Grunde durch gewisse Folgeer­scheinungen der politischen Revolution bei uns. wenn auch unzulänglich und durchaus unbefrie­digend. dahin entschieden worden, daß es eine freie Wirtschaft tn dem Sinne, wie sie noch zu Deginn unseres Jahrhunderts aufgefaht wurde, nicht mehr gibt. Wir zählen hierunter bei- fpielsweis» da- Detriebsrätegeseh, das Schlich­tungswesen und andere Maßnahmen sozialer oder picudosozialer Art. durch die die Entwicklung der Wirtschaft selbst zweifellos in hohem Grade vorweg beeinflußt und in die Richtung gedrängt worden ist, die sie jetzt eingeschlagen hat. ES ist aber auch nicht au leugnen, daß sich schon feit Ende des vorigen äahrhundertS In der deutschen Volkswirtschaft Tendenzen geltend gemacht haben, die aus dem Stadium der absoluten Ungebunden­heit und Freizügigkeit. auS dem Stadium der ungehemmten naturhaften Entwicklung hinüber­leiten tn ein muc» Zeitalter der WirtschastS- aebundenheit. Die ersten Anfänge der Stjn- dizierung und Kartellierung einzelner Wirt­schaftszweige liegen ja auch bei unS schon tn der Vorkriegszeit, und Amerika ist auf dem Gebiete der Vertrustung trotz aller gesetzge- berifchen Gegenmastnahmen Europa um ein gut Stück voraus.

Der erste, der versucht hat. diesen Gang der Ding« wissenschaftlich zu erfassen und auS ihm die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen, war der bekannte englische Rationalökonvm 3. HL Keynes, der schon vor annähernd zwei Jahren daS damals berühmt gewordene Wort vom .End« des hisscr faire gesprochen hat. 3hm ist nun jetzt der Kölner Betriebswirtschaftler Professor Schmalenbach gefolgt, dessen be­kannte Gutachten über die Lage im deutschen Braunkohlen- und Steinkohlenbergbau in der Oeff entrichtest einen lebhaslen Meinungsstreit, der auch stark auf daS politisch« Gebiet hinüber- spielte, ausgelöst haben. Schmalenbach hat dieser Tage aus einer Tagung der deutschen Betriebs­wirtschaftler in Wien eine Rede gehalten, die die clllerstärkste. Beachtung bei unS verdient. Er erklärt nämlich darin mit ganz dürren Wor­ten. dast daS Zeitalter der freien Wirtschaft bei un- vorbei ist, und dast wir uns geradezu zwangsläufig auf dem Wege zu einer ge­bundenen Wirtschaft befinden, dast eS also nicht mehr in der Hand unserer Wirtschafts­führer liegt, ob sie diesen Weg zu Ende gehen wollen oder nicht. Er erllärt unter anderem, dast da-, waS wir zur Zeit erleben, im Grunde genommen nichts anderes sei. als die Erfüllung der Voraussagen des Sozialisten Marr. Und er begründet seine These mit der Verschiebung der Produktionskosten innerhalb des Wirtschasts- betriebeS. Der Anteil der proportiona len Kosten am Produktionsprozeß Löhne. Ma­terialien wird immer kleiner, der Anteil

der f i ff e n Kosten Zinsen, Abschreibungen. Betriebsverwaltung immer größer. Aus dieser Tendenz, die im wesentlichen in der tech­nischen Entwicklung begründet ist, leitet Schma­lenbach einen Zwang zur Produktion ohne Rücksicht, oder wenigstens doch ohne allzu- groste Rücksicht auf die Absatzmöglichkeiten ab, da eS eben bei dem hohen Stand der fixen Kosten selbst bei einem Absatz der Pro­duktion unter den Selbstkostenpreisen immer noch billiger sei, zu produzieren als wenn man die Produktion verringern würde und trotzdem fast die vollen bisherigen Kosten tragen müßte. Sr weist weiter auf Die unzweifelhaft vorhandene Tendenz zur Rationalisierung unterer 3ndustrie in eine übergroße Kavazität hinein hin und gibt zum Schluß der U bc z ug nj Aufdruck, daß wir tn nicht allzu ferner Zeit zu einem Zustand kommen müssen, den auch die Zünfte besaßen: .Die Monopolgebilde der neuen Wirt­schaft müssen ihr Monopol vom Staat empfangen, und auf der anderen Seite überwacht der Staat die Erhaltung der auS dem Monopol ent­springenden Pflichten.

