den fliegen wir über einer unerforschte ,on< zwischen Sk ihbergen und Zr b ä • £ a n b, 150 bis 203 Me
ter unter dem Nebel. Der Srchttreis reicht etwa 10 Meilen weit. Gegenwinde von etwa 30 Stui-.denlilorneter letzt b;e Geschwindlgleit un» |er i Fahrt au ungeiäh. 50 Kiw.net er herab Sniolgc des Nebels yai «ich am Luftschiff eine b i d e E i s i r u ,t e von br.>ierlenswerler Schwere gebildet. 3m ü rigen ist alles in Ordnung. Bisher haben wir teine Spur von Land wahrgenommen. Tas Padeis ist fester als am Rordlap und scheint für eine De- gchung günstiger.
Ein seltsamer Erlaß.
Tic Reichsgründungsfeiern bedrohen die Staats,or>u derRepuirtik — fagtHerrBraun
Berlin, 15. Mai. (XU.) Die Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei hat im Preußischen Landtag folgende Kleine Anfrage eingebracht: „Nach einer uns uon glaubwürdiger Seite zugcaangenen Mdteilung »st unter dem 21. Januar 1928 fo lge n- der Erlaß des preußischen Ministerpräsidenten Braun an den Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung ergangen:
„Nr. 33 der „Vossischen Zeitung" vom 20. Januar 1928 berichtet, daß der R c k t o r d e r Berlin e r Technischen Hochschule, Geh. Re- gierungsrat Professor Dr. B o o st, in seiner Rede bei der Seiet der Berliner Technischen Hochschule am 18. Januar 1928 folgende Worte gebrauchte: „Nur wenn man einen tüchtigen Knüppel zur Hand hat, kann man bei den äußeren auf Achtung rechnen/' Ich will dahingestellt lassen, ob die Worte des Rektors tatsächlich so lauteten, wie sie von der „Vossischen Zeitung" zitiert werden. Jedenfalls gibt mir die Erwähnung der bedenk- lichen Ausführungen dieses Universltätsprofefsors Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß mir d i e „Reichsgründungsfeiern" preußischer Hochschulen der Republik am 18. Januar jedes Jahres, also an dem Tage, an dem vor der Staatsumwälzung alljährlich die Krönungsfeiern in gle.cher Aufmachung abgehalten wurden, als ein Unfug erscheinen. Magen sie sich auch in jedem einzelnen Falle als Feier des Gründungstages des alten Reiches maskie- r e n, |o tann es doch bei der ganzen Aufmachung dieser Festlichkeiten und der dabei gehaltenen Reden keinem Zweifel unterliegen, daß in Wahrheit mit ihnen beabsichtigt sei, die E r i n n e • rungandieKr ö.n u n g s f e i e r l i ch k e i t e n vom 18. Januar 1871 zu Versailles festzuhalten, d. h. die alten Krönungsfeiern fort- zufetzen. Damit sind sie als ein Versuch der Aufrechterhaltung und Wiedererweckung monarchistischer Traditionen anzusehen. Es muß Aufgabe der Unter- richtsoerwaltung fein, derartig" v e r ft e ck t e Versuche zur Pflege monarchistischer Ueberlicferungen, die sich gegen die bestehende Staatsform richten, niederzu- halten. Ich bitte, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um künftig diese sog. Reichsgrün- Dungsfetern am 18. Januar zu unterbinden und an ihre Stelle würdige, dem Geist der Neu- zeit und der Republik entsprechende Derfas- fungsfelern der Hochschulen am 11. August zu setzen. (gez.) Braun."
Wir fragen: 1. Ist tatsächlich ein solcher Erlaß ergangen? 2. Wenn ja, billigt das Staatsministe- rium oiefen Erlaß, der betreffend die Tendenz der 'Reichsgründungsfeiern fachlich von völlig ir- . rigen Annahmen und Vorausfeßun- 1 gen ausgeht, und der die Rechte der Hochschulen y und ihrer Angehörigen in einer gegen Artikel 118 der Reichsverfafsuny verstoßenden, unerträglichen - Weise e i n z u s ch r ä n k e n sucht?"
Oer Colmarer Auionomistenprozeß.