Die Darlegungen Schmalenbachs sind immerhin einigermaßen überraschend, namentlich wenn man sich an den heftigen Kampf, der in der ganzen sozialistischen Presse gegen seine Gutachten ge­führt worden ist. erinnert. Zwritellos enthalten seine Ausführungen sehr viel Wahres, und es ist nicht zu leugnen, daß sich vom Rohstoff her eine immer deutlicher in Erscheinung tretene Tendenz zum Kartell, Trust oder Svndikat hin durch alle Zweige unserer Vollswirtschail hin- durch geltend macht. Hierin Hegt schon ein lehr hohes Maß von Gebundenbeit, das in der Tat sich kaum rückwärts revidieren [affen wird. Cs fragt sich aber doch, ob die Ent­wicklung wirklich bis zu bem Stadium führen muh, daS Schmalenbach annimmt. Praktisch

Die Nominierung Hoovers.

Mit überwältigender Mcchrheit hat der repu­blikanische Parteitag den Handelkninister Hoo­ver zum Präs ident schal tsk and cdaten nominiert. 3n vierzehn Tagen worden die Demokraten ihren Kandidaten nanchast machen, so daß nach einer kurzen Sommerpause in den Vereinigten Staaten der Wahlkamps entbrennen kann. Hoover ist urrs Europäern feine unbekannte Persönlichkeit mehr. Während des Krieges leitete er das bel­gische HilfSwerk. nach dem Abschluß des Waffenstillstandes versorgte er Mitteleuropa mit Lebensrnitteln. 3ahrelang hat er in den Vereinigten Staaten an der Spitze deS HandelSam.teS gestanden und von hier auS aufmerksam Z>le wirtschaftlichen Beziehungen namentlich zum europäischen Kontinent beobach­tet. Seine Stärke liegt unzweifelhaft auf f i - nany und wirtschaftspolitischem Ge­biet insolg dell n war eS nicht ungeschiclt von den Republikanern, ihn aufzustellen, da, falls er ge­wählt werden sollte, durch feine Persönlichkeit eine Garantie dafür gegeben ist. daß bei den künftigen Auseinandersetzungen mit den euro­päischen Schuldnerstaaten die amerikanischen In­teressen gewahrt ©erben. Für eine Anullie- rung der Kriegsschulden, wie sie na­mentlich von Frankreich immer wieder gefordert worden ist. wirb Hoover nicht zu haben fein, ihm find auch schon jetzt vom republikanischen Konvent Dindungen mit auf den Weg ge­geben. DaS bedeutet natürlich nicht, daß Teil« abstriche von den Schuldsummen ebenfalls aus­geschlossen sind. Hoover alS Präsident wird dar­über mit sich reden lassen, dürste aber dabei doch in erster Lime mit dem Reparations­agenten Hand in Hand arbeiten, weil die Lösung des ReparationSprvblems nur in Ver­bindung mit der Regelung der internationalen Kriegsschulden möglich ist. 3m übrigen ist ihm vom Konvent zur Pflicht gemacht worden. alS Präsident die Vereinigten Staaten außerhalb oeSDölkerbundeS zu lassen, die Kriegs- ächtungSpolitik Kellogg- fortzuseyen, sich aber auf maritime AbrüftungSvorschlage nicht einzulassen. Wie die Aussichten HooverS sind, läßt sich natürlich jetzt schwer sagen, zumal sein Gegenkandidat noch nicht aufgestellt worden ist und auch daS demokratische Programm noch aus- steht.

Hoovers (Sieg in Kansas Eiiy.

Eine Botschaft des Kandidaten. Die Bizepräsidcntschaft.

Reuhork, 15. 3uni. (Tel.) Wie schon kurz gemeldet, wurde in KansaS Eith Hoover auf dem republikanischen Kongreß bereit- im ersten Wahlgang getDäbll Cooli dg e er­hielt. obwohl er nicht ausgestellt war. 17 Stim­men. Die Gegner Hoorers. der Senator 2oto­ben, erhielt 74 Stimmen, obgleich er ebenfalls auf feine Ausstellung verzichtet hatte, Cur­tis erhielt 64. Watson 45. Rorris 34. Datoes 17 unb Hughes 4 Stimmen. Rur ein Stimmzettel war unbeschrieben.

Der Abenb der Abstimmung begann damit, daß der Senator Lowden erklärte, nicht kandidieren zu tovllen, weil er glaubte, daß die 3nteresien der Landwirtschaft bei der Wahl keine Rolle spielen würden. Darauf schlug der Vertreter Kalifornien- Hoover zur Wahl vor. Hierauf folgten unbeschreibllche Svenen. 25 Minuten lang ließ man Hoover hochleben und marschierte tor ihm in Reihen vorbei. Dann wiederholten sich diese Kundgebungen weitere 20 Minuten. Es erfolgten dann die weiteren Wahlvor- schläge. die jedoch weiter kein Aufsehen erregten. Einige- Erstaunen rief eS nur hervor, als Coo- l i b g c doch aufgestellt wurde. waS ebenfalls zu Kundgebungen führte, als die Verdienste CoolidgeS hervorgehoben wurden.

Als Kandidat der Republckaner für die Dize- präfidentschaft wurde Senator Maries CurtiS (Kansas) nominiert, da alle anderen vorgeschlagenen Kandidaten außer einem zu­gunsten Curtis' Aurüdtratcn. Vizepräsident DaweS erhielt, obwohl er nicht Vorschlägen war, 13 Stimmen. DaweS hatte am Vormittag die Delegation von 3llinoiS verständigt, et wünsche nicht vor geschlagen zu werden, obwohl er eine Roininierung annehmen würde. sallS die Mehrheit es wünsche. CurtiS. der republikanische Führer im Bundessenal, der un ersten Wahlgang

mit 1062 Stimmen alS Kandidat für die Vize- präscdentfchaft ausgestellt wurde, gilt alS daS Bindeglied zwischen Hoover und dem Mac- Rary-Hoürgen- Zarmblock. Curtis ist tell- toeife von indianischer Abstammung und war tricher einmal 3ockeh.

Die Abstimmung in KansaS City kommt einer großen Rieberlage der Farmer gleich, da auch die Anträge der Farmer auf bevorzugte Behandlung der Landwirtschaft niebergeftimmt wurden. 3n der Botschaft, die Hoover dem republtkanifchen Dattonalkonvent zugehen ließ und die heute verlesen wurde, dankte der republika- nifche Präfidenttchastskandidat zunächst für daS Kompliment, bas ihm bet Konvent durch feine Routinierung erwiesen habe unb betont sodann, tote sehr er alS amerikanischer Bürger auch feinem Geburtslande verpflichtet fei 3n keinem anderen Lande der Welt könne ein 3unge. der in einem kleinen Dorf geboren sei unb ohne Vermögen und ohne einflußreiche Verbindungen feine Laufbahn beginne, mit solch grenzenloser Hoffnung ht die Zukunft schauen.

Unter zwei Präsidenten sei er in ba 6 Kabinett berufen Worten, unb er habe auf diese Weife die Bürde kennen gelernt, die mit dem größten Amt. bas ble Ration zu vergeben habe, verbunden sei. Sine neue Aera habe begonnen; neue Kräfte machten sich im wirtschaft­lichen Leben bemerkbar, und biete Kräfte müßten unabläßlich beachtet werden, wenn es gelingen solle, den Wohlstand unb die allgemeine Zu- friebenhcit bes Volkes zu wahren.

Der republikanische Prä idensichastskandidat stimmt bann weiter dem gestern angenommenen Parteiprogramm zu unb erllärt, baß er, falls er im Rovern der gewählt werbe, seine Wahl alS einen Auftrag der Wähler betradjlcn werde, die Wehrmacht auSzubauen. den Außenhandel au fördern, die ameri'ansichen HllfSquellen zu erfchließen unb bic amerikanischen Arbeiter, Farmer unb Geschäftsleute gegen b i e Konkurrenz zu schützen, bie ihnen aus bem AuSlande infolge ber in manchen Ländern herrschenden weniger günstigen LebenSbebingun- gen drohe.

Schwierigkeiten für die Große Koalition.

Hermann Müllers Verhandlungen auf einem toten punkt.