Dolmar. 15. Mai. (WTB.) MS letzter der Angeklagten wird der Buchhalter der „Wahr- heif. Köhler, verhört, lieber seine Bezrehun- gen zu Ley erklärt er. Ley habe sich in sämtliche Sachen eingemifcht. die ihn nicht- angingen. Die Behauptungen der .Straßburger Neuesten Nachrichten". er fei ein Spion, ein Spitzel, und stehe mit Hindenburg in Verbindung, bezeichnete er alS falsch. ES wird dann daS Verhör der Belastungszeugen wieder ausgenommen, und zwar mit der Vernehmung deS Polizeikorn- miifarS Becker- Straßburg. ÄlS der Zeuge von einem Verlangen von autonomistifcher Seite nach Eigen st aatlichkeit spricht, wird da« Wort .Eigenstaatlichkeit von ihm mit „un 6tat propre“, also mit ..eigener Staat", überseht.
Den Angeklagten Kunstmaler G o l v e e n bezeichnet der Zeuge alS Mitarbeiter deS wissen- schaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer im Neich in Frankfurt. Solveen habe seine Mitarbeiter für seinen auf Nechnnng dieses Instituts berauSgegebenen Mmanach unter den schlimmsten Feinden Frankreich« gesucht. unter den Slsaß-Lothringern im Neich. also den Nenegaten. Becker wirft bann Solveen sein große» Interesse für deutsche Theatervorstellungen vor. worauf Necht«onwalt Berthon fragt, weshalb nicht deutsche Theatervorstellungen avgehalten werden sollten, wo doch auch die Tomödie Fran^aise auswärtige Gastspiele veranstaltete. Decker spricht bann über den deutschen Schutzbund In Berlin, der alle Minderheitenfragen, darunter auch die des Slfaft. bearbeite. Die .Heirnotstimmen" seien über die Schweiz und zwar in Umschlägen von irgendwelchen nicht cfiftlerenben schweizerischen Han- delssinnen nach Frankreich hineingeschmuggelt worben.
Decker überreicht eine au« der .München- Augsburger Abendzeitung" entnommene Karte, die Groß-Deutschland darstellt, und erklärt warnend. daß der Schutzbund mit der Schaffung eine« Groß-'Dcutschlands von 90 Millionen Einwohner r droh.'. DaS wissenschaftliche Institut der Elsaß-Lothringer im 'Reiche in Frankfurt am Main sei 1920 zunächst al« Bibliothek gegründet wordcn. Im Jahre 1921 habe da« Institut dank der Zuschüsse deS Reiche», der Länder und der Städte sich in eine P r v- paganbaftelle umgewandelt. 1924 Hobe die Unüxriität Frankfurt Ihm Bureau- räume zur Verfügung gestellt. Die Autonomie- betoegung habe von dem Institut Direktiven erhalten, die Familie P i nck habe enge Be- ziehungen zu dem Institut unterhalten. — Es wird dann ein Bries von Pinck au» Straßburg vom 15. September 1927 verlesen, in dem cs heißt .Lieber Herr Doktor! Wir müssen alle Zwischenmänncr lSaarbrückens vermeiden, denn
sonst heißt eS gleich: dmrische Propaganda.' — Aul eine Frage Der Verteidigung, ob die Malereien des Herrn Solveen auch a u t o- n o m . ch leien, antwortet der Zeuge Becker unter a einem Gelächter: .Ja". Sin gleiche« Ge ü. : r erhebt sich, al« der Zeug: auf die Frag.- der Verteidigung, was er vo ’ Albrecht Dürer halte, dessen Holzschnitte auch in einem von Solveen auSgeschmückten Almanach zu finden seien, die Antwort gibt: .Albrecht Dürer befindet sich in Berlin."