Berlin, 15.3uni. (priv Tel.) Dm Reichstag herrschte gegen Abend der Eindruck vor, daß die Verhandlungen über die Regierungsbildung auch heute kaum vorwärts gekommen sind, daß vielmehr die Stagnation durch ein (Eingreifen des Führers der Deutschen Volkspariei, Dr. 5 11 e fe­rn a n n , auch nicht Überwunden worden ist. Dr. Strefenumn hat nur kurze Zeit mit einigen Herren vom Fraktionsvorstand gesprochen und ist dann wie­der heimgesahren, weil er größeren Anstrengungen körperlich offenbar noch nicht wieder gewachsen ist. Dm Anschluß an diese Besprechung hat sich bann die oolksparleiliche Fraktion erneut mit der Regierungs­bildung beschäftigt, aber nur mit dem Ergebnis, daß sie bei ihren früherenEntschliehvngeo in der preuhenfrage beharrt, von Be­deutung ist in dieser Situation aber, daß anschei­nend zwischen einflußreichen perfönlichkellen der preußischen Fraktionen Fühlung genommen ist mit dem Ziel, doch noch eine Kompromiß­lösung zu finden, die man auf diesem Wege für eher erreichbar hält, weil die vom preußischen 2fii- nisterpräsidenten abgelehnte Pression von Reichs- stellen damit ausgeschaltet ist. Dm Reichstage ver­lautet, daß am Samstagvormittag neue Ver­handlungen des Abgeordneten Hermann Mül­ler mit den llnterhandlungsausfchüssen der für die Regierungsbildung in Frage kommenden Fraktionen stattfinden werden. Man nimmt an, daß bei diesen Besprechungen nun die preuhenfrage zunächst auegefdjaltet und dafür die Klärung des sachlichen Programm» in den Vordergrund gestellt wird. Vie Wünsche der Fraktionen beziehen sich auf das soziale, da» wirtschaftliche und da» Finanzgebiet und umschließen zweifellos noch eine große Anzahl von Melnungsverfchiedenheiten, so daß die Verhandlungen sicher einige Zeit in An­spruch nehmen dürften, lieber da» Arbeit-Programm für die Reichsregiernng ist auch bereit» in Unter­haltungen von Fraklionssührern gesprochen worden. So hat B. Dr. Scholz eine lange Unterredung mit Dr. Koch gehabt, und es wird von beiden Seiten betont, daß sie In durchaus befriedigender Weise verlaufen sei.

was die Verhandlungen der Vorstände der preußischen Koalitionsparteien mit der Laad­tagsfraktion der Deutschen Volkspartei über die Er­weiterung der Regierungsbafi» In Preußen betrifft, so sind nach einer Mitteilung berDort. Zig." ber Führer der preußischen Zen- trumsfraktion, Abg. Dr. Heß, und der Wohlfahrts­minister Dr. hirtsiefer, der gleichfalls dem Zentrum angehört, telegraphisch nach Berlin zu­rückberufen worden, um an diesen Verhandlungen teilznnehmen. Die Führer der Weimarer Koalition

werden sich vorerst untereinander schlüssig werden und sodann der Deutschen Volkspartei von dem Ergebnis ihrer Beratungen über die Dntcr- prefation der Erklärung über die Umbildung des preußischen Kabinett» Mitteilung machen.

Das Reichsarbeitsministerium.

Begreifliche Zurückhaltung der Lozialdemokratie.

Köln, 15. 3unL (Xil.) Das DezirkSkartell der Christlichen Gewerkschaften Köln teilt mit: .Bekanntlich hat der mit ber Reubtldung her ReichSregierung beauftragte Führer der Sozial- demokratifchen Partei Müller-Franken an Herrn Dr. Braun- bie Bitte um Heber- 'rahme des ReichsarbeltSministe- r t u rn s gerichtet. Diese Tatsache mag für Henn Dr. DraunS ehrenvoll und schmeichelhaft sein, bedeutet aber faktisch für die Sozialdemokratie glatte Ausgabe ihrer bisherigen Agi- tationSmethoden gegen Dr. Brauns unb den Versuch, sich an der Verantwortung zur Leitung deS sicherlich unpopulärsten Mini­steriums vorbeizudrücken. Die Christlichen Gewerkschaften Köln- sind nicht toillenS. ohne Widerspruch diese Absicht zur Tat werden zu lassen. Das DezirkSkartell der Christlichen Ge- werkschasten in Köln hat beispielsweise am feu­rigen Vormittag folgendes Telegramm an den Vorsitzenden des Deutschen Dewerkscha'tSbundes, Herrn Abg. Dr. Stegerwald, Berlin, der ja mitten in den Verhandlungen ber Regierungs­neubildung steht, gerichtet:

»Rach dem von den Sozialdemokraten besonder« gegen Dr. Brauns geführten gehässigen Wahl­kampf und sonstigen Angriffen in der Verwal­tung gegen Dr. Braun- und die Christlichen (3c- wertschasten, bitten Kölns Christliche Gewerl- schasten, das Arbeitsministerium den Sozial­demokraten zur vollen Verantwor­tung zu überlassen."