Der Angeklagte Schall stellt fest, daß daS Programm der Autonomistenpartei, von dem der Zeuge Becker gesprochen hat. niemals erschienen sei. sondern nur ein Entwurf des Herrn Pinck, den dieser auf eigene Kosten habe drucken lassen, und zwar deutlich alS Entwurf erkennbar, nämlich mit freier weißer Seite zur Rieder- schreibung von Anmerkungen. Den Schluß der heutigen Sitzung bildete das Erscheinen de» Belastungszeugen Henri Riehl. 29 Jahre alt. auS Muhlhausen gebürtig
Als der Vorsitzende den Zeugen Riehl vereidigen will, erhebt Rechtsanwalt Berthon Einspruch und weist darauf hin, daß nach den Bestimmungen des Gesetzes Denunzianten nicht vereidigt werden brauchen. Er richte an den Präsidenten die Frage, ob er von dieser Freiheit nicht Gebrauch zu machen «denke. Trotzdem besteht der Vorsitzende auf der Vereidigung des Zeugen. Riehl beschreibt, wie er sich nationalistisch erzogen und na- i tionaliftifd) denkend Eingang in die Kreise der,Lu- I
fünft" verschosst hat und überreicht dem Vorsitzenden zwei Briefkopien, darunter die eines von R»ehl selbst an dcn Geschäftsführer der .^Zukunft", Matter, ge- schriebenen Briefes vom 4. März 1926. Der Brief enthält außerordentlich scharfe Säge, wie: „Der Borbehalt ,im Rahmen Frankreichs' muh [aUen" ober „Die Franzosen sind in unseren Augen häßliche Ungeheuer" oder ,Lm Rahmen Frankreichs ffnben wir niemals unser Hell", oder „Das Elsaß im Rahmen Frankreichs ist ein Utopie". Der Brief strotzt von derartigen Uebertreibungen, mit denen Richl s i ch das Vertrauen des Geschäftsführers der „Zukunft" erwerben wollte. Rechtsanwalt Berthon ruft während der Verlesung in den Saal:„Wir bringen unseren Ad- scheu zum Ausdruck". Riehl bietet sich in einem Briefe auch an, an der Verteilung der Zeitungen der „Zukunst" mitzuarbeiten. Dann wird die Antwort des Geschäftsführers der .Zukunft", Matter, an Riehl verlesen, die Angaben über Preisgestaltung der zu vertreibenden Nummern der „Zu- fünft" usw. enthält.
Gin Asyl für Carol.
Brüssel. 16. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die ,Etoile Delge" er ährt, hat Prinz Earol die Genehmigung zum Aufenthalt in Belgien erhalte unter der ausdrücklichen Bedingung. das; er sich jedes politischen Hervortretens enthält. Er wird in den nächsten Tagen in Brüssel e'ntrcffen.
Oie Parteien im Wahlkampf.
Viereinhalbtausend Reichstagskandidaten.
statistisches zur Reichstagswahl.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin. 16. Mai. Rund 41 Millionen Deutscher werden am 20. Mai auf Grund von Berechnungen, die sich aus Angaben des Statistischen Reichsamtes ergeben stimmberechtigt fein. Bei der letzten Reichslag.wahl im Dezember 1924 betrug die Zahl ber Stimmberechtigten bloß 38 710 000, so daß eingerechnet der 2Q>gänge infolge Todes, rund 2 Vi Millionen Neuwähler hinzukämen. Rechnet man mit einer DurchschnittSbeteiligung an der Mahl von 75 bis 80 Prozent, so würden immerhin 33 Millionen Wähler am kommenden Sonntag ihre Stimme abgebrn. Das bedeutet, wenn fetbft eine Million Stimmen als ungültig abgezogen werben, baß ber neue Reichstag 3 7 Abgeordnete mehr, also im ganzen 5 30 Mitglieder haben würbe.
Sehr auffällig zeigt sich bi« Zunahme der Splitterparteien in einer stark vergrößerten Zahl von Kandidaten gegenüber den Wahlen von 1924. So wirb bie in diesen Taaen erscheinende Kanbibatenliste des Statistischen Reichsamtes wesentlich umfassender alS die gleiche Aufstellung des Amtes für die Wahlen von 1924 sein. Damals wurden 3500 Bewerber für Reichs- tagssihe genannt, während man jetzt mit rund 4 500 Kandidaten rechnet.
Oer Evangelische Bund zur Reichstagswahl.
Der hessische Hauptoerein des Evangelischen Bundes hat einen Ausruf erlassen, In dem es u. a. heißt:
Der kommende Reichstag wird über bedeutsame Kulturfragen (Reichsschulgcsetz, Reform der Ehe- aesetzgebung, Konkordat) Entscheidungen zu treffen haben. Von seiner Zusammensetzung hängt unendlich viel ab für Kirche und Schule, Familie und Ehe, Volk und Staat, sittliches und soziales Leben. Wir weisen mit ganzem Ernst hin auf die schwierige Sage, in der sich die evangelische Kirche und ber deutsche Protestantismus befinden. In unseren Parlamenten aber und seitens der Regierung werden Lebensbelange des evangelischen Volksteils und der evangelischen Kirche viel zu wenig beachtet, ihre Lebensfragen nicht mit dem nötigen Verständnis und Nachdruck vertreten. In diese schwierige Lage ist die evangelische Kirche und der deutsche Protestantismus dadurch gekommen, daß viele evangelische Christen ihreWahlpflichtnichterfüllt haben. Diele evangelische Wähler vergessen, daß Wahlrecht Wahlpflicht bedeutet! Das gilt namentlich auch von den Frauen. Der Evangelische Bund wahrt grundsätzlich allen politischen Parteien als solchen gegenüber seine volle politische Neutrali- t ä t und bleibt demgemäß von der Verbindung mit irgendeiner der politischen Parteien frei. Der Evangelische Bund empfiehlt ober bekämpft deshalb keine Partei als solche. Ebenso grundsätzlich aber hat er die evangelisch-kirchlichen und deutsch-protestantischen Belange zu vertreten. Deshalb sagt der Evangelische Bund: Evangelische Christen, alle, Männer und -Frauen an die Front! Die Reichstagswahl fordert euch alle an die Wahlurne! Zersplittert eure Stimmen nicht! Trekt geschlossen ein für die evangelische Sache! Wählt Männer und Frauen, bie bie Gewahr geben, baß sie innerhalb ihrer Parteien und im Parlament die evangelischen Belange wahren und vertreten.
Landwirtschaft und Handelspolitik.
Line Rede des ReichscrnälirungSminifterS.
Herford, 15. Mai. (Tel.) In einer deutschnationalen Wahlversammlung erklärte Reichs- e r n ä h r u n g S m i n i st « r Schiele u. a.: .Die Denkschrift deS Völkerbundes über Zah» lungs- und Handelsbilanzen nach dem Kriege zeigt uns eine völlige Verschiebung des Welthandel» vom Atlantischen zum Sttllen Ozean. Der Handel Ost- und Mitteleuropas hat gegenüber der Vorkriegszeit um 18 Prozent abgenommen, der Amerikas und Asien« um 37 und 36 Prozent zugenommen. Die De- samthandelSbilanz Europa» ist mit 15 Milliarden. die von Deutschland allein mit vier Milliarden passiv. Die Stoppe der ersten Handelsverträge schließt für un» mit einem fühlbaren Defizit ab Diese Tatsache ist für un» ein untrüglicher wirtschaftlicher Maßstab aber auch ein Fingerzeig für unsere Zukunftsaufgabe. Wir können un« nur durch Heberschuß- wirtschaft von fortschreitender Verschuldung und wirtschaftlichem Zufammenbruch schützen. Wir müssen unser zollpolitilche» System von Grund auf revidieren Da« rücksichtslose und einseitige Bemühen um Meistbegünstigung geht auf Kosten der Landwirtschaft. Auch wir verurteilen über
triebene Zollschuhmauern. In der Herabsetzung der Zölle müssen wir aber angesichts unserer Lage den andern mit ihren überhöhten Zollmauern den Vortritt lassen. Ganz falsch wäre es, wenn wir in der Erwartung, daß andere unS folgen werden, vorangehen, zumal diese wichtige Frage in Verbindung gebracht wird mit den Tributlasten der Dawesgesetze.
Die Reparationen sollen a u S dem lleberschuh der deutschen Wirtschaft gezahlt werden. Der UeberprotektioniSmuS deS Auslandes ermöglicht uns aber nicht die notwendige Erweiterung des industriellen Exporte». Wir können eine Exporterweiterung zur Zeit nur erreichen durch weitere Unterbietung der Preise f ü r Exportwaren, die ohne eine Erhöhung der Inland- preise für deutsche Industriewaren nicht möglich ist und unseren Binnenmarkt, besonders unsere Landwirtschaft, wiederum höher belastet. Dies Rennen der Industrieländer um die Exportmärkte können wir aber auf die Dauer nicht aushalten, weil wir damit von der wichtigsten Grundlage des Staatswesens, der Sicherung der Ernährungsbasis im eigenen Lande, immer weiter abgedrängt werden. Vier Milliarden Reichsmark für Import von Nahrungsmitteln bezahlen, die wir selber erzeugen könnten, muß für Deutschland au unerträglichen politischen Bindungen und letzten Endes zum Niedergang unseres Volkstums führen. Ebenso wichtig wie der Industrieexport, aber leichter durchzuführen, ist für die Gesamtbilanz unserer Wirtschast die Ersparung der NahrungSmitteleinfuhr. Sinsuhrerspa- rung ist sogar noch wichtiger, weil ein Erfolg in dieser Richtung zugleich die beste Grundlage unterer industriellen Betätigung. daS ist der Binnenmarkt mit 85 Prozent Aufnahmefähigkeit für deutsche Waren, stärkt. Also keine Handelspolitik, die nur de« Handel» wegen, der allein nicht produktiv ist. und be» Geschäft» wegen getrieben wird, sondern eine Politik der aufbauenden Nationalwirtschaft.