Auch die Wifffchaftspariei fordert Erweiterung der Preußenkoalition.

Berlin, 15. 3unL (Privattek.) Die Reichs- tagsfrakrion der Wirtschaft-Partei bc- fchästtgte sich heute abend in einer Sitzung mit den Verhandlungen über die Regierungsbildung. Die Fraktion betonte in ihrem Beschluß nochmals ihre grundsätzliche Bereitwilligkeit zur Regierungsbeteiligung. Sie sprach den Wunsch au-, daß auch in Preußen e.ne entsprechende Erweiterung der Regierung erfolge, verlangte aber nicht die Festlegung cincs Termins dafür. Der Fraktion-vorlitzende, Abg. Drewitz, begab sich nach der Sizung zum Abg. Müller-Franken, um ihm die Forderungen vor­zutragen. die die Fraktion im Interesse des Mittelstandes zu stellen hat.

würde das zu einem mehr oder minder ver­schleierten Staatsfozialismus führen, der für Blühen und Gedeihen des Wirtschafts­leben- unterer Auffassung nach das Ende be­deuten müßte. Die Schäden, die Kartell unb Shnbitat schon heute hier und da aufweifen, vor allem der den freien ilntcrncljmergeift start einengenbe Bürokratismus, sie würden dann noch sehr viel schärfer in die Erscheinung treten, als das schon heute der Fall ist. Die restlos durchae.ührte Gebundenheit unserer Wirt- schast, die Schmalenbach erwägt, würde aber auch in ihrer letzten Auswirkung sich gerade gegen die Kreise kehren, die Schmalenbach heute als Kronzeugen für die Richtigkeit ihrer Wirt- schaftsausiaslung anführen: Gegen die Gewerk­schaften. Eine radikale Derwirllichung der For­derungen Schmalenbach- an die Kohlenin­dustrie etwa, mit der er außerordentlich scharf ins Gericht geht, würde bedeuten, daß von heute auf morgen mehrere 103 030 Bergarbeiter brot­los würden. Wir können nicht annehmen, daß

daS der von gewerkschaftlicher Seite beabsichtigte Effekt ist, um so weniger, als erst dieser Tage Zhe Bergarbeiter der staatlichen Gruben im Ruhrgebiet unter allen Umständen das Fest- Halten an dem jetzigen Absatz in das bestrittene Gebiet zur Ausrechterhaltung ihrer Beschäftig gungsmöglichkeit verlangt haben. Schmalenbach fordert aber grundsätzlich Preisgabe dieses Kampfes um die europäischen Absatzmärkte mit der Begründung, daß dadurch Riesenkapitalien ins Ausland wandern, deren angnnessenr Verzinsung auch nach einer etwaigen Preiskon­vention mit den übrigen Kohlrnproduzenten Eu­ropas sehr wahrscheinlich nicht erreicht werden könne. Hemmungslose Hingabe an die Schmalen- bachichen 3deen wäre also im Augenblick außerordenllich gefährlich, namenllich in sozial­politischer Hinsicht.

Trotzdem enthalten seine Darlegungen natürlich sehr viel Richtiges, und wir halten es für absolut notwendig, daß man sich in unseren führenden Wirtschaftskreisen sehr gründlich damit

auSeinanderfetzt. Das gllt nicht nur für alle die Zweige der deusichen Wirtschaft, die. wie beispielsweise die Automobilindustrie sich vor die Frage gestellt sehen, ob sie sich zur Erzielung ihrer WettbetoerbSsähigkeit aus dem Weltmarlt zusammenschtiehen sollen. DaS gilt mindesten- m dem gleichen Grade für die schon vorhan­denen Syndikate und Kartelle, die um einer wirtschaftlichen Detriebssührung willen fi# einmal ohne Ansehen der Person mit der Prü­fung ihrer feststehenden Produktionskosten, mit dem zunehmenden Bürokratismus und anderen Fragen beschäftigen sollten. Wir meinen, daß sie hieran selbst am stärksten interessiert sind, gerade um die Gefahr noch stärkerer staallicher Eingriffe abzuwehren. Die Tendenzen dazu si-nd, wie das der Vortrag Schmalenbachs beweist, vorhanden. Wollen sie nicht selbst Schrittmacher des Sozialismus im Sinne von Marr werden, dann wird es Zeit, daß sie sich freiwillig zu den erforderlichen Reformen entschließen.