Eine demokratische Kundgebung in Berlin.
Berlin, 14. Wai. (211.) Die Deutsche Demokratische Partei patte Montag abend zu einer Massenkundgebung in den Sportpalast eingeladen. Nach einem Vortrag des Grafen Dernstorsf über die deutsche Außenpolitik ergriff der Partei- vorsitzende Abgeordneter Koch-Weser da» Wort über die Schaffung des Einheitsstaates. Das gegenwärtige Nebeneinander. Gegeneinander und Durcheinander bet Behörden hindere jeden Fortschritt. Dec Redner wieS das Verlangen nach mehr Macht für den Reichspräsidenten zurück und betonte, daß der deutsche Reichspräsident mehr Rechte habe als der König von England. 2>er deutsche Parlamentarismus stecke wohl noch in den Kinderschuhen, aber es werde gelingen, den deutschen Reichstag zu einem vollkommen gerüsteten Führer deS deutschen Volkes zu machen. Auf kulturellem Gebiete befänden wir unS in der Verteidigung. Wan denke nur an das bayerische Konkordat, nach dessen Bestimmungen an den Universitäten Würzburg und München kein Prozessor ber Geschichte wirken dürfe, ber nicht bie Zustimmung ber katholischen Kirche habe. Aus schulpolitischem Gebiete fei das Ideal der Demokratischen Partei die deutsche Einheitsschule. Zum Schluß forderte Dr. Koch ein neue» Wahlgesetz, da» dafür sorgt, daß wieder bet Mann seinen Wahlkreis erhält und nicht bie Partei- maschine.
Der frühere ReichSsinanzminister Dr. Rein- hold beschäftigte sich bann vor allem mit wirt- schoftS- und steuerpolitischen Fragen und trat dabei insbesondere für eine weitere Steuersenkung fein. Eine volle öffentliche Kasse sei für die öffentliche Verwaltung kein Glück und reize zur AuSgabenwirtfchaft. Gr erinnerte an seine anfangs sehr umstrittene Steuersenkungsvorlage im Jahre 1926 und meinte, daß eS in Deutschland wohl leichter wäre, Steuern zu erhöhen. alS Steuern zu senken. Auf da» tiefste zu bedauern sei. daß die gegenwärtige Regierung in der Steuersenkung, die ja nur ein Anfang sein sollte, nicht iortge ahren habe. Ebenso sei man auf dem Gebiete der Steuerreform und Steuervereinheitlichung nicht nortoärt» gekommen. Auch eine gründliche Verwaltungsreform, ohne die eine wirtschaftlich tragbare und soziale gerechte Steuersenkung nicht möglich sei. müsse endlich erfolgen.
Sittlichkeitverbrechen der Besahungsarmee.
Vor dem französifchen Kriegsgericht jn Landau wurde gegen die Urheber der beiden Sittlich- keitsoerdrechen bk im März d.2 von An- I gehörigen ber Beiatzungstruppen in Ludwigshafen
und Ludwigswinkel begangen wurden, verhandell. Während der ganzen Dauer der Verhandlung war die OefjenUichkeit ausgefchlosien und die Anwesenheit der deutschen Presse nicht geduldet. Die wir erfahren, wurde der eingeborene algerische Schütze Haifsa, der am 4. Mär; d. I. aus einem fahrenden Zuge der Bas- gau-Kleinbahn heraussprang, und ein auf der Straß« gehendes deutsches Mädchen, das bei seinem Heran- nahen in den Wald flüchtete, überfiel und vergewaltigte und trotzdem bis zu seiner Flucht bei der Wachtkompagnie Ludwigswinkel auf freiem Fuß belassen wurde, wegen Sinlichkeitsoerbrechens und Fahnenflucht zu einer (Befamtgcfängnirftrafe con einem Jahr verurteilt. Eine Strafe in gleicher Höhe erhielten die zwei Urheber des Ludwige Hafener Zwischenfalls, die auf offener Straße vor der Kaserne unter zustimmendem Gelächter ihrer am Fenster stehenden Kameraden eine deutsche Frau mit unsittlichen Anträgen in schamlose st er Weise belüft l g t e n.
Aus aller Welt.
Starke Frostschäden im WcinbaugflReL
Nach den bisherigen Feststellungen haben die Nachtfröste auf den 11. und besonder» aus den 12. Mai, die Kältegrade bi» zu 3 Grad brachten, einen ungeheuren Schaden an den Weinbergen der Mosel, Saar und Ruwer angerichtet. Der Frost kam von der Höhe, so daß d i e Höhenlagen besonder« betroffen wurden. Streckenweise vernichtete der Frost aber auch bie Weinberge bi» in« T a l hinunter. E» waren Schäden von 10, 53 und 100 Prozent ber Ernte festzustellen. Im GesamtdurÄHnitt dürfte sich der Schaden auf mindesten» ein Drittel der Srnte beziffern, wa» einen Ausfall von 25 000 Fudern oder 25 bis 30 Millionen Mark bedeutet.
Erdbebenkatastrophe In Peru.
Chachapoyas, die Hauptstadt des Bezirks Amazonas, ist teilweise durch ein Erdbeben zerstört worden, auf das ein Wolkenbruch folgte. Drei Personen wurden getötet. Die Türme einer Kirche stürzten ein. Die Einwohner flüchteten in die Umgebung.
von einem Löwen gebissen.
Am Sonntag faßte im Zoologisch«n (Barten von M ü n ft e r ein zwölfjähriger Junge durch das Maschengitter, um einen kleinen Löwen z u streicheln. Das Tier zog den Arm des Jungen in den Käfig. Besucher und ein herbeigerufener Wärter versuchten mit Stöcken, den Knaben zu retten. Nur dem glücklichen Zufall, daß der in dem Käfig befindliche S) u n b den Löwen ablenkte, ist es zu verdanken, daß das Raubtier von seinem Opfer ablief}, das schwere Fleischwunden erlitt.
Ein Raubmord nach acht Jahren aufgeklärt.
3m Jahre 1920 wurde ber Lanbwirt und Pferdehändler Wilhelm Krause au* Brüssow am Ufer eines Sees tot aufgefunden. 2000 Mark, die er am Vortage noch bei sich gehabt hatte, fehlten. Dieser Umftanb sowie Verletzungen am Kopfe ber Leiche und einige Kampfspuren In ber Nähe beS Sees ließen auf einen R a u b - m o r b schließen. Die damaligen Ermittelungen blieben jedoch ergebnislos. Dor einigen Monaten tauchten neue Verdachtsmomente auf. Der 50 Jahre alte Rechtskonsulent Erich Zastrow und ein 31 Jahre alter Arbeiter namen» Alfred Rieck, beide aus Brüssow, wurden unter dem dringenden Verdacht ber Täterschaft festgenommen unb überführt. Zastrow hat ?tzt ein Gestänbnis abgelegt, während Rie^- ie Teilnahme noch heft reitet.
Die Wetterlage.
"ken^ao den# mar && 7*aaends
Oa«tM
©woittwot enr-fr »nue treten ®v»«'a • Käctu # Jtlett aVivxm e "«Kl X 1,11
Itithtr- Oii d «4$not* Q vereinet' ic'<vc>S
e,( Mt.w llitet* ->"» WM S*
KO gtotn e.t Temxrttu. " P« t**> •" »ICKl«
tveitervoiauvtagc.
Die gestern im Norden und Süden lagernden Ticfdruckwirbel haben fich zu einer Depression vereinigt, deren Kern heute morgen über Nord- deuttchland lag und v.elerort« Niederschläge brachte. Die an der Rückseite de» Tiefs vororin- genben ozeanischen Kaltluftmasfen werden morgen den Witteruntz-charakter noch unfreundlich gestalten und vereinzelt Schauerregen auftreten taffen.
Wettervoraussage für Donner»* tag: Meist wolkig, verhältnismäßig kühl, vereinzelt Scha.rcrregen. westliche bis nordwestliche Winde.
Witterung«au«sichten für Fr t: ag: Wolkig mit zei.we 'em Aufheitern. Temperaturen wenig verändert, noch vereinzelt leichte Niederschläge.
Lufttemperaturen am 15 Mai mittags 10,5 Grad Celsius, abends 7,4 Grad Celsius; am 16. Mal: morgens 6,1 Grad Celsius Tlartmum 12,4 tirau Celsius, Minimum 5,6 Grad Celsius — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 15. Mai: abends 12,3 Grad Celsius: am 16 Mai: morgens 10,2 Grad Celsius. — Niederschläge 4,2 Millimeter. — Sonnen- scheindauer eine halbe stunde.